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ich schatzträgerin


 

 
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schwarzer lavendel
Geschlecht:weiblichEselsohr


Beiträge: 314



BeitragVerfasst am: 05.04.2021 19:21    Titel: ich schatzträgerin eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

froh war das willkommen 
da ich dem alten haus
  wie‘s selten ist in diesen tagen
doch zeit mitbrachte
 
die dielen knarrten ihre
geschichten von früher
als wir in die zimmer gingen
erzählten auch die wände
vom leben wie daeinst 
viel besser alles doch
gewesen war
 
da in der guten stube der tisch
eingedeckt mit porzellan und
dem hefezopf auf der osterdecke 
zur feier stand
 
die stiege zu den kammern
kannte meine schritte kaum
zu viele füße eilten hier
       treppauf treppab 
durch all die zeitenläufte
wie viele namen schwirrten
durch den raum
 
in den gardinen hatte sich
ein lustgestöhn verfangen
und zärtlichkeiten wie in ritzen
mäuse leise rascheln
 
und standen schließlich auch
vorm schmerz des kindes dessen
tränen tief im boden klangen
und die tapeten waren rauh 
von all den ängsten und 
den sorgen und ich weinte
 
und als ich immer noch nicht eilte
gab das haus mir sein geheimnis preis
es braucht ein jedes haus zum leben 
einen schatz der tief verborgen
hinter der anrichte// unter den dielen//
im keller// in den vorratskammern
in denen noch gerüche wohnten
die ich als kind so tief geatmet 
hab ich gesucht
 
und hab ihn nicht gefunden und 
so konnte ich ihn mitnehmen 
                             den schatz
 
 
morgen kommen die bagger  
sie wissen nicht was sie tun



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poesie ist die fortsetzung der verzweiflung.
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PaulaSam
Geschlecht:weiblichLeseratte


Beiträge: 107



BeitragVerfasst am: 18.04.2021 15:53    Titel: Antworten mit Zitat

Der Schatz der Erinnerungen in den Dielen und Wänden des Hauses, in dem sie einst gelebt haben. Ein anrührend melancholisches Bild, finde ich. Man fragt sich unweigerlich, was alte Häuser wohl zu erzählen hätten, wenn sie denn könnten. Ob sie vielleicht sogar selbst leben, weil ihre Bewohner sie mit Leben füllen. Das hieße dann auch, wir brächten sie um, wenn wir sie niederreißen oder dem Verfall überlassen, was die letzten Zeilen "morgen kommen die bagger - sie wissen nicht was sie tun" eindrucksvoll zu bestätigen scheinen. Gleichsam besteht jedoch auch Hoffnung, da ihre Seelen (Erinnerungen) in den einstigen Bewohnern weiterleben.

Auch wenn für mich das Gedicht keine wirklich erkennbare Form aufweist (weder Versmaß oder Reime noch eine prägnante Reduzierung auf emotionale oder metaphorische Suggestion), ist es für mich ein sehr tiefsinniges Gedicht. Hat mir sehr gefallen.

LG Sam
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schwarzer lavendel
Geschlecht:weiblichEselsohr


Beiträge: 314



BeitragVerfasst am: 18.04.2021 17:45    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Samantha Sam hat Folgendes geschrieben:
Der Schatz der Erinnerungen in den Dielen und Wänden des Hauses, in dem sie einst gelebt haben. Ein anrührend melancholisches Bild, finde ich. Man fragt sich unweigerlich, was alte Häuser wohl zu erzählen hätten, wenn sie denn könnten. Ob sie vielleicht sogar selbst leben, weil ihre Bewohner sie mit Leben füllen. Das hieße dann auch, wir brächten sie um, wenn wir sie niederreißen oder dem Verfall überlassen, was die letzten Zeilen "morgen kommen die bagger - sie wissen nicht was sie tun" eindrucksvoll zu bestätigen scheinen. Gleichsam besteht jedoch auch Hoffnung, da ihre Seelen (Erinnerungen) in den einstigen Bewohnern weiterleben.

Auch wenn für mich das Gedicht keine wirklich erkennbare Form aufweist (weder Versmaß oder Reime noch eine prägnante Reduzierung auf emotionale oder metaphorische Suggestion), ist es für mich ein sehr tiefsinniges Gedicht. Hat mir sehr gefallen.

LG Sam


liebe sami,
vielen dank. ich freue mich, dass du das gedicht kommentierst.
leider kommt lyrik hier immer sehr kurz.
und schön, dass du die stimmung spürst. ja, so ist das. ich finde es
immer traurig, wenn häuser verschwinden.

die form ist natürlich sehr frei. eine art prosagedicht. viele meiner texte sind so. ich weiss,das mögen nicht alle. aber ich liebe das sehr.
mir hat mal einer gesagt, ich würde wie in den 80. jahren schreiben Embarassed
liebe grüße
charlotte


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PaulaSam
Geschlecht:weiblichLeseratte


Beiträge: 107



BeitragVerfasst am: 18.04.2021 18:10    Titel: Antworten mit Zitat

Was ist schlecht am Stil der 80ger Jahre? Wir lesen ja auch Gedichte aus dem letzten Jahrhundert, oft sogar mehr als aus dem letzten Jahrzehnt.

Nach meinem Wissen ist es aber streng genommen kein Gedicht, da weder im Versmaß noch in Reimen geschrieben wurde. Korrekt heißt es wohl "freie Form". Aber das ist völlig egal, solange die Botschaft ankommt. Dieses sklavisch An-Regeln-Kleben empfinde ich oft als konterproduktiv. Kreativität braucht Freiraum, vor allem wenn sie lebendig sein soll. Und Lebendigkeit lebt von Bewegung und Entwicklung, was zwangsläufig Veränderung bedingt - auch in den Regeln.
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schwarzer lavendel
Geschlecht:weiblichEselsohr


Beiträge: 314



BeitragVerfasst am: 18.04.2021 21:16    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

nix ist schlecht daran. nur hat er da schon gedichte geschrieben und ich noch nicht mal gelesen Very Happy
naja, ein gedicht hängt nicht zwingend an der form. hab jetzt gerade ein wenig mit konkreter poesie angefangen zu experimentieren.

aber wichtig ist, das etwas in denen entsteht, die es lesen. da hast du recht.

liebe grüße
charlotte


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Chaosprinzessin
Geschlecht:weiblichGänsefüßchen


Beiträge: 29



BeitragVerfasst am: 06.05.2021 18:42    Titel: Antworten mit Zitat

schwarzer lavendel hat Folgendes geschrieben:

aber wichtig ist, das etwas in denen entsteht, die es lesen. da hast du recht.


Oh ja, da hast du sooo recht -- und es bei mir wieder einmal geschafft Smile  Ich mag alte Häuser einfach, vielleicht schaffe ich es irgendwann auch mal (wieder), selber in einem zu wohnen. Und deine Bilder regen da einfach meine Phantasie an.

Nur der Schluss ist dann so richtig traurig finde ich Sad  Sam hatte das in ihrem ersten Beitrag hier schon ganz gut ausgedrückt.

Eine Kleinigkeit ist mir noch aufgefallen, wenn auch erst beim x-ten mal Lesen: Im vierten Absatz in der fünften Zeile ist wohl ein "t" zu viel mit reingerutscht: "durch all die zeitenläufte".

LG, Mirjam
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schwarzer lavendel
Geschlecht:weiblichEselsohr


Beiträge: 314



BeitragVerfasst am: 09.05.2021 15:31    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

liebe chaosprinzessin,
mein papa hat mal wegen zeitenläufte an die ZEIT geschrieben - und dann einen beleg aus grimms wörterbuch bekommen wink - das wort gibt es so.
und in dem gedicht fand ich es so passend.

auch ich liebe alte häuser und trauere bei ruinen.

liebste grüße
charlotte


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findling
Leseratte


Beiträge: 128



BeitragVerfasst am: 10.05.2021 07:48    Titel: Antworten mit Zitat

Dein Gedicht zum Leben erweckt
https://m.youtube.com/watch?v=APSEYn7CqzQ

Kraftvoll, schaurig traurig und zum Heulen schön

Wie Du
❤️
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