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Haiku - ein Versuch


 

 
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John McCrea
Geschlecht:männlichLeseratte

Alter: 48
Beiträge: 164
Wohnort: OWL


BeitragVerfasst am: 08.02.2022 10:38    Titel: Haiku - ein Versuch eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

blau


Eine dauernde Ruhe,

fließend,

vom Meer in den Himmel,

repräsentiert es den Planeten.

Einzigartig.










Strecke


Machine, true or false,

umgelegt auf 1 und 0,

ebnet den Weg ein.



_________________
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Nebelkrähe
Geschlecht:weiblichErklärbär

Alter: 29
Beiträge: 2
Wohnort: Japan


BeitragVerfasst am: 09.02.2022 08:13    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Zu dem oberen Gedicht würde ich mein Feedback gerne in zwei Teilen geben.

1) Als freeform Gedicht
Die ersten drei Zeilen finde ich sehr gelungen! Das Fließen der blauen Farbe, das Einswerden von Meer und Himmel ist ein tolles Bild. Die gewählten Worte strahlen selbst Ruhe aus, die du in der ersten Zeile ansprichst.

Leider reißt mich die vierte Zeile etwas aus diesem Lesefluss. Ich war überrumpelt davon, plötzlich einen geschlossenen Satz vor mir zu haben. Obwohl ich die Überschrift gelesen habe, brauchte ich einen Moment um zuzuordnen, auf was sich „es“ bezieht.
 „Repräsentiert“ fühlt sich zudem sehr hart und spitz an, eher naturwissenschaftlich und nüchtern. So ein Unterschied im Ton sollte nur auftreten, wenn damit der Inhalt unterstrichen wird. Ich glaube auch, dass Wörter und Ausdrücke wie „repräsentieren“, „Symbol für“ etc. eher selten in Gedichten auftauchen, weil man diese Transferleistung und das Erkennen der Symbole dem Publikum überlässt. Wenn du die Farbe Blau mit (unserem) Planeten in Verbindung bringen möchtest, musst du das nicht expliziert erwähnen, sondern solltest stattdessen versuchen, diesen Gedanken in einem neuen Bild auszudrücken oder ihn in das vorherige Bild einzufügen. Quasi „show don’t tell“, nur in der Lyrik.
Ich war mir auch nicht sicher, worauf sich das „einzigartig“ in der letzten Zeile bezieht. Auf das Blau, oder unseren Planeten?

Wie ich das Gedicht umschreiben würde:

blau fließend legt sich
vom Meer in den Himmel
eine dauernde Ruhe
über den Planeten

2) Als Haiku
Dein Gedicht hat Elemente, die stark an Haiku erinnern (Kurzform, Naturbezogenheit), aber ohne den Titel des Threads hätte ich es nicht unbedingt als Haiku erkannt.

Viele Regeln wie die Länge der einzelnen Zeilen werden mittlerweile (und vor allem im Vergleich zur japanischen Version) weniger streng gehandhabt, aber es gibt doch noch erstaunlich viele Vorgaben für „klassische“ Haiku.
Hier ein paar Dinge, die mir einfallen:

- Format: 5-7-5 ist mittlerweile nicht mehr zwingend, aber drei Zeilen ist der Normalfall (wie bei deinem zweiten Gedicht)
- Haiku haben keine Titel
- Wie in deinem Gedicht auch geht bei Haiku oft um Naturbeobachtungen, aber das Keyword hier ist „Momentaufnahme“. Dabei wird ein einzelner Augenblick illustriert, also beschrieben was das lyrische Ich gerade konkret mit seinen eigenen Augen beobachtet. Es geht auf den ersten Blick meist um „kleine und banale“ Dinge, die (vom Leser) mit größeren Konzepten verbunden werden können. Bei deinem Gedicht ist alles, vom Meer über den Himmel bis hin zu einem ganzen Planeten sehr groß. Für ein traditionelles Haiku solltest du dein Bild (die Farbe blau, Himmel, Meer) etwas herunterbrechen.
Tipp: Um größere Momente oder Formulierungen zu „erden“ kann man gut einen Ort oder eine Zeit angeben.

Hier ein paar Ideen, die von deinem wirklich schönen Bild inspiriert sind:

Ein Blick übers Meer
Himmel und Wellen
Ein Endloses Blau

Möwengeschrei
Am Horizont
Fließt das Meer in den Himmel

Okay, das sind wahrlich keine Meisterwerke, aber ich hoffe du verstehst was ich meine!

LG
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John McCrea
Geschlecht:männlichLeseratte

Alter: 48
Beiträge: 164
Wohnort: OWL


BeitragVerfasst am: 09.02.2022 10:12    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Nebelkrähe,

habe vielen Dank für Dein Feedback für diesen "kleinen" Text.
Ich denke auch, dass Lyrik eine gute Schreib- und Rhetorikübung sind, um sich mit seiner Sprache zu verbessern und sie zu reflektieren.

Und genau ein solches Feedback hatte ich mir erhofft und es ist wirklich interessant, was Du aus einem solchen kleinen Text herausgelesen hast.

Ich habe vom Haiku lediglich das Silbenmuster(5-7-5) aufgeschnappt und versucht es frei zu verwenden. Der weitere Hintergrund, welchen Du erläutert hast, ist mir mittlerweile schon wieder entfallen gewesen. Das ist eine nützliche Information und ich werde mir einmal ein paar Haikus genauer ansehen.

Ich stimme Dir absolut zu in Deiner formalen, semantischen Analyse.
In der Lyrik von "blau" ist ein Bruch und nach der Stilistik, welche Du aufgeführt hast, ist es also dann auch nicht wirklich ein Haiku.

Es ist allerdings tatsächlich so, dass mir das Gedicht in seiner Form durchaus gefällt, auch mit dem Bruch. Es entsprach meinen Gedankensprung beim Aufschreiben. Und da wirst Du auch nichts dagegen haben.

Ein Haiku ist es allerdings nicht, wie ich jetzt begriffen habe.

Danke für den Hintergrund.


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