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Worüber wir reden


 

 
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anderswolf
Geschlecht:männlichKlammeraffe


Beiträge: 850
Wohnort: Bad Nauheim


BeitragVerfasst am: 23.09.2021 09:08    Titel: Worüber wir reden eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Kondens

Nebel drückt sich an
die Scheibe auch von innen
dunstbeschlagen die Synapsen
im Kopf zertasten sich
die Worte fehlen mir und

Im Wannenbad schwimme ich
aus meiner Haut löst sich
mein Schweiß schmeckt
nach Mitternacht esse ich
meine Wut hält mich, nicht

Aus den Feldern steigt
der Mond verliert sich zwischen
den Sternen ist unser Streit
gleich sind wir

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Lorraine
Geschlecht:weiblichKlammeraffe


Beiträge: 717
Wohnort: France
Das goldene Stundenglas Ei 10
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BeitragVerfasst am: 25.09.2021 10:21    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo anderswolf

Es geht um Streit und wie er endet, oder auch nicht endet. Kondens heißt das Gedicht, also einerseits denke ich natürlich an „Kondensation“: der Nebel, der sich an die Scheibe drückt, die wiederum auch von innen beschlagen ist. Da ist die Sicht schlecht, auch die auf sich selbst, wie die sich zertastenden Synapsen und die fehlenden Worte mir sagen. LI fährt aber nicht aus der Haut, es schwimmt aus ihr, später, als es versucht, zu ent-spannen. Dann, spät, kommt ein Bewusstsein, ich denke mal, vielleicht über die Kleinheit des Ganzen, wie es oft beim Anblick eines Sternenhimmels passiert. „Gleich sind wir“ … schließt für mich zum Titel auf: „Kondens“, also auch so etwas wie Nebel oder winzige Flüssigkeitsteilchen. Was aber auffällt, ist die Assonanz des Wortes „Kondens“ zu „Konsens“. Ersteres führt für mich zur Niedergeschlagenheit, die sich im Text ausdrückt, das zweite wäre das Zusammenkommen, „…  zwischen
den Sternen ist unser Streit …“, oder vielleicht ein Gefühl des Friedens oder sogar des Einsseins.

Auffällig ist das Komma:

„…  meine Wut hält mich, nicht

Aus den Feldern steigt
der Mond …“ - es ist das einzige im Gedicht, es trennt klar. Man kann hier keinen Übergang lesen, es gehört das „nicht“ dadurch zum Mond, der nicht aus den Feldern steigt und die Wut bleibt beim LI, was irgendwie widersprüchlich scheint, vielleicht darauf hinweist, wie LI allein mit der Wut bleibt.
Ein durchgängiges Versmaß erkenne ich nicht, aber ein gewisser Rhythmus entsteht, je nachdem, wie ich lese.
Mir gefällt dieses (erste?) Gedicht, das du unter „Worüber wir reden“ geteilt hast, hier kondensiert das Ungesagte, oder eine Auseinandersetzung hat schon vorher und woanders stattgefunden, jedenfalls: es hat was.

Gruß von
Lorraine
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anderswolf
Geschlecht:männlichKlammeraffe


Beiträge: 850
Wohnort: Bad Nauheim


BeitragVerfasst am: 27.09.2021 09:07    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Lorraine,

vielen Dank für deine Auseinandersetzung mit meinem Gedicht. Ich kann deiner Interpretation wenig hinzufügen, da sie recht umfassend und vollständig erfasst, was ich ausdrücken wollte: dass da ein Streit ist oder war, und dass dieser Streit sich auf alles andere legt und und damit aus der Sicht nimmt; und dass dieser Streit letztlich (also vor dem Hintergrund von allem anderen) klein ist und vielleicht kleinlich.

Die "Niedergeschlagenheit", die du erwähnst, finde ich gleichzeitig passend und amüsant, denn auch Kondenswasser schlägt sich ja auch nieder, ein Wortspiel, das ich vielleicht auch hätte einflechten können, wenn ich daran gedacht hätte. Wenn es sich aber auch so im Text wiederfindet, ist es vielleicht umso besser.

Dieses Alleinbleiben mit der Wut, das du siehst, ist tatsächlich beabsichtigt; und dass ich es erkläre, liegt vielleicht daran, dass ich neben den ineinanderfließen Zeilen auch einen anderen "Kniff" (in Ermangelung eines besseren Wortes) verwendet habe: die Auslassung des Du. Der Text endet mit einem "wir", aber der Widerpart im Streit fehlt, und so ist es zwar eine Auseinandersetzung mit jemandem, dieses Gegenüber aber ist nicht greifbar. Das Du ist das zweimal fehlende Wort am Ende der ersten beiden Strophen. Oder eben auch nicht fehlend, weil seine Abwesenheit ja erst die widersprüchlich scheinende Spannung von Übergängen ermöglicht.

Ein richtiges Versmaß ist in der Tat nicht gegeben, war aber auch nicht beabsichtigt; sein Fehlen unterstreicht vielleicht auch das Ungleichmäßige eines Streites.

Und letztlich, ja, geplant ist ein längerer Faden mit Verdichtetem, "Kondens" soll da nicht der einzige Eintrag bleiben, auch wenn die folgenden Gedichte noch nicht existieren. Aber irgendwo muss ich ja anfangen.

Vielen Dank nochmals für deinen Kommentar, der meine Intention nicht nur erkannt und erklärt hat, sondern auch unbewusst intendiertes bestätigt.

Gruß zurück!
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anderswolf
Geschlecht:männlichKlammeraffe


Beiträge: 850
Wohnort: Bad Nauheim


BeitragVerfasst am: 19.01.2022 18:04    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Schuppungen

das Zwischen teilt
es oder fällst du
nur ab vor Glauben

das Brechen der
Haut schilfert dich
suchst du denn Halt

schorfst dir die Worte
selbst am Wetzstahl
deiner Verheißung

der Riss reißt nur
dich in den Abgrund
die Klippe sind wir

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Nina
Geschlecht:weiblichDichterin


Beiträge: 5328



BeitragVerfasst am: 20.02.2022 21:26    Titel: Re: Worüber wir reden Antworten mit Zitat

lieber anderswolf,

dein gedicht hat etwas geheimnisvolles. es geht um einen streit und eine
wichtige verbindung. die enge im auto und damit verbunden auch der
verengte blick, die fehlenden worte.
der sprung ins wannenbad will mir nicht so recht gelingen, aber vielleicht
ist es metapher für "schwimmen", d.h. unsicher sein, taumeln vielleicht.
wegen der wut, des unmutes, der schweißperlen, etwas sagen und
bewältigen zu wollen, das irgendwie nicht möglich zu sein scheint.
vielsagend die letzte zeile: gleich sind wir. das könnte heißen, dass die
streitenden einander ähnlich oder gleich sind. es könnte auch heißen,
dass die beiden gleich sind. d.h. etwas sind. einander vielleicht. kondenz
und konsens, was mir sofort dazu einfiel.
wie dem auch sei. hat mir gefallen. das zweite gedicht dazu habe ich
noch nicht gelesen.

lg
nina



anderswolf hat Folgendes geschrieben:
Kondens

Nebel drückt sich an
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anderswolf
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Beiträge: 850
Wohnort: Bad Nauheim


BeitragVerfasst am: 22.02.2022 19:32    Titel: Re: Worüber wir reden pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Nina,

vielen Dank für die Auseinandersetzung mit "Kondens". Ja, es geht um Streit, das hast du richtig erkannt, und es geht auch darum, wie trotz dieses Streits wieder Konsens gefunden werden kann: dass nämlich die Auseinandersetzung vor dem Hintergrund all dessen, was wirklich und wichtig ist, letztlich kleinlich und unnötig ist. Dass aber eine Versöhnung nicht stattfinden kann, weil das LI zu sehr auf sich bezogen ist und das LWir letztlich nicht findet.

In Lorraines Kommentar und in meiner Antwort darauf finden sich noch einige weitere Erklärungs- und Interpretationsansätze.

Das mit dem Wannenbad ist zugegebenermaßen schwer verständlich, es war sehr situativ bezogen und würde heute nicht mehr Eingang finden in diesen Text. Andererseits würde ich das ganze Gedicht wahrscheinlich so nicht mehr schreiben, weil ich keinen richtigen Zugang mehr zu dieser Emotion und diesen Bildern habe.

Interessieren würde mich, wie du ein Auto gefunden hast in dem Text, denn das habe ich da überhaupt nicht verankert.

Vielen Dank für deinen Kommentar!
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Nina
Geschlecht:weiblichDichterin


Beiträge: 5328



BeitragVerfasst am: 22.02.2022 19:35    Titel: Re: Worüber wir reden Antworten mit Zitat

anderswolf hat Folgendes geschrieben:


Interessieren würde mich, wie du ein Auto gefunden hast in dem Text, denn das habe ich da überhaupt nicht verankert.

Vielen Dank für deinen Kommentar!


gerne! und: das mit dem auto habe ich aus dem folgenden geschlossen:

Nebel drückt sich an
die Scheibe auch von innen


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anderswolf
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Beiträge: 850
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BeitragVerfasst am: 22.02.2022 19:45    Titel: Re: Worüber wir reden pdf-Datei Antworten mit Zitat

Nina hat Folgendes geschrieben:

gerne! und: das mit dem auto habe ich aus dem folgenden geschlossen:

Nebel drückt sich an
die Scheibe auch von innen


Oh, ok. Ich hatte da tatsächlich eher an eine Fensterscheibe gedacht, aber klar, Autofenster geht natürlich auch.
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Nina
Geschlecht:weiblichDichterin


Beiträge: 5328



BeitragVerfasst am: 22.02.2022 19:55    Titel: Antworten mit Zitat

an ein fenster in einer wohnung hätte ich nie gedacht.
ist vermutlich so, dass sich einem ein "setting" oder
bild im geiste öffnet, wenn man etwas liest und wenn
sich das stimmig anfühlt/liest, bleibt es auch dabei.


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anderswolf
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Beiträge: 850
Wohnort: Bad Nauheim


BeitragVerfasst am: 25.02.2022 00:18    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Schwert/Feder

der Sturm
der das Gefieder
der Taube spreizt

bricht ihr

nicht Fahne
nicht Kiel

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anderswolf
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Beiträge: 850
Wohnort: Bad Nauheim


BeitragVerfasst am: 15.03.2022 18:42    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

verschweige dem Feuer das Holz

seine Gier beißt sich
in unsere Augen
und
unsere Tränen entreißt uns
sein Hunger

in seinem Flackern
queren wir Schatten

erreichen wir bald
eine Lichtung
oder
gehen wir tiefer
hinein in die Glut

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anderswolf
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Beiträge: 850
Wohnort: Bad Nauheim


BeitragVerfasst am: 10.04.2022 14:11    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Doppelbelichtung

den Tod haben wir
abgeschafft
er passte uns
nicht mehr ins Bild

hier schlafen Menschen
mit Sand in den Augen
atemlos die Ruhe
zu wahren

dieser hier malte mir
Milchherzen auf den Kaffee
und schenkte mir
Kekse mit süßem Kern

hier hat er die Augen
geschlossen das Lächeln
verloren das Herz hart
und kalt seine Haut

wir legen ihn hier
unter Erde und Steine
die streunenden Hunde
wecken ihn nicht.
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