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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Die Pelletheizung


 

 
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Admiral Aal
Geschlecht:männlichErklärbär

Alter: 18
Beiträge: 4
Wohnort: Linz


BeitragVerfasst am: 27.08.2021 03:33    Titel: Die Pelletheizung eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

So gingen sie also in den Keller, wo bereits der Heizraumlöwe mit seinen Asbesthandschuhen und seinem verdreckten Blaumann auf sie wartete.
„Eine Pelletheizung“, so sprach er und deutete auf eine riesige, eigentümliche Apparatur, die im finstersten Eck des Heizraums stand und ein leises Summen von sich gab. Sie sahen sich um im Raum. Im anderen Eck stand ein großes, hölzernes Regal. Sie erinnerten sich wieder, früher schon, als das Haus noch Urgroßvater Peter gehörte, war dieses Regal schon da. Damals lagen hier noch die Briketts. „Damals, als die Zeche noch in Betrieb war", so erinnerte sich der Heizraumlöwe, „gab es für uns immer kostenlose Braunkohle. Wie ihr ja wisst, Peter hat ja in der Grube geschuftet.“ Sie traten vor und musterten das Regal. Man sah noch etwas Kohlenstaub. Jetzt lagerten hier Kartoffeln und Marmelade, von Großmutter Irmgard. Doch dann, endlich, fand er also, wonach er gesucht hatte. Das alte Photoalbum von Urgroßvater Peter. Er schlug es auf, fand Photographien aus der Zeit, als er im 18er Jahr Ägypten besucht hatte, Photographien aus Rhodesien und von anderen Reisen. Da endlich fand er es, das alte Schwarzweißphoto, das ihn 1944 in seiner Wehrmachtsuniform zeigte, in der rechten Hand ein Mausergewehr, in der linken eine Gasmaske. Er war nie glücklich bei der Wehrmacht gewesen, so Großmutter Irmgard. Als er dann, das muss im 45er Jahr gewesen sein, in britische Gefangenschaft geriet, soll es eine Erleichterung für ihn gewesen sein.

Dann gesellte sich Großvater Ernst zu der heiteren Gruppe, der, der damals, es muss 62 oder 63 gewesen sein, einen Tag verschüttet war. Als er die neue Pelletheizung erblickte, fragte auch er den Heizraumlöwen, ob es denn nicht doch möglich gewesen wäre, den alten Kohlenofen mit Pellets zu befeuern. Billiger wäre das gewesen. Gerade, als er fertig gesprochen hatte, kam auch Onkel Erich dazu. Er, einst Betriebsarzt der WTK, war nun nach Linz gezogen, wo er im Werksspital des Stahlwerkes eine Stelle gefunden hatte. So hatte er nur noch selten die Gelegenheit gehabt, die übrige Familie zu besuchen. Seit sein Bruder an seinem letzten Arbeitstag verunglückt ist, wollte er eh nicht gerne in den Ort fahren, wo ja der Bergbau immer noch omnipräsent war. Zu schmerzlich wäre diese Erinnerung für ihn gewesen. Aber heute, so sagte er feierlich, sei er freudig der Einladung von Großmutter Irmgard gefolgt. So ließen sie also den Heizraum hinter sich und machten sich auf den Weg in den noch dunkleren zweiten Keller, den noch Urgroßvater Peter und Großvater Ernst gegraben hatten, um einen anderen Kellerraum in einen gemütlichen Gesellschaftsraum umzubauen. Unten angekommen erschraken sie. Er sah - Sie werden es nicht glauben - ein künstliches Hüftgelenk. Es lag einfach so am kalten Steinboden, als ob es von selbst da hingekommen wäre. Dieser Vorfall führte bei der noch kurz vorher so heiteren Gruppe zu derartigem Erschrecken, sodass die Anwesenden sich erst hatten beruhigen können, als die jugendlichen Söhne der drei Brüder, die über diesen Vorfall überaus erheitert waren, das Hüftgelenk weggetragen hatten. Sofort dachte man, dies sei ein Scherz von Onkel Erich gewesen. Er als Arzt hätte sicher Zugang zu einem derartigen Hüftgelenk. Doch weil Onkel Erich über diesen Fund derart erstaunt war, hatte man diese Beschuldigung schnell wieder zurückgewiesen.

Also ging man wieder nach oben und nahm an dem großen, bereits gedeckten Tisch im Esszimmer Platz, um die Zeit zum Abendessen mit Kaffee und Keksen zu überbrücken. Ganz zum Unmut der Gastgeber war das Hauptgesprächsthema das Hüftgelenk. Onkel Horst meinte etwa, dieses Hüftgelenk sei ein sogenanntes Geisterhüftgelenk. Urgroßvater Peter hatte ja eines gehabt, und als man ihn vor einem halben Jahr exhumierte, um ihn in eine prächtige, von Albert, seinem jüngsten Enkel, dem seine Staubsaugerfabrik zu beachtlichem Reichtum verhalf, in Auftrag gegebene Familiengruft umgebettet zu werden, fand man im Sarg kein Hüftgelenk. "Blödsinn", meinte Onkel Erich, "Nach dem Tode werden Prothesen und andere Implantate aus dem Körper entfernt. Da wird sich wohl ein Schelm einen Jux gemacht haben", und schaute auf das andere Ende des Tisches, an dem die Jugendlichen saßen. Doch die, so war sich die Mehrheit der zahlreichen Gäste sicher, konnten es nicht gewesen sein. Woher sollten ein paar Schüler ein künstliches Hüftgelenk bekommen?

Um das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken, stand Großvater Ernst auf und erzählte, dass er beschlossen hatte, sich eine Waffensammlung anzulegen. Seitdem außer Gerhard alle Söhne und Töchter ausgezogen waren, gab es im Haus mehrere leere ungenutzte Räume. Einer dieser Räume wurde zu einem zusätzlichen Wohnzimmer umgebaut, ein anderer sollte als Mehrzweckraum dienen, zwei andere sollten das Gästezimmer ergänzen und ein Raum, der größte und schönste aller Räume, in dem einst Albert sein Zimmer hatte und seinen ersten Staubsauger entwarf, sollte zu einer Waffenkammer werden. Vor allem von den männlichen Jugendlichen und einigen Onkeln, aber auch anderen männlichen Verwandten stieß dieses Vorhaben auf große Begeisterung. "Übrigens, ein paar Gewehre habe ich bereits. Noch lagern sie im Keller, bald aber werden sie schön ausgestellt in der Waffenkammer sein. Ein paar dieser Gewehre sind eine echte Besonderheit.", sagte Ernst und ging kurz in den Keller, nur um wenig später mit mehreren Gewehren in beiden Händen zurückzukehren. "Dieses Gewehr da", sagte er und hielt ein Gewehr in einer merkwürdigen, Grün-gelb-schwarzen Tarnung hoch, "Ist ein FN Fal aus Rhodesien. Es war natürlich sehr schwer, so was aufzutreiben und ich brauchte eine Sondergenehmigung des Ministeriums, aber hier ist es. Schießt sogar vollautomatisch." "In Österreich war das doch auch im Einsatz, als STG 58. Ich kann mich noch dran erinnern, als ich beim Bundesheer das Schwere lange Ding verflucht hab. Man hat da immer gesagt, das STG 58 ist eine Hiebwaffe, mit der man auch schießen kann.", antwortete Onkel Erich.

Daraufhin fing Albert an, damit zu prahlen, dass er bereits das STG 77 hatte, als man einen lauten Schrei aus der Richtung des Badezimmers vernehmen konnte. Sodann sah man Tante Helga schreiend ins Esszimmer rennen. "D... da... da ist auch ein Hüftgelenk! Am Klo ist auch so ein blödes Hüftgelenk!" schrie sie, das Entsetzen in ihr Gesicht geschrieben.
Nun rief allen Anwesenden ein kalter Schauer über den Rücken. Gleich zwei künstliche Hüftgelenke, die einfach so rumlagen.

Als Tante Helga von dem schaurigen Erlebnis berichtet hatte, setzte sich sodann eine Prozession aus all denen in Gang, die das Hüftgelenk im Bad sehen wollten. Das waren längst nicht alle, ungefähr die Hälfte blieb vom Schreck wie gelähmt sitzen.

Als sie das Bad erreicht hatten, bot sich ihnen ein schauriges Bild. Im Regal neben der hochmodernen Kloschüssel, die übrigens über eine Apparatur zur Reinigung mittels Wasser verfügte, die Toilettenpapier obsolet machte, lag im mittleren Fach - im oberen lagerten Handtücher, im unteren Zeitschriften - ein künstliches Hüftgelenk. Doch im Gegensatz zu dem ersten Hüftgelenk, das nahezu neu, poliert und sauber aussah, war dieses zerkratzt und mit verkrustetem Blut befleckt.
Wie bereits nach dem ersten Hüftgelenksfund wurden erneut die jugendlichen Söhne mit der Entfernung des grässlichen Fundstücks beauftragt.
Wie nach dem ersten Fund wurde erneut über die Herkunft dieser beiden Gelenke gemutmaßt. Dieses Mal wusste man jedoch, dass dies kein Zufall sein konnte.

Um die Stimmung ein wenig aufzulockern, beschloss man, bereits jetzt etwas von den Schnapsvorräten, die man sich eigentlich für den Abend und den nächsten Tag aufgehoben hatte, zu verkosten. Also gingen Erich und Peter in den Lagerraum im Keller, um von den zahlreichen Sorten von Schnäpsen die edelsten auszuwählen. Die Wahl fiel übrigens auf einen Birnenschnaps aus Niederösterreich und auf eine der letzten vorhandenen Flaschen des sogenannten Bergarbeiterschnapses aus der DDR. Bei einem "sozialistischen Bergarbeitertreffen" bekam Ernst einst mehrere Flaschen von Kumpels aus den Uranminen der Wismut geschenkt.

Weil sie schon im Keller waren und der Weg zum Heizraum nicht weit war, beschlossen die beiden, dem Heizraumlöwen bei der Installation der neuen Heizungsanlagen Gesellschaft zu leisten. Also betraten sie den Heizraum, wo der Heizraumlöwe mit seinem verdreckten Arbeitsanzug und seinen Asbesthandschuhen gerade dabei war, die restlos veralteten Anlagen zur Erwärmung des Wassers zu modernisieren. Bald hatte der Heizraumlöwe die beiden in ein längeres Gespräch verwickelt. Als sie endlich wieder im Esszimmer angekommen waren, wurden die beiden von Großmutter Irmgard über das letzte schauderhafte Ereignis unterrichtet: Es soll ein drittes Hüftgelenk gefunden worden sein. Und dieses Mal, so sagte man, lag es in einer riesigen Blutlacke im Schlafzimmer.

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Selanna
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BeitragVerfasst am: 27.08.2021 16:08    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Smile

willkommen im Forum!
Zitat:
Sie sahen sich um im Raum

Ich würde das „im Raum“ entweder ganz streichen oder das „um“ ans Satzende stellen, sonst klingt es sperrig.
Zitat:
war dieses Regal schon da

… da gewesen. Vorzeitigkeit, da Du ja im Präteritum schreibst, die Protagonisten sich aber zurückerinnern. Außerdem könntest Du ein schöneres Verb als „da sein“ suchen, wenigstens „stehen“ oder so etwas.
Zitat:
Damals lagen … „Damals, als …

Wortwiederholung und dann auch noch jeweils am Satzanfang. Ich denke, das ist keine Absicht? Auch „erinnern“ hast Du 2mal kurz hintereinander, das solltest Du auch ändern.
Zitat:
Doch dann, endlich, fand er also, wonach er gesucht hatte.

Längere Zeit von den unbenannten „sie“ zu schreiben, finde ich in Ordnung, das mache ich zeitweise auch gern. Wenn sich aber von den unbenannten „sie“ ein unbenannter „er“ abspaltet, wird das langsam unübersichtlich. Wo kommt der er her? Wie sieht der restliche Teil von „sie“ aus? Das ist eine Geschmacksfrage, gefiel mir aber nicht so sehr. Auch das „also“ impliziert für mich irgendwie eine Folge, aber da fehlt mir textlicher Vorbau, ich kenne nicht die Ursache, die die Folge anstieß. Du lässt mich als Leser ganz schön in der Luft hängen.
Zitat:
18er Jahr … 45er Jahr

Diese Schreibweise wäre mir neu. Schreib doch `18 oder 1918, das ist gängig.
Zitat:
- Sie werden es nicht glauben –

Wenn Du den Leser direkt ansprechen willst, sollte sich dieses Stilmittel kontinuierlich durch den Text ziehen und der Textaufbau danach ausgerichtet sein. Kommt es nur ein einziges Mal im ganzen Text vor, wirkt es dagegen eher wie ein Versehen.
Zitat:
sich eine Waffensammlung anzulegen

… zuzulegen.
Zitat:
bald aber werden sie schön ausgestellt in der Waffenkammer sein.

Der Satzbau ist gerade für eine wörtliche Rede unrealistisch. Lies ihn Dir mal laut vor. Würdest Du das so sagen?
Übrigens: Wenn Du nicht bewusst altertümelnd schreiben willst, vermeide das Wort „sodann“.
Zitat:
.", sagte Ernst.

Ein normaler Aussagesatz in einer wörtlichen Rede endet mit …“, sagte Ernst. Der Punkt des Satzes wird weggelassen. Anders bei einem Ausruf oder einer Frage, da sieht das dann so aus: …?“, fragte Ernst oder …!“, rief Ernst.
Zitat:
Nun rief allen Anwesenden ein kalter Schauer über den Rücken

Das ist eine sehr häufig verwendete Redewendung, versuche so etwas zu vermeiden, das ist ausgelutscht.

Den restlichen Text habe ich nur überflogen, weil ich die Pointe noch mitnehmen wollte (weil Du den Text ja als Humoreske kategorisiert hast), aber Humor ist ja immer Geschmackssache. Und ich gestehe, ich habe den Witz nicht so ganz kapiert.
Ein Tipp noch: Du hast einige Wortwiederholungen drin, ich habe nicht alle angemerkt. Die solltest Du noch ausmerzen, zu viele Wortwiederholungen wirken nicht gekonnt und ein bisschen langweilig (ganz besonders häufig wiederholst Du übrigens das Wort „Gewehr“).

Ich nehme an, Du bist jetzt enttäuscht, weil ich so viele Punkte in dem Text kritisiert habe. Es sind aber nur einzelne Punkte, nicht der ganze Text. Und es ist kein Verriss, ich wollte Dir nur ein paar Stellen zeigen, an dem Du Deinen Text noch verbessern und aufpolieren kannst. Hoffentlich habe ich Dich nicht verschreckt, das ist nicht meine Absicht.

Zum Text insgesamt: Du erzählst von einem Nachmittag, an dem einerseits die Familie im Familienstammsitz zusammenkommt, während andererseits eine neue Heizung eingebaut wird. Die Enkelkinder, die namenlos bleiben, besehen die neue Heizung und den daran rumwerkelnden Handwerker (erstes Thema), stöbern ein bisschen in alten Fotos und entdecken Kriegsbilder (zweites Thema: Waffen) und die Elterngeneration findet Hüftgelenke (drittes Thema: der Tod?). Die Heizung, nach der der Text auch benannt ist, eröffnet und schließt den Text, so etwas ist ein guter Weg, einen runden Text zu schaffen. Also: Pluspunkt. Nur sehe ich nicht so ganz den Mehrwert hinter dem guten Konzept. Warum beginnt die Geschichte dort, warum endet sie dort? Was willst Du damit beim Leser erreichen?
Zweites Thema: die Waffen. Wofür stehen sie? Generationenübergreifendes Faible für Waffen? (Großvater, Onkel). Wobei, eigentlich ja nicht, denn der Großvater hatte sein Soldatendasein verabscheut, ihm war sogar die Kriegsgefangenschaft lieber gewesen. Sein Sohn hingegen, der nie im Krieg war, sondern nur im Bundesheer gedient hatte, prahlt mit seinem Wissen über Waffen und will sie sammeln, nimmt dafür sogar Behördenkram auf sich. Willst Du darauf hinaus, dass nur der Waffen liebt, der sie nie wirklich benutzt? Willst Du Waffennarren der Lächerlichkeit preisgeben? Der Hüftgelenkfund während der Prahlerei ist noch sauber, der nach der Prahlerei liegt in Blut – ist das eine Konsequenz aus der Prahlerei? Ich kann Deinen Text nicht ganz entwirren, wie Du merkst. Ich würde Dir raten, etwas deutlicher zu schreiben, weniger verrätselt. Mach Dir klar, welche Aussage der Text haben soll und versuche, es so zu schreiben, dass sie auch beim Leser ankommt. Zum Beispiel weiß ich wirklich nicht, was das mit den Hüftgelenken soll.
Und: Du kannst einiges straffen, kürzen. Das würde die Spannung erhöhen, die klare Linie im Text deutlich werden lassen.

Es ist kein schlechter Text. Sieh Dich im Forum um, jeder Text, der eingestellt wird, ist in seinem Urzustand nicht perfekt. Jeder Text durchläuft mehrere Überarbeitungsphasen. Lass meine Anmerkungen erst mal sacken und gräm Dich nicht, es ist alles freundlich gemeint. Und Du musst absolut nichts annehmen oder ändern, was für Dich nicht verständlich ist oder keinen Sinn ergibt. Es sind ja nur meine Leseeindrücke und meine Meinung, also subjektiv. Ich hoffe trotzdem, dass das ein oder andere dabei war, was Dir weiterhilft.

Liebe Grüße
Selanna


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Admiral Aal
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BeitragVerfasst am: 27.08.2021 21:14    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für deine Verbesserungsvorschläge!

Diesen Text habe ich mal aus Langeweile geschrieben, nicht aus einem Anfall besonderer Kreativität. Er sollte nicht unbedingt ein literarisches Meisterwerk werden, seinen Hauptzweck - mir einen Zeitvertreib beim Schreiben zu bieten - hat er bereits erfüllt.
Wie man eventuell erkennen kann, kommen neben der eher surrealen Handlung unterschiedliche Themen vor, die mich interessieren, zum Beispiel Bergbau oder Waffen.
Ein Teil der Familienmitglieder sind an tatsächliche Verwandte oder Freunde angelehnt.
Die Schreibweise der Jahreszahlen ist in der österreichischen Umgangssprache gelegentlich zu finden. Ich habe sie verwendet, weil mein Großvater öfters so geredet hat.
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Selanna
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Wohnort: Süddeutschland


BeitragVerfasst am: 27.08.2021 23:33    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Smile
Zitat:
Danke für deine Verbesserungsvorschläge!

Gern geschehen. Smile
Zitat:
Diesen Text habe ich mal aus Langeweile geschrieben, nicht aus einem Anfall besonderer Kreativität. Er sollte nicht unbedingt ein literarisches Meisterwerk werden

Naja, das hat man gemerkt. Der Text transportiert eine gewisse Langeweile und hat noch einige Macken. Generell rate ich Dir, wenn Du im dsfo Fuß fassen möchtest, dass Du eher Texte einstellst, die Du so gut geschrieben und so perfekt überarbeitet hast, wie es Dir möglich ist. Im Einstand wird noch recht nachsichtig und mit Samthandschuhen kommentiert. Aber wenn Du vor allem Texte einstellst, die Du aus Langeweile geschrieben hast, musst Du damit rechnen, dass kaum einer kommentiert und die, die es tun, mit deutlichen Worten Wink
Zitat:
Wie man eventuell erkennen kann, kommen neben der eher surrealen Handlung unterschiedliche Themen vor, die mich interessieren

Wenn man einen guten Text schreiben will, ist es aber mindestens genauso wichtig, dass die Themen so eingeflochten und präsentiert werden, dass sie auch den Leser interessieren. Bzw. Dein Interesse auf den Leser überspringt. Daran musst Du in diesem Text noch feilen.
Zitat:
Die Schreibweise der Jahreszahlen ist in der österreichischen Umgangssprache gelegentlich zu finden

Ach so. Dann nehme ich meine Anmerkung zurück.

Ich wünsch Dir noch viel Feedback und weiterhin viel Freude am Schreiben.
Liebe Grüße
Selanna


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FaithinClouds
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BeitragVerfasst am: 30.08.2021 20:47    Titel: Re: Die Pelletheizung Antworten mit Zitat

Hey Aalvin, 😄

ich habe die Geschichte gelesen. Ich finde das Surreale mit den Hüftgelenken gut. Also man fragt sich, was es damit auf sich hat.

In dieser Geschichte schreibst du aber irgendwie so wie in diesen alten Romanen von vor 1900. Also mit viel "Erzählen" und wenig "Zeigen". Es gibt sprachlich Übergänge zwischen den "Szenen", was ein bisschen das Tempo rausnimmt. Und auch wörtliche Rede kommt wenig vor. Manchmal schreibst du auch redundante Sachen (z.B. dass das hochmoderne Klo so eine Wasseranlage hat oder so), was vielleicht auch irgendwie Stil sein soll, sich aber ein bisschen ermüdend liest.

Admiral Aal hat Folgendes geschrieben:
So gingen sie also in den Keller, wo bereits der Heizraumlöwe mit seinen Asbesthandschuhen und seinem verdreckten Blaumann auf sie wartete.
„Eine Pelletheizung“, so sprach er und deutete auf eine riesige, eigentümliche Apparatur, die im finstersten Eck des Heizraums stand und ein leises Summen von sich gab. Sie sahen sich um im Raum. Im anderen Eck stand ein großes, hölzernes Regal. Sie erinnerten sich wieder, früher schon, als das Haus noch Urgroßvater Peter gehörte, war dieses Regal schon da. Damals lagen hier noch die Briketts. „Damals, als die Zeche noch in Betrieb war", so erinnerte sich der Heizraumlöwe, „gab es für uns immer kostenlose Braunkohle. Wie ihr ja wisst, Peter hat ja in der Grube geschuftet.“ Sie traten vor und musterten das Regal. Man sah noch etwas Kohlenstaub. Jetzt lagerten hier Kartoffeln und Marmelade, von Großmutter Irmgard. Doch dann, endlich, fand er also (Drei Adverben direkt nacheinanderm streiche zwei) , wonach er gesucht hatte. Das alte Photoalbum von Urgroßvater Peter. Er schlug es auf, fand Photographien aus der Zeit, als er im 18er Jahr Ägypten besucht hatte, Photographien aus Rhodesien und von anderen Reisen. Da endlich fand (hier vielleicht einen anderen Satzanfang) er es, das alte Schwarzweißphoto, das ihn 1944 in seiner Wehrmachtsuniform zeigte, in der rechten Hand ein Mausergewehr, in der linken eine Gasmaske. Er war nie glücklich bei der Wehrmacht gewesen, so (du benutzt richtig oft:so sagte er, so, so sprach er usw.) Großmutter Irmgard. Als er dann, das muss im 45er Jahr gewesen sein, in britische Gefangenschaft geriet, soll es eine Erleichterung für ihn gewesen sein.

Dann gesellte sich Großvater Ernst zu der heiteren Gruppe, der, der damals, es muss 62 oder 63 gewesen sein, (oben schon: das muss im 45er Jahr gewesen sein, der Satz hier ähnelt dem oberen zu sehr) einen Tag verschüttet war. Als er die neue Pelletheizung erblickte, fragte auch er den Heizraumlöwen, ob es denn nicht doch möglich gewesen wäre, den alten Kohlenofen mit Pellets zu befeuern. Billiger wäre das gewesen. Gerade, als er fertig gesprochen hatte, kam auch Onkel Erich dazu. Er, einst Betriebsarzt der WTK, war nun nach Linz gezogen, wo er im Werksspital des Stahlwerkes eine Stelle gefunden hatte. So hatte er nur noch selten die Gelegenheit gehabt, die übrige Familie zu besuchen. Seit sein Bruder an seinem letzten Arbeitstag verunglückt ist, wollte er eh nicht gerne in den Ort fahren, wo ja der Bergbau immer noch omnipräsent war. Zu schmerzlich wäre diese Erinnerung für ihn gewesen (hier wird viel nacherzählt, das macht nicht so viel Spaß, zu lesen. Auch die indirekte Rede beim Großvater mit dem Heizraumlöwen) . Aber heute, so sagte er feierlich, sei er freudig der Einladung von Großmutter Irmgard gefolgt. So ließen sie also den Heizraum hinter sich und machten sich auf den Weg in den noch dunkleren zweiten Keller, den noch Urgroßvater Peter und Großvater Ernst gegraben hatten, um einen anderen Kellerraum in einen gemütlichen Gesellschaftsraum umzubauen. Unten angekommen erschraken sie. Er sah - Sie werden es nicht glauben - ein künstliches Hüftgelenk. Es lag einfach so am kalten Steinboden, als ob es von selbst da hingekommen wäre. Dieser Vorfall führte bei der noch kurz vorher so heiteren Gruppe zu derartigem Erschrecken, sodass die Anwesenden sich erst hatten beruhigen können, als die jugendlichen Söhne der drei Brüder, die über diesen Vorfall überaus erheitert waren, das Hüftgelenk weggetragen hatten. Sofort dachte man, dies sei ein Scherz von Onkel Erich gewesen. Er als Arzt hätte sicher Zugang zu einem derartigen Hüftgelenk. Doch weil Onkel Erich über diesen Fund derart erstaunt war, hatte man diese Beschuldigung schnell wieder zurückgewiesen. (Wieder wird alles so erzählt anstatt gezeigt. Was machten sie für Gesichter? Haben sie miteinander gesprochen? Sich gegenseitig beschuldigt (in wörtlicher Rede)? Auch die Vorzeitigkeit durch das Plusquamperfekt nimmt die Spannung weg!)
Also ging man wieder nach oben und nahm an dem großen, bereits gedeckten Tisch im Esszimmer Platz, um die Zeit zum Abendessen mit Kaffee und Keksen zu überbrücken. Ganz zum Unmut der Gastgeber war das Hauptgesprächsthema das Hüftgelenk. Onkel Horst meinte etwa, dieses Hüftgelenk sei ein sogenanntes Geisterhüftgelenk. Urgroßvater Peter hatte ja eines gehabt, und als man ihn vor einem halben Jahr exhumierte, um ihn in eine prächtige, von Albert, seinem jüngsten Enkel, dem seine Staubsaugerfabrik zu beachtlichem Reichtum verhalf, in Auftrag gegebene Familiengruft umgebettet zu werden, fand man im Sarg kein Hüftgelenk. "Blödsinn", meinte Onkel Erich, "Nach dem Tode werden Prothesen und andere Implantate aus dem Körper entfernt. Da wird sich wohl ein Schelm einen Jux gemacht haben", und schaute auf das andere Ende (zum anderen Ende) des Tisches, an dem die Jugendlichen saßen. Doch die, so war sich die Mehrheit der zahlreichen Gäste sicher, konnten es nicht gewesen sein. Woher sollten ein paar Schüler ein künstliches Hüftgelenk bekommen?

Um das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken, stand Großvater Ernst auf und erzählte, dass er beschlossen hatte, sich eine Waffensammlung anzulegen. Seitdem außer Gerhard alle Söhne und Töchter ausgezogen waren, gab es im Haus mehrere leere ungenutzte Räume. Einer dieser Räume wurde zu einem zusätzlichen Wohnzimmer umgebaut, ein anderer sollte als Mehrzweckraum dienen, zwei andere sollten das Gästezimmer ergänzen und ein Raum, der größte und schönste aller Räume, in dem einst Albert sein Zimmer hatte und seinen ersten Staubsauger entwarf, sollte zu einer Waffenkammer werden. Vor allem von (bei?) den männlichen Jugendlichen und einigen Onkeln, aber auch anderen männlichen Verwandten stieß dieses Vorhaben auf große Begeisterung. "Übrigens, ein paar Gewehre habe ich bereits. Noch lagern sie im Keller, bald aber werden sie schön ausgestellt in der Waffenkammer sein. Ein paar dieser Gewehre sind eine echte Besonderheit.", (Punkte bei Aussagesätzen einfach vor dem Gänsefüßchen wegstreichen, das macht man so formal) sagte Ernst und ging kurz in den Keller, nur um wenig später mit mehreren Gewehren in beiden Händen zurückzukehren. "Dieses Gewehr da", sagte er und hielt ein Gewehr in einer merkwürdigen, Grün-gelb-schwarzen Tarnung hoch, "Ist ein FN Fal aus Rhodesien. Es war natürlich sehr schwer, so was aufzutreiben und ich brauchte eine Sondergenehmigung des Ministeriums, aber hier ist es. Schießt sogar vollautomatisch." "In Österreich war das doch auch im Einsatz, als STG 58. Ich kann mich noch dran erinnern, als ich beim Bundesheer das Schwere lange Ding verflucht hab. Man hat da immer gesagt, das STG 58 ist eine Hiebwaffe, mit der man auch schießen kann.", antwortete Onkel Erich.

Daraufhin fing Albert an, damit zu prahlen, dass er bereits das STG 77 hatte, als man einen lauten Schrei aus der Richtung des Badezimmers vernehmen konnte. Sodann sah man Tante Helga schreiend ins Esszimmer rennen. "D... da... da ist auch ein Hüftgelenk! Am Klo ist auch so ein blödes Hüftgelenk!" schrie sie, das Entsetzen in ihr Gesicht geschrieben.
Nun rief (lief) allen Anwesenden ein kalter Schauer über den Rücken. Gleich zwei künstliche Hüftgelenke, die einfach so rumlagen.

Als Tante Helga von dem schaurigen Erlebnis berichtet hatte, setzte sich sodann eine Prozession aus all denen in Gang, die das Hüftgelenk im Bad sehen wollten. Das waren längst nicht alle, ungefähr die Hälfte blieb vom Schreck wie gelähmt sitzen.

Als sie das Bad erreicht hatten, bot sich ihnen ein schauriges Bild. Im Regal neben der hochmodernen Kloschüssel, die übrigens über eine Apparatur zur Reinigung mittels Wasser verfügte, die Toilettenpapier obsolet machte, lag im mittleren Fach - im oberen lagerten Handtücher, im unteren Zeitschriften - ein künstliches Hüftgelenk. Doch im Gegensatz zu dem ersten Hüftgelenk, das nahezu neu, poliert und sauber aussah, war dieses zerkratzt und mit verkrustetem Blut befleckt.
Wie bereits nach dem ersten Hüftgelenksfund wurden erneut die jugendlichen Söhne mit der Entfernung des grässlichen Fundstücks beauftragt.
Wie nach dem ersten Fund wurde erneut über die Herkunft dieser beiden Gelenke gemutmaßt. Dieses Mal wusste man jedoch, dass dies kein Zufall sein konnte.

Um die Stimmung ein wenig aufzulockern, beschloss man, bereits jetzt etwas von den Schnapsvorräten, die man sich eigentlich für den Abend und den nächsten Tag aufgehoben hatte, zu verkosten. Also gingen Erich und Peter in den Lagerraum im Keller, um von den zahlreichen Sorten von Schnäpsen die edelsten auszuwählen. Die Wahl fiel übrigens auf einen Birnenschnaps aus Niederösterreich und auf eine der letzten vorhandenen Flaschen des sogenannten Bergarbeiterschnapses aus der DDR. Bei einem "sozialistischen Bergarbeitertreffen" bekam Ernst einst mehrere Flaschen von Kumpels aus den Uranminen der Wismut geschenkt.

Weil sie schon im Keller waren und der Weg zum Heizraum nicht weit war, beschlossen die beiden, dem Heizraumlöwen bei der Installation der neuen Heizungsanlagen Gesellschaft zu leisten. Also betraten sie den Heizraum, wo der Heizraumlöwe mit seinem verdreckten Arbeitsanzug und seinen Asbesthandschuhen gerade dabei war, die restlos veralteten Anlagen zur Erwärmung des Wassers zu modernisieren. Bald hatte der Heizraumlöwe die beiden in ein längeres Gespräch verwickelt. Als sie endlich wieder im Esszimmer angekommen waren, wurden die beiden von Großmutter Irmgard über das letzte schauderhafte Ereignis unterrichtet: Es soll ein drittes Hüftgelenk gefunden worden sein. Und dieses Mal, so sagte man, lag es in einer riesigen Blutlacke im Schlafzimmer.


Disclaimer: Wieder ist es nur meine Meinung. 😅 Du musst selbst entscheiden, was von meiner Kritik du sinvoll findest.

Schöne Woche!✌️
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