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Hasch (eine Erinnerung)


 

 
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wohe
Geschlecht:männlichEselsohr

Alter: 69
Beiträge: 403
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 27.05.2022 14:26    Titel: Hasch (eine Erinnerung) eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Disclaimer: alles Illegale ist reine Phantasie - der Rest ist so geschehen.

Kürzlich wachte ich morgens auf und hatte Jim Morrison und „Break On Throug“ im Kopf und diesen Song hörte ich vor über 50 Jahren, als ich mich eines Abends zu meinem Freund Michael U. begab, um über all das zu klagen, über das man als Heranwachsender halt so klagt.
Konkret waren dies:
- Heike B, die ich seit einiger Zeit umgarnte, gab mir deutlich zu verstehen, dass mein Interesse ein einseitiges war,
- meine himmelblaue Herkules war mit ihren 1,25 PS deutlich zu untermotorisiert für schnellere Fahrten,
- meine Eltern hatten mittels eines Blauen Briefs Kenntnis über meine schulischen Leistungen erhalten (oha, das gab vielleicht Ärger!) und
- die Welt war schlecht. Ganz einfach schlecht. Und ich konnte nichts dagegen tun, da das Wahlalter erst mit 21 begann.
Bei Michael lungerten die üblichen Verdächtigen herum und hörten, als ich dazu kam, eben jenes Lied.
Einer der Anwesenden war der einzige Anbieter und bis dato auch einzige Konsument von Haschisch im Ort. Dieser nahm seine Pfeife, stanzte kleine Löcher in Staniolpapier und pflasterte damit den Kopf der Pfeife aus. Darauf kam ein Kubus Haschisch, der übrigens verdammt schlecht brannte, und reihum sogen alle wie die Weltmeister.
War wohl so eine Art Werbeaktion.
Erster Eindruck: im Sinne von Geschmack war da überhaupt nichts zu spüren. Wie die meisten Jungs in meiner Umgebung war ich damals heftiger Raucher (erst mit von der Mutter geklauten Stuyvesant - Vaters Eckstein waren nun wirklich zu eklig - und dann mit den üblichen HB), aber das hier knallte dermaßen in die Lunge: Wow! Da verstopfte man aber wirklich jedes einzelne Lungenbläschen mit nem Betonklotz.
Tja. Und dann saßen wir da rum und warteten auf Godot.
Der nicht kam.
Also verabschiedete ich mich und machte mich auf den Heimweg (ungern wg. des Blauen Briefs, aber ich konnte ja nicht ewig wegbleiben), schwang mich auf meine Herkules und sauste nach Hause. Und zwar mit einem Affenzahn! Die Straße war immer schon recht steil gewesen, aber an dem Tag war sie um Welten steiler und nur weil der Tacho maximal 60 km/h anzeigte, konnte ich die gefühlten 100 nicht beweisen.
Tja, und auch die Standpauke meines Vaters bezüglich meines seiner Meinung nach unzureichenden Arbeitseinsatzes für die Schule ging wie im Flug an mir vorüber.
Verständlich, dass ich jede Menge Versuche mit jenem schwarzen Zeug unternahm. Natürlich zerbröselt und unter HB-Taback gemischt in geschmacklich verträglichere Form gebracht - schließlich sollte der Rauchgenuss nicht fehlen. Die Ergebnisse waren jedoch sehr zwiespältig.
Das Lernen lateinischer Vokabeln gelang unter Haschischeinfluss nicht nur nicht besser, sonder leider überhaupt nicht (der Versuch endete mit einer glatten Fünf für eine sehr, sehr freie Übersetzung des gallischen Krieges) und auch die für das Balzritual erforderliche Eloquenz erschien mir zwar deutlich gesteigert, jedoch war dieser Eindruck wohl eher subjektiver Natur.
Da klappte nix. Aber auch gar nix.
Allein ein allgemein verbessertes Lebensgefühl und eine anscheinend wahnsinnig schnell gewordene Herkules blieben als Resümee und so rauchte ich das Zeug in der Folge dann hauptsächlich für den Geschwindigkeitsrausch.

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John McCrea
Geschlecht:männlichLeseratte

Alter: 48
Beiträge: 164
Wohnort: OWL


BeitragVerfasst am: 27.05.2022 16:00    Titel: Antworten mit Zitat

Hi wohe,

ein kurzer, vergnüglicher Text.
Am besten gefällt mir die sehr, sehr freie Übersetzung des gallischen Krieges.
Wenn Du sie noch hast, stelle sie doch auch einmal hier herein. smile

Was mir auffällt, entweder Du warst ein doch recht starker Charakter als junger Mann oder Du unterschlägst uns hier ein wenig Deine eigene Verletzlichkeit.
Psychedelisches Gedankentum, Melancholie, das ist etwas was ich mit meiner ganz frühen Studizeit in Erinnerung bringe, begleitet mit dem ersten Kiffen.

Aber Du hast Recht, auch ich war als 18 jähriger wesentlich charakterfester.

Wiglaf Droste hat auch einmal ein schönes Stück über solche Jugenderfahrungen in Bielefeld geschrieben: Wiglaf Droste : Späte Rache oder The Köln Concert
Das findet man auf youtube.


_________________
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wohe
Geschlecht:männlichEselsohr

Alter: 69
Beiträge: 403
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 28.05.2022 11:47    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi John McCrea,

Vielen Dank für Deinen Kommentar und Deinen Droste-Tipp lol (Jarrett fand ich schon immer ganz große Klasse, aber Köln Concert kannte ich noch nicht).
Das mit der Übersetzung klappt leider nicht - es war damals eine Klassenarbeit.

MfG Wohe
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Miss Purple
Geschlecht:weiblichLeseratte


Beiträge: 115
Wohnort: In den öden Weiten des Rübenanbaus


BeitragVerfasst am: 04.07.2022 17:13    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo @wohe
Zitat:
Tja. Und dann saßen wir da rum und warteten auf Godot.
Der nicht kam.


Da MUSS ich drauf antworten - schon deshalb, weil ich durch Dich bestätigt sehe, dass "warten auf Godot" längst ein geflügeltes Wort geworden ist und  durchaus in eigenen Werken als Überschrift (wie bei mir) oder im Text (wie bei Dir) benutzt werden darf.
Was die Ergebnisse der Kiffversuche Deines Erzählers betrifft: Hat bei mir als junges Mädchen ähnlich NICHT gewirkt, nur Hustenreiz ausgelöst - und eine, bis heute anhaltende Abneigung gegen Kiffer-Gelaber. Als Mädchen, das um elf Zuhause sein musste, aber gerne mit irgendwelchen Jungs in der Pampa zusammen gehockt hat, habe ich oft erlebt, wie der Joint gekreist ist und anschließend nur dummes Zeug gequatscht wurde. Ich erinnere auch, wie sich alle scheckig gelacht haben, wenn ich irgendwann leise gefragt habe: "... und wer von euch fährt mich jetzt wieder nach Hause?".
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