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Norbert gibt ein Statement ab


 
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silke-k-weiler
Geschlecht:weiblichKlammeraffe

Alter: 46
Beiträge: 595



BeitragVerfasst am: 29.04.2021 18:00    Titel: Norbert gibt ein Statement ab eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

„Wusstet ihr, dass unser Norbert gern an offenen Fenstern vorübergeht?“ Diese Enthüllung allein hat noch nicht den gewünschten Effekt, also werde ich konkreter. „Nicht nur das, Norbert bleibt, kaum dass er das betreffende Fenster passiert hat, stehen, kehrt um und guckt rein.“
„Also kann er nicht an offenen Fenstern vorübergehen“, korrigiert Uwe mich.
„Die Frage ist eher“, meint Ralle und stellt ein neues Bier vor mir ab, „kann oder will er nicht.“
„Wo ist denn da der Unterschied?“, will Uwe wissen.
„Liegt doch auf der Hand! Wenn er nicht kann, hat das mehr was Zwanghaftes“, erklärt Ralle. „So wie wenn du nicht an einem Bild, das schief hängt, vorbeigehen kannst, ohne es geradezurücken. Wenn er aber nicht will, ist das mehr bewusst, verstehst du? Er entscheidet sich, stehen zu bleiben und reinzugucken.“
Norberts Gesicht taucht hinter der Schaumkrone seines frisch gezapften Weizens auf. „Ihr müsst nicht in der dritten Person über mich reden, ihr könnt mich direkt fragen, ob ich nicht weitergehen kann oder nicht weitergehen will.“
„Norbert, sag mal, kannst oder willst du nicht weitergehen?“, fragt Uwe.
Norbert denkt kurz nach. „Mich interessiert das eben. Ich finde, ein Blick durch ein geöffnetes Fenster sagt viel über den aus, der da wohnt.“
„Und das Glotzen sagt viel über den aus, der da glotzt“, meine ich. „Schon mal was von Privatsphäre gehört?“
„Guck an, unser Norbert ist ein Spanner“, grinst Uwe. „Darauf trink ich einen.“ Er leert seinen Kurzen.
„Norbert ist kein Spanner“, belehrt uns Ralle, „Norbert ist ein Snooper.“
„Ein was?“, fragen Uwe und ich gleichzeitig.
„Ein Snooper. Schnüffler. Kommt von einem Psychologen aus Amerika, der behauptet, von der Einrichtung und so könntest du ableiten, was für ein Mensch einer ist. Muss man aber üben, das geht nicht von jetzt auf gleich.“
„Wo hast du das denn her?“, fragt Uwe.
Ralle weist auf die Zeitschriften vom Lesezirkel, die in einer Fensternische verstreut liegen. „Stand da irgendwo drin. Scheint aber noch ein bisschen komplexer zu sein, das Thema.“ Damit ist die Unterhaltung für ihn erst einmal beendet und er kehrt zum Tresen zurück.
„Ich denk immer noch, Norbert ist ein Spanner“, beharrt Uwe.
„Ich bin kein Spanner!“, regt Norbert sich auf. „Manchmal weiß ich gar nicht, warum ich mich überhaupt mit dir abgebe.“
„Weil ich deinen Deckel bezahle?“, schlägt Uwe vor.
Norbert nickt langsam. „Da ist was dran.“
„Ob Spanner oder Snooper“, sage ich, „die Sache mit der Privatsphäre ist damit noch lange nicht vom Tisch.“
„Ich kletter da ja nicht rein“, verteidigt sich Norbert. „Ich gucke nur. Wenn da jemand nackig wäre, würde ich auch gleich wieder weggucken. Aber man macht ja nicht das Fenster sperrangelweit auf, bevor man sich umzieht.“
„Wer weiß“, grinst Uwe.
„Privatsphäre schließt das Mobiliar mit ein!“, entgegne ich.
Norbert lässt sich nicht beirren. „Ich finde, ein offenes Fenster ist eine Einladung, mal einen kurzen Blick reinzuwerfen.“
„Das ist keine Einladung zum Glotzen, das ist rein zum Lüften“, sage ich.
„Früher war das aber gang und gäbe, dass man an einem offenen Fenster stehen geblieben ist und sich ein Schwätzchen gehalten hat“, setzt Norbert nach.
„Da hat sich ja auch einer am Fenster für ein Schwätzchen angeboten“, halte ich dagegen.
„Ja und? Biete ich mich eben draußen auf der Straße für ein Schwätzchen an.“
„Entwickeln sich da wirklich Gespräche, wenn du den Leuten ins Fenster reinglotzt?“
„Das kommt gar nicht so selten vor.“
„Ganz ehrlich, von mir bekämst du kein Schwätzchen gehalten, von mir bekämst du eins auf die Fresse, würdest du unter meinem Fenster rumlungern“, sagt Uwe.
„Du bist ja auch ein Misanthrop vor dem Herrn.“
„Nenn mich noch einmal mies und doof!“
„Mi-san-throp“, schaltet sich Ralle ein, der Uwe noch einen Kurzen bringt. „Menschenfeind. Außerdem glaube ich nicht, dass der Herr ein Misanthrop ist.“
„Haltet ihr mich echt für einen Menschenfeind?“, fragt Uwe mit großen Augen.
„Wieso kann der Herr kein Menschenfeind sein?“, frage ich. „Guck dir doch mal an, wie es in der Welt zugeht. Sonderlich gern scheint er uns ja nicht zu haben.“
„Das wäre alles halb so schlimm“, analysiert Norbert die Lage der Nation, „würden mehr Menschen mit offenen Augen durchs Leben gehen und sich für andere interessieren.“
„Mit offenen Augen in offene Fenster glotzen, meinst du?“ Beifallheischend blicke ich Uwe und Ralle an, aber Uwe scheint sich zu ärgern, dass wir ihn für einen Menschenfeind halten, und Ralle zitiert: „Die Augen sind die Fenster zur Seele. Hildegard von Bingen.“
„Woher hast du das denn schon wieder?“
Ralle zeigt auf die Hefte vom Lesezirkel.
„Das ist ein guter Punkt!“, greift Norbert Ralles Zitat auf. „Wenn die Augen die Fenster zur Seele sind, wie viele gehen tagtäglich an dir vorbei und gucken nicht rein? Meistens will man auch gar nicht, dass einer durchs Fenster guckt. Wir haben die Augen zu, also im übertragenen Sinne, und geben nichts preis. Oder wenn wir was preisgeben, dann ist das oft nicht ehrlich, weil wir denken, wir müssten irgendwelchen Formen genügen. Gesellschaftlich, mein ich. Wir denken, wir müssten irgendetwas darstellen und machen dann ein Schaufenster aus uns, wo alles nur Staffage ist.“ Norbert schwenkt den Rest seines Weizens und leert das Glas. „Ehrlich, Leute, wann gucken wir denn einander mal richtig an? Abgesehen davon, wollen wir überhaupt wissen, was in dem anderen vorgeht?“
„Also geht es dir um gesellschaftliche Kälte und Gleichgültigkeit?“, hakt Ralle nach.
Uwe schaut mir derweil intensiv ins Gesicht. „Bin ich wirklich ein Menschenfeind?“
„Nein“, antworte ich rasch. „Jetzt erzählt mir nicht“, greife ich wieder in die eigentliche Diskussion ein, „dass Norbert aus gesellschaftlichem Protest nicht an offenen Fenstern vorbeigeht, sondern stehen bleibt und reinglotzt.“
„Er gibt ein Statement ab“, sagt Ralle, und winkt einem Gast, der das Lokal betritt.
Norbert nickt bekräftigend. „Man muss sich mehr füreinander interessieren, im echten Leben, nicht nur … nicht nur …“ Norbert schnippst ein paar Mal auf der Suche nach dem richtigen Wort.
„Virtuell“, hilft Ralle.
„Genau! Die Menschen laufen da draußen aneinander vorbei, reden nicht miteinander und dann wundern sie sich, dass es im Internet kracht, wenn ihre Versuche, anderen etwas mitzuteilen, in die Hose gehen. Wie soll das denn klappen, wenn man nicht am lebenden Objekt übt?“
„Man kann Menschen verlernen“, meint Ralle weise.
„Und deswegen sprengt Norbert die Privatsphäre anderer Menschen, um sie nicht zu verlernen?“, pruste ich. „Bin mal gespannt, wenn dir der erste aufs Maul hauen will, und du sagst: Kumpel, jetzt hör mal zu, ich spanne nicht in deine Bude, ich will dich nur nicht verlernen!“
Jetzt muss sogar Norbert lachen und prostet mir mit dem frischen Weizen zu, das Ralle herbeigezaubert hat. Nur Uwe motzt: „Wenn ich ein Menschenfeind wäre, würde ich Norberts Deckel nicht bezahlen!“
Um 1:00 schmeißt Ralle uns raus. Die Nacht vertreibt die drückende Schwüle des Tages langsam aus den Häuserschluchten, hat eine Brise mitgebracht, die Abkühlung verspricht. Ich schlendere durch menschenleere Straßen nach Hause. Es fahren kaum Autos. Wäre es nicht so still, hätte ich den leisen Gesang überhört. Ich blicke auf und merke, dass ich gerade an einem geöffneten Fenster vorübergehe. Der Vorhang bauscht sich im Wind, fängt einzelne Silben des Liedes ein, aber ich erkenne am Ton, dass es ein Schlaflied ist. Ich halte inne, gehe ein paar Schritte zurück und riskiere einen Blick. Das Zimmer dahinter ist in das milde Licht einer Nachttischlampe getaucht. Die Deckenleuchte, die ausgeschaltet ist, hat die Form eines Ufos. Ich sehe die beiden obersten Reihen eines Regals, auf dem ein Plüschdino thront. Ein Kind kann nicht schlafen und seine Mama singt ihm etwas vor, denke ich. Das hat etwas so Friedliches und Beruhigendes, dass ich wie hypnotisiert stehen bleibe, selbst als der Gesang schon vorüber ist. Als unvermittelt jemand am Fenster auftaucht, zucken wir beide zusammen, ich, weil ich mich ertappt fühle, die junge Frau über mir, weil … keine Ahnung, wahrscheinlich, weil sie mich für einen Verbrecher hält.
„Sie haben sehr schön gesungen“, sage ich schnell, um die Situation zu entschärfen, „da konnte ich nicht einfach so weitergehen. Schläft der Kleine jetzt wenigstens?“
Die junge Frau guckt noch kurz verschreckt, entspannt sich aber. „Jetzt schon“, flüstert sie. „Aber es ist eine Kleine.“
„Ist zu heiß zum Schlafen.“
„Es soll ja heute Nacht ein Gewitter geben.“ Sie legt den Kopf schief. „Ich kenne Sie doch. Sie kaufen regelmäßig im 1A-Markt ein, richtig?“
„Das stimmt.“ Ich versuche mich krampfhaft an ihr Gesicht zu erinnern, muss aber passen. Dabei hat sie ein hübsches und vor allem offenes Gesicht. Wo könnte ich es schon mal gesehen haben? An der Wursttheke? Die Stimme kommt mir auch nicht bekannt vor.
„Ich sitze an der Kasse. Erst gestern hab ich Ihnen abgezogen. 27,63. Sie hatten es passend.“
Ach Gott, stimmt! „Ja, ich habs nicht so mit Kartenzahlung“, murmele ich. Peinlicher ist mir, dass sich die Frau an mich erinnert, ich mich aber nicht an sie.
„Macht ja nix.“ Meint sie jetzt das Kleingeld, das ich ihr gestern hingeknallt habe, oder die Tatsache, dass ich sie nicht wiedererkenne? „Es kommen jeden Tag so viele Kunden in den Laden, da kann ich mir auch nicht jeden merken.“ Also letzteres. „Das sind dann die Gesichter, bei denen man auf der Straße unauffällig wegschaut, weil man nicht mehr weiß, woher man sie kennt, und auch nicht in die Verlegenheit kommen will, das zuzugeben.“ Steckt die mit Norbert unter einer Decke? „Ich heiße übrigens Fatima.“
„Günther“, brumme ich, und nehme mir vor, sie beim nächsten Einkauf mit Namen zu grüßen.
Sie gähnt verhalten. „Jetzt muss ich aber zu Bett. Falls sie wieder mal Lust auf ein Fensterkonzert haben, zur Zeit singe ich meist zwischen 23:30 und 3:00. Die Kleine zahnt.“
Sie lächelt und ich lächele zurück. Und denke, dass Norbert mit seinem Statement vielleicht gar nicht so falschliegt.

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hobbes
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Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
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BeitragVerfasst am: 09.05.2021 23:11    Titel: Antworten mit Zitat

Hm, hm. Das ist eine nette Geschichte.

( Shocked ich habe das schlimme Wort gesagt)

Tja nun. Das ist schon, nun ja, nett. Ralle mit seinen Lesezirkel-Weisheiten. Norbert, der an die Menschheit glaubt. Oder appelliert. Und zack, schon passiert es dem Ich ebenfalls. Und dann auch noch ausgerechnet mit Fatima! Wenn das nicht gleich noch Diversitätspluspunkte dazugibt.

Aber dann. Hm. Dann war es das halt. Ich habe die nette Geschichte gelesen, denke mir noch so: joah, hätte man noch ein bisschen zusammenkürzen können. Und dann gehe ich weiter zum nächsten Text und fürchte, von diesem hier bleibt mir nicht viel. Und deshalb ist es dann halt auch "nur" ein netter Text.

edit:
Und dann kommt doch alles anders. Oder ein bisschen anders. Weil, das ist echt gut gemacht, dieses Gespräch. Ich nehme denen das voll ab. Und tatsächlich habe ich mich sogar ein klein wenig aufs Wiederlesen gefreut.
Das Ende finde ich zwar immer noch viel zu "nett", aber nun. Erstaunliche (also für mich erstaunlich) 6 Punkte für dich smile


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Don't play what's there, play what's not there.
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V.K.B.
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Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 10.05.2021 17:04    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo unbekanntes Wesen, das das geschrieben hat
vorweg ein paar spontane Gedanken nach dem Lesen:

Der Text gefällt mir gut, ich musste doch einige Male schmunzeln. Schöner Humor (besonders, dass die Frau dann noch alles über ihn weiß). Problem ist leider nur, dass der Text sehr gradlinig daherkommt. Traditionell erzählt, geht keine neuen Wege, sträubt sich nicht. Und gerade darum geht es doch beim 10k-Wettbewerb, eben mal einfach etwas zu schreiben, das man sonst (wahrscheinlich) nicht so schreiben würde. E-Literatur ist das jetzt auch nicht unbedingt. Das Thema wurde dafür perfekt umgesetzt, und auch durchaus humorvoll und regt trotzdem zum Nachdenken an. Bei einem anderen Wettbewerb wäre das ein Punktekandidat, hier muss ich in meiner internen Wertung aber erstmal 20 Punkte abziehen, damit "richtige" Zehntausendertexte Vorrang haben. Da das aber so einige bisher gelesene Texte trifft, ist nicht ausgeschlossen, dass am Ende noch Punkte für dich rausspringen. Die verteile ich aber erst, nachdem ich alles gelesen habe.

Edit: Zur Endwertung: Ich habe die Texte in die Kategorien grün (genau wie ein Zehntausendertext mMn sein sollte, also definitiv E-Lit, aber auch besonders geschrieben und neue Wege beschreitend, oder das zumindest versuchend), gelb (ernsthafte Themen, aber realtiv traditionell geschrieben) und rot (Text, der mMn nicht in diesen Wettbewerb passt, auch nicht teilweise) eingeteilt. Die Rangfolge für die Punkte erfolgt dann nicht größtenteils nach persönlichem Gefallen, sondern erstmal innerhalb der Gruppen.

Diesen Text habe ich in den gelben Bereich eingeteilt, er erfüllt die Vorgaben dieses Wettbewerbs teilweise, schafft es aber nicht in meine Top Ten und erhält daher leider auch keine Punkte.


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Warning: Cthulhu may occasionally jumpscare people …
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Stefanie
Reißwolf


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BeitragVerfasst am: 11.05.2021 08:36    Titel: Antworten mit Zitat

Gefällt mir, ein wenig philosophisch und sehr menschlich.
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d.frank
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BeitragVerfasst am: 11.05.2021 16:13    Titel: Antworten mit Zitat

Uwe und Ralle und das Kneipengespräch...

Das macht einiges kaputt. Der Autor nimmt seine Figuren nicht ernst und erwartet dann aber, dass ich es tue..

Zitat:
Falls sie wieder mal Lust auf ein Fensterkonzert haben, zur Zeit singe ich meist zwischen 23:30 und 3:00. Die Kleine zahnt.“


:=), fand ich richtig gut!
Nur schade, dass vieles davor sich liest, als hätten die Zeichen gefüllt werden müssen sad


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Die Wahrheit ist keine Hure, die sich denen an den Hals wirft, welche ihrer nicht begehren: Vielmehr ist sie eine so spröde Schöne, daß selbst wer ihr alles opfert noch nicht ihrer Gunst gewiß sein darf.
*Arthur Schopenhauer
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marinaheartsnyc
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Beiträge: 149



BeitragVerfasst am: 11.05.2021 17:00    Titel: Antworten mit Zitat

Sprachlich und inhaltlich gesehen nicht der ausgefallenste Text im Wettbewerb - aber sehr schöne und aktuelle Botschaft in einer alltäglichen Szene, deswegen gibt es eine hohe Punktzahl smile

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Yesterday I was clever, so I wanted to change the world. Today I am wise, so I am changing myself.

- Rumi
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Babella
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Das goldene Aufbruchstück Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 11.05.2021 20:07    Titel: Antworten mit Zitat

Ist lustig, ihnen beim Reden zuzuhören und ihren Argumenten zu lauschen.
Leider zieht es sich nach etwa der Hälfte ein bisschen.
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Katinka2.0
Geschlecht:weiblichEselsohr


Beiträge: 323



BeitragVerfasst am: 12.05.2021 14:39    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe/r Autor/in,

großartiger Beitrag! Die Dialoge sind glorreich, ich habe die Geschichte in einem Stück gelesen und fühlte mich dabei wunderbar unterhalten (bitte das als Upgrade sehen, für mich trägt auch E-Literatur letztendlich zu meiner Unterhaltung bei). Ich finde es bemerkenswert, wenn man es als Autor:in schafft, Ernsthaftes bzw. wichtige Gegenstände wie z. B. die zwischenmenschliche Kommunikation in einem "leichten Rahmen" zu thematisieren, mit einer alltäglichen Situation, hier ein Kneipenbesuch unter Freunden, "normalen" Menschen eben und dabei nicht den Humor verliert. Deine Erzählung ist sehr nah am Leben, auch die junge Mutter, die gleichzeitig die Kassiererin vom Supermarkt nebenan ist, wirkt authentisch und das gefällt mir besonders gut.

Von Angesicht zu Angesicht miteinander ins Gespräch zu kommen, gewinnt gerade in Zeiten der Digitalisierung und vor allen Dingen unter Pandemiebedingungen eine ganz andere Bedeutung, und ich glaube nicht, dass ein "Verlernen" so ganz aus der Welt gegriffen ist.

Sehr schöner Beitrag, Thema wunderbar umgesetzt! Von mir gibt's auf jeden Fall Punkte Daumen hoch.

Liebe Grüße,
Katinka
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Nihil
{ }

Moderator
Alter: 31
Beiträge: 7639



BeitragVerfasst am: 12.05.2021 22:58    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist ein richtig toller, weil natürlicher und authentischer Dialog zwischen den vier Kneipengängern, der darüber hinaus noch schlagfertig, witzig und unterhaltsam ist und mich die Figuren, obwohl ich im außerfiktionalen Leben wohl nicht mit ihnen am Tisch sitzen würde (warum eigentlich), tatsächlich echt gern haben lässt. Da muss ich wirklich lange überlegen, bis mir ein Text einfällt, der das geschafft hat. Die Szene zwischen der Kassiererin am Fenster und Günther ist auch gut gemacht, wirkt aber im Kontrast ein wenig konstruierter, die Sprache, weil zum ersten Mal beschreibend, bedient leider auch kein ganz so breites Spektrum mehr, aber warum nicht. Gefallen tut sie mir trotzdem und 27,63€ passend bar zu zahlen, kann schon ein Grund sein, sich an jemanden zu erinnern, den man ohnehin regelmäßig sieht.

Ein Favorit:
Norbert gibt ein Statement ab hat Folgendes geschrieben:
Norberts Gesicht taucht hinter der Schaumkrone seines frisch gezapften Weizens auf.

Ich musste mir das bildlich wie in einem Comic vorstellen, dass sein Kopf von unten nach oben plötzlich zum ersten Mal ins Bild rückt, und das ist schon ziemlich Laughing.

Nach der letzten Runde muss ich sagen, ein gut gemachtes Stückchen, mit dem ich gern noch einen Absacker getrunken hätte. Die Revolution aller schöngeistigen Literatur liegt hier natürlich nicht vor, was aber insbesondere die Lebensnähe und Unterhaltsamkeit dieses Textes nicht schmälert. Aber das war dann doch das entscheidende Argument, weshalb es nicht für einen Treppchenplatz gereicht hat.
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RAc
Klammeraffe


Beiträge: 591



BeitragVerfasst am: 13.05.2021 13:34    Titel: Antworten mit Zitat

In einer feucht-fröhlichen Männerrunde wird die Frage diskutiert, ob das Nicht-Vorübergehen an offenen Fensters (zum Zwecke des Hineinschauens) moralisch verwerflich ist oder nicht. Der Erzähler, der in dieser Frage klar auf der Ja-Seite steht, ertappt sich beim Nachhausegehen nach dem Treffen dabei, seiner Neugier nachzugeben und - seiner Überzeugung zum Trotz -  in ein offenes Fenster zu schauen. Dabei bandelt sich eine Romanze an, und er erwägt, seine Position zu überdenken.

Vorgabentreue:

Die Idee, die Auslegung der Vorgabe selber zum Diskussionsgegenstand der Geschichte zu machen, ist originell und ausgefallen. Da die Antwort auf die Frage - zumindest aus der Sicht des Erzählers - dann auch noch zur (wenngleich schmalen) Handlung der Erzählung beiträgt, ist die Aufgabenstellung definitiv sowas von im Zentrum der Erzählung.

Ausgestaltung:

Espritdurchzogen und handwerklich sehr nett gemacht; durch den durchgehenden Dialog der gut gezeichneten Charaktere geht das Ganze wie Vanillepudding herunter.

Einzig der E-Aspekt kommt recht kurz. Mit einer fast unerträglichen Leichtigkeit schlendert der Text an den zumindest gekippten Fenstern zu den großen Fragen des Seins und der Zeit vorbei.

Punkte gibt es trotzdem auf Grund der originellen Umsetzung des Vorgabensatzes.
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Constantine
Geschlecht:männlichBücherwurm


Beiträge: 3217

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 14.05.2021 18:27    Titel: Antworten mit Zitat

Wie ich ein Statement verriet und dabei etwas gelernt habe

Bonjour Inko,

die Idee über den Gedanken hinter dem Thema "an offenen Fenstern vorbeigehen", das hast du richtig gut, um nicht zu sagen, gegen die Anonymität und hin zur Kommunikation und Offenheit gegenüber Menschen, umgesetzt. Ein positiver Gedanke, ein Näherkommen anstelle ein Abblocken und Fernhalten, denn wir sind alle Menschen und alles, was die Menschen trennt und voneinander abgrenzt, seien es Vorurteile, kulturelle Unterschiede usw, all das bröckelt dahin, wenn man sich an ein Fenster stellt und einen warmherzigen Plausch miteinander hält. Dann klappt es auch mit der Nachbarschaft. Die Idee mag ich.

Was ich etwas unglücklich empfinde, ist der Beginn:
Zitat:
„Wusstet ihr, dass unser Norbert gern an offenen Fenstern vorübergeht?“ Diese Enthüllung allein hat noch nicht den gewünschten Effekt, also werde ich konkreter. „Nicht nur das, Norbert bleibt, kaum dass er das betreffende Fenster passiert hat, stehen, kehrt um und guckt rein.“

Der Ich-Protagonist fällt mit der Tür ins Haus mit dieser Offenbarung über Norbert, um Norbert vorzuführen, und dann wundert es mich, woher der Ich-Protagonist dieses "Geheimnis" von Norbert weiß. Keiner aus dem Stammtisch weiß von Norberts "Geheimnis". Woher also der Ich-Erzähler? Passt für mich nicht.
Die Diskussion der Beteiligten wirkt lebendig genug, um dem unterhaltsamen Gespräch zu folgen und am Ende erfährt der Ich-Erzähler eine Art Bekehrung von Saulus zum Paulus, in dem er das, was er zuvor im Stammtischgespräch lächerlich und sehr kritisch gegen Norbert angesehen hatte, plötzlich selbst praktiziert und überrascht eine positive Erfahrung macht (was ich gut finde). Aber insgesamt hinkt dieser Text von Anfang an mit der Prämisse, dass mMn jemand das Thema beginnt, der es nicht wissen kann, und hier mit einem recht unfreudschafltichen Zug Norbert als Ziel auswählt.

Dennoch, mir gefällt die Idee hinter dem Gedanken
Zitat:
dass Norbert aus gesellschaftlichem Protest nicht an offenen Fenstern vorbeigeht, sondern stehen bleibt und reinglotzt.


Zitat:
Die Menschen laufen da draußen aneinander vorbei, reden nicht miteinander und dann wundern sie sich, dass es im Internet kracht, wenn ihre Versuche, anderen etwas mitzuteilen, in die Hose gehen. Wie soll das denn klappen, wenn man nicht am lebenden Objekt übt?“
„Man kann Menschen verlernen“, meint Ralle weise.

 Daumen hoch

Der Text hat es in meine Top Ten geschafft: six points.

Merci beaucoup
Constantine
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nebenfluss
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BeitragVerfasst am: 14.05.2021 21:09    Titel: Antworten mit Zitat

Hier erscheint der Zusammenhang zum Thema etwas getrickst, denn Norbert geht nur pro forma an geöffneteten Fenstern vorbei, danach dreht er um, schaut hinein, manchmal ergeben sich sogar Gespräch mit den "Insassen". In kumpeligem Tonfall diskutiert das die Clique mit ihm "bei Ralle". Günther, der Ich-Erzähler, dem Norberts Verhalten einigermaßen sittenwidrig vorkommt, verharrt auf dem Heimweg selbst an einem geöffneten Fenster vorbei, vom Schlaflied einer jungen Mutter angezogen, die er eventuell noch näher kennenlernen wird.
Das Kneipengespräch liest sich süffig, stellenweise sogar amüsant, allerdings folgt die Geschichte einem altbekannten Schema. Mit solchen ad-hoc-Entwicklungen (um nicht zu sagen: Bekehrungen) von einem Moment auf den nächsten habe ich immer ein bisschen meine Probleme. Im Rahmen eines E-Wettbewerbs ist mir die Geschichte nicht ausgefallen genug, um sich für meine Punkteränge zu qualifizieren.


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Raven1303
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BeitragVerfasst am: 14.05.2021 22:41    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe/r Unbekannte/r,

deine Kneipendiskussion endet mit einem sehr schönen Fensterkonzert, dass mir gut gefällt.
Deinen Dialogen konnte ich gut folgen und ich mag deine Idee.
Anforderungen hast du alle erfüllt.
Andere Geschichten haben mich aber mehr in ihren Bann gezogen, so dass ich leider keine Punkte mehr für deine übrig habe. Das ist schade, denn auch du hast Punkte verdient!

LG Raven


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Kojote
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BeitragVerfasst am: 15.05.2021 11:41    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Tag,

ich finde diesen Text zu dialoglastig, was sich zusätzlich negativ auf den Faktor Handlung auswirkt.

Obwohl ich die Geschichte gern gelesen habe, sehe ich nicht so recht den großen Wurf darin. 2 Punkte kann ich dennoch vergeben.

Liebe Grüße,
der Kojote


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holg
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Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 15.05.2021 23:40    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist auf den ersten Blick saugut erzählt, auf den zweiten ein wenig komplexer Zweiteiler, der aber auf den dritten Blick wiederum so gut gemacht ist, dass er einfach Punkte kriegen muss. Viele davon.

Vorne erstmal die Bubenrunde, die bei Alkohol und gut gesetzten Gesprächen einen Aspekt des Themas rausfischt und ihn genüsslich bearbeitet. Das macht fast soviel Spaß wie eine Tischrunde bei Tarantino, nur, dass da, wo bei Q.T. die Geschichte in eine Gewaltorgie münden würde, hier eine sehr zart erzählte unwahrscheinliche Begegnung der wunderbaren Art stattfindet. Am offenen Fenster, mit offenen (Gelegenheits-)fenstern.

Schönes Ding.

Der Titel ist in meiner Titelwertung unter den Top3 und sicherlich Grund, warum ich so offen und voller Erwartung mit der Geschichte beginne.


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MoL
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Das bronzene Stundenglas


BeitragVerfasst am: 16.05.2021 19:42    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Inko,

eine schöne Szene hast Du da aufgebaut! Sprachlich recht schnörkellos, weniger elegant, aber das braucht es in diesem Setting ja auch gar nicht! Du baust auf Authentizität, und das gelingt zumeist.
Mutig finde ich das auch, bei einem E-Lit-Wettbewerb nicht mit Sprache an sich punkten zu wollen, sondern einzig auf Inhalt und Stimmung zu vertrauen (falls Du jetzt verstehst, wie ich das meine).

Bisschen was zu meckern: die Sache mit dem Fenster am Ende. Ich glaube nicht, dass eine Frau in einer Stadt nachts das Fenster des (ebenerdigen!) Kinderzimmers öffnen würde, noch dazu, wenn das Kind noch zu jung ist. Das halte ich einfach für unrealistisch. Besser wäre gewesen, dass die Frau dann erst nach Entdeckung des Erzählers das Fenster aufmacht. Aber auch dafür hätte es meiner Meinung nach dann den Hinweis gebraucht, dass man irgendwie auf dem Land ist oder so. Aber selbst dann... Sage ich mal so als Mutter. Spätestens seit dem Verschwinden von Madeleine McCann ist da doch jede junge Mutter vorsichtig geworden, und die Väter sicher auch.
Überhaupt hätte es das Ende für mich gar nicht gebraucht, das ist etwas too much. Unsicherheit, ob die Vorgaben nicht auch so erfüllt waren? Brauchtest Du noch Zeichen?

versteh mich nicht falsch: das Ende ist ein Ende, klare Sache. Es rundet die Geschichte ab, zieht für uns die Lehre aus dem Kneipengespräch und gibt uns einen hoffnungsvollen Ausblick auf die Zukunft des Erzählers. Aber gerade WEIL das hier eine E-Lit-Sache ist, war die Chance da, das Ganze einfach unkommentiert und unaufgelöst stehen zu lassen. Ralle schmeisst um 1 Uhr alle raus, Uwe motzt, dass er kein Menschenfeind ist, Ende. Hätte mir dann noch besser gefallen. Ist mir so einen Hauch zu kitschig. Dennoch: schöne Sache, lieber Inko, das hier ist ein Platz 8!


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NEU - NEU - NEU im September 2020:
"Hexenherz - Goldener Tod"
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"Hexenherz - Eisiger Zorn", acabus Verlag, Februar 2017.
"Die große acabus-Jubiläumsanthologie", acabus Verlag, Oktober 2018.
"Hexenherz - Glühender Hass", acabus Verlag, Januar 2019.
"Die Tote in der Tränenburg", Alea Libris, 31. Oktober 2019.
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silke-k-weiler
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BeitragVerfasst am: 17.05.2021 11:51    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Jungs,

tja, ich schätze, wir gehören definitiv zur Holzhammer-Fraktion ohne erzählenden Prosatext. Letztes Drittel, oder so. Das hat man davon, wenn man spontan aus der Hüfte schießt. Macht aber nix, auch die hinteren Ränge wollen befüllt werden.
Ich mag euch trotzdem, ich glaube, ihr habt das Herz auf dem rechten Fleck.

Bis denne, Jungs!
Silke
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DLurie
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Beiträge: 664
Wohnort: Zwischen den Stühlen
DSFo-Sponsor Pokapro V & Lezepo III


BeitragVerfasst am: 17.05.2021 17:07    Titel: Antworten mit Zitat

(Jung?)Männer-Stammtisch-Runde analysiert das Verhalten von Norbert, der sich wohl gerne vor offenen Fenstern postiert.
Ist das (gar zwanghafter) Voyeurismus?
Norbert klärt die Runde auf und verteidigt seine Neugierde als ganz natürliches Interesse an seinen Mitmenschen, denen real zu begegnen in Zeiten des dominierenden Virtuellen immer schwerer werde. Er biete sich einfach an für ein Schwätzchen, ein Angebot, welches erstaunlich oft angenommen werde. Die Runde ist skeptisch, man unterstellt, dass Norberts Verhalten eher auf Ablehnung stoßen müsse, da er ja ungebeten in die Privatsphäre anderer eindringe. Auf dem Nachhauseweg bleibt der Erzähler vor einem geöffneten Fenster stehen, aus dem die Melodie eines  Schlafliedes erklingt. Eine junge Frau erscheint am Fenster, erschrickt zunächst als sie den Mann entdeckt. Dann aber kommen die beiden tatsächlich ins Gespräch.
Lustiger, kurzweiliger und recht lebensechter Dialog, der mich gut unterhalten hat. Dafür vergebe ich meinen letzten Punkt.
LG
DLurie
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Jenni
Geschlecht:weiblichPapiertiger


Beiträge: 4090

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 17.05.2021 21:27    Titel: Antworten mit Zitat

Unterhaltsames Kneipengespräch mit und über Norbert, der an geöffneten Fenstern stets stehenbleibt und hineinsieht, manchmal ergibt sich ein Gespräch. Dieses Verhalten sei ein Statement pro zwischenmenschlicher Kommunikation, die gerade in diesen Zeit wichtig sei. Auf dem Heimweg probiert der Ich-Erzähler es selbst aus, und es ergibt sich daraus eine tatsächlich (be)rührende Situation, die den Erzähler menschlich erscheinen lässt und die Welt hell. Schöne Entwicklung, der Figur, der Gedanken, des Textes. Doch, hat was.
3 Punkte.
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anderswolf
Geschlecht:männlichKlammeraffe


Beiträge: 712
Wohnort: Bad Nauheim


BeitragVerfasst am: 18.05.2021 11:41    Titel: Antworten mit Zitat

Dies ist keine Übung. Oder: Gehen Sie weiter, es gibt was zu sehen.

Wie das Thema auf jeden Fall getroffen werden kann, zeigt sich an diesem Text ebenso exemplarisch wie unattraktiv. Als habe d. Autory Angst vor Disqualifikation gehabt, wird die Themenstellung aber mal so unorganisch wie ein Spiegelobelisk in die Landschaft geklotzt, weil: warum nicht. Leider sind Kneipenabende derzeit (noch) nicht so zu haben, darum kann ich es nicht ausprobieren, aber meine Vermutung ist, dass sich ein Satz wie „Wusstet ihr, dass unser Norbert gern an offenen Fenstern vorübergeht?“ nicht einfach so im lockeren Gespräch unter Kumpeln von selbst ergibt. Andererseits kommt es vielleicht auf die Kumpel an. Wer weiß.

Nach dieser Unsubtilität geht es aber ordentlich weiter, denn da entspinnt sich plötzlich ein Gespräch, wie ich es tatsächlich in einer Kneipensituation erwarten würde, vor allem dann auch mit den entsprechend abzweigenden Nebengesprächen und eingeworfenen Kommentaren vorbeiwischender Menschen und Schmunzlern wie „Privatsphäre schließt das Mobiliar mit ein!“ oder aktuell erlebbaren Weisheiten wie „Man kann Menschen verlernen“.

Und weil das erstens irgendwie noch keine richtige Geschichte ergibt und zweitens wahrscheinlich noch keine 6000 Zeichen, gibt es einen Bonus, der die Theorie von „Ich spanne nicht in deine Bude, ich will dich nur nicht verlernen“ gleich mal in die Praxis umsetzt, und das auf so reizende Weise, dass mir ganz warm ums misanthrope Herz wird, vor allem, weil ich als ehemaliger Mitarbeiter im Lebensmitteleinzelhandel auch diese Momente kenne, wo ich so angestarrt wurde von Menschen, die sich zu erinnern versuchen, wo sie mich schon mal gesehen haben. In keinem einzigen dieser Fälle ist es jedoch so hübsch ausgegangen wie in dieser Geschichte, wo sich Fatima und Günther ganz artig gute Nacht sagen und trotz aller Unterschiede sehr sympathisch finden. Ganz im Sinne des Kneipengesprächs: Manchmal braucht es eben das Interesse an den anderen Menschen, das manchmal aufdringlich aussieht, aber eigentlich vielleicht nur interessiert gemeint ist. Denn wie sollen wir einander denn sonst kennenlernen, wenn nicht indem wir uns füreinander interessieren. Wie sollen wir überhaupt ein Miteinander entwickeln, wenn alle immer nur den Blick auf den Boden richten. Und wie sollen wir in Zeiten, da wir vor lauter Masken von den Menschen nur noch die geöffneten Fenster der Seele sehen, überhaupt Kontakt aufnehmen? Wie verhindern wir, dass wir verlernen, miteinander zu sein. Indem wir weiterhin einander wahrnehmen, uns gegenseitig zuhören und uns vielleicht mal von dem Lied, das andere singen, ein Stück weit tragen lassen und nicht nur dauernd unsere eigene Melodie trällern. Oder so.

Ich jedenfalls finde das (bis auf den Klopper am Anfang) sehr gut gemacht und sehe darin einen wichtigen Beitrag zum Menschsein, das ganze ist sehr hübsch geschrieben und harmlos verkleidet. Bekommt von mir 7 Punkte.
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Kiara
Geschlecht:weiblichReißwolf

Alter: 42
Beiträge: 1591
Wohnort: bayerisch-Schwaben


BeitragVerfasst am: 18.05.2021 13:56    Titel: Antworten mit Zitat

Juhu, eine Geschichte mit Gesang! Gefällt mir, reicht aber aufgrund des hohen Niveaus hier knapp nicht für die Punkte. Trotzdem danke und liebe Grüße!

_________________
Zum Schweigen fehlen mir die Worte.

- Düstere Lande: Das Mahnmal (2018)
- Düstere Lande: Schatten des Zorns (2020)
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Globo85
Geschlecht:männlichEselsohr

Alter: 36
Beiträge: 336
Wohnort: Südwesten


BeitragVerfasst am: 20.05.2021 13:38    Titel: Antworten mit Zitat

Die Fenster sind offen, einfach mit der Maus vorübergehen.


Disclaimer

Die folgende Bewertung stellt nur meine persönlichen Leseeindrücke dar. Wertende Aussagen beziehen sich lediglich auf den gelesenen Text, nie auf die Verfasser:innen. Die Punktevergabe und meine persönliche Rangliste ist natürlich vollkommen subjektiv, insbesondere die Bewertung unter dem Gesichtspunkt E-Literatur.


Ersteindruck

Leicht aber definitiv nicht seicht! Fatima war doch Backwarenverkäuferin?


E-Lit-Zugehörigkeit

Inhaltlicher Anspruch/etwas zu sagen/tiefer gründender Inhalt

Auf jeden fall. Mehr Offenheit dem Gegenüber.

Stilistischer Anspruch

Weit überwiegend Dialog, der aber absolut lebensecht und direkt aus der Eckkneipe.

Ungefügigkeit und Mehrschichtigkeit

Beides eher nein.

Für mich: Noch E-Literatur.


Umsetzung des Themas

Fenster

Fatimas Fenster (und die ganzen von Norbert).

offen

Check.

Vorübergehen

(Zunächst immer) Check.

Für mich: Thema umgesetzt.


Was mir gefällt

Uwe. Die Lebendigkeit der Diskussion. Uwe. Dass es nicht um große, schwere Themen geht. Dass Uwe nicht locker lässt.

Was mir nicht gefällt

Dass Uwe den Günther auf dem Heimweg nicht begleitet.


Lieblingsstelle/Lieblingssatz

„Ganz ehrlich, von mir bekämst du kein Schwätzchen gehalten, von mir bekämst du eins auf die Fresse, würdest du unter meinem Fenster rumlungern“, sagt Uwe.


Fazit und Punkte

Ein super Beitrag, positiv (im Gegensatz zu den meisten anderen) und die Zugänglichkeit war ebenfalls eine willkommene Abwechslung. Beides trägt vielleicht nicht unbedingt dazu bei auf der E-Skala weit oben zu landen, aber es steht der Zuordnung zur E-Lit. (für mich) auch nicht im Wege. Der einzige Text, der mich richtig zum Grinsen brachte. Mein neunter Platz.

Zwei Punkte.
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