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Tanz der Verben auf dem Papiere


 

 
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Stagepilot
Geschlecht:männlichWortedrechsler

Alter: 54
Beiträge: 52
Wohnort: SüdSuedWest


BeitragVerfasst am: 05.06.2022 15:37    Titel: Tanz der Verben auf dem Papiere eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

«Darf ich bitten?», fordere ich zunächst das Adverb eines abends auf.
 Es nickt und gesellst sich zu mir, eng umschlungen tänzeln wir zwischen Artikel, Attributen und bremsenden Satzzeichen; bis uns das Adjektiv begeistert anspricht: «Wie sie beide heute in dieser Wörterbude abtanzen, beeindruckend!»
 «Danke, für das Kompliment», raune ich und frage nach
 «Wie geht es dem Nebensatz, habe ihn noch nicht gesehen?».

Gesagt, getan, da taucht er auf, am Rande des Parketts, so unscheinbar. Wir schlängeln uns an meinem Bruder, dem substantivierten Verb vorbei, ER grüßt und bemerkt: «Das Schwofen bewegt selbst die trägen Nomen», die am Rand als Zuschauer applaudieren.

Der Erzähler mischt sich ein und korrigiert das Pronomen «ES, es muss ES heißen – das substantivierte Verb, also ES nicht ER – oder doch ER, etwa dual?».

Die Musik verstummt, alle glotzen den Erzähler an, Protest schwebt im Raum.

«Dieser Einwurf des Erzählers bringt jeden Text außer Takt, außer Rand und Text sozusagen», protestieren die Satzzeichen der Wörtlichen Rede, heute als ´Gänsebeinchen´ apostrophisch verkleidet.  
Die Interjektion schüttelt die Buchstaben: «Tzzt, Ztz, hey, was mischt sich der Erzähler hier ein?!»  
Die Präposition kontert: «Auf der Einladung stand: Jede Wortart und Begleiter erwünscht!, so auch der Erzähler!»  
«Wow» kommentiert die Interjektion.
Mein Tanzpartner-Adverb floskelt «Also, wenn der Erzähler glaubt, er sei ein Begleiter, was meinen die Artikel dazu?»
DER, DIE, DAS trommeln eine/einen gendergemäß zusammen. Sie beraten, murmeln und stellen fest : «Der Erzähler hat sich während einer Tanzveranstaltung im Tanz der Verben, also der Wortarten und Co. bitte zurückzuhalten.»
Jede/r schaut erwartungsvoll auf das, was die Satzzeichen wohl dazu meinen.
Das Ausrufezeichen, als Turm verkleidet, stampft mit den Füßen auf und stimmt den bestimmten und unbestimmten Artikeln, der Interjektion und der Präposition zu. «Hört auf mit dem Gezanke, lasst uns einen vernünftigen Satz tanzen.»
 «Ganz meiner Meinung, oder wollt ihr den Abend diskutieren?», ergänzt das Fragezeichen.
Gemeinsam fordern sie fragend auf «Lasst uns drüber nachtanzen?!»

Die Musik erklingt. Dem Pronomen allein fällt kein Satz ein. Es bemerkt, gegenüber der Numerale, das jemand zum 1., 2., 3. mal den Walzer spielt, gefühlte 100 mal.
Nach zwei Stunden tanze ich mit einem fremden Adverb. Wir sehen im vorbeihotten, wie das Wiewort, mittlerweile schön, blau, angeheitert und nur noch durch die Konjuktion gestützt wird, aber an uns vorbei steppt, als ob es noch nüchtern sei und irgendwie über den perfekten Satz grübelt.
Das Adverb säuselt mir ins Ohr: «Ich rieche mindestens drei Uzo» und sehe wie der Barmann endlos grübelnd nachkippt, in ein Glas voller Wörter //oder mit Wörtern beschriftet//.
Der Erzähler mischt sich wieder ein, er greift zum Mikrofon, das wie ein kleines Ausrufezeichen wirkt: «Verehrte Gäste, liebe Wortarten und Satzzeichen, ich schlage vor, wir stellen uns in einer Reihe zum Square Dance auf und üben einen Aufbau».
Der Protest bleibt diesmal aus. Schnell formieren sich Artikel, Verb, Adjektiv und alle, die etwas zum Satz beitragen können, in einer Reihe und bitten die Satzzeichen nachzufragen, ob es so in Ordnung sei?

 Der Erzähler reicht währenddessen jeder Wortart und den Satzzeichen ein Stück Papier und schlägt vor «Die Verben mögen den Satzaufbau koordinieren».
Das Adverb nickt zustimmend, das Adjektiv ist begeistert. Alle schreiben ihren Namen aufs Papier, starren aufs Verb.
Das Verb tritt hervor, bittet den Begleiter an den Anfang. Als «Dualer Artikel» habe «der/die/das und einer/eine/eines» den Vortritt. Der Artikel empfiehlt «Ladies voran» und notiertdas Wort «Die» aufs Papier. Nun fordert das Verb das Nomen auf sich einen Namen, ein Tier, ein Gegenstand, was auch immer auszudenken. Es entscheidet sich für «Katze» und stellt sich neben den Artikel......
Das geht solange bis der erste Entwurf
«Die Katze tritt die Treppe krumm!» lautet.
Enttäuscht blicken die anderen Wortarten und Satzzeichen das Verb an. "Und wir, was wird aus uns?"

Soweit erstmal. Die Story habe ich noch nicht ganz beendet. Wünsche mir erstmal ein Feedback.
Danke



_________________
Du sollst nicht übermäßig fressen, saufen, spielen: Schreib und lass die Verben tanzen!🤸
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HansGlogger
Geschlecht:männlichLeseratte

Alter: 63
Beiträge: 193
Wohnort: Bayern


BeitragVerfasst am: 05.06.2022 19:18    Titel: Antworten mit Zitat

"Klatsch, lach, jubel", ruft der Erikativ vom Rande.

Der Text zieht sich gegen Ende hin etwas in die Länge, IMHO.
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SannyB
Geschlecht:weiblichLeseratte


Beiträge: 117
Wohnort: BaWü


BeitragVerfasst am: 05.06.2022 19:22    Titel: Re: Tanz der Verben auf dem Papiere Antworten mit Zitat

Hallo Stagepilot,

sehr überraschender, lustiger Text!
Ich glaube, man muss ihn in Ruhe sacken lassen, um die Details zu verdauen.

Bin nur über einen kleinen Fehler gestolpert:

Stagepilot hat Folgendes geschrieben:

 Es nickt und gesellst gesellte sich zu mir,


Zitat:

 «Darf ich bitten?», fordere ich zunächst das Adverb eines abends auf.

Den Beisatz finde ich etwas umständlich; das "zunächst" wirkt, als hätte es sich einfach dazwischen gedrängt. Würde es umformulieren zu:
«Darf ich bitten?» Eines Abends forderte ich das Adverb zum tanzen auf.

Zitat:

tänzeln wir zwischen Artikel, Attributen und bremsenden Satzzeichen;

Sehr passend, wie das Semikolon dort bremst smile

Dein Text malt trefflich das Bild eines Schriftstellers mit Schreibblockade.

Viele Grüße,
Sanny
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