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Über Säbelzahntiger und die modischen Anliegen des indigenen Zivilisationsmenschen


 

 
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Oskar
Gänsefüßchen


Beiträge: 17



BeitragVerfasst am: 31.05.2022 11:18    Titel: Über Säbelzahntiger und die modischen Anliegen des indigenen Zivilisationsmenschen eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Der psychologisch versierte Achtsamkeitsmensch moderner Tage tendiert dazu die Schranken seines Daseins ständig ein Stück weiter verschieben zu wollen. Der geistige Überbau, der ihn dazu beflügelt, spiegelt sich nicht selten in der Auffassung, dass alle ihm unliebsam gewordenen Eigenschaften nicht mehr zu ihm gehören sollten, sondern als anthropologische Vorläufer seiner Werdungsgeschichte über den Weg einer verhaltenstechnischen Umschulung modifiziert werden müssten. Man gefällt sich beispielsweise darin, zu erklären, dass Ängste und deren Reaktionsmechanismen für den Verhaltenscodex innerhalb eines aufgeklärten Umfeldes nicht mehr zeitgemäß sind, da sie aus einer evolutionären Epoche stammen, in der sich der Mensch noch gegen Säbelzahntiger zu Wehr setzen musste. Ein weit zurück liegendes Zeitalter des Fressen und Gefressen werden, wo der Gegner sich noch als handfestes Gegenüber präsentierte, und nicht als bloße, psychotische Manifestierungen evolutionäre Artefakte im Inneren der Seele. Dagegen setzen Vertreter einer Grenzen überwindenden Psychogenese das Bild eines mit der eigenen Position verschmelzenden Gegenübers, welches sich als Ideenkonstrukt der Geistesgeschichte unter dem Begriff Dualismus einen Namen gemacht hatte. Sie argumentieren, dass man die Verhaltensstrategien zurückliegender Epochen vielleicht noch als Reminiszenz an des Gewesene auf dem gereiften Gaumen des Schöngeistigen und Achtsamen verspüre, ansonsten aber in die Verhaltensfallen des Zurückliegenden nicht mehr tappen solle, da ihnen die Grundlage für ihre Daseinsberechtigung entzogen wurden (beispielhaft sei hier wieder der Säbelzahntiger aufgeführt). Im Zuge ihrer Argumentation legen sie nicht selten ein Zeugnis von überhöhter Selbstwahrnehmung ab, welches das Implizite der Abkehr vom besagten Dualismus klarer zum Vorschein treten lässt, als es ihnen vordergründig lieb und recht sein mag. Angesichts ihrer Berufung auf das domestizierte Gemeinwesen, gar der domestizierten Menschenseele, könnte man auch sagen: Es tritt eine Arroganz zu Tage, die nicht unwesentlich dadurch bestimmt zu sein scheint, dass das Bewusstsein sich in einer Welt erlebt, dessen vornehmste Eigenschaft darin bestehen dürfte, bei Laktose freiem Cappuccino über die richtigen Stellungen während des Yogas zu sinnieren. Einer Welt, das sollte man nicht außen vor lassen, deren Grundlagen im letzten Jahrhundert gelegt worden sind, und bei dessen Anblick wohl selbst der ausgestopfte Säbelzahntiger auf seiner Museumsinsel die Yoga Figur eines fliegenden Kranichs zu imitieren versucht.

Diejenigen, die im Kampfmodus ihrer fliegenden Kranich Figuren nun alles anders machen wollen, da sie jegliches ihrem Sein entgegen stehende Sein als verstaubtes Relikt der Geschichte begreifen, nur noch an die das Gegensätzliche auflösende Symmetrie, nicht aber an das Widersetzliche der einzelnen Elemente des Dualismus glauben, geben als modernes Schlachtfeld für ihre forensischen Scharmützel gerne die Studien psycho-soziologischer Denkfabriken an, um als Nachkommen der Säbelzahntiger Bezwinger die Passionsfrucht ihres jetzigen Daseins in die Münder der gereiften Gesellschaft zu legen, auf dass alles mundtot gemacht werde, was die Bürgschaft ihres geistigen Adels mit Pogromen von Fantasten verwechselt.

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nebenfluss
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BeitragVerfasst am: 01.06.2022 14:05    Titel: Re: Über Säbelzahntiger und die modischen Anliegen des indigenen Zivilisationsmenschen Antworten mit Zitat

Hallo Oskar,

finde ich insgesamt gut geschrieben und auch etwas zugänglicher als deine anderen philosophischen Notizen hier im Forum. Trotzdem fordert mir der Text noch große Konzentration ab, was möglicherweise deinem Anspruch an die Leserschaft entspricht, sich aber durch Entzerrung der ein oder anderen Bandwurmschachtel reduzieren ließe. An manchen Stellen entsteht bei mir doch ein latent schwurbeliger Eindruck, gewissermaßen eine Überpräsentation von Worten ohne Notwendigkeit für die inhaltliche Substanz:
Zitat:
welches das Implizite der Abkehr vom besagten Dualismus klarer zum Vorschein treten lässt

"Besagten" kann m. E. raus, denn besagt doch vielmehr gar nichts. Und ist es wirklich präziser, hier vom Impliziten der Abkehr zu sprechen, anstatt einfach nur von der Abkehr?
Zitat:
Einer Welt, das sollte man nicht außen vor lassen, deren Grundlagen

Diesen Einschub könnte ich mir vielleicht in einem mündlichen Vortrag vorstellen, aber verschriftlicht finde ich ihn überflüssig.

Zitat:
Diejenigen, die im Kampfmodus ihrer fliegenden Kranich Figuren nun alles anders machen wollen, da sie jegliches ihrem Sein entgegen stehende Sein als verstaubtes Relikt der Geschichte begreifen, nur noch an die das Gegensätzliche auflösende Symmetrie, nicht aber an das Widersetzliche der einzelnen Elemente des Dualismus glauben, geben als modernes Schlachtfeld für ihre forensischen Scharmützel gerne die Studien psycho-soziologischer Denkfabriken an, um als Nachkommen der Säbelzahntiger Bezwinger die Passionsfrucht ihres jetzigen Daseins in die Münder der gereiften Gesellschaft zu legen, auf dass alles mundtot gemacht werde, was die Bürgschaft ihres geistigen Adels mit Pogromen von Fantasten verwechselt.

Wow Laughing - als krönenden Abschluss dann endgültig die Schmerzgrenze sowohl der Satzkonstruktions- als auch der Metaphorikkünste ausgelotet ... aber da ich dem Text bisher aufmerksam gefolgt war, erzählt mir das Eingerötete nichts Neues. Es ist zwar einerseits okay, das als Fazit zu wiederholen, aber die Streichung würde dem Satz zu besserer Lesbarkeit verhelfen.
Und gerade, weil sich die Bezüge des öfteren nur mühsam erschließen, muss ich ein paar ernste Wörtchen über deine Worttrennungsgewohnheiten fallen lassen:
Zitat:
Ein weit zurück liegendes Zeitalter des Fressen und Gefressen werden

Genitiv, Gefressenwerden: Entweder des Fressens und Gefressenwerdens oder des Fressen-und-Gefressenwerdens.

Des weiteren Yogafigur (oder Yoga-Figur), Kranichfiguren und Säbelzahltigerbezwinger (oder einfach Tigerbezwinger).
Und beim laktosefreien Cappuccino fällt mir auf, dass er als laktosefreier Latte Macchiato (ebenfalls in Kombination mit einer Affinität zu Yoga) bereits beim 'Prota' in Das Wir in dir auftaucht - ein beabsichtigter Running-Gag oder ein unfreiwilliger Beleg dafür, dass sich beide Texte eigentlich an einem ähnlichen Phänomen mit derselben Feind- oder Spottfigur abarbeiten?

Inhaltlich habe ich einerseits nichts auszusetzen. Es ist eben ein philosophisch recht eloquentes Nachdenken über die Natur dieses "neuen", vermeintlich endgültig Platons Höhle entflohenen Menschen, der sich im Komfort einer nahezu grenzenlosen Freiheit/Schrankenlosigkeit des eigenen (geistigen) Daseins suhlt. Was mir ein bisschen fehlt, ist die Begründung für den Spott: Säbelzahltiger kommen ja im weiteren Umfeld laktosesensibler Cafébetriebe höchstens noch im bewachten Gehege vor - ist nun das die Arroganz, die der Text adressiert, oder soll hier nicht auch eine Realitätsferne angedeutet werden, die sich durch ein anderes, faktisch bedrohlicheres Gegenüber erschließen müsste?


_________________
fehlende Quellenangabe: mein Kopf.
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Ralphie
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BeitragVerfasst am: 01.06.2022 14:15    Titel: Antworten mit Zitat

Durch die vielen fehlenden Satzzeichen bekomme ich leider keinen Kopf aus der Geschichte.
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Oskar
Gänsefüßchen


Beiträge: 17



BeitragVerfasst am: 02.06.2022 11:15    Titel: Re: Über Säbelzahntiger und die modischen Anliegen des indigenen Zivilisationsmenschen pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi nebenfluss, dank dir für deine Bemerkungen.

Das mit dem "Implizit" ist von mir schon sehr bewusst so gewählt. Würde ich auf keinen Fall ändern. Letzlich aber alles wie immer Geschmackssache.

Generell: Ja, in Rechtschreibung  (insbesondere mit den verflixten Kommatas stehe ich auf Kriegsfuß Smile) ... da war ich noch nie ein Ass.

Zum Thema et all: Bei den Textschnipseln, die ich hier eingestellt habe (außer Europapark), handelt es sich um Auszüge eines etwas umfangreicheren satirischen Textes von mir (Titel: Der Wüstengeher Smile). Also klar: All das sollte auch unter dem Gesichtspunkt der geschwurbelten Satiere gelesen werden.
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