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Ich war lange nicht mehr in diesen Forum


 

 
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Coel
Geschlecht:männlichGänsefüßchen


Beiträge: 26



BeitragVerfasst am: 28.02.2022 02:37    Titel: Ich war lange nicht mehr in diesen Forum eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich war lange nicht mehr in diesem Forum. Es gab private Gründe und eine furchtbare, grauenhafte Zeit liegt hinter mir. Ich konnte auch nicht mehr schreiben, alles brach hinter mir zusammen, mein ganzes Leben.
Jetzt habe ich mich wieder durchgerungen, nach vorne zu sehen. Und das heißt auch wieder anfangen zu schreiben. Vielleicht kann ich dann auch diese Zeit hinter mir lassen.
Ich betrachte mich deshalb in diesem Forum wie ein Neuankömmling, und poste allen schlechten Zeiten zum trotz, ein paar Seiten, einfach mal so aus dem Handgelenk geschrieben. Es gibt eine Idee zu einer längeren Geschichte, aber noch keinen Plot. Das entwickelt sich erst noch, je länger ich schreibe. Also aus dem Bauch heraus.

(Hat noch keinen Titel)

Der Wind war mein Freund. Wenn er durch die Blätter der Bäume fegte, und er ihnen so das Leben gab, dann erzählte er mir von Ferne. Schatten tanzten im Licht der Sonne auf den Boden. Da war ein Rauschen in der Luft, und mir kam es vor wie ein Lied über das weite Land, aus dem er kam. Ein tiefes Schaudern vor der Kraft dieses Freundes ergriff mich, der wie aus einer anderen Sphäre, die Wolken vor sich hertrieb. Ich konnte diese unsichtbare Welt erspüren, einer Ahnung gleich von seinem Wesen. Erschaffen wurde seine Seele in der Welt der Träume, wie der Wiederschein von Schatten.
Von meinen Garten, der hinter dem Haus lag, sah ich hinab weit ins Land. Wie Wellen in einem Meer bog der Wind das Korn der Felder, die wie Gold in der Sonne, eine besondere Magie erschufen. Ich liebte das Lärmen der Vögel vom Waldrand, der an diesen Garten grenzte. Ab und an erfasste mich ein kalter Hauch, der von den Bergen kam. Sie wurden die weißen Wächter genannt. Selbst im Sommer lag auf ihren Gipfeln der Schnee. Sie beschützten das Tal vor den kalten Winden der Northernlande, und den heißen Atem einer Ödnis nach dem großen, dem allerletzten Krieg. Dieses Tal, meine Heimat, war ein fruchtbares Land, ein Juwel, wie eine Oase in der verwüsteten Welt. Tiefe dunkle Wälder wechselten sich ab mit Weiden und Wiesen. Kleine Wasserläufe, die von den Bergen kamen, mündeten in den Fluss Branwen. Er schlängelte sich durch das Tal, und durchbrach, in der Schlucht der Schreie, das Gebirge. Dahinter lag eine Einöde, verwüstet von dem großen Krieg, unbewohnt, und nur Wölfe lebten darin. Diese kamen bisweilen über die Berge, und manchmal hörte man sie heulen, wie auch an jenem Tag, an dem sich mein Leben für immer veränderte. Mir tat von der Gartenarbeit der Rücken weh, und müde auf meine Harke gestützt, schloss ich die Augen. Licht flimmerte, der Wind strich durch meine Haare, und von weitem hörte ich sie heulen, die großen weißen Wölfe. Und sofort hatte ich die alten Geschichten im Kopf, die man sich erzählte. Ein Land voller grauer Asche und Ruinen.
Plötzlich war es still ... Und in diese Stille vernahm ich die Stimme einer Toten. Ich hörte stehts Lylly sprechen, meine Mutter, die ich nicht loslassen konnte, und deren Stimme mich verfolgte. Erschrocken öffnete ich die Augen. Wolken waren zwischen den Gipfeln der Berge aufgezogen, und verschleierten die Sonne. Die Vögel vom nahen Waldrand schwiegen, das Sonnenlicht verblasste. Meine Hände zitterten. Ein Gewitter kam über die Berge. Ihre Gipfel waren jetzt in Wolken gehüllt und Blitze schossen daraus zur Erde. Ein Sturmwind riss an meinen Kleidern, und die Fensterläden des Hauses hinter den Garten klapperten laut. Ich flüchtete in die Küche, knallte die Tür erleichtert zu, und ließ mich auf der Bank vor dem Küchentisch nieder.
Die Welt wurde draußen dunkel, genau so wie dieser Raum, und in dieser Dunkelheit lag etwas bedrohliches. Es war die Präsenz einer Toten, die in unendlich vielen Bildern meine Erinnerung nicht losließ. Einem zerbrochenem Spiegel gleich, fügten sich die Scherben meiner Kindheit zu einer dämonischen Welt. Der Regen prasselte auf das Dach, und rann an dem Küchenfenster herunter. Es war gewöhnlicher Regen, nicht grau, nicht schwarz, und man konnte davon nicht krank werden. Ich wollte nicht hier sein, aber ich musste es, denn dieses Haus war meine Heimat, so vertraut, und doch ein Ort voller Schatten. Das Gewitter verschwand, so schnell wie es kam. Im Spätsommer gab sich das Wetter unberechenbar. Ich mochte die Zeit nicht, es gab wenig zu tun im Garten. Erst im Herbst würden die Äpfel reif, und ich könnte so viel auf dem Markt verkaufen, um für den Rest des Jahres, wenn auch sehr bescheiden, fast davon leben.
Am Nachmittag kam wie immer meine Schwester Vika. Heute war Montag, ein Tag, an dem sie es sich nicht nehmen ließ, mich heimzusuchen. Wenn sie kam, dann hatte ich Mutter im Haus. Vika war wie Mutter, hatte ihre Härte, ihre Strenge, ihre Art zu reden, und mir lief jedes Mal ein Schauer über den Rücken.
So stiefelte Vika ungebeten in die Küche, laut, polternd, und mit einem verkniffenen Gesicht. Ihr kurzes Haar war gescheitelt, und sie in Uniform wie immer. Sauber, adrett, geschminkt, gepudert, und voller falscher Freundlichkeit.
»Einen guten Tag wünsch ich«, sagte sie, und machte es sich auf der Küchenbank bequem.
»Wie gehts denn meiner kleinen Schwester Carry«, fuhr sie mit schneidend lauter Stimme fort.
Ich stand am Herd, rührte in einem Topf mit Suppe, und hätte diesen am liebsten über Vika ausgeleert.
»Hör auf, mich kleine Schwester zu nennen!«, raunzte ich sie an.
»Hast du noch was zu essen, soll ich was bringen lassen?«, fragte Vika ungerührt, und mit einer Kälte in ihrer Stimme, die mich frieren ließ.
Ich zögerte. Am liebsten hätte ich nein gesagt, und sie rausgeschmissen. Aber ich war auf Vika angewiesen.
»Lass Gunda was bringen«, sagte ich wie beiläufig, ohne mich nach ihr umzudrehen. »Also so wie immer«, rief Vika, lachte höhnisch, und klatschte in die Hände.
Jetzt drehte ich mich doch seufzend um, denn ich wusste, was jetzt aus ihren Mund kommen würde. Bei meiner Antwort wollte ich ihr in die Augen sehen, wollte ihren starren Blick aushalten.
»Du musst das alles nicht haben«, fing sie an, mit sanfter Stimme zu sprechen. »Verkauf das Haus, und komm zu mir in den Verwaltungshof. Ich kann dir eine gute Anstellung besorgen«.
»Nein!«, sagte ich entschieden. Nie und nimmer würde ich mein Leben in ihre Hände legen, nein, und nochmal nein!
Vika lachte wieder.
»Meine kleine Schwester Carry, kratzbürstig wie immer«
Es war das Lachen meiner Mutter, und mir wurde beinahe übel.
Diese Abhängigkeit von ihr brachte mich fast um den Verstand, und das ich nicht viel mit den Garten verdienen konnte. Dieses alte Haus, mit seiner furchtbaren Vergangenheit, in dem es zog, von allem Unguten bewohnt, sollte ich es wirklich aufgeben? Aber wo sollte ich hin, außer zu Vika auf den Verwaltungshof, unter ihrem Kommando, wie ein Hund.
Ich wollte sie los sein.
»Ist noch was?«, sagte ich kalt.
Vika legte ihre Hände auf den Küchentisch, und betrachtete sie.
»Elen hat geschrieben«.
»Elen ...?«
»Ja, da staune ich auch«.
»Elen kann schreiben?
Unfasslich. Elen hatte sich gemeldet. Elen meine jüngere Schwester, das Sorgenkind und seit Jahren nicht mehr gesehen.
Umständlich zog Vika einen Brief aus ihren Wamps, und knallte ihn auf den Küchentisch. Mit zitternden Händen nahm ich ihn, und ging damit zum Fenster ins Licht.
Der Brief war zerknittert, und voller Tintenflecken. Er war weit gereist, das sah man ihn an.
»Libe Schwester Vika«, begann ich zu lesen. »Get es diar gut. Miar get es nich gut. Elen mus fiel abeiten, Elen hat Hunga, Elen friert. Keine gute Sache. Hilfe, Hilfe. Hoffe Brif kommt an. Elen«
Ich ließ meine Hände mit diesen kurzen Brief sinken, und sah einen Moment zum Fenster hinaus. Elen konnte schreiben, wenn auch nicht gut.
 Aber viel Arbeit ... Hungern ... Frieren... Hilfe?.
Elen, unsere Schwester, sie musste jetzt siebzehn Jahre alt sein. Mit zwölf hatte Mutter sie weggegeben. Ich weiß es noch wie heute, wie ich geweint habe, und mich an sie geklammert. Wie der Elektrowagen mit ihr langsam den Weg hinunterfuhr, verschlang mich das Leid. Sie hatte sich nach mir umgedreht. Ihr entsetztes Gesicht sehe ich noch heute vor mir. Damals wuchs meine Wut auf Mutter ins Unendliche. Ich stand eines morgens mit einer Schere bewaffnet da, und hatte Mordgedanken. Mit fünfzehn Jahren war die Welt für mich wie ein tiefes Loch. Vika stand da schon auf der Seite von Mutter, um den Terror von ihr zu entgehen.
»Von woher kam dieser Brief«, fragte ich.
Vika zuckte mit den Schultern.
»Ich weiß es nicht«, sagte sie. »Es stand kein Absender dabei. Der Brief kam heute Morgen mit dem Kurier von der Eisenbahn. Es stand nur ... An Vika Gwand in Twyryll darauf«
Ich schwieg, war immer noch verblüfft, und kämpfte mit meiner Fassungslosigkeit.
»Damals wurde sie nach Hillmoor gebracht«, sagte Vika. »Vermutlich wird sie dort immer noch sein«.
Hillmoor, die sogenannte Heilstätte. Sie lag in einem Nachbartal. John Lee, der damalige Arzt, hatte den Vorschlag gemacht, Elen wegzugeben. Er deckte Mutter, in allem, was sie tat. Vielleicht war er erpressbar. Ich traute Mutter alles zu. John Lee war seit zwei Jahren tot. Ich wünschte ihn in der Hölle.
»Elen scheint es nicht gut zu gehen«, sagte ich.
Vika stand auf, und zupfte sich ihre Uniformärmel zurecht. Dann wedelte sie mit der Handfläche mutmaßlichen Staub davon herunter. Es war an Lächerlichkeit nicht zu überbieten.
»Es ging ihr nie gut«, murmelte sie. »Du weißt warum. Aber lass uns nicht davon sprechen. Alles ist vorbei«.
»Nichts ist vorbei«, sagte ich, und ich bewunderte selber meinen Mut, dies einfach so zu sagen. Ich kannte Vika nur zu gut, ihre unbedachte streitbare Art, und den Keim, den Mutter in ihr gelegt hatte. Aber Vika blieb seltsam ruhig, und sah zu Boden.
»Mutter ist tot«, sagte sie leise. »Elen ist in einem Heim gut versorgt, ich bin gut versorgt, und du könntest ebenfalls gut versorgt werden«.
»Ist das deine einzige Sorge«, fragte ich nach. »Nur dieses, ... versorgt sein?«
Ich bemerkte eine winzige Spur von Unsicherheit bei Vika.
»Wohl denn«, sagte sie. »Ich lasse Gunda Brot und allerlei Essbares bringen«.
»Vika ...«, rief ich. »Wir sollten das mit Mutter besprechen. Wir sollten über alles reden. Sie steht immer noch zwischen uns«
 »Lass die alten Zeiten«, sagte sie. »Es ist aus und vorbei, die besseren Tage, ...meine besseren Tage, .... haben seit meinen Auszug aus diesem Haus begonnen. Es liegt an dir, ob etwas zwischen uns steht. Mach den ersten Schritt und ziehe aus diesem gottverdammten Haus endlich aus! «
Ich wusste nicht, woher ich den Mut hatte, aber jetzt war er da. Ich wollte darüber reden, über unsere grauenhafte Kindheit, über eine Mutter, die auf ihre Kinder einschlug, sie demütigte, und die eine geistig behinderte Tochter einfach weggab.
»Mutter hat auch dich gebrochen«, sagte ich.
Vika schluckte, ich sah, wie sie blass wurde. Sie, die Oberste des Verwaltungshofes, die erste Frau im Landesrat, Vorsitzende der Bauernschaft, sie wurde unsicher. Vika Gwand, eiskalt, machthungrig, und das Spiegelbild von Mutter, war für einen winzigen Moment wieder jenes kleine Mädchen, das alle Schläge abbekam, und sich deswegen Mutter andiente.
Sie sah mich für einen Moment an, und ich sah ihr direkt in die Augen. Im Dämmerlicht des Hauses meinte ich, darin Tränen zu sehen. Abrupt drehte sie sich um und selben Augenblick war Vika auch schon zur Tür hinaus. Ich hörte noch ihre Schritte im Kies des Weges, und dann war ich wieder allein. Vika lief der Vergangenheit davon.
Die Suppe ließ ich stehen, und mit einem beklemmenden Gefühl saß ich in jener Küche, die mein Leben, das Leben meiner Schwestern Vika und das meiner Schwester Elen war. Hier spielte sich alles ab. In meiner Kindheit durften wir nicht in die gute Stube, und das Zimmer meiner Mutter war für uns ein unbekannter Ort. Zusammengepfercht in einem engen dunklen Raum, mussten wir drei Mädchen schlafen, bis Elen fortkam, bis Vika auszog, und ich alleine übrigblieb. Ich habe Mutter noch eine Zeitlang aushalten müssen, ihre Strenge, ihre Härte, ihre Boshaftigkeit und ihre Schläge. Das hörte erst auf, da war ich achtzehn, und Mutter so krank, dass ich sie pflegen musste. Vor zwei Jahren starb sie, und ich war nicht sehr traurig darüber. Eine Gefühl von Befreiung hatte sich meiner bemächtigt, die ich manchmal nicht fassen konnte. Hier saß ich nun, und hielt Zwiesprache mit den Staub, der im Licht einer Öllampe an mir vorüber zog. Wir hatten noch kein Strom, er war unbezahlbar für mich. Ich hörte in die Stille der Räume hinein, und hatte die Stimme von Elen noch in Erinnerung. Sie sprach wenig, und sie stotterte. Mutter hatte uns das Sprechen verboten, still und brav mussten wir sein. Und wehe dem, wir würden etwas in der Schule erzählen. Mutter schlug zu, aber uns nie ins Gesicht. So sahen wir immer nett aus, mit Schleifchen im Haar, und die blaue Flecke blieben unsichtbar.

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Kascha
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Beiträge: 143
Wohnort: Wald der Träume


BeitragVerfasst am: 01.03.2022 22:41    Titel: Re: Ich war lange nicht mehr in diesen Forum Antworten mit Zitat

Lieber Coel,

was auch immer du erlebt hast, tut mir leid. Ich wünsche dir, dass du es hinter dir lassen kannst!

Ich war mir nicht sicher, ob du diesen Text eher für dich selbst brauchst und grobes Feedback haben möchtest, oder intensiv daran arbeiten wolltest. Ich gehe erstmal von Ersterem aus, deswegen ist meine Überareitung eher übersichtlich. So du es wünschst, gehe ich noch einmal genauer drüber.

Den Anfang finde ich grundsätzlich sehr schön. Die Beschreibungen der Umgebung, der Landschaft und vor allem des Windes ziehen mich in die Lage des Ichs, die Stimmungsübertragung gelingt dir sehr gut. Allerdings komme ich nicht mit alles Beschreibungen zurecht, manche verstehe ich nicht ganz oder finde sie unpassend bzw. widersinnig.

Dann verwendest du oft Akkusativ, wo eigentlich Dativ hinmüsste. Am Anfang habe ich das noch markiert, später nicht mehr. Auch einige Kommas sind falsch gesetzt.

Die Begegnung mit der Schwester und die Darstellung der Familienverhältnisse finde ich sehr rührend und bekümmernd. Es weckt eine verletzte, starre und kummervolle Stimmung. Ich hoffe, dass es keine ähnlichen Erlebnisse sind, die dich zum Schreiben dieses Textes bewegt haben!

Je nachdem, wie es weitergeht, könnte daraus durchaus eine gute Geschichte werden. Wie gesagt, es kommt darauf an, ob du sie vorrangig brauchst, um dich selbst freizuschreiben, oder damit an die Öffentlichkeit gehen willst.

Coel hat Folgendes geschrieben:

Schatten tanzten im Licht der Sonne auf denm Boden. Da war ein Rauschen in der Luft, und mir kam es vor wie ein Lied über das weite Land, aus dem er kam. Ein tiefes Schaudern vor der Kraft dieses Freundes ergriff mich, der wie aus einer anderen Sphäre, die Wolken vor sich hertrieb. Ich konnte diese unsichtbare Welt erspüren, einer Ahnung gleich von seinem Wesen. Erschaffen wurde seine Seele in der Welt der Träume, wie der Wiederschein von Schatten.
Von meinenm Garten, der hinter dem Haus lag, sah ich hinab weit ins Land.

Selbst im Sommer lag auf ihren Gipfeln der Schnee. Sie beschützten das Tal vor den kalten Winden der Northernlande, und den heißen Atem einer Ödnis nach dem großen, dem allerletzten Krieg. Moment: so wie es hier steht, beschützen die Berge den Atem der Ödnis. Ich glaube, du meinst, sie beschützen das Land vor DEM Atem, dann muss auch das Komma vor dem und weg

Dahinter lag eine Einöde, verwüstet von dem großen Krieg, unbewohnt, und nur Wölfe lebten darin. Warum sollten Wölfe in einer Einöde leben? Gibt es da Gras? Haben sich dort Beutetiere angesiedelt? Nur dann würde es dort auch Beutegreifer geben.

Plötzlich war es still ... Und in dieser Stille vernahm ich die Stimme einer Toten.

Ein Sturmwind riss an meinen Kleidern, und die Fensterläden des Hauses hinter denm Garten klapperten laut.


Alles Gute!
Kascha


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Coel
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Beiträge: 26



BeitragVerfasst am: 01.03.2022 23:46    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für dein Feedback

Ich hatte vor, davon was zu machen, und bin leider jetzt schon wieder unsicher in diesen Vorhaben. Ist halt mein innerer Kritiker der mich packt.
Die ganze Story schlummert irgendwo in meiner Seele, und will raus.
Eine Lektorin die mal ein Stück Text von mir gelesen hat, meinte mein Stil ist ein "romantischer Realismus". Womit sie mich doch ein wenig Motiviert hat, und vor ein paar Monaten hatte ich bei einem doch recht Traurigen Anlass einen Text geschrieben, der von vielen vielen Leuten gemocht wurde.
Das ist für mich wichtig, das Gefühl zu haben, Menschen ins innerste zu treffen.
Ich hab da auch eine Art Seelenverwandte, eine Sängerin, die viele sehr poetische Lieder selber  schreibt. Ich bin also nicht der einzige Mensch, der zu den romantischen Realisten gehört. Das ist schon mal gut zu wissen.
Wichtig ist für mich, weiter zu schreiben, und nicht stundenlang den Text jetzt schon so zu bessern, bis die Kommas nicht mehr stimmen smile
Vieles in dem Text habe ich selber in meiner Kindheit erlebt. Zum Beispiel den Anfang, und mit den Empfinden des Windes. Vieles werde ich auch aus Beobachtungen aus der Verwandtschaft herleiten. Zum Beispiel die Figur der Vika, für die es eine fast reale Person gibt. Die Figur der Carry hat viel mit mir zu tun, wenn auch nicht alles.

Besten Dank für deine Verbesserungen. Ich werde das auch sofort ändern. Wer mag kann was dazu schreiben, oder auch nicht, ganz nach Belieben. Aber es ist noch "Frischtext" aus dem Handgelenkt mal eben in die Tastatur getippt. Man bleibt im Lesefluss noch hängen. Da ist also noch viel Baustelle.
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Kascha
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BeitragVerfasst am: 03.03.2022 20:49    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Coel,

gut, so verstehe ich dich ein wenig besser Smile

Ich bin der Meinung, dass aus deiner Geschichte was werden kann. Aber wie du sagst, dafür musst du noch ziemlich dran arbeiten. Ich mag Romantik, solange sie nicht in Kitsch abdriftet. Romantischer Realismus - klingt eigentlich, als wäre das was für mich. Ich mag ausufernde Bilder, Symbole und Gefühlsbeschreibungen, die ungewohnt sind, wo man vielleicht erstmal drüber nachdenken muss. Einiger deiner Bilder finde ich ja auch sehr schön (der Wind zum Beispiel. Den Beginn, die ersten paar Sätze finde ich super), bei manchen allerding empfinde ich nicht ganz mit, verstehe sie nicht.

Ich habe das Gefühl, dass ich noch nicht so viel mit Carry mitempfinden kann, wie ich gerne möchte. Ich kann aber leider noch nicht genau sagen, woran das liegt ...

Viel Erfolg beim Weiterarbeiten, ich sehe mir auf jeden Fall die kommenden Versionen an!

Liebe Grüße
Kascha


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Miss Purple
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Beiträge: 106
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BeitragVerfasst am: 15.03.2022 17:11    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe @Coel, dieser Text hat mich gepackt, ergriffen, angerührt ... trotz einiger Schwächen im Ausdruck, die etwas Schliff benötigen, eine starke Erzählung, die es verdient hat, sorgfältig überarbeitet zu werden.
Mein Vorschlag dazu wie folgt, nimm Dir, was Du brauchen kannst und bleib bitte dran: Am Thema und am Schreiben, es lohnt sich!
Mein Vorschlag für den Titel:


Heimatflimmern





Der Wind war schon immer mein Freund, wenn er von Ferne durch die Blätter der Bäume fegte, sie in Bewegung brachte und mir Geschichten erzählte. Seltsame Schattenfiguren tanzten dann im Licht der Sonne auf dem Boden. Da war ein Rauschen in der Luft, das wie ein Lied aus unbekannter Ferne klang und pfeifend übers weite Land zog. Ein tiefes Schaudern vor der Kraft dieses Elementes, das die Wolken vor sich hertrieb, ergriff mich. Ich konnte eine unsichtbare Welt spüren, eine Ahnung von Naturwesen. Meine Seele kannte sich aus in der Welt der Träume, im Widerschein der Schatten.
Vom Garten, der hinter dem Haus lag, konnte ich weit hinab ins Land schauen. Wie Wellen im Meer bog der Wind das Korn der Felder, das golden in der Sonne stand und für mich eine goldene Magie hatte. Ich liebte die Vielstimmigkeit der Vögel am Waldrand, der an unseren Garten grenzte. Ab und zu erfasste mich ein kalter Hauch, der von den Bergen kam. Sie wurden die weißen Wächter genannt, weil selbst im Sommer auf ihren Gipfeln der Schnee lag. Sie beschützten das Tal vor den kalten Winden der Northernlande, dem heißen Atem der Ödnis nach dem großen, letzten Krieg. Dieses Tal, meine Heimat, war ein fruchtbares Land, ein Juwel, eine Oase in einer verwüsteten Welt. Tiefe dunkle Wälder wechselten sich ab mit Weiden und Wiesen. Kleine Wasserläufe, die von den Bergen kamen, mündeten in den Fluss Branwen, der durch das Tal mäanderte und es durchbrach. In der Schlucht der Schreie das Gebirge. Dahinter lag Einöde, verwüstet von dem großen Krieg, unbewohnt, nur Wölfe lebten noch darin. Sie kamen bisweilen über die Berge, manchmal hörte man sie heulen, wie auch an jenem Tag, an dem sich mein Leben für immer veränderte.

Von der Gartenarbeit tat mir der Rücken weh, müde auf meine Harke gestützt, schloss ich die Augen. Das Licht flimmerte, Wind strich durch meine Haare, und von weitem hörte ich sie heulen, die großen weißen Wölfe. Sofort hatte ich die alten Geschichten im Kopf, die man sich erzählte, im Land voll grauer Asche und Ruinen. Plötzlich war es still ...
In diese Stille hinein vernahm ich die Stimme einer Toten. Ich hörte Lylly sprechen, meine Mutter. Ihre Stimme verfolgte mich, ließ mich nicht zur Ruhe kommen. Erschrocken öffnete ich die Augen.
Wolken waren zwischen den Gipfeln der Berge aufgezogen, die die Sonne verschleierten. Die Vögel vom nahen Waldrand schwiegen, das Sonnenlicht war verblasst. Meine Hände zitterten. Ein Gewitter zog an, von den Bergen kommend. Ihre Gipfel waren in Wolken gehüllt, aus denen Blitze zur Erde schossen. Ein Sturmwind riss an meinen Kleidern, die Fensterläden des Hauses hinter dem Garten begannen, laut zu klappern. Ich flüchtete in die Küche, knallte die Tür erleichtert zu und ließ mich auf der Bank vor dem Küchentisch nieder.
Draußen verdunkelte sich die Welt wie auch im Raum und in der Dunkelheit lag etwas Bedrohliches. Sie beinhaltete die Präsenz einer Toten, die in unendlich vielen Bildern meiner Erinnerung immer wieder auftauchte. Einem zerbrochenem Spiegel gleich, fügten sich im Halbdunkel die Scherben meiner Kindheit zu einer dämonischen Welt zusammen. Regen prasselte auf das Dach, und rann am Küchenfenster herunter. Es war nur ganz gewöhnlicher Regen, aber ich wollte nicht hier sein. Ich musste es, dieses Haus war meine Heimat: Vertraut, doch ein Ort voller Schatten.

Das Gewitter verschwand, so schnell wie es gekommen war. Im Spätsommer war das Wetter unberechenbar. Ich mochte diese Jahreszeit nicht besonders, wenn es wenig zu tun gab im Garten. Erst im Herbst würden die Äpfel reif sein, dann könnte ich so viele auf dem Markt verkaufen und für den Rest des Jahres, wenn auch sehr bescheiden, fast davon leben. Es war Montag Nachmittag, da kam immer meine Schwester Vika. Ihre regelmäßigen Besuche waren für mich eher Heimsuchungen, dann fühlte es sich an, als sei Mutter wieder im Haus. Vika hatte ihre Härte, ihre Strenge, ihre Art zu reden, und mir lief jedes Mal ein kalter Schauer über den Rücken, wenn ich sie hörte.
Wie immer stiefelte Vika ungebeten in die Küche, laut, polternd und mit verkniffenem Gesicht. Ihr kurzes Haar war gescheitelt, sie trug Uniform, wie immer: Sauber, adrett, geschminkt, gepudert und voll falscher Freundlichkeit.
»Einen guten Tag wünsche ich«, sagte sie, und machte es sich ungebeten auf der Küchenbank bequem.
»Wie geht`s meiner kleinen Schwester Carry?«, fuhr sie mit schneidend lauter Stimme fort.
Ich stand am Herd, rührte in einem Topf mit Suppe, am liebsten hätte ich sie über Vika ausgeleert.
»Hör auf, mich kleine Schwester zu nennen!«, antwortete ich, übel gelaunt.
»Gibt`s hier was zu essen, oder soll ich uns was bringen lassen?«, fragte Vika ungerührt. In ihrer Stimme war eine Kälte, die mich frösteln ließ.
Ich zögerte. Am liebsten würde ich sie rauswerfen. Aber ich war auf Vika angewiesen.
»Lass Gunda was bringen«, sagte ich beiläufig, ohne mich umzudrehen.
»Also wie immer«, lachte Vika höhnisch und machte dabei eine abwertende Handbewegung.
Jetzt drehte ich mich doch um, da ich wusste, was jetzt kommen würde. Ich wollte ihr in die Augen sehen, wollte ihren starren Blick aushalten, bevor ich antwortete.
»Du musst dir die ganze Arbeit nicht antun«, begann sie mit sanfter Stimme. »Verkauf einfach das Haus, und komm zu mir in den Verwaltungshof. Ich kann dir eine gute Stellung besorgen«.
»Nein!«, antwortete ich entschieden und meine Augen funkelten sie zornig an. Nie und nimmer würde ich mein Leben in ihre Hände legen! Nein und nochmals: Nein!
Vika lachte: »Die kleine Schwester, kratzbürstig wie immer!«
Es war das Lachen meiner Mutter und mir wurde beinahe übel.
Die finanzielle Abhängigkeit von meiner Schwester brachte mich fast um den Verstand, ich konnte nicht genug mit den Garten verdienen, das wusste sie. Dazu das alte Haus, mit unserer Vergangenheit und allen unguten Erinnerungen bevölkert, sollte ich es wirklich aufgeben? Doch wohin könnte ich sonst, außer zu Vika auf den Verwaltungshof und unter ihr Kommando, wie ein Hund?
Ich wollte sie los werden.
»Sonst noch was?«, fragte ich kalt.
Vika legte ihre Hände auf den Küchentisch und betrachtete sie.
»Elen hat geschrieben«.
»Elen ...?«
»Ja, da habe ich auch gestaunt«.
»Elen kann schreiben?
Nicht zu fassen. Elen, meine jüngere Schwester, unser Sorgenkind, die wir seit Jahren nicht mehr gesehen haben, hatte geschrieben.
Umständlich zog Vika einen Brief aus ihren Wams und ließ ihn auf den Küchentisch fallen. Mit zitternden Händen nahm ich ihn und ging damit zum Fenster, ans Licht.
Der Brief war zerknittert und voller Tintenflecken. Er war weit gereist, das sah man ihn an.
»Libe Schwester Vika«, begann ich zu lesen. »Get es diar gut. Miar get es nich gut. Elen mus fiel abeiten, Elen hat Hunga, Elen friert. Keine gute Sache. Hilfe, Hilfe. Hoffe Brif kommt an. Elen«
Ich ließ meine Hände mit dem Brief sinken und sah einen langen Augenblick schweigend zum Fenster hinaus. Elen konnte schreiben. Wenn auch nicht gut ...
Aber was war davon zu halten: „Viel Arbeit ... Hungern ... Frieren ... Hilfe?“.
Elen, unsere Schwester, musste jetzt siebzehn Jahre alt sein. Mit zwölf hatte Mutter sie weggegeben. Ich weiß es noch wie heute, wie ich geweint und mich an sie geklammert hatte. Wie der Elektrowagen mit ihr langsam den Weg hinunter gefahren war und mich der Abschiedsschmerz und das Leid übermannt hatte. Im Wagen hatte sie sich nach mir umgedreht. Ihr entsetztes Gesicht sehe ich noch heute vor mir …
Damals wuchs meine Wut auf Mutter ins Unendliche. Eines Morgens stand ich, mit einer Schere bewaffnet, vor ihr und hatte Mordgedanken. Mit fünfzehn Jahren war die Welt für mich wie ein tiefes, schwarzes Loch. Vika stand damals bereits auf Mutters Seite – wohl nur, um den Terror von ihr zu entgehen.
»Von woher kam dieser Brief?«, fragte ich.
Vika zuckte mit den Schultern.
»Keine Ahnung«, sagte sie. »Es stand kein Absender drauf. Der Brief kam heute Morgen mit dem Kurier von der Eisenbahn. Es steht nur: An Vika Gwand in Twyryll darauf«
Ich kämpfte mit meiner Fassungslosigkeit.
»Damals wurde sie nach Hillmoor gebracht«, sagte Vika. »Vermutlich wird sie immer noch dort sein«.
Hillmoor, eine sogenannte Heilstätte. Sie lag in einem Nachbartal. John Lee, der damalige Arzt, hatte den Vorschlag gemacht, Elen wegzugeben. Er deckte Mutter, in allem, was sie tat. Vielleicht war er erpressbar. Mutter war alles zuzutrauen. John Lee war seit zwei Jahren tot. Ich wünschte ihm, dass er in der Hölle gelandet war.
»Es scheint Elen nicht gut zu gehen«, sagte ich.
Vika stand auf und zupfte ihre Uniform-Ärmel zurecht. Mit der Handfläche wedelte sie mutmaßlichen Staub herunter. An Lächerlichkeit nicht zu überbieten.
»Es ging ihr noch nie gut«, murmelte sie. »Du weißt warum. Aber lass uns nicht davon sprechen. Das ist alles Schnee von Gestern.«.
»... der längst noch nicht geschmolzen ist und vorüber«, entgegnete ich scharf und wunderte mich selbst über meinen Mut, es laut zu sagen. Ich kannte Vika nur zu gut, ihre unbedachte, streitbare Art, diesen Keim, der von Mutter zu ihr übergegangen war. Doch sie blieb seltsam ruhig und sah zu Boden.
»Mutter ist tot«, sagte sie leise. »Elen ist im Heim gut versorgt, ich bin versorgt, und du könntest ebenfalls gut versorgt werden«.
»Ist das deine einzige Sorge?«, fragte ich. »Dieses „versorgt sein“?«
Eine Spur von Unsicherheit huschte über Vikas Gesicht.
»Na gut«, sagte sie. »Ich lasse Gunda Brot und allerlei Essbares bringen«.
»Vika ...«, rief ich. »Wir sollten endlich einmal offen über Mutter sprechen. Wir sollten über alles reden. Sie steht immer noch zwischen uns«
»Lass die alten Zeiten ruhen«, sagte sie. »Die besseren Tage - meine besseren Tage - haben seit meinen Auszug aus diesem Haus begonnen. Es liegt an dir, ob immer noch etwas zwischen uns steht. Mach den ersten Schritt und zieh aus diesem gottverdammten Haus endlich aus! «
Ich wusste nicht, woher ich den Mut hatte, aber plötzlich war er da. Ich wollte nicht mehr schweigen, nicht mehr weglaufen, sondern reden: Über unsere grauenhafte Kindheit, über eine Mutter, die auf ihre Kinder einschlug, sie demütigte, und die ihre geistig behinderte Tochter einfach weggegeben hatte.
»Dich hat Mutter auch gebrochen«, sagte ich.
Vika schluckte. Sie wurde blass. Die Oberste des Verwaltungshofes, erste Frau im Landesrat, Vorsitzende der Bauernschaft, wurde unsicher. Vika Gwand: Sonst eiskalt, machthungrig, und ein Spiegelbild unserer Mutter, war für einen winzigen Moment wieder jenes kleine Mädchen, das immer zuerst die Schläge abbekam. Bis sie es verstand, sich Mutter anzudienen.
Für einen Moment sahen wir uns direkt in die Augen. Im Dämmerlicht des Hauses meinte ich, in ihren Augen Tränen schimmern zu sehen. Abrupt drehte sie sich um und war im selben Augenblick war schon zur Tür hinaus. Ich hörte noch ihre forteilenden Schritte auf dem Kies des Weges knirschen, dann war ich wieder allein. Vika lief mal wieder der Vergangenheit davon.

Ich ließ die Suppe stehen und saß noch eine Weile stumm und nachdenklich, mit einem beklemmenden Gefühl in jener Küche, in der sich mein Leben und das Leben meiner Schwestern Vika und Elen abgespielt hatte. Als Mädchen durften wir nicht in die gute Stube und das Zimmer meiner Mutter war für uns ein unbekannter Ort. Zusammengepfercht in einem engen, dunklen Raum, schliefen wir drei Mädchen, bis Elen fortkam und Vika auszog. Ich blieb allein hier. Mutter habe ich noch eine Zeitlang aushalten müssen. ihre Strenge, ihre Härte, ihre Boshaftigkeit und ihre Schläge. Das hörte erst auf, als ich achtzehn war - und Mutter schon so krank, dass sie gepflegt werden musste. Von mir.
Vor zwei Jahren war sie gestorben und ich war nicht sehr traurig darüber. Ein unbekanntes Gefühl der Befreiung hatte sich sich seitdem meiner bemächtigt, das ich manchmal nicht fassen konnte.
Da saß ich nun - und hielt Zwiesprache mit den Wänden, dem Staub, der im Licht meiner Öllampe wie Nebelschwaden vorüber zog. Es gab keinen Strom, der war unbezahlbar für mich. Ich lauschte in die Stille der Räume und hörte, in Erinnerungen versunken, die leise Stimme von Elen. Sie hatte immer wenig gesprochen, sie stotterte. Mutter hatte uns das Sprechen verboten, wir sollten still sein und brav … und wehe, ihr erzählten etwas in der Schule! Mutter konnte hart zuschlagen, schlug uns aber nie ins Gesicht. Damit wir drei immer nett aussahen: Mit Schleifchen im Haar ... und die blaue Flecke unter unseren Kleidchen blieben unsichtbar.
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