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Die Tage, bevor ich von hier verschied


 
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pentz
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BeitragVerfasst am: 21.04.2022 18:22    Titel: Die Tage, bevor ich von hier verschied eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Gisi sitzt mir gegenüber, hinter ihr das Fenster, das zum Garten und gegenüberliegendem Haus hinausgeht. Man sieht nur das oberste Stockwerk, die spitz zulaufende Dachwohnung und auf dem Dach einen Schlot, aus dem kümmerlicher, schwarzer Rauch herauskommt. Daneben ist eine Rotbuche zu sehen und weiter hinten, weil das Land weit und flach ist, ein Horizont, der von der Mittagssonne beschienen wird.
Gisi labert, labert, aber ich verstehe kaum etwas, nur Stichworte, so kann ich mich von der schönen Aussicht erquicken, das passt, sie soll reden, wenn es ihr gutgeht, mir geht es auch gut, wenn ich diese romantische Aussicht genießen kann. Ab und an greife ich immerhin ein Stichwort auf, damit sie nicht das Gefühl hat, sie monologisiere und ich würde ihr nicht zuhören. So schleppen wir uns gut einen halbe bis volle Stunde durch den Spätvormittag.
Was ich verstehe, ist, sie wolle ein paar Wochen zu Freunden. Vielleicht wieder aufs Land ziehen. Alles stehe ihr bis zum Hals. Freiheit, Neubeginn, aber das sind bloß so Gedanken zunächst mal. Darüber müßte sie sich noch näher Gedanken machen. Über diese Gedanken.
Ausziehen? Gisi. Unglaublich.
Sie kann nicht einmal Sorge für ihre Zähne tragen, die künstlichen meine ich, die oft genug am Klo, in der Küche auch, natürlich im Bad mittendrinnen im Geschehen herumliegen. Ätzender Eindruck muß man sagen. Dieses künstliche Rot, fast chemisch ätzend erscheint es und dann die weißen Hackerchen darauf. Wenn man weiß, sie sind künstlich, wirken sie mit Mordinstrumente.
Letzthin habe sie einen Teil ihrer künstlichen Zähne nicht aus dem Gebiss herauslösen können und hat sie eine Woche drinnenlassen, bis sie endlich zum Zahnarzt bequemt hat. Das muß furchtbar gestunken haben. So künstliches Gebiß muß doch, soweit ich weiß, jeden Tag in einem Reinigungsmittel über Nacht deponiert und gelebt werden, oder?
Nö, das kann ich mir nicht vorstellen, daß es Gisi schafft, sich eine eigene Wohnung aufzutun, no. Sie hat überhaupt auch kein Bewußtsein dafür, daß sie krank sei. Sie hasst den Verein, der ihr Betreuung zukommen lässt und findet, daß sei eigentlich gar nicht nötig, hier zu sein, da sie nicht psychisch instabil wäre. Alles in Ordnung mit sich, denkt sie. Ein gutes Selbstbewußtsein, dafür spricht einiges. Nur nicht ein realistisches. Leider.
„Wenn Du eine eigene Wohnung hast, wirst Du da mit jemanden anderen zusammenziehen?“
„Daß weiß ich nicht. Ähm. Ich weiß noch gar nichts. Mal sehen!“
„Hängt wahrscheinlich auch von den Umständen der Wohnung ab.“
„Genau!“, sagt sie desinteressiert.
„Einsam ist alleinsam! Blöder Spruch, aber Du weist schon wie ich mein.“
Sie lacht. „Ja, ja!“

Das Nachbarmädchen steht oben auf dem Geländer, das die Kellertreppe umgibt und linst durch ein Loch, das die Bretter, die in Abständen von 20 Zentimeter von unten gesehen angebracht sind, auf mich herunter durch die Tür, in der ich im Waschraum an einem Tisch, auf dem ein 2-Herdkocher steht in einer Pfanne Essen mache.
„Deine Küche sieht aber nichts schön aus!“
„Spinnst Du! Ist das nett über andere Leute Sache Schlechtes zu sagen.“
Ich weiß nicht genau, wie alt sie ist, vielleicht vier, fünft, aber ich kann Alter ohnehin sehr schlecht schätzen, aber das müßte sie doch schon wissen. Aber Kinder sagen stets einfach die Wahrheit, einfach so, kein Elternteil wird ihm gesagt haben: „Horch Mal. Sag bei einem Fremden nie etwas Negatives über seine Möbeln, Einrichtung oder sonstigen Gegenständen.“ Das ist zu weit hergeholt, als daß es sich merken könnte. So etwa kann eine Mutter nur nachhaltig erzieherisch beeinflussen vor Ort, sowie es geschieht eben, aber nicht von weiten.
Trotzdem mir Unrecht getan wurde. Halt eigentlich nicht. Ich habe Unrecht getan, ich habe so ein kleines Kind „Du-Spinnst-Wohl“ an den Kopf geworfen, wie unhöflich, ungebändigt und rüde. Zwar habe ich sie danach gestellt, habe noch gesagt: „Du bist aber nicht freundlich zu mir!“, aber es nützt nicht, ich habe ein kleines Kind beleidigt, beschimpft und vor den Kopf gestoßen. Ich fühle mich deswegen so schuldig, daß ich sofort aus dem Keller flüchte, in meine Wohnung nach oben und mich in einen guten Roman, zum Glück habe ich einen zur Hand, stürze und versuche alles zu vergessen. Aber nebenbei denke ich, jetzt werde ich es mit dieser Familie verschissen haben, wahrscheinlich hat die Mutter ihrem dort hinausgehenden Küchenfenster alles mitgehört und denkt jetzt, den kann ich dieses Kind nicht diesen Umgang zumuten. Dann wird sie sich gegen mich stellen, die ganze Familie, der Vater, die Mutter und schließlich das beeinflußte Kind. Dabei habe ich schon mit einer anderen Wohnpartei seit Jahren Krach oder besser Funkstille oder noch besser eisiges Aneinander-Vorbeileben. Das Leben in diesem Haus wird mir zur Hölle werden, zur Eiseskälte, zur totalen Isolationsstelle.
Ist ja auch zu blöd, nicht mit einem kleinen Mädchen umgehen zu können. Hätte ihr verbal übern Kopf streicheln sollen, sagen: „Schau mal. Es verhält sich so. Hier unten im Keller kochen ich nur notdürftig, im Sommer, wenn ich hier unten mich meistens aufhalte. Aber oben, in meiner Dachwohnung, da müßtest Du einmal meine Küche anschauen, das ist meine richtige Küche und die ist mindestens so schön wie eure, glaub mir!“ Genau, so hätte ich reden sollen. Was aber habe ich getan? Bin ausfällig geworden. Und zudem, wie ich es merke, bin ich verletzt, verzweifelt schier und das wegen einer spontanen, harmlosen, unberechtigten Bemerkung eines kleinen Kindes, als wäre ich nicht der Erwachsene, sondern sie, die mich kleines Kind in die Schranken gewiesen hätte, mir überhaupt was zu sagen hätte, der ich noch zu lernen hätte, wie die Welt konstruiert ist und demnach ich Anleitung bräuchte, um mich darin als Neuankömmling zurechtzufinden. Ist es nicht die Höhe? Welch ein Schlappschwanz bin ich eigentlich?

Vor letzte Woche einen Unfall gebaut. Ich bin wahrscheinlich der Schuldige, obwohl, das ist die Frage, dieser auf einem Discounterparkplatz stattfand und da, zumindest in Parkhäusern einschränkend oder nicht, sind immer beide Unfallverursacher halbe-halbe schuld. Verweist es aber nicht darauf, daß die Schuldfrage nicht eindeutig ist, da die andere Teilnehmerin sich erst nach einer Woche des Unfallzeitpunktes sich rührt. Ich habe ihr die Möglichkeit angeboten, daß wir das auch privat ohne Versicherung lösen können. Nun will sie dies so haben. Wahrscheinlich ist aber der Unfallschaden sehr gering, wenn sie dies haben will, mit an grenzender Sicherheit überhaupt keiner vorhanden. Doch argumentiert sie so: „Wenn die Achse ausgemessen wird, kostet dies 80 Euro und wenn tatsächlich dann ein Schaden vorhanden ist, wird das noch sehr viel teuerer, wenigsten erheblich teuerer als für 150 Euro, diesen Betrag ich Ihnen anstelle dessen anbiete.“  Sie hat sich nicht eloquent ausgedrückt, wie ich dies hier tue, denn sie ist „Russin“, des Sprachakzentes nach zu urteilen. Das Russische, zumindest soll es so klingen, wie mir mal eine Person gesagt hat, daß dies so gerne geübt werden würde zuhause in Russland, soll imperial, fordernd und mitreißend klingen, so klingt auch ihre Sprache, ihr Deutsch. Sie lässt keinen Zweifel, lässt kein anderes Argument, keine Konzession zu, denn als ich schrieb bezüglich der Schuldfrage, hat sie vehement abgelehnt und gesagt, daß sie mir schon weit genug entgegengekommen wäre. Was ist das für eine unbeugsame Person, daß sie sich nicht einmal auf einen Kompromiß einlässt? Das ist mir noch niemals passiert, oder höchst selten, einmal bei einem Soldaten, aber wenn wundert das schon?
Was sagt das? Russland ist nicht nur in die Ukraine eingefallen, sondern macht sich auch schon hier in unserem Land breit, Warnstufe rot!!!
Man kann aber sagen, es ist die Vorhut, die Elite, die Pioniere, die sich breit machen, alles niederwalzen, die Leute wie mich bei solchen Bagatellen einschüchtern, daß eine richtiggehende Russenangst grassiert. Es ist wirklich zu fragen, ob es sich tatsächlich um einen Unfall, der eindeutig von mir verursacht worden ist, handelt. Ich bin aus einem Parkplatz, soweit man von so einem sprechen kann, gut es ist so etwas wie durch weiße Striche ein Platz gekennzeichnet, in dem ein Pkw pass, herausgefahren und die andere Teilnehmerin war schon aus ihrem heraus und wollte zum Ausgang fahren, wobei sie, das schmälert meine Schuld wiederum nicht die übliche Richtung des Hinausfahrens gefahren ist, sondern die des Hineinfahrens. Allerdings, wie ich mir die Szene später genauer angeschaut hat, weisen dies Richtungen auch keine großen Pfeiler aus, wie das üblich ist. Auch ist keine Schild am Parkplatz zu sehen, das hinweist, das hier die allgemeinen Verkehrsordnungs-Regeln gelten. Jedenfalls ist mein Auto, genauer gesagt mein Reife genau auf den Felgen ihres Reifens zum Stehen gekommen und hat keine Delle in die Alu-Felge gebracht, Hinweis darauf, wie gering doch wohl der Zusammenstoße an Druck gewesen sein mußte. Ich selbst habe ich auch nicht das geringste bemerkt, allerdings habe ich meinen Radio lautstark laufengelassen gehabt. Nun, sowie dich das Fenster heruntergekuppelt hatte, gebot mich eine weibliche Offiziersstimme, nur nicht an dieser Seite auszusteigen, sondern die andere zu nehmen. Dann, als ich heraus war, hat ihr Sohn, ein junger Kerl, mit seinem Smart Phone den Unfall abgelichtet. Zudem hat sie dann noch einen Mann gerufen, auf den wir einige Zeit warten mußten, was nervig war. Als dieser da war, hat sie zudem noch die Polizei gerufen, trotz meiner Beteuerung, ich würde mich für schuldig erklären und die Kosten privat begleichen, und dem Hinweis, daß man diese nur dann anrufen solle, wenn es sich um größere Schäden handele, wovon auszugehen, bei diesem hier vorliegendem Fall mitnichten die Rede sein konnte. Nein, sie rief an, lachte immer wieder, als kenne sie den Polizeibeamten oder risse der Witze, oder wie oder was, legte dann auf, ließ sich meine Daten geben, ich überreichte ihr meine Visitenkarte und sie verabschiedete sich mit Aussicht, daß sie sich bald bei mir rühren würde, nachdem alles abgeklärt und überprüft worden wäre von einer Werkstatt.
Aber 150 für nichts und wider nichts sich geben lassen war doch widersinnig. Sie hat keinen Schaden, will aber 150 Euro abzocken. Hätte sie einen, oder ginge sie davon aus, würde sie ja eine Untersuchung, Überprüfung und Testung ihres Fahrzeuges vornehmen lassen. Dann wäre allerdings wohl die Versicherung involviert und da könne sie nichts persönlich in ihre Taschen stecken.
Nur darum geht es ihr!
Jedenfalls, was ich noch erzählen will, als ich nach dem Unfall, direkt am Parkplatz noch, ins Auto gestiegen war und es wieder zurück in die Parklücke gefahren habe, habe ich erst einmal stopp gesagt. Ich habe gedacht, mußte ja passieren, wenn du, was du niemals machst, einmal den Radio einschaltest. Im Ernst, er ist letztlich nur zur Dekoration da. Dann bin ich in Tränen ausgebrochen, weil ich ahnte, dass momentan etwas nicht stimmt und ich höchst gefährdet bin, Unfälle am laufenden Band zu machen. Und ich habe mich sogar gehen lassen, mit der Innenhand auf das Lenkrad zu hauen, was natürlich dem Fahrzeug nicht guttun dürfte. Aber ich wußte, nächste Woche wirst du dies bestimmt entsorgen, weil es so alt ist, daß es kaum mehr durch den TüV kommen dürfte.
Schließlich, nachdem ich mir die Tränen mit einem schmutzigen Tempo, hatte kein anderes, war eh schon egal, ausgewischt hatte, schließlich wollte ich nicht noch einmal einen Unfall bauen mit getrübten Augen, nicht wahr und bin herausgefahren. Als ich aus dem Parkplatz herausfahren wollte, habe ich auf die Bremse gedrückt, weil ich rechtzeitig eine Auto von linkst, bestimmt mit überhöhter Geschwindigkeit, auf mich habe zufahren sehen. Dann habe ich eine Stimme gehört: „Na, na!“, ich stand mit der Schnauze auf dem Bürgersteig, der zwischen Parkplatz und normaler Fahrbahn führte, und hätte, wenn dieser nicht aufgepasst hätte, vor lauter links Hinblicken den rechts heranfahrenden Fahrradfahrer überfahren, wenn er nicht aufgepasst hätte. Ich bin bedrückt und sorry, sorry rufend nach hinten zurückgestoßen, obwohl ich locker in die Fahrbahn hätte einbiegen können, weil der Fahrer links eine Lücke offenließ, aber ich wollte meine Demut zur Schau stellen, daran lags wohl oder ich war wirklich so betrübt und down und über mich erschrocken, daß ich beinahe nochmal in wenigen Minuten einen zweiten Unfall gebaut hätte. Der Fahrradfahrer mußte meine Niedergeschlagenheit gespürt haben, weil er samariterhaft säuselte: „Na, ist ja nichts passiert.“ Dann ist er mir zuwinkend, wirklich, vorbeigefahren. Ich habe mich sehr, sehr vorsichtig danach verhalten, hab links, rechts, links und wieder rechts geguckt, bevor ich mich eingereiht habe und bin mit 20 Sachen Kmh, fast unterentwickelt und gegen den allgemeinen Fahrstil verstoßend, nach Hause gefahren, ganz langsam ausgestiegen, und mich vorher x-mal im Rückspiel umgeschaut, ob wirklich niemand kommt, das Fahrzeug verschloßen und langsam durchs Gartentor, die Kellertreppe hinunter gegangen, stark darauf achtend, daß ich nicht stolpere, in meinen vier Wänden verschwunden.
Ich habe als letztes geschrieben, sie solle mir die 150 Euro bestätigten mit dem Zusatz, daß sie keine weiteren Ansprüche mehr stellen werde. Dies wurde mir von der Versicherung geraten. Sie könne die 150 Euro einstecken und trotzdem noch über die Versicherung Ansprüche stellen. Diese schriftliche Bestätigung verweigerte sie so vehement wie nicht zuvor: sie sei schon mehr als großzügig gewesen etc. Man kriegt richtigen Bammel vor diesen unbeugsamen, autoritären, intoleranten Russen.

Ich habe eine kleine Eigentumswohnung. Nun geht die Inflation in die Höhe. Die Wohnung habe ich von meiner gestorbenen Mutter übernommen, die vor sieben Jahren die Miethöhe festgelegt hat und nun mehr der Preissteigerung hinterherhinkt. Tatsächlich müßte ich noch einmal hundert Euro mehr für die Kaltmiete bekommen laut offiziellen Mietspiegel.
Wie mache ich die  Erhöhung dem Mieter klar?
Ich befürchte, ich verliere ihn, wie es meistens doch ist, wenn man etwas verändert, baulich zum Beispiel, bei einer Disko zum Beispiel, daß dann das Publikum schlagartig ausbleibt, oder man erhöht eben die Miete, daß dann der Vermieter kündigt. Dabei bin ich mit den Mietern, daß ist nicht der, der die Miete bezahlt, das sind quasi Sub-Mieter sehr zufrieden. Zum ersten Mal klappt zum Beispiel rotationsmäßig das Treppenputzen und auch ansonsten verwöhnen wir uns hin und wieder mit ein paar Freundlichkeiten, eine Schnitte eines von mir selbstgebackenen Kuchens, einem Schokoladenweihnachtsmann von ihnen, wenn es Anlaß gibt. Zum Beispiel haben sie mir Freundschaft, Zugänglichkeit und Trost gespendet, als sie erfahren haben, woher auch immer, daß meine Mutter gestorben ist. Das ist doch total nett.
Ich ertappe mich aber dabei, wie ich an Pinwänden in Discounter Aushängen mit Suche billige, saubere Mietwohnung schaue. Die Bezahlung ist sehr gut, die da angeboten wird. Verlockend, mehr, viel mehr als ich tatsächlich momentan bekomme. Aber welche Art Mieter kriege ich da rein? Nein, Schuster bleib bei deinen Leisten.
Nun muß ich aber den Hauptmieter auf die Mieterhöhung, um die ich einfach nicht herumkomme und die ja auch bloß 30 Euro beträgt, ansprechen. Aber ich habe natürlich Schiss, Muffensausen und gleich Panik, denke ich nur daran. Ich schiebe das Gespräch immer wieder hinaus. Gleichzeitig bin ich unter enormen Druck gesetzt, den die Inflationsrate steigt mit jedem Monat immer mehr hinaus. Ich komme in Verzug. Ich verarme. Ich stürze in Schulden.
Gleichzeitig hat mich eine Bekannte, als ich ihr dies erzählte, mahnend „gebeten“, eine Erhöhung, wenn sie denn sein müsse, nur sehr moderat vorzunehmen und abhängig von den finanziellen Hintergrund der Mieter zu machen. Aber erstens kenne ich deren Hintergrund mitnichten, zweitens warum sollte ich dies machen? Wegen altrúistischem Selbstschmeichelungsgefühl? Und gleichzeitig zu hungern. Den Cent noch einmal umzudrehen, und noch einmal? Mir noch billigeres, schlechteres Essen zu besorgen? Gar mein ohnehin schon sehr billiges, versicherungsprämienmäßiges auf dem untersten Level rangierendes Auto zu verzichten und abzumelden?
Nein, ich wehre mich entschieden dagegen, die Jesus-Rolle zu spielen.
Aber dies Sache wird allmählich auch zu Prinzip.
Erfülle ich die Anforderungen, Erwartungen, Regeln der Norm? Schaffe ich, wie alle anderen auch, die Gewerkschaften, die die Löhne erhöht, die Behörden, die die Gebühren angleicht, die Kaufhäuser, die die Preise hochschraubt, mich dem allgemeinen Trend anzupassen und eben auch das, was mir zusteht, dieser allgemeinen Tendenz anzupassen?
Oder bin ich der Abgehalfterte, der Verlierer, der die Anforderungen-nicht-erfüllen-Könnende?
Das ist eine schwierige, schwer auf mich lastende, erdrückende Frage, die ich mir dauernd stelle, an der ich nage, die mich umtreibt. Aber bislang konnte ich dieses Problem bislang nicht lösen. Immer wieder schiebe ich einen Anruf, wie mir geraten worden ist, zu tun, bei dem Hauptmieter hinaus, um ihn zu der Mieterhöhung zu befragen, äh, ihm vorzuschlagen, bzw. zu unterbreiten, wie immer man es ausdrücken will.

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Miné
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BeitragVerfasst am: 22.04.2022 10:22    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe die ersten Sätze bereits als langweilig empfunden. Irgendwie kommt keine Unterhaltung, Gefühl oder Spannung auf. Sorry Embarassed

Du hast zahlreiche Absätze, die ich radikal streichen würde. Wie den zum Beispiel:

Vor letzte Woche einen Unfall gebaut. Ich bin wahrscheinlich der Schuldige, obwohl, das ist die Frage, dieser auf einem Discounterparkplatz stattfand und da, zumindest in Parkhäusern einschränkend oder nicht, sind immer beide Unfallverursacher halbe-halbe schuld. Verweist es aber nicht darauf, daß die Schuldfrage nicht eindeutig ist, da die andere Teilnehmerin sich erst nach einer Woche des Unfallzeitpunktes sich rührt. Ich habe ihr die Möglichkeit angeboten, daß wir das auch privat ohne Versicherung lösen können. Nun will sie dies so haben. Wahrscheinlich ist aber der Unfallschaden sehr gering, wenn sie dies haben will, mit an grenzender Sicherheit überhaupt keiner vorhanden. Doch argumentiert sie so: „Wenn die Achse ausgemessen wird, kostet dies 80 Euro und wenn tatsächlich dann ein Schaden vorhanden ist, wird das noch sehr viel teuerer, wenigsten erheblich teuerer als für 150 Euro, diesen Betrag ich Ihnen anstelle dessen anbiete.“  Sie hat sich nicht eloquent ausgedrückt, wie ich dies hier tue, denn sie ist „Russin“

Der Absatz hat keine relevante Handlung für Deine Geschichte. Man wird auch nicht schlau daraus, was Du eigentlich erzählen möchtest.
Liebe Grüße
Miné Kommt noch was?
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Ingo.H
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BeitragVerfasst am: 25.04.2022 00:39    Titel: Antworten mit Zitat

Ich verstehe deinen Text nicht. Von daher kann ich nur wenig Feedback geben. Aber ich empfand ihn extrem schwer zu lesen. Ich nehme mal zwei Zeilen heraus und übe daran meine Kritik:
Zitat:
Was ich verstehe, ist, sie wolle ein paar Wochen zu Freunden. Vielleicht wieder aufs Land ziehen. Alles stehe ihr bis zum Hals. Freiheit, Neubeginn, aber das sind bloß so Gedanken zunächst mal. Darüber müßte sie sich noch näher Gedanken machen. Über diese Gedanken.
Ausziehen? Gisi. Unglaublich.


Mal davon abgesehen, das ich mich mit der Satzaufteilung schwer tue, weiß ich nicht warum ich hier lesen soll, wenn der Protagonist ihr eigentlich auch nicht zuhören will. Was ist seine Motivation an dieser Stelle?

Wer sind die Personen? Ich bekomme kein Gefühl für die Charaktere. Sind sie relevant? Warum gibt es sie?
Ich habe tatsächlich keinen Zugang bekommen. Das kann natürlich durchaus an mir liegen, aber da es noch nicht viel Feedback gab, dachte ich, ich sags dir lol2


_________________
Ingo R. R. Höckenschnieder
Wo die wilden Babenhausen (Süd) Band 1 | Wo die wilden Babenhausen (Süd) Band 2
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pentz
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Beiträge: 186



BeitragVerfasst am: 25.04.2022 13:46    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

danke ingo,

ich weiß selbst noch nicht, wohin ich will, so eine ahnung habe ich, aber ich weiß nicht, w i e ich dahin komme.
deswegen bin ich hier ja in der werkstatt.

ich bin für jede Reaktion dankbar.

danke
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pentz
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Beiträge: 186



BeitragVerfasst am: 25.04.2022 13:46    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

danke ingo,

ich weiß selbst noch nicht, wohin ich will, so eine ahnung habe ich, aber ich weiß nicht, w i e ich dahin komme.
deswegen bin ich hier ja in der werkstatt.

ich bin für jede Reaktion dankbar.

danke
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pentz
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BeitragVerfasst am: 04.05.2022 16:28    Titel: Samsara-Träume pdf-Datei Antworten mit Zitat

Am Wochenende wieder dort gewesen, wo ich mich mit Gisi unterhalten habe. Aber Gisi selbst ist für ein paar Wochen bei Besuch von Freunden.
Ich habe dort übernachtet.
Es gab am Abend zuvor im Haus einen Wasserschaden, der nicht wegen wochenends sofort repariert worden ist.
Es gab drei Wasserstellen in der Wohnung selbst, in der ich weilte, davon durfte eine nicht benutzt werden. Eines der benutzbaren Wasserhähne habe ich bedient, zu allem Überfluss vergessen wieder abzudrehen, so dass Wasser durch das Rohr in die untere Wohnung, 1. Stock, und auch in das Parterre geflossen ist und dort alles geflutet haben soll. Ich bin um dreizehn Uhr gegangen, um 15 ist meine Partnerin aufgestanden und hat das bemerkt. Also war es ein ganz schön lange Zeit, dass das Wasser sinnlos geflossen ist.
Meine Partnerin: „Hoffentlich hat das keine Konsequenzen!“
Ich habe meiner Gastgeberin dort geschrieben, dass ich mich bei den anderen Mitbewohnerinnen, nur weibliche, entschuldigen lasse und mich erkenntlich zeigen werde.

Im Traum sprach Mutter mahnend zu mir: „Fahr nicht immer nach Ba!“
Ba liegt 80 Kilometer von meinem Wohnort entfernt. Mutter lebt längst nicht mehr, zwei Jahre liegen zurück, als sie starb.
Warum fahre ich gerne nach Ba?
Dort habe ich sechs Jahre zugebracht und studiert, was nur meine Ma mir erlaubt hat gegen den erbosten Willen Papas.
Von hier nach Ba zu fahren, ist mit keinen Unkosten verbunden, ich habe eine notwendige Bahn-Karte, die ich mir für Erledigungen und Kinobesuche für die Großstadt zugelegt haben, die auch für Ba reicht. Warum sollte ich also nicht hin und wieder mal nach Ba fahren, mich entspannen in dieser schönsten Stadt weit und breit, nur weil es Zeit kostet wohl nicht, denn davon habe ich mehr als genug.
Also, weil es mir meine Mutter verbietet?
Und obwohl Mutter längst gestorben ist!?

Gestern eine Cousine getroffen, die ich schon Jahrzehnte nicht mehr gesehen habe.
„Ja, Deine Mutter war eine starke Frau gewesen.“
Peng.
Da war es.
Aus dem Mund eines anderen hat eine Aussage einen größeren Wahrheitsgehalt, auch wenn man den Inhalt derselben tausendmal auch schon gedacht hat. „Deine Mutter war eine starke Persönlichkeit“ Deswegen hat sie mich so unterdrückt, unterdrücken können, manipuliert, dass du nicht zu dir selbst gefunden hast, denke ich.

Voller Bestürzung habe ich in einem buddhistischen Buch gelesen, dass man immer wieder mit den nahen Verwandten wiedergeboren wird, nur wer erleuchtet ist, kann sich kurz vorm Tod einen bestimmten Platz auf der Erde wünschen, der in Erfüllung geht. Diese Erleuchtung zu erlangen, strebe ich insgeheim an, nur um nicht wieder mit meiner Mutter zusammenleben zu müssen.
Wie komme ich zur Erleuchtung?
Stopp - dieser Gedanke zeigt auch, wie sehr Mutter mich noch in den Krallen hält. Es erinnert mich an zwei Mönche, die an einen Fluß kommen, wo ein Mädchen ans andere Ufer hinüber transportiert werden wollte. Einer tat dies, bis sie wieder weiterzogen. Der andere war ungehalten: „Wie konntest Du? Sind wir nicht zölibatär?“
„Ja, schau, Du trägst sie noch mit Dir herum, während ich sie schon längst abgeladen habe.“
Oder an eine Szene mich erinnert, als Mutter ins Seniorenheim gekommen war, wonach ich mit der Leiterin darüber gesprochen habe, wie oft ich sie besuchen dürfe. Ich habe wohl einen sehr anhänglichen Eindruck gemacht in deren Augen. Das ist mir lange durch den Kopf gegangen, bis ich mich dadurch davon befreien konnte, dass ich bei nächster Gelegenheit zu dieser gesagt habe: „Aber es wird schon keine Witwenverbrennung geben!“ Ein kleines Zögern, dann lachte sie. Sie wußte sofort Bescheid.

Aber klar, wegen Mutter und meiner Anhänglichkeit zu ihr, bin ich gegenüber Frauen einfach zu sensibel, eine zum Beispiel, die mich verlassen hat und sich am übelsten von mir verabschiedet hat, so mitten hinein in die Wunde gestiert, lässt mich am wenigsten locker und los. Was für ein Wahnsinn, am meisten an der zu hängen, die am wenigsten einem geliebt hat, die Beziehung, vor allem der Sex war ja ein wüstes Land nur, ausgedörrt und lustlos, aber die Person, die Frau, die Tussi hat mir`s eben gegeben. Vernünftig gesehen, ganz schön gaga, oder auch nicht, weil, was ist der Sex in einer Beziehung eigentlich wert?
Doch, doch, wahrscheinlich sehr viel, denn nachdem sie mich in die Wüste geschickt hat, deswegen, wegen Nicht-Sex-Mehr-Haben-Wollen, hat sie mir gesagt: „Es ist schön, dass es einem wieder Spaß machen kann!“ Diese Bemerkung hat mich in Mark und Bein getroffen.  Also, gerade dieser Satz hat mich so lange verfolgt und war das Schlimmste an der Trennung...


„Eilt, Express!“ lautet ein roter Untertitel am Fernsehbildschirm. Jemand hat junge Leute bei McDonalds in München erschoßen. Er hat Leute per Internet zum Essen dort hingelockt, ein Treffen vereinbart und sich dort quasi verschanzt, um dann die Zusammenkommenden begonnen zu exekutieren. Er ist flüchtig. Die Polizei hat ihn noch nicht gefasst. Ich verschließe all meine Fenster und Türen. Wenn er in meine Wohnung eindringt, was dann?
Man könnte sagen, München, der Ort des Massaker, das sind 180 Kilometer weit weg von hier und ist zu weit weg von mir, so dass es keine Gefahr darstellen dürfte. Aber wie oft bin ich mit dem Zug von hier nach dort gefahren und von daher weiß ich, wie einfach es ist, hierzukommen. Was, was der Fall ist, er auf der Flucht ist, sich in einen Zug setzt, der just nach Nürnberg fährt, kurz vor Nürnberg die Nerven verliert, in meinem Ort aussteigt vor Angst, sich im Ort und Vorort herumtreibt, wahrscheinlich gleich sich ins am Bahnhof liegende rettende Waldgebiet schlägt, das am Ende zu meinem Haus führt, dort vor Kälte sich ins Haus schleicht oder dringt, was leicht ist, weil ich unten den Kellereingang niemals verschließe und sich durch den Treppengang bis nach ganz oben im Haus durchkämpft, wo ich wohne, in die Wohnung einbricht, wo ich dasitze, im Lotussitz, Augen geschlossen, mich mit meinem Samsara herumschlage, denn dieses gebiert diese Fantasien, ich weiß, aber mein Boddisattva, die kleinere Erleuchtung oder der Weg dahin, ist ganz schon rudimentär, kaum ausgebildet, mitunter einfach jahrelang vernachlässigt worden – so dass ich nun diesem Amokläufer schutzlos ausgeliefert sein werde.
Doch in meiner Phantasie, da fahre ich eben mit diesem Irren von München immer wieder direkt zu mir in diese Wohnung herein, genau an diesem Ort, wo es schon knarrt, ich traue mir nicht die Augen zu öffnen, obwohl ich hundertprozentig sicher bin, dass jemand in meinem Zimmer unmittelbar vor mir steht, einer, der, wahrscheinlich, mit seiner Knarre direkt auf meine Zentrum, mein Hirn, meine Stirn zielt.
Aber ich versinke wieder in meine Meditation, denn es ist nur ein Gedanke, den ich zulassen muss, bis er vor meinem schwarzen Bildschirm des Bewusstsein vorbeistreicht, verschwindet und sich auflöst, aber stattdessen kommt von der anderen Seite plötzlich der Amokläufer ins schwarze Nichts hineingelaufen, den ich wie mit einer unsichtbaren Kamera auf seinem Weg von München zu mir verfolge und beobachte, gerade wie er im Zug sitzt, bei dem er jetzt in Augsburg, den Wohnort meiner verhassten Freundin, umsteigen muss und auf dem Bahnsteig doch gegen eine Frau stößt, die seinen Weg kreuzt, diese Frau, beladen mit Bergen von Einkaufstüten, mit einem dicken Trenchcoat, mit ihren aufgebauschten, welligen, brünetten schönen Haaren – und vor Zorn sein Gewehr aus seiner Tasche zieht und sie dort, wutentbrannt niederknallt, immer wieder auf sie einschießt, sein ganzes Magazin verschießt... träumt mein Ego – aber alles ist Illusion...genau, es ist doch alles bloß eine furchtbare dumme Wahnvorstellung, die mich narrt und entzückt, wie alles beim Ego, selbst diese ozeanische Angst, die mich überschwemmt hat, ja, das realisiere ich plötzlich, mit dieser Einbildung, mit diesen Dämonen, Dschinns, Teufeln und Göttern und ich meditierte weiter und weiter. Plötzlich kommt ein Wasserfall auf mich herab, überschwemmt meinen schwarzen Bildschirm und das Wasser mit einem Querstrich der Flüssigkeitsoberfläche durch die Szenerie kommt von unten immer weiter nach oben. Plötzlich höre ich es klingeln, ich reagiere falsch, öffne die  Augen, beuge mich zum Telefon und nehme es ab. Meine Freundin.
Jetzt bin ich mir im klaren darüber, welche Konsequenzen es mit dem Wasserüberlauf in ihrer Wohnung hat. Allerdings andere als man denken würde. Es hat meine Transformation verhindert, bin ich mir sicher, die Störung des Abheben des Telefons hat die leichte Erleuchtung unterdrückt, deren ich kurz bevor stand, denn wäre mein Bewusstsein im Wasser ertränkt worden, würde ich, nachdem ich abzusaufen gedroht hätte, in eine neue Stufe übergegangen sein und bräuchte mich nicht mehr mit von normal über neurotisch bis psychopathischen Manien, Phantasien und Vorstellungen an der Nase herumführen lassen, darüber bin ich mir sicher.
„Verdammte Konsequenzen!“
Trotzdem ich ein Zwicken, einen leichten Ärger, einen Anflug von Enttäuschung verspüre, klar, noch bin im Samsara, fühle ich mich schon auch entspannt, entleert und immerhin so eins, dass ich jetzt nichts lieber tun würde, als dem Amokläufer die Tür zu öffnen und ihn nur auszulachen in meiner so entkrampften Haltung und entspanntem Körpergefühl nach der Buddha-Stellung und der Meditation.
Ich stehe auf, schüttle meine Glieder, atme stark durch, knurre, grunze und lache schließlich, bis mir das Lachen im Hals stecken bleibt.
Jetzt ist gut.

Was hat mein Girlfriend gesagt?
„Komm aus Deiner Schmollecke wieder heraus!“ Gut, es stimmt, ich habe sie länger als gewöhnlich nicht mehr angerufen, aber... Schmollecke?. In der Taut, ich brauche zur Zeit meine Ruhe und eine gehörige Portion Einsamkeit. Mein Rückzug in die Innerlichkeit hat aber gar nichts mit ihr und meinen indirekten Konflikten mit ihr, wie zum Beispiel den Wasserhahn nicht richtig zuzudrehen, zu tun. Oder?
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pentz
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BeitragVerfasst am: 25.05.2022 18:14    Titel: Mutters Schatten... pdf-Datei Antworten mit Zitat

Mutters Schatten

ich habe auf das Grab meiner Mutter ein Acryl gelegt, das Konterfei von ihr selbst, das ich zu ihren Lebzeiten noch gebildet habe. Es ist zunächst einmal ein Bild mit Farben, danach habe ich Leinenstruktur-Mittel genommen und ihre Haare freskenhaft übertünkt, welche ich selbst wieder in einem goldenen Teint übermalt habe. Sie hat also goldene Haare, im Ohr ein großer zigeunerhafter Ring, aber ihre habe ich nicht so hingekriegt, wie sie wirklich sind, diese rehbraune Farbe, dazu habe ich eher eine olivrote zustande gebracht. Bevor ich es auf ihr Grab gelegt habe, habe ich es ihren Freundinnen gezeigt.
Die eine, meine Nachbarin, der ich immer Fragen bezüglich des Anpflanzens im Garten stellte, fragte ich zunächst, ob ich die Samen, die meine Mutter in der Schüpfen zurückgelassen hatte, aussähen kann.
Sie schaute mich mit weit offenen Augen an und sprach mir ins Gesicht: „Seit wann ist Deine Mutter gestorben?“ Ich sagte es ihr, noch nichtsahnend, was diese Frage soll.
„Nun, dann rechne zurück, den letzten Frühling, Sommer, wo sie wahrscheinlich das Samengut gekauft hat.“
„Ähm, ja, das ist schon einige Zeit her...“
„Genau, das ist eine ganz gehörige Zeit her. Und Du glaubst wohl, daß die Samen jetzt noch aufgehen?“
„Äh, nein!“, sagte ich, den jetzt, wo sie mich so darauf hinstieß, wurde mir auch die Dummheit meiner Frage bewußt.
Aber dieser Verhörton, so will und muß ich es wohl sagen, endete nicht, sondern setzte sich bei der Vorstellung meins Mutterbildes ungehindert, ja sogar verschärft fort.
Sie hat fast herumgeschrien im Treppenhausgang, so daß es all die Mitbewohner mitgekriegt haben mußten. „So hat niemals Deine Mutter ausgesehen. Die Person sieht wie ein Mann aus!“ „Aber der hat doch einen Ohrring!“ „Ja, wo lebst Du denn, was glaubst Du, wie heutzutage die Männer sich schmücken.“ Diese Worte aus dem Mund einer mindestens dreißig Jahre älteren Person – peinlich! Ich fühlte mich wahrlich danach wie ein begossener Pudel, den man die Haare gewaschen hat.
Der nächsten Freund stattete ich einen Freundschaftsbesuch ab. Sie hatte lange Zeit schon immer wieder bei mir angerufen, weil a) wissen wollte, wie es meiner Mutter im Seniorenheim ging und b) nun, da jene gestorben war, sie mir etwas Geld für die Bekränzung und Beschmückung des Grabes geben wollte. Ich kam unterm Arm mit meinem Bild. Sie war fasziniert, zumindest erinnerte dieses Bild sie doch ziemlich stark an meine Mutter, die sie lange schon nicht mehr hatte sehen können. Daneben stand ihr Sohn, mich mißtrauisch beäugend. Der Zweck seiner Anwesenheit, wie sich bald herausstellte, bestand nur darin, daß er es verhindern wollte, daß seine bereits Gehbehinderte alte Mutter mir kein Bares zusteckte, das sie mir in der Tat auch machen wollte für mein Bild. Zuvor hatte sie mir bereits Geld in einem Kuvert geschickt, da hätte sie mir nicht noch welches geben brauchen, aber, wie ältere Menschen nun einmal sind, glaubte sie, nur dies würde mir helfen. „Wieviel soll ich Dir für das Bild geben?“ „Ach, nichts.“ „Aber...“ Sie war ganz unglücklich. „Aber wirklich nicht.“ „Aber dieses Bild...“ „Ach, ich lege es einfach aufs Grab meiner Mutter...“ „Aber!“ Der Sohn mischte sich nun ein. „Er legt es einfach aufs Grab seiner Mutter, dann ist gut...“ Als ich ging, hatte ich das Gefühl, sie sei sehr unglücklich, weil sie mir nicht den geringsten Obolus hatte zustecken dürfen. Arme Frau – was hast Du nur für einen neidischen Sohn großgezogen! Jedenfalls kann ich stolz sagen, daß ich meiner Mutter keinen Wunsch verwehrt habe, so lange es möglich war. Und es waren nahezu alle möglich.
Selbst das teure Grab, mit der goldene Inschrift darauf habe ich gegen die geizig dreinblickende Frau Schwester durchgesetzt, denn es war der Wille von ihr. Natürlich ging es dann von meinem Erbgeld ab, dies dürfte wahrscheinlich meine geizige Schwester so durchgesetzt haben, aber ich weiß es natürlich nicht genau, denn sie hat alle Dinge und meine Mutter stand unter ihrem Hut, gegen meine Einsicht verwehrt und in die Tat umgesetzt.
Jedenfalls, da ich kein Geld mehr hatte, habe ich mir gedacht, daß Du doch statt eines teuren Blumenbuketts da Bild aufs Grab legen könntest, genauer gesagt an den Grabstein gelegt. Das ist zudem sehr orginell. Daß viele hier vorbeikamen von den Verwandten, Bekannten und Einheimischen, die meine Mutter kannten, wird es ihnen vielleicht, wenn nicht deutlich, so daß möglicherweise das Bild meiner Mutter in ihnen wachgerufen haben. Was gibt es besseres als dieses?

Als ich das Bild abholen wollte, es waren die ersten Frühjahrs-Stürme zugange, fand ich das Bild         meiner Mutter nicht mehr auf dem Grab, aber einen Zettel auf einem Stein des Grabbeets liegen. „Kommen Sie bitte bei Uns vorbei und holen Sie sich das Bild Ihrer Mutter ab!“ Ach was, hatte es jemand vom Grabstein genommen. Aber dann würde er es sich nicht bei ihm abholen lassen. Vielleicht war es weggeflogen und jemand hat es aufgelesen, gedacht, ich bewahre es auf, damit es nicht herumfliegt und zuschanden kommt, hinterlege stattdessen eine Nachricht wie diese hier, damit es sich der Besitzer abholen kann. Eine nette Geste doch, dachte ich. Ich sollte mich aber gewaltig irren.
Die Schrift war altdeutsch gewesen, zum Kommen wurde mit m und einem Tilde darüber geschrieben.
Es war ein Fiasko.
Es war ein altes Haus, in dem eine alte Frau lebte.
Sowie ich eintrat, hielt sie in einem Schreckschrei ihre Hände vor ihren Mund: „Sie ist es!“ Ich war im ersten Moment derartig perplex, daß ich nicht reagieren konnte, bis ich schließlich die von Angst herausgepressten Worte herausfand: „Wer soll ich sein? Eine Frau?“ Die Frau schrie: „Du bist es, Ottilie, meine Lehrerin, meine vermaledeite, die mir mein ganzen Leben verpfuscht hat!“, wandte sich um und strebte gegen einen heruntergekommenen Kamin im Wohnzimmer, das gleich nach der Diele folgte, das ich erkennen konnte, da ich ihr nachgefolgt war. „Du hast mir schon einmal mein Leben versaut. Jetzt kommt die Stunde der Abrechnung!“ Und sie griff sich einen  Schürhaken. Neben mir, an der Wand, sah ich das Bild meiner Mutter, das ich gemalt hatte. Es hatte Löcher, es war angebrannt, es war mit Kot verschmiert.
Ich glaubte zu verstehen. Sie war total gaga, diese alte Frau und da sie in einem Alter wie meine Mutter war, verband sie etwas mit ihr. Hätte es noch eines Beweises bedurft, so war der Umstand, daß niemand in meinem Erscheinungsbild und Gesicht jemals das meiner Mutter wiedererkannte hätte, stets sagte man, ich ähnle der väterlichen Seite. Einzig meine schwarzen Haare verwiesen auf Mutters Seite, aber diese waren mittlerweile auch schon meliert gewesen. Weiß der Teufel, inwiefern und wo sie Eigenschaften, Kennzeichen und Merkmale meiner Mutter in meinem Gesicht oder Statur wiedererkannte.
Vielleicht hatte sie noch einen Funken Verstand, den ich ansprechen mußte. Ich wollte ihr also mit Vernunft kommen und appellierte an diese, indem ich in einem moderaten Ton fragte: „Was ist mit meiner Mutter? Ottilie?“
Es schien tatsächlich, als wäre sie in ihrer Raserei gestopft worden, denn sie antwortete mir ja: „Du hast mir in der Schule das Leben zur Hölle gemacht, dafür wirst Du jetzt büßen!“ „Wieso, weshalb, was habe ich gemacht!“ „Wegen einer schlechten Note in Deutsch habe ich nicht die Fachschul-Reife bekommen und damit hat sich meine Leben total verändert!“ Ich begriff. Meine Mutter war seinerzeit, vor meiner Niederkunft natürlich, eine Fachlehrerin für Haushalts- und Landwirtschaftshilfe an der örtlichen Landwirtschaftsschule gewesen und diese Verrückte vor mir muß eine Schülerin von ihr gewesen sein, die sich durch meine Mutter benachteiligt und diskriminiert gefühlt haben mußte.
Fürwahr, da war zu viel: daß ich für die vermeintlichen Sünden meiner Mutter bezahlen mußte. Ich selbst, auch einmal als Lehrer tätig, habe mir sie nicht verziehen und durch meine unbewußten, falschen Handlungen meine Konsequenzen gewählt, nämlich, als ich ein Mädchen, ohne mir dessen bewußt zu werden, eine Kokusnuss, eine mit der Faust auf den Kopf verabfolgten leichten Schlag, verabreicht habe, sofort den Lehrerdienst quittiert. Ein Schläger wollte ich nicht sein.
Und jetzt würde ich für irgendein Verhalten meiner Mutter, nicht meines, bestraft werden – das zu viel und in einem wilden Impuls sagte es in mir: nicht mit mir!
Zudem wurde mir der ganze Irrwitz dieser Situation und Lage bewußt: Nun mußt Du auch dafür noch bezahlen: für das schuldhafte Verhalten Deiner Mutter, noch bevor Du überhaupt auf der Welt gewesen bist.
Ist das nicht ein bißchen zu viel?
Jawohl, sofort kapierte ich die Sachlage und entschied entschlossen, dafür nicht den Kopf hinzuhalten. Ich rannte auf die Alte zu, noch bevor sie ihre Eisenwaffe heben konnte und stupste sie so, daß sie gegen den Kamin schlug, in dem Feuer brannte. Sie fing mit einmal schnell Feuer, worüber ich bass erstaunt war? Wahrscheinlich war ihre schmutzige Küchenschürze, die sie anhatte von fettigem, öligen Rückständen beim Essensmachen sofort in Feuer aufgegangen. Es roch hier auch schon so ranzig, ölig und als hätte sie gerade ein Essen angebrannt. Dabei war die Wohnung zudem vollgestellt mit hier und da herumstehenden Gegenständen, die gelinde Gesagt alles andere als an ihrem Platz standen. Diese Frau war ein wenn nicht Messi, so doch von Alzheimer, Demenz und Verwahrlosung gezeichnete bedauernswertes Individuum. Leider aber ein gefährliches. Sie hatte den Schürhaken fallen lassen, um sich mit den Händen die Flammen an ihrem Körper auszuschlagen. Ich weiß nicht, ob es ihr gelungen ist, denn hier machte ich sofort kehrt und flüchtete aus dem Haus. Was hatte ich hier noch zu suchen. Mein Bild, das ich liebend gerne wieder gehabt hätte, war zerstört worden und diese rachsüchtige Frau, die mich für etwas schuldig hielt, was ich nicht getan hatte, interessierte mich nicht, nicht ihr Lebenslauf, nicht im einzelnen das ihr scheinbar zugefügte Unrecht meiner Mutter, noch das weitere Schicksal jetzt. Sollte sie von mir aus verbrannt sein!
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Smokowski
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BeitragVerfasst am: 25.05.2022 19:37    Titel: Antworten mit Zitat

@pentz,

deinen ersten Text fand ich teilweise unterhaltsam, das mit den Kunstzähnen und dann, wie der Protagonist sich schämte, nicht angemessen mit dem Nachbarsmädchen gesprochen zu haben. Das sind sehr alltägliche Szenen, wo ich mich mich auch mit identifizieren kann.
Den Zusammenhang zwischen Kunstzähnen und Nachbarsmädchen hatte sich mir aber erst erschlossen, als ich die Überschrift noch einmal las: "Drei Tage, bevor ich von hier verschied".
Also geht es darum, dass der Protagonist / die Protagonistin bereits ahnt, dass er / sie verscheiden / sterben wird, oder ist es alles ein langer Rückblick, während sie auf dem Sterbebett liegt?
Dann stellt sich mir die Frage, ob es nicht viel wichtige Dinge im Leben des Protagonisten gibt, an welche er zurückdenkt?
Will er noch Jonny Depp treffen, bevor er stirbt? Oder hat er sonst große Wünsche, bevor er stirbt?
Kunstzähne und Nachbarsmädchen im Zusammenhang mit den letzten drei Tagen des Lebens zu bringen hört sich für mich so an, als ob der Protagonist sehr kleingeistig ist, was fast schon wieder als Satire gelesen werden kann, was in mir eine gewisse Beklemmtheit hinterlässt. Dann sollte das aber am Anfang irgendwie angedeutet werden, z.B. mit dem Gedanken "so richtig toll war mein Leben nicht."
In einer Satire würde auch so Sätze wie "Man kriegt richtigen Bammel vor diesen unbeugsamen, autoritären, intoleranten Russen." wieder passen. Ohne Satire klingt es nur wie ein unreflektiertes Vorurteil über Russen, so in etwa, als würde man sagen "Alle Araber haben eine Bombe unter ihrem Turban", oder "Alle Deutschen haben Lederhosen an".
Und der Krieg gegen die Ukraine ist KEIN Freifahrschein, gegen alle Russen zu hetzen.


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nebenfluss
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BeitragVerfasst am: 25.05.2022 22:35    Titel: Antworten mit Zitat

pentz hat Folgendes geschrieben:
danke ingo,

ich weiß selbst noch nicht, wohin ich will, so eine ahnung habe ich, aber ich weiß nicht, w i e ich dahin komme.
deswegen bin ich hier ja in der werkstatt.

Ich glaube, damit überforderst du die Werkstatt. Du kannst doch nur selbst herausfinden, wo du hinwillst. Oder finden, dass du bereits am Ziel bist, was mit ein paar zufriedenen Lesern sicherlich einfacher wäre.
Was wir hier theoretisch tun könnten, wäre Rechtschreib- und Grammatikfehler, sprachlich Suboptimales und Ungereimtheiten aufzuzeigen. Aber ehrlich gesagt ist die Dichte an solchen Problemen im Text dermaßen hoch, dass ich mir allein für den ersten Teil an die zwei Stunden Zeit nehmen müsste - jedenfalls, wenn ich nicht nur mit dem Rotstift durchgehe (was dir wahrscheinlich wenig bringt), sondern auch kommentiere und Verbesserungsvorschläge mache.
Ab und zu blitzt etwas auf, was ich ganz witzig oder gelungen finde - etwa diese erste kleine Pointe, wo er Gisi nur mit halbem Ohr zuhört und gerade so mitbekommt, dass sie ausziehen will. Insgesamt aber motiviert mich die Geschichte - soweit ich ihr folgen kann - leider nicht, sie aufwändig korrekturzulesen. Manche Sätze sind sogar so kaputt, dass ich nicht mal begreife, was ausgesagt werden soll, was da also in richtigem Deutsch stehen müsste.
Damit will ich dir nicht zunahe treten. Vielleicht ist Deutsch nicht deine Muttersprache, oder du hast eine LRS. Aber ich fände es auch unehrlich, hier immer wieder nur still und sturnrunzelnd mitzulesen und damit totzuschweigen, wie schwerwiegend diese Schwächen sind.


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fehlende Quellenangabe: mein Kopf.
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pentz
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BeitragVerfasst am: 26.05.2022 13:55    Titel: Überfordert? pdf-Datei Antworten mit Zitat

danke zunächst mal fpr die einlassung,

muttersprache ist deutsch, studium der germanistik/dt als fremdsprache und deutschlehrer an beruflichen schulen - trotzdem ist mein deutsch befremdlich schlecht - kommentar zwecklos - aber es liegt wohl daran, ich sehe es, daß ich es, ohne es noch einmal überprüfe, fehler reinmache, es ist nämlich wie brain-storming-schreiben, automatisches dadaistisches niederlegen...

der vorhergehende beitrag hat versucht, das Gesamtgefüge ins Visier zu nehmen, das, was ich mir wünsche, denn, wie gesagt, ich habe noch kein konzept, wohl eine orientierung und ahnung, nur wie ich diese realsierung soll sprachlich, stilistisch, literarisch, weiß ich noch nicht - ich sammle eindrücke von anderen, man möge andere nachlässigkeiten daher verzeihen.

kollegialer gruß
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Kojote
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BeitragVerfasst am: 26.05.2022 16:41    Titel: Re: Überfordert? Antworten mit Zitat

Hallo pentz,

pentz hat Folgendes geschrieben:
muttersprache ist deutsch, studium der germanistik/dt als fremdsprache und deutschlehrer an beruflichen schulen - trotzdem ist mein deutsch befremdlich schlecht - kommentar zwecklos


Der Duden benennt zu "zwecklos" die Synonyme "aussichtslos", "nicht der Mühe wert", "fruchtlos" und "für nichts und wieder nichts". Damit hast du schon ganz ungewollt deinen Kritikern Recht gegeben. Denn dafür, dass du solch eine sprachwissenschaftliche Karriere vorzuweisen hast, ist deine Textqualität leider sehr bescheiden, gelinde gesagt. Das finde ich in der Tat "befremdlich" (wobei ich eher noch befremdlicher finde, dass das Wort "befremdlich" in den Texten und Aussagen deiner Kritiker kein einziges Mal fällt – wem willst du da was Unlauteres in die Schuhe schieben?).

pentz hat Folgendes geschrieben:
aber es liegt wohl daran, ich sehe es, daß ich es, ohne es noch einmal überprüfe, fehler reinmache, es ist nämlich wie brain-storming-schreiben, automatisches dadaistisches niederlegen...


Und da sind wir am Punkt.

Brainstorming ist eine prima Methode zur Ideenfindung.
Sammle einfach viele Ideen. Skurrile Ideen. Verrückte Ideen. Kreative Ideen. Geh spazieren und mach dir Gedanken über Alles und Jeden, was und wen du siehst. Lass deine Phantasie überschäumen.

Alexander Steele bezeichnet das als "Soft Time". Die kreative Phase, in der du das Gold schürfst, das am Ende deine Texte schmücken soll.

Nur vergisst du dabei, dass es auch eine "Hard Time" gibt.
Irgendwann musst du dich auf die vier Buchstaben setzen und in harter, mühevoller und intensiver Kleinarbeit das geschürfte Gold veredeln. Genau so, wie nur 10% allen Zelluloids, das während einer Filmproduktion belichtet wird, am Ende im fertigen Film landet, genau so musst auch du deine "dadaistischen Ideen" von frenetischen Absurditäten, falschen Wortstellungen und Rechtschreib- und Grammatikfehlern bereinigen.

Ich sage es ganz deutlich:

Ein nicht nachbearbeiteter Text, der allein aus Brainstorming entstanden ist, dein "dadaistisches Niederlegen", ist immer ein einziger Stuss.

Das hat nichts mit dir zu tun, sondern betrifft jedweden Schriftsteller.

Brainstorming kennen ja beileibe nicht nur Schriftsteller. Gerade Marketingexperten schwören drauf. Aber stell dir vor, die Marketinggurus würden allesamt das Rohmaterial nach einem Brainstorming ohne Nachbearbeitung, ohne Phase 2 eins zu eins übernehmen. Das Ergebnis wäre so katastrophal, dass diese Marketingleute sofort gefeuert würden.

Du darfst dir keine überbordenden Komplimente erwarten, wenn du genau diesen Fehler begehst und nur die Hälfte von "Brainstorming" anerkennst, ja, der Meinung bist, ein kreatives Anzapfen des Gehirns sei alles, was du brauchst, ohne dich hinsetzen zu müssen und in Akribie den Text in Form zu bringen.

Viele Grüße
Kojote


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pentz
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BeitragVerfasst am: 27.05.2022 15:17    Titel: Mutters Schatten pdf-Datei Antworten mit Zitat

Was der letzte Kritiker gesagt hat, stimmt: brainstorming-schreiben ist für sich stuss, nachfolgende akribische Verbesserung ist unabdingbar.

Hier habe ich den letzten Beitrag mal verbessert, aber er ist immer noch nicht vollständig - noch steht die Geschichte leider nicht - noch habe ich nicht den plot, verflixt
....................................................................................................

Ich habe auf das Grab meiner Mutter ein Acryl-Bild gelegt, das Konterfei von ihr selbst, das ich zu ihren Lebzeiten noch gestaltet habe. Es ist zunächst einmal ein Bild mit Farben, danach habe ich Leinenstruktur-Mittel genommen und ihre Haare freskenhaft übertüncht, welche ich wieder in einem goldenen Teint übermalt habe. Sie hat also goldene Haare, im Ohr ein großer zigeunerhafter Ring, aber ihre Augen habe ich nicht so hingekriegt, wie sie wirklich sind, diese rehbraune Farbe, dazu habe ich eher olivrote zustande gebracht. Bevor ich das Bild auf ihr Grab gelegt habe, habe ich es ihren Freundinnen gezeigt.
Die eine, meine Nachbarin, der ich immer Fragen bezüglich des Anpflanzens im Garten stellte, fragte ich zunächst, ob ich die Samen, die meine Mutter in der Schüpfen zurückgelassen hatte, aussähen kann.
Sie schaute mich mit weit offenen Augen an und sprach mir ins Gesicht, als hielte sie mich nicht mehr für ganz gescheit: „Seit wann ist Deine Mutter gestorben?“ Ich sagte es ihr, noch nichtsahnend, was diese Frage soll.
„Nun, dann rechne zurück, den letzten Frühling, Sommer, wo sie wahrscheinlich das Samengut gekauft hat.“
„Ähm, ja, das ist schon einige Zeit her...“
„Genau, das ist eine ganz gehörige Zeit her. Und Du glaubst wohl, daß die Samen jetzt noch aufgehen?“
„Äh, nein!“, sagte ich, denn jetzt, wo sie mich so darauf hinstieß, wurde mir auch die Dummheit meiner Frage bewußt.
Aber dieser Verhörton, so will und muß ich es wohl sagen, endete nicht, sondern setzte sich bei der Vorstellung meins Mutterbildes ungehindert, ja sogar verschärft fort. Fast so, als hätte sie wegen der Samen den Eindruck erweckt, ich nehme sie nicht ganz ernst und jetzt müsse sie mir dies heimzahlen.
Sie hat fast herumgeschrien im Treppenhausgang, so daß es all die Mitbewohner mitgekriegt haben mußten. „So hat niemals Deine Mutter ausgesehen. Die Person sieht wie ein Mann aus!“ „Aber der hat doch einen Ohrring!“ „Ja, wo lebst Du denn, was glaubst Du, wie heutzutage die Männer sich schmücken?“ Diese Worte aus dem Mund einer mindestens vierzig Jahre älteren Person – peinlich! Ich fühlte mich wahrlich danach wie ein begossener Pudel, den man gehörig das Fell gewaschen und geschruppt hatte.
Als ich so bestürzt, im wahrsten Sinne des Wortes ist etwas auf mich herabgestürzt, nämlich harsche Worte, klingelte gerade das Telefon. Eine andere Freundin meiner Mutter.  
Lange Zeit hatte sie schon nicht mehr bei mir angerufen, weil sie a) wissen wollte, wie es meiner Mutter im Seniorenheim ging und b) nun, da jene gestorben war, sie mir etwas Geld für die Bekränzung und Beschmückung des Grabes geben wollte.
Ganz klar war angesagt: Freundschaftsbesuch.
Ich kam unterm Arm mit meinem Bild bei ihr an. Sie wohnte in einem Hinterhaus, zumindest ging von dort aus einige Steinstufen der Weg zu ihrer Eingangstür, in der Diele selbst wieder eine alte, beeindruckende, eine Holztreppe einen Stockwerk höher zu ihrer Wohnung hinauf.
Sie erwartete mich schon, stand sie doch bereits vor ihrer Tür. Daneben ihr erwachsener Sohn, mich mißtrauisch beäugend.
Sie war fasziniert, zumindest erinnerte dieses Bild sie doch ziemlich stark an meine Mutter, die sie lange schon nicht mehr hatte sehen können. So wollte sie mir dafür auch Geld geben, wie sie es bereits einmal postalisch in einen Brief getan hatte.
Nun wurde der Zweck des neben seiner alten Mutter stehenden Sohnes evident. Seine Anwesenheit, hier überhaupt nicht notwendig, wieso auch, sollte sie stürzen, würde ich stützen etc, bestand nur darin, daß er's verhindern wollte, daß seine bereits gehbehinderte alte Mutter mir kein Bares zusteckte. Aber ältere Menschen tun dies nun einmal gerne, sie bilden sich ja ein, daß nicht mehr die Liebe, Zuwendung und das Lächeln einen Menschen glücklich macht, sondern einzig das Monitäre.
Sie glaubte also, daß sie mir damit helfen würde, indem sie fragte: „Wieviel soll ich Dir für das Bild geben?“ „Ach, nichts.“ „Aber...“ Die Augen ihres Sohnes versuchten mich zu töten. Sie war ganz unglücklich. „Aber wirklich nicht.“ „Aber dieses Bild...“ „Ach, ich lege es einfach aufs Grab meiner Mutter...“ „Aber!“ Sie begann jetzt ganz unglücklich zu weinen. Sie griff sogar nach mir. Sie hielt so meine Hand fest und ihre zitterte jetzt, wie spürte. Die Tränen liefen ihr wie verrückt aus den Augen. Vielleicht wäre ich im Falle derjenige, der sich gleich einmischen würde, sogar bereit gewesen, mir Geld geben zu lassen, aber dann mischte sich der Sohn ein. Der Ton seiner Stimme sollte begütigen sein, war aber sehr barsch, fast bellend befehligend: „Du hast doch gehört: Er legt es einfach aufs Grab seiner Mutter, dann ist gut...“
das war mir jetzt zuviel ich konnte sie nicht weiter trösten. Obwohl sie sogar jetzt weinte, schluchzte und ihre Brust wie im Schluckauf aufstieß vor Tränen, Schmerz und Allem, mußte ich mich unverrichteter Dinge abwenden, sie allein lassen, in den Fängen ihres Sohnes, diesem Brutalo, kurzum ihren selbst gezimmerten Schicksal zurücklassen.
Als ich ging, wußte ich mit Bestimmtheit, sie sehr deswegen unglücklich, daß sie mir nicht hatte den geringsten Obolus zustecken dürfen. Arme Frau – was hast Du nur für eine neidische Brut großgezogen!? Jedenfalls kann ich stolz sagen, daß ich meiner Mutter keinen Wunsch verwehrt habe, so lange es möglich war. Und es war nahezu alle möglich. Zum Beispiel selbst das teure Grab, mit der goldenen Inschrift darauf, habe ich gegen die geizig dreinblickende Frau Schwester durchgesetzt, denn es war der Wille von meiner Mutter, koste es, was es wolle. Natürlich ging es dann von meinem Erbgeld ab, dies dürfte wahrscheinlich meine liebe Schwester so durchgesetzt haben, aber ich weiß es natürlich nicht genau, denn sie hat alle Dinge und meine Mutter mit ihr unter ihrem Hut, gegen meine Einsicht nämlich und vermeintliches Veto, gemacht und in die Tat umgesetzt.
Jedenfalls, da ich kein Geld mehr hatte, habe ich mir gedacht, daß Du doch statt eines teuren Blumenbuketts da Bild aufs Grab legen könntest, genauer gesagt an den Grabstein gelegt. Das ist zudem sehr orginell.
Da viele hier vorbeikamen von den Verwandten, Bekannten und Einheimischen, die meine Mutter kannten, wird es diesen Bekannten und Verwandten und selbst Fremden vielleicht, wenn nicht deutlich, so daß ahnungsvoll das Bild meiner Mutter in ihnen wachgerufen haben.
Was gibt es besseres als dieses? Welche Grabzugabe erfüllt besser ihren Zweck? Auch wenn es ein bißchen abgebrannt, verwahrlost und armselig in manchen Augen, vor allem der materiellen unserer Zeitgenossen aussehen mag.

Als ich etwa ein Jahr später das Bild abholen wollte, es waren die ersten Frühjahrs-Stürme zugange, fand ich Das Konterfeit meiner Mutter nicht mehr auf dem Grab vor, aber einen Zettel auf einem Stein des Grabbeets liegen. „Kommen Sie bitte bei Uns vorbei und holen Sie sich das Bild Ihrer Mutter ab!“ Ach was, hatte es jemand vom Grabstein genommen. Aber dann würde ich es sich nicht bei ihm abholen lassen, sondern selbst hingehen. Oder es war weggeflogen, längst zerstört, jemand hat es in den Müll entsorgt. Ein anderer hat dies vielleicht mitgekriegt, gesehen, wie jemand dieses Bild, das immer am Grab meiner Mutter stand, in den nahen Abfall-Eimer geworfen hat und sich gedacht, da könnte sich doch etwas drehen lassen.
Nur was?
Natürlich war es aber wahrscheinlicher, daß es, als es jemand hat wegfliegen sehen, es aufgelesen hat, gedacht, ich bewahre es auf, damit es nicht herumfliegt und zuschanden kommt, hinterlege stattdessen eine Nachricht wie diese hier, damit es sich der Besitzer abholen kann.
Eine nette Geste doch, dachte ich.
Ja, gewiß, so wird es gewesen sein, sprach ich mir Mut zu. Außerdem, wo leben wir denn? Nicht in der Bronx, sondern in einer deutschen, heimeligen Kleinstadt, wo soll da jemand auf so ein hinterhältiges Verbrechen kommen? Jeder würde dies doch mitbekommen. Oder?
Nein, ich sollte, doch nicht einfach mal hingehen, mir würde nichts passieren.
Ich sollte mich aber gewaltig irren. Allerdings in nicht erwarteter Art und Weise.
Also Punkt zwei war, daß ich von einer älteren Person ausging, die mir schon keine Angst einjagen könnte.
Denn die Schrift war altdeutsch gewesen, zum Kommen wurde mit m und einem Tilde darüber geschrieben. Das hätte mir doch den Hinweis geben können, daß es sich wohl um eine ältere Person handelte, so wie meine Mutter, die noch in dieser Schriftsprache unterrichtet worden war.
Es war ein Fiasko.
Es war ein altes Haus, in dem eine alte Frau lebte. Aber das hatte ich ja erwartet. Nicht unbedingt ein weibliche Person, aber ältere.
Sowie ich eintrat, hielt sie in einem Schreckschrei ihre Hände vor ihren Mund: „Sie ist es!“ Ich war im ersten Moment derartig perplex, daß ich nicht reagieren konnte, bis ich schließlich die von Angst ausgestoßenen Worte fand: „Wer soll ich sein? Eine Frau?“ Die Frau schrie: „Du bist es, Ottilie, meine Lehrerin, meine vermaledeite, die mir mein ganzen Leben verpfuscht hat!“, und wandte sich um und strebte gegen einen heruntergekommenen Kamin im Wohnzimmer, das gleich nach der Diele folgte, so wie ich erkennen konnte, da ich ihr auf dem Fuße gefolgt war. „Du hast mir schon einmal mein Leben versaut. Jetzt kommt die Stunde der Abrechnung!“ Und sie griff sich einen  Schürhaken.
Neben mir, an der Wand, sah ich das Bild meiner Mutter, das ich gemalt hatte. Es hatte Löcher, es war angebrannt, es war mit Kot verschmiert.
Ich glaubte zu verstehen. Sie war total gaga, diese alte Frau und da sie in einem Alter wie meine Mutter war, verband sie etwas mit ihr. Hätte es noch eines Beweises bedurft, so war der Umstand beredt, daß niemand an meinem Erscheinungsbild und Gesicht jemals das meiner Mutter wiedererkannt hätte, stets sagte man, ich ähnle der väterlichen Seite. Einzig meine schwarzen Haare verwiesen auf Mutters Geblüt, aber diese Lockenpracht war mittlerweile auch schon meliert.
Lag es aber vielleicht an meiner Statur, meiner gedrungenen Gestalt, meines breiten Knochenbaus und der entsprechenden Anatomie – wahrscheinlich – denn diese war mütterlich.
Nun eben, sie hasste mich, weil sie in mir meine Mutter erkennen glaubte und ich ging davon aus, ich können noch einen Funken Verstand in ihr entdecken. So sprach ich sich, indem ich in einem moderaten Ton fragte: „Was ist mit meiner Mutter? Ottilie?“
Sie erstarrte einen Moment.
Schnell fiel mir der geniale Streich ein, den Namen so auszusprechen, wie man es damals gemacht hat: „Was ist mit Otti?“
Es schien tatsächlich, als wäre sie in ihrer Raserei gestoppt worden, denn sie antwortete mir ja: „Du hast mir in der Schule das Leben zur Hölle gemacht, dafür wirst Du jetzt büßen!“ „Wieso, weshalb, was habe ich gemacht!“ „Wegen einer schlechten Note in Deutsch habe ich nicht die Fachschul-Reife bekommen und damit hat sich meine Leben total verändert!“ Ich begriff. Meine Mutter war seinerzeit, vor meiner Niederkunft natürlich, eine Fachlehrerin für Haushalts- und Landwirtschaftshilfe an der örtlichen Landwirtschaftsschule gewesen und diese Person vor mir muß eine Schülerin von ihr gewesen sein, die sich durch sie benachteiligt und diskriminiert gefühlt haben mußte.
Fürwahr, das war zu viel: daß ich für die vermeintlichen Sünden meiner Mutter bezahlen mußte. Ich selbst, auch einmal als Lehrer tätig, habe mir sie nicht verziehen und stets durch meine unbewußten, falschen Handlungen meine Konsequenzen gezogen, nämlich zum Beispiel, als ich ein Mädchen, ohne mir dessen bewußt zu werden, eine Kokusnuss, eine mit der Faust auf den Kopf verabfolgten leichten Schlag, verabreicht hatte, sofort den Lehrerdienst quittiert. Ein Schläger wollte ich nicht sein.
Und jetzt würde ich für irgendein Verhalten meiner Mutter, nicht meines, bestraft werden – das ist zu viel und in einem wilden Impuls sagte es in mir: nicht mit mir! Aber gleichzeitig wurde mir  der ganze Irrwitz dieser Situation und Lage bewußt: Nun mußt Du auch dafür noch bezahlen: für das schuldhafte Verhalten Deiner Mutter, das stattfand, noch bevor Du überhaupt auf der Welt gewesen bist.
Ist das nicht ein bißchen zu viel?
Jawohl, sofort kapierte ich die irre Sachlage und entschied mich entschlossen, dafür nicht den Kopf hinzuhalten. Ich rannte auf die Alte zu, noch bevor sie ihre Eisenwaffe heben konnte und stupste sie so, daß sie gegen den Kamin schlug, in dem Feuer brannte. Die Flammen loderten hoch, ich sah jetzt erst, sie stieß gegen den Kaminrahmen, fiel also nicht in die kleine Ausbuchtung der Feuerstelle, aber es reichte dafür, daß sie Feuer fing, das auf einmal sich schnell an ihr entzündete. Dazu klotzte ich nur bass erstaunt. Wie konnte das geschehen? Sie war doch nicht mit Benzin übergroßen oder was auch immer? Wahrscheinlich war ihre schmutzige Küchenschürze, die sie anhatte von fettigem, öligen Essens-Rückständen sofort in Feuer aufgegangen. Es roch hier schon ranzig und ölig, als wäre ihr das Essen angebrannt. Zudem platzte die Wohnung von unsystematisch herumstehenden Gegenständen. Kaum etwas stand an seinem Platz. Immerhin war etwas Raum um Herd, so daß sie ungehindert kochen konnte.
Diese Frau war ein wenn nicht Messi, so doch von Alzheimer, Demenz und Verwahrlosung gezeichnetes bedauernswertes Individuum. Leider aber ein gefährliches. Sie hatte den Schürhaken fallen lassen, um sich mit den Händen die Flammen an ihrem Körper auszuschlagen.
Ich weiß nicht, ob es ihr gelungen ist, denn hier machte ich sofort kehrt und flüchtete aus dem Haus. Was hatte ich hier noch zu suchen? Mein Bild, das ich liebend gerne wieder gehabt hätte, war zerstört worden und diese rachsüchtige Frau, die mich für etwas schuldig hielt, was ich nicht getan hatte, interessierte mich nicht, nicht ihr Lebenslauf, nicht im einzelnen das ihr scheinbar zugefügte Unrecht meiner Mutter, noch das weitere Schicksal jetzt.
Sollte sie von mir aus verbrennen!
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BeitragVerfasst am: 08.06.2022 16:08    Titel: Der neue Anfang durchs Toilettenfenster pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich bin ja auch mit einem schlechten Gewissen zu Frau Heller gegangen. Immerhin hat sie mir in einem Kuvert per Post einige Euros zukommen lassen, damit ich das Muttergrab mit einem Kranz schmücken kann, auf dem mein Name steht, den sie vermisst habe unter all den anderen Devotionalien meiner Familie.
Ich gebe zu, ich hegte den Hintergedanken, daß sie zu mir sagen würde: Stell das Bild an den Grabstein, das ist eine schöne Alternative zu einem Familienkranz. Damit hätte ich das Geld für mich behalten können.

„Geb das Geld zurück!“
Eine Sms hat mich erreicht. Absender anonym. Welches Geld meint er?
Nach einigen Stunden kommt noch eine: „Entweder Kranz oder Geld zurück!“
Mir dämmert, daß diese E-Mail nur der Sohn von der Freundin meiner Mutter, Frau Heller, geschrieben worden sein kann. Derjenige, der so geldversessen war, der einzige Sohn neben seiner Mutter, die gerade einen Bekannten empfangen hat, mich und der nicht von ihrer Seite gewichen ist, damit diese seine Mutter Gast nicht Geld von der Familie, zu der er auch zählt, nämlich von der alten Mutter, zusteckt bekommt. Wie erbärmlich: älteren Menschen die Möglichkeit zu versagen, gutmütig und tröstlich zu sein, nur weil die milde Gabe schnöder Mammon ist!
Nun hat sie mir aber schon Geld zugeschickt und mit Sicherheit hat er dies erfahren, vielleicht im Nachhinein, daß seine Mutter mir postalisch dieses für eine Kranzlegung oder Blumenbesteckung geschickt hat und ich dieses  bislang nicht eingelöst habe. Vielleicht hat er geahnt, was hinter meinem Vorzeigen meines Bildes steckt: einzig dafür, daß ich damit die Penunzen nicht für konventionelle Grabbeschmückung ausgeben brauche. „Der will stattdessen dieses heilige Geld ins eine eigene Tasche stecken! Das ist ein Vergehen Kaliber Grabschändung oder so!“
Nun, jetzt habe ich mir einen Feind an den Hals geholt.
In der Folgezeit muß ich aufpassen, daß ich nicht diesem Heini von Sohn begegne auf den Straßen meiner kleinen Stadt. Gut, dürfte nicht so schwierig sein, weil mein Weg meistens nur von dem anderen Ende desjenigen, der mich jagt, zum nahen Bahnhof führt und dann schnell ab in die Großstadt. Leider, leider aber muß ich noch das Bild auf den Grabstein meiner Mutter stellen, wie ich es ihrer Freundin ja versprochen habe und in diesem Fall komme ich diesem Neidhammel von Sohn sehr nahe, zu nahe für mich.
Zunächst überlege ich, ob ich mich überhaupt der Gefahr aussetzen soll, mich von deren Sohn bei der Ablage des Bildes auf den Grabstein meiner Mutter stellen zu lassen. Aber ich habe es ja dieser alten Frau versprochen, sie wird ihre Freundinnen haben, die jeden Tag den Friedhof besuchen und über dem Umstand, ob abgelegt oder nicht, getreulich berichten.
Also, ich muß es tun und dabei muß ich verdammt vorsichtig vorgehen, daß ich eben nicht von deren Sohn gesehen und abgefangen werden kann. Schwierig, schwierig.
Oder lieber doch nicht?
Man darf junge Frauen enttäuschen, in der Liebe ist alles erlaubt wie im Krieg, aber doch nicht Ältere, die in einem verliebt sind bis zum Umfallen? Nicht wahr!?
Nun, meine Vorstellungen werden von irrationaler Angst gejagt, weil, wie wahrscheinlich ist schon so eine Begegnung. Ist davon auszugehen, er liegt mir der Sohn auf der Lauer? Tag und Nacht. Weil, abends, zu Dämmerstunde wäre auch ein Ablegen möglich. Ha, ich lach über meine Paranoia. Typisch!
Aber so wie die Mutter von ihm, wird auch er seine Spezl haben, die mich verpfeifen, wenn sie mich sehen sollten. Und ich weiß auch, daß einer sogar direkt am Friedhof wohnt, sein Fenster geht direkt dahinaus, wenn ich mich nicht schwer täusche und mich mein Gedächtnis nicht trügt. Ich war schließlich einmal bei ihm zuhause gewesen und da hingen die muskelgepolsterten Monster nur so an den Wänden, daß es einem unheimlich werden konnte. Und dem bin ich einmal blöd gekommen, der wird mich mit Wonne verpfeiffen, höchstwahrscheinlich sich bereitwillig und mit Lust anbieten, aus mir Fleischwolf zu machen. Kurzer Anruf, Sms, E-Mail und schwuppti- wupp ist der er, der andere, der Neidmensch da. Er schafft diese Strecke von seinem Wohnhaus bis zum Friedhof sogar zu Fuß in höchstens fünf Minuten bei schnellem Gang, da über die Gleise und und und.
Ich befinde mich in meiner Phantasie auf diesem Indianer-Trampelpfad meiner Kindheit, denn diesen Weg wurde so genannt. Ja, typisch, in der Kindheit wurde ich dort auch verfolgt, ständig wurde ich verfolgt, meine Kindheit war eine einzige Flucht, aber weg damit Erinnerung...
Normalerweise parke ich fast neben des Feind-Freundes Haus, jedenfalls muß ich an diesem vorbeifahren und wenn er aus dem Fenster schaut, sieht er auf dem Friedhofsparkplatz mein Auto parken stehen. So halte ich bereits im Stadtinnern, es ist mir 2 Euro wert und laufe mit dem Bild von diesem gute 300 Meter zum Friedhof. Eigentlich auch sehr ungünstig, weil auf dieser Strecke kann ich dem Sohn wiederum übern Weg laufen. Die Frage ist, was ist gefährlicher: diese Strecke oder unter dem Haus eines vermeintlichen Spiones zu parken? Aber die Würfel sind gefallen, das Auto steht schon und Geld ist auch investiert worden, also...
Es findet sich aber doch noch ein Lösung, an die zu denken, mir völlig aus dem Sinn gegangen ist und auch logisch: ich lache, als ich diese Lösung erkenne: Du mein gordischer Knoten, jubiliere ich und erkenne nicht die Gefahr des Vom-Regen-in-die-Traufe-kommens. Einen Bekannten fragte ich, den ich ewig nicht gesehen habe und der gerade auf mich zu kam. Ich hätte es aber nicht anders wissen können, denn er hat sich derartig verändert, daß es nicht auf den ersten Blick erkennbar war. Dass er damals schon angeschlagen war, wußte ich zwar, aber mittlerweile hatte er den totalen Hau, was ich erst merkte, als es zu spät war, nämlich als wir vor dem Grab meiner Mutter standen. Ich legte das mitgebrachte Bild an das Grab.
„Ist das Deine Freundin? Mensch, sag bloß, dir ist eine Freundin verstorben.“
Ich war natürlich geschmeichelt, daß das Bild meiner älteren Mutter für andere als ein junges Ding von Weibsbild vorkam. Das mußte ich auskosten. Jedem Sohn schmeichelt es schließlich, wenn von seiner Mutter als hübsche Frau gesprochen wurde.
„Die ist aber schön gewesen, diese Freundin. Da verstehe ich schon, daß Du so traurig dreinschaust.“
„Findest Du sie schön?“
„Ja, total. Das war ein geiler Feger, was?“
Nein, diese Richtung, die er einschlug, gefiel mir nun nicht. Da mußte ich doch lieber die Bremse reinhauen, denn meine Mutter, wenn es auch nur das Bild derselben war, als „geilen Feger“ und so weiter zu betrachten, bereitete mir dennoch, will heißen, ich war ja nicht mir ihr verheiratet, deswegen hätte es mir gleichgültig sein können, ziemliches Unbehagen. Ich sagte ich die Wahrheit, bevor's ausartete. Ich schaute mich schon um, ob nicht eine Bekannte von ihr heimlich zuhörte und sich ihren Teil dachte, diese Gerede womöglich Frau Heller und den anderen zahlreichen Freundinnen meiner Mutter in der Kleinstadt weitertratschte. Mein Ruf wäre wohl völlig ruiniert: Grabschändung lässt grüßen undsoweiter.
„Ist das Deine Mutter?“ Konnte er nicht lesen, wußte er meinen Namen nicht, ja klar, nur mein Vornamen war ihm geläufig. Ich klärte ihn also auf.
„Das ist aber traurig!“, sagte er mitleidig und zog zwei Flachmänner aus seiner Westentasche.
„Das müssen wir begießen, äh, da müssen wir uns trösten.“ Was sollte ich tun? Ablehnen! Wir kannten uns nicht so gut, als daß er dies wegstecken würde so ohne weiteres und da er schwankte wie mein Bild im Sturm, war mir klar, den darfst Du nicht provozieren, denn wer Wind sät, erntet Sturm.
„Also, gib schon her!“
Ein einmaliges Ablehnen hatte mir gezeigt, das das so nicht geht. Sein Gesicht verfinsterte sich wie die dunkelsten Wolken im Herbst, in dem wir uns befanden. Mensch, dachte ich, der wird aggressiv, also: „Natürlich, ich hau's gleich weg!“
Er lächelte wie ein süßer Butterfresser nach dem ersten großen Bissen und sagte: „Siehs'te, und schon geht es Mann besser! Boah, da fühlt man sich wie ein neuer Mensch!“ Und er streckte seine Bodybilder-Brust heraus, daß selbst ein Elefant beeindruckt gewesen wäre. Ne, mit dem darfst du es dir nicht verscherzen, das war klar. Noch schnell nahm ich einen zweiten Schluck. Allmählich schmeckte der bittere Alkoholgeschmack gar nicht mehr so bitter, seltsam. Noch einmal probieren, tatsächlich, er hatte sich darin aufgelöst und ich kicherte über diesen Irrwitz. Mein Freund kicherte einfach mit, egal, warum ich damit begonnen hatte. Es kann nur an dem Alkohol, äh, nein an dem schönen Leben liegen und Prost die Gemeinde.
„Vermißt Du Deine Mama!“
„Äha, naja!“
Er lachte: „Gib's nur zu. Mir würde es nicht anders ergehen. Zum Glück leben aber noch meine beiden Herrschaften.“
„Ja, ich geb's zu!“
Mir war es nicht mehr wichtig, daß Mutter lebte, im Gegenteil, damit wurde es höchste Zeit, daß mein neuer Lebensabschnitt begann, den ich begierig war zu gestalten und zu meistern. Nur wie, war mir auch nicht klar, noch nicht. Also, noch 'nen Schluck, vielleicht regt's die Phantasie an. So ging das eine gute halbe Stunde, bis mein Freund zum Aufbruch drängte: das geistige Getränk war alle geworden. Na denn!
Ich überlegte mir, wie ich ihn wieder los werden könne, ich mich von ihm loseisen könnte, nicht, daß ich auch noch in der Kneipe landete, denn das war eine schlechte Jungfern-Rollbahn für meinen geplanten Überflug meines Singeldaseins ohne Muttern.
Aber dieses Problem löste sich ohne mein Zutun, quasi von selbst, zudem auch noch das mit der Mutter-Freundin Sohn. Denn dieser kam uns bei unserem Heimweg und Ausweg aus dem Friedhof direkt entgegen, vielmehr wir ihm, denn er lehnte mit einer Hand auf dem Ausgangspfosten. Auch sein Bauch, den er übermächtig vor sich herschleppen musste, lehnte gegen denselben. Sonst wäre er wahrscheinlich gravitätisch-schwerpunktmäßig nach vorne auf die Nase gekippt, weil er den schwer Schmerbauch mit der Zeit nicht mehr hätte tragen können, ganz klar.
„Hallo!“
„Hallo!“ Das war mein Freund. Sie kannten sich also. Tatsächlich begrüßten sie sich wie alte, längst vergangene Freunde und Saufkumpanen, die der Rost der alten Liebe nicht hatte angreifen können. Wie wenn sie früher ohne einander nicht hatten leben können, taten sie.
„Moment, ich muß mal aufs Klo!“
Und ich verschwand in der zwei Meter entfernten Toilette. Ich wischte mir den Schweiß von der Stirn, schaute mich um und sah ein Fenster.
Meine „Zuflucht!“
Richtig, schon bizarr, dieser Ausdruck, nicht?
Aber, sagte ich mir, damit beginnt also dein neues Leben ohne deine Mutter: Mit der Flucht aus einem sehr engen Scheißhausfenster. Dieses Symbolik gab mir derartig zu denken, daß ich meine Chance nicht wahren wollte, weil es mir wie ein unheimliches, ein unschönes, ein omenreiches, nämlich genauer gesagt Unglückszeichen erschien.
Was aber blieb mir übrig?
Worauf fiel ich, das ist auch ein Zeichen, fiel ich auf den bloßen Boden, um mir den Knöchel zu verstauchen oder etwas weicheres. Ja, richtig, letzteres. Aber was? Auch kein gutes Zeichen. Blumenabfall von den Grabsteinen. Ich glaube, ich plumpste so schwer auf die verdorrten grünen Kränze und stickigen, verdorrten Blumen, daß eine Ratte aufgeschreckt das Weite suchte. Ich weiß es nicht, aber es hätte gepasst.
Jedenfalls, entscheidend, so gesehen: die Flucht gelang.
Doch ich schämte mich dafür, für die Art und Weise, wie ich geflüchtet bin und das Weite gesucht habe.  Aber Künstler haben's nun einmal nicht leicht.
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Rodge
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BeitragVerfasst am: 09.06.2022 10:23    Titel: Antworten mit Zitat

Puhhh, ich finde das eigentlich im Prinzip gut geschrieben, aber der lässige Umgang mit den Feinheiten der Sprache lässt mich an der Ernsthaftigkeit zweifeln.

Trotz einiger Anmerkungen postest du dann mehr von dem Gleichen. Wie schon anderweitig erwähnt, passt das nicht zu einer Werkstatt. Was bezweckst du denn damit?
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pentz
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BeitragVerfasst am: 09.06.2022 13:36    Titel: Er weiß nicht, was er tut... pdf-Datei Antworten mit Zitat

"im Prinzip gut geschrieben", aber "lässiger Umgang mit Feinheiten"
- tut mir leid, weiß nicht, was Du damit meinst.

welche Feinheiten mißachte ich, ich weiß wirklich nicht, was da falsch ist, sorry

man unterstelle mir keine intoleranz, sturköpfigkeit etc...

gruß
werner
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Murmel
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BeitragVerfasst am: 10.06.2022 13:51    Titel: Antworten mit Zitat

ich weiß nicht, ob hier nicht brainstorming mit steaming of consciousness verwechselt wird.

Zitat:
Sie hat fast herumgeschrien im Treppenhausgang, so daß es all die Mitbewohner mitgekriegt haben mußten.

Es gibt kein fast oder beinahe, außer es bezieht sich auf den Erzähler.
Mitgekriegt - das ist Umgangssprache.

Zitat:
Als ich so bestürzt, im wahrsten Sinne des Wortes ist etwas auf mich herabgestürzt, nämlich harsche Worte, klingelte gerade das Telefon.

Als ich so bestürzt... was getan habe? bestürzt ist ein Adverb und bezieht sich auf ein Verb und das fehlt.

Zitat:
Ich kam unterm Arm mit meinem Bild bei ihr an.

Welches Bild? Ein Foto von "dir"? Ach so, das Acryl Bild "deiner" Mutter. Das ist zu weit weg, zu viel Fluff dazwischen.

Zitat:
Also Punkt zwei war, daß ich von einer älteren Person ausging, die mir schon keine Angst einjagen könnte.
Denn die Schrift war altdeutsch gewesen, zum Kommen wurde mit m und einem Tilde darüber geschrieben. Das hätte mir doch den Hinweis geben können, daß es sich wohl um eine ältere Person handelte, so wie meine Mutter, die noch in dieser Schriftsprache unterrichtet worden war

daß schreibt man heutzutage mit zwei ss.
ausging - vermutlich gegangen war.
eine Tilde über m? Selbst in Sütterlin oder Kurrent kommt keine Tilde über das m, dagegen über das u.

Das nur in Kürze. In einem früheren Stück waren arge Rechtschreib- und Grammatikfehler, die einem die Lust nehmen. Vor allem, wenn der Autor behauptet, ein Deutschlehrer zu sein. Okay?

Das Hauptproblem aber ist, dass ich nicht erraten kann, wohin dieses Story uns führen soll. Vor dem Schreiben muss immer die Idee stehen und zumindest ein grober Plan. Das muss nicht unbedingt schriftlich bis ins letzte Detail ausgetüftelt sein, aber die groben Linien sollten ausgearbeitet sein, sonst kommt ein diffuses Herumirren heraus.

Stell dir vor, du wärst in deiner Klasse und du stellst dich an die Tafel und babbelst vor dich hin, ohne Konzept, ohne Ziel. Schwadronierst über beinahe und fast.

Vielleicht hilft das. smile


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pentz
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BeitragVerfasst am: 12.06.2022 13:16    Titel: "fast" hätte ich es nicht verstanden... pdf-Datei Antworten mit Zitat

danke für Deine konstruktiven Einwände, die mir zum Nachdenken Anlaß gegeben haben.

das mit "fast" "beinahe" verstehe ich nicht, warum dies nicht auf diese Frau und nicht auf den Erzähler zutreffen darf.

das mit tilde über m kann ich Dir nur sagen, daß dies meine Mutter, wenn sie doppel-m schreiben wollte, gemacht hat. punktum. ob dies wissenschaftlich schon erfaßt worden ist oder im web dargestellt, spielt keine rolle. sie hat es so gemacht, die in sogenannten III. Reich und in Mittelfranken aufgewachsen ist.

doppel ss oder ß - ich weiß, da muß ich mich umstellen!

nun, zur Intention. Tja, die gefühlte Intention habe ich im Kopf, aber ich weiß noch nicht, wie ich sie umsetzen kann. aber, so wie ich das wort "werkstatt" verstehe, wird daran gebastelt.

grüße an die USA

murmel Dich weiter so durch.

we
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Murmel
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BeitragVerfasst am: 12.06.2022 16:37    Titel: Re: "fast" hätte ich es nicht verstanden... Antworten mit Zitat

pentz hat Folgendes geschrieben:

nun, zur Intention. Tja, die gefühlte Intention habe ich im Kopf, aber ich weiß noch nicht, wie ich sie umsetzen kann. aber, so wie ich das wort "werkstatt" verstehe, wird daran gebastelt.


streaming of consciousness, da ist mir ein r abhanden gekommen.

Anyway. Nein, deine Idee solltest du schon festgezurrt haben, sonst würden wir die erzählen, über was du schreiben sollst. Die Werkstatt ist dazu da, um dir zu helfen, deine Idee aufs (virtuelle) Blatt Papier so zu bringen, dass sie erkennbar und lesbar ist.


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pentz
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BeitragVerfasst am: 20.06.2022 20:49    Titel: Die Sinnkrise pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich fiel in eine Depression, verfiel in eine Sinnkrise.
Was hatte die verschiedensten Personen in meinem Bild gesehen?
Eine hatte einen Mann wiedererkannt, mein Freund eine junge, attraktive, verführerische Frau, um es einmal moderat auszudrücken. Die besuchte Frau Heller hatte zwar meine Mutter gesehen, aber ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, daß sie mehr Augen für mich als sonstwem gehabt hatte. Sie war schließlich berüchtigt in der Stadt, das sie es mit jedem trieb, wie meine Mutter behauptete, selbst mit mir hätte sie wahrscheinlich gern. Aber was denke ich, diese alte Frau! Die nicht einmal mehr auf ihren zwei Beinen richtig stehen konnte. Doch war ich für sie bestimmt attraktiv, bin ich doch ein schöner Mann vom Klischee her, nehme ich mal mit Sicherheit an, aber da ist ihre sexuelle Begierde vielleicht nur so ein Anschauungs-Trieb: sie bewundert die schönen, maskulinen Seiten eines Mannes, mit dem sie sich vorstellt ins Bett zu gehen, stellt sich vor, dies und jenes, an dieser und jener Körperstelle zu tun, aber weiß genau, daß dies nur noch ein vage Vorstellung ist, ein Ballon, ein Papiertiger. Schließlich ist sie sich durch und durch ihrer Gebrechlichkeit bewußt.
Aber zurückzukommen aufs Bild: sie hat bestimmt aus Liebenswürdigkeit behauptet, daß dieses so sehr meiner Mutter ähnelte, sie wollte bei mir punkten und sich einschmeicheln, mehr nicht. Nein, die meisten, fast alle Personen sahen unterschiedliche Figuren in diesem Bild, was hieß, daß es so genial ambiguniär oder aber schlicht schlecht war. Hundsmiserabel schlecht nämlich.
Während ich mich so sehr über meine Unfähigkeit als Maler krämte, holte mich bald wieder das Leben ab. Mein Telefon machte ein Klingelzeichen.
„Du entgehst mir nicht, auch wenn Du diesmal mit einem Bodyguard in den Friedhof gegangen bist. Einmal werde ich Dir alleine begegnen so oder so! Dann aber!“
Oje, er hatte mich verfolgt, gesehen, wie ich mit meinen „Freund“ auf den Friedhof gegangen bin und in seiner Übellaunigkeit geschlußfolgert, diesen hätte ich nur mitgenommen, um mich vor ihm zu schützen, nicht weil es halt ein Freund war.
Hm, im Grunde hatte er recht! Bin ich ehrlich. Eigentlich war ich ja erfreut, meinem Bekannten begegnet zu sein und mitzunehmen zum Grab meiner Mutter, was ich strenggenommen und eigentlich schicklicherweise auch nicht hätte tun müssen, sollen. Aus pietätischen Gründen sowieso nicht.
Ich zieh mich jetzt, daß ich mir dessen nicht bewußt war und ihn mitgeschleppt habe. Denn was hat er doch übles über meine Mutter geleumundet? Horror Pur!
Sie war ja nicht so ein scharfer Feger wie die Mutter diese Brutalos, der es sich zum Spaß macht, mich zu verfolgen und mir Angst einzujagen.
Halt, da kommt mir doch eine Idee. Ich hatte doch eine scharfe Waffe, um mich zu verteidigen. Denn es würde nämlich schon so sein, daß ich ihn irgendeinmal über den Weg laufen mußte und nachts in den Friedhof einzudringen, wenn ich das Bild wieder holen wollte, schickte sich zu einen nicht und wurde bestimmt als eine schwerwiegende Ordnungswidrigkeit geahndet. Am Ende, man mußte mit allem rechnen, klagten sie mich wegen Nekrophilie an, das Treiben mit Leichen und sperrten mich für immer hinter die Mauern einer Psychiatrie. Heutzutage waren die sexuellen Ordnungsfanatiker schlimmer drauf als je zuvor. Das weiß man doch!
Aber zurück zum Bild, zum Verfolger, zu mir und meinem Bild von mir? Der Punkt war der, wenn das Bild nicht im mindesten meiner Mutter ähnelte, und drei Personen, vier, fünf mit dem Verfolger sagen dies, und meine Ambiguitätstheorie ist doch nur ehrlicherweise gesagt eine Ausflucht, Nonsens, Schwachsinn, Ablenkung... Jedenfalls, wahrscheinlich hat der Verfolger dann Recht. Der verkorkste Maler hat Geld von dessen Mutter unterschlagen, um seiner verkorksten Kunst weiter frönen zu können, statt seiner eigenen Mutter einen ehrenwerten Strauß Blumen oder Blumenkranz zu spendieren! Das war Blasphemie oder wie heißt man das Vergehen, daß gegen Tote gerichtet ist oder das mit Grabschändung und so? Wird mir schon noch einfallen!
Meine Sünden, um das Register zu vollenden, sind zwei. Und alle zwei richtigen sich gegen ältere, hilflose Menschen. Die eine, die vielleicht schwerwiegendste, richtet sich gegen eine Gestorbene. Ihr wird die obligate, normal zu erwartende Huldigung einer Kranzniederlegung seitens ihres ältesten Sohnes von diesem selbst verwehrt. Die andere, die auch an Schwere nicht wenig ist, ist die, daß ich dafür, für die Entziehung der gesellschaftlichen Erwartung, von einer anderen, auch älteren Frau mir habe Geld geben lassen und dieses unterschlagen, also nicht für den vorgesehenen Kauf eines Buketts verwendet. Eigentlich will die letztere Frau nur ihre Freundin mit solch einem Kranz oder Strauß oder Pflanzengesteck ehren und ich bin als Vermittler ausersehen. Ich verfehle absolut schuldig und bewußt meine sittlich geziemende Aufgabe, dies zu tun. Mir gehört dieses Geld mitnichten. Das Bild, dass ich stattdessen an das Grab legen will, ist eine billige Ausrede meinerseits, um das Geld in die eigene Tasche zu stecken. Für diese Umstand verschärft sich der Straftatbestand nur mehr un eindeutiger, als ich das Bild nicht als Auftragsarbeit nach Erhalt des Geldes angefertigt habe, sondern lange Zeit schon vor dem sterblichen Ableben meiner Mutter gemalt habe.
Das war da eine, aber da noch schlimmere, mich viel, viel mehr belastendend war ein anderer Umstand, der infolge dessen wie eine Explosion in mein Leben gedrungen ist. Nicht allein die Frage plötzlich aufgeworfen wie ein ehemals schlecht verheilte Narbe und Wunde, ob ich ein Künstler bin, das auch, das auch, schwer verschärfend, also, ob es zutrifft, daß ich nur ein eingebildeter Künstler mit Null Talent bin? Nein, es kommt hinzu, daß die Annahme von diesem Verfolger, daß ich dies wäre, nämlich, um es klar zu sagen, ein Hochstapler im wahrsten Sinne des Wortes, iesem Mann recht gegeben wird und es legitimiert, mich bis meinetwegen in mein Grab hinein zu verfolgen, um a) das Geld seiner Mutter wieder zurückzubekommen oder b) bis ich gefügig das getan habe, was sich schickt und was vorgesehen ist, nämlich eine Grabschmückung auf Geheiß seiner Mutter zu besorgen.
Welch ein Dilemma.
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V.K.B.
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BeitragVerfasst am: 20.06.2022 23:05    Titel: Antworten mit Zitat

Da dieser Faden immer wieder hochkommt, habe ich mal reingeschaut.

Ich hab den Text dann aber nicht über ein paar Zeilen hinaus gelesen, und die Antworten auf Kommentare reichten mir schon, mich endgültig davon abzuhalten, hier irgendwas weiterlesen zu wollen. Du gehst nicht annähernd auf Kritik ein, bemühst dich nicht um eine wirkliche Verbesserung des Textes, sondern stellst stattdessen Fortsetzung um Fortsetzung ein – was soll das? Das hilft weder dir noch sonstwem, und wird auch kaum jemand lesen, wenn überhaupt.

Dass du Deutschlehrer sein willst, kann ich beim Lesen deiner Antworten nicht glauben – bzw hoffe inständig für potentielle Schüler, dass dies nicht der Wahrheit entspricht.


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Calvin Hobbs
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Wohnort: Deutschland


BeitragVerfasst am: 24.06.2022 18:37    Titel: Re: Die Sinnkrise Antworten mit Zitat

pentz hat Folgendes geschrieben:

Das war da eine, aber da noch schlimmere, ??? mich viel, viel mehr belastendend ??? Komma war ein anderer Umstand, der infolgedessen Komma wie eine Explosion in mein Leben gedrungen ist. Nicht allein die Frage Komma plötzlich aufgeworfen Komma wie eine ehemals schlecht verheilte Narbe und Wunde, ob ich ein Künstler bin, das auch, das auch, schwer verschärfend, also, ob es zutrifft, daß ich nur ein eingebildeter Künstler mit null Talent bin? Nein, es kommt hinzu, dass die Annahme von diesem Verfolger, dass ich dies wäre, nämlich, um es klar zu sagen, ein Hochstapler im wahrsten Sinne des Wortes, diesem Mann recht gegeben wird und es legitimiert, mich bis Komma meinetwegen in mein Grab hinein zu verfolgen, um a) das Geld seiner Mutter wieder zurückzubekommen oder b) bis ich gefügig Komma das getan habe, was sich schickt und was vorgesehen ist, nämlich eine Grabschmückung auf Geheiß seiner Mutter zu besorgen.
Welch ein Dilemma.

Der letzte Satz drückt die absolute Wahrheit aus.


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pentz
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BeitragVerfasst am: 10.07.2022 20:21    Titel: calvin, der kommata-magier pdf-Datei Antworten mit Zitat

danke,
calvin,
vieles richtig, aber
die Kommata-setzung
sehe ich meist anders.

Das war das eine, aber der noch schlimmere, mich viel, viel mehr belastendende Umstand war ein anderer, der infolgedessen wie eine Explosion in mein Leben gedrungen ist. Nicht allein die Frage, plötzlich aufgeworfen, wie ein ehemals schlecht verheilte Narbe, ob ich ein Künstler bin, das auch, das auch, schwer verschärfend, also, ob es zutrifft, daß ich nur ein eingebildeter Künstler mit null Talent bin? Nein, es kommt hinzu, dass die Annahme von diesem Verfolger, ich wäre dies, nämlich, um es klar zu sagen, ein Hochstapler im wahrsten Sinne des Wortes, diesem Mann recht gegeben wird und es legitimiert, mich bis, meinetwegen in mein Grab hinein, zu verfolgen, um a) das Geld seiner Mutter wieder zurückzubekommen oder b) bis ich gefügig das getan habe, was sich schickt und was vorgesehen ist, nämlich eine Grabschmückung auf Geheiß seiner Mutter zu besorgen.
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