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Heute vs an diesem Tag - Zeitwörter im Roman

 

 
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Minerva
Geschlecht:weiblichKlammeraffe


Beiträge: 721

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BeitragVerfasst am: 21.02.2022 11:47    Titel: Heute vs an diesem Tag - Zeitwörter im Roman eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

ich verwirre mich immer mehr, seitdem mir jemand das Wörtchen "heute" aus den Texten verbannen will.

Es geht darum, dass ich in der üblichen Zeitform, dem Präteritum, dieses Wort nicht benutzen dürfe.

fiktive Beispiele:
(1)Heute war der entscheidende Tag.
(2)Heute musste er etwas anders machen.

Das wäre falsch, weil "heute" nicht zum Präteritum passt. Stattdessen müsse ich Ausdrücke wie "an diesem Tag" verwenden.
Ich finde das einschränkend, vor allem würde Beispiel (1) dann nicht mehr gut klingen.
Ich verwende "heute" nicht oft, nur sehr selten.

Also, liebes Forum: Ist "heute" nun erlaubt oder einfach falsch?


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MissClara
Geschlecht:weiblichEselsohr


Beiträge: 475



BeitragVerfasst am: 21.02.2022 11:55    Titel: Re: Heute vs an diesem Tag - Zeitwörter im Roman Antworten mit Zitat

Minerva hat Folgendes geschrieben:
Hallo,

ich verwirre mich immer mehr, seitdem mir jemand das Wörtchen "heute" aus den Texten verbannen will.

Es geht darum, dass ich in der üblichen Zeitform, dem Präteritum, dieses Wort nicht benutzen dürfe.

fiktive Beispiele:
(1)Heute war der entscheidende Tag.
(2)Heute musste er etwas anders machen.

Das wäre falsch, weil "heute" nicht zum Präteritum passt. Stattdessen müsse ich Ausdrücke wie "an diesem Tag" verwenden.
Ich finde das einschränkend, vor allem würde Beispiel (1) dann nicht mehr gut klingen.
Ich verwende "heute" nicht oft, nur sehr selten.

Also, liebes Forum: Ist "heute" nun erlaubt oder einfach falsch?


Interessante Frage - ich hänge mich mal dran, weil mich die Antwort auch interessiert. Ich denke nämlich auch, man kann es durchaus verwenden.

Ähnlicher Fall: Ich erinnere, dass ich meiner Tochter vor einiger Zeit aus einem Kinderbuch vorgelesen hab...  "Morgen war ihr Geburtstag" (o.ä.) - ihre Reaktion: "hä? Morgen WAR?"

(Ich hab versucht, es ihr zu erklären, find es aber tatsächlich nicht einfach... Sie dann: "Ach, ist ja egal. Hauptsache, das ganze Buch ist nicht falsch..."  Laughing  )
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HansGlogger
Geschlecht:männlichLeseratte

Alter: 63
Beiträge: 168
Wohnort: Bayern


BeitragVerfasst am: 21.02.2022 12:00    Titel: Antworten mit Zitat

Im Zweifelsfall "Heute" wenn möglich in die wörtliche Rede, den inneren Monolog, erlebte Rede, die Gedanken des Protagonisten verlagern.
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Minerva
Geschlecht:weiblichKlammeraffe


Beiträge: 721

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BeitragVerfasst am: 21.02.2022 12:12    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

OK Danke.

Ich finde auch, dass es gehen müsste, da wie erwähnt "morgen" ja ebenso verwendet wird.
Zitat:

Ähnlicher Fall: Ich erinnere, dass ich meiner Tochter vor einiger Zeit aus einem Kinderbuch vorgelesen hab... "Morgen war ihr Geburtstag" (o.ä.) - ihre Reaktion: "hä? Morgen WAR?"
Laughing Laughing

Tatsächlich befinde ich mich in meinen Beispielen in der erlebten Rede, deswegen empfinde ich es auch nicht als falsch.


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Globo85
Geschlecht:männlichKlammeraffe

Alter: 37
Beiträge: 544
Wohnort: Südwesten


BeitragVerfasst am: 21.02.2022 12:19    Titel: Antworten mit Zitat

Für mich ist das eine Frage der gewählten (bzw. angestrebten) perspektivischen Nähe.

Wenn du nah am Protagonisten dran bist, bzw. nah ran willst, dann musst du mMn. "heute" nehmen. Nimmst du "an diesem Tag" dann wird es erzählend/berichtend und damit eher distanziert. "heute" ist für mich erlebter und damit näher dran.

Das ist auch eine Frage der Deixis. Ist eine sehr nahe Perspektive gewollt/angestrebt, dann ist das LI das deiktische Zentrum, bedeutet alle Angaben gehen von diesem Zentrum als Bezugspunkt aus.

Damit wird "dieser Tag" zu "heute", der "nächste Tag" zu "morgen". Auch Orts- und Richtungsangaben orientieren sich dann an der Deixis. "Was war das dort drüben?" ect.

Auch wenn du eine Geschichte im Präteritum erzählst, kann es doch sein, dass du eine sehr große perspektivische Nähe haben willst. Dann muss man eben in den Protagonisten eintauchen und beschreiben, als würde er es gerade in dem Moment der Erzählung auch erleben. Dann wäre der Gedanke aber immer "heute" und eben nicht "an diesem Tag".
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Ralphie
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Alter: 69
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BeitragVerfasst am: 21.02.2022 12:31    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, "heute" kann man verwenden, weil es eben an dem Tag der Handlung spielt.
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Minerva
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BeitragVerfasst am: 21.02.2022 12:33    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Globo85 hat Folgendes geschrieben:
Für mich ist das eine Frage der gewählten (bzw. angestrebten) perspektivischen Nähe.

Wenn du nah am Protagonisten dran bist, bzw. nah ran willst, dann musst du mMn. "heute" nehmen. Nimmst du "an diesem Tag" dann wird es erzählend/berichtend und damit eher distanziert. "heute" ist für mich erlebter und damit näher dran.

Das ist auch eine Frage der Deixis. Ist eine sehr nahe Perspektive gewollt/angestrebt, dann ist das LI das deiktische Zentrum, bedeutet alle Angaben gehen von diesem Zentrum als Bezugspunkt aus.

Damit wird "dieser Tag" zu "heute", der "nächste Tag" zu "morgen". Auch Orts- und Richtungsangaben orientieren sich dann an der Deixis. "Was war das dort drüben?" ect.

Auch wenn du eine Geschichte im Präteritum erzählst, kann es doch sein, dass du eine sehr große perspektivische Nähe haben willst. Dann muss man eben in den Protagonisten eintauchen und beschreiben, als würde er es gerade in dem Moment der Erzählung auch erleben. Dann wäre der Gedanke aber immer "heute" und eben nicht "an diesem Tag".


Ach vielen Dank. Ja, ich strebe eine möglichst große Nähe an und überarbeite gerade unter diesem Gesichtspunkt. Deswegen ist mir dieses "an diesem Tag" wohl auch so aufgestoßen. Danke für den Hinweis.
Deixis musst ich erst mal googlen ... Very Happy

Bei Richtungsangaben achte ich darauf, bei der Zeit dachte ich mehr daran, ob es falsch ist, aber "morgen" habe ich nie als falsch empfunden.

"Protagonist" ging zu ihm.
"Andere Person" kam auf ihn zu.

@Ralphie: Danke auch für deine Antworte. Jetzt bin ich nicht mehr verunsichert und schreibe einfach "heute", wenn es mir passt.


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Ralphie
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BeitragVerfasst am: 21.02.2022 12:35    Titel: Antworten mit Zitat

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Bananenfischin
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BeitragVerfasst am: 21.02.2022 12:35    Titel: Antworten mit Zitat

Kurz und ergänzend: Nein, das ist nicht falsch, Minerva. Siehe dazu auch Episches Präteritum und Morgen war Weihnachten.
smile


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MissClara
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BeitragVerfasst am: 21.02.2022 12:36    Titel: Antworten mit Zitat

Globo85 hat Folgendes geschrieben:
Für mich ist das eine Frage der gewählten (bzw. angestrebten) perspektivischen Nähe.

Wenn du nah am Protagonisten dran bist, bzw. nah ran willst, dann musst du mMn. "heute" nehmen. Nimmst du "an diesem Tag" dann wird es erzählend/berichtend und damit eher distanziert.



Exakt, genau das wäre der Grund, warum eine Korrektur mir auch widerstreben würde. Es verändert den Stil der Erzählerstimme.
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Ralphie
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BeitragVerfasst am: 21.02.2022 12:41    Titel: Antworten mit Zitat

Bananenfischin hat Folgendes geschrieben:
Kurz und ergänzend: Nein, das ist nicht falsch, Minerva. Siehe dazu auch Episches Präteritum und Morgen war Weihnachten.
smile


Danke, Banane
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Bananenfischin
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BeitragVerfasst am: 21.02.2022 12:42    Titel: Antworten mit Zitat

Ralphie hat Folgendes geschrieben:
Bananenfischin hat Folgendes geschrieben:
Kurz und ergänzend: Nein, das ist nicht falsch, Minerva. Siehe dazu auch Episches Präteritum und Morgen war Weihnachten.
smile


Danke, Banane


smile


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Minerva
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BeitragVerfasst am: 21.02.2022 12:51    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke euch allen für eure Hinweise und Argumente,
Danke Bananenfischin für den Link.

Habe heute wieder viel gelernt ... Deixis und episches Präteritum wow Mr. Green


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