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ohlear
Geschlecht:weiblichGänsefüßchen


Beiträge: 18



BeitragVerfasst am: 08.04.2021 09:10    Titel: waszusehenist eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Was ist zu sehen?

Die Äpfel, der Nachttisch, die Bücher.
Ich sags wie es ist, am Ende ist es trotzdem der schwarze Strich.

Mach ich dir einen Strich durch die Rechnung?

Nichts liebst du mehr.

“Drauf geschissen.” lache ich. Besäße man jetzt ein absolutes Gehör, vielleicht würde man dem zarten Hauch unermesslicher Hysterie lauschen.

Acryl - allen voran schwarzes - ist so etwas wie die Todsünde. Versuch es mal abzubekommen oder zu übermalen.
Stimmungsbombe: Man wird vergeblich scheitern.
Einmal geküsst und man wird es, jede Bemühung vergeblich, nicht los.

Ich wünschte, man könnte Leinen so leicht zerreißen wie Papier, sie durchstoßen. Ich habs versucht, in diesem Moment.
Die Welt lügt einem mithilfe von Cartoons vor, Löcher würden stachelig sein. Sind sie aber nicht, das Leinen durchtrennt sich, als hätte mein ein Cuttermesser benutzt, klappt auf widerwärtige weise über und im besten Fall trifft man dabei noch den Holzrahmen und fragt sich, ob man seine Hand je wieder benutzen kann.

Es sind immer Sonntage wie diese, die einen so fühlen lassen.

Dann ein lautstarker Krach, die Leinwand trennt sich von der Staffelei und fällt entsetzlich auf den Boden, allen physikalischen Regeln wiedersprechend, Gott sei Dank, aber nicht auf die bemalte Seite. Schweigend werfe ich ihr einen niederträchtigen Blick zu, als könne sie sich selbst dazu bewegen, die dünnen Beine hinauf zu klettern und sich wieder an ihren vorbestimmten Ort zu begeben.
Aber sie tut es nicht, die gottverfluchte Idiotin.

Mit einem übertriebenen Seufzen fahre ich mir durchs Haar und seufze nochmal, als mir klar wird, dass meine Hand bis vor kurzem noch voll mit Farbe war. Dann werfe ich einen unglücklichen Blick auf die Staffelei und versuche in dem Stillleben das ich gemalt habe zu versinken. Stattdessen versinke ich in dem schwarzen Strich.
In seinen Unebenheiten, seiner fehlenden Akkuratesse, seiner unbegründeten Existenz. Und will wieder seufzen, lasse es aber sein.

“Ist bei dir soweit alles okay?”
Assia steht auf der letzten Treppenstufe, hat die schmalen Arme unschlüssig vor der Brust verschränkt, sie grinst, aber das macht sie sowieso die ganze Zeit.
Ihre Augen funkeln auf, als die untergehende Sonne sie berühren, seltsamer Weise scheinen sie jetzt orange, obwohl sie grün sein müssten.
Ich schwöre euch, wenn man mir gesagt hätte, ich solle ein Portrait malen, ich wäre nicht nur schon längst fertig, sondern auch nicht kurz davor, einen Nervenzusammenbruch zu bekommen.
Es vergehen ein paar Sekunden, die sich anfühlen wie Minuten, in denen wir uns auf aufgesetzt anlächeln, bis sie genug davon hat und sich traut näher zu kommen.
Sie begutachtete den trostlosen Haufen auf dem Boden, ihrer Mine ist nichts abzulesen.
“Es wird schwer, morgen etwas brauchbares abzugeben, ja, aber das ist okay, ich hab es nicht anders verdient.” fange ich munter an zu reden, während sie in die Hocke geht um die Leinwand aufzuheben und wieder an ihren rechtmäßigen Platz zu stellen.
Sie macht ein paar Schritte zurück, legt die Stirn in Falten, fährt sich ebenfalls durchs Haar, bleibt aber an einer ihrer Strähnen hängen.
Assia war noch nie ein großer Fan davon, sich die Haare zu kämmen, sie hat ständig irrsinnig geheult, wenn Mama sie dazu gezwungen hat. Mittlerweile ist sie vierzehn und sieht sich dazu gezwungen, wenigstens in der Schule nicht auszusehen als hätte sie einen Bärenkampf hinter sich.
Aber wie bereits erwähnt; es ist Sonntag. Und am Sonntag gibt es keine Regeln, nur Leid, einen Überfluss an Leid.
“Sieht doch gut aus.” sagt sie nach einiger Zeit ermutigend.
Schweigend - und immer noch lächelnd -  sehe ich von meiner Erschaffung zu ihr und begebe mich auf die Suche nach dem Schalk in ihren Augen. Das Problem ist, Assia sieht immer so aus, als würde sie einen Witz machen, sogar wenn sie weint.
Irgendwann gebe ich auf, sie sieht es nicht für notwendig Licht ins Dunkle zu bringen.
Aus dem Augenwinkel fällt mir ein weißer Fleck auf, ich zücke den Pinsel und wische ohne einen weiteren Gedanken zu verschwenden darüber.
Tja, es war ein apfel und dieser Fleck war Teil Schattierung. Jetzt ist dieser Fleck eine Zusammenkunft sämtlicher Farben und hebt sich wie ein Pickel von der restlichen leinwand ab.
“Grandios.” murmele ich. Assia nickt bedacht.
Wenn ich nicht schon längst aufgegeben hätte, dann wäre ich wohl sauer geworden. Die Schmalen Finger an die Lippen gesetzt, gönnt Assia sich einen weiteren Moment der Stille, bevor sie nach kurzem Überlegen nach einem zweiten Pinsel langt, ihn in ein grelles rot tunkt und es schließlich auf die Leinwand spritzt.  
“Ich glaube das war es, das fehlte,” sagt sie überzeugt. “Der rote Fad-”
“Zu jedem Stillleben gehört auch etwas Abstraktes.” unterbreche ich sie versehentlich und nicke.
Ich muss lachen und stelle erschaudernd fest, dass es erträglicher geworden ist. Der Pinsel findet an seinen ursprünglichen Platz, dann macht sie einen Schritt zurück und betrachtet es ein weiteres mal. Natürlich ohne auch nur für eine Sekunde auf meine Worte einzugehen.
“Die kunstwissenschaftliche Analyse” fange ich mit höchst professionellem Ton an. “heute, die zerschlagene Hässlichkeit… Wir sehen einen schwarzen Strich auf beigem Grund, doch ist dies wirklich alles? Gibt es nicht mehr zu sehen, nicht mehr zu entdecken…” Sie hört mir gebannt zu und ich mache eine Kunstpause. “Und tatsächlich, der Künstler.” ich atme schwer.
“Hat versucht den Zwiespalt der Gesellschaft darzustellen, in dem er die Schönheit der Natur auf die Zerstörung des Menschen prallen lässt.. Alles in allem ein höchst” An dieser Stelle fährt sie über die ausgeweidete Fläche. “Tiefunglückliches aber wertvolles Vermächtnis an den uns bevorstehenden Weltuntergang.”
Und wenn das nicht viel zu schnell aus allen fugen geraten ist, dann weiß ich nichts mehr mit Sicherheit.
“Das werde ich morgen genauso vortragen.” lobe ich sie, stütze mich auf ihrer Schulter ab und lege den Kopf schief.
Wie man es auch dreht und wendet, es ist ein sehr trauriger Anblick.
“Wenn wir den morgigen Tag überhaupt erleben.” fügt sie sachlich an. Sie setzt ihre schmalen Finger zu einem Viereck zusammen und blickt hindurch, als wolle sie ein Foto machen.
Ich hingegen stutze. Assia ist sarkastisch, nicht aber nihilistisch.
“Marfa hat gekocht.”  erklärt sie und ich fühle mich ein bisschen schlecht, als ich anfange zu lachen. “und eigentlich sollte ich dir nur sagen, dass das Essen fertig ist und du runter kommen sollst.”
Noch in diesem Moment,wird die seltene Ruhe die über dem Haus liegt durch ein fast grölendes “HILFE!” durchbrochen.
Assia zuckt zusammen, ich nicht einmal mit der Wimper. Sie verzerrt für einen Moment ihr Gesicht, dann sprintet sie los und poltert lautstark die Treppe hinunter.
Ich sehe ihr nach, bis von unten ein aufgeregtes Gemurmel ertönt, dann stelle ich den Pinsel, mit dem ich gerade noch wild herum gestikuliert habe in ein Glas mit Wasser.

Jedes Mal aufs neue erweist es sich als eine sehr lästige Angelegenheit, das Acryl von meinen Händen abzubekommen, weil ich es liebe mir extra viel Zeit für nichts und wieder nichts zu lassen.
Und diesmal gebe ich mir noch weniger Mühe als sonst, weil es - wenn es so weitergeht wie bisher - sowieso eine sehr lange Nacht für mich wird.
Ich bin so ziemlich der allergrößte Prokrastinierer den die Welt je gesehen hat und das grausamste an der ganzen Sache ist, dass ich außerdem viel zu viel Glück habe. Mir ist klar, dass ich mich darüber freuen sollte, aber ich wünsche mir oft, dafür einmal so richtig auf die Schnauze zu fallen.
Ich lerne nämlich einfach nicht draus. Und jetzt bin ich hier und ich stehe unter Druck und wenn ich früher angefangen hätte, täte ich es nicht.
Vergeblich.

Nicht ansatzweise so energiegeladen wie Assia, gehe auch ich jetzt die drei schier endlosen Treppen hinab. Auf dem letzten Absatz begegnet mir ein Schwall von Rauch.
Vermutlich, weil Marfa mal wieder alles hat anbrennen lassen.
Aus der Küche dringen allerlei hektische Geräusche und ein verschmolzenes Gemurmel, dazu Olivers helle Stimme, die, wie mittlerweile besorgniserregend oft, über diverse Dinosaurier spricht.
Ich bin der letzte der sich zu dem süßen Chaos meiner Familie gesellt.

--------------------------------

Hey, wie findet ihr diesen einstieg in einen Roman?
Nicht wundern, danach käme noch ein fortlaufender Text, als kein Szenenwechsel.
Feedback wäre echt cool

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Leselust
Gänsefüßchen


Beiträge: 28
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BeitragVerfasst am: 17.04.2021 17:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo ohlear,

das ist ein interessanter Anfang, der nicht leicht zugänglich ist. Der erste Absatz schildert den Prozess der Kunstentstehung, das ist erkennbar, und ich  finde grundsätzlich gut, dass er sich sprachlich deutlich abhebt. Da mir die Gedankenwelt fremd ist kann ich ansonsten nicht viel dazu sagen.

Beim Hauptteil, der Kunstinterpretation durch die Geschwister, ist mir die Sprache auf die Dauer zu gewollt schnell. Da es sich hier um eine Betrachtung handelt, fände ich Begrenzung der Geschwindigkeit auf die künstlerische Betätigung der Schwester gut, aber die übrige Betrachtung dann langsamer. Das erreichst du mit weniger langen Sätzen bzw. mit weniger aneinandergereihten Satzteilen.

Ansonsten habe ich ein bisschen Korrektur betrieben, s.u. Mit Satzzeichen bin ich nicht immer sattelfest. Auf jeden Fall irritierend (und zu einem großen Teil falsch) ist deine Angewohnheit, in der direkten Rede immer einen Punkt am Ende zu setzen.

Es würde mich interessieren, ob du den Verlauf des Romans schon vor Augen hast?

Viel Erfolg weiterhin!
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Leselust
Gänsefüßchen


Beiträge: 28
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BeitragVerfasst am: 17.04.2021 18:00    Titel: Antworten mit Zitat

ähem, ich habe ein sozusagen technisches Problem, ich durchschaue (und finde) nicht, wie ich meine Kommentare in anderer Farbe in deinen Text bekomme ... ???
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Leselust
Gänsefüßchen


Beiträge: 28
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BeitragVerfasst am: 17.04.2021 18:03    Titel: Antworten mit Zitat

ich versuche es jetzt so und hoffe, es klappt
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Leselust
Gänsefüßchen


Beiträge: 28
Wohnort: Hessen


BeitragVerfasst am: 18.04.2021 13:17    Titel: Re: waszusehenist Antworten mit Zitat

[quote="ohlear"]Was ist zu sehen?

Die Äpfel, der Nachttisch, die Bücher.
Ich sags wie es ist, am Ende ist es trotzdem der schwarze Strich.

Mach ich dir einen Strich durch die Rechnung?

Nichts liebst du mehr.

“Drauf geschissen.” lache ich. Besäße man jetzt ein absolutes Gehör, vielleicht würde man dem zarten Hauch unermesslicher Hysterie lauschen.

Acryl - allen voran schwarzes - ist so etwas wie die Todsünde. Versuch es mal abzubekommen oder zu übermalen.
Stimmungsbombe: Man wird vergeblich scheitern.
Einmal geküsst und man wird es, jede Bemühung vergeblich, nicht los.

Ich wünschte, man könnte Leinen so leicht zerreißen wie Papier, sie[color=red] es [/color]durchstoßen. Ich habs versucht, in diesem Moment.
Die Welt lügt einem mithilfe von Cartoons vor, Löcher würden stachelig sein. Sind sie aber nicht, das Leinen durchtrennt sich, als hätte mein ein Cuttermesser benutzt, klappt auf widerwärtige w[color=red]W[/color]eise über und im besten Fall trifft man dabei noch den Holzrahmen und fragt sich, ob man seine Hand je wieder benutzen kann.

Es sind immer Sonntage wie diese, die einen so fühlen lassen.

Dann ein lautstarker Krach, die Leinwand trennt sich von der Staffelei und fällt entsetzlich[color=red] ? entsetzlich was? laut? hart?  [/color]auf den Boden, allen physikalischen Regeln wiedersprechend, Gott sei Dank, aber nicht auf die bemalte Seite. Schweigend werfe ich ihr einen niederträchtigen Blick zu, als könne sie sich selbst dazu bewegen, die dünnen Beine hinauf zu klettern und sich wieder an ihren vorbestimmten Ort zu begeben.
Aber sie tut es nicht, die gottverfluchte Idiotin.

Mit einem übertriebenen Seufzen fahre ich mir durchs Haar und seufze nochmal, als mir klar wird, dass meine Hand bis vor kurzem noch voll mit Farbe war. Dann werfe ich einen unglücklichen Blick auf die Staffelei und versuche in dem Stillleben das ich gemalt habe zu versinken. Stattdessen versinke ich in dem schwarzen Strich.
In seinen Unebenheiten, seiner fehlenden Akkuratesse, seiner unbegründeten Existenz. Und will wieder seufzen, lasse es aber sein.

“Ist bei dir soweit alles okay?”
Assia steht auf der letzten Treppenstufe, hat die schmalen Arme unschlüssig vor der Brust verschränkt [color=red] und[/color] grinst, aber das macht sie sowieso [color=red]schon [/color]die ganze Zeit.
Ihre Augen funkeln auf, als die untergehende Sonne sie berühren, seltsamer Weise scheinen sie jetzt orange, obwohl sie grün sein müssten.
Ich schwöre euch, wenn man mir gesagt hätte, ich solle ein Portrait malen, ich wäre nicht nur schon längst fertig, sondern auch nicht kurz davor, einen Nervenzusammenbruch zu bekommen.
Es vergehen ein paar Sekunden, die sich anfühlen wie Minuten, in denen wir uns auf aufgesetzt anlächeln, bis sie genug davon hat und sich traut näher zu kommen.
Sie [color=red]begutachtet (auf die Zeiten achten!)[/color]den trostlosen Haufen auf dem Boden, ihrer Mine ist nichts abzulesen.
“Es wird schwer, morgen etwas brauchbares abzugeben, ja, aber das ist okay, ich hab es nicht anders verdient.” fange ich munter an zu reden, während sie in die Hocke geht [color=red]Komma [/color]um die Leinwand aufzuheben und wieder an ihren rechtmäßigen Platz zu stellen.
Sie macht ein paar Schritte zurück, legt die Stirn in Falten, fährt sich ebenfalls durchs Haar, bleibt aber an einer ihrer Strähnen hängen.
Assia war noch nie ein großer Fan davon, sich die Haare zu kämmen, sie hat ständig irrsinnig geheult, wenn Mama sie dazu gezwungen hat. Mittlerweile ist sie vierzehn und sieht sich dazu gezwungen, wenigstens in der Schule nicht auszusehen als hätte sie einen Bärenkampf hinter sich.
Aber wie bereits erwähnt; es ist Sonntag. Und am Sonntag gibt es keine Regeln, nur Leid, einen Überfluss an Leid.
“Sieht doch gut aus.” sagt sie nach einiger Zeit ermutigend.
Schweigend - und immer noch lächelnd -  sehe ich von meiner Erschaffung [color=red]das ist ein mir fremdes Wort. Vielleicht eher vor dem Ergebnis meiner Arbeit / vor meinem Kunstwerk/? [/color]zu ihr und begebe mich auf die Suche nach dem Schalk in ihren Augen. Das Problem ist, Assia sieht immer so aus, als würde sie einen Witz machen, sogar wenn sie weint.
Irgendwann gebe ich auf, sie sieht [color=red]besser: hält[/color] es nicht für notwendig Licht ins Dunkle zu bringen.
Aus dem Augenwinkel fällt mir ein weißer Fleck auf, ich zücke den Pinsel und wische [color=red]Komma[/color] ohne einen weiteren Gedanken zu verschwenden [color=red]Komma[/color] darüber.
Tja, es war ein a[color=red]A[/color]pfel [color=red]Komma[/color] und dieser Fleck war Teil [color=red]der [/color]Schattierung. Jetzt ist dieser Fleck eine Zusammenkunft sämtlicher Farben und hebt sich wie ein Pickel von der restlichen leinwand ab.
“Grandios.” murmele ich. Assia nickt bedacht. [color=red]nickt mit Bedacht oder bedächtig[/color]
Wenn ich nicht schon längst aufgegeben hätte, dann wäre ich wohl sauer geworden. Die S[color=red]s[/color]chmalen Finger an die Lippen gesetzt, gönnt Assia sich einen weiteren Moment der Stille, bevor sie nach kurzem Überlegen nach einem zweiten Pinsel langt, ihn in ein grelles r[color=red]R[/color]ot tunkt und es schließlich [color=red]besser: dieses ?[/color] auf die Leinwand spritzt.  
“Ich glaube [color=red]Komma[/color] das war es, das fehlte [color=red]besser: was gefehlt hat[/color] ,” sagt sie überzeugt. “Der rote Fad-”
“Zu jedem Stillleben gehört auch etwas Abstraktes.” unterbreche ich sie versehentlich und nicke.
Ich muss lachen und stelle erschaudernd fest, dass es erträglicher geworden ist. Der Pinsel findet an seinen ursprünglichen Platz [color=red]zurück[/color], dann macht sie [color=red]Assia [/color]einen Schritt zurück und betrachtet es[color=red] besser: da Ergebnis / das Bild[/color] ein weiteres m[color=red]M[/color]al. Natürlich [color=red]Komma[/color]  ohne auch nur für eine Sekunde auf meine Worte einzugehen.
“Die kunstwissenschaftliche Analyse” fange ich mit höchst professionellem Ton an. “heute, die zerschlagene Hässlichkeit… Wir sehen einen schwarzen Strich auf beigem Grund, doch ist dies wirklich alles? Gibt es nicht mehr zu sehen, nicht mehr zu entdecken…” Sie hört mir gebannt zu und ich mache eine Kunstpause. “Und tatsächlich, der Künstler.” ich atme schwer.
“Hat versucht den Zwiespalt der Gesellschaft darzustellen, in dem er die Schönheit der Natur auf die Zerstörung des Menschen prallen lässt.. Alles in allem ein höchst” An dieser Stelle fährt sie über die ausgeweidet [color=red]?[/color] Fläche. “Tiefunglückliches aber wertvolles Vermächtnis an den uns bevorstehenden Weltuntergang.”
Und wenn das nicht viel zu schnell aus allen f[color=red]F[/color]ugen geraten ist, dann weiß ich nichts mehr mit Sicherheit.
“Das werde ich morgen genauso vortragen.” lobe ich sie, stütze mich auf ihrer Schulter ab und lege den Kopf schief.
Wie man es auch dreht und wendet, es ist ein sehr trauriger Anblick.
“Wenn wir den morgigen Tag überhaupt erleben.” fügt sie sachlich an. Sie setzt ihre schmalen Finger zu einem Viereck zusammen und blickt hindurch, als wolle sie ein Foto machen.
Ich hingegen stutze. Assia ist sarkastisch, nicht aber nihilistisch.
“Marfa hat gekocht.”  erklärt sie [color=red]Komma[/color] und ich fühle mich ein bisschen schlecht, als ich anfange zu lachen. “u[color=red]U[/color]nd eigentlich sollte ich dir nur sagen, dass das Essen fertig ist und du runter kommen sollst.”
Noch in diesem Moment, [color=red]kein Komma[/color] wird die seltene Ruhe [color=red]Komma[/color]  die über dem Haus liegt [color=red]Komma[/color] durch ein fast grölendes “HILFE!” durchbrochen.
Assia zuckt zusammen, ich nicht einmal mit der Wimper. Sie verzerrt für einen Moment ihr Gesicht, dann sprintet sie los und poltert lautstark die Treppe hinunter.
Ich sehe ihr nach, bis von unten ein aufgeregtes Gemurmel ertönt, dann stelle ich den Pinsel, mit dem ich gerade noch wild herum gestikuliert habe in ein Glas mit Wasser.

Jedes Mal aufs n[color=red]N[/color]eue erweist es sich als eine sehr lästige Angelegenheit, das Acryl von meinen Händen abzubekommen, weil ich es liebe [color=red]Komma[/color] mir extra viel Zeit für nichts und wieder nichts zu lassen.
Und diesmal gebe ich mir noch weniger Mühe als sonst, weil es - wenn es so weitergeht wie bisher - sowieso eine sehr lange Nacht für mich wird.
Ich bin so ziemlich der allergrößte Prokrastinierer den die Welt je gesehen hat und das grausamste an der ganzen Sache ist, dass ich außerdem viel zu viel Glück habe. Mir ist klar, dass ich mich darüber freuen sollte, aber ich wünsche mir oft, dafür einmal so richtig auf die Schnauze zu fallen.
Ich lerne nämlich einfach nicht d[color=red]a[/color]raus. Und jetzt bin ich hier und ich stehe unter Druck und wenn ich früher angefangen hätte, täte ich es nicht.
Vergeblich.

Nicht ansatzweise so energiegeladen wie Assia, gehe auch ich jetzt die drei schier endlosen Treppen hinab. Auf dem letzten Absatz begegnet mir ein Schwall von Rauch.
Vermutlich, weil Marfa mal wieder alles hat anbrennen lassen.
Aus der Küche dringen allerlei hektische Geräusche und ein verschmolzenes Gemurmel, dazu Olivers helle Stimme, die, wie mittlerweile besorgniserregend oft, über diverse Dinosaurier spricht.
Ich bin der letzte der sich zu dem süßen Chaos meiner Familie gesellt.

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Hey, wie findet ihr diesen einstieg in einen Roman?
Nicht wundern, danach käme noch ein fortlaufender Text, als kein Szenenwechsel.
Feedback wäre echt cool[/quote]
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Leselust
Gänsefüßchen


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BeitragVerfasst am: 18.04.2021 13:19    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo ohlear,
es tut mir leid, dass mit der farblichen MArkierung hat so nicht hingehauen. Ich weiß nicht, woran es liegt, die Häkchen sind alle gesetzt. Aber wenn du den Text liest siehst du ja trotzdem an den [], wo ich etwas eingefügt habe.
Die Satzzeichen bei / am Ende der wörtlichen Rede müsstest du wie gesagt grundsätzlich nochmal überdenken.
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