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Aale


 

 
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Admiral Aal
Geschlecht:männlichSchneckenpost

Alter: 19
Beiträge: 7
Wohnort: Linz


BeitragVerfasst am: 28.08.2021 03:39    Titel: Aale eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

„Aale, überall Aale!“, fluchte er und versuchte noch zu entkommen. Doch als er merkte, dass in den Schacht, über den er sich zu retten versuchte, nun auch von oben die länglichen, glitschigen Fische eindrangen, wurde ihm bewusst, dass es nun bald mit ihm vorbei war.

So stand er auf der kalten und nassen Eisenleiter, unter ihm die grünlich-gräuliche Masse, die stetig anstieg, über ihm der Himmel – und eine Art Wasserfall aus Aalen.

Bald hatten die Aale seine Füße erreicht, er konnte ihre kalten, glitschigen Körper an der Haut spüren.
War dies nun das Ende?
Würde er nun in Aalen ersticken?

Wäre ihm es nicht gleichgültig gewesen, hätte er vermutlich versucht, sich nach oben zu kämpfen, doch für ihn schien es nicht das höchste Ziel zu sein, dem grauenhaften Tod zu entkommen. Daher stand er nur da und hielt die kalte Leiter fest umklammert.
Er hatte ja nichts zu verlieren.
Er stellte sich ein letztes Mal vor, die Leiter sei eine der vielen Personen gewesen, die er einst gewünscht hatte, so fest zu umklammern, so wie er nun die Leiter hielt.
Keine einzige sollte es gewesen sein. Nur eine kalte, gräulich glänzende, an einigen Stellen rostige Leiter in einem tiefen Schacht neben einer Industriehalle.
Und doch fühlte sich die Umarmung für ihn an, als hätte er gerade das Mädchen umarmt, das er in jungen Jahren geliebt hatte und nicht einmal freundschaftlich umarmen durfte.

Als er immer tiefer versank in der lebendigen Masse aus tausenden Aalen, dachte er, nun könne er nicht nur umarmen, sondern auch küssen. So schloss er seine Augen, obwohl er ohnehin nichts mehr sah, weil die Aale ihn mittlerweile zur Gänze bedeckten, und stellte sich das wunderschöne Gesicht der zierlichen jungen Frau vor, die er wohl noch immer liebte, obwohl ihre letzte Begegnung nun schon sicher mehr als ein Jahrzehnt vergangen war und keinesfalls als ein schönes Ereignis in Erinnerung blieb.
Ein süßes, rundes Gesicht, das ihn strahlend anlächelnde, mit schönen blauen Augen und kurzem blonden Haar sah ihn nun an und wartete, leidenschaftlich von ihm geküsst zu werden. Sie trug eine weiße Kappe und eine von ihr selbst gebastelte Perlenkette. Und obwohl sie lächelte, konnte man ihr eine gewisse Traurigkeit ansehen.

Als er sie nun küsste, schien sich ihre Stimmung zu bessern. Nach einer Weile wirkten beide so glücklich wie nie zuvor.
Doch plötzlich schmeckte er anstatt des süßen Geschmacks, den ihre Lippen sicherlich hatten, nur mehr Fisch.
Anstatt der zarten, roten Lippen berührte sein Mund nur mehr eine glitschige Substanz.
Ihre wunderschöne helle, fast schneeweiße Haut war von einer Sekunde auf die andere grün und stank entsetzlich nach Fisch.
Als er auch noch in ihre Augen sah und nur mehr zwei winzige Fischaugen erblickte, wurde er sich wieder der bitteren Realität bewusst.

Er küsste gerade einen Aal, während er die Leiter, seine einzige Rettungsmöglichkeit, fest umarmt hielt, anstatt sich daran hochzuziehen.
Das Kribbeln im ganzen Körper, das er für das angenehme Gefühl hielt, das Liebe bereiten kann, verwandelte sich zurück in einen elektrischen Schlag, verursacht durch einen Zitteraal.

Und als ihm die Sinne schwanden, weil er anstatt Luft nur mehr dreckiges Wasser und Aale atmete, stand sie ein letztes Mal vor ihm und lächelte ihn traurig an.

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MarMa
Geschlecht:weiblichEselsohr


Beiträge: 213
Wohnort: Wien


BeitragVerfasst am: 28.08.2021 09:22    Titel: Re: Aale Antworten mit Zitat

Servus Admiral, danke für deine Leseprobe.

Erst einmal hat sie eine angenehme Länge und hat sich recht leicht lesen lassen, das empfinde ich schon mal gut.
Dein Text ist der erste, an dem ich mich versuche und wie alle anderen es immer schreiben, nimm dir was du brauchen kannst.

Erst einmal inhaltlich:
Ich habe zwar verstanden, dass du hier im Text einen, vermutlich jungen, Mann sterben lässt, aber es bleiben einige Fragen offen.
Warum ist er in dieser misslichen Lage?
Was möchtest du dem Leser/der Leserin damit erzählen?
Wenn deine Geschichte auch eine durchaus für mich fühlbare Atmosphäre hat und ich mir die Szene gut vorstellen kann, fehlt mir die Prämisse. Damit kann ich den Sinn deiner Kurzgeschichte nicht wirklich erkennen.
Ein Twist wäre schön gewesen. Eigentlich passiert ja genau das, was man erwartet, das hat mich ein wenig enttäuscht zurückgelassen.

Und nun zum Sprachlichen:
Du verwendest für meinen Geschmack ein wenig zu viele Wortwiederholungen, ich werde sie dir im Text teilweise unterstreichen. Es gibt allerdings wesentlich mehr davon.
Du verwendest auch sehr oft das Wörtchen "als", ich kennzeichne es dir einmal in der Farbe Blau.
Ansonsten schreibe ich in den Text.

Admiral Aal hat Folgendes geschrieben:
„Aale, überall Aale!“, fluchte er und versuchte noch zu entkommen. Doch als er merkte, dass in den Schacht, über den er sich zu retten versuchte, nun auch von oben die länglichen, glitschigen Fische eindrangen, wurde ihm bewusst, dass es nun bald mit ihm vorbei war.

So stand er auf der kalten und nassen Eisenleiter, unter ihm die grünlich-gräuliche Masse, die stetig anstieg, über ihm der Himmel – und eine Art Wasserfall aus Aalen.

Bald hatten die Aale seine Füße erreicht, er konnte ihre kalten, glitschigen Körper an der Haut spüren.
War dies nun das Ende?
Würde er nun in Aalen ersticken?

Wäre ihm es "es ihm" fände ich besser nicht gleichgültig gewesen, hätte er vermutlich versucht, sich nach oben zu kämpfen, doch für ihn schien es nicht das höchste Ziel zu sein, dem grauenhaften Tod zu entkommen. Daher stand er nur da und hielt die kalte Leiter fest umklammert.
Er hatte ja nichts zu verlieren.
Er stellte sich ein letztes Mal vor, die Leiter sei eine der vielen Personen gewesen, die er einst gewünscht hatte, so fest zu umklammern, so wie er nun die Leiter hielt.
Keine einzige Einzige sollte es gewesen sein. Nur eine kalte, gräulich glänzende, an einigen Stellen rostige Leiter in einem tiefen Schacht neben einer Industriehalle.
Und doch fühlte sich die Umarmung für ihn an, als hätte er gerade das Mädchen umarmt, das er in jungen Jahren geliebt hatte und nicht einmal freundschaftlich umarmen durfte.

Als er immer tiefer versank in der lebendigen Masse aus tausenden Aalen, dachte er, nun könne er nicht nur umarmen, sondern auch küssen. "So schloss er seine Augen, obwohl er ohnehin nichts mehr sah, weil die Aale ihn mittlerweile zur Gänze bedeckten, und stellte sich das wunderschöne Gesicht der zierlichen jungen Frau vor, die er wohl noch immer liebte, obwohl ihre letzte Begegnung nun schon sicher mehr als ein Jahrzehnt vergangen war und keinesfalls als ein schönes Ereignis in Erinnerung blieb." Diesen Satz würde ich teilen, er ist etwas sehr lang.
Ein süßes, rundes Gesicht, das ihn strahlend anlächelnde, mit schönen blauen Augen und kurzem blonden Haar sah ihn nun an und wartete, leidenschaftlich von ihm geküsst zu werden. Sie trug eine weiße Kappe und eine von ihr selbst gebastelte Perlenkette. Und obwohl sie lächelte, konnte man ihr eine gewisse Traurigkeit ansehen.

Als er sie nun küsste, schien sich ihre Stimmung zu bessern. Nach einer Weile wirkten beide so glücklich wie nie zuvor.
Doch plötzlich schmeckte er anstatt des süßen Geschmacks, den ihre Lippen sicherlich hatten, nur mehr Fisch.
Anstatt der zarten, roten Lippen berührte sein Mund nur mehr eine glitschige Substanz.
Ihre wunderschöne helle, fast schneeweiße Haut war von einer Sekunde auf die andere grün und stank entsetzlich nach Fisch.
Als er auch noch in ihre Augen sah und nur mehr zwei winzige Fischaugen erblickte, wurde er sich wieder der bitteren Realität bewusst.

Er küsste gerade einen Aal, während er die Leiter, seine einzige Rettungsmöglichkeit, fest umarmt hielt, anstatt sich daran hochzuziehen.
Das Kribbeln im ganzen Körper, das er für das angenehme Gefühl hielt, das Liebe bereiten kann, verwandelte sich zurück in einen elektrischen Schlag, verursacht durch einen Zitteraal.

Und als ihm die Sinne schwanden, weil er anstatt Luft nur mehr dreckiges Wasser und Aale atmete, stand sie ein letztes Mal vor ihm und lächelte ihn traurig an.


Das wären die, für mich, vordergründigsten Kritikpunkte. Ich hoffe, ich habe dir ein wenig helfen können mit deinem Text und bin dir dabei nicht zu nahe getreten. Ich wünsche dir noch viel Spaß beim Schleifen deiner Kurzgeschichte.
Ich bin schon gespannt wie sie sich überarbeitet liest.
Liebe Grüße,
MarMa
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Grim
Leseratte


Beiträge: 133



BeitragVerfasst am: 04.09.2021 13:01    Titel: Antworten mit Zitat

Die Atmosphäre ist gut gemacht, vor allem deswegen, weil du dich auf wenige, dafür starke Bilder beschränkst. Die glitschige Leiter im Industrieschacht, mit den herabregnenden Aalen. Kann man sich was drunter vorstellen, es mit dem Prota mitfühlen: kalt, allein, und auch klein vor dem großen Schacht. Und dann der zweite Teil, in dem er die Leiter mit seiner (unerwidert) Geliebten assoziiert (bzw. das festhalten und nicht hinaufklettern). Am Aufbau habe ich also nichts zu meckern, der ist für mich zielführend und es werden auch nur die Bilder erzeugt, die man braucht.

Ich verstehe den Text so, dass du die Situation des Prota, also unerwiderte Liebe/ Obsession darstellst. Wobei mir da noch nicht ganz klar ist, was hier für was steht. Die Leiter scheint ja der "richtige" Weg hinaus zu sein, statt zu klettern klammert er sich aber an dem Trugbild seiner Geliebten fest. Gut, passt. Wofür die Aale stehen, solltest du mMn. klarer machen. Seine Illusionen? Aber das ist schon in der Leiter. Die Schmerzen, die sie ihm indirekt zufügt (bzw. er sich selbst)?  Zurückweisungen, die er nicht verkraften kann? Du merkst schon, hier muss ich als Leser raten.

Sprachlich sind mir wie MarMa die Widerholungen aufgefallen, und die Adjektive. Persönlich würde ich bei letzterem stark kürzen. Viele Adjektive sind überflüssig, weil sie aus dem Kontext klar werden, oder die Bilder, die sie erzeugen sollen, könnten durch den Prota stärker dargestellt werden. Was ich damit meine, ist, dass ja nicht so wichtig ist, wie z.B. die Leiter tatsächlich ist, sondern wie der Prota sie wahrnimmt und was sie in ihm auslöst. Frieren ihm die Finger, während er sich festhält? Rutschen seine Schuhe auf den glitschigen Sprossen? mMn. würde etwas mehr show dont tell statt den Adjektivketten dem Text guttun.

Am Anfang war ich verwirrt. Erst versucht der Prota zu entkommen, dann sieht er den Aal- Wasserfall (und es wird suggeriert, dass er jetzt aufgibt). Dann fragt er sich aber: "War dies nun das Ende? Würde er nun in Aalen ersticken?" Also ist er sich seines Todes doch nicht sicher? Direkt danach ist es ihm aber gleichgültig. Er will gar nicht dem Tod entkommen, obwohl er als grauenhaft bezeichnet wird. danach: "Er stellte sich ein letztes Mal vor, die Leiter sei..." Also hat er sich schön öfter diese Leiter als eine Person vorgestellt? Steht er da schon länger? Anfangs wird gesagt, er versucht zu entkommen. Und was ist mit dem Aal-Wasserfall, kommt der auf einmal oder ist der schon die ganze Zeit da?


Letzter Punkt: Du bist sehr deutlich, das ist auch größtenteils angenehm, aber du kannst dem Leser schon zutrauen, mehr mitzudenken. Das hier: "Er küsste gerade einen Aal, während er die Leiter, seine einzige Rettungsmöglichkeit, fest umarmt hielt, anstatt sich daran hochzuziehen." ist klar, musst du nicht extra dazuschreiben.

"Und obwohl sie lächelte, konnte man ihr eine gewisse Traurigkeit ansehen." Die Trauer könnte man weglassen oder man müsste darauf eingehen. Warum traurig? Er sieht doch ein höchstwahrscheinlich idealisiertes Bild von ihr vor sich, sie ist wunderschön und makellos (zumindest für ihn). Die Trauer kann ich mir aus dem Text nicht erklären. Vielleicht weil sie weiß, wie er fühlt, und sie Mitleid hat?
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Admiral Aal
Geschlecht:männlichSchneckenpost

Alter: 19
Beiträge: 7
Wohnort: Linz


BeitragVerfasst am: 09.09.2021 02:08    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Grim hat Folgendes geschrieben:
Die Atmosphäre ist gut gemacht, vor allem deswegen, weil du dich auf wenige, dafür starke Bilder beschränkst. Die glitschige Leiter im Industrieschacht, mit den herabregnenden Aalen. Kann man sich was drunter vorstellen, es mit dem Prota mitfühlen: kalt, allein, und auch klein vor dem großen Schacht. Und dann der zweite Teil, in dem er die Leiter mit seiner (unerwidert) Geliebten assoziiert (bzw. das festhalten und nicht hinaufklettern). Am Aufbau habe ich also nichts zu meckern, der ist für mich zielführend und es werden auch nur die Bilder erzeugt, die man braucht.

Ich verstehe den Text so, dass du die Situation des Prota, also unerwiderte Liebe/ Obsession darstellst. Wobei mir da noch nicht ganz klar ist, was hier für was steht. Die Leiter scheint ja der "richtige" Weg hinaus zu sein, statt zu klettern klammert er sich aber an dem Trugbild seiner Geliebten fest. Gut, passt. Wofür die Aale stehen, solltest du mMn. klarer machen. Seine Illusionen? Aber das ist schon in der Leiter. Die Schmerzen, die sie ihm indirekt zufügt (bzw. er sich selbst)?  Zurückweisungen, die er nicht verkraften kann? Du merkst schon, hier muss ich als Leser raten.

Sprachlich sind mir wie MarMa die Widerholungen aufgefallen, und die Adjektive. Persönlich würde ich bei letzterem stark kürzen. Viele Adjektive sind überflüssig, weil sie aus dem Kontext klar werden, oder die Bilder, die sie erzeugen sollen, könnten durch den Prota stärker dargestellt werden. Was ich damit meine, ist, dass ja nicht so wichtig ist, wie z.B. die Leiter tatsächlich ist, sondern wie der Prota sie wahrnimmt und was sie in ihm auslöst. Frieren ihm die Finger, während er sich festhält? Rutschen seine Schuhe auf den glitschigen Sprossen? mMn. würde etwas mehr show dont tell statt den Adjektivketten dem Text guttun.

Am Anfang war ich verwirrt. Erst versucht der Prota zu entkommen, dann sieht er den Aal- Wasserfall (und es wird suggeriert, dass er jetzt aufgibt). Dann fragt er sich aber: "War dies nun das Ende? Würde er nun in Aalen ersticken?" Also ist er sich seines Todes doch nicht sicher? Direkt danach ist es ihm aber gleichgültig. Er will gar nicht dem Tod entkommen, obwohl er als grauenhaft bezeichnet wird. danach: "Er stellte sich ein letztes Mal vor, die Leiter sei..." Also hat er sich schön öfter diese Leiter als eine Person vorgestellt? Steht er da schon länger? Anfangs wird gesagt, er versucht zu entkommen. Und was ist mit dem Aal-Wasserfall, kommt der auf einmal oder ist der schon die ganze Zeit da?


Letzter Punkt: Du bist sehr deutlich, das ist auch größtenteils angenehm, aber du kannst dem Leser schon zutrauen, mehr mitzudenken. Das hier: "Er küsste gerade einen Aal, während er die Leiter, seine einzige Rettungsmöglichkeit, fest umarmt hielt, anstatt sich daran hochzuziehen." ist klar, musst du nicht extra dazuschreiben.

"Und obwohl sie lächelte, konnte man ihr eine gewisse Traurigkeit ansehen." Die Trauer könnte man weglassen oder man müsste darauf eingehen. Warum traurig? Er sieht doch ein höchstwahrscheinlich idealisiertes Bild von ihr vor sich, sie ist wunderschön und makellos (zumindest für ihn). Die Trauer kann ich mir aus dem Text nicht erklären. Vielleicht weil sie weiß, wie er fühlt, und sie Mitleid hat?


Danke für deine Verbesserungsvorschläge, ich bin gerade dabei, den Text ein bisschen zu überarbeiten.

Die Aale haben tatsächlich keine besondere Bedeutung.
Ich liebe es halt, absurde Texte über surreale Situationen zu schreiben. Dazu kommt noch, dass im späteren Teil der Geschichte nicht nur die Eisenleiter, sondern auch ein Aal für die Geliebte gehalten wird. Hätte ich den armen Protagonisten "nur" im Regenwasser ertrinken lassen, wäre die Geschichte meiner Meinung nach zu realistisch, zu ernst und auch nicht speziell genug.

Übrigens wurde ich von einem Ereignis, das mir im Sommer passierte inspiriert.

Ich hab diesen Sommer in einem Stahlwerk gearbeitet. Einmal kam es zu starken Regenfällen, und musste helfen, ein paar überflutete Keller dort auszupumpen.
Da stand ich unten, mit Gummistiefeln und unzureichendem Regenschutz, und musste einen Schlauch in einen überschwemmten Raum neben dem Schacht verlegen. Von oben kam immer mehr dreckiges Wasser, und aus irgendeinem Grund dachte ich mir, wie es wohl wäre, wenn in dem Wasser Aale wären.
Das hat mich dann länger beschäftigt, und ich beschloss, darüber etwas zu schreiben.
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agto
Geschlecht:männlichEselsohr

Alter: 63
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BeitragVerfasst am: 12.09.2021 21:47    Titel: Antworten mit Zitat

Admiral Aal hat Folgendes geschrieben:

Die Aale haben tatsächlich keine besondere Bedeutung.
Ich liebe es halt, absurde Texte über surreale Situationen zu schreiben. Dazu kommt noch, dass im späteren Teil der Geschichte nicht nur die Eisenleiter, sondern auch ein Aal für die Geliebte gehalten wird. Hätte ich den armen Protagonisten "nur" im Regenwasser ertrinken lassen, wäre die Geschichte meiner Meinung nach zu realistisch, zu ernst und auch nicht speziell genug.

Übrigens wurde ich von einem Ereignis, das mir im Sommer passierte inspiriert.

Ich hab diesen Sommer in einem Stahlwerk gearbeitet. Einmal kam es zu starken Regenfällen, und musste helfen, ein paar überflutete Keller dort auszupumpen.
Da stand ich unten, mit Gummistiefeln und unzureichendem Regenschutz, und musste einen Schlauch in einen überschwemmten Raum neben dem Schacht verlegen. Von oben kam immer mehr dreckiges Wasser, und aus irgendeinem Grund dachte ich mir, wie es wohl wäre, wenn in dem Wasser Aale wären.
Das hat mich dann länger beschäftigt, und ich beschloss, darüber etwas zu schreiben.


Die Aale haben keine Gefühle in mir erzeugt, weder unter ihm, noch als sie ihn zuschütten.

Aber Stahlwerk, Keller, zu viel Regen haben mir Angst gemacht. Da kann man wirklich ertrinken, wenn ein Kollege unachtsam ist, vielleicht den Sicherungsposten verläßt, weil man nicht weiß, wo man zuerst zupacken soll, um Schäden durch den zu vielen Regen zu verhindern.

Fällt mir eben ein: ein Tunnel, neun Kilometer lang, tiefste Stelle 600 Meter unterm Meer. Regen, Regen, Regen. Die Pumpen im Tunnel schaffen nicht mehr, das reinlaufende Wasser abzupumpen. Die Talsohle des Tunnels ist schon so voller Wasser, so daß man nicht weiterfahren kann. Zurück kann man auch nicht, weil hinter einem anderes Autos stehen. Regen, Regen, Regen.

Eigentlich sind die Pumpen für so viel Wasser ausgelegt, aber man hat die Wartung gespart und mußte Pumpen stillegen.

Jetzt fällt eine Pumpe wegen Überlastung aus. Während das Wasser schneller steigt, stauen sich immer mehr Fahrzeuge, behindern sich gegenseitig. 600 Meter unter dem Meer, über vier Kilometer bis zum Ausgang.

Die Rettungsräume schützen bei Brand, aber nicht vor Wasser, und sie führen in keinen Paralleltunnel oder nach oben.

Die Geschichte ist nicht ausgedacht, sondern passierte in einem Tunnel, den ich beruflich nutzen mußte. Zum Glück nicht an diesem Tag.

Beschreibe doch das reale Grauen, deine Gefühle, als du im Keller standest.
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Wohlstandskrankheit
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BeitragVerfasst am: 12.09.2021 22:05    Titel: Re: Aale Antworten mit Zitat

Admiral Aal hat Folgendes geschrieben:
„Aale, überall Aale!“, fluchte er und versuchte noch zu entkommen. Doch als er merkte, dass in den Schacht, über den er sich zu retten versuchte, nun auch von oben die länglichen, glitschigen Fische eindrangen, wurde ihm bewusst, dass es nun bald mit ihm vorbei war.

Der zweite Satz hat mich direkt rausgerissen. Sechs Kommas!
Bei einem personalen Erzähler sollte man Verben des Wahrnehmens (sehen, hören, etc) möglichst weglassen. Auch sowas wie merken oder bewusst werden. Denn: ALLES, was du schreibst, merkt, sieht, hört dein Charakter, oder wird ihm bewusst. Wir stecken ja in der Person.

„Aale, überall Aale!“, fluchte er und versuchte noch zu entkommen. Doch in dem Schacht, über den er sich zu retten versuchte, drangen nun auch von oben die länglichen, glitschigen Fische ein. Nun war es bald mit ihm vorbei.
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Fistandantilus
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BeitragVerfasst am: 12.09.2021 22:25    Titel: Antworten mit Zitat

@ wsk: Sehr gut gelöst! Das kann man nur unterschreiben.

Wie schon MarMa angemerkt hat, sollte noch die Wiederholung von "versuchte" ausgebügelt werden, dann sind es schöne Sätze zum Einstieg.
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agto
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BeitragVerfasst am: 13.09.2021 04:38    Titel: Antworten mit Zitat

Sorry, Admiral, für meinen Tunnel-Ausflug: fiel mir plötzlich ein, bin abgetaucht, wollte es aufschreiben ... und als mir klargeworden war, daß ich vom Thema abgekommen bin, konnte ich es nicht mehr löschen.

Auch muß ich wohl meine generelle Herangehensweise ändern: Wortwiederholungen, zu viele Kommas (es gibt Literatur-Nobelpreisträger, die setzen noch mehr in einem Satz, oder gar keine, obwohl die Sätze länger sind; ich bin froh, daß sie nicht auf Schreibradgeber gehört haben), "bewußt werden" ... das alles hat mich weniger gestört als die Aale, von denen du sagt, daß sie keine Bedeutung haben.

Was wolltest du dann mitteilen?

Weißt du es nicht? Traust du dich nicht?

Ist da etwas in dir, was heraus will, aber du kannst es nicht greifen, hast deshalb die Aale bemüht?

Für mich ist das Wichtigste (insofern man für sich schreibt, ansonsten bestimmt der Chef, der Auftraggeber, der Leser ...), den eigenen Text so aufzuschreiben, wie er in einem klingt.

Und wenn du eben Wörter wiederholt klingen, dann sollen sie geschrieben werden.

Ob sie in dir wiederholt klingen, kann ich nicht einschätzen, auch nicht, ob "wurde ihm bewusst" in deinem Text stehen muß.

Meine Meinung: ein Autor sollte seiner Stimme folgen und ihr Zeit zum Reifen geben, damit er echt bleibt, nicht zur Kopie wird.

In diesem Sinne: Viel Spaß, Admiral!
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agto
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BeitragVerfasst am: 13.09.2021 04:43    Titel: Re: Aale Antworten mit Zitat

Wohlstandskrankheit hat Folgendes geschrieben:
„Aale, überall Aale!“, fluchte er und versuchte noch zu entkommen. Doch in dem Schacht, über den er sich zu retten versuchte, drangen nun auch von oben die länglichen, glitschigen Fische ein. Nun war es bald mit ihm vorbei.


Das ist aber dein Stil. (Den ich gern lese, das weißt du.)

Vielleicht will der Admiral so gar nicht schreiben.

Und: stell dir mal vor, Anmerkungen zu deinem Text würde jemand so energisch vortragen wie du. – Ist klar, das würde er nur einmal machen ... Wink
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Wohlstandskrankheit
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BeitragVerfasst am: 13.09.2021 08:51    Titel: Re: Aale Antworten mit Zitat

agto hat Folgendes geschrieben:
Das ist aber dein Stil. (Den ich gern lese, das weißt du.)

Vielleicht will der Admiral so gar nicht schreiben.

Und: stell dir mal vor, Anmerkungen zu deinem Text würde jemand so energisch vortragen wie du. – Ist klar, das würde er nur einmal machen ... Wink

Ich finde es okay, solange keine Beleidigung drin ist. Was hier leider auch oft genug der Fall ist. Man kann den Tipp beherzigen oder ignorieren, wie bei allen Tipps in diesem Forum.
So mega energisch finde ich die Formulierung "man sollte ..." jetzt auch nicht.
Aber ja, ich hab die Höflichkeitsfloskeln weggelassen, das tue ich meistens.

Der Vorteil an diesem Stil ist halt, dass man ihn schneller lesen kann, weil sich das Hirn weniger verknoten muss. Und ist insofern Mainstream und in den meisten Ratgebern empfohlen bzw. in den meisten aktuellen Büchern so praktiziert. Aber niemand muss ja dem Mainstream folgen.
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