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Metamorphosen


 

 
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Constantine
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Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 20.04.2021 18:22    Titel: Metamorphosen eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

                                                  Metamorphosen


I                                                                                                               II
Rascheln                                                                                            Eins und gegen
hinter fliessender Schwärze                                                                  blicken zwei Gestirne
                                                                                                  hinab und senden
Schimmern                                                                                   ihre goldenen Strahlen
hinter vermummten Bewegungen                                                                                     
                                                                                                             Sonne
Greifen                                                                                      regt inspiriert tanzt
von Gott spielende Hände                                                                         losgelöste Freude

Vereinen                                                                                                      Mond
der Liebenden durch den Feuervogel                                                              zieht spinnt lenkt
                                                                                                   trennende Fäden


                                                       III
                                                Der Olymp tanzt
                                       Hämmerchen schlagen leise auf Saiten

                                                  Wer herrscht?

                                                      Zeus
                                             dirigiert flirtet liebt

                                                      Hera
                                               wacht liebt leidet

                                                    Revolte
                                                      Tod
                                                  Wiedergeburt

                                               Götter im Liebesrad

                                                      Zeus
                                                     spielt

                                                      Hera
                                                     kämpft

                                                     Götter
                                                     klagen

                                                    Revolte
                                                      Tod
                                                  Wiedergeburt

                                                    im Arm
                                         liegen trauern gegenüberstehen
                                             regieren Leidenschaften

                                              nicht nur im Menschen

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Constantine
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Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 26.04.2021 20:08    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

.................................................................

Die Strasse schimmert im Mondlicht.
Über mir flattert eine Fledermaus.
Unter meinem Mantel lodert ein Feuer.
Eine Schaufensterpuppe blickt mich an.

Ich suche etwas, das ich verbrennen kann.

Ein Vorhang weht aus einem Fenster.
Der Mülleimer an der Ecke quillt über.
Ratten verstecken sich in Gullis.
Auf einem Plakat lächelt Jesus.

Ich suche etwas, das ich suchen kann.

Unter einem Wagen lauert eine Katze.
Rost zerfrisst ein angekettetes Rad.
Ein Tropfen trifft meine Stirn.
Die Welt schweigt.

Ich suche etwas, das ich lieben kann.

.................................................................

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Constantine
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Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 03.05.2021 10:46    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Großvater

Großvater ist faltig und grau.
Er stützt sich an seinem Gehstock,
aber er denkt nicht daran, dass er alt ist,
weil er weiß: Er hat ein Leben gelebt.

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Constantine
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Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 10.05.2021 11:22    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Legosteine

Lustig.
Ich bin wie Lego:
ein Universalspielzeug.

Einfach:
Ich werfe mich gegen die Wand, breche in meine Einzelteile und setze mich zusammen.
Nicht schlecht.

Nach einer Weile kommt mir eine Idee.
Ich werfe mich wieder gegen die Wand, sammle die Teile ein und fange von vorne an:
erneut wieder zusammensetzen.
Auch eine Möglichkeit.

Mal was Anderes probieren.
*Watz* gegen die Wand geschmissen, und:
So kann ich also auch sein,
innen wie außen.

Ist das nicht ein lustiges Spiel?

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Constantine
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Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 17.05.2021 17:51    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Der Überlebende

Mit einem brennenden Auge und einem tränenden Auge,
mit einem tauben Bein und einem schmerzenden Bein,
mit einem zitternden Arm und einem verrenkten Arm,
mit einer zertrümmerten Nase und einem vertrockneten Mund,
mit einer unregelmäßigen Atmung und einem trommelnden Herzen,
mit einer juckenden Kopfhaut und einem rauen Hals,

versuchten mich die Spezialisten

mit ihrer Sachkenntnis und Erfahrung, mit dem besten High-Tech-Equipment,
mit stundenlanger Geduld und unerschöpflicher Herausforderung,

wieder hin zu bekommen,
nachdem mir diese
 
bösen,
schlimmen,
ekelhaften,
schmerzhaften
und wirklich unangenehmen

Dinge passiert sind,

die mir einerseits zeigten, wie zerbrechlich ich bin,
andererseits, wie viel ich im Stande bin auf mich zu nehmen,

ohne in meine atomaren Einzelteile zu zerfallen
und wieder zum Mikrokosmos zurück zu kehren,
von dem ich mich seit meiner Geburt gelöst habe.

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Constantine
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Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 25.05.2021 15:37    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Schneeflocken

David spielte.
»Haaa,  Zangor, du wirst meine Rache spüren. Ziuuu…ziuuu…oh nein, Manora! Ich werde dich vernichten! Zuerst dich und dann werde ich  dein Volk knechten!...krrr wamm.. Niemals!...ziu…nimm dies!...krrrwamm…und du nimm das!...ziu…ziu…ich werde dich vernichten, Zangor!...ziu…ziu…mein Volk wird dir nie gehören!...Ha! Manora, du bist schwach, genauso wie dein Volk…krrrwamm…haha, der Sieg ist mein…krrrwamm…krrrwamm…nach dir dein Volk!...krrrwamm…«

»David, es ist Zeit.«
Eine sanfte Stimme entriss ihn aus dem Kampf seiner beiden Helden. David blickte auf und sah in die warmen Augen seines Großvaters, der an seinem Bett saß und verständnisvoll lächelte.
»Fast hätte Zangor Manora gehabt«, meinte David.
»Er hat ihr schwer zugesetzt. Vielleicht hat Manora bis morgen ja noch einen Trumpf im Ärmel.«
David befreite die beiden Figuren aus ihrer Umklammerung und legte sie weg. Sein Großvater beugte sich zu ihm und küsste ihn auf die Stirn.
»Opa, erzählst du mir noch eine Gute-Nacht-Geschichte?«
Er deckte seinen Enkel zu, lächelte und sagte: »Du bist etwas Besonderes, David, wie eine Schneeflocke.«
Jedes Mal, wenn sein Großvater sprach, sah es aus, als ob sein grauer Schnurrbart tanzte. Seine kurzen grauen Haare glänzten silbern im Licht der Nachttischlampe und seine Backen schienen leicht zu glühen. David mochte seinem Großvater gerne zuhören, vor allem, wenn er ihm Geschichten erzählte.
»Jede Schneeflocke ist einzigartig. Jede Schneeflocke unterscheidet sich von der anderen. Jede Schneeflocke ist ein Wunder für sich. Einmal hatte sich eine Schneeflocke verirrt. Sie war von ihrem Weg abgekommen und war in ein für sie viel zu warmes Land gelangt. Die Sonne mochte die Schneeflocke überhaupt nicht und ließ ihren Zauber auf sie los. Und während die Schneeflocke immer weiter herabsank, verwandelte sie sich in einen winzig kleinen Tropfen und fiel in eine Pfütze.«
»Können Schneeflocken träumen, Opa?«, murmelte David, bereits im Halbschlaf.
»Ihr Leben ist ein einziger schöner Traum«, antwortete sein Großvater. »Und nun schlaf g…«
Die Tür öffnete sich und seine Mutter kam ins Kinderzimmer.
»Zeit zum Schlafengehen, mein Schatz.«
Sie war für die Nacht hergerichtet und roch leicht nach Creme. Zwei Spielfiguren lagen neben Davids Bett. Seine beiden Helden, dachte sie, redeten jetzt miteinander und schienen des Kämpfens müde geworden zu sein.
David gähnte und zog die Bettdecke enger an sich.
Es machte sie stolz, dass sich die Spielfiguren nicht mehr gegenseitig die Köpfe einschlugen, aber sie spürte auch eine Beklemmung. Ihr kleiner David wurde erwachsen. Sie gab ihm einen Gute-Nacht-Kuss und legte Zangor und Manora in dessen Kiste.
»Schlaf gut, mein Schatz«, sagte sie und löschte das Licht der Nachttischlampe.
»Nacht Opa«, flüsterte David leise, bevor er einschlief.

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Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 31.05.2021 20:02    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Menü Nr. 5

Ausgesuchter Rotwein ist entkorkt, für Hintergrundmusik ist gesorgt.

Das Festgedeck und erlesene Speisen stehen bereit:

Zu Ritas Locken im Suppengrün strahlen Tinas Augen schön.
Monikas zarte Niere garte seit ein Uhr, Erikas feine Finger dienen als Garnitur.
Mit Sandras Zunge schmoren in der Pfanne die Ohren von Anne.
Jessicas schlanke Waden, mein Hauptgericht, mehr fasst mein Magen leider nicht.
Die zarten Lippen von Angela, Pamela, Sandra und Rita schmecken in Honig eingelegt süßer.

Das ist mein Menü Nr. 5

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Constantine
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Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 07.06.2021 21:34    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Die Sache mit dem Haar

Ich hatte mir die größte Mühe gegeben, was zu machen aus meinem Leben. Ich war schon immer etwas sonderbar, nicht reich beschenkt mit schönem Haar. Meine Mutter liebte ich abgöttisch, sie hatte von allen das schönste Haar. Es war ihr unerklärlich, warum ich nicht so ein hübsches Kind war.

Elaine, meine erste Freundin, lernte ich noch in der Schule kennen, mit ihrer Hornbrille und der Zahnspange sah man alle Jungs vor ihr wegrennen. Nur ich blieb bei ihr, keine andere wollte was von mir. Ich hab dich lieb, sagte ich ihr. Das mochte sie sehr. Konnt’ ja schlecht sagen, ich bleib wegen deines Haars bei dir. Ihr gefiel, wie ich sie verwöhnte, wie wir uns liebten und wie laut sie stöhnte. Erregt war ich in Gedanken nur bei ihrem schönen Haar, wie ich es streichelte und, als ob es mein eigen wär, bewunderte. Pass auf dein Haar auf, sagte ich ihr immer, doch hören konnt’ sie’s bald nimmer. Anstelle, dass es besser wurde, wurd’s noch schlimmer. Mein Haar, mein Haar, schrie sie verärgert! Was ist mit mir, liebst du mich denn nicht? Nein, dich lieb ich nicht. Dein Haar, Elaine, ist was ich mag, Tag für Tag, Nacht für Nacht, hat es mir viel Wonne gebracht. Das war dann auch der Grund, warum sie sich von mir trennen ließ. Keine gute Entscheidung von Elaine, der Ersten, der ich die Kopfhaut abriss. Sie hatte sich heftig gewehrt, mir eine unbrauchbare Kopfhaut beschert. Ich schnitt ihr schnell den Kopf ab, sie schrie wie am Spieß, damit ich endlich meine Ruhe hab, als ich ihren Körper auseinanderriss. Schade um ihr schönes Haar. Ich vergrub ihre Körperteile vielerorts und stellte mich einfach dumm. Ich sprach mit niemandem ein Wort und kam davon mit dem Mord. Vermisst haben sie nur ihre Eltern, verständlich, gefunden wurde sie zum Glück nie.
Ich überdachte, was ich eigentlich brauchte, was mir zum Leben genügte. Nicht die Frau wars, die mich interessierte, weswegen ich mich erst spät wieder an einer Beziehung probierte.
Meine Leidenschaft wurde mein Hobby.

Einen Anfang für meine Sammlung sollte Victoria machen. Sie hatte langes, braunes Haar. Ich hatte dazu gelernt, sie zuerst getötet, dann ihre Kopfhaut entfernt. Ich hab leider zu spät gemerkt, ihre Haut war nicht gut. Sie war zu porös, viel zu viel ging sofort kaputt. Das Abziehen der Haut musste ich verfeinern, um endlich meine Kopfhautsammlung zu vergrößern. Meinen dritten Versuch erledigte ich schneller, beging beim Abziehen keinen Fehler. Hab sogleich ihr Haar an meinem Kopf angebracht, doch leider die falsche Größe nicht bedacht. Auch wenn mir das Haar nicht passte, so hatte ich endlich ein schönes Stück für meine Sammlung. Hauptsache lang sollte es sein, die Farbe war mir egal. Frauen mit kurzem Haar konnten mich alle mal. Opfer Nr. 4 wählte ich gewissenhafter, Form und Größe mussten passen. Doch beim Abziehen hielt ich plötzlich ne Perücke in der Hand, ich konnt’s ja nicht wissen, dass sie ne beschissene Chemopatientin ist. Ich glaub, ich verlier noch komplett den Verstand.

Mit Laura, Freundin Nr. 2, sollte mir das nicht passieren, wegen ihres Haars ich nicht meine Kontrolle verlieren. Ich hatte gut vorgesorgt, dass ich sie nicht auch ermord. Ihre Lebensversicherung: Sie hatte ne scheiß Frisur, ich ließ sie am Leben dafür. Was sie an mir fand, ist leicht gesagt. Ich war der Erste, der ihr hinter her gejagt. Meine unkomplizierte Art hatte es ihr angetan, so wurden wir zunächst ein Paar und dann nach mehr als einem Jahr, sie meine Frau und ich ihr Mann. Dann stand unser erstes gemeinsames Kind an. Ich war sehr aufgeregt. Ich wurde selbst Vater und fühlte mich zum ersten Mal nicht wie ein Versager. Wie sehr ich mich freute, als ich das kleine Wesen in meinen Händen hielt und der ganzen Welt mitteilte, dass meine Freude meiner Tochter Pia gilt. Zu meiner großen Überraschung hatte meine Kleine weder mein Haupt noch das ihrer Mutter vererbt bekommen, ich war sowohl stolz als auch neidisch, dafür hätte ich sie umbringen können.

Meine Sammlung vermehrte sich munter weiter. Es war ein Ventil zum Dampfablassen, meine Ehe fing zu krieseln an, ich fühlte mich mehr als Vater denn als Ehemann. Jedes Mal, wenn ich Pia in Händen hielt, wars sehr schön und mir doch zu viel zu sehen, wie sich mit der Zeit ihre Haarpracht entwickelte, es mir oft unter den Fingern juckte und mir beim bloßen Gedanken die Kehle zudrückte. Nr. 5 und 6 möchte ich am liebsten vergessen, außer dass es den Stress abbaute, ist nicht viel gewesen. Ich weiß selbst nicht, was mit mir los war, nicht einmal das wichtigste hat mir gefallen, das Haar.
Meiner Frau wurd’s zu viel, sie ließ sich scheiden, dass mein Herz nur für Pia schlug, konnte sie nicht begreifen. Sie wollte einen herzlichen Mann, der sie liebt, und nicht jemanden, der seine Wärme nur seiner Tochter gibt. Somit trennten wir uns – Laura und ich –, sie nahm Pia mit sich, ich bekam Besuchsrecht, das machte mich glücklich.

Nun lebe ich allein. Doch es macht mir nichts. Hab ja meine stetig wachsende Sammlung. Die reicht mir. Oft steh ich mit meinem gesammelten Frauenhaar vor dem Spiegel und streiche sanft mit meinen Fingern darüber, träume und lache, eine Übermacht an erregenden Gefühlen überkommt mich. Ja, so fühlt sich das Paradies an. Ich geh nun mit Bedacht und Vorsicht an die Sache ran, welche Kopfhaut ich zu meiner Sammlung noch einbringen kann. Ist mein kleines, feines Hobby und übertreiben werd ich’s hoffentlich nie. Nicht die Quantität ists, die zählt, sondern die Qualität, die beseelt. Und sollte mal ein Haar ausgefilzt sein, so geh ich los, besorge ein neues und mach’s in meine Sammlung rein. Andere sammeln Brüste, Hände, Füße, ich liebe Haare über alles. Was ist schon dabei? Wenn ich tot bin, ists eh vorbei.

Neulich habe ich meine Kleine besucht, meine Ex hat mich beschimpft und geflucht, warum ich meiner Tochter nichts Vernünftigeres schenken kann, statt Shampoo und Lotion, Creme und nen Kamm. Ihr Glück, dass mir ihr Haar nicht gefällt, ich hätte es ihr längst abgeschält. Hab mich ins Haar meiner Kleinen verliebt, ob sie irgendwann ihrem Papa was davon abgibt?
.
.

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Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 14.06.2021 18:36    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 21.06.2021 17:36    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Unter vier Augen


»Peter, ich habe dich herberufen, weil ich mit dir sprechen wollte.«
»Ja.«
»Ich war gestern mit meinem Mann im Kino. Ein französischer Kunstfilm ...«
»Aha.«
»... es war ein sehr schöner Abend mit meinem Mann. In seinem Lieblingskino. Wir waren schon aufgrund der Arbeit lange nicht mehr abends fort ...«
»Ja, verstehe ich.«
»... und als der Film erdete, verliessen wir den Kinosaal, eng aneinanander, langsam die Treppe hinab. Roter Samt umkleidete die Stufen, über uns strahlten Leuchter die verspiegelten und vergoldeten Wände ...«
»Toll.«
»... kurz vor dem Ausgang sah ich die neueste Ausgabe der Bild-Zeitung, mit dir vorne als Schlagzeile ›Minister beleidigt dicke Frauen!‹. Ich musste kotzen! Ich kotzte auf den roten Samt, auf die Ausgangstür, auf einige Besucher, auf die Foyer-Theke ...«
»....«
»... ich bekam Hausverbot! Im Lieblingskino meines Mannes! ...«
»...«
»... und mein Mann will die Scheidung! ...«
»...«
»... alles wegen dir!«
»Männer sind manchmal impulsiv und reagieren über.«
»Verdammt, Peter!«

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Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 28.06.2021 18:21    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Sex

im Mund schmeckt - intensiv -
mal nach der einen, mal nach einer
anderen fruchtigen Note, S/M im Wechsel,
heiß_gekühlt, sinnlich vermischt zu blau
beerigem Apfel mit Knospen, bananiger Honig
Melone mit fruchtigem Fleisch, nektar
iniger Birne, dazu stets leichter Kokos,
der zart und erfrischend brennt.

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Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 05.07.2021 21:02    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Das tollste der Welt oder wozu Schwimmen lernen

Als Milo am 1. März zur Welt kam,
empfanden seine Eltern zweierlei:
Schrecken und Trauer.

Der Arzt, die Ruhe selbst,
sprach von Atavismus,

die Eltern, in ihrer Panik,
von plastischer Chirurgie,

der Arzt, weiterhin cool,
von unnötigen Risiken,

die Eltern,
von Alternativen und Konsequenzen,

der Arzt,
von Kosten und von körperlicher und geistiger Gesundheit.

Die Eltern gewöhnten sich
an
vergaßen beim Plantschen
Milos Abnorm und gaben ihm
die Liebe liebender Eltern.

Milo träumte nicht groß,
sondern eher klein:
Er wünschte sich einen Freund.

Im Kindergarten, in der Schule,
im Sportunterricht, in der Umkleide
erfuhr er Hänseleien und Spott.

Milo blieb stark,
denn sein großer Tag kam:
Der erste Schwimmunterricht,

als Hendrik japste und abtauchte,

alle anderen kreischten

Milo ein Lachen sich verkniff,
sprang und ihn rettete.

Seitdem waren Hendrik und er beste Freunde
und Atavismus das tollste der Welt.

Als Anna am 5. Mai zur Welt kam,
empfanden Milo und seine Frau Bea zweierlei:
große Freude und Glück.

Von Anfang an setzte Anna
vehement ihren Kopf durch
und bekam von ihren Eltern,
was sie wollte,

und was sie nicht bekam,
bekam sie trotzdem.

Heute, im Becken, bringt Milo
seiner Tochter das Schwimmen bei:

Sie wehrt sich,
schnauft und spuckt Wasser,

er, die Ruhe selbst,
hält sie und redet ihr gut zu,

sie verschluckt sich und hustet,

gottergeben hievt er sie raus,

Anna trottet wütend davon,
denn sie will und braucht das nicht lernen.

Ihr Vater kennt ihren Wunsch nicht:
Eines Tages werden ihr auch Kiemen wachsen.

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Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 12.07.2021 20:52    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Weniger Ordinär

Ich hasse ordinäre Ausdrücke, sie sind Gift und völlig unnötig.
Allein auf die passende Wortwahl zu achten, führt zu einem zivilisierten Miteinander und Verhalten.

Über kurz oder lang, es ist gar nicht schwer.

Ich nutze Jiddisch - eine charmante, liebenswerte Sprache.
Ganove.
Schickse.
Meschugge.
Schmock.

Oder das Wort »schtuppen«,
wie in: »Ich gehe nicht mehr zur Kirche, um mir von einem Pfaffen, der kleine Jungs schtuppt, Moralpredigten anzuhören.«

Irgendwie klingt die Sache auf Jiddisch weniger ordinär.

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Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 19.07.2021 19:03    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Systemfehler


Sehr geehrter User,

wir möchten Sie darüber informieren, dass unser Sicherheitssystem in ihrem System einen Prozessfehler registriert hat. Die Fehlermeldungen häufen sich. Zunächst vermuteten wir, ein Virus hätte das System befallen, möglicherweise ein Trojaner, der Kontakt mit dem WWW sucht, sich ständig einwählen und Datenaustausch ausführen möchte.

Die Systemüberprüfung ergab, dass es sich um eine systeminterne Subroutine handelt, welche die Fehler der anderen Systemprozesse verursachte.
Die Subroutine war manuell deaktiviert worden und startete einstellungsbedingt unter spezifischen Außenbedingungen.

Wir konnten die Subroutine und ihre prozessübergreifenden Aktivitäten in einer zweiten, tiefergehenden Systemüberprüfung identifizierten: love.exe.

Die Subroutine ist weiterhin aktiv, verursacht Systemfehler und eine hohe Arbeitsspeicherauslastung, wodurch ihr System während Ihrer täglichen Arbeiten sehr langsam reagiert.

Ein Wiederherstellungspunkt ist vorhanden. Der Prozessfehler kann durch dessen Aktivierung behoben werden, wodurch ihr System auf einem früheren Zeitpunkt gesetzt wird. Leider liegt ihr letzter Wiederherstellungspunkt sehr weit zurück und würde zu Verlusten von installierter Software, Updates und Konfigurationen ihrer Prozesse sowie zu langwierigen Neu-Einstellungen ihres Systems führen.

Die Justierungsmaßnahmen dauern noch an. Es wird nun versucht die Eigenschaften der Subroutine zu spezifizieren und somit die Aktivierung des Prozesses zu modifizieren. Notfalls muss ihr System kurzzeitig deaktiviert und im abgesicherten Modus gestartet werden.

Wir rechnen damit, bis Ende der Woche mit den Systemmodifikationen fertig zu sein und somit den Prozessfehler behoben zu haben.


gezeichnet
Ihre Systemadministration

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BeitragVerfasst am: 27.07.2021 17:50    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vom Wind angestoßen

über deine Leggins
den Rock entlang
über die Grenze zwischen
den Rillen zur Seite drehend

schwappt hauchzart getragen über
meine Brust hebsenkend
zur Krause

es kribbelt

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BeitragVerfasst am: 02.08.2021 19:49    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

In der Todeszelle


Einige Tage nach Richterspruch und genauso langem Wachen beflügelte den Wärter aus unbekannten Gründen eine Neugier, den zum Tode Verurteilten anzusprechen:

Wie ist das Zeitgefühl? Hat es sich geändert? Vergehen die letzten Lebenstage schneller als die der schuldbeladenen Vergangenheit?

Seit der Kenntnis des Todeszeitpunktes und in Erwartung des Vollzugs des Urteils beschleunigt sich tatsächlich die Zeit in der Todeszelle?



Einige Augenblicke des Schweigens und genauso langem Wartens setzte der Wärter aus wohl bekannten Gründen seine letzten beiden Fragen platziert fort:

Wie lange dauern schlaflose Nächte an, wie lange die Endlosigkeit einer in der Todeszelle durchzechten Nacht?

Mit welcher Geschwindigkeit treibt das durch das Todesurteil verlorene Leben immer weiter in die Unerreichbarkeit zurück? Wann entschwindet das einstige Leben?



Es gibt hier keine Zeit mehr, antwortete der Gefangene, oder wenn, dann steht sie still und rast dahin, ohne dass davon etwas zu spüren ist.

Ja, so fühlt es sich an, sagte der Wärter.

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