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Der Mann, der keine Wunder kannte


 

 
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Rhineghost
Geschlecht:männlichGänsefüßchen

Alter: 25
Beiträge: 19
Wohnort: Im Rheinland


BeitragVerfasst am: 27.05.2021 15:16    Titel: Der Mann, der keine Wunder kannte eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Der Mann, der keine Wunder kannte

Er hatte Feierabend und mit Zigarette im Mund bahnte er sich samt Rauchfahne trägen Schrittes einen Weg durch die Gassen. Viel und hart arbeiten. Fast ein ganzes Leben hatte er schon so verbracht und weder glücklich, noch unzufrieden, verschanzte er sich in den Unterschlupf dieses geregelten Alltags. Tatendrang wurde in jungen Jahren mit der harten Realität konfrontiert, musste Gewohnheit weichen und über die Jahre hatte sich in seinem Kopf ein großes Sammelsurium aus Sichtweisen und Meinungen angehäuft, das man Lebenserfahrung zu nennen pflegt. Nur mit klaren Strukturen kann man sorgenfrei existieren, dachte er. Beschwerden lagen ihm fern, denn er hatte sein Leben selbst erwählt und nur er war es, der es weiterführte.

Die Zigarette traf auf den kalten Gehweg und er schleppte seinen Körper durch das Treppenhaus in den dritten Stock. Die Tür war abgenutzt, doch hielt er es noch nicht für nötig sie auszutauschen.
Es quietschte und er trat ein. Seine Wohnung war karg dekoriert, aber vertraut. Nur wenige, alte Fotos schmückten Wände, weckten Erinnerungen. Er striff an ihnen vorbei und setzte heißes Wasser auf.
Mit seinem Lieblingstee nahm er endlich auf dem Sessel platz. Im Fernsehen lief ein Drama und er sah Menschen die unterschiedlichsten Gefühle durchleben. Er weinte mit ihnen, freute sich für sie, fieberte mit.
Früher wünschte er sich auch ein aufregenderes Leben, aber die Wirklichkeit war nunmal, wie sie war und so wie die flimmernden Szenen an ihm vorbeizogen tat es auch die Zeit.
Müde zündete er sich eine Zigarette an und ging zum Fenster. Das Firmament funkelte und die Sterne erschufen ein atemberaubendes Bild, das in alle Ewigkeiten der Zeit strahlte.
Qualm stieg empor. "Der gleiche Anblick wie immer", dachte der Mann, der keine Wunder kannte.

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schó
Geschlecht:männlichGänsefüßchen


Beiträge: 34



BeitragVerfasst am: 30.05.2021 23:16    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Rhineghost,

der Text hat Potential! Ich würde ihn noch ausweiten, hier und da daran wenden
und drehen, treffendere, kräftigere Aussagen machen, mehr wagen, mehr hinein
in das Herz, mehr Charakter, mehr Hang zur Absurdität, mehr Tragik. Die
Hauptszene, beziehungsweise den Höhepunkt würde ich verlängern oder
markanter gestalten. Den Absatz würde ich entfernen und den Übergang zwischen
den beiden Absätzen mit einem Halbsatz oder noch eleganter verbinden.
Die Sterne dürfen kein "atemberaubendes Bild" erschaffen, "das in alle Ewigkeiten
der Zeit" strahlt. Das darfst du nicht schreiben, das solltest du nicht schreiben,
selbst wenig belesene Menschen spüren, dass du diese Formulierung automatisch
reproduzierst, ohne dass sie in den Text, in das Klima passt. Auch darf nichts
funkeln bitte. Bitte nichts funkeln, das ist Kitsch und literarisch peinlich, keine
gute Wendung. Die "Zigarette", die "quietschende Tür", die "Gasse" und das Thema
des hart arbeitenden, beschäftigten Mannes, der nur noch TV schaut und nichts
hat sind mir zu simpel, zu alt, nichts Neues, das könnte hundert Jahre alt sein,
trotz des Fernsehers, es könnte eine Skizze, eine Notiz von Kafka sein, aber das
ist kein Kompliment, so wie dieser Text funktioniert, so schreiben heute viele Menschen,
die gerade angefangen haben zu schreiben, nachdem sie ein paar kanonische
Bücher gelesen haben. Und er erinnert mich sehr an meine Texte die ich mit 16
geschrieben habe. Aber wie eingangs gesagt: er hat Potential und allein nach
dem Lesen dieses Textes vermute ich, dass auch dein Schreiben mehr kann,
mehr will als das. Ich bin sehr sehr harsch und schroff in diesem Kommentar,
weil ich denke, dass das manchmal helfen kann, ich klinge überheblich aber ich
glaube, dass dieser Text sehr viel in sich hat, was ausgeweitet werden kann,
ohne dass viel mehr Handlung passiert, allein durch das intensivere und
freier-konzentriertere, häufigere Durchdenken jeder Formulierung. Ich mag, dass der
Titel der letzte Halbsatz ist, das ist ein guter Kniff, der kommt oft gut, dann
gibt es eine wahrhafte Auflösung und ich verstehe den Titel und verstehe den
Text, so ist er rund.

Du könntest, und das sind meine Vorschläge, wie ich an die Überarbeitung
herangehen würde, schreiben:

Zitat:


Nach der Arbeit, es war schon späte Nacht, lief er durch die Gassen und rauchte. Er lief
heimwärts, die Zigarette war mit einer dieser viel zu kräftigen Tabaksorten gefüllt und
ihm wurde schwindelig. Er musste sich auf eine der Gassenstufen, der Weg führte hinauf,
hinsetzen und durchatmen. Seine Hände waren blass, die Adern sichtbar, nach so einem
Arbeitstag, ohne gegessen zu haben, nur billiger Kaffee und Wasser im Bauch, fühlte er
sich schwach und kraftlos und für einen Moment dachte er daran hier auf diesen Stufen
zu schlafen, der Weg war nicht mehr weit aber umso weiter die Gedanken.


[Bis hier habe ich so geschrieben, wie ich den Anfang vielleicht geschrieben hätte, nur so
zum Spaß, weil mir der Text Lust gegeben hat, ihn neu zu schreiben. Ab hier möchte ich nur noch
Anmerkungen machen:]

und mit Zigarette im Mund bahnte [das Wort "bahnte" wird häufig einfach nur
als Synonym verwendet um nicht "gehen" zu sagen, weil das schon irgendwo stand, ich persönlich
finde es auffällig, wenn einfach nur aus Wiederholungsvermeidung heraus ein Wort ausgewechselt
wird, wobei ja hier nicht gebahnt wird, die Konnotation gefällt mir hier nicht. "Bahnen" wäre richtig
in meinem Kopf, wenn dort eine Menge an Menschen steht, zwischen denen sich der Protagonist
einen weg hindurcharbeiten muss, hier geht er ja einfach durch die Gassen.] er sich samt Rauchfahne
[die Rauchfahne sieht der Protagonist nicht, das heißt, die Erzählinstanz tritt an dieser Stelle aus der
Perspektive hinaus, ist das gewollt, ist dir das klar? Weil es muss dir klar sein, dass der Protagonist
die Rauchfahne nicht sehen kann.] trägen Schrittes [ok er ist müde, das ist mir
klar und deswegen geht er mit trägen Schritten, aber diese Art von Schlendern ist doch nicht üblich,
wenn jemand müde nachhause geht, dann schmerzen die Beine oder dann ist man im Kopf und ärgert
sich, dass man noch immer und noch immer nicht zuhause ist, aber ich will nicht lesen, dass ein Mann
mit trägen Schritten nachhause geht, was sollen denn diese trägen Schritte sein, ich kann es mir nicht
wirklich vorstellen.] einen Weg durch die Gassen [Dass es exakt Gassen sein müssen,
finde ich komisch und es klingt eher nach einer literarischen Referenz, als dass es realistisch wäre. Wohnt
denn dieser Mann in der prager Altstadt oder wieso läuft er nur durch Gassen? Normalerweise wären
da ja noch Plätze und weitere Straßen, ein kurzer Parkweg und dann Treppen und alles, aber nur Gassen?
Das ist doch absurd.]. Viel und hart arbeiten. [An dieser Stelle denke ich mir schon fast,
dass es sich um eine Parodie oder Satire handelt, wo nicht nur im kafkaschen Stil geschrieben wird, sondern
auch noch Kafka der Protagonist ist, sorry, meine Assoziation, aber auch der einsame und hart, lange arbeitende
Mann hat ein Leben abseits dessen. So ist es 2D schon nach ein, zwei Sätzen.] Fast ein ganzes Leben
[Wirklich? Ist es nicht so, dass dieser Mann erst einmal auch ein Kind war und dann jugendlich und dann
langsam irgendwann erwachsen, bis er angefangen hat so zu leben? Das "fast" ist mir etwas zu knapp.]
hatte er schon so verbracht und weder glücklich, noch unzufrieden, verschanzte er sich in den Unterschlupf
[An diesem Punkt wünsche ich mir mehr. Ich will mehr von dem Gefühl erfahren, wie es ist in so einem
"Unterschlupf" zu sein, das interessiert mich.] dieses geregelten Alltags [wie gesagt:
so geregelt ist kein Alltag, dass es wirklich nichts gibt, so geregelt ist ein Alltag bloß in der Literatur und
selbst dort zum Glück nicht immer, denn das wäre zu kurz gedacht, zu einfach. Natürlich kann ein Mensch
Tag für Tag arbeiten und er hat äußerlich nichts anderes und natürlich beschreibst du hier eher ein Gefühl,
als eine realistische Wirklichkeit, aber dennoch.] Tatendrang wurde in jungen Jahren mit der harten Realität
konfrontiert, musste Gewohnheit weichen
[Hier fehlt doch was. Oder?] und über die Jahre hatte sich
in seinem Kopf ein großes Sammelsurium [not sure about "Sammelsurium". Es ist die Art von
Wort, die irgendwie sehr schön und besonders klingt, naja ...] aus Sichtweisen und Meinungen angehäuft,
das man Lebenserfahrung zu nennen pflegt [lieber "nennt".]. Nur mit klaren Strukturen
kann man sorgenfrei existieren, dachte er.
[Zu einfach.] Beschwerden lagen ihm fern, denn er hatte sein
Leben selbst erwählt [lieber "seinen Alltag" o.ä., denn so klingt es, als wäre er freiwillig geboren.]
und nur er war es, der es weiterführte.


Hier mach ich einen cut, denn ich habe schon viel zu viel kommentiert. Wenn du nähere Erklärungen möchtest
oder ich unklar / unhöflich / überheblich / gemein war, bitte melden. Ich möchte nur gute Literatur.

Herzlich, schó

EDIT: Beim erneuten und erneuten Durchlesen meiner textinternen Kommentare fällt mir auf, dass ich
vieles etwas grob formuliert habe, das heißt schwammig war in meinen Erklärungen, sorry dafür, ich hoffe
das eine oder andere ist dennoch hilfreich. So. Verzeihung auch nochmal für die Unordnung und das mess
das ich hier veranstaltet habe.
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Rhineghost
Geschlecht:männlichGänsefüßchen

Alter: 25
Beiträge: 19
Wohnort: Im Rheinland


BeitragVerfasst am: 31.05.2021 01:04    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Guten Tag, oder eher Gute Nacht, wenn man die Zeit unserer Kommentare sieht. Erstmal vielen Dank für dein Feedback. Mach dir keine Sorgen mich hier irgendwie "gekränkt" zu haben. Ganz im Gegenteil fand ich deinen Kommentar sehr aufschlussreich, fast als hättest du hier deinen eigenen Text verfasst. Ich konnte deinen Enthusiasmus förmlich mitlesen und bin dir dafür sehr dankbar!

Jetzt zum Text. Vielleicht vorab erstmal: Ich bin bewusst von meiner normalen Schreibweise abgewiesen, da ich jetzt schon mehrfach gehört habe, ich sei zu ausschweifend. Mein einziges Ziel war es einen kurzen, prägnanenten Text zu schreiben, der am Ende bei der Pointe ankommt und sie auch funktioniert. Ich habe auch nicht versucht in einem so kurzen Text irgendjemanden "mitzureißen". Dafür braucht man (oder zumindest ich) wesentlich mehr Text und da, wie du richtigerweise bemerkt hast, das Thema schon von etlichen Texten behandelt wird, wollte ich jetzt nichts schreiben was auf dem Bildschirm meterlang ist.

Zitat:
Ich würde ihn noch ausweiten, hier und da daran wenden
und drehen, treffendere, kräftigere Aussagen machen, mehr wagen, mehr hinein
in das Herz, mehr Charakter, mehr Hang zur Absurdität, mehr Tragik.


Ich hatte ganz ähnlich angefangen, wie in deiner sehr gelungenen Einleitung! Beschreibung der Szenerie, was der Charakter fühlt, an was er denkt und so weiter. Aber irgendwie habe ich mich umentschieden. Diese nüchterne Art zu schreiben ist wie eine Widerspiegelung der inneren Welt des Charakters. Diese Gefühlsarmut soll dieser Stil auch deutlich machen. Nur vor dem TV empfindet er "künstlich produzierte Gefühle", die eben niemals an das rankommen können, was man spürt, wenn man selbst gerade in der Situation wäre, in der sich der Fernsehcharakter befindet.

Zitat:
Die Hauptszene, beziehungsweise den Höhepunkt würde ich verlängern oder
markanter gestalten. Den Absatz würde ich entfernen und den Übergang zwischen
den beiden Absätzen mit einem Halbsatz oder noch eleganter verbinden.


Ein markanterer Höhepunkt wäre sicher angebracht und daran habe ich auch während des schreibens gedacht! Aber irgendwie blieb ich auf diesem "Punchline"-artigen Satz hängen. Aber ich glaube auch, man sollte hier ausweiten. Den Absatz finde ich auch nicht schön. Ich bin nur unbeholfen und versuche den Text irgendwie lesbar zu machen. Die Zeilen hier im Forum sind sehr lang und ohne Absätze wird es schwierig beim Lesen nicht in der Zeile zu verrutschen. Nur dafür war der gedacht.

Zitat:
Die Sterne dürfen kein "atemberaubendes Bild" erschaffen, "das in alle Ewigkeiten
der Zeit" strahlt. Das darfst du nicht schreiben, das solltest du nicht schreiben,
selbst wenig belesene Menschen spüren, dass du diese Formulierung automatisch
reproduzierst, ohne dass sie in den Text, in das Klima passt. Auch darf nichts
funkeln bitte. Bitte nichts funkeln, das ist Kitsch und literarisch peinlich, keine gute Wendung.


Atemberaubend passt wirklich nicht ins Klima und wird geändert! Sicherlich weite ich das Ende aber insgesamt aus, so dass ich mich nicht mehr auf ein einziges Adjektiv verlassen muss, wie oben schon geschrieben. Vielen Dank für den Hinweis!

Zitat:
Die "Zigarette", die "quietschende Tür", die "Gasse" und das Thema
des hart arbeitenden, beschäftigten Mannes, der nur noch TV schaut und nichts
hat sind mir zu simpel, zu alt, nichts Neues, das könnte hundert Jahre alt sein,
trotz des Fernsehers, es könnte eine Skizze, eine Notiz von Kafka sein, aber das
ist kein Kompliment, so wie dieser Text funktioniert, so schreiben heute viele Menschen,
die gerade angefangen haben zu schreiben, nachdem sie ein paar kanonische
Bücher gelesen haben.


Zigarette deutet Gewohnheit an, was ein Hauptthema des Textes ist. Die quietschende Tür steht sinnbildlich für eine Stagnation in seinem Leben. Er lässt einfach laufen, sozusagen. Ich habe auch geschrieben, dass die Tür abgenutzt ist und lange nicht ausgetauscht wurde. Darunter darf man auch gerne einen Wohnsitzwechsel verstehen. Insgesamt empfehle ich dem Mann im Text einen kompletten Neuanfang, sofern das für ihn möglich ist.

Soo jetzt mach ich ohne Zitate weiter, da das schwierig ist aus einem Zitat zu zitieren.

Bahnen passt nicht, da stell ich mir jetzt auch eine Menschenmasse oder andersweitige Hindernisse vor.  Dass die Rauchfahne aus der Instanz rausfällt ist klar und gewollt! Der Text soll eine, fast schon außenstehende und negative Bewertung vom Leben des Prota sein. Vielleicht bin ich in dieser Hinsicht aber auch einfach nur zu jung und idealistisch. Ich beschreibe im Text keine weiteren Gedanken des Prota, deswegen auch einfach nur trägen Schrittes, obwohl man das sicherlich auch schöner hätte formulieren Können. Die Gedanken die dieser Mann hat (in meiner Version) sind mundane, alltäglich und für den Leser unbedeutende Gedanken. An diesem Mann gibt es nichts außergewöhnliches, nichts was ich unbedingt beschreiben wollte. Fast ein ganzes Leben finde ich jetzt auch zu simpel. Da muss ich sicherlich noch etwas anderes finden! Das mit dem Tatendrang ist so eine Sache. Für mich waren hier Tatendrang und Gewohnheit Gegensätze. Wenn man das nicht so sieht, fehlt hier etwas und jetzt, nachdem du das geschrieben hast, spüre ich hier auch eine Lücke. "Nur mit einem klaren Strukturen, lässt es sich sorgenfrei existieren" habe ich auch schon selbst gedacht. Ich verstehe nicht, wieso das zu simpel sein soll. Leben selbst erwählt ist etwas schwammig. Ich meinte damit, dass er diesen Alltag erschaffen hat. Da kann man aber wirklich was treffenderes für finden, stimme ich dir zu.

Nochmal vielen Dank für die Mühe, die du dir gemacht hast. Jetzt würde mich aber wirklich interessieren, wie du Texte wie mein Einstand "im Sande verlaufen" oder den "Karl Aulus - Bildhauer", an dem ich gerade werke, findest. Insgesamt magst du die nüchterne Tonart dieses Textes scheinbar nicht. Das ist bei denen anders und ich habe das Gefühl, das du dich nicht scheust auch unangenehme Fakten auszusprechen. Falls du die Zeit hast (kein muss) kannst du dir die ja mal anschauen und mir berichten ob du diesen Stil bevorzugst. Das würde mich wirklich interessieren!

Liebe Grüße
Rhineghost
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Calvin Hobbs
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Beiträge: 323
Wohnort: Deutschland


BeitragVerfasst am: 10.06.2021 19:09    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo smile
Als Schreibübung finde ich den Text in seiner Form und Art gut, Deine Erklärungen im obigen Post runden ihn ab.
Sicherlich hätte an der einen oder anderen Stelle etwas mehr Fleisch an den Knochen gedurft, aber der Grundton wäre unverändert geblieben.


Rhineghost hat Folgendes geschrieben:

Nochmal vielen Dank für die Mühe, die du dir gemacht hast. Jetzt würde mich aber wirklich interessieren, wie du Texte wie mein Einstand "im Sande verlaufen"  findest.


Hat schò bereits. Ironischerweise ist alles, was ihm/ihr dort zu viel ist, hier zu wenig. Das ist das Problem solcher Foren: In allgemeinen Foren trifft man auf allgemeine Geschmäcker. Davon sollte man sich nicht beirren lassen. Fünf Leute finden etwas gut, fünf Leute finden gar nichts gut. So ist das Leben.
MfG


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UtherPendragon
Eselsohr


Beiträge: 359



BeitragVerfasst am: 15.06.2021 18:18    Titel: Antworten mit Zitat

Moin Rheingeist,

es ist ja immer so eine Sache wenn wir "junge Leute" von der Lebenserfahrung "abgefrühstückter" Arbeiter*innen schreiben - und oft kommt noch ein bildungsbürgerlicher Hintergrund dazu. Das ist natürlich keine schlechte Sache, zwingt aber zu sorgfältigem ... ja wozu eigentlich? So wirklich habe ich das noch nicht herausgefunden.

Ich mag den Ton des Ganzen. Meines Erachtens ist es total produktiv, sich das Eindampfen der eigenen ach-so-vielsagenden Sätze vorzunehmen (das soll selbstironisch gesagt sein). Ich finde sogar, du kannst noch mehr Adjektive rausnehmen und lieber ein paar Sätze mehr schreiben. Das mal zum Gesamteindruck

EDIT: Ich hätte die Beiträge vor mir aufmerksamer lesen sollen. Ich entschuldige mich ganz ehrlich, wenn sich Sachen doppeln oder ich bereits geklärte Punkte anreiße. Mir war einfach nach Losschreiben eben.

"verschanzte er sich in den Unterschlupf dieses geregelten Alltags" in dem

"Tatendrang wurde in jungen Jahren mit der harten Realität konfrontiert" -> "einer harten"? Würde verdeutlichen, dass Lebensrealitäten vielseitig sind

" und über die Jahre hatte sich in seinem Kopf ein großes Sammelsurium aus Sichtweisen und Meinungen angehäuft, das man Lebenserfahrung zu nennen pflegt." Den Satz finde ich gut, den nehme ich dir auf jeden Fall ab.

"Die Zigarette traf auf den kalten Gehweg und er schleppte seinen Körper durch das Treppenhaus in den dritten Stock." Das Adjektiv "kalt" halte ich für überflüssig.

"Die Tür war abgenutzt, doch hielt er es noch nicht für nötig sie auszutauschen. " Denke ich dass wirklich, wenn ich meine verschrammelte Tür ansehe? Schöner wäre ein Detail, vielleicht zeigt sie noch Spuren eines Einbruches, Sturzes oder die Farbe blättert ab oder oder. Abgenutzt kann so ziemlich alles bedeuten.

"Es quietschte und er trat ein. " Was quietschte? Also schon klar, aber er trat doch wohl eher mit einem Quietschen ein als dass das Quietschen einfach so da war?

 "Seine Wohnung war karg dekoriert, aber vertraut. " karg finde ich ein bisschen krass, das hat so 20er-Jahre-Bungalow-Vibes.

"Nur wenige, alte Fotos schmückten Wände, weckten Erinnerungen" Richtig Artsy: Du könntest auch einfach schreiben, dass Erinnerungen die Wände schmückten.

"Mit seinem Lieblingstee nahm er endlich auf dem Sessel platz" Platznehmen? Geht da nicht etwas flapsigeres, proletarischeres?smile

"Im Fernsehen lief ein Drama und er sah Menschen die unterschiedlichsten Gefühle durchleben. Er weinte mit ihnen, freute sich für sie, fieberte mit. " Das kommt mir authentisch vor, ich mag das.

"Früher wünschte er sich auch ein aufregenderes Leben," Irgendwie ja, ich weiss was du meinst, aber es kommt mir so ungenau vor. Ist es wirklich dieses Adjektiv, dass verpasste Chancen, den Druck von Ökonomie und Bequemlichkeit, Heiratszwang durch die Gesellschaft etc. etc. zusammenfasst? ich hab auch keine Ahnung wie es besser geht, aber schreib das trotzdem.

"aber die Wirklichkeit war nunmal, wie sie war und so wie die flimmernden Szenen an ihm vorbeizogen tat es auch die Zeit. " Könnte ein schönes Bild sein. So finde ich wirkt es kitschig. Vielleicht: "Aber die Wirklichkeit zog in flimmernden Szenen an ihm vorüber bis zum Schuss"

"Müde zündete er sich eine Zigarette an und ging zum Fenster." Ich fühle ihn. Aber ich sehe immer nur Beton.

"Das Firmament funkelte und die Sterne erschufen ein atemberaubendes Bild, das in alle Ewigkeiten der Zeit strahlte. " Entschuldige, aber diesen Satz finde ich wirklich zu kitschig. Das kriegst du sicher anders hin:)

"Qualm stieg empor. "Der gleiche Anblick wie immer", dachte der Mann, der keine Wunder kannte." Diese Wendung wiederum ist richtig cool. Aber die funktioniert meines Erachtens erst so richtig - oder für mich als random Leser - wenn der Satz davor ein bisschen an Boden gewinnt.

Ich mag den Titel. Bitte verstehe alle Anmerkungen nur als Vorschläge:) Ich beanspruche kein richtig oder falsch, nur eine andere Distanz.

Frohes Schreiben und bis dann
UP


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