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Opa, warum hast du Angst vor Gott?


 

 
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Patrick Schuler
Geschlecht:männlichKlammeraffe

Alter: 26
Beiträge: 969



BeitragVerfasst am: 25.10.2021 12:03    Titel: Opa, warum hast du Angst vor Gott? eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Gleich in jungen Jahren,
ich war 4, oder 5
brachte man mir bei,
Gott sei im Himmel.

Das schien mir klar.
Ich sah den Himmel,
und er war schön.
Die Vögel,
hielt ich für Engel.

Am meisten aber,
bedeuteten mir die Flugzeuge.
Sie waren die Erzengel, alle,
Gabriel, Michael, Uriel und Raphael.
Ich war stolz sie zu kennen.
Sie verkündeten Gott.

Ich war 4, oder 5,
da saß ich oft draußen,
mit meiner Mutter,
und mit meinen Opa.
im Garten saßen wir,
und der Himmel war blau.
Er war schön.

Einmal flog ein Flugzeug,
oben im Himmel
und der Himmel war blau.

Da wurde Opa ganz weiß.
„Opa“, sagte ich,
„du musst keine Angst haben
vor Gott! Gott ist gut!“

Er seufzte nur,
nahm seine Brille ab.
Wir schwiegen.
Lange.

Unter einem Himmel
Der schön war. Und still.



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in unserer welt
gehen wir hin über höllen
und sehen die blumen

"Issa"
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odradek
Geschlecht:männlichErklärbär

Alter: 20
Beiträge: 3



BeitragVerfasst am: 31.10.2021 23:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Patrick!

Dein Gedicht gefällt mir gut. Das melancholische Gefühl des Zurückerinnerns an eine Zeit, in der man noch ehrlich und unschuldig glauben konnte, hast du – zumindest in mir – gut getroffen. Gerne würde man sich in so einen Zustand (zurück)versetzen. Aber der Himmel bleibt eben still – für uns wie für Opa. Hier möchte ich loben, wie du das Gedicht ausklingen lässt, das hat definitiv gewirkt.
Was mich etwas gestört hat, war die Wahrnehmung des 4(oder 5)-jährigen Ichs der Vögel/Flugzeuge als Engel. Das reduziert den Glauben irgendwie auf einen Mangel an Urteilskraft. Zugegeben, bei einem Kleinkind mag diese noch nicht allzu ausgeprägt sein, aber hier geht das Gedicht an dem, was mich bewegt hat – die abhandengekommene Fähigkeit, zu glauben – vorbei. Und die Welt durch Kinderaugen sehen ist ja nicht dasselbe, wie sie durch die Augen eines Dummkopfes zu sehen.
Man könnte das Kind ja die Vögel als Wunder der Schöpfung bestaunen lassen, und die Flugzeuge als Beweis, dass Gott den Menschen liebt und ihn so geschaffen hat, dass er Dinge erfinden kann etc… Falls du das ändern möchtest, findest du bestimmt die richtigen Worte/Ideen.
Ansonsten sind mir zwei kleine Tippfehler aufgefallen:
Zeile 22 „meinem Opa“ anstatt „meinen Opa“
Zeile 23 den Satzanfang groß

Ich bedanke mich jedenfalls fürs Lesen dürfen und hoffe, ich konnte ein bisschen helfen! smile
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BlueNote
Geschlecht:männlichStimme der Vernunft


Beiträge: 7254
Wohnort: NBY



BeitragVerfasst am: 01.11.2021 08:52    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Morgen Patrick!

Hübsch, deine Ausführung ... teilweise.

Das mit den Engeln, mit Gott und der Natur gefällt mir eigentlich. Dass der Opa allein vom Anblick eines Flugzeugs 50 Jahre nach dem Krieg noch "ganz weiß" wird, finde ich dagegen etwas seltsam. Oder an was erinnern ihn die Flugzeuge sonst?

Die neue Aufarbeitung der Vergangenheit unserer Großeltern finde ich gut, die heutzutage literarisch immer wieder aufgegriffen wird. Diejenigen, die ich in den 70-er Jahren miterlebt habe, erscheint mir heute doch sehr selbstgerecht gewesen zu sein. Nach einem politischen Dornröschenschlaf (einer unpolitischen Jugend) tritt diese "Selbstgerechtigkeit" der Sturm-Und-Drang-Generation erst heutzutage wieder so richtig zutage (beim Klimaschutz oder der Pandemiebekämpfung etwa). Ähnlich larmoyant darf man sich den Umgang auch in den 70-ern der Jüngeren gegenüber den Rest der Welt vorstellen.

Aber genau ist nicht ersichtlich, worum es dir bzw. dem Opa eigentlich geht. Die Dinge aus dem Blickwinkel des naiven Kindes zu betrachten, ist jedenfalls schon mal gut. "Das schien mir klar." ist so herrlich "vernünftig", so wie 5-Jährige eben manchmal zu sein glauben.

Das Thema, wenn ich es denn erkannt habe, ist ein weites Feld. Am Schluss würde ich mir den Text weniger diffus wünschen. Mit einer konkreten Aussage und weniger Poesie. Vielleicht ... ich weiß nicht genau.

BN
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Patrick Schuler
Geschlecht:männlichKlammeraffe

Alter: 26
Beiträge: 969



BeitragVerfasst am: 07.11.2021 14:22    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hey odradek

coole Kritik, danke dir. Aber dennoch muss ich einwenden, dass hier ja zeei Weltbilder aufeinanderprallen sollen, einmal das kindlich Naive, dass die Welt in seiner Naivität mit Gott identifiziert und dem alten Mann, der das nicht mehr kann. Denn gerade darin, liegt ja der eigentliche Kern des Theodizee Problems smile

lg
Patrick


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"Issa"
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Patrick Schuler
Geschlecht:männlichKlammeraffe

Alter: 26
Beiträge: 969



BeitragVerfasst am: 07.11.2021 14:28    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Blue Note

Du wirst lachen, aber die Sache mit dem Opa, der bei Flugzeugen in Angst verfällt, weiß wirs und still, hab ich mir nicht ausgedacht, das war bei meinem Großvater väterlicherseits tatsächlich so.

Um eine Aufarbeitung der Kriegszeit aber, ging es mir beim besten Willen nicht, ich glaube sowieso, dass sich die deutsche Gesellschaft bis in den Eahnsinn hinein zu sehr auf diese Zeit fokussiert. Das hat inzwischen etwas von Masochismus. Aber das ist ein anderes Thema, das nicht hierher gehört. Mir ging es einfach um das Feststellen des Theodizee Problems, gerade im Genarationsbruch. Dabei soll das Gedicht offene Fragen zurücklassen, einfach weil ich persönlich glaube, es gibt auf diese Frage exakt Null Antworten, die etwas taugen, es soll mehr berühren, als interpretieren. War aber sowieso nur ein 5 Minuten Wurf und sicher eines meiner schlechteren Gedichte.

lg
Patrick


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