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Ihm erzählen


 

 
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schoele
Geschlecht:männlichGänsefüßchen


Beiträge: 26



BeitragVerfasst am: 14.04.2022 10:32    Titel: Ihm erzählen eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ihm erzählen, dass ich mir mal vorgestellt hab, wie wir in seiner Küche sitzen. Seine Wohnung war aber im Erdgeschoss und im Hinterhof. Eine Sommernacht. Das Fenster war auf, ein kleines Licht unter dem Hängeschrank säuselte, wir saßen am Tisch. Er in Unterhemd und ich, das Fenster war auf, die Grillen zirpten draußen. Mal war es kalt, mal warm. Kalt, weil der Wind wehte.

Ihm erzählen, dass ich mal einen Traum von ihm hatte. Wir kannten uns schon länger. Ich mochte ihn sehr. Er wusste aber meinen wahren Namen nicht, er bekam mit, dass mein genannter Name nicht meiner war.
Er fuhr meine Schwester und ihren Freund irgendwo hin, ich dabei. Er tippte genervt auf das Armaturenbrett, als sei was. Wir kamen dort an, wo wir sollten, hast das Auto geparkt. Du holtest eine Waffe raus, hast sie an meinen Kopf gehalten, mich ernst angeguckt, hast aber nicht geschossen. Währenddessen umzingelten uns mehrere Autos, Kollegen von dir, du warst in einer Gang. „Denkst du wirklich ich würde dich und die Anderen erschießen?“ sagtest du, hast dabei gelacht. Ich hatte nichts verstanden. Ein Kollege stieg aus einem der Autos aus, und meinte: “wir sind das Sorgerecht.“ Als sei das euer Gangname. Ich dachte eigentlich, dass ihr von der Polizei seit, wart ihr aber nicht.
In der nächsten Szene meinte ich, ob wir kurz vom Tumult weggehen können. Ich hatte dich gefragt, ob wir nicht mehr miteinander reden werden. Du meintest: „Ja, ich lebe im status quo.“
So als ob alles unecht war, also unsere Begegnung, dass ich dir nichts bedeute. Als ob du nicht auf Männer stehen würdest. Ich hatte tränen in den Augen, ich glaub, ich habe nichts gedacht. Du hast noch vor mir gestanden, hast aber nicht mit mir geredet und dann meinte ich zu deinen Kumpels, ob die dich überreden können mit mir zu reden. Alle haben mich verdutzt, etwas bemitleidend, angeguckt.

Ihm erzählen von meiner Istanbulphantasie. Er und ich waren in der gleichen Unterkunft, wie ich und meine Freundin mit der ich letztes Jahr in Istanbul war. Die Wohnung war in Kadıköy, mit einer Dachterrasse, man konnte auf eine belebte Straße runterschauen, mit vielen Bars.
Er und ich waren die ganze Nacht wach, keine Ahnung was wir taten, vielleicht redeten wir viel oder wir erkannten einander oder beides. Wir waren beide jedenfalls sehr müde, wir schliefen ein als die Möwen anfingen zu schreien. Er hielt mich, mein Kopf auf seiner Brust, während er auf meinen Kopf atmete. Bei dem Gedanken war ich glücklich.
Am frühen Nachmittage sind wir aufgewacht, ich bin rausgegangen zum Markt und hab uns essen besorgt. Viele Früchte, Brombeeren, Himbeeren, Feigen, Mangos aber auch Gemüse. Ich war noch bei dem Bäcker, der gleich in der Nähe war. Börek, Poğaça, Simit, Pfannkuchen. Alles für uns. Als ich in die Wohnung hin eintrat, glühte ich. Er war gerade am Duschen, ich schaute nach ihm. Ich mochte seinen Körper sehr.
Ich tischte alles auf, aber der Tisch war ein bisschen zu klein. Ein prächtiger Tisch, Früchte aus dem Paradies.

Ihm von dem Traum mit seiner Tochter erzählen. Ich rauchte eine Zigarette, ich war in Kreuzberg oder Friedrichshain. Mein Kopf war wirr. Ich lief zu seiner Wohnung, es war aber eine andere Wohnung als die seine eigentlich war. In einem brutalistischen Bau. Er machte mir die Tür auf, er strahlte. Er strahlte, weil ich da war. Hinter ihm standen zwei Mädchen, eine war seine Tochter, die andere ihre beste Freundin. Ich wusste aber nicht welche der beiden wer war. Wir setzten uns auf die Couch, er schaute mich erwartungsvoll und glücklich an. Glücklich, dass ich sie, seine Tochter, kennenlerne? Die Couch, auf der wir vier saßen, war ein L. Er saß auf dem L, dann kamen die beiden Mädchen und ich saß außen von den beiden. Die beiden ignorierten mich irgendwie. Es war alles komisch, verschiedene Haltungen und Erwartungen.

Ihm von dem Traum erzählen, den ich letzte Nacht hatte. Ich war mit meinen Freunden bei dir in der Wohnung, es war aber eine große moderne Wohnung, wie ein Penthouse. Es war ein wenig so, als hätten wir dich überfallen. Du hattest eine Jacke an, und dein Bart war länger und zottelig. Du hast die ganze Zeit zwischen den Räumen gewechselt, in dem einen Raum war deine Ex-Freundin mit ihrem Freund, ich weiß aber nicht, ob sie überhaupt einen hat. Irgendwie war da noch eine andere Frau, aber keine Ahnung. Als sei sie eine Affäre von dir. Deine Tochter war nicht da. Meine Freunde und ich haben den Tisch gedeckt, aber du konntest andauernd dich nicht dazusetzen, musstest an verschiedenen Orten sein und warst schlicht abgelenkt.
Ich wusste auch nicht, wo ich mich hinsetzen sollte am Tisch. Es war ein langer Tisch, an den Seiten saßen meine Freunde. An dem einen Kopfende waren zwei Stühle, wie die Throne von König und Königin und am anderen Kopfende war ein Stuhl. Ich wollte mich neben dich setzen, aber ich wusste nicht, ob ich mich zu viel wage. Oder ob ich es mir verdiene, ob du so viel Nähe willst, ob du mich willst.

Ihm erzählen, dass es mir wehtut ihn mehrere Wochen nicht zu sehen.

Ihm erzählen, ich habe das Gefühl, wir uns sind nicht mehr so nah.

Ihm erzählen…

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Nachtvogel
Geschlecht:weiblichWortedrechsler

Alter: 31
Beiträge: 81
Wohnort: Münster


BeitragVerfasst am: 16.04.2022 20:19    Titel: Re: Ihm erzählen Antworten mit Zitat

Ich finde den Text sehr schön. Die Träume bringst du gut rüber, z.B. mit den falschen Wohnungen - es wirkt alles etwas unwirklich. Der manchmal vorkommende Pronomenwechsel von "er" zu "du" irritiert mich. Ich habe das jetzt so verstanden, dass damit dieselbe Person gemeint ist und der Erzähler einfach zwischendurch von dem Berichten über ihn zur direkten Ansprache an ihn wechselt. Falls das wirklich so gedacht ist, würde ich darüber nachdenken, vielleicht doch konstant beim "er" zu bleiben, weil die irritierende Wirkung für mich etwas unschön war. Kann aber sein, dass das auf andere Leute ganz anders wirkt. Noch ein paar Anmerkungen:

Zitat:
Ein Kollege stieg aus einem der Autos aus, und meinte: “wWir sind das Sorgerecht.“ Als sei das euer Gangname. Ich dachte eigentlich, dass ihr von der Polizei seitd, wart ihr aber nicht.

Zitat:
In der nächsten Szene meinte ich, ob wir kurz vom Tumult weggehen können. Ich hatte dich gefragt, ob wir nicht mehr miteinander reden werden. Du meintest: „Ja, ich lebe im sStatus quo.“
So als ob alles unecht war, also unsere Begegnung, dass ich dir nichts bedeute. Als ob du nicht auf Männer stehen würdest. Ich hatte tTränen in den Augen, ich glaub, ich habe nichts gedacht.

Zitat:
Ihm erzählen von meiner Istanbulphantasie. Er und ich waren in der gleichen Unterkunft, wie ich und meine Freundin KOMMA mit der ich letztes Jahr in Istanbul war.

Ein bisschen irritiert mich hier das Präteritum, denn unter einer "Phantasie" verstehe ich nichts, was man wie einem Traum im Präteritum erzählen würde, sondern etwas, was man eher im Konjunktiv wiedergeben würde: Ihm erzählen von meiner Istanbulphantasie. Er und ich würden in der gleichen Unterkunft sein... Er und ich würden die ganze Nacht wach sein, keine Ahnung, was wir tun würden... und so weiter. Das würde glaube ich auch gut wirken.

Zitat:
Er und ich waren die ganze Nacht wach, keine Ahnung KOMMA was wir taten, vielleicht redeten wir viel oder wir erkannten einander oder beides. Wir waren beide jedenfalls sehr müde, wir schliefen ein KOMMA als die Möwen anfingen zu schreien.

Zitat:
Am frühen Nachmittage sind wir aufgewacht, ich bin rausgegangen zum Markt und hab uns essen besorgt. Viele Früchte, Brombeeren, Himbeeren, Feigen, Mangos aber auch Gemüse. Ich war noch bei dem Bäcker, der gleich in der Nähe war. Börek, Poğaça, Simit, Pfannkuchen. Alles für uns. Als ich in die Wohnung hin eintrat, glühte ich. Er war gerade am Duschen, ich schaute nach ihm. Ich mochte seinen Körper sehr.
Ich tischte alles auf, aber der Tisch war ein bisschen zu klein.

Eine sehr schöne Metapher mit dem zu kleinen Tisch. Ich mag die Stelle.

Zitat:
Ich wusste aber nicht KOMMA welche der beiden wer war.

Zitat:
Die Couch, auf der wir vier saßen, war ein L. Er saß auf dem L auf der kurzen Seite des L (?), dann kamen die beiden Mädchen und ich saß außen von den beiden.

Zitat:
Irgendwie war da noch eine andere Frau, aber keine Ahnung. Als sei sie eine Affäre von dir. Deine Tochter war nicht da. Meine Freunde und ich haben den Tisch gedeckt, aber du konntest andauernd dich nicht dazusetzen, musstest an verschiedenen Orten sein und warst schlicht abgelenkt.
Ich wusste auch nicht, wo ich mich hinsetzen sollte am Tisch.

Irgendwie fühlt es sich an dieser Stelle für mich so an, als würde eine andere Stimme erzählen. Ich glaube, das liegt an den Ausdrücken "keine Ahnung", "andauernd" und "schlicht" - aus irgendeinem Grund fügt sich das nicht so richtig in die bisherige Erzählstimme ein. Aber subjektiver Eindruck von mir!

Zitat:
Ihm erzählen, dass es mir wehtut KOMMA ihn mehrere Wochen nicht zu sehen.


Die inhaltlichen Sachen sind natürlich nur subjektive Eindrücke von mir. Insgesamt gefällt mir der Text sehr gut!

Liebe Grüße
Nachtvogel
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schoele
Geschlecht:männlichGänsefüßchen


Beiträge: 26



BeitragVerfasst am: 22.04.2022 17:07    Titel: Re: Ihm erzählen pdf-Datei Antworten mit Zitat

Nachtvogel hat Folgendes geschrieben:
Ich finde den Text sehr schön. Die Träume bringst du gut rüber, z.B. mit den falschen Wohnungen - es wirkt alles etwas unwirklich.


Hi Nachtvogel, vielen Dank für dein Feedback smile Ich werde versuch einige Sachen versuchen umzusetzen, die du vorgeschlagen hast.
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