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Zehn Jahre Dönermitalles


 

 
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Miss Purple
Geschlecht:weiblichLeseratte


Beiträge: 109
Wohnort: In den öden Weiten des Rübenanbaus


BeitragVerfasst am: 10.04.2022 12:54    Titel: Zehn Jahre Dönermitalles eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Katastrophen waren ohnehin vorherbestimmt, also habe ich mich von diesem türkischen Beau küssen lassen. Auf dem internationalen Festival in Moers waren wir uns zum ersten Mal begegnet, seitdem hatte er vehement um mich gebuhlt, seine fürsorgliche Belagerung hatte mir damals gut getan, nach meiner Scheidung. Er konnte Komplimente machen, die nicht nach Anmache klangen, sondern nach tausendundeiner Nacht. Keiner war so ausdauernd um mich bemüht wie dieser junge, türkische Asylbewerber. Der Duft seines pechschwarzen Haars streifte mich wie ein feinwürziger, andersartiger Hauch, ich genoss seine gefühlvollen Zuwendungen, seine Aufmerksamkeit - und überhörte mit Bedacht eine leise mahnende Stimme: Vorsicht Anziehung: Nicht kompatibel!

„Er heißt Osman. Übrigens: Wir werden heiraten.“
Endlich hatte ich den Mut gehabt, es meiner Mutter zu sagen – am Telefon. Selbst Schuld, dass ich es ihr so lange verheimlicht hatte. Warum musste sie auch ständig alles hinterfragen und negativ beurteilen, was meinen Umgang betraf. Meine Schwester und ich hatten wohl aus Trotz diesen Hang zum ungewöhnlichen Schwiegersohn.
Mein Schwager war der 60er-Jahre-Alptraum meiner Mutter: Ein Drafi-Deutscher-Verschnitt mit Lederjacke, der sein stinkendes, knatterndes Moped unter unserem Wohnzimmerfenster aufheulen ließ, um meine Schwester herauszulocken. Wir Schwestern fanden es lächerlich und nicht nachvollziehbar, dass sein stets zerzaustes, längeres Haar und frühreife Manierismen meine Mutter bereits in höchste Alarmstufe versetzen konnten. Doch gegen die Liebe konnte meine Mutter nichts ausrichten.

In den folgenden Jahrzehnten suchte der inzwischen großmäulig gewordene Handwerksmeister mit Hang zur denkmalgeschützten Schrott-Immobilie und meine Mutter immer wieder Gründe, warum sie sich gegenseitig nicht leiden konnten.
Mein erster Ehemann schien dagegen ganz dem Geschmack meiner Mutter zu entsprechen: Gut aussehend, selbständig und mit eigener Firma. Mein Trumpf, den ich gegen meine Mutter ausspielte, der niemand etwas wirklich recht machen konnte. Von meiner Eheschließung an, so frohlockte ich, wäre ich frei – von ihrem Kontrollzwang, ihrer Bevormundung und ihrer permanenten Überwachung.
Mein Mann wäre der perfekte Schwiegersohn – wenn er nicht Witwer mit zwei Kindern gewesen wäre. Somit musste meine Mutter die Zwangs-Omaschaft für zwei fremde Kinder übernehmen und machte keinen Hehl daraus, dass sie sich dafür zu jung und alles als Zumutung empfand.
Als ich ihr vier Jahre später diese Zumutungen via Scheidung wieder abgenommen habe, war ihr dann allerdings auch wieder nicht recht.
Meine Mutter war also, wie sie es ausdrückte „Kummer gewöhnt“. Und nun also auch noch ein Türke.

Die osmanische Ritterlichkeit meines Mannes gefiel ihr - trotz massiver Vorurteile - später doch ausnehmend gut. Selbst meine herrische Großmutter umwarb Osman mit ausdauernden Komplimenten. Irgendwann, auf einem Familienfest, setzte er sich einfach neben das Familien-Oberhaupt und gefürchteten Drachen, sprach leise auf sie ein, lauschte ihren Erinnerungen an ihren verstorbenen Mann und dem, im Krieg so schmerzlich vermissten Sohn. Währen sie erzählte, strich er wie zufällig sachte über ihre Hand – die sie irgendwann dankbar ergriff und lange nicht wieder losließ.
Mit seiner Jungenhaftigkeit hat er so manchen harten Brocken zur Strecke gebracht – wie mich, die dem Werben ihres moslemischen Freundes irgendwann auch zum Opfer fiel.
Gut, dass ich damals noch nicht gewusst habe: Orientalen sind auf lange (sexuelle) Durststrecken und ausdauerndes, hartnäckiges Werben trainiert - wie Esel, die  es gewohnt sind, schwere Lasten zu tragen. Jedes Nein stecken sie weg wie eine Trophäe - demonstrierte es in ihren Augen nur die Bereitschaft des Gegenübers zu langem, zähem Handeln und Abwägen des Für und Wider. In diesem Sinne galt: Je mehr Widerstand eine Frau leistete, um so lohnender musste ihre Eroberung sein.
Ich fühlte mich – wie alle Frauen meiner Familie - durch Osmans zurückhaltendes, höfliches, geduldiges und ausdauerndes Werben geschmeichelt. Es vermittelte den Eindruck: Du bist es mir wert. Bei all dem heißbegehrt sein habe ich vermutlich vergessen, zu hinterfragen, ob er tatsächlich der Richtige für mich war.
Er war Asylbewerber. Für ihn wäre jede deutsche Frau (erst mal) die Richtige gewesen, denn mit einer deutschen Ehefrau stiegen seine Chancen auf eine Aufenthaltsgenehmigung.
Durch die Verbindung mit einem Ausländer war ich wie er sozial geächtet. In den 8oer Jahren waren binationale Paare eher selten und wurden misstrauisch von beiden Kulturen beäugt. Eine Zeitlang war ich hin und hergerissen zwischen Faszination und Misstrauen – das meine Freundinnen gerne schürten: „Pass auf, jetzt reißt er sich noch zusammen. Aber sobald ihr verheiratet seid, wird er anfangen, die patriarchischen Strukturen, in denen er aufgewachsen ist, dir gegenüber durchzusetzen …!“
Das lautstarke Echo meines sozialen Umfeldes tat sein Übriges:“ Ein Türke? Bist du bescheuert? Italiener, Grieche, Spanier … aber ein Moslem? Das geht gar nicht!“

Wir heirateten schließlich – ohne unsere Familien, inmitten eines multi-nationalen, friedensbewegten und links angehauchten Freundeskreises, dem wir uns im Laufe unseres Kennenlernens angeschlossen hatten. Alleine würden wir die Last, die wir uns mit dieser binationalen Ehe auf die Schultern gelegt hatten, nicht tragen können, so viel war klar. Doch wir waren verliebt und das machte uns mutig und motiviert genug zu glauben, dass sich jede Schwierigkeit in einer guten Partnerschaft und liebevollen, gleichberechtigten Beziehung schon stemmen lassen würde.
Selbstverständlich war das naiv: Zu denken, dass es in unserem Freundeskreis, in dem es einige unterschiedliche Nationalitäten gab, keine Ressentiments und Reibungen geben würde. Und das mit der Gleichberechtigung ...

Nach den Flitterwochen fanden wir uns beide in einer Art Umerziehungslager wieder: Wenn du mich liebst, tust du dieses, unterlässt du jenes …
Zunächst zärtlich, fast neckend vorgebracht, dann forscher, wie Regieanweisungen, noch später klangen solche Appelle wie Verhaltensvorschrift: SO wird das bei UNS gemacht!
Plötzlich machte Osman auch keinen Hehl mehr daraus: Qua Heirat sei er nun Herr im Haus – zumindest nach außen. Und daher verweigerte er standhaft, bestimmte Hausarbeiten zu machen. Seine Ehre als Mann stünde sonst auf dem Spiel.
Ich knirschte mit den Zähnen und diskutierte zäh und ausdauernd – so, wie ich es mit deutschen Freunden gewohnt war: Beinhart entschlossen, um jeden Quadratzentimeter Gleichberechtigung und Freiheit zu kämpfen, den ich bislang mühsam errungen hatte.
So gestalteten sich die Anfangsjahre unserer multi-kulti-Ehe ebenso unruhig wie die damalige politische Lage. Wir wurden zu einem Streitorchester: Er blies alle Posaunen zum Marsch, während ich sämtliche Harmonien rauf und runter strich und zupfte ...

Osman hatte ständig Heimweh, weil er in die Türkei, die von der Militär-Junta regiert wurde, nicht mehr einreisen durfte. Also versuchte ich, ihm Deutschland als seine Wahlheimat, unsere Sprache und Kultur so schmackhaft wie möglich zu machen. Ich las ihm Bücher vor und erklärte ihm Zusammenhänge, die er nicht verstehen konnte, umwarb ihn mit gutem, deutschen Essen, deutschen Freunden …und merkte nicht, dass ich angefangen hatte, zu taktieren und zu manipulieren, um aus meinem türkischen Ehemann einen „gut integrierten“, türkischstämmigen Deutschen zu machen.
Die türkische Community versuchte ebenfalls, Osman einzunehmen: Man bestand darauf, dass er seine türkischen Wurzeln nicht verleugnete und gleichzeitig den Spagat erfolgreich schaffte, traditionelle, soziale und politische Ansichten zu vertreten, die dem jeweiligen Gegenüber, ob Kurde oder Schiit, Kommunist oder Nationalist, genehm waren. Während Osman das mit den türkischen Männern in türkischen Wohnzimmern ausdiskutierte, saß ich gezwungenermaßen bei den Frauen und Kindern in der Küche, bis ich einen Freundlichkeits-Krampf in der Gesichtsmuskulatur hatte.

Was Behörden betraf, gestaltete sich manches mühsam bis erniedrigend und oft war es schlimmer, als wir es erwartet hatten: Die Wohnungssuche war ein Spießrutenlauf. Besuche bei der binationalen Verwandtschaft manchmal ein Albtraum. Manchmal schlugen uns offene Ressentiments und Ausländerfeindlichkeit entgegen und waren so allgegenwärtig, durchdrangen sämtliche Schichten der Gesellschaft: In Solingen brannte ein Haus …
Der Hass traf mich als „Frau des Kanaken“ wie alle Ausländer und die tägliche Angst um meinen Mann begleitete mich bis in meine Albträume - vor allem, wenn er alleine unterwegs war.
Beruflich gab es für Osman unüberwindbare Hürden. Er hatte zwar eine gut bezahlte Stelle als Bergmann gefunden, doch er litt unter den harten Arbeitsbedingungen unter Tage, der Schichtarbeit …
Seine Sprachkenntnisse reichten für eine andere Ausbildung noch nicht und seine türkischen Schulzeugnisse wurden in Deutschland für eine Ausbildung nicht anerkannt. Ich eröffnete ihm meinen Plan: Nach zig Deutschkursen an der VHS wollte ich ihn nun auch dabei unterstützen, seine deutschen Schulabschlüsse nachzuholen. Ich machte gerade selber an der VHS mein Fachabi und drängte ihn dazu, sich dort beraten zu lassen: "In Deutschland bist du nichts ohne anerkannte Schul- und Berufsabschlüsse. Ich werde alles tun, um dich beim Lernen zu unterstützen!"
Es brauchte viel Überredungskunst meinerseits, denn er hatte, was Schule und Ausbildung betraf, zunächst mal keine große Lust, sich zusätzlich zu seiner harten Arbeit noch anzustrengen.
Im Laufe der nächsten Jahre erwarben wir - jeder für sich und in einer anderen Klasse - an der VHS sämtliche höheren Bildungsabschlüsse einschließlich Abitur.
Gleichzeitig arbeitete Osman als Bergmann und ich musste lernen, wie man in einer, von schwarzem Ruß der Zechen und Kohleöfen überzogenen Zechen-Siedlung überleben und trotz des unangenehmen Gefühls, sozial abgehängt worden zu sein, fürs Abi pauken kann.
Während Osman noch fürs deutsche Abitur büffelte, war ich bereits fertig, wollte aber erst studieren, wenn auch er so weit war, also lernte ich im Kurs „Türkisch für Anfänger“. Obwohl wir uns vorgenommen hatten, unsere unterschiedliche Kultur gegenseitig zu respektieren, begannen wir im Laufe der Jahre, uns gegenseitig zu bevormunden.
Ich: Probier wenigsten mal die Rouladen!
Er: Aber nur, wenn du einen Rock anziehst, wenn unser türkischer Besuch kommt!
Ich: Ein türkischer Wandteppich? Vergiss es! So was kommt mir nicht in mein schönes Ikea-Wohnzimmer …!
Er: Deine Unterwäsche auf der Leine im Bad stört mich: Was sollen die Gäste denken!

Als Osman wieder in die Türkei reisen konnte, entspannte sich die Lage. Für ihn. Für mich wurde es brenzlig, denn erst einmal reiste die türkische Großfamilie aus Istanbul mit vier Mann an und okkupierte Monate lang unsere kleine Zechen-Wohnung. Für mich eine absolute Vereinnahmung – zu sehr hatte ich mich an die Idee gewöhnt, einen türkischstämmigen Deutschen an meiner Seite zu haben. Nun zog und zerrte der türkische Clan an meinem Mann, überall wurden handgeklöppelte Spitzendeckchen auf die Ikea-Möbel drapiert, Anne (Mama) stand nun in meiner Küche und kochte türkisch und halal, aus dem Kassettenrekorder plärrte den ganzen Tag Bauchtanz-Musik, viele türkische Gäste kamen, palaverten vielstimmig und erwarteten von mir Bewirtschaftung und Gastfreundlichkeit. Man aß, trank Tee und setzte Osman Pläne wie Flöhe ins Ohr: Eine Eigentumswohnungen im Süden der Türkei sollte erworben, ein Geschäft eröffnet werden - selbstverständlich in Istanbul, wo die Familie residierte ...
Ich wurde bei diesen Plänen völlig übergangen, geradezu ignoriert und fühlte mich ausgegrenzt, als ob sich sämtliche Türken verschworen hatten, mir langsam, aber sicher meinen Ehemann zu entfremden. Unsere gemeinsamen Pläne, zusammen als Paar zu studieren, später eine gemeinsame Praxis zu eröffnen: Osman als Arzt, ich als Psychotherapeutin, viel zu reisen … all diese Pläne schienen vergessen, sobald der türkische Clan begann, lautstark mitzureden.
Wir stritten verhalten und leise flüsternd abends, im Schlafzimmer – solange seine Familie zu Besuch war. Nach drei Monaten flogen sie wieder ab und ich atmete erleichtert auf. Doch die Differenzen in Bezug auf Kultur, Politik, Soziales, Leben … blieben: Solange wir in Deutschland lebten, standen die äußeren Einflüsse in Konkurrenz zu Osmans Erziehung – und in der Türkei erging es mir ähnlich.
Sobald wir über die türkische Grenze waren, konnte ich mich plötzlich nicht mehr so frei bewegen, wie ich es gewohnt war. Überall brauchte ich nun „Begleitung“. Wegen der Sprache. Weil Istanbul eben kein Kleines Kaff war. Auch aus kulturellen Gründen: Als Frau, als Ausländerin, als Verheiratete … war es sicherer, überall in der Türkei nicht allein unterwegs zu sein. Und noch etwas Unangenehmes stieß mir sauer auf: Als Deutsche war ich es nun, die in der Türkei zahlreichen Vorurteilen ausgesetzt war.
Einer von uns war stets in Verteidigungshaltung seiner kulturellen, religiösen oder weltanschaulichen Werte – und irgendwann verteidigte man sogar jene, die man nie besonders gemocht hatte. Aber in der Fremde wollte man sich an ihnen festhalten wie an einem Rettungsanker.
Für mich stellte es sich so dar, dass Osman mir in der Türkei mehr im Weg stand, als dass er mich unterstützte. Unumwunden wurden seine Karriere und Lebenspläne in den Vordergrund gestellt. Was in zehn Jahren von mir als selbstverständliche Unterstützungsleistung gedacht und als Integrationsförderung erbracht worden war, wurde in der Türkei selten geachtet, sondern als Selbstverständlichkeit angesehen. Meine ganze mühselige Integrationsarbeit schien auf einmal für die Katz: Mein Mann, der einst aus politischen Gründen aus seiner Heimat geflohen war, dachte plötzlich laut über ein Leben in der Türkei nach. Für mich undenkbar – mehrere gemeinsame Urlaube mit der türkischen Großfamilie hatten mich überzeugt, dass dies für mich ein Rückschritt in restriktive, familiäre Strukturen bedeutet, denen ich längst den Rücken gekehrt hatte oder ihnen bewusst entflohen war. Ganz zu schweigen von der damaligen, politischen Lage in der Türkei …

Unsere Urlaube in der Türkei gestalteten sich für mich immer mehr zu einem Albtraum: Ich war in einem fremden Land, dessen Sprache ich nur rudimentär beherrschte. Und mein Ehemann verwandelte sich, wenn es Differenzen gab, immer mehr zu einem finster schweigenden Mafiosi. Und er war oft wütend. Zuhause, in Deutschland, hatte ich ihm schnell klargemacht, dass ich wenig Bock auf einen emotional unreifen Ehemann hatte, der sich wie ein Spätpubertierender benahm und jedes mal ausflippte und an die Decke ging wie ein HB-Männchen, wenn ihm etwas nicht passte.
Noch viel weniger hatte ich Lust, die Opfer-Arschkarte zu ziehen, indem ich seinen büffelnden Zorn „aushalte“ oder geduldig über mich ergehen lasse. Ich habe einfach meine Sachen gepackt und bin zu einer Freundin geflüchtet. Und überließ es ihm, sich den emotionalen Schaden, den er durch seine Wutanfälle angerichtet hatte, anzuschauen – und in seinem schlechten Gewissen zu schmoren.

Bei jedem seiner Wutausbrüche verlor ich etwas mehr an Respekt vor ihm – doch in der Türkei machte mir sein verbissenes Schweigen noch mehr Sorgen. Sein grollendes Schweigen und seine Blicke schienen mir weitaus Bedrohlicher, Unheilvoller zu sein: Wir diskutierten nicht mehr lautstark, statt dessen brütete und kochte jeder vor sich hin - bei vierzig Grad Raumtemperatur im Auto. Meine Fantasie lief Amok: Sah Osman nicht aus, als wolle er mich in der nächsten Kurve aus dem Auto treten? Oder als wolle er vor dem nächsten Abgrund parken und mich zwingen, in die Tiefe zu stürzen, damit es nach einem Unfall aussah …?
Kannte ich diesen Mann überhaupt, der in der Türkei ein ganz anderer wurde, obwohl er in Deutschland inzwischen bestens integriert und ausgebildet war?

Je besser er in Deutschland integriert war, die Sprache beherrschte, bessere Berufsaussichten hatte – um so mehr zog und zerrte die türkische Familie an ihm: SIE wollten mit dem angehenden Arzt angeben, SIE wollten vom höheren Sozialprestige, seinem höheren Einkommen und seinem neuen Status … profitieren!
Ich hatte Osman zahlreiche Türen in Deutschland geöffnet, die für einen Ausländer sonst verschlossen geblieben wären und nun begann er, mir zahlreiche Türen zu verschließen, indem er zurück in die Türkei wollte – nach seinem Studium in Deutschland.
Mit einem Partner, der schon bei nichtigen Anlässen ausflippte, wären tumultöse Trennungsdramen äußerst unklug. Es sei denn, man möchte persönlich was zu den Statistiken über häusliche Gewalt beitragen. Ich hasste meinen Mann nicht, ich konnte ihn nur nicht mehr ausstehen. Ich war es gewohnt, den gemäßigten, kühlen Part zu geben, ihn runter zu regeln aber ich wollte nicht mehr sein lebenslanges Korrektiv sein, das ihn zügelt, mäßigt und ihm Ausgewogenheit verschafft.
Um eine Katastrophe zu verhindern, zog ich die Reißleine – und trennte mich. Ich hatte Osman bis zur Uni begleitet – von nun an sollte jeder von uns seinen eigenen Weg gehen.

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BeitragVerfasst am: 10.04.2022 14:26    Titel: Re: Zehn Jahre Dönermitalles Antworten mit Zitat

Hallo,

der Text wandelt sich von spaßig zu ernsthaft. Ich dachte erst, mich erwartet eine deiner Satiren. Es passt aber zusammen, ich fand es sehr interessant, diese Einblicke zu erhalten. Ich halte es fast für autobiographisch oder du verkaufst mir das nur sehr gut! Mir gefällt vor allem, dass seine Seite, sein Konflikt mit ausgeleuchtet wird. Ließ sich gut weglesen.

Nachfolgend Korrekturen und Anmerkungen:
Miss Purple hat Folgendes geschrieben:
Katastrophen waren ohnehin vorherbestimmt, also habe ich mich von diesem türkischen Beau küssen lassen. Auf dem internationalen Festival in Moers waren wir uns zum ersten Mal begegnet, seitdem hatte er vehement um mich gebuhlt, seine fürsorgliche Belagerung hatte mir damals gut getan, Komma muss nicht nach meiner Scheidung. Er konnte Komplimente machen, die nicht nach Anmache klangen, sondern nach tausendundeiner Nacht. Keiner war so ausdauernd um mich bemüht KOMMA wie dieser junge, türkische Asylbewerber. Der Duft seines pechschwarzen Haars streifte mich wie ein feinwürziger, andersartiger Hauch, ich genoss seine gefühlvollen Zuwendungen, seine Aufmerksamkeit - und überhörte mit Bedacht eine leise mahnende Stimme: Vorsicht Anziehung: Nicht kompatibel!

„Er heißt Osman. Übrigens: Wir werden heiraten.“
Endlich hatte ich den Mut gehabt, es meiner Mutter zu sagen – am Telefon. Selbst Schuld, dass ich es ihr so lange verheimlicht hatte. Warum musste sie auch ständig alles hinterfragen und negativ beurteilen, was meinen Umgang betraf. FRAGEZEICHEN? Meine Schwester und ich hatten wohl aus Trotz diesen Hang zum ungewöhnlichen Schwiegersohn.
Mein Schwager war der 60er-Jahre-Alptraum meiner Mutter: Ein Drafi-Deutscher-Verschnitt mit Lederjacke, der sein stinkendes, knatterndes Moped unter unserem Wohnzimmerfenster aufheulen ließ, um meine Schwester herauszulocken. Wir Schwestern fanden es lächerlich und nicht nachvollziehbar, dass sein stets zerzaustes, längeres Haar und seine frühreifen Manierismen meine Mutter bereits in höchste Alarmstufe versetzen konnten. Doch gegen die Liebe konnte meine Mutter nichts ausrichten.

In den folgenden Jahrzehnten suchten der inzwischen großmäulig gewordene Handwerksmeister mit Hang zur denkmalgeschützten Schrott-Immobilie und meine Mutter immer wieder Gründe, warum sie sich gegenseitig nicht leiden konnten.
Mein erster Ehemann schien dagegen ganz dem Geschmack meiner Mutter zu entsprechen: Gut aussehend, selbständig und mit eigener Firma. Mein Trumpf, den ich gegen meine Mutter ausspielte, der niemand etwas wirklich recht machen konnte. Von meiner Eheschließung an, so frohlockte ich, wäre ich frei – von ihrem Kontrollzwang, ihrer Bevormundung und ihrer permanenten Überwachung.
Mein Mann wäre der perfekte Schwiegersohn gewesen– wenn er nicht Witwer mit zwei Kindern gewesen wäre. Somit musste meine Mutter die Zwangs-Omaschaft für zwei fremde Kinder übernehmen und machte keinen Hehl daraus, dass sie sich dafür zu jung und alles als Zumutung empfand.
Als ich ihr vier Jahre später diese Zumutungen via Scheidung wieder abgenommen habe hatte, war ihr dann allerdings auch wieder nicht recht.
Meine Mutter war also, wie sie es ausdrückte „Kummer gewöhnt“. Und nun also auch noch ein Türke.

Die osmanische Ritterlichkeit meines Mannes gefiel ihr - trotz massiver Vorurteile - später doch ausnehmend gut. Selbst meine herrische Großmutter umwarb Osman mit ausdauernden Komplimenten. Irgendwann, auf einem Familienfest, setzte er sich einfach neben das Familien-Oberhaupt und gefürchtetemn Drachen, sprach leise auf sie ein, lauschte ihren Erinnerungen an ihrenden verstorbenen Mann und dem Kein Komma im Krieg so schmerzlich vermissten Sohn. Während sie erzählte, strich er wie zufällig sachte über ihre Hand – die sie irgendwann dankbar ergriff und lange nicht wieder losließ.
Mit seiner Jungenhaftigkeit hat er so manchen harten Brocken zur Strecke gebracht – wie mich, die dem Werben ihres moslemischen Freundes irgendwann auch zum Opfer fiel.
Gut, dass ich damals noch nicht gewusst habe: Orientalen sind auf lange (sexuelle) Durststrecken und ausdauerndes, hartnäckiges Werben trainiert - wie Esel, die  Leerzeichen zu viel es gewohnt sind, schwere Lasten zu tragen. Jedes Nein stecken sie weg wie eine Trophäe - demonstrierte es in ihren Augen nur die Bereitschaft des Gegenübers zu langem, zähem Handeln und Abwägen des Für und Wider. In diesem Sinne galt: Je mehr Widerstand eine Frau leistete, um so lohnender musste ihre Eroberung sein.
Ich fühlte mich – wie alle Frauen meiner Familie - durch Osmans zurückhaltendes, höfliches, geduldiges und ausdauerndes Werben geschmeichelt. Es vermittelte den Eindruck: Du bist es mir wert. Bei all dem heißbegehrt sein Heißbegehrt-Sein habe ich vermutlich vergessen, zu hinterfragen, ob er tatsächlich der Richtige für mich war.
Folgenden Teil würde ich einkürzen, er erzählt nichts, worauf Leser nicht selbst kommen (gleich zu Anfang). Erklärbär ʕ•ᴥ•ʔ
Er war Asylbewerber. Für ihn wäre jede deutsche Frau (erst mal) die Richtige gewesen, denn mit einer deutschen Ehefrau stiegen seine Chancen auf eine Aufenthaltsgenehmigung.
Durch die Verbindung mit einem Ausländer war ich wie er sozial geächtet. In den 8oer Jahren waren binationale Paare eher selten und wurden misstrauisch von beiden Kulturen beäugt. Eine Zeitlang war ich hin und hergerissen zwischen Faszination und Misstrauen – das meine Freundinnen gerne schürten: „Pass auf, jetzt reißt er sich noch zusammen. Aber sobald ihr verheiratet seid, wird er anfangen, die patriarchischen Strukturen, in denen er aufgewachsen ist, dir gegenüber durchzusetzen …!“
Kann man den Satz etwas einfach und natürlich dialogmäßiger ausdrücken?
Das lautstarke Echo meines sozialen Umfeldes tat sein Übriges:“ Ein Türke? Bist du bescheuert? Italiener, Grieche, Spanier … aber ein Moslem? Das geht gar nicht!“

Wir heirateten schließlich – ohne unsere Familien, inmitten eines multi-nationalen, friedensbewegten und links angehauchten Freundeskreises, dem wir uns im Laufe unseres Kennenlernens angeschlossen hatten. Alleine würden wir die Last, die wir uns mit dieser binationalen Ehe auf die Schultern gelegt hatten, nicht tragen können, so viel war klar. Doch wir waren verliebt und das machte uns mutig und motiviert genug zu glauben, dass sich jede Schwierigkeit in einer guten Partnerschaft und liebevollen, gleichberechtigten Beziehung schon stemmen lassen würde.
Selbstverständlich war das naiv: Zu denken, dass es in unserem Freundeskreis, in dem es einige unterschiedliche Nationalitäten gab, keine Ressentiments und Reibungen geben würde. Und das mit der Gleichberechtigung ...

Nach den Flitterwochen fanden wir uns beide in einer Art Umerziehungslager wieder: Wenn du mich liebst, tust du dieses, unterlässt du jenes …
Zunächst zärtlich, fast neckend vorgebracht, dann forscher, wie Regieanweisungen, noch später klangen solche Appelle wie Verhaltensvorschrift: SO wird das bei UNS gemacht!
Plötzlich machte Osman auch keinen Hehl mehr daraus: Qua Heirat sei er nun Herr im Haus – zumindest nach außen. Und daher verweigerte er standhaft, bestimmte Hausarbeiten zu machen. Seine Ehre als Mann stünde sonst auf dem Spiel.
Ich knirschte mit den Zähnen und diskutierte zäh und ausdauernd – so, wie ich es mit deutschen Freunden gewohnt war: Beinhart entschlossen, um jeden Quadratzentimeter Gleichberechtigung und Freiheit zu kämpfen, den ich bislang mühsam errungen hatte.
So gestalteten sich die Anfangsjahre unserer multi-kulti-Multi-Kulti-Ehe ebenso unruhig wie die damalige politische Lage. Wir wurden zu einem Streitorchester: Er blies alle Posaunen zum Marsch, während ich sämtliche Harmonien rauf und runter strich und zupfte ...

Osman hatte ständig Heimweh, weil er in die Türkei, die von der Militär-Junta regiert wurde, nicht mehr einreisen durfte. Also versuchte ich, ihm Deutschland als seine Wahlheimat, unsere Sprache und Kultur so schmackhaft wie möglich zu machen. Ich las ihm Bücher vor und erklärte ihm Zusammenhänge, die er nicht verstehen konnte, umwarb ihn mit gutem, deutschen Essen, deutschen Freunden … Leerzeichen und merkte nicht, dass ich angefangen hatte, zu taktieren und zu manipulieren, um aus meinem türkischen Ehemann einen „gut integrierten“, türkischstämmigen Deutschen zu machen.
Die türkische Community versuchte ebenfalls, Osman einzunehmen: Man bestand darauf, dass er seine türkischen Wurzeln nicht verleugnete und gleichzeitig den Spagat erfolgreich schaffte, traditionelle, soziale und politische Ansichten zu vertreten, die dem jeweiligen Gegenüber, ob Kurde oder Schiit, Kommunist oder Nationalist, genehm waren. Während Osman das mit den türkischen Männern in türkischen Wohnzimmern ausdiskutierte, saß ich gezwungenermaßen bei den Frauen und Kindern in der Küche, bis ich einen Freundlichkeits-Krampf in der Gesichtsmuskulatur hatte.

Was Behörden betraf, gestaltete sich manches mühsam bis erniedrigend und oft war es schlimmer, als wir es erwartet hatten: Die Wohnungssuche war ein Spießrutenlauf. Besuche bei der binationalen Verwandtschaft manchmal ein Albtraum. Manchmal schlugen uns offene Ressentiments und Ausländerfeindlichkeit entgegen und waren so allgegenwärtig, durchdrangen sämtliche Schichten der Gesellschaft: In Solingen brannte ein Haus …
Der Hass traf mich als „Frau des Kanaken“ Komma wie alle Ausländer Komma und die tägliche Angst um meinen Mann begleitete mich bis in meine Albträume - vor allem, wenn er alleine unterwegs war.
Beruflich gab es für Osman unüberwindbare Hürden. Er hatte zwar eine gut bezahlte Stelle als Bergmann gefunden, doch er litt unter den harten Arbeitsbedingungen unter Tage, der Schichtarbeit …
Seine Sprachkenntnisse reichten für eine andere Ausbildung noch nicht und seine türkischen Schulzeugnisse wurden in Deutschland für eine Ausbildung nicht anerkannt. Ich eröffnete ihm meinen Plan: Nach zig Deutschkursen an der VHS wollte ich ihn nun auch dabei unterstützen, seine deutschen Schulabschlüsse nachzuholen. Ich machte gerade selber an der VHS mein Fachabi und drängte ihn dazu, sich dort beraten zu lassen: "In Deutschland bist du nichts ohne anerkannte Schul- und Berufsabschlüsse. Ich werde alles tun, um dich beim Lernen zu unterstützen!"
Es brauchte viel Überredungskunst meinerseits, denn er hatte, was Schule und Ausbildung betraf, zunächst mal keine große Lust, sich zusätzlich zu seiner harten Arbeit noch anzustrengen.
Im Laufe der nächsten Jahre erwarben wir - jeder für sich und in einer anderen Klasse - an der VHS sämtliche höheren Bildungsabschlüsse einschließlich Abitur.
Gleichzeitig arbeitete Osman als Bergmann weiter und ich musste lernen, wie man in einer, von schwarzem Ruß der Zechen und Kohleöfen überzogenen Zechen-Siedlung überleben und trotz des unangenehmen Gefühls, sozial abgehängt worden zu sein, fürs Abi pauken kannkonnte.
Während Osman noch fürs deutsche Abitur büffelte, war ich bereits fertig, wollte aber erst studieren, wenn auch er so weit war, also lernte ich im Kurs „Türkisch für Anfänger“. Obwohl wir uns vorgenommen hatten, unsere unterschiedliche Kultur gegenseitig zu respektieren, begannen wir im Laufe der Jahre, uns gegenseitig zu bevormunden.
Ich: Probier wenigsten mal die Rouladen!
Er: Aber nur, wenn du einen Rock anziehst, wenn unser türkischer Besuch kommt!
Ich: Ein türkischer Wandteppich? Vergiss es! So was kommt mir nicht in mein schönes Ikea-Wohnzimmer …!
Er: Deine Unterwäsche auf der Leine im Bad stört mich: Was sollen die Gäste denken!

Als Osman wieder in die Türkei reisen konnte, entspannte sich die Lage. Für ihn. Für mich wurde es brenzlig, denn erst einmal reiste die türkische Großfamilie aus Istanbul mit vier Mann an und okkupierte Monate lang monatelang unsere kleine Zechen-Wohnung. Für mich eine absolute Vereinnahmung – zu sehr hatte ich mich an die Idee gewöhnt, einen türkischstämmigen Deutschen an meiner Seite zu haben. (Ergibt inhaltlich grad keinen Sinn für mich, fehlt da ein "nur" oder so???)
Nun zog und zerrte der türkische Clan an meinem Mann, überall wurden handgeklöppelte Spitzendeckchen auf die Ikea-Möbel drapiert Laughing , Anne (Mama) stand nun in meiner Küche und kochte türkisch und halal, aus dem Kassettenrekorder plärrte den ganzen Tag Bauchtanz-Musik, viele türkische Gäste kamen, palaverten vielstimmig und erwarteten von mir Bewirtschaftung und Gastfreundlichkeit. Man aß, trank Tee und setzte Osman Pläne wie Flöhe ins Ohr: Eine Eigentumswohnungen im Süden der Türkei sollte erworben, ein Geschäft eröffnet werden - selbstverständlich in Istanbul, wo die Familie residierte ...
Ich wurde bei diesen Plänen völlig übergangen, geradezu ignoriert und fühlte mich ausgegrenzt, als ob sich sämtliche Türken verschworen hatten, mir langsam, aber sicher meinen Ehemann zu entfremden. Unsere gemeinsamen Pläne, zusammen als Paar zu studieren, später eine gemeinsame Praxis zusammen zu eröffnen - Osman als Arzt, ich als Psychotherapeutin -, viel zu reisen … all diese Pläne schienen vergessen, sobald der türkische Clan begann, lautstark mitzureden.
Wir stritten verhalten und leise flüsternd abends, Kein Komma im Schlafzimmer – solange seine Familie zu Besuch war. Nach drei Monaten flogen sie wieder ab und ich atmete erleichtert auf. Doch die Differenzen in Bezug auf Kultur, Politik, Soziales, Leben … blieben: Solange wir in Deutschland lebten, standen die äußeren Einflüsse in Konkurrenz zu Osmans Erziehung – und in der Türkei erging es mir ähnlich.
Absatz, weil Ortswechsel
Sobald wir über die türkische Grenze waren, konnte ich mich plötzlich nicht mehr so frei bewegen, wie ich es gewohnt war. Überall brauchte ich nun „Begleitung“. Wegen der Sprache. Weil Istanbul eben kein Kleines Kaff war. Auch aus kulturellen Gründen: Als Frau, als Ausländerin, als Verheiratete … war es sicherer, überall in der Türkei nicht allein unterwegs zu sein. Und noch etwas Unangenehmes stieß mir sauer auf: Als Deutsche war ich es nun, die in der Türkei zahlreichen Vorurteilen ausgesetzt war.
Einer von uns war stets in Verteidigungshaltung ob seiner kulturellen, religiösen oder weltanschaulichen Werte – und irgendwann verteidigte man sogar jene, die man nie besonders gemocht hatte. Aber in der Fremde wollte man sich an ihnen festhalten wie an einem Rettungsanker.
Für mich stellte es sich so dar, dass Osman mir in der Türkei mehr im Weg stand, als mich zu unterstützen dass er mich unterstützte. Unumwunden wurden seine Karriere und Lebenspläne in den Vordergrund gestellt. Was in zehn Jahren von mir als selbstverständliche Unterstützungsleistung gedacht und als Integrationsförderung erbracht worden war, wurde in der Türkei (? nicht "von ihm")selten geachtet, sondern als Selbstverständlichkeit angesehen. Meine ganze mühselige Integrationsarbeit schien auf einmal für die Katz: Mein Mann, der einst aus politischen Gründen aus seiner Heimat geflohen war, dachte plötzlich laut über ein Leben in der Türkei nach. Für mich undenkbar – mehrere gemeinsame Urlaube mit der türkischen Großfamilie hatten mich überzeugt, dass dies für mich ein Rückschritt in restriktive, familiäre Strukturen bedeutet, denen ich längst den Rücken gekehrt hatte oder ihnen bewusst entflohen war. Ganz zu schweigen von der damaligen, politischen Lage in der Türkei …

Unsere Urlaube in der Türkei gestalteten sich für mich immer mehr zu einem Albtraum: Ich war in einem fremden Land, dessen Sprache ich nur rudimentär beherrschte. Und mein Ehemann verwandelte sich, wenn es Differenzen gab, immer mehr zu einem finster schweigenden Mafiosi. Und er war oft wütend. Zuhause, in Deutschland, hatte ich ihm schnell klargemacht, dass ich wenig Bock auf einen emotional unreifen Ehemann hatte, der sich wie ein Spätpubertierender benahm und jedes mal ausflippte und an die Decke ging wie ein HB-Männchen, wenn ihm etwas nicht passte.
Noch viel weniger hatte ich Lust, die Opfer-Arschkarte zu ziehen, indem ich seinen büffelnden Zorn „aushalte“ oder geduldig über mich ergehen lassen würde. Ich habe einfach meine Sachen gepackt und bin zu einer Freundin geflüchtet. Und überließ es ihm, sich den emotionalen Schaden, den er durch seine Wutanfälle angerichtet hatte, anzuschauen – und in seinem schlechten Gewissen zu schmoren.

Bei jedem seiner Wutausbrüche verlor ich etwas mehr an Respekt vor ihm – doch in der Türkei machte mir sein verbissenes Schweigen noch mehr Sorgen. Sein grollendes Schweigen und seine Blicke schienen mir weitaus Bbedrohlicher, Uunheilvoller zu sein: Wir diskutierten nicht mehr lautstark, statt dessen stattdessen brütete und kochte jeder vor sich hin - bei vierzig Grad Raumtemperatur im Auto. Meine Fantasie lief Amok: Sah Osman nicht aus, als wolle er mich in der nächsten Kurve aus dem Auto treten? Oder als wolle er vor dem nächsten Abgrund parken und mich zwingen, in die Tiefe zu stürzen, damit es nach einem Unfall aussah …?
Kannte ich diesen Mann überhaupt, der in der Türkei ein ganz anderer wurde, obwohl er in Deutschland inzwischen bestens integriert und ausgebildet war?

Je besser er in Deutschland integriert war, die Sprache beherrschte, bessere Berufsaussichten hatte – um so umso mehr zog und zerrte die türkische Familie an ihm: SIE wollten mit dem angehenden Arzt angeben, SIE wollten vom höheren Sozialprestige, seinem höheren Einkommen und seinem neuen Status … profitieren!
Ich hatte Osman zahlreiche Türen in Deutschland geöffnet, die für einen Ausländer sonst verschlossen geblieben wären und nun begann er, mir zahlreiche Türen zu verschließen, indem er zurück in die Türkei wollte – nach seinem Studium in Deutschland.
Mit einem Partner, der schon bei nichtigen Anlässen ausflippte, wären tumultöse Trennungsdramen äußerst unklug. Es sei denn, man möchte persönlich was zu den Statistiken über häusliche Gewalt beitragen. Ich hasste meinen Mann nicht, ich konnte ihn nur nicht mehr ausstehen. Ich war es gewohnt, den gemäßigten, kühlen Part zu geben, ihn runter zu regeln aber ich wollte nicht mehr sein lebenslanges Korrektiv sein, das ihn zügelt, mäßigt und ihm Ausgewogenheit verschafft.
Um eine Katastrophe zu verhindern, zog ich die Reißleine – und trennte mich. Ich hatte Osman bis zur Uni begleitet – von nun an sollte jeder von uns seinen eigenen Weg gehen.


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Miss Purple
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BeitragVerfasst am: 10.04.2022 15:33    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@Minerva:
Zitat:
Ich halte es fast für autobiographisch oder du verkaufst mir das nur sehr gut!


Richtig "erspürt", es ist eine autobiografische Erzählung - vielleicht wird es mal Teil eines Mehrteilers über zwanzig Jahre "Beziehungsarbeit".
Danke für Deinen Leseeindruck - mit Deinen Anmerkungen kann ich arbeiten.

Danke fürs Lesen, Kommentieren und Korrigieren!
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Miss Purple
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BeitragVerfasst am: 10.04.2022 17:00    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Korrigierte Fassung:






Katastrophen waren ohnehin vorherbestimmt, also habe ich mich von diesem türkischen Beau küssen lassen. Auf dem internationalen Festival in Moers waren wir uns zum ersten Mal begegnet, seitdem hatte er vehement um mich gebuhlt, seine fürsorgliche Belagerung hatte mir damals gut getan nach meiner Scheidung. Er konnte Komplimente machen, die nicht nach Anmache klangen, sondern nach tausendundeiner Nacht. Keiner war so ausdauernd um mich bemüht, wie dieser junge, türkische Asylbewerber. Der Duft seines pechschwarzen Haars streifte mich wie ein feinwürziger, andersartiger Hauch, ich genoss seine gefühlvollen Zuwendungen, seine Aufmerksamkeit - und überhörte mit Bedacht eine leise mahnende Stimme: Vorsicht Anziehung: Nicht kompatibel!

„Er heißt Osman. Übrigens: Wir werden heiraten.“
Endlich hatte ich den Mut gehabt, es meiner Mutter zu sagen – am Telefon. Selbst Schuld, dass ich es ihr so lange verheimlicht hatte. Warum musste sie auch ständig alles hinterfragen und negativ beurteilen, was meinen Umgang betraf? Meine Schwester und ich hatten wohl aus Trotz diesen Hang zum ungewöhnlichen Schwiegersohn.
Mein Schwager war der 60er-Jahre-Alptraum meiner Mutter: Ein Drafi-Deutscher-Verschnitt mit Lederjacke, der sein stinkendes, knatterndes Moped unter unserem Wohnzimmerfenster aufheulen ließ, um meine Schwester herauszulocken. Wir Schwestern fanden es lächerlich und nicht nachvollziehbar, dass sein stets zerzaustes, längeres Haar und seine frühreifen Manierismen meine Mutter bereits in höchste Alarmstufe versetzen konnten. Doch gegen die Liebe konnte meine Mutter nichts ausrichten.
In den folgenden Jahrzehnten suchten der inzwischen großmäulig gewordene Handwerksmeister mit Hang zur denkmalgeschützten Schrott-Immobilie und meine Mutter immer wieder Gründe, warum sie sich gegenseitig nicht leiden konnten.
Mein erster Ehemann schien dagegen ganz dem Geschmack meiner Mutter zu entsprechen: Gut aussehend, selbständig und mit eigener Firma. Mein Trumpf, den ich gegen meine Mutter ausspielte, der niemand etwas wirklich recht machen konnte. Von meiner Eheschließung an, so frohlockte ich, wäre ich frei – von ihrem Kontrollzwang, ihrer Bevormundung und ihrer permanenten Überwachung.
Mein Mann wäre der perfekte Schwiegersohn gewesen– wenn er nicht Witwer mit zwei Kindern gewesen wäre. Somit musste meine Mutter die Zwangs-Omaschaft für zwei fremde Kinder übernehmen und machte keinen Hehl daraus, dass sie sich dafür zu jung empfand und alles andere als Zumutung.
Als ich ihr vier Jahre später diese Zumutung via Scheidung wieder abgenommen habe, war ihr dann allerdings auch wieder nicht recht.
Meine Mutter war also, wie sie es ausdrückte „Kummer gewöhnt“. Und nun also auch noch ein Türke.

Die osmanische Ritterlichkeit meines Mannes gefiel ihr - trotz massiver Vorurteile - später doch ausnehmend gut. Selbst meine herrische Großmutter umwarb Osman mit ausdauernden Komplimenten. Irgendwann, auf einem Familienfest, setzte er sich einfach neben das Familien-Oberhaupt und gefürchteten Drachen, sprach leise auf sie ein, lauschte ihren Erinnerungen an ihren verstorbenen Mann und den im Krieg so schmerzlich vermissten Sohn. Während sie erzählte, strich er wie zufällig sachte über ihre Hand – die sie irgendwann dankbar ergriff und lange nicht wieder losließ.
Mit seiner Jungenhaftigkeit hat er so manchen harten Brocken zur Strecke gebracht – wie mich, die dem Werben ihres moslemischen Freundes irgendwann auch zum Opfer fiel.
Gut, dass ich damals noch nicht gewusst habe: Orientalen sind auf lange (sexuelle) Durststrecken und ausdauerndes, hartnäckiges Werben trainiert - wie Esel, die es gewohnt sind, schwere Lasten zu tragen. Jedes Nein stecken sie weg wie eine Trophäe - demonstriert es in ihren Augen nur die Bereitschaft des Gegenübers zu langem, zähem Handeln und Abwägen des Für und Wider. In diesem Sinne galt: Je mehr Widerstand eine Frau leistete, um so lohnender musste ihre Eroberung sein.
Ich fühlte mich – wie alle Frauen meiner Familie - durch Osmans zurückhaltendes, höfliches, geduldiges und ausdauerndes Werben geschmeichelt. Es vermittelte den Eindruck: Du bist es mir wert. Bei all dem heißbegehrt sein habe ich vermutlich vergessen, zu hinterfragen, ob er tatsächlich der Richtige für mich war.
Als Asylbewerber wäre für ihn (zunächst) jede deutsche Frau die Richtige gewesen, denn mit einer deutschen Ehefrau stiegen seine Chancen auf eine Aufenthaltsgenehmigung.
Durch die Verbindung mit einem Ausländer war ich ebenso sozial geächtet wie er. In den 8oer Jahren waren binationale Paare noch selten und wurden misstrauisch von beiden Kulturen beäugt. Eine Zeitlang war ich hin und hergerissen zwischen Faszination und Misstrauen – das meine Freundinnen zu gerne schürten: „Pass auf, jetzt reißt er sich noch zusammen. Sobald ihr verheiratet seid, wird er die patriarchischen Strukturen, in denen er aufgewachsen ist, auch dir gegenüber durchsetzen …!“
Mein soziales Umfeld drückte es so aus:“Ein Türke? Bist du bescheuert? Italiener, Grieche, Spanier … aber ein Moslem? Das geht gar nicht!“

Wir heirateten schließlich – ohne unsere Familien, inmitten eines multi-nationalen, friedensbewegten und links angehauchten Freundeskreises, dem wir uns im Laufe unseres Kennenlernens angeschlossen hatten. Alleine würden wir die Last, die wir uns mit dieser binationalen Ehe auf die Schultern gelegt hatten, nicht tragen können, so viel war klar. Doch wir waren verliebt und das machte uns mutig und motiviert genug zu glauben, dass sich jede Schwierigkeit in einer guten Partnerschaft und liebevollen, gleichberechtigten Beziehung schon stemmen lassen würde.
Selbstverständlich war das naiv: Zu denken, dass es in unserem Freundeskreis, in dem es einige unterschiedliche Nationalitäten gab, keine Ressentiments und Reibungen geben würde. Und das mit der Gleichberechtigung ...

Nach den Flitterwochen fanden wir uns beide in einer Art Umerziehungslager wieder: Wenn du mich liebst, tust du dieses, unterlässt du jenes …
Zunächst zärtlich, fast neckend vorgebracht, dann forscher, wie Regieanweisungen, noch später klangen solche Appelle wie Verhaltensvorschrift: SO wird das bei UNS gemacht!
Plötzlich machte Osman auch keinen Hehl mehr daraus: Qua Heirat sei er nun Herr im Haus – zumindest nach außen. Und daher verweigerte er standhaft, bestimmte Hausarbeiten zu machen. Seine Ehre als Mann stünde sonst auf dem Spiel.
Ich knirschte mit den Zähnen und diskutierte zäh und ausdauernd – so, wie ich es mit deutschen Freunden gewohnt war: Beinhart entschlossen, um jeden Quadratzentimeter Gleichberechtigung und Freiheit zu kämpfen, den ich bislang mühsam errungen hatte.
So gestalteten sich die Anfangsjahre unserer multi-kulti-Multi-Kulti-Ehe ebenso unruhig wie die damalige politische Lage. Wir wurden zu einem Streitorchester: Er blies alle Posaunen zum Marsch, während ich sämtliche Harmonien rauf und runter strich und zupfte ...

Osman hatte ständig Heimweh, weil er in die Türkei, die von der Militär-Junta regiert wurde, nicht mehr einreisen durfte. Also versuchte ich, ihm Deutschland als seine Wahlheimat, unsere Sprache und Kultur so schmackhaft wie möglich zu machen. Ich las ihm Bücher vor und erklärte ihm Zusammenhänge, die er nicht verstehen konnte, umwarb ihn mit gutem, deutschen Essen, deutschen Freunden …  und merkte nicht, dass ich angefangen hatte, zu taktieren und zu manipulieren, um aus meinem türkischen Ehemann einen „gut integrierten“, türkischstämmigen Deutschen zu machen.
Die türkische Community versuchte ebenfalls, Osman einzunehmen: Man bestand darauf, dass er seine türkischen Wurzeln nicht verleugnete und gleichzeitig den Spagat erfolgreich schaffte, traditionelle, soziale und politische Ansichten zu vertreten, die dem jeweiligen Gegenüber, ob Kurde oder Schiit, Kommunist oder Nationalist, genehm waren. Während Osman das mit den türkischen Männern in türkischen Wohnzimmern ausdiskutierte, saß ich gezwungenermaßen bei den Frauen und Kindern in der Küche, bis ich einen Freundlichkeits-Krampf in der Gesichtsmuskulatur hatte.

Was Behörden betraf, gestaltete sich manches mühsam bis erniedrigend und oft war es schlimmer, als wir es erwartet hatten: Die Wohnungssuche war ein Spießrutenlauf. Besuche bei der binationalen Verwandtschaft manchmal ein Albtraum. Manchmal schlugen uns offene Ressentiments und Ausländerfeindlichkeit entgegen und waren so allgegenwärtig, durchdrangen sämtliche Schichten der Gesellschaft: In Solingen brannte ein Haus …
Der Hass traf mich als „Frau des Kanaken“, wie alle Ausländer, und die tägliche Angst um meinen Mann begleitete mich bis in meine Albträume - vor allem, wenn er alleine unterwegs war.
Beruflich gab es für Osman unüberwindbare Hürden. Er hatte zwar eine gut bezahlte Stelle als Bergmann gefunden, doch er litt unter den harten Arbeitsbedingungen unter Tage, der Schichtarbeit …
Seine Sprachkenntnisse reichten für eine andere Ausbildung noch nicht und seine türkischen Schulzeugnisse wurden in Deutschland für eine Ausbildung nicht anerkannt. Ich eröffnete ihm meinen Plan: Nach zig Deutschkursen an der VHS wollte ich ihn nun auch dabei unterstützen, seine deutschen Schulabschlüsse nachzuholen. Ich machte gerade selber an der VHS mein Fachabi und drängte ihn dazu, sich dort beraten zu lassen: "In Deutschland bist du nichts ohne anerkannte Schul- und Berufsabschlüsse. Ich werde alles tun, um dich beim Lernen zu unterstützen!"
Es brauchte viel Überredungskunst meinerseits, denn er hatte, was Schule und Ausbildung betraf, zunächst keine große Lust, sich zusätzlich zu seiner harten Arbeit noch geistig anzustrengen zu müssen.
Im Laufe der nächsten Jahre erwarben wir - jeder für sich und in einer anderen Klasse - an der VHS sämtliche höheren Bildungsabschlüsse einschließlich Abitur.
Gleichzeitig arbeitete Osman als Bergmann weiter und ich musste lernen, wie man in einer, von schwarzem Ruß der Zechen und Kohleöfen überzogenen Zechen-Siedlung überleben und trotz des unangenehmen Gefühls, sozial abgehängt worden zu sein, fürs Abi pauken konnte.
Während Osman noch fürs deutsche Abitur büffelte, war ich bereits fertig, wollte aber erst mit dem Studium beginnen, wenn auch er so weit war, also lernte ich im Kurs „Türkisch für Anfänger“.
Obwohl wir uns vorgenommen hatten, unsere unterschiedliche Kultur gegenseitig zu respektieren, hatten wir im Laufe der Jahre begonnen, uns gegenseitig zu bevormunden.
Ich: Probier wenigsten mal die Rouladen!
Er: Aber nur, wenn du einen Rock anziehst, wenn unser türkischer Besuch kommt!
Ich: Ein türkischer Wandteppich? Vergiss es! So was kommt mir nicht in mein schönes Ikea-Wohnzimmer …!
Er: Deine Unterwäsche auf der Leine im Bad stört mich: Was sollen die Gäste denken!

Als Osman wieder in die Türkei reisen konnte, entspannte sich die Lage. Für ihn. Für mich wurde es brenzlig, denn erst einmal reiste die türkische Großfamilie aus Istanbul mit vier Mann an und okkupierte Monate lang monatelang unsere kleine Zechen-Wohnung. Für mich eine absolute Vereinnahmung – zu sehr war ich an die Idee gewöhnt, einen türkischstämmigen Deutschen an meiner Seite zu haben. Die türkische Familie sah das ganz anders: Für sie war er Türke – und sollte dies auch bleiben. Eine deutsche Staatsbürgerschaft war für sie, als ob er sie alle verleugnen wollte. Und keine gute Ausgangslage, um eines Tages in die Türkei zurückzukehren.
Wohl auch deshalb zog und zerrte der türkische Clan an meinem Mann, überall wurden handgeklöppelte Spitzendeckchen auf die Ikea-Möbel drapiert, seine Anne (Mama) stand nun in meiner Küche und kochte jeden Tag türkisch und halal, aus dem Kassettenrekorder plärrte Bauchtanz-Musik, viele türkische Gäste kamen, palaverten vielstimmig und erwarteten von mir Bewirtschaftung und Gastfreundlichkeit. Man aß, trank Tee und setzte Osman Pläne wie Flöhe ins Ohr: Eine Eigentumswohnungen im Süden der Türkei sollte erworben, ein Geschäft eröffnet werden - selbstverständlich in Istanbul, wo die Familie residierte ...
Ich wurde bei diesen Plänen völlig übergangen, geradezu ignoriert und fühlte mich ausgegrenzt, als ob sich sämtliche Türken verschworen hatten, mir langsam, aber sicher meinen Ehemann zu entfremden. Unsere gemeinsamen Pläne, zusammen als Paar zu studieren, später eine gemeinsame Praxis zusammen zu eröffnen - Osman als Arzt, ich als Psychotherapeutin - viel zu reisen … unsere Pläne schienen vergessen, sobald der türkische Clan begann, lautstark mitzureden.
Wir stritten verhalten und leise flüsternd abends im Schlafzimmer – solange seine Familie zu Besuch war. Nach drei Monaten flogen sie wieder ab und ich atmete erleichtert auf. Doch die Differenzen in Bezug auf Kultur, Politik, Soziales, Leben … blieben: Solange wir in Deutschland lebten, standen die äußeren Einflüsse in Konkurrenz zu Osmans Erziehung – und in der Türkei erging es mir ähnlich.

Sobald wir über die türkische Grenze waren, konnte ich mich plötzlich nicht mehr so frei bewegen, wie ich es gewohnt war. Überall brauchte ich nun „Begleitung“. Wegen der Sprache. Weil Istanbul eben kein kleines Kaff war. Aus kulturellen Gründen: Als Frau, als Ausländerin, als Verheiratete … war es sicherer, in der Türkei nicht alleine unterwegs zu sein. So die Familie. Und noch etwas Unangenehmes stieß mir sauer auf: Als Deutsche war ich es nun, die in der Türkei zahlreichen Vorurteilen ausgesetzt war.
Einer von uns war stets in Verteidigungshaltung kultureller, religiöser oder weltanschaulicher Werte – und irgendwann verteidigte man sogar jene, die man nie besonders gemocht hatte. Aber in der Fremde wollte man sich an ihnen festhalten wie an einem Rettungsanker.
Für mich stellte es sich so dar, dass Osman mir in der Türkei mehr im Weg stand, als dass er mich unterstützte. Unumwunden wurden seine Karriere und seine Lebenspläne in den Vordergrund gestellt. Was in zehn Jahren von mir als selbstverständliche Unterstützungsleistung gedacht und als Integrationsförderung erbracht worden war, wurde von der türkischen Familie nicht geachtet, sondern als Selbstverständlichkeit angesehen. Meine ganze mühselige Integrationsarbeit schien auf einmal für die Katz: Mein Mann, der einst aus politischen Gründen aus seiner Heimat geflohen war, dachte plötzlich laut über ein Leben in der Türkei nach. Für mich undenkbar – mehrere gemeinsame Urlaube mit der türkischen Großfamilie hatten mich überzeugt, dass dies für mich ein Rückschritt in restriktive, familiäre Strukturen bedeutet, denen ich längst den Rücken gekehrt hatte oder ihnen bewusst entflohen war. Ganz zu schweigen von der damaligen, politischen Lage in der Türkei …

Unsere Urlaube in der Türkei gestalteten sich für mich immer mehr zu einem Albtraum: Ich war in einem fremden Land, dessen Sprache ich nur rudimentär beherrschte. Und mein Ehemann verwandelte sich, wenn es Differenzen gab, immer mehr zu einem finster schweigenden Mafiosi. Und er war oft wütend. Zuhause, in Deutschland, hatte ich ihm schnell klargemacht, dass ich wenig Bock auf einen emotional unreifen Ehemann hatte, der sich wie ein Spätpubertierender benahm und jedes mal ausflippte und an die Decke ging wie ein HB-Männchen, wenn ihm etwas nicht passte.
Noch viel weniger hatte ich Lust, die Opfer-Arschkarte zu ziehen, indem ich seinen büffelnden Zorn „aushielt“ oder geduldig über mich ergehen ließ. Ich habe einfach meine Sachen gepackt und bin zu einer Freundin geflüchtet. Und überließ es ihm, sich den emotionalen Schaden, den er durch seine Wutanfälle angerichtet hatte, anzuschauen – und allein mit seinem schlechten Gewissen zu schmoren.

Bei jedem seiner Wutausbrüche verlor ich etwas mehr an Respekt vor ihm – doch in der Türkei machte mir sein verbissenes Schweigen noch mehr Sorgen. Sein grollendes Schweigen und seine Blicke schienen mir weitaus bedrohlicher, unheilvoller zu sein: Wir diskutierten nicht mehr lautstark, statt dessen brütete und kochte jeder vor sich hin - bei vierzig Grad Raumtemperatur im Auto.
Ich las das Buch „Nicht ohne meine Tochter“ und meine Fantasie lief Amok: Guckte Osman nicht manchmal, als wolle er mich in der nächsten Kurve aus dem Auto treten? Oder als würde er gleich vor dem nächsten Abgrund parken und mich zwingen, in die Tiefe zu stürzen, damit es nach einem Unfall aussah …?
Kannte ich diesen Mann überhaupt, der in der Türkei ein ganz anderer wurde, obwohl er in Deutschland inzwischen bestens integriert und ausgebildet war?

Je besser er in Deutschland integriert war, die deutsche Sprache beherrschte, bessere Berufsaussichten hatte – um so umso mehr zog und zerrte die türkische Familie an ihm: SIE wollten mit dem angehenden Arzt angeben, SIE wollten vom höheren Sozialprestige, seinem höheren Einkommen und seinem neuen Status … profitieren!
Ich hatte Osman zahlreiche Türen in Deutschland geöffnet, die für einen Ausländer sonst verschlossen geblieben wären und nun begann er, mir zahlreiche Türen zu verschließen, indem er zurück in die Türkei wollte – nach seinem Studium in Deutschland.
Mit einem Partner, der schon bei nichtigen Anlässen ausflippte, wären tumultöse Trennungsdramen äußerst unklug. Es sei denn, man möchte persönlich was zu den Statistiken über häusliche Gewalt beitragen. Ich hasste meinen Mann nicht, ich konnte ihn nur nicht mehr ausstehen. Ich war es gewohnt, den gemäßigten, kühlen Part zu geben, ihn runter zu regeln aber wollte nicht mehr sein lebenslanges Korrektiv sein, das ihn zügelt, mäßigt und ihm Ausgewogenheit verschaffte.
Um eine Katastrophe zu verhindern, zog ich die Reißleine – und trennte mich. Ich hatte Osman bis zur Uni begleitet – von nun an sollte jeder von uns seinen eigenen Weg gehen.
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Hakatajin
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BeitragVerfasst am: 10.04.2022 21:45    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Miss Purple,

ich fand den Text sehr gut zu lesen und auch total interessant. Auch für mich ging es erst spaßig und leicht los und dann wurde der Text immer ernster. Aber du versteckst viele gute Vorboten in deinem Text, sodass man zwar am Ende überrascht ist, aber irgendwie nicht überrascht ist - falls das Sinn macht... Laughing

Jedenfalls toll geschrieben und sehr interessante Einblicke, die du uns da gewährt hast. Mehr "negatives" als das, was Minerva geschrieben hatte, kann ich grad auch nicht finden, sorry. Embarassed
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Miss Purple
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BeitragVerfasst am: 11.04.2022 09:37    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo @Hakatajin
Zitat:
Auch für mich ging es erst spaßig und leicht los und dann wurde der Text immer ernster.


Letztendlich ist es wohl das, was man als "scheitern" der Beziehung wahrnimmt: Das locker-flockige wandelt sich zu einer Art gegenseitigem Dauergenervtsein mit einer Prise Überdruss und einer Allergie gegen ewiggleiche Streitthemen ... nicht leicht, da den richtigen Erzählton zu finden Confused
Es sollte keine "Betroffenheitsliteratur" werden.
Mich interessiert diese Mischung aus biografischen und erzählerischen Inhalten sehr und ich lese selber gerne Bücher, in denen ich auch etwas über Autor*innen und ihr gelebtes Leben, ihre Reflektionen darüber erfahre.
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Miss Purple
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BeitragVerfasst am: 11.04.2022 10:47    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Zweite, überarbeitete Fassung:







Katastrophen waren ohnehin vorherbestimmt, also habe ich mich von diesem türkischen Beau küssen lassen. Auf dem internationalen Festival in Moers waren wir uns zum ersten Mal begegnet, seitdem hatte er vehement um mich gebuhlt, seine fürsorgliche Belagerung hatte mir damals gut getan nach meiner Scheidung. Er konnte Komplimente machen, die nicht nach Anmache klangen, sondern nach tausendundeiner Nacht. Keiner war so ausdauernd um mich bemüht, wie dieser junge, türkische Asylbewerber. Der Duft seines pechschwarzen Haars streifte mich wie ein feinwürziger, andersartiger Hauch, ich genoss seine gefühlvollen Zuwendungen, seine Aufmerksamkeit - und überhörte mit Bedacht eine leise mahnende Stimme: Vorsicht Anziehung: Nicht kompatibel!

„Er heißt Osman. Übrigens: Wir werden heiraten.“
Endlich hatte ich den Mut gehabt, es meiner Mutter zu sagen – am Telefon. Selbst Schuld, dass ich es ihr so lange verheimlicht hatte. Warum musste sie auch ständig alles hinterfragen und negativ beurteilen, was meinen Umgang betraf? Meine Schwester und ich hatten wohl aus Trotz diesen Hang zum ungewöhnlichen Schwiegersohn.
Mein Schwager war der 60er-Jahre-Alptraum meiner Mutter: Ein Drafi-Deutscher-Verschnitt mit Lederjacke, der sein stinkendes, knatterndes Moped unter unserem Wohnzimmerfenster aufheulen ließ, um meine Schwester herauszulocken. Wir Schwestern fanden es lächerlich und nicht nachvollziehbar, dass sein stets zerzaustes, längeres Haar und seine frühreifen Manierismen meine Mutter bereits in höchste Alarmstufe versetzen konnten. Doch gegen die Liebe konnte meine Mutter nichts ausrichten.
In den folgenden Jahrzehnten suchten der inzwischen großmäulig gewordene Handwerksmeister mit Hang zur denkmalgeschützten Schrott-Immobilie und meine Mutter immer wieder Gründe, warum sie sich gegenseitig nicht leiden konnten.
Mein erster Ehemann schien dagegen ganz dem Geschmack meiner Mutter zu entsprechen: Gut aussehend, selbständig und mit eigener Firma. Mein Trumpf, den ich gegen meine Mutter ausspielte, der ich bislang nichts wirklich recht machen konnte. Von meiner Eheschließung an, so frohlockte ich, wäre ich frei – von ihrem Kontrollzwang, ihrer Bevormundung und ihrer permanenten Überwachung.
Mein Mann war der perfekte Schwiegersohn – wenn er nicht Witwer mit zwei Kindern gewesen wäre. Somit musste meine Mutter die Zwangs-Omaschaft für zwei fremde, pubertierende Kinder übernehmen und machte keinen Hehl daraus, dass sie sich dafür zu jung empfand und alles andere als Zumutung.
Dass ich ihr vier Jahre später diese Zumutung via Scheidung wieder abgenommen habe, war ihr dann allerdings auch wieder nicht recht.
Meine Mutter war also, wie sie es ausdrückte „Kummer gewöhnt“. Und nun also auch noch ein Türke.

Die osmanische Ritterlichkeit meines Mannes gefiel ihr - trotz anfänglicher, massiver Vorurteile - später doch ausnehmend gut. Osman schaffte es, mit viel Charme selbst meine herrische Großmutter mit ausdauernden Komplimenten weichzukochen. Irgendwann, auf einem Familienfest, setzte er sich einfach neben das Familien-Oberhaupt und gefürchteten Drachen, sprach leise auf sie ein, lauschte ihren Erinnerungen an ihren verstorbenen Mann und den im Krieg so schmerzlich vermissten Sohn. Während sie erzählte, tätschelte er mitfühlend ihre Hand – die sie irgendwann dankbar ergriff und lange nicht wieder losließ.
Mit seiner offenen, gefühlvollen Art und Jungenhaftigkeit hat er so manchen harten Brocken zur Strecke gebracht – wie mich, die dem Werben dieses glutäugigen Galans irgendwann nicht mehr standhalten konnte.
Gut, dass ich damals noch nicht gewusst habe: Orientalen sind auf lange (sexuelle) Durststrecken und ausdauerndes, hartnäckiges Werben trainiert - wie Esel, die es gewohnt sind, schwere Lasten zu tragen. Jedes Nein stecken sie wie eine Trophäe weg - demonstriert es in ihren Augen doch die Bereitschaft des Gegenübers zu langem, zähem Handeln und Abwägen des Für und Wider. In diesem Sinne galt: Je mehr Widerstand eine Frau leistete, um so lohnender musste ihre Eroberung sein.
Ich fühlte mich – wie alle Frauen meiner Familie - durch Osmans zurückhaltende, höfliche, geduldige und offene Art geschmeichelt. Es vermittelte den Eindruck: Du bist es mir wert. Bei all dem heißbegehrt sein habe ich vermutlich vergessen, zu hinterfragen, ob er tatsächlich der Richtige für mich war.
Als Asylbewerber wäre für ihn (zunächst) jede deutsche Frau die Richtige gewesen, denn mit einer deutschen Ehefrau stiegen seine Chancen auf eine Aufenthaltsgenehmigung. Durch die Verbindung mit einem Ausländer war ich ebenso sozial geächtet wie er. In den 8oer Jahren waren binationale Paare noch selten und wurden misstrauisch von beiden Kulturen beäugt. Eine Zeitlang war ich hin und hergerissen zwischen Faszination und Misstrauen – das meine Freundinnen zu gerne schürten: „Pass auf, jetzt reißt er sich noch zusammen. Sobald ihr verheiratet seid, wird er die patriarchischen Strukturen, in denen er aufgewachsen ist, auch dir gegenüber durchsetzen …!“
Mein soziales Umfeld drückte es so aus:“Ein Türke? Bist du bescheuert? Italiener, Grieche, Spanier … aber ein Moslem? Das geht gar nicht!“

Wir heirateten schließlich – ohne unsere Familien, inmitten eines multi-nationalen, friedensbewegten und links angehauchten Freundeskreises, dem wir uns im Laufe unseres Kennenlernens angeschlossen hatten. Alleine würden wir die Last, die wir uns mit dieser binationalen Ehe auf die Schultern gelegt hatten, nicht tragen können, so viel war klar. Doch wir waren verliebt und das machte uns mutig und motiviert genug zu glauben, jede Schwierigkeit würde sich in einer guten Partnerschaft und liebevollen, gleichberechtigten Beziehung schon stemmen lassen.
Selbstverständlich war das naiv: Zu denken, dass es in unserem Freundeskreis, in dem es einige unterschiedliche Nationalitäten gab, keine Ressentiments und Reibungen geben würde. Und das mit der Gleichberechtigung ...

Nach den Flitterwochen befanden wir uns beide in einer Art Umerziehungslager: Wenn du mich liebst, tust du dieses, unterlässt du jenes …!
Zunächst zärtlich, fast neckend vorgebracht, später forscher, als Regieanweisungen – und irgendwann klangen solche Appelle wie Verhaltensvorschriften: SO wird das bei UNS gemacht!
Plötzlich machte Osman auch keinen Hehl mehr daraus: Qua Heirat sei er nun der Herr im Haus – zumindest nach außen. Daher verweigerte er standhaft, bestimmte (niedere) Hausarbeiten zu machen, wie: das Klo oder die Fenster zu putzen. Seine Ehre als Mann stünde sonst auf dem Spiel.
Ich knirschte mit den Zähnen und diskutierte mit ihm zäh und ausdauernd – so, wie ich es mit deutschen Freunden gewohnt war: Beinhart entschlossen, um jeden Quadratzentimeter Gleichberechtigung und Freiheit zu kämpfen, den ich bislang mühsam errungen hatte.
So gestalteten sich die Anfangsjahre unserer multi-kulti-Ehe ebenso unruhig wie die damalige politische Lage der 8oer Jahre. Wir wurden zu einem Streitorchester: Während er die Posaunen zum Marsch blies, strich und zupfte ich sämtliche Harmonien rauf und runter ...

Osman hatte ständig Heimweh, da er als Asylant in die Türkei, die von der Militär-Junta regiert wurde, nicht mehr einreisen durfte. Also versuchte ich, ihm Deutschland als seine Wahlheimat, die Sprache und Kultur so schmackhaft wie möglich zu machen. Ich las ihm deutsche Literatur vor und erklärte ihm Zusammenhänge, die er nicht verstehen konnte, umwarb ihn mit gutem, deutschen Essen, deutschen Freunden …  und merkte nicht, dass ich angefangen hatte, zu taktieren und zu manipulieren, um aus meinem türkischen Ehemann einen „gut integrierten“, türkischstämmigen Deutschen zu machen.
Die türkische Community versuchte ebenfalls, Osman für sich einzunehmen: Man bestand darauf, dass er seine türkischen Wurzeln nicht verleugnete und gleichzeitig den Spagat erfolgreich schaffte, traditionelle, soziale und politische Ansichten zu vertreten, die dem jeweiligen Gegenüber, ob Kurde oder Schiit, Kommunist oder Nationalist, genehm waren. Während er das mit anderen türkischen Männern in türkischen Wohnzimmern ausdiskutierte, saß ich gezwungenermaßen so lange bei den Frauen und Kindern in der Küche, bis ich einen Freundlichkeits-Krampf in der Gesichtsmuskulatur bekam.

Was Behörden betraf, gestaltete sich manches mühsam bis erniedrigend und oft war es schlimmer, als wir es erwartet hatten: Die Wohnungssuche war ein Spießrutenlauf. Besuche bei der binationalen Verwandtschaft manchmal ein Albtraum. Oft schlugen uns offene Ressentiments und Ausländerfeindlichkeit entgegen, Vorurteile waren so allgegenwärtig und durchdrangen sämtliche Schichten der Gesellschaft: In Solingen brannte ein Haus …
Der Hass traf mich als „Frau des Kanaken“ ebenso, und die tägliche Angst um meinen Mann begleitete mich bis in meine Albträume - vor allem, wenn er allein unterwegs war.
Beruflich gab es für Osman schier unüberwindbare Hürden. Er hatte zwar eine gut bezahlte Stelle als Bergmann gefunden, doch litt er unter den harten Arbeitsbedingungen unter Tage, der Schichtarbeit …doch seine Sprachkenntnisse reichten für eine andere Ausbildung noch nicht aus, seine türkischen Schulzeugnisse wurden in Deutschland für eine andere Ausbildung nicht anerkannt. Daher hatte ich den Plan, ihn nach zig Deutschkursen an der VHS nun auch dabei zu unterstützen, deutsche Schulabschlüsse nachzuholen. Ich machte gerade an der VHS mein Fachabi und drängte ihn, sich ebenfalls dort anzumelden: "In Deutschland kannst du nichts ohne anerkannte Schul- und Berufsabschlüsse werden. Ich werde dir helfen und dich beim Lernen unterstützen und Zuhause alles übrige regeln."
Es brauchte einige Überredungskunst meinerseits. Was Schule und Ausbildung betraf, hatte Osman keinerlei Struktur – und wenig Lust, zusätzlich zu seiner harten Arbeit sich noch geistig anzustrengen. Allein die Hoffnung auf bessere Arbeitsbedingungen motivierte ihn, sechs Jahre lang jeden Abend zur VHS zu gehen.
Im Laufe der nächsten Jahre erwarben wir - jeder für sich und in einer anderen Klasse - sämtliche höheren Bildungsabschlüsse einschließlich Abitur.
Gleichzeitig arbeitete Osman als Bergmann und ich lernte, wie man in einer, von schwarzem Ruß der Zechen und Kohleöfen überzogenen Zechen-Siedlung überleben und trotz des unangenehmen Gefühls, sozial abgehängt worden zu sein, fürs Abi pauken konnte.
Als Osman noch fürs deutsche Abitur büffelte, war ich bereits fertig, wollte aber erst mit dem Studium beginnen, wenn auch er so weit war, also lernte ich einige Kurse „Türkisch für Anfänger“.

Obwohl wir uns vorgenommen hatten, unsere unterschiedliche Kulturen gegenseitig zu respektieren, hatten wir im Laufe der Jahre unmerklich damit angefangen, uns gegenseitig zu bevormunden.
Ich: Probier wenigsten einmal die Rouladen! Und den Spargel – was hast du daran auszusetzen?
Er: Okay – aber nur, wenn du nachher einen Rock anziehst, wenn unser türkischer Besuch kommt!
Ich: Ein türkischer Wandteppich? Vergiss es! So was kommt mir nicht in unser schönes Ikea-Wohnzimmer …!
Er: … und häng deine Unterwäsche nicht draußen auf die Leine: So was macht man bei uns in der Türkei nicht!

Als Osman eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland hatte  und wieder in die Türkei reisen konnte, entspannte sich die Lage. Für ihn. Für mich wurde es brenzlig: Zum ersten Mal reiste eine Gesandtschaft des türkischen Clans aus Istanbul mit vier Mann an und okkupierte monatelang unsere kleine Zechen-Wohnung. Für mich fühlte sich das an wie absolute Vereinnahmung – zu sehr war ich an die Idee gewöhnt, einen türkischstämmigen Deutschen an meiner Seite zu haben. Osmans Familie sah das ganz anders: Ihr Sohn sollte stolz darauf sein, Türke zu sein, die türkische Tradition wahren, seinen Militärdienst absolvieren … und eines schönen Tages als reicher, erfolgreicher Mann in die Türkei zurückkehren. Eine deutsche Staatsbürgerschaft war für sie, als ob er sie alle verleugnen wollte.
Wohl auch deshalb zog und zerrte der türkische Clan an meinem Mann, überall wurden handgeklöppelte Spitzendeckchen auf unsere Ikea-Möbel drapiert, seine Anne (Mama) stand nun jeden Tag in meiner Küche, kochte türkisch und halal, aus dem Kassettenrekorder plärrte Bauchtanz-Musik, viele türkische Gäste kamen zu Besuch, palaverten vielstimmig und erwarteten von mir Bewirtschaftung und Gastfreundlichkeit. Man aß, trank Tee und setzte Osman Pläne wie Flöhe ins Ohr: Eine Eigentumswohnungen im Süden der Türkei sollte erworben, ein Geschäft eröffnet werden - selbstverständlich in Istanbul, wo die Familie residierte ...
Bei diesen Plänen wurde ich völlig übergangen, geradezu ignoriert und fühlte mich ausgegrenzt, als ob sich sämtliche Türken verschworen hatten, mir langsam, aber sicher meinen Ehemann zu entfremden.
Unsere gemeinsamen Pläne, zusammen als Paar zu studieren, später eine gemeinsame Praxis zusammen zu eröffnen - Osman als Arzt, ich als Psychotherapeutin - viel zu reisen … all diese Zukunftsträume schienen vergessen, sobald der türkische Clan begann, lautstark mitzureden.
Wir stritten nur noch sehr verhalten und leise flüsternd, abends in unserem Schlafzimmer, solange seine Familie zu Besuch war. Nach drei Monaten flogen sie wieder ab und ich atmete erleichtert auf. Doch die Differenzen in Bezug auf Kultur, Politik, Soziales, Leben … blieben: Solange wir in Deutschland lebten, standen die äußeren Einflüsse in Konkurrenz zu Osmans Erziehung – und in der Türkei erging es mir ähnlich.

Sobald wir mit unserem Campingbus über die türkische Grenze fuhren, konnte ich mich plötzlich nicht mehr frei bewegen, wie ich es gewohnt war. Überall brauchte ich nun „Begleitung“. Wegen der Sprache. Weil Istanbul eben kein kleines Kaff war. Aus kulturellen Gründen: Als Frau, als Ausländerin, als Verheiratete … war es sicherer, in der Türkei nicht alleine unterwegs zu sein. Das machte mich von Osman und seiner Familie abhängiger, als mir lieb war: Ich musste quasi immer ankündigen, wohin ich gehen wollte … und noch etwas Unangenehmes stieß mir sauer auf: Als Deutsche war ich es nun, die in der Türkei zahlreichen Vorurteilen ausgesetzt war.
Einer von uns war permanent in Verteidigungshaltung kultureller, religiöser oder weltanschaulicher Werte – und irgendwann verteidigte man sogar jene, die man nie besonders gemocht hatte. Aber in der Fremde wollte man sich an ihnen festhalten wie an einem Rettungsanker.
Für mich stellte es sich so dar, dass Osman mir in der Türkei mehr im Weg stand, als dass er mich unterstützte. Hier wurden seine Karriere, seine Lebenspläne in den Vordergrund gestellt. Was von mir in zehn Jahren als Unterstützungsleistung und als Integrationsförderung gedacht und erbracht worden war, wurde von der türkischen Familie nicht wertgeschätzt, sondern als Selbstverständlichkeit angesehen. Die ganze mühselige Integrationsarbeit stand auf dem Spiel: Mein Mann, der einst aus politischen Gründen aus seiner Heimat geflohen war, dachte plötzlich laut über ein Leben in der Türkei nach. Für mich undenkbar – mehrere gemeinsame Urlaube mit der türkischen Großfamilie hatten mich überzeugt, dass dies für mich ein Rückschritt in restriktive, familiäre Strukturen bedeutet, denen ich längst den Rücken gekehrt hatte oder ihnen bewusst entflohen war. Ganz zu schweigen von der damaligen, politischen Lage in der Türkei …

Unsere letzten Urlaube in der Türkei gestalteten sich für mich immer mehr zu einem Albtraum: Ich war in einem fremden Land, dessen Sprache ich nur rudimentär beherrschte. Mein Ehemann war stets alleine unterwegs, ich wurde bei der Familie „geparkt“ wie unser Wohnmobil. Wenn ich mich darüber beschwerte, verwandelte Osman sich zu einem finster dreinblickendem, schweigenden Mafiosi. Und er war oft wütend. Zuhause, in Deutschland, hatte ich ihm schnell klargemacht, dass ich wenig Bock auf einen emotional unreifen Ehemann hatte, der sich benahm wie ein Spätpubertierender, der jedes mal ausflippte und an die Decke ging wie ein HB-Männchen, wenn ihm etwas nicht passte.
Noch weniger hatte ich Lust, die Opfer-Arschkarte zu ziehen, indem ich seinen büffelnden Zorn „aushielt“ oder geduldig über mich ergehen ließ. In Deutschland konnte ich einfach meine Sachen nehmen und zu einer Freundin gehen. Und ihn mitsamt des emotionalen Schadens, den er durch seine Wutanfälle angerichtet hatte, allein lassen.
Bei jedem seiner Wutausbrüche verlor ich etwas mehr Respekt vor ihm – doch in der Türkei machte mir sein verbissenes Schweigen noch mehr Sorgen. Seine Blicke schienen mir dort weitaus bedrohlicher, unheilvoller: Wohin hätte ich flüchten können, wenn er ausrastete? In der Türkei konnte ich mit ihm nicht mehr diskutieren – Streitigkeiten von Paaren in der Öffentlichkeit waren ein absolutes Tabu, statt dessen brütete und kochte jeder vor sich hin - bei vierzig Grad Raumtemperatur im Auto.
Ich las das Buch: „Nicht ohne meine Tochter“ und meine Fantasie lief Amok: Guckte Osman nicht manchmal auch so, als wolle er mich in der nächsten Kurve aus dem Auto treten? Oder als würde er vor dem nächsten Abgrund anhalten und mich zwingen, mich selber in die Tiefe zu stürzen, damit es nach einem Unfall aussah …?
Kannte ich diesen Mann überhaupt, der in der Türkei ein ganz anderer wurde?

Je besser Osman in Deutschland integriert war, die deutsche Sprache beherrschte, bessere Berufsaussichten hatte – um so umso mehr zog und zerrte die türkische Familie an ihm: SIE wollten mit dem angehenden Arzt angeben, SIE wollten vom höheren Sozialprestige, seinem höheren Einkommen und seinem neuen Status … profitieren!
Ich hatte Osman zahlreiche Türen in Deutschland geöffnet, die für einen Ausländer sonst verschlossen geblieben wären und nun begann er, mir zahlreiche Türen zu verschließen: Er wollte in der Türkei leben und arbeiten – nach seinem Studium in Deutschland.

Mit einem Partner, der schon bei nichtigen Anlässen ausflippte, wären tumultöse Trennungsdramen äußerst unklug. Es sei denn, man möchte persönlich was zu den Statistiken über häusliche Gewalt beitragen. Am Ende unserer Ehe hasste ich meinen Mann nicht, ich konnte ihn nur nicht mehr ausstehen. Ich war es gewohnt, den gemäßigten, kühlen Part zu geben, ihn runter zu regeln aber ich wollte nicht mehr sein lebenslanges Korrektiv sein, das ihn zügelte, mäßigte und ihm Ausgewogenheit verschaffte – und schon gar nicht in der Türkei. Dort wäre ich nur noch „die Frau von ...“ und das war ich meines Erachtens schon viel zu lange. Dem Mosaik meines Lebens wollte ich statt dessen das wichtigste Puzzle-Teilchen hinzufügen: Mich selbst.
Um eine Katastrophe zu verhindern, zog ich die Reißleine und trennte mich. Ich hatte Osman bis zur Uni begleitet – von nun an sollte jeder von uns seinen eigenen Weg gehen …
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Hakatajin
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BeitragVerfasst am: 11.04.2022 18:35    Titel: Antworten mit Zitat

Miss Purple hat Folgendes geschrieben:
nicht leicht, da den richtigen Erzählton zu finden Confused
Es sollte keine "Betroffenheitsliteratur" werden.
Mich interessiert diese Mischung aus biografischen und erzählerischen Inhalten sehr


Für den Fall, dass mein Kommentar falsch rüber kam: es wurde zwar überraschend-nichtüberraschend ernst, aber stets in unterhaltsamer Weise und es hat sich immer leicht und amüsant lesen lassen. Der Inhalt wurde also nicht schwer . Meiner Meinung nach hast du den Spagat gut hinbekommen und den richtigen Erzählton getroffen. smile
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Minerva
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BeitragVerfasst am: 11.04.2022 18:44    Titel: Antworten mit Zitat

Hakatajin hat Folgendes geschrieben:
Miss Purple hat Folgendes geschrieben:
nicht leicht, da den richtigen Erzählton zu finden Confused
Es sollte keine "Betroffenheitsliteratur" werden.
Mich interessiert diese Mischung aus biografischen und erzählerischen Inhalten sehr


Für den Fall, dass mein Kommentar falsch rüber kam: es wurde zwar überraschend-nichtüberraschend ernst, aber stets in unterhaltsamer Weise und es hat sich immer leicht und amüsant lesen lassen. Der Inhalt wurde also nicht schwer . Meiner Meinung nach hast du den Spagat gut hinbekommen und den richtigen Erzählton getroffen. smile


Seh ich auch so Daumen hoch²


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... will alles ganz genau wissen ...
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Miss Purple
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BeitragVerfasst am: 12.04.2022 12:19    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ah, Danke, dass Ihr mir Mut macht: Gerade bearbeite ich weitere Teile dieser Erzählung und da ist mir Euer Leseeindruck und die Korrektur des Sprachlichen/Grammatischen sehr willkommen.
Das Ganze aus Leser-Perspektive beurteilt zu sehen, ist mir wichtig:
Ist dieser Spaziergang durch eine Biographie für Leser interessant (genug), fesselnd (genug) geschildert, dass man weiterlesen möchte?


Ursprünglich hatte ich das nur für mich aufgeschrieben, später zu einer Erzählung verdichtet und nun bin ich beim Feinschliff und der Überarbeitung aller Kapitel, um es veröffentlichen zu können.

Wenn ich die anderen Teile hier einstellen möchte: Auch hier, unter diesem Threat (sind noch ungefähr zwanzig Seiten) oder besser separat?
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Hakatajin
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Beiträge: 95



BeitragVerfasst am: 12.04.2022 18:23    Titel: Antworten mit Zitat

Wäre das jetzt nur eine trockene Autobiografie über dieses Thema würde ich das Buch wahrscheinlich nicht lesen. Aber deine kurzweilige und unterhaltsame Erzählart die du mit den besonderen Einblicke, die du geben und die nicht jeder selber erfahren kann, kombinierst, machen das zu einem wirklich lesenswerten Text. Ich persönlich finde es sehr fesselnd und hätte auch noch weiter gelesen.

Miss Purple hat Folgendes geschrieben:
Wenn ich die anderen Teile hier einstellen möchte: Auch hier, unter diesem Threat (sind noch ungefähr zwanzig Seiten) oder besser separat?

Da bin ich jetzt kein Profi, aber vom Gefühl her würde ich sagen, das ist etwas für eine AG? Wenn ich das richtig verstanden habe, werden dort auch komplette Werke bearbeitet.
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Miss Purple
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BeitragVerfasst am: 13.04.2022 10:15    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@Hakatajin - okay, dann mache ich erst einmal weiter mit der Bearbeitung.
Mal sehen, vielleicht stelle ich die Fortsetzung dann wieder hier in der "Werkstatt" ein, vielleicht gibt`s noch ein paar gute Tipps zum Handwerklichen - oder jemand kann mir erklären, wie man weitere Folgen unter "wie es weitergeht" postet Smile
Vielen Dank fürs Lesen, Kommentieren und Deinen Leseeindruck.
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Hakatajin
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Beiträge: 95



BeitragVerfasst am: 13.04.2022 18:01    Titel: Antworten mit Zitat

Ich hoffe sehr, dass du noch einige Tipps zum Handwerklichen kriegst. Da bin ich selber noch zu sehr Greenhorn und halte mich da lieber zurück. Embarassed
(Und das soll jetzt nicht heißen, dass du die dringend bräuchtest! Aber ein professionelleres Feedback wäre ja fein. smile )

Viel Spaß und Erfolg beim weiteren Bearbeiten! smile
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Elisa
Eselsohr


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BeitragVerfasst am: 13.04.2022 18:43    Titel: Antworten mit Zitat

Miss Purple hat Folgendes geschrieben:
Das Ganze aus Leser-Perspektive beurteilt zu sehen, ist mir wichtig:
Ist dieser Spaziergang durch eine Biographie für Leser interessant (genug), fesselnd (genug) geschildert, dass man weiterlesen möchte?

Ja, ich möchte weiterlesen!
Ich finde deinen Text sehr gut geschrieben. Es gab keine Stelle, an der ich beim Lesen ins Stocken geraten bin,
oder wo ich dachte, jetzt wird es ein bisschen langatmig. Trotz des "ernsten Hintergrunds" liest es sich locker und unterhaltsam, und ich möchte mehr erfahren.

LG Elisa
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Miss Purple
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BeitragVerfasst am: 14.04.2022 17:32    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@Elisa. Danke dafür, dass Du weiterlesen möchtest - und einige andere.
Daher stelle ich jetzt das Gesamtwerk unter dem Titel: "Abschied von der Prinzenrolle" hier in der Werkstatt ein.
Leider weiß ich nicht, ob und wie ich das als abgeschlossenen "Mehrteiler" kennzeichnen soll.
Über Euren Leseeindruck und handwerkliche/grammatische Tipps dazu freue ich mich sehr.
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Elisa
Eselsohr


Beiträge: 227



BeitragVerfasst am: 14.04.2022 18:18    Titel: Antworten mit Zitat

Miss Purple hat Folgendes geschrieben:
Leider weiß ich nicht, ob und wie ich das als abgeschlossenen "Mehrteiler" kennzeichnen soll.


Meinst du diese Darstellung?


Bestimmt hilft dir die Moderation dabei.
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