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Tochter des Zeus


 
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Elisa
Eselsohr


Beiträge: 226



BeitragVerfasst am: 31.03.2022 20:00    Titel: Tochter des Zeus eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Tochter des Zeus

Endlich allein. Die Stimmen vom Strand und Klänge griechischer Musik entfernen sich immer mehr. Bäuchlings liege ich auf meiner Luftmatratze und rudere mit kräftigen Armbewegungen weiter hinaus aufs Meer. Ich drehe mich von der Bauchlage auf den Rücken und suche die bequemste Stellung. Dann schiebe ich die Träger meines Badeanzugs von den Schultern und rücke die Sonnenbrille auf meiner Nase zurecht.
    Über mir ist nur der blaue Himmel, die Luft riecht nach Meer. Die Sonne fühlt sich gut an; jede Pore meiner blassen Haut scheint sich zu öffnen, um ihre Wärme aufzunehmen. Wie lange habe ich das schon nicht mehr gehabt? Meine Hände gleiten ins Wasser und ich atme tief durch. Herrlich. Jetzt bin ich angekommen: So sollte Urlaub sein!
    Die Luftmatratze schaukelt sanft im Rhythmus der Wellen und nimmt meinen ganzen Körper mit: Auf und ab, auf und ab. Fast wie ein Wiegenlied …
    Als ein Schatten auf mein Gesicht fällt, öffne ich wieder die Augen. Meine Unterlage reibt sich am Rumpf einer Yacht. Was fällt denen ein? Können die nicht besser aufpassen?
    Hastig ziehe ich die Träger meines Badeanzugs wieder hoch und richte mich auf. Ich sehe, dass die Segel nicht gesetzt sind. Mit dem Fuß drücke ich mich ein paar Mal von der Wand ab, aber die Wellen bringen mich immer zurück. Also ändere ich meine Position und lege mich quer mit dem Bauch über die Matratze. In dieser Froschhaltung stoße ich mich mit aller Kraft und mit beiden Beinen gleichzeitig vom Schiffsrumpf ab, doch schon die nächste Welle macht meine Anstrengungen wieder zunichte. Es gelingt mir aber, dicht an der Bootswand entlang, die Yacht zu umrunden. Ich entdecke ihren Namen. In Schnörkeln stehen die roten Buchstaben auf schwarzem Untergrund. Ich entziffere das Wort „Hades“. Der Name sagt mir nichts.
    Ich spüre, wie meine Kräfte schwinden, aber zum Glück entdecke ich eine Schwimmleiter, die nicht hochgezogen ist.
    „Hallo! Ist jemand an Board?“ Ich bekomme keine Antwort. „Haaalllooo!“ Entweder hören sie mich nicht, oder sie sind mit einem Beiboot an Land gefahren. Ich rutsche von der Luftmatratze und ziehe sie schwimmend zur Leiter. Die Eigner haben bestimmt nichts dagegen, dass ich mich ein paar Minuten an Deck ausruhe.
    Als ich meinen Fuß auf die Leiter setze, passiert etwas Merkwürdiges: Das Metall verwandelt sich Sprosse um Sprosse in Holz. Habe ich etwa schon Halluzinationen? Einen Sonnenstich?
    Oben angekommen, werfe ich die Luftmatratze auf das Holzdeck und sehe mich um. Nein, dies ist keine moderne Yacht! Das Schiff wirkt auf einmal altertümlich, erinnert mich an längst vergangene Zeiten. Ich schätze die Länge auf fünfundzwanzig Meter, es hat zwei Holzmasten und das Ruder liegt in der Mitte. Bug und Heck sind hochgezogen und über der Kajüte auf dem Achterdeck befindet sich eine Plattform mit einem gedrechselten Holzgeländer. Ein Piratenschiff? Trotz der Hitze läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken. Was soll ich tun? Einen Augenblick bleibe ich unschlüssig stehen, dann schleiche ich auf Zehenspitzen zurück zu meiner Luftmatratze, aber an der Stelle, an der ich hochgeklettert bin, befindet sich keine Leiter mehr. Es wäre nicht klug, einfach ins Wasser zu springen. Zuerst muss ich mich orientieren!
    Also steige ich auf die Plattform, aber weit und breit sehe ich kein Land – ringsum ist nur Wasser. Tiefblaues unergründliches Wasser, das sich an der Oberfläche sanft kräuselt. Schlagartig wird mir die ganze Gefahr bewusst: Das Schiff treibt steuerlos auf dem Meer und ich mit ihm! Vermutlich bin ich schon viele Seemeilen von meinem Urlaubsort entfernt. Ich habe keine Wahl mehr; ich muss wissen, ob ich auf mich alleine gestellt bin oder ob sich noch jemand an Bord befindet.
    Da die Kajüte keine Bullaugen hat, bleibt mir nichts anderes übrig, als all meinen Mut zusammenzunehmen und durch die schmale Tür zu gehen. Um nicht ganz schutzlos zu sein, suche ich nach einer Waffe. Dabei fühle ich mich so fehl am Platz. Ich habe noch nie gekämpft. Wie geht das überhaupt? Wenn hinter der Tür zwei brutale Kerle sitzen, dann habe ich doch schon verloren. Selbst einer reicht … Schließlich finde ich einen Besenstiel. Besser als nichts!
    Möglichst leise öffne ich die Tür. Unerwartet knarzt sie ganz fürchterlich und ich zucke zusammen. Im Inneren ist es recht dunkel. Nur durch eine Dachluke fällt Licht hinein. Ich bleibe stehen, bis sich meine Augen an das Dämmerlicht gewöhnt haben. Außer dem Ächzen und Grummeln des alten Holzes ist nichts zu hören. Ich bringe die Außentür bis zum Anschlag und verankere das angebrachte Seil an einem Haken. Jetzt kann ich Einzelheiten erkennen. Die Kajüte besteht aus einem einzigen Raum, der mit Teppichen ausgelegt ist. Ich sehe eine riesige Holztruhe, zwei Stühle an einem Tisch.
    „Küss mich, küss mich!“, durchbricht eine krächzende Stimme plötzlich die Stille und mein Herz macht einen Satz. Ich hebe den Besenstiel mit beiden Händen, bereit zum Schlag, lasse ihn aber augenblicklich wieder sinken.
    Ein rot-gelber Papagei sitzt auf einer Stange und tritt aufgeregt von einem Bein auf das andere. Sein Kopf nickt dabei auf und ab.
    „Küss mich, küss mich!“, wiederholt er inbrünstig und lässt die Flügel ein wenig aufflattern, was seinen Worten mehr Beachtung schenkt.
    „Hast du mich erschreckt! Wie heißt du denn?“
    „Küss mich, küss mich!“
    „Nein, so heißt du ganz sicher nicht …“ Mitten im Satz breche ich ab. Auf einem Tagesbett mit erhöhtem Kopfteil liegt eine Gestalt und scheint zu schlafen. Als ich nähertrete, erkenne ich eine junge Frau in meinem Alter, die auf der Seite liegt, mir zugewandt. Unwillkürlich halte ich den Atem an. Was für ein Anblick! Wegen ihrer Aufmachung denke ich sofort an eine antike griechische Statue aus hellem Marmor. Doch die Frau ist echt: Ihr Brustkorb hebt und senkt sich mit jedem Atemzug. Über ihrem feinen Gesicht türmt sich weizenblondes Haar zu einer kunstvollen Hochsteckfrisur mit einem goldenen Reif. Sie trägt ein langes, fließendes Gewand, nur in der Taille mit einem Gürtel zusammengehalten. Ihre nackten Füße stecken in zierlichen Lederriemensandalen, die an den Knöcheln geschlossen sind. Ich beuge mich ein wenig über sie und rieche Thymian und Minze.
    „Küss mich! Küss mich!“ Der Papagei lässt nicht locker und plustert sich wichtigtuerisch auf.
    „Pssst, sei doch still“, sage ich streng, aber er gibt einfach keine Ruhe und wiederholt stur seinen Text. Warum wacht die Frau bei diesem Lärm nicht auf? Ob sie krank ist?
    Ich spreche sie an: „Hallo? Können Sie mich hören? Mein Name ist Lena. Durch einen Zufall bin ich auf Ihrem Schiff gelandet. Was ist mit Ihnen? Geht es Ihnen nicht gut?“
    Die Schönheit reagiert nicht. Ich schüttle ihren Arm, dann beide Schultern, aber sie liegt da wie tot.
    „Küss mich! Küss mich!“
    Da begreife ich plötzlich, was der Vogel von mir will.
    „Spinnst du? Ich küsse grundsätzlich keine Frauen“, sage ich mehr zu mir selbst als zu ihm.
    Das wird ja immer verrückter! Aber kann ich ihr einen Kuss verwehren, wenn es ihr hilft? Und wenn nicht, habe ich dadurch irgendetwas verloren? Ist es nicht einen Versuch wert?
    Ich knie mich vor das Bett und hole ein paar Mal tief Luft. Dann drücke ich meinen Mund fest auf ihren und zähle innerlich bis zehn. Ihre Lippen fühlen sich weich und warm an. Gespannt warte ich auf eine Reaktion.
    Tatsächlich öffnet sie kurz darauf ihre Augen. Sie sind grün und erinnern mich an Flechten auf grauem Stein. Ihr Blick ist noch etwas verschleiert, aber sie scheint nicht überrascht zu sein, mich zu sehen.
    „Ich bin Lena. Hallo“, sage ich ein bisschen verlegen. Ob sie weiß, dass ich sie gerade auf den Mund geküsst habe?
    Sie murmelt etwas in einer fremden Sprache.
    „Ich kann Sie leider nicht verstehen. Ich spreche nur deutsch und englisch“, sage ich etwas zu laut, als höre sie schlecht.
    „Entschuldige, ich bin noch ein wenig benommen“, antwortet sie zu meiner Überraschung.
    „Sie sprechen meine Sprache?“
    „Ich spreche jede Sprache. Mein Name ist Persephone.“
    „Ein ungewöhnlicher Name. Was bedeutet er?“
    „Ach, er hat viele Bedeutungen. Mein Vater Zeus hat ihn mir gegeben. Wenn du willst, dann erzähle ich dir meine Geschichte beim Essen. Ich brauche dringend eine Stärkung.“
    Erst jetzt merke ich, wie durstig und hungrig ich bin. „Sehr gern.“
    „Hilf mir aufstehen, Lena“, sagt sie und streckt mir beide Hände entgegen als wären wir beste Freundinnen. Ich ziehe sie in die Höhe. Persephone klatscht laut in die Hände und deutet auf zwei Lederhocker und einen niedrigen Tisch, die ich bisher noch nicht wahrgenommen habe.
    „Das ist übrigens Gregorios.“ Sie nimmt ein paar Kerne aus einer tönernen Schale und hält sie dem Papagei entgegen. „Gregorios bedeutet: Der Wachsame. Er ist mein treuer Begleiter, wenn ich zwischen den Welten reise.“
    Ich verstehe nicht, was sie damit meint. Statt nachzufragen, sage ich: „Wie kommt es, dass er deutsch spricht und nicht griechisch?“
    Persephone lacht. „Auch er spricht jede Sprache. Und er kann jedes Tier sein, das ihm gerade in den Sinn kommt. Doch sein Name bleibt immer unverändert Gregorios. Nicht wahr, mein Bester?“
    Schritte lassen mich aufhorchen. Persephone bemerkt meinen ängstlichen Blick. „Keine Sorge, dass sind nur meine Diener“, sagt sie fröhlich. „Sie bringen unsere Erfrischungen.“
    „Aber woher kommen sie so plötzlich? Ich habe das Schiff bei meiner Ankunft durchsucht und niemanden gesehen.“
    „Sie kommen, wenn ich sie rufe. Bitte nimm Platz und mache es dir bequem.“
    Ich gehorche und setze mich auf einen der Hocker. Seine Füße sehen wie Katzenpfoten aus. Der niedrige Tisch ist mit aufwändigen Einlegearbeiten aus Elfenbein geschmückt. Nun bemerke ich auch, wie kostbar die dicken, weichen Teppiche sind. Ein junger Mann, spärlich bekleidet mit einem Stück Stoff um die Lenden, bringt Schalen und Teller mit Getreidebrei, Fladenbrot, Käse, Oliven, Trauben und Aprikosen; in Steinkrügen Trinkwasser und kühlen Weißwein. Wir langen beide kräftig zu.
    Persephone taucht ihre Hände in eine Waschschüssel und trocknet sie an einem Stück Leinen ab. Dann fängt sie an, zu erzählen: „Vor langer Zeit lebte ich unter dem Namen Kore, was Kornmädchen bedeutet, mit meiner Mutter Demeter und anderen Nymphen in einem Waldgebiet, in dem es auch Berge mit einem geheimen Portal zur Unterwelt gibt. Der Zutritt ist allen strengstens untersagt, doch ich gehorchte nicht und schlich mich eines Tages zu der Stelle. Und es kam, wie es kommen musste: Ich stürzte in die Tiefe und fiel durch dieses Portal in die Unterwelt. Mein Vater Zeus und meine Mutter Demeter waren erzürnt, doch mir hätte nichts Besseres passieren können, denn dort traf ich meinen geliebten Mann, den Gott Hades. Aus Kore wurde Persephone, die Göttin der Toten. Ich wäre mit allem zufrieden gewesen, aber meine Mutter Demeter wollte mich einfach nicht gehen lassen, es brach ihr das Herz. Also schickte sie meinen redegewandten Bruder Hermes, dessen göttliche Aufgabe es ist, die toten Seelen in die Unterwelt zu führen, mich zu holen. Ich wollte nicht gehen, und weil niemand etwas aus der Unterwelt mitnehmen darf, aß ich kurz vor seiner Ankunft von einem Granatapfel. Die Götter tobten. Doch dann fanden sie eine gute Lösung: Da ich ein Drittel der Frucht gegessen hatte, darf ich seitdem ein Drittel des Jahres, im Winter, in der Unterwelt bei meinem Mann Hades bleiben; Frühling und Sommer verbringe ich bei meiner Mutter an der Erdoberfläche. Du, liebe Lena, hast mich bei meiner Rückreise in die Unterwelt angetroffen. Ich kann es kaum erwarten, bald wieder Zuhause bei Hades zu sein.“
    Ihre Augen strahlen. So unglaublich ihre Geschichte klingt – ich glaube ihr jedes Wort!
    „Hmm … du bist also die Göttin der Toten. Das klingt so düster, traurig, irgendwie hoffnungslos.“
    „Nein, das ist es nicht. Ich habe viele Bedeutungen. So bin ich nicht nur die Göttin der Unterwelt, ich bin auch die Göttin der Fruchtbarkeit, des Frühlings, der Blumen und der Jugend. Ich weiß, für euch Menschen ist das schwer zu verstehen.“
    Mir fehlen die Worte für eine Antwort. Persephone ist nicht nur wunderschön, sie ist auch freundlich, fröhlich und hat eine einnehmende Art. Es fällt mir schwer, sie nicht als Mensch zu sehen. „Und warum hast du so tief und fest geschlafen, als ich an Bord kam?“
    „Meine Mutter Demeter wollte mich wieder einmal nicht gehen lassen. Sie hat mir ein Schlafmittel in den Wein getan, damit ich den Winter verschlafe. Sie konnte ja nicht wissen, dass du mir hilfst.“
    „Ähm … du hast gemerkt, dass ich dich geküsst habe?“
    „Es hat sich angefühlt wie ein Kuss von meinem Hades. Stellvertretend für ihn hast du mich geküsst, nicht wahr.“
    „Ja, und ich bin froh, dass es gewirkt hat.“
    „Das bin ich auch. Und jetzt werde ich dich an Land bringen und dann weitersegeln. Komm, lass uns an Deck gehen.“
    Bevor ich ihr folge, möchte ich mich noch verabschieden: „Adios, Gregorios. Ich bin froh, dass du mir als Papagei begegnet bist und nicht als Schlange oder Raubkatze. Pass gut auf deine Herrin auf.“
    Mit seinen klugen Äuglein schaut er mich an und wippt mit seinem roten Kopf. Ich bin sicher, er hat mich verstanden.
    An Deck stelle ich mich neben Persephone an die Reling. Wind ist aufgekommen. Ob das ihr göttliches Werk ist? Ich werde es nie erfahren. Das Segelschiff nähert sich dem Land und ich erkenne bald den Strand mit meiner Hotelanlage dahinter.
    „Es ist Zeit, Abschied zu nehmen, Lena“, sagt Persephone.
    Ich möchte sie umarmen, aber sie legt ihre linke Hand auf die Stelle über ihrem Herzen und deutet eine kleine Verbeugung an. Ich folge ihrem Beispiel. „Gute Reise, Persephone. Es war mir eine Ehre.“
    „Lebe wohl, Lena. Und danke für deinen Mut! Du bist eine außergewöhnliche junge Frau und ich habe die Zeit mit dir sehr genossen.“ In ihrer Hand hält sie eine lange rot-gelbe Feder und reicht sie mir. „Vergiss uns nicht.“
    „Nie“, sage ich gerührt und stecke ich Papageienfeder in den tiefen Ausschnitt meines Badeanzugs.
    Wie durch ein Wunder ist die Schwimmleiter wieder da. Ich klettere hinunter und jede Holzsprosse unter meinen Füßen verwandelt sich in kühles Metall. Persephone reicht mir meine Luftmatratze und unsere Blicke treffen sich ein letztes Mal.
    Ich schwimme los. Schnell vergrößert sich der Abstand zum Schiff. Bis zum Strand ist es nicht weit. Schon höre ich die Stimmen der Badegäste und griechische Musik aus der Strandbar. Als ich mich noch einmal umdrehe, ist das Segelschiff verschwunden.
    Was für eine Geschichte! Kein Mensch wird sie mir glauben. Aber ich weiß, dass sie wahr ist, und nur darauf kommt es an. Noch einmal taste ich nach der Feder in meinem Ausschnitt und bin froh, sie zu spüren.

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hobbes
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Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
Der silberne Scheinwerfer Ei 4


BeitragVerfasst am: 01.04.2022 10:21    Titel: Antworten mit Zitat

Ich glaube der Erzählerin nicht. Da stellt sie sich als naives Dummchen dar, erzählt mir dann aber mit allerhand Fachbegriffen, wie das Schiff aussieht.

Außerdem finde ich, dass der Rhythmus des Erzählens, die Sprachmelodie, der Erzählfluss nicht mit dem, was erzählt wird, übereinstimmt. Wenn ich denke, jetzt aber atemloses Erzählen, dann kommt da plötzlich ein Punkt oder es wird sonstwie abgestoppt.

Und auch das hier:
Zitat:
„Ich spreche jede Sprache. Mein Name ist Persephone.“
„Ein ungewöhnlicher Name. Was bedeutet er?“

Das nehme ich ihr einfach nicht ab, dass sie in einer solchen Situation so eine Antwort gibt.

Nun. Am Ende der Geschichte denke ich, dass die Erzählerin vermutlich doch glaubwürdig ist und das eben so erlebt. Nur kann ich sie dann nicht ernst nehmen.
Leider keine Geschichte für mich.


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Minerva
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BeitragVerfasst am: 01.04.2022 23:30    Titel: Antworten mit Zitat

Musste schon am Anfang grinsen, ja schön gemütlich auf der Luftmatratze ... Und ich weiß ja, bald muss sie irgendwie auf dem Meer festsitzen.

Dann klebt sie verzweifelt an der Yacht, die Luftmatraze wird zum Symbol für Sicherheit oder so Very Happy

Einfallsreiche Geschichte, gute Idee. Es gibt ein paar leichte Sprachschwächen (zu viele "wieder", unnötiges aus der Perspektive gehen, dass)

Dann findet Frau Frau, küsst sie entgegen ihrer sonstigen Gewohnheiten und redet dann sehr laut mit ihr (sie könnte ja die Sprache nicht verstehen.) Mir gefallen dieses kleine Dinge.
Es ist Zeus Tochter.
Jetzt muss ich mal sagen, dass ich ständig während des Lesens aller Beiträge die Überschrift vergaß. Deswegen überraschte mich das, dumm ne?
Ich würde aber trotzdem einen weniger plakativen Titel wählen, weil andere Leute das nicht vergessen und der Überraschungseffekt damit weg ist.

Ihre Erklärung der Gründe hätte etwas geschickter gemacht werden können, zu berichtartig. Das ist zwar gut und kurz zusammengefasst der Mythos, also gelingt in der Form, hätte aber viel emotionaler und sagenhafter gestaltet werden können, sodass es mehr Emotionen transportiert. Dabei hätte man Unwichtiges weglassen können und Emotionales aufbauschen.
So ist es einfach abgehandelt und verschenkt Dramapotenzial. Da wäre noch etwas drin gewesen.

Der Papagei ist natürlich auch super!

Es ist auch der Schreibstil, der mich irgendwie angezogen hat.

Ich vergebe hiermit: 3 Punkte


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... will alles ganz genau wissen ...
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V.K.B.
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BeitragVerfasst am: 02.04.2022 04:03    Titel: Antworten mit Zitat

Mein lieber unbekannter Autor,

Kraft meines Amtes als Literaturgegenpapst aus dem Paralleluniversum jenseits des Schwarzen Lochs muss ich Ihnen mitteilen, dass ich froh bin, dass Sie wenigstens keine Furzgeschichte geschrieben haben. Na, nun kucken Sie nicht so, das ist leider keine Selbstverständlichkeit in diesem Wettbewerb, ich habe gerade zwei solche lesen müssen. Viel bedeutsamer als ein solcher … ähm … Windhauch ist Ihre Geschichte aber leider auch nicht, denn Sie bedienen sich munter bei der griechischen Mythologie, haben dieser aber wenig Neues hinzuzufügen. Nun gut, Sie verschonen Hades von MeToo-Shitstorms (die ja, wenn bildlich vorgestellt auch wieder mit Fürzen zu tun hätten, Sie scheinen meine literarische Abneigung da also zu teilen, was lobenswert ist), indem sie seine Beziehung zu Persephone einvernehmlich machen. Ach so, zwischenzeitlich ein paar Leseeindrücke, direkt beim ersten Lesen geschrieben:

Zitat:
wenn ich zwischen den Welten reise.
Demnach müsste also Frühlingsanfang oder Herbst sein, je nachdem, ob sie auf dem Hin- oder Rückweg in die Unterwelt ist. Geht man da mit Luftmatratze schwimmen?

Zitat:
mit meiner Mutter Demeter und anderen Nymphen
Shocked Moment – Demeter ist doch keine Nymphe, sondern olympische Gottheit. Ich hab den Eindruck, auch Sie haben zu tief ins Schwaze Loch geschaut werden.

Zitat:
darf ich seitdem ein Drittel des Jahres, im Winter, in der Unterwelt bei meinem Mann Hades bleiben; Frühling und Sommer verbringe ich bei meiner Mutter an der Erdoberfläche.
Ah, okay, Sie haben die Sage also etwas angepasst und die Beziehung etwas einvernehmlicher gemacht (ursprünglich hat Hades sie ja gegen ihren Willen entführt) und Ursache und Wirkung vertauscht. Persephone geht ja nicht im Winter in die Unterwelt, sondern es wird Winter, wenn sie die Unterwelt geht, weil Demeter um ihrer Tochter trauert. Aber okay, wohl mehr eine Frage der Betrachtungsweise.

Zitat:
So bin ich nicht nur die Göttin der Unterwelt, ich bin auch die Göttin der Fruchtbarkeit, des Frühlings, der Blumen und der Jugend. Ich weiß, für euch Menschen ist das schwer zu verstehen.
Och, da muss man nur mal Hermes ankucken, was der alles für widersprüchliche Aufgaben hat: Götterbote, Psychopompos, Schutzgott der Händler und gleichzeitig der Diebe, Weiser und Narr/Trickster, …

Wie Sie also sehen, Ihre Geschichte enthielt für mich wenig Neues, aber eine Menge verschenktes Potential. Man hätte mehr aus der Idee machen können, als nur eine (letztendlich nebensächliche) Urlaubsbegegnung. Mir fehlt hier also die eigentliche Geschichte, besonders wenn man sie mit der griechischen Mythologie vergleicht, da war nämlich immer viel mehr und spannenderes los.

Nichts desto Trotz war die Geschichte gut und flüssig zu lesen und hat beim Lesen auch Spaß gemacht, leider lässt sie einen nur mit einem "ja, und?"-Gefühl zurück. Ob es für Punkte reicht, kann ich erst sagen, wenn ich alles gelesen habe, aber ich fürchte eher nicht.

Noch sind die Punkte allerdings in Superposition und werden erst verteilt worden sein, wenn ein Beobachter in diesen Spoiler schaut: Nö, keine mehr da. Schade, dabei mag ich griechische Mythologie doch so gerne.

Mit verdammenden Blicken,
Ihr unfreundlicher Literaturgegenpapst aus dem Paralleluniversum

… kannst du mich nicht ablehnen. Ich bin deine destruktiven Gedanken. Ich bin Beschämung, ich bin Entehrung, ich bin Absinth. Ich bin Rilkes wahrer Panther.

Hallo Leute, Veith hier. Ich weiß nicht genau, was da passiert ist, anscheinend wurde mein Konto gekapert, dabei war mein Passwort so sicher! Tut mir leid, wird nicht wieder passieren, ich habe es jetzt durch ein noch sichereres ersetzt. In der Zwischenzeit hat irgendeine seltsame Entität die Kommentare und Bewertungen für mich übernommen. Kommt wohl dabei raus, wenn hier so viele im Vorfeld mit Schwarzen Löchern rumgespielt haben. Weil ich zu faul war, selbst noch was zu schreiben, habe ich die gehackten Kommentare und Bepunktungen so stehenlassen – ich bin sicher, dieses Wesen hat bestimmt nichts böse gemeint und wollte nur spielen.


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Warning: Cthulhu may occasionally jumpscare people …
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d.frank
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BeitragVerfasst am: 02.04.2022 10:45    Titel: Antworten mit Zitat

Und die Moral von der Geschicht?

Muss ja nicht immer da sein, aber hier fehlt sie mir wirklich. Ich frage mich, warum ich das gelesen habe und was ich daraus mitnehmen soll/kann, außer ein bisschen griechischer Mythologie?


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Die Wahrheit ist keine Hure, die sich denen an den Hals wirft, welche ihrer nicht begehren: Vielmehr ist sie eine so spröde Schöne, daß selbst wer ihr alles opfert noch nicht ihrer Gunst gewiß sein darf.
*Arthur Schopenhauer
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Phenolphthalein
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BeitragVerfasst am: 02.04.2022 11:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inkognito,

bei der Vorlage hätte ich mir mehr den Flair griechischer Mythologie gewünscht. Vielleicht bin ich zu sehr Percy Jacksonifiziert.
Verstehe mich nicht falsch: Es liest sich wie eine nette kleine Geschichte, aber ich ging mit anderen Erwartungen heran.
Mit den Gefühlen hättest du sich mehr spielen können. Z.B. ihre anfängliche Angst. Die ist hauptsächlich durch ihre Handlung erkennbar. Sie ‚denkt‘ auch, aber für so eine Situation recht rational. Weiter nimmt sie einfach hin, dass sie Persephone geweckt hat. Selbst wenn sie die nicht kennt (Hardes übrigens anscheinend auch nicht), Zeus kennen vermutlich [beinahe] alle.
Ich gelange auf ein Schiff, dass sich verwandelt, erwecke eine Göttin und das ist normal.
Dieser ganze Prozess: Da fehlt mir ein Gefühlscocktail.

Aber auch Persephone scheint sich mit ihrem Gemahl arrangiert zu haben. (Ok, aber ich meine, Persephone mag es nicht unbedingt in der Unterwelt zu weilen.)

Liebe Grüße,
Pheno


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Nichts ist leichter, als so zu schreiben, dass kein Mensch es versteht; wie hingegen nichts schwerer, als bedeutende Gedanken so auszudrücken, dass jeder sie verstehen muss.

-Arthur Schopenhauer
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Heidi
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Der goldene Durchblick


BeitragVerfasst am: 02.04.2022 19:47    Titel: Antworten mit Zitat

Lena ist mit der Luftmatratze unterwegs und trifft auf ein Schiff. Dort entdeckt sie eine schlafende Frau, deren Papagei Lena dazu bringt, dieser einen Kuss zu geben - nur so kann die Schlafende erwachen. Nach dem Erwachen stellt sich heraus, dass es sich um Persephone handelt, die ihre Geschichte erzählt.
Danach verabschiedet sich Lena von Persephone und schwimmt zurück ans Ufer.

Ich mag die griechische Mythologie und konnte deshalb gut eintauchen in die Geschichte. Spannend fand ich den Beginn, da die Luftmatratze ein wirklich außergewöhnliches Gefährt für den Ozean ist. Endlich mal kein Schiff, dachte ich.
Lena muss ungemein weit rausgeschwommen sein, um das Ufer aus dem Blickfeld zu bekommen. Das fand ich einen interessanten Ansatz. Fast war ich enttäuscht, als dann plötzlich eine Yacht aufgetaucht ist. Als Lena dann aber den Schiffsnamen „Hades“ las, musste ich lachen.

Lena selbst kennt weder Hades, noch Persephone, noch Demeter, Zeus und alle anderen. Sie verkörpert für mich daher eine eher weniger gebildete Person. Sie erfährt die komplette Geschichte, die Persephone jedes Jahr durchlebt, was ich sehr gern gelesen habe. Wie gesagt, ich mag die griechische Mythologie und ich mag es ebenso, diese immer mal wieder aufzufrischen und neu zu beleben. All die Details bleiben doch nicht dauerhaft haften und immer präsent.
Viel mehr als Persephones Geschichte, die ja bereits als in sich abgeschlossen existiert, bietet der Text aber nicht. Lena geht, nachdem Persephone ihr alles erzählt hat, wieder zurück zum Strand, eine Erkenntnis oder eine Entwicklung in ihr findet nicht statt. Das finde ich schade. Vor allem auch, weil Lena als Figur etwas zu kurz kommt. Ich lerne ihren Charakter gar nicht richtig kennen. Die Story dreht sich einzig um Persephone. Zwar wird durch die Umsetzung und den Stil eine gute Stimmung erzeugt - ich erlebe Persephone als das, was sie ist, aber was Lena betrifft, wird mir nichts offenbart. Und genau das würde mich interessieren. Was bewegt sie? Wo liegt ihre Motivation?

Zitat:
Doch die Frau ist echt: Ihr Brustkorb hebt und senkt sich mit jedem Atemzug.


Diesen Satz habe ich rausgepickt, weil er mir gefällt und ein wenig über Lenas Charakter erzählt.

Punkte gibt es leider nicht.
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weltverbesserer
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Beiträge: 223
Wohnort: København, Dänemark


BeitragVerfasst am: 03.04.2022 17:06    Titel: Antworten mit Zitat

Sehr schöne Geschichte. Ich mag die Verbindung zur mythologischen Welt. Hat sich flüssig lesen lassen und die Idee gut umgesetzt. Alle Kriterien erfüllt.

Eine Anmerkung:
der Satz 'Seine Füße sehen wie Katzenpfoten aus.' sollte nach dem Satz, der mit 'Ein junger Mann..' beginnt, stehen.

Das tut aber der Geschichte weiter keinen Abbruch.
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Reimeschreiberin
Geschlecht:weiblichLeseratte


Beiträge: 154



BeitragVerfasst am: 03.04.2022 17:30    Titel: Antworten mit Zitat

Schöne Geschichte. Den Übergang von der Realität ins Phantastische finde ich gut gewählt. Einzig, dass der Protagonistin Lena der Begriff "Hades" nichts sagt, erscheint mir etwas unglaubwürdig.
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RAc
Klammeraffe


Beiträge: 647



BeitragVerfasst am: 04.04.2022 08:59    Titel: Antworten mit Zitat

Ein Skript für das Re-release MTV Video von Kate Perry's "I kissed a girl (I liked it)." In einer Sommerurlaubsidylle in Griechenland findet sich Lena (Traum oder Wirklichkeit? Ist in diesen Videos eh nicht so wichtig,  die Grenzen sind grundsätzlich fließend) in einem antiken griechischen Schiff wieder, wo ein Papagei ihr zuraunzt "sei kein Frosch, küss die Prinzessin wach" (die sich als eine der vielen außerehelichen Töchter vom Zeus herausstellt*).  

Tut sie, und dann passiert - gar nichts, außer dass Lena als Dankeschön einen vegetarischen Vorspeisenteller serviert bekommt und sich dabei eine Vorlesung in griechischer Mythologie anhört. Die beiden verabschieden sich brav und keusch voneinander, und mit den letzten Akkorden ist Lena zurück in ihrem Exlusivressort (zweifellos wird das Sponsoring durch TUI im Abspann deutlich platziert).

Vorgabentreue: Ja.

Ausgestaltung:

Das Ganze, wie in diesem Genre zu erwarten, bonbonfarben, unverfänglich, voll von schönen Menschen, ganz leicht angedeuteter Homoerotik, kompromisslos jugendfrei und komplett ohne Tiefgang. Perfekter Lesestoff für Eskapismus in einer Zeit, in der man keinen Bock mehr auf Krisengedöns hat. Bemerkenswert der Gastauftritt der Kelly family als namenloses, aus dem Nichts aufgetauchtes Servicepersonal.

Wertung:

Punkte allerhöchstens für die handwerklich fehlerfreie Ausgestaltung, wenn die Konkurrenz es her gibt. Inhaltlich für mich etwas zu dünn.

Heiters AutorInnenraten: Sil<ROSEBUD!!!!>

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*Mann, was ein Stecher, da kann mann ja echt neidisch werden... wenn nicht im Hintergrund die tragische Gestalt der Hera und die ansozialisierte Abscheu vor Wasserbüffelsozialsystemen knapp aber bestimmt sagen würden "nö, laß mal stecken."
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Taranisa
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BeitragVerfasst am: 04.04.2022 10:35    Titel: Antworten mit Zitat

Eine sehr schöne Geschichte, alles stimmig, die Sage gut eingebunden. Stilistisch nur Kleinigkeiten, die verbessert werden könnten (z.B. mir zu oft "als", Persephones lange direkte Rede).

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Abari
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Der bronzene Durchblick


BeitragVerfasst am: 04.04.2022 11:40    Titel: Antworten mit Zitat

Der Einfachheit und Übersichtlichkeit halber schreibe ich zu Anfang eine Kürzestzusammenfassung, damit ich mich dann beim Bewerten besser orientieren kann:

Lena trifft Persephone auf ihrer Reise zurück in den Hades, weckt sie, speist mit ihr und erhält zum Dank eine Feder als Geschenk.

Eine klassische Geschichte aus einem neuen Blickwinkel erzählt: schön. Der Schiffsname hätte vielleicht nicht sein müssen, aber gut. An sich schön.


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Das zeigt Dir lediglich meine persönliche, höchst subjektive Meinung.
Ich mache (mir) bewusst, damit ich bewusst machen kann.

LG
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BeitragVerfasst am: 04.04.2022 14:23    Titel: Antworten mit Zitat

Andeutungen eines Traums.

Vorgaben:
Phantastik, ja. "Fern der letzten Ufer", schwierig. Aber ich lasse es (für mich) gelten.

Eindrücke:
Urlauberin auf Luftmatratze trifft auf die Hades an deren Bord Persephone gerade ihre alljährliche Reise zwischen den Welten durchzieht. Sie "muss" sie schneewittchenmäßig wachküssen, auf Hinweis eines Papageis, der ihr sodann auch einen Feder schenkt, die am Ende der entscheidende Hinweis ist: nein, kein Traum, kein Sonnenstich, sondern Phantastikgenre. Darüber hinaus bietet das inhaltlich oder sogar aussagetechnisch nicht viel (muss es aber ja auch nicht). Die Sprache passt, Perspektive sitzt ebenfalls.

Lieblingsstelle:
Zitat:
„Ich kann Sie leider nicht verstehen. Ich spreche nur deutsch und englisch“, sage ich etwas zu laut, als höre sie schlecht.


Fazit:
Schön und mystisch, aber angesichts der Konkurrenz leider aus meiner Top Ten gepurzelt. Keine Punkte.
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Katinka2.0
Geschlecht:weiblichEselsohr


Beiträge: 362



BeitragVerfasst am: 04.04.2022 19:30    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe/r Inko,

also, ich liebe ja griechische Götter- und Heldensagen love, sie haben mich schon als Kind fasziniert und ich habe sie alle verschlungen. Allein deshalb mag ich deinen Text. Nur, es passiert nicht so viel. Persephone erzählt beim Essen ihre Geschichte, die mir schon so oder so ähnlich bekannt war. Aber du hast sie schön erzählt, ich höre gerne solchen Geschichten zu.

Punkte verteile ich erst zum Schluss.
Edit: Die Sagen lese ich eigentlich immer wieder gerne, deshalb bekommst du auch meinen letzten Punkt Smile!

Liebe Grüße,
Katinka
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Jenni
Geschlecht:weiblichPapiertiger


Beiträge: 4193

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 04.04.2022 20:06    Titel: Antworten mit Zitat

Eine Touristin auf ihrer Luftmatratze auf dem Meer unterwegs kollidiert mit einer Yacht.
Zitat:
In Schnörkeln stehen die roten Buchstaben auf schwarzem Untergrund. Ich entziffere das Wort „Hades“. Der Name sagt mir nichts.

Da schwant dem Leser Böses, klar dass die äußerst naive Dame jetzt geradewegs in ihr Verderben rennt. Nein, tu es nicht, will man ihr nachschreien. Doch stattdessen hat sie eine freundliche Begegnung mit Persephone, die sie anschließend wieder am Strand absetzt.
Herrlich unerwartet auf eine Art, über dieses unerwartete Moment hinaus dann aber doch ziemlich belanglos. Am Kern des Themas auch ein bisschen vorbei, es ist mehr „in Ufernähe“, und niemand gehört der See. Trotzdem gerne gelesen.
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Murnockerl
Geschlecht:weiblichEselsohr


Beiträge: 230
Wohnort: Graz


BeitragVerfasst am: 05.04.2022 21:36    Titel: Antworten mit Zitat

Ich mag die Geschichte. Sie kommt recht harm- und eigentlich auch ereignislos daher - ein bisschen wie eine Erzählung für junge Leser und Leserinnen, die daraus etwas über die griechische Mythologie lernen sollen. Da mir die Charaktere und der Erzählstil sympathisch sind, werde ich aber wohl Punkte vergeben.

Edit: 3 Punkte, denn die Geschichte hat mir gut gefallen und soll nicht leer ausgehen. Auch das Thema ist komplett erfüllt. Für eine höhere Wertung kommt mir die Erzählung leider zu belanglos (bitte nicht falsch verstehen - das muss nicht unbedingt etwas Negatives sein - mir kommt sogar vor, der Text ist mit Absicht etwas "ruhiger" gehalten) im Vergleich zu den Konkurrenztexten daher.
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tronde
Eselsohr


Beiträge: 462

Das goldene Aufbruchstück Das silberne Niemandsland


BeitragVerfasst am: 05.04.2022 22:38    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Es waren durchweg gute Texte und aufgrund ihrer Verschiedenheit ist es mir sehr schwergefallen, sie gegeneinander abzustufen. Verschiedene Genres, verschiedene Ansätze von „Phantastik“, je nachdem, wo ich den Schwerpunkt hingelegt habe, war die Reihenfolge dann wieder eine andere.

3Punkte. Jetzt nach oben wird es sehr subjektiv, ohne dass ich so recht sagen könnte, warum jetzt hier ein Punkt mehr oder weniger.

Gut geschrieben, gute Idee. Ende etwas zu plakativ.

Danke für den Text.
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John McCrea
Geschlecht:männlichLeseratte

Alter: 48
Beiträge: 165
Wohnort: OWL


BeitragVerfasst am: 06.04.2022 09:26    Titel: Antworten mit Zitat

Eine angenehm positive, lebensbejahende Geschichte, locker erzählt, in einem schnellen Duktus.
Ich mag den leicht selbst ironischen Humor.

Sprachlich empfinde ich die Geschichte auch als recht gut, eine Umgebungsbeschreibung wirkt, trotz des Tempos der Erzählung.
Meine 6 Punkte gibt es dafür.


_________________
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anderswolf
Geschlecht:männlichKlammeraffe


Beiträge: 850
Wohnort: Bad Nauheim


BeitragVerfasst am: 07.04.2022 13:07    Titel: Antworten mit Zitat

Könnte ein Traum sein, aber Lena hat ja die Feder des Wachpapageien: Luftmatratzenbeliegerin weckt Göttin aus Schlaf, die sich mit Infodump und Mittagessen bedankt.

Nun muss ja in einer Geschichte nicht alles Sinn ergeben, erst recht nicht beim Phantastik-Wettbewerb, aber warum denn die Gelegenheit, wenn sie sich schon so anbietet, nicht komplett beim Schopfe greifen? Warum heißt das Schiff, auf dem Persephone schläft, Hades? Also wie ihr Mann und auch das Totenreich? Warum nicht Styx oder Acheron, warum heißt der wachsame Gregorius nicht Charon? Warum ruft Lena "an Board" (fällt mir zwischendurch auf)? Warum treibt das Schiff der schlafenden Persephone in Ufernähe herum? Warum sagt Gregorios "Küss mich" statt "Küss sie"? Warum küsst Lena nicht den Vogel? Naja. Letzteres ist offensichtlich. Und warum ist Persephone denn schon im Sommer auf dem Rückweg in den Hades, wo sie doch selbst sagt, sie sei im Frühjahr und Sommer bei ihrer Mutter. Hat sie das Bügeleisen angelassen?
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Constantine
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Goldener Sturmschaden Weltrettung in Bronze


BeitragVerfasst am: 07.04.2022 13:09    Titel: Antworten mit Zitat

Bonjour Inkophone,

ich fand den Text nett. Die Geschichte plätschert vor sich hin, Lena hat während ihres Griechenland-Urlaubes auf dem Meer eine Begegnung der übernatürlich_griechischen Mythologie-Art und hält nen kurzen Schwatz mit Persephone und wird von ihr freundlich zurück an Land gebracht. Fertig.
Ist nicht sonderlich spannend, aber unterhaltsam wie eine Urlaubslektüre sein sollte.

Gregorios ist schlau, weiß bereits zu Beginn, dass Lena Deutsche ist, und spricht sie deutsch an, bevor Lena ein Wort sagt. Persephone hingegen zunächst nicht, als Lena dann antwortet, wechselt Persephone ins Deutsche.

Im Vergleich haben mir andere Text mehr zugesagt für die zehn Punkteränge. Es tut mir leid: zéro points.

Merci beaucoup
Constantine
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Michel
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BeitragVerfasst am: 08.04.2022 10:36    Titel: Antworten mit Zitat

Ich-Erzählerin Lena schwimmt auf der Luftmatratze hinaus und begegnet auf einem Piratenschiff Persephone, die ihre Geschichte erzählt. Am Ende wird Lena wieder in der Nähe des Hotel abgesetzt und bekommt als Erinnerung eine Feder mit.
Die Geschichte beginnt im Wasser und bleibt auch bis zum Schluss dort. Freundlich erzählt, baut sie für meinen Geschmack noch etwas zu wenig Spannung auf – aber die Begegnung mit Persephone bietet vielleicht auch nicht so viel davon. In meinem Kopf spänne es wohl weiter: Kommt Lena wohl in Gefahr, ebenfalls in die Unterwelt zu landen? Kann sie Persephone überreden, sie freizulassen? Das würde die potenzielle Fallhöhe noch mal deutlich erhöhen.


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nicolailevin
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Wohnort: Süddeutschland


BeitragVerfasst am: 09.04.2022 17:03    Titel: Antworten mit Zitat

Die deutsche Touristin Lena schwimmt irgendwo in Griechenland auf ihrer Luftmatratze im Meer, als sie auf ein verlassenes Schiff stößt. Sie geht an Bord, das Schiff verwandelt sich in ein antikes Gefährt, Lena entdeckt in der Kajüte eine schlafende Frau, küsst sie auf Anraten des krächzenden Papageis wach, und beim gemeinsamen Mahl erzählt die geheimnisvoll erwachte Schöne, dass sie Persephone sei und was ihre Geschichte ist. Dann verabschiedet sie Lena, um wie jeden Herbst wieder in die Unterwelt zu fahren.

Sprachlich haut mich das nicht vom Hocker, ist aber im Großen und Ganzen schon okay, die Perspektive der Lena ist vielleicht ein bisschen sehr strapaziert-naiv – ich meine: Wem bitte sagt der Begriff „Hades“ nichts? Erst recht, wenn er/sie in Griechenland urlaubt?

Mein größtes Problem aber ist der Nichtinhalt der Geschichte. Das ist die Original-Story von Persephone, wie ich sie in meiner Sammlung antiker Sagen oder bei Wikipedia nachlesen kann. Und sonst gar nichts, lediglich eingebettet in eine wenig originelle Rahmenhandlung. Und morgen trifft Lena dann im Olivenhain auf einen traurigen Straßenmusiker, der ihr erzählt, dass er Orpheus heißt und seine Frau tragischerweise durch einen Schlangenbiss verloren hat?

Sorry, ich vermisse hier einfach eigene Schöpfungshöhe in der Kerngeschichte. Simples Nacherzählen einer altbekannten Sage und Einbetten ist mir für Punkte zu wenig.
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