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Nordland - Gedanken des Mörders


 

 
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Chamomila
Geschlecht:weiblichLeseratte


Beiträge: 117



BeitragVerfasst am: 26.01.2022 19:50    Titel: Nordland - Gedanken des Mörders eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Hej!

Ich mal wieder...
...ich hatte mir gedacht, zwischendurch hin und wieder auch mal den Mörder zu Wort kommen zu lassen - natürlich ohne einen expliziten Hinweis auf seine Identität zu geben.
Hier eine erste Skizze zu so einer Passage...

Ausgangssituation:
Norwegen, Ende 19. Jahrhundert, in einem winzigen, verschlafenen Dorf auf dem Land. Als ein erschlagener Landstreicher gefunden wird, ist es mit der Ruhe schlagartig vorbei: die Gerüchteküche kocht und schnell sind erste Lieblingstatverdächtige (am liebsten ungeliebte Nachbarn) gefunden.
Die beiden jungen Hobbydetektive Gunnar und Krister versuchen, gemeinsam mit ihrem väterlichen Freund Tore - einem Schmied mit einem dunklen Punkt in der Vergangenheit - und Kristers Verlobten Josefina, Licht in diesen Fall zu bringen, bevor es zum Lynchmob kommt.
Allerdings führen die von ihnen entdeckten Spuren in eine mehr als unerwartete Richtung...

In dieser Passage ist es gerade (wieder einmal) Sonntag und nahezu das gesamte Dorf hat sich - wie üblich - in der Kirche versammelt...
Zitat:
Der Mann, der in der sechsten Reihe saß, fiel niemandem auf. Er war einer von ihnen und saß in ihrer Mitte, seit Jahr und Tag…

Ja, hier saß er also. Wie an jedem Sonntag. Mitten unter allen anderen ehrbaren Leuten, als einer von ihnen – und niemand schien ihm anzusehen, was er getan hatte. Die Worte des Pfarrers dröhnten von der Kanzel, an seinen Ohren vorbei, ohne dass er sie wirklich hörte. Er überlegte kurz, ob er Reue empfand. Nein, er bereute es nicht. So wenig, wie er es bereut hätte, einen tollwütigen Hund erschossen zu haben. Denn nichts anderes war dieser Kerl gewesen: ein tollwütiger Hund, der jederzeit wieder jemanden anfallen konnte… Sein Blick wanderte über die Kirchenbesucher, die vor ihm saßen. Lauter achtbare und anständige Leute. Er war einer von ihnen – noch… Er wusste genau, dass er es in genau dem Moment nicht mehr sein würde, in dem die Wahrheit herauskam. Er wusste, wozu diese ehrbaren Leute, die ihn jetzt noch freundlich grüßten, dann fähig sein würden – sobald sie die Wahrheit über ihn erfuhren. Und allein schon deshalb durfte diese Wahrheit unter keinen Umständen ans Tageslicht kommen!

Als der Gottesdienst vorbei war, verließ er die Kirche zusammen mit den anderen. Tore Sjøberg drückte ihm die Hand, so wie jedem anderen auch, und nickte ihm freundlich lächelnd zu.
Tore Sjøberg… – heute Kirchenältester, seit über zwanzig Jahren ein Mann mit vorbildlichem Lebenswandel, im ganzen Ort geachtet und geschätzt – was würde er sagen, wenn er wüsste… -
Er erinnerte sich plötzlich daran, wie moralisch überlegen er sich Tore gegenüber vor so vielen Jahren, gefühlt hatte. Er hatte sich damals eingebildet, ein von Natur aus besserer Mensch zu sein... Und jetzt?
Auf einmal schämte er sich: er war jetzt viel tiefer gesunken. Und anders als Tore damals hatte er nicht mal den Mut und die Stärke, Verantwortung für das zu übernehmen, was er getan hatte.
Er murmelte eine höfliche Antwort und verließ die Kirche im Bewusstsein, dass er ein elender Feigling war.

Was meint ihr dazu?
Kann man das so einbauen?
Wo sind die Schwachstellen?
Was müsste noch mal in die Überarbeitung?

Liebe Grüße,
Cammy

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Miné
Geschlecht:weiblichWortedrechsler

Alter: 36
Beiträge: 71
Wohnort: Köln


BeitragVerfasst am: 26.01.2022 21:51    Titel: Antworten mit Zitat

Mir hat der Text inhaltlich gut gefallen. smile

Ich finde, er liest sich sehr flüssig und baut eine gewisse Spannung auf. Mir ist aufgefallen, dass sich in den ersten drei Sätzen das Verb saß wiederholt, da weiß ich nicht, ob das absichtlich und wirklich so gut ist. Später beginnt dann dreimal hintereinander der Satz mit er, da weiß ich ebenfalls nicht so recht. Und freundlich lächelnd finde ich persönlich ein bisschen doppelt gemoppelt.

Du hast geschrieben:
Der Mann, der in der sechsten Reihe saß, fiel niemandem auf. Er war einer von ihnen und saß in ihrer Mitte, seit Jahr und Tag…

Ja, hier saß er also. Wie an jedem Sonntag. Mitten unter allen anderen ehrbaren Leuten, als einer von ihnen – und niemand schien ihm anzusehen, was er getan hatte. Die Worte des Pfarrers dröhnten von der Kanzel, an seinen Ohren vorbei, ohne dass er sie wirklich hörte. Er überlegte kurz, ob er Reue empfand. Nein, er bereute es nicht. So wenig wie er es bereut hätte, einen tollwütigen Hund erschossen zu haben. Denn nichts anderes war dieser Kerl gewesen: ein tollwütiger Hund, der jederzeit wieder jemanden anfallen konnte… Sein Blick wanderte über die Kirchenbesucher, die vor ihm saßen. Lauter achtbare und anständige Leute. Er war einer von ihnen – noch… Er wusste genau, dass er es in genau dem Moment nicht mehr sein würde, in dem die Wahrheit herauskam. Er wusste, wozu diese ehrbaren Leute, die ihn jetzt noch freundlich grüßten, dann fähig sein würden – sobald sie die Wahrheit über ihn erfuhren. Und allein schon deshalb durfte diese Wahrheit unter keinen Umständen ans Tageslicht kommen!

Als der Gottesdienst vorbei war, verließ er die Kirche zusammen mit den anderen. Tore Sjøberg drückte ihm die Hand, so wie jedem anderen auch, und nickte ihm freundlich lächelnd zu.
Tore Sjøberg… – heute Kirchenältester, seit über zwanzig Jahren ein Mann mit vorbildlichem Lebenswandel, im ganzen Ort geachtet und geschätzt – was würde er sagen, wenn er wüsste… -
Er erinnerte sich plötzlich daran, wie moralisch überlegen er sich Tore gegenüber vor so vielen Jahren, gefühlt hatte. Er hatte sich damals eingebildet, ein von Natur aus besserer Mensch zu sein... Und jetzt?
Auf einmal schämte er sich: er war jetzt viel tiefer gesunken. Und anders als Tore damals hatte er nicht mal den Mut und die Stärke, Verantwortung für das zu übernehmen, was er getan hatte.
Er murmelte eine höfliche Antwort und verließ die Kirche im Bewusstsein, dass er ein elender Feigling war.
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Skatha
Geschlecht:weiblichLeseratte


Beiträge: 160
Wohnort: Alpenraum


BeitragVerfasst am: 27.01.2022 11:01    Titel: Re: Nordland - Gedanken des Mörders Antworten mit Zitat

Hallo,

vorweg, das Setting an sich ist durchaus interessant, also die heilige Kirchengemeinschaft und der Kriminelle unter ihnen. Wie sich diese Passagen letztlich in die Geschichte einfügen, finde ich schwierig zu beurteilen, ohne den weiteren Aufbau genauer zu kennen. Bekommt der Mörder generell einen eigenen Handlungsfaden oder bleibt es bei Einschüben wie diesem?

Zum Stilistischen: Du sagst, du möchtest den Mörder zu Wort kommen lassen, tatsächlich habe ich das Gefühl, seine Gedanken von einem Dritten erzählt zu bekommen. Formulierungen wie 'er sah, dass' oder 'er wusste, wie' sind recht passiv. Versuche näher an der Figur und den Gedanken zu bleiben.

Was die orange markierten Stellen betrifft: den Einstieg würde ich stutzen, es wiederholt sich einmal zu oft die gleiche Aussage.

Zitat:
Der Mann, der in der sechsten Reihe saß außer es ist gewollt, aber das sind nicht die Worte des Mörders sondern eines Erzählers, fiel niemandem auf. Er war einer von ihnen und saß in ihrer Mitte, seit Jahr und Tag …
was den Satz insg betrifft, dachte ich beim ersten Mal lesen dass es ein einführender Satz von dir ist und unbeabsichtigt ins Zitat gerutscht; vor allem auch die drei Punkte wären nicht nötig

Ja, hier saß er also. Wie an jedem Sonntag. Mitten unter allen anderen ehrbaren Leuten, als einer von ihnen – und niemand schien ihm anzusehen, was er getan hatte. Die Worte des Pfarrers dröhnten von der Kanzel, an seinen Ohren vorbei, ohne dass er sie wirklich hörte. Er überlegte kurz, ob er Reue empfand. Nein, er bereute es nicht. So wenig, wie er es bereut hätte, einen tollwütigen Hund erschossen zu haben. Denn nichts anderes war dieser Kerl gewesen: ein tollwütiger Hund, der jederzeit wieder jemanden anfallen konnte… Sein Blick wanderte über die Kirchenbesucher, die vor ihm saßen. könnte man weglassen; es ist klar dass er den Blick unauffällig umherschweifen lässt und nicht mal eben über die Schulter schaut Lauter achtbare und anständige Leute. Er war einer von ihnen auch wiederholend zu oben – noch… Er wusste genau, dass er es in genau dem Moment nicht mehr sein würde, in dem die Wahrheit herauskam. Er wusste, wozu diese ehrbaren Leute, die ihn jetzt noch freundlich grüßten, dann fähig sein würden – sobald sie die Wahrheit über ihn erfuhren. Und allein schon deshalb durfte diese Wahrheit unter keinen Umständen ans Tageslicht kommen! dass die Wahrheit nicht raus soll, egibt sich aus dem Zusammenhang; es bräuchte nicht nochmals ausgeführt werden

Als der Gottesdienst vorbei war, verließ er die Kirche zusammen mit den anderen. Tore Sjøberg drückte ihm die Hand, so wie jedem anderen auch, und nickte ihm freundlich lächelnd zu.
Tore Sjøberg… – gefühlt zu viele Satzzeichen auf einem Haufen^^ heute Kirchenältester, seit über zwanzig Jahren ein Mann mit vorbildlichem Lebenswandel, im ganzen Ort geachtet und geschätzt was würde er sagen, wenn er wüsste… - damit es kein Schachtelsatz wird, könntest du versuchen ihn aufzuspalten: Tore ist der Kirchenälteste... Was würde er sagen, wenn...
Er erinnerte sich plötzlich daran, wie moralisch überlegen er sich Tore gegenüber vor so vielen Jahren, gefühlt hatte. Er hatte sich damals eingebildet, ein von Natur aus besserer Mensch zu sein... Und jetzt?
Auf einmal schämte er sich: er war jetzt viel tiefer gesunken. Und anders als Tore damals hatte er nicht mal den Mut und die Stärke, Verantwortung für das zu übernehmen, was er getan hatte.
Er murmelte eine höfliche Antwort und verließ die Kirche zum zweiten Mal^^ im Bewusstsein, dass er ein elender Feigling war.


Einiges ließe sich aktiver und anschaulicher schreiben, vielleicht lässt sich auch mehr Handlung einbauen. Abgesehen vom Händeschütteln, passiert nicht viel. Kleinigkeiten können es visueller gestalten und gleichzeitig etwas über den Charakter aussagen. Betet er mit? Macht er das Kreuzzeichen oder vergräbt er die Hände in den Manteltaschen?
Insgesamt erfährt man in dem Absatz nicht viel über ihn. Klar, es sollte kein Detail erwähnt werden, dass man gleich erahnt, wer das ist. Aber trotzdem bleibt die Figur blass. Was möchtest du denn mit dem Absatz bewirken?

Vielleicht ist ja die ein oder andere Überlegung nützlich für dich. smile

LG Skatha


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Das Unmögliche möglich machen, das Mögliche leicht und das Leichte elegant. (M. Feldenkrais)
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Chamomila
Geschlecht:weiblichLeseratte


Beiträge: 117



BeitragVerfasst am: 27.01.2022 18:57    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

So, ich hab's jetzt noch mal überarbeitet:
Zitat:
Der Mann in der sechsten Reihe fiel niemandem auf. Er war einer von ihnen und saß in ihrer Mitte, seit Jahr und Tag…
 
Ja, hier saß er also. Wie an jedem Sonntag. Mitten unter allen anderen ehrbaren Leuten – und niemand schien ihm anzusehen, was er getan hatte. Die Worte des Pfarrers dröhnten von der Kanzel, an seinen Ohren vorbei, ohne dass er sie wirklich hörte. Empfand er Reue? Nein, er bereute es nicht. So wenig, wie er es bereut hätte, einen tollwütigen Hund erschossen zu haben. Denn nichts anderes war dieser Kerl gewesen: ein tollwütiger Hund, der jederzeit wieder jemanden anfallen konnte… Sein Blick wanderte über die Kirchenbesucher. Lauter achtbare und anständige Leute. Er war einer von ihnen – noch… Aber in genau dem Moment, in dem die Wahrheit herauskam, würde er es nicht mehr sein.
Tore Sjøberg saß auf einer Bank gegenüber der Kanzel und hörte dem Pfarrer sichtlich aufmerksam zu. Er war jetzt ein geachteter Mann – anders als damals, vor über zwanzig Jahren…
Seine Hände umklammerten entsetzt das Gesangbuch, als er an damals dachte. Ihm wurde erschreckend bewusst, wozu diese ehrbaren Leute, die ihn jetzt noch freundlich grüßten, fähig sein würden – sobald sie die Wahrheit über ihn erfuhren. Und allein schon deshalb musste er alles tun, damit das nicht geschah!

Als der Gottesdienst vorbei war, verließ er die Kirche zusammen mit den anderen. Tore Sjøberg stand an der Tür, er drückte ihm die Hand, so wie jedem anderen auch und nickte ihm freundlich zu.
„Einen schönen Sonntag für Sie!“
Tore Sjøberg… Heute Kirchenältester, seit über zwanzig Jahren ein Mann mit vorbildlichem Lebenswandel, im ganzen Ort geachtet und geschätzt. Was würde Tore wohl sagen, wenn er wüsste… -
Wie moralisch überlegen er sich damals ihm gegenüber gefühlt hatte! Er war überzeugt gewesen, ein von Natur aus besserer Mensch zu sein. Und jetzt?
Er senkte beschämt den Kopf und murmelte eine höfliche Antwort: er war jetzt viel tiefer gesunken. Und anders als Tore hatte er nicht einmal den Mut und die Stärke, Verantwortung für das zu übernehmen, was er getan hatte. Sein Gesicht brannte vor Scham, als er den kurzen Weg zur Straße hinunterlief.


@Skatha:
Da sich dieser Gottesdienst in einer evangelischen Kirche abspielt, gibt es nicht viel zu tun: evangelische Christen bekreuzigen sich nicht und knien sich auch nicht hin, nur zu den Lesungen, zum Glaubensbekenntnis und zum Vaterunser steht man auf, ansonsten sitzt man - gerade während der Predigt - möglichst still an seinem Platz.

Einige Wiederholungen sind Absicht:
In der ersten Zeile ist es die Stimme des Erzählers.
Im nächsten Absatz ist es das, was der Mörder denkt - seine Sicht auf die Dinge deckt sich hier mit der des Erzählers. Später wiederholt er sich in Gedanken, um sich selbst davon zu überzeugen, dass er immer noch ein anständiger Mensch ist.

Mein Mörder ist tatsächlich eine eher blasse Gestalt: ein ganz normaler, sogar etwas langweiliger Mann mit einem Durchschnittsgesicht und einem Durchschnittsleben. Fleißig, ehrlich, anständig. Keine Narben, keine Tätowierungen, keine besondere Bosheit oder Neigung zu Gewalt.
Wirklich niemand, dem man einen Mord zutrauen würde.

Der Mörder ist Gunnars Arbeitgeber, der Tischlermeister Eskil Iversen. Sein Opfer ist der Onkel von Krister, der vor zwanzig Jahren Eskils Schwester vergewaltigt und damit in den Selbstmord getrieben hat. Der Onkel war danach aus dem Dorf verschwunden: Kristers Vater hatte ihm Geld gegeben und ihm gesagt, dass er sich nie wieder in der Gegend blicken lassen sollte. Als der Onkel doch wiedergekommen war - verkleidet als Landstreicher - um seinen Erbteil einzufordern, hatte Eskil Iversen ihn sofort wiedererkannt. Er hatte ihm aufgelauert und ihm dann mit einem Stein den Schädel zertrümmert, um seine Schwester zu rächen. Später rechtfertigt er seine Tat vor sich selbst damit, dass er einen gefährlichen Verbrecher unschädlich gemacht hat.

Was den Kirchenältesten, Tore, und die Ereignisse "damals" betrifft: als Jugendlicher hatte Tore einmal einen schlimmen Fehler gemacht, der ihn sogar für einige Monate hinter Gitter gebracht hatte. Anders als der Mörder hatte er damals aber den Mut gehabt, dazu zu stehen und sich selbst bei der Polizei zu melden.
Danach war er im Dorf lange behandelt worden wie ein Aussätziger: man hatte ihn gehasst, gemieden, beschimpft und einige hätten ihn am liebsten tot gesehen, einzig seine spätere Frau hatte noch zu ihm gehalten. Den guten Ruf, den er jetzt hat, musste er sich damals hart erarbeiten.

LG, Cammy
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Ruby Smith
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BeitragVerfasst am: 27.01.2022 19:54    Titel: Re: Nordland - Gedanken des Mörders Antworten mit Zitat

Chamomila hat Folgendes geschrieben:
Der Mann, der in der sechsten Reihe saß, fiel niemandem auf. Er war einer von ihnen und saß in ihrer Mitte, seit Jahr und Tag…

Ja, hier saß er also.
Wie an jedem Sonntag. Mitten unter allen anderen ehrbaren Leuten, als einer von ihnen – und niemand schien ihm anzusehen, was er getan hatte. Die Worte des Pfarrers dröhnten von der Kanzel, an seinen Ohren vorbei, ohne dass er sie wirklich hörte. Er überlegte kurz, ob er Reue empfand. Nein, er bereute es nicht. So wenig, wie er es bereut hätte, einen tollwütigen Hund erschossen zu haben. Denn nichts anderes war dieser Kerl gewesen: ein tollwütiger Hund, der jederzeit wieder jemanden anfallen konnte… Sein Blick wanderte über die Kirchenbesucher, die vor ihm saßen. Lauter achtbare und anständige Leute. Er war einer von ihnen – noch… Er wusste genau, dass er es in genau dem Moment nicht mehr sein würde, in dem die Wahrheit herauskam. Er wusste, wozu diese ehrbaren Leute, die ihn jetzt noch freundlich grüßten, dann fähig sein würden – sobald sie die Wahrheit über ihn erfuhren. Und allein schon deshalb durfte diese Wahrheit unter keinen Umständen ans Tageslicht kommen!

Als der Gottesdienst vorbei war, verließ er die Kirche zusammen mit den anderen. Tore Sjøberg drückte ihm die Hand, so wie jedem anderen auch, und nickte ihm freundlich lächelnd zu.
Tore Sjøberg… – heute Kirchenältester, seit über zwanzig Jahren ein Mann mit vorbildlichem Lebenswandel, im ganzen Ort geachtet und geschätzt – was würde er sagen, wenn er wüsste… -
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Er murmelte eine höfliche Antwort und verließ die Kirche im Bewusstsein, dass er ein elender Feigling war.


Hallo Chamomila,

die Textstelle ist an und für sich und abgesehen von den inhaltlichen und den Wortwiederholungen gut geschrieben. Das Einzige, was mich irritiert, ist der Erzählperspektivwechsel. Normalerweise werden Geschichten aus einer Sicht und in einem bestimmten Erzählstil geschrieben. Also entweder personal, auktorial oder als Ich-Erzähler. Ich-Erzähler werden aus der Ich-Perspektive einer Figur geschrieben, wodurch die Leser*innen die Handlung aus deren Sicht erleben können. Personale Erzähler fokussieren sich meistens auf das Innenleben einer Figur, aus deren Sicht sie die Ereignisse in der dritten Person Singular erzählen und sind dementsprechend begrenzt. Auktoriale Erzähler betrachten das Geschehen von oben herab, können in die Köpfe jeder Figur eintauchen und sind allwissend.
Daraus ergibt sich, dass du, wenn du personal erzählst, nicht einfach mittendrin in den Kopf einer anderen Figur springen kannst , da das nur beim auktorialen Erzähler geht .

Die Frage, die sich also stellt: Welchen Erzähltyp verwendest du?

Liebe Grüße

Ruby


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I'd like to add some beauty to life. I don't exactly want to make people know more... though I know that is the noblest ambition, but I'd love to make them have a pleasanter time because of me... to have some little joy or happy thought that would never have existed if I hadn't been born.

(Anne Shirley - Anne of Green Gables, Lucy Maud Montgomery)
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Chamomila
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BeitragVerfasst am: 27.01.2022 20:03    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hej, Ruby

Auktorial:
In meinem Skript wechseln die Perspektiven immer mal wieder - einige Passagen werden aus der Perspektive von Gunnar oder Krister erzählt, andere dann wieder aus der Perspektive von Tore oder Kristers Vater oder Gunnars kleiner Schwester.
Die Perspektivwechsel werden dabei durch doppelte Leerzeilen gekennzeichnet. (Warum ist da in meinem Zitat eigentlich nur eine?!)

LG, Cammy
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Ruby Smith
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BeitragVerfasst am: 27.01.2022 20:14    Titel: Antworten mit Zitat

Chamomila hat Folgendes geschrieben:
Hej, Ruby

Auktorial:
In meinem Skript wechseln die Perspektiven immer mal wieder - einige Passagen werden aus der Perspektive von Gunnar oder Krister erzählt, andere dann wieder aus der Perspektive von Tore oder Kristers Vater oder Gunnars kleiner Schwester.
Die Perspektivwechsel werden dabei durch doppelte Leerzeilen gekennzeichnet. (Warum ist da in meinem Zitat eigentlich nur eine?!)

LG, Cammy


Hey Cammy,


versteh mich nicht falsch, aber wenn es aus der Sicht von einzelnen Charakteren geschrieben ist, klingt das nach einem personalen Erzähler und nicht nach einem auktorialen, der über dem Geschehen schwebt. Auch deine Textpassage las sich eher personal als auktorial.

Wenn du also einen personalen Erzähler hast, bist du im Bereich der Multiperspektivität, die Geschichte wird also aus der Sicht von mehreren Figuren und ihrer beschränkten Sicht erzählt. Dementsprechend funktioniert die Art und Weise deiner Perspektivwechsel nur bedingt, da du einen auktorialen mit einem personalen Erzähler vermischst. Zumindest kommt mir das anhand der kurzen Textstelle so vor, weil du im ersten Satz von "Der Mann [...]" (auktorial) sprichst und im nächsten Absatz von "Ja hier saß er also" (personal).

Liebe Grüße

Ruby


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Chamomila
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BeitragVerfasst am: 27.01.2022 20:33    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hej, Ruby!

Hier noch mal eine etwas längere Textpassage mit dem Mörder:

Zitat:
„Noch’n Schnaps!“  
Gunvor sah hoch und füllte ein Glas. Der Gast leerte es und hielt es ihr wieder hin, sie füllte nach.
„Hast du das Zeug für die Katze?“
Sie nickte, holte unter der Theke zwei Flaschen hervor und schob sie ihm hin:
„Der Apotheker sagt, wenn’s keine Kratzer geben soll, soll’n Sie die beiden Flaschen hier mischen – und das ganze Tuch damit nass machen, nich’ nur ’n paar Tropfen. Und dann die Pfoten festhalten und die Miez das Zeug einige Minuten lang einatmen lassen.“
Der Gast steckte die beiden Flaschen ein, leerte sein Glas und schob ihr eine Krone hin.
„Rest ist für dich!“ murmelte er, als er aufstand und ging.
Gunvor ließ die Münze in ihre Schürzentasche gleiten, griff nach dem Lappen und wischte die Theke sauber.


Åke stand im Warenlager auf der Leiter, zählte Anchovisdosen und trug das Ergebnis sorgfältig in die Liste ein. ‚Zähl’ nicht die ganze Nacht durch!’ hatte Kaufmann Ekdal ihn beim Abendessen noch ermahnt, aber Åke wollte das Lagerverzeichnis noch abschließen, bevor es Sonntag wurde.
So – jetzt nur noch die Päckchen mit dem Waschmittel, dann war er fertig! Draußen dämmerte es schon, aber jetzt im Sommer wurden die Nächte nie wirklich dunkel: er würde nicht mal eine Laterne für den Heimweg brauchen.
Der Junge stieg von der Leiter und beugte sich über die Kiste mit dem Waschpulver.


Sie warteten in einem schmalen Gang zwischen zwei Häusern.
“Hast du das Zeug?“
Er nickte. Der Mann neben ihm hatte sich eine selbstgenähte Kapuze über den Kopf gezogen, die das Gesicht völlig verdeckte. Genau wie er selbst. Niemand sollte erkennen, wer sich noch alles an diesem Plan beteiligte, darauf hatten sie sich alle geeinigt: je weniger jeder wusste, umso weniger konnten sie im Fall eines Falles aussagen!
„Hier!“
Er hielt eine Flasche hoch, in der früher Kampfersublimat gewesen war. Jetzt befand sich darin der Inhalt von den beiden Fläschchen, die ihm diese Frau in Olsens Ølstue besorgt hatte. Mit der anderen Hand tastete er nach seinem Messer. ‚Die Pfoten festhalten’ hatte der Apotheker gesagt. Das mochte vielleicht bei einer Katze gehen - aber hier würde ein Messer an der Kehle sicherlich besser wirken…
„Hast du die Lappen? Und den Wagen?“
Der Mann neben ihm nickte ebenfalls und spähte um die Ecke.
„Der lässt sich aber Zeit!“
„Wird schon noch kommen: wenn er zu seinen Alten will, muss er hier längs.“
Er klappte vorsichtig sein Messer auf und machte sich bereit. Er musste diese Aussage haben – die entscheidende Aussage gegen Erik Forsbrand: das würde seinen Kopf retten! Wenn der alte Forsbrand erst mal als Mörder verurteilt war, würden die Ermittlungen eingestellt. Niemand würde dann mehr auf ihn kommen. Und dafür war er bereit, jedes Risiko einzugehen!


Åke legte das Lagerverzeichnis gut sichtbar auf den Schreibtisch im Kontor und schloss die Tür sorgfältig hinter sich ab. Es war das erste Mal gewesen, dass er den Lagerbestand ganz allein aufgenommen hatte. Hoffentlich hatte er alles richtig eingetragen, dachte er, während er sich auf den Weg zu seinen Eltern machte:
’Sehr gut gemacht, mein Junge!’ würde Kaufmann Ekdal dann sagen und ihm anerkennend auf die Schulter klopfen. Åse Ekdal würde vielleicht auch endlich ein lobendes Wort für ihn finden. Und Greta würde strahlen und stolz auf ihn sein. Und – ja und ganz vielleicht würde sie dann auch ‚ja’ sagen, wenn er sie zu einem kleinen Picknick einlud: sie könnten zu dieser hübschen kleinen Lichtung oben im Wald wandern… – Er würde Mutter bitten, für sie beide ihre köstlichen „Krøller“ zu backen: zarte, in sich verschlungene, zuckerbestreute Kekse, die auf der Zunge zergingen und…
Ein nasses Tuch, das süßlich roch, wurde ihm plötzlich fest auf Mund und Nase gepresst - und im gleichen Moment fühlte er eine scharfe Klinge an seiner Kehle.
„Schön still halten! Und schön tief weiteratmen! Dann passiert dir auch nichts!“
Åke gehorchte zitternd. Er wurde in einen kleinen Weg zwischen zwei Häusern gezerrt. Jemand riss seine Hände nach hinten und band sie fest mit einem Strick zusammen, ebenso wie seine Füße. Nach und nach wurde ihm seltsam schwindlig.
„Schnell – die Lappen!“ hörte er – wie aus weiter Ferne - eine Stimme zischen.
Das letzte, was er bewusst wahrnahm war, dass ihm jemand die Augen verband. Und dann versank alles um ihn her…


LG, Cammy

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Ruby Smith
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BeitragVerfasst am: 28.01.2022 11:23    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Cammy,

also bei dieser Textstelle wurde mir das Perspektiv-Hopping sehr schnell zu viel. Die Passagen sind zu kurz, um als Leser*in im Geschehen anzukommen, denn kaum hat man sich orientiert, springt man schon weiter. Auch habe ich irgendwann den Überblick über die verschiedenen Personen verloren und wusste nicht mehr, wer wer ist und wieso gerade aus seiner Perspektive erzählt wird.
Auch haben mich die Leerzeilen rausgebracht, weil die normalerweise für einen Zeitsprung oder einen Ortswechsel stehen. Hier wusste ich aber nicht, wie viel Zeit zwischen Gunvors und Åkes sowie Åkes und der Perspektive des Mörders lag.
Zuletzt fand ich auch das Weglassen von klaren Figurbezeichnungen in den Passagen des Mörders schwierig, da zwei verschiedene Personen beteiligt sind, die aber nicht weiter beschrieben werden.

Liebe Grüße

Ruby


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(Anne Shirley - Anne of Green Gables, Lucy Maud Montgomery)
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HansGlogger
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BeitragVerfasst am: 28.01.2022 12:38    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Cammy,
zuerst mal eine generelle Frage. Die Handlung spielt in:

Norwegen, Ende 19. Jahrhundert, in einem winzigen, verschlafenen Dorf auf dem Land.

Gibt es dafür einen besonderen Grund? Soll das nur eine exotische Kulisse sein, oder ist der Hintergrund mit der Handlung so eng verknüpft, dass sie nicht woanders statt finden könnte? Nur aus Interesse gefragt, keine Kritik.

Zum letzten Ausschnitt. Mit fällt auch schwer die einzelnen Handlungstränge auseinander zu halten. Im gesamten Roman mag das anders sein, wenn der Leser die Figuren besser kennt. Ich würde in Ausschnitten die Handlungsstränge farbig oder kursiv oder wenigstens mit Sternchen abgrenzen
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Chamomila
Geschlecht:weiblichLeseratte


Beiträge: 117



BeitragVerfasst am: 28.01.2022 17:35    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hej, HansGlogger!

Zitat:
Norwegen, Ende 19. Jahrhundert, in einem winzigen, verschlafenen Dorf auf dem Land.

Gibt es dafür einen besonderen Grund? Soll das nur eine exotische Kulisse sein, oder ist der Hintergrund mit der Handlung so eng verknüpft, dass sie nicht woanders statt finden könnte?


Letzteres:
Als ich die Geschichte angefangen hatte, war hier gerade der erste Lockdown und ich hab dazu noch in Quarantäne gesessen. Ich wollte nur noch raus und weit weg - also habe ich angefangen, über eine Gegend zu schreiben, in die meine Großeltern oft gereist waren und die sie mir immer als wunderschön beschrieben haben: Südnorwegen.
(Inzwischen habe ich zahlreiche Aufnahmen aus dieser Gegend gesehen: meine Großeltern haben recht - es ist da tatsächlich unglaublich schön! Sobald diese Corona-Sache sich beruhigt hat, muss ich da unbedingt mal hinreisen und mir das alles aus der Nähe ansehen!)
Und mit der Zeit habe ich dann (auch dank der Hilfe einiger Norweger, die ich über das Internet kennengelernt habe) so viel Lokalkolorit in die Handlung eingebaut, dass sie inzwischen tatsächlich nirgendwo anders mehr spielen kann, als in der Gegend zwischen Kristiansand und Byglandfjord.

LG, Cammy
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