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Anfang erstes Kapitel (Fantasy)


 

 
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Miné
Geschlecht:weiblichWortedrechsler

Alter: 36
Beiträge: 70
Wohnort: Köln


BeitragVerfasst am: 24.03.2022 21:34    Titel: Anfang erstes Kapitel (Fantasy) eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Freue mich über jeden Kommentar! rotwerd


„Wenn das so weiter geht, können wir umdrehen“, sagte Nin und lehnte sich auf seinem schwarzen Hengst zurück. Reiten war äußerst komfortabel und ungewohnt. Genau wie sein schwerer Wollmantel. Nin hatte fast ein schlechtes Gewissen, ihn zu tragen.  
Der Kommandant Hunter, der neben Nin an der Spitze der Truppe ritt, schien damit kein Problem zu haben. Er trug stolz einen silbernen Pelzmantel, der farblich hervorragend zu seinen eisblauen Augen passte. „Wieso sollen wir umdrehen?“, fragte er und tastete eitel über sein schneeweißes Haar. Es war an den Seiten und am Hinterkopf kurz geschoren, der obere Teil lang. Hunter trug ihn streng zu einem Zopf zusammengebunden, wodurch sein quadratisches Gesicht zum Vorschein kam.
„Weil schon wieder jemand tot umgefallen ist“, antwortete Nin kleinlaut und zog peinlich berührt seinen Mantel enger. „Vermutlich erfroren.“ Er drehte den Kopf und schaute über seine Schulter. Sein halblanges, dunkelbraunes Haar schwang lässig mit.
„Wir halten auf gar keinen Fall an.“ Hunter streckte seinen Schwanenhals und hielt sein breites Kinn hoch. Es wurde von einem Vollbart bedeckt, der den Großteil seiner Lippen verschlang. „Meine Männer würden mir das als Schwäche auslegen.“
Nin hingegen hatte seinen Bart hauchdünn gestutzt und bis zum äußersten Gesichtsrand abrasiert. „Deine Männer“, murmelte er und kniff seine meeresgrünen Augen zusammen, in der Hoffnung, das alles nur zu träumen. Er erkannte seinen besten Freund Hunter überhaupt nicht wieder.
„Ja, meine Männer“, antwortete Hunter. Seine Gesichtszüge waren steinhart, seine Stimme eiskalt. Genau wie die Temperatur. Schnee lag meterhoch.
„Ich bin zum Kommandanten ernannt worden, schon vergessen?“ Hunter hielt seine behandschuhte Hand hoch und deutete auf einen protzigen Edelstein an seinem Finger.
„Deine Männer brechen fortlaufend zusammen.“ Nin zeigte auf die Soldaten. Sie marschierten frierend hinter ihnen her, eingeengt von kahlen Tannen und Sträuchern.
Hunter nahm kurz den Kopf hinab, bevor er ihn wieder in die Höhe streckte. „Unsere Mission lautet, die Aussätzigen in das entseelte Tal zu bringen. Das ist alles, was zählt.“
Nin widerstand der Versuchung sich umzudrehen und die Todkranken oder die Soldaten anzusehen. Zu sehr schmerzten die verzweifelten Blicke. „Deine Truppe schrumpft“, sagte er.
„Was erwartest du?“, fragte Hunter. „Die Aussätzigen haben die Pest und meine Männer scheinen der Mission nicht gewachsen.“
„Blödsinn! Sie erfrieren!“ Nin zog ruckartig seinen Hengst an Hunters Schimmel heran. „Halt die Truppe an und lass ein Feuer errichten.“
„Dafür ist keine Zeit“, sagte Hunter. „Wir haben seit Tagen nichts mehr gegessen und unsere Vorräte sind aufgebraucht. Wenn wir nicht bald das entseelte Tal erreichen …“
„Anhalten“, schrie Nin und wandte sich samt Hengst den Soldaten zu. Sie umzingelten die Aussätzigen. Um den Mund hatten sie Tücher gebunden, die ihr jugendliches Alter verbargen. Sie schauten Nin ausdruckslos an und ignorierten, dass Hunter einfach weiter ritt.
„Wir rasten“, sagte Nin. „Sammelt Holz …“
„Ich bin der Kommandant.“ Hunter drehte sich bitterböse auf seinem Schimmel um. „Ich gebe die Befehle!“
„Dann befehle“, antwortete Nin und deutete auf die Truppe. Ein Aussätziger trat vor und öffnete den Mund. Doch bevor er etwas sagen konnte, fiel er auf die Knie und anschließend vorwärts.

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Maunzilla
Reißwolf


Beiträge: 1712



BeitragVerfasst am: 25.03.2022 02:10    Titel: Antworten mit Zitat

Den Stil zu bewerten, verkneife ich mir, weil ich kaum Fantasy und Zeitgenösssiches lese. Darin bin ich nicht versiert. Schlecht finde ich es nicht, vielleicht ein bißchen roh noch, jedoch für einen Anfang fehlen mir die Informationen, wer die Leute sind, wo das ganze spielt usw. Ein Buch ist kein Film, da muß man den Lesern schon ein bißchen etwas erklären. wink

Ein paar Ungereimtheiten möchte ich dennoch aufzeigen:
1. Wie lehnt man sich auf einem Pferd zurück? Das hat keine Rückenlehne wie ein Stuhl. ^^"
2. Reiten ist nicht komfortabel; schon gar nicht, wenn man es nicht gewohnt ist.
3. Wenn der Schnee meterhoch liegt, wie können die Leute dann marschieren? Selbst Pferde hätten Mühe, zu laufen, wenn sie bis zum Bauch einsinken.
4. Sind die Leute aussätzig oder haben sie die Pest? Das sind zwei unterschiedliche Krankheiten. Bei der Pest allerdings wären sie viel zu krank und schwach, um sich auf den Beinen zu halten.
5. Grüne Augen sind extrem selten und treten ausschließlich in Verbindung mit rötlich- bis dunkelblonden Haaren auf.
6. Der Imperativ von befehlen lautet befiehl!


_________________
"Im Internet weiß keiner, daß du eine Katze bist." =^.^=
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Minerva
Geschlecht:weiblichKlammeraffe


Beiträge: 717

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BeitragVerfasst am: 25.03.2022 09:13    Titel: Antworten mit Zitat

Maunzilla hat Folgendes geschrieben:

5. Grüne Augen sind extrem selten und treten ausschließlich in Verbindung mit rötlich- bis dunkelblonden Haaren auf.


Mein Ex war mittelbrünett und hatte grüne Augen Rolling Eyes


_________________
... will alles ganz genau wissen ...
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HansGlogger
Geschlecht:männlichLeseratte

Alter: 63
Beiträge: 168
Wohnort: Bayern


BeitragVerfasst am: 25.03.2022 10:25    Titel: Antworten mit Zitat

Ich schließe mich Maunzilla an. Das mit der Pest und Lepra (Aussatz)
fiel mir auch auf. Die grünen Augen sind aber in Ordnung. Mein Sohn hat auch welche und dunkles Haar dazu.

Dazu kommt:
Zitat:
„Halt die Truppe an und lass ein Feuer errichten.“


Feuer macht man. "machen" aber ist verpönt. Sagen Ratgeber.
Ich würde es hier trotzdem verwenden.
Wenn es denn nicht sein soll: Ein Feuer entfachen/anzünden. Aber  klingt auch nicht gut. Am besten, wenn "machen" vermieden werden soll.
"Lasst sie Feuerholz sammeln!"
Zitat:
Sein halblanges, dunkelbraunes Haar schwang lässig mit.


Hat der bei der Kälte keine Mütze / Hut auf?
Die Szenen soll man sich immer bildlich vorstellen.
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Levo
Eselsohr


Beiträge: 499



BeitragVerfasst am: 25.03.2022 11:24    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:


„Wenn das so weiter geht, können wir umdrehen“, sagte Nin und lehnte sich auf seinem schwarzen Hengst zurück. Reiten war äußerst komfortabel und ungewohnt. Genau wie sein schwerer Wollmantel. Nin hatte fast ein schlechtes Gewissen, ihn zu tragen. Interessante Charakterisierung. Er ist offenbar keinen "Komfort" gewohnt, kann aber reiten, ohne dass ihm Rücken und Beine zerbrechen, und bekommt einen Hengst gebändigt. Er ist also ein erfahrener Reiter, der lange nicht geritten ist? Schön ge-show-t! Obwohl ich "äußerst" übertrieben finde – ich würde es streichen, dann gewinnt der Text Macht.
Der Kommandant Hunter, der neben Nin an der Spitze der Truppe ritt, schien damit kein Problem zu haben. Er trug stolz einen silbernen Pelzmantel, der farblich hervorragend zu seinen eisblauen Augen passte Ist das wichtig an dieser Stelle? Ich würde lieber wissen:. „Wieso sollen wir umdrehen?“, fragte er und tastete eitel über sein schneeweißes Haar. Dieser eine Satz erzeugt in mir mehr Bild als die folgende Beschreibung: Es war an den Seiten und am Hinterkopf kurz geschoren, der obere Teil lang. Hunter trug ihn streng zu einem Zopf zusammengebunden, wodurch sein quadratisches Gesicht zum Vorschein kam. Ist das alles wichtig oder kann das weg? Es langweilt, weil es keinen Impact auf die Handlung hat, außer, dass es sie unterbricht.
„Weil schon wieder jemand tot umgefallen ist“, antwortete Nin kleinlaut und zog peinlich berührt seinen Mantel enger. „Vermutlich erfroren.“ Er drehte den Kopf und schaute über seine Schulter. Sein halblanges, dunkelbraunes Haar schwang lässig mit. Dreht er seinen Kopf, damit Du die Haare und ihr Schwingen beschreiben kannst? Die Bewegung scheint mir sonst unmotiviert. Den Umgefallenen hat er schließlich schon gesehen. Interessant auch, dass keiner nachsieht, ob der Umgefallene wirklich tot ist.
„Wir halten auf gar keinen Fall an.“ Hunter streckte seinen Schwanenhals und hielt sein breites Kinn hoch. Es wurde von einem Vollbart bedeckt, der den Großteil seiner Lippen verschlang. Nee, das ist mir zu viel an Beschreibung. Hier fehlt ja nur noch das eingeklebte Foto. Ist das Aussehen so wichtig, dass es die Handlung ständig unterbrechen muss? „Meine Männer würden mir das als Schwäche auslegen.“
Nin hingegen hatte seinen Bart hauchdünn gestutzt und bis zum äußersten Gesichtsrand abrasiert. Gähn. Jetzt würde ich das Buch weglegen. Du willst mich doch in Deine Welt saugen. Das funktioniert nicht, wenn Du mir einen Frisurenkatalog vorhältst. Du klaust Deiner Story jede Spannung. „Deine Männer“, murmelte er und kniff seine meeresgrünen Augen zusammen, in der Hoffnung, das alles nur zu träumen. Er erkannte seinen besten Freund Hunter überhaupt nicht wieder.
„Ja, meine Männer“, antwortete Hunter. Seine Gesichtszüge waren steinhart, seine Stimme eiskalt. Genau wie die Temperatur. Schnee lag meterhoch wie ich hoffe, neben dem Weg. Sonst kann man ja gar nicht umfallen, nur versinken.
„Ich bin zum Kommandanten ernannt worden, schon vergessen?“ Hunter hielt seine behandschuhte Hand hoch und deutete auf einen protzigen Edelstein an seinem Finger.
„Deine Männer brechen fortlaufend zusammen. Fortlaufend? Permanent? Nacheinander? Immer wieder? Was meinst Du? Nin zeigte auf die Soldaten. Sie marschierten frierend hinter ihnen her, eingeengt von kahlen Tannen und Sträuchern.
Hunter nahm kurz den Kopf hinab wie? Er nimmt den Kopf ab?!, bevor er ihn wieder in die Höhe streckte Das erzeugt ein ganz falsches Bild vor meinem inneren Auge ... Ich nehme an, Du meinst, dass er kurz auf den Boden blickt?. „Unsere Mission lautet, die Aussätzigen in das entseelte Tal zu bringen. Das ist alles, was zählt.“
Nin widerstand der Versuchung sich umzudrehen und die Todkranken oder die Soldaten anzusehen. Zu sehr schmerzten die verzweifelten Blicke. „Deine Truppe schrumpft“, sagte er. Es tut mir leid, aber Du zerhackst die Dialogzeilen so, dass kein Dialog entsteht. Ich musste jetzt einmal die Dialogzeilen am Stück zusammensuchen, um das Thema des Gesprächs zu finden.
„Was erwartest du?“, fragte Hunter. „Die Aussätzigen haben die Pest Das sind zwei Krankheiten, aber vielleicht haben sie "Läuse und Flöhe" und meine Männer scheinen der Mission nicht gewachsen.“
„Blödsinn! Sie erfrieren!“ Nin zog ruckartig seinen Hengst an Hunters Schimmel heran. „Halt die Truppe an und lass ein Feuer errichten.“ anzünden
„Dafür ist keine Zeit“, sagte Hunter. „Wir haben seit Tagen nichts mehr gegessen und unsere Vorräte sind aufgebraucht. Wenn wir nicht bald das entseelte Tal erreichen …“
„Anhalten“, schrie Nin und wandte sich samt Hengst den Soldaten zu. Sie umzingelten die Aussätzigen. Um den Mund hatten sie Tücher gebunden, die ihr jugendliches Alter verbargen. Sie schauten Nin ausdruckslos vorher waren es verzweifelte Blicke, die er nicht ertragen wollte an und ignorierten, dass Hunter einfach weiter ritt. Der lässt es sich gefallen?
„Wir rasten“, sagte Nin. „Sammelt Holz …“
„Ich bin der Kommandant.“ Hunter drehte sich bitterböse auf seinem Schimmel um. „Ich gebe die Befehle!“
„Dann befehle befiehl“, antwortete Nin und deutete auf die Truppe. Ein Aussätziger trat vor und öffnete den Mund. Doch bevor er etwas sagen konnte, fiel er auf die Knie und anschließend vorwärtsnach vorn.

Ich sehe den Konflikt am Horizont, der ein großes Potenzial hat. Eine Freundschaft am Zerbersten wegen eines Machtgefälles. Aber er erreicht mich nicht, weil der Streit durch Unwichtiges zergliedert wird und nicht zur Hochform aufläuft. Stattdessen fällt ein Sterbender um. Das reißt mich so nicht vom Hocker. Du willst doch, dass der Leser weiterlesen möchte. Ich sehe noch niemanden, mit dem ich mitfiebern kann. Nin scheint empathischer als Hunter zu sein, aber Hunter hat einen (militärischen?) Auftrag. Welche Kompetenzen hat Nin? Was ist seine Rolle in dem Krankenkonvoi? Wieso glaubt er, dass die Soldaten auf ihn hören sollten? Da interessieren mich Bartfrisuren und meeresgrüne Augen nicht ... Bring Feuer in den Text, Tempo, Konflikt! Die Anlagen dafür hat er ja.
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Ralphie
Geschlecht:männlichForenonkel

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BeitragVerfasst am: 25.03.2022 13:19    Titel: Antworten mit Zitat

Maunzilla hat Folgendes geschrieben:


3. Wenn der Schnee meterhoch liegt, wie können die Leute dann marschieren? Selbst Pferde hätten Mühe, zu laufen, wenn sie bis zum Bauch einsinken.



Außerdem ist Meter ein französisches Längenmaß und passt nicht in eine Fantasywelt.

Ich schlage Folgendes vor: Über Nacht war Neuschnee gefallen, sodass man die Spuren von Rehen und Kaninchen erkennen konnte.

Und als Ersatz für meeresgrün schlage ich turmalingrün oder smaragdgrün vor.
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cheeky_rakoon
Gänsefüßchen

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Beiträge: 28
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BeitragVerfasst am: 25.03.2022 20:59    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich stimme Levo zu. Ich würde den Text auch ausdünnen, was das Aussehen der Charaktere betrifft.
Die Dialoge finde ich grundsätzlich gut. Lass Nin und Hunter doch ein wenig mehr sprechen ohne jede Muskelregung zu beschreiben.

lg
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Ralphie
Geschlecht:männlichForenonkel

Alter: 69
Beiträge: 6274
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BeitragVerfasst am: 26.03.2022 10:10    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn Nin und Hunter deine Protagonisten sind, würde ich mir an deiner Stelle noch mal die Namen überdenken.

LG
Ralphie
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Murnockerl
Geschlecht:weiblichEselsohr


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Wohnort: Graz


BeitragVerfasst am: 26.03.2022 10:46    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Miné!

Ich habe den Text gern gelesen. Er ist flüssig und du kommst sehr schnell auf den Punkt und reißt den sich anbahnenden Konflikt an, sodass ich bereits jetzt neugierig bin, in welcher Beziehung Nin und Hunter genau stehen und wie sich die Auseinandersetzung zwischen ihnen weiter entwickeln wird.
Mich stören allerdings auch die vielen Beschreibungen. Es muss nicht das Aussehen von jeder Figur genau beschrieben werden und auch nicht jede Beschreibung ein oder mehrere Adjektive enthalten. Außerdem beschreibst du ja aus Sicht von Nin, dementsprechend solltest du vor allem Dinge erwähnen, die für ihn relevant sind. Z.B. würde wohl niemand an seine eigene Augenfarbe denken, dementsprechend brauchst du die nicht zu erwähnen, wenn er seine Augen zusammenkneift. Dem entgegen kann es für Nins Perspektive sehr wohl relevant sein, dass Hunter seinen Bart anders trägt und protziger auftritt als er selbst - diese Beschreibungen dürfen/sollen also bleiben.
Darf ich außerdem fragen, wie alt Hunter ist? Ich hätte die beiden ihrer Position nach auf ein mittleres Alter geschätzt, aber das weiße Haar lässt es klingen, als wäre er schon ziemlich alt. Wenn er trotz (relativer) Jugend schon weißes Haar hat (wegen eines Traumas oder was auch immer), würde ich das gleich anfangs erwähnen, um Verwirrung vorzubeugen.

Wieso sterben eigentlich die (mutmaßlich jungen und gesunden) Soldaten, während die Aussätzigen, die ja deutlich schwächer sein sollten, scheinbar noch in größerer Zahl am Leben sind? Und sind die Aussätzigen wirklich aussätzig oder haben sie die Pest? Das sind nämlich unterschiedliche Krankheiten.

Was ich mich noch frage - aber das wirst du vermutlich im späteren Text ohnehin anreißen - ist, wie sich die Figuren ihre Mission rechtfertigen. Aussätzige zu einem Ort abzutransportieren, wo sie vermutlich verelenden und verhungern werden, ist ziemlich eindeutig unmoralisch und kann man sich, denke ich, auch schwer mit "Pflicht ist Pflicht" schön reden. Deine Figuren werden aber als sympathisch und scheinbar schon irgendwie ehrlich überzeugt (wenn auch in Hunters Fall fehlgeleitet) dargestellt. Deshalb frage ich mich, wie das aus ihrer Sicht zusammenpasst.

Den Namen Nin finde ich ok, bei Hunter stimme ich allerdings Ralphie zu, den würde ich ändern, weil da bei mir im Hinterkopf die englische Bedeutung mitschwingt. Und ich nehme mal an, die Geschichte spielt in einer Fantasywelt, wo es die Sprache Englisch nicht gibt und "Hunter" einfach nur ein Name und keine Bezeichnung für einen Jäger ist?

Zuletzt noch ein paar Anmerkungen:

Zitat:
Hunter hielt seine behandschuhte Hand hoch und deutete auf einen protzigen Edelstein an seinem Finger.


Trägt er den Ring über dem Handschuh? Ich kann mir das grade schlecht vorstellen.

Zitat:
Hunter nahm kurz den Kopf hinab, bevor er ihn wieder in die Höhe streckte.


Das klingt etwas komisch. Meinst du, dass er den Kopf senkt? Oder dass er vom Pferd hinunter auf die Männer blickt und dann wieder hochnäsig in die Luft schaut?

Zitat:
Doch bevor er etwas sagen konnte, fiel er auf die Knie und anschließend vorwärts.


Das finde ich auch wieder unklar ausgedrückt. Vielleicht etwas in die Richtung "kippte er nach vorne zu Boden" oder "fiel er flach zu Boden".

LG Murnockerl
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Ralphie
Geschlecht:männlichForenonkel

Alter: 69
Beiträge: 6274
Wohnort: Elsdorf
DSFo-Sponsor


BeitragVerfasst am: 26.03.2022 11:34    Titel: Antworten mit Zitat

Den Namen Nin ordne ich mehr einer Frau zu. Kein Elternpaar würde seinen Sohn mit so viel weichen Konsonanten ausstatten. Wie wär's mit Medoc oder Preillac?
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Murnockerl
Geschlecht:weiblichEselsohr


Beiträge: 230
Wohnort: Graz


BeitragVerfasst am: 26.03.2022 12:07    Titel: Antworten mit Zitat

Also ich finde weiche Männernamen durchaus schön und in dem Fall ja scheinbar auch passend.
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John McCrea
Geschlecht:männlichLeseratte

Alter: 48
Beiträge: 165
Wohnort: OWL


BeitragVerfasst am: 26.03.2022 12:38    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Miné,

zunächst zu Murnockerl Hinweisen:


Murnockerl hat Folgendes geschrieben:
Hallo Miné!


Zuletzt noch ein paar Anmerkungen:

Zitat:
Hunter hielt seine behandschuhte Hand hoch und deutete auf einen protzigen Edelstein an seinem Finger.


Trägt er den Ring über dem Handschuh? Ich kann mir das grade schlecht vorstellen.

Zitat:
Hunter nahm kurz den Kopf hinab, bevor er ihn wieder in die Höhe streckte.


Das klingt etwas komisch. Meinst du, dass er den Kopf senkt? Oder dass er vom Pferd hinunter auf die Männer blickt und dann wieder hochnäsig in die Luft schaut?

Zitat:
Doch bevor er etwas sagen konnte, fiel er auf die Knie und anschließend vorwärts.


Das finde ich auch wieder unklar ausgedrückt. Vielleicht etwas in die Richtung "kippte er nach vorne zu Boden" oder "fiel er flach zu Boden".

LG Murnockerl


Ich habe zumindest in Fantasy oder Märchenfilmen schon oft gesehen, dass der Ring über dem Handschuh getragen wurde und halte das somit auch für historisch.

Den Ausdruck "fiel er auf die Knie und anschließend vorwärts." empfinde ich als wesentlich stärker als Murnockerls Vorschläge.



Zu meiner Kritik:
Fantasy ist nicht mein Genre. Mir sind die typischen Ausführungen zum Phänotyp und zur Charakterisierung zu stereotyp und zu stark, allerdings wohl so üblich.
Ich kann mich auch nicht erinnern einmal "meeresgrüne" Augen gesehen zu haben. Selbst wenn die Augen überhöht dargestellt werden sollen, so ist meeresgrün schwierig, da sich Meer überwiegend blau darstellt.
Somit müsste das Meer genauer ausgeführt werden oder Du greifst dann tatsächlich auf Turmalin oder Smaragd zurück.

Mit dem Namen "Nin" für einen Mann habe ich mich ebenfalls noch nicht so angefreundet, aus den von Ralphie angeführten Gründen, aber das kann ja ein bewusster Kontrast sein in der Charakterisierung.
"Hunter" ist natürlich ein Anglizismus, ebenso hier, solltest Du genau überlegt haben, aus welchen Grund.


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Skatha
Geschlecht:weiblichLeseratte


Beiträge: 189
Wohnort: Alpenraum


BeitragVerfasst am: 26.03.2022 15:37    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Miné,

an sich eine beklemmende Szene; es ist kalt, die Truppe erschöpft, Hunger und Krankheit geht um. Die detaillierten Beschreibungen von Aussehen, Gesten und Mimik sind allerdings auch mir teils zu viel und bremsen das Tempo der Handlung.

Du hast schon einiges an Feedback bekommen, daher von meiner Seite noch ergänzend ein paar Gedanken zu den Reitformulierungen:

Nin zog ruckartig seinen Hengst an Hunters Schimmel heran.
Er sitzt noch auf seinem Hengst oder? 'Ziehen' fände ich passender, wenn er daneben steht und das Pferd am Halfter oder Zügel hält. Wobei ich zu 'führen' raten würde oder schlicht 'er ritt näher...'. Ein Pferd ziehen - und gar ruckartig - klingt eher nach einem Reiter, der nur bedingt weiß, was er tut und dem das Tier egal ist.

„Anhalten“, schrie Nin und wandte sich samt Hengst den Soldaten zu.
Nicht er wendet sich mitsamt dem Pferd, sondern 'er wendet das Pferd'. zB ..schrie Nin und wendete seinen Hengst (auf der Hinterhand)...

weiter ritt weiterritt

Hunter drehte sich bitterböse auf seinem Schimmel um.
Er dreht sich nicht auf dem Pferd um, außer vielleicht er ist am Voltigieren. Auch hier: Er wendet seinen Schimmel.
Oder meinst du, er blickt zurück?
Alternativ, nachdem Hunter am Weiterreiten war und somit wohl schon etwas entfernt zB „Ich bin der Kommandant“, rief Hunter und parierte durch. „Ich gebe die Befehle!“

Ich bin kein Profi, was Reiten oder Reitformulierungen anbelangt, also bitte hinterfrage ruhig alles. Mir hilft bei sowas nur Recherche und zB in Bücher reinlesen, in denen Pferde und Reiten vorkommen. Da kann man sich ein paar gute Anregungen holen.

LG Skatha


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Das Unmögliche möglich machen, das Mögliche leicht und das Leichte elegant. (M. Feldenkrais)
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SannyB
Geschlecht:weiblichLeseratte


Beiträge: 117
Wohnort: BaWü


BeitragVerfasst am: 27.03.2022 11:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Miné,

Diesem Kommentar kann ich mich voll anschließen:
"Reiten ist nicht komfortabel; schon gar nicht, wenn man es nicht gewohnt ist."
Ich hatte bei meinen Reiterferien immer schnell Muskelkater und Schmerzen, wo man sie sonst nicht kennt... natürlich ist es trotzdem bequemer, als kilometerweit zu laufen.

Mir fehlt noch etwas das erzählerische, Levo hat diesbezüglich schon Anmerkungen gemacht.
Und, gerade nach Corona, sträuben sich mir die Haare beim Gedanken, Leprakranke zu begleiten. Ich würde da nicht nur auf ein Tuch vorm Gesicht setzen, sondern auf seeeehr viel Abstand. Hat man die früher nicht einfach aus dem Dorf gescheucht? Aber wahrscheinlich erklärst Du den Hintergrund später noch.


Wenn dies der Anfang, also die ersten Zeilen Deines Romans sind, würde ich überlegen, noch stärker anzufangen, um die Leser schon mit dem ersten Satz einzufangen. Etwa:

Ein kräftiger Soldat brach zusammen und blieb reglos im Schnee liegen.
Nin, der gemeinsam mit Kommandant Hunter den Zug anführte, hörte die Männer raunen.
„Wenn das so weiter geht, können wir umkehren“, sagte Nin. Ihn plagte sein Gewissen, denn ihn wärmten ein schwerer, schwarzer Wollmantel und der schwarze Hengst, auf dem er ritt, wärend der Rest der Truppe erbärmlich fror.


Viele Grüße und viel Spaß beim Weiterschreiben!
Sanny
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Andreas53
Geschlecht:männlichGänsefüßchen


Beiträge: 27



BeitragVerfasst am: 01.04.2022 14:27    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Nin setzt sich durch. Er hat Mut. Das gefällt mir.

Am Stil noch etwas arbeiten, weniger Beschreibungen, und was die anderen schon angemerkt haben.

Grüße

Andreas
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