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Kometensplitter


 

 
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Deichpoetin
Geschlecht:weiblichGänsefüßchen


Beiträge: 17
Wohnort: Nähe HH


BeitragVerfasst am: 07.01.2021 18:14    Titel: Kometensplitter eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Hallo zusammen,
ich hab jetzt ne Weile überlegt, wann und was ich hier zur Feier meines Einstandes posten soll. Ich denke, jeweils ein Beitrag in Prosa und Lyrik sollte genügen und auch, wenn ich weiß, dass ich mit dieser Ankündigung direkt gewisse Vorurteile wecke, ich möchte mit einem Spoken-Word-Poetry-Text beginnen, den ich persönlich ganz gern in die Gedankenlyrik einsortieren möchte.

Zwar schreibe ich auch Prosa, aber ich mag das Spielen mit gereimten Worten sehr, sehr gern und hoffe, es ist okay, wenn ich den dazugehörigen Text als eigene Antwort ergänze. Würde ihn zunächst gern vertonen - dauert auch nur ein paar Minuten.

Sollte ich damit direkt einen bösen Fauxpas begangen haben - tschuldigung.
Bei entsprechendem Hinweis gelobe ich selbstredend Besserung. smile

Der Titel lautet "Kometensplitter" und folgt sogleich.



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Deichpoetin
Geschlecht:weiblichGänsefüßchen


Beiträge: 17
Wohnort: Nähe HH


BeitragVerfasst am: 07.01.2021 18:39    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

So, hoffe, ich hab das mit dem Aufnehmen auch richtig gemacht.
Hab ganz vergessen, ihn vorher nochmal anzuhören. 😬
Hier jedenfalls der dazugehörige Text ...

Kometensplitter

Lange wollt ich's mir nicht eingesteh'n,
doch mittlerweile bin ich alt genug, um einzuseh'n,
dass du die erste große Liebe meines Lebens warst.

Und wie es nun mal immer ist,
wenn ein Mensch auf den andern trifft,
gibt's mal gute und mal schlechte Zeiten,
mal lachen, weinen, manchmal streiten –
und auch bei uns war das nicht anders.

Du wolltest gehen, ich lieber springen,
du das Radio leise dreh'n,
ich aus Leibeskräften singen,
dir war wichtig,
wie andre uns sehen,
dass die Dinge vorangehen
und sich nicht im Kreis dreh'n –
wie Satelliten in der Erdumlaufbahn.

Doch mein Weg war leider nie linear,
aus unserem Plural wurde mein Singular,
Semikolon und Komma wurden zum Punkt,
für meine Ecken und Kanten
kein Platz in deinem Rund.

Sicher,
du hattest's nicht immer leicht mit mir,
ich hatte so viele Fragen
und du keine Antwort dafür:
Warum sind wir hier
und was ist der Sinn,
was kommt danach
und wo geh'n wir hin?
Was fühlt eine Blume,
wenn ich sie pflücke
und von welchem Mosaik
sind wir die funkelbunten Stücke?

Ich glaube, ich hab dir Angst gemacht,
wie knarzender Dielenboden in dunkler Nacht
wie ächzende Monster unter den Betten
von kleinen Kindern,
die sich unter ihren Decken verstecken.

Wie die falschen Enden zweier Magnete
sind wir zwar eins und kommen doch nicht zusammen.
Wie glühend heiße Weltraumkometen
verbrennt der eine in den Flammen des andern.

Wie Licht und Schatten, Ebbe und Flut,
banal betrachtet, sehr konträr.
Doch gäb es kein Böse, was wäre dann gut?
Und was wär' das Eine, wenn das Andre nicht wär'?

Hab mich unzählige Male am Leben überfressen,
Götter herausgefordert, mich mit dem Teufel gemessen,
Grenzen überschritten und wie besessen, versucht,
mich ins passende Korsett zu pressen,
doch – es hat nie gut gesessen.

Seelenlöcher stopf' ich mit schillernden Seifenblasen,
tanze ausgelassen
auf meinem schlecht vertikutierten Luftschlossrasen
mit Dementoren, Gremlins
und dem weißen Wunderlandhasen.

Meine Träume versinken im Treibsand,
„Heimat“ ist nur ein Synonym für „Niemandsland“
und aller Welt Herzschmerz sendet in Breitband –
Format hatten wir wenig
und jede DIN-Norm des Lebens
schien für uns zwei vergebens.

Bin schon so alt und doch noch ein Kind,
bin die bunte, flatternde Fahne im Wind,
bin die, die stets in Bewegung scheint
und doch nicht vom Fleck kommt, weil - angeleint.

Lange wollt ich's mir nicht eingesteh'n
doch mittlerweile bin ich alt genug, um einzuseh'n
dass du die erste große Liebe meines Lebens warst.

Und wie es nun mal immer ist,
wenn ein Mensch auf den andern trifft,
gibt's mal gute und mal schlechte Zeiten,
mal lachen, weinen, manchmal streiten –
und auch bei uns war das nicht anders.

Ich frag mich manchmal,
ob du noch an mich denkst
und ob das Leben unsre Wege
nochmal in dieselbe Richtung lenkt.
Und dann stell ich mir vor,
wie du zu lächeln beginnst,
mir über die Haare streichst,
mich in deine Arme nimmst
und vielleicht sogar eine Träne
über deine Wangen rinnt.

So gern würd' ich hör'n,
dass du stolz auf mich bist,
dass dir leid tut, wie's lief
und dass du mich vermisst,
dass deinem Leben was fehlt,
dass es grau ist und trist,
ohne mich –
die noch immer deine Tochter ist.


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Flamella
Geschlecht:weiblichErklärbär

Alter: 17
Beiträge: 2
Wohnort: In ihren Gedanken


BeitragVerfasst am: 16.03.2021 15:58    Titel: Antworten mit Zitat

Wow, das ist wirklich gut gelungen!

Am Anfang war ich unsicher was kommt, aber neugierig genug weiterzulesen... es hat sich gelohnt, das Wiederaufgreifen der Strophen gen Ende hin ist wirklich sehr gut und dramatisch gelungen. smile

In diesem Beitrag bin ich leider nicht auf dein Audio gestoßen, hätte mich sehr interessiert, wie der klingen würde! (Bin noch ein Neuling, ich entdecke gerade alles - wenn ich es finden kann XD)

In diesem Sinne: tolle(r) Text/Dichtung, liebe Teichpoetin!


_________________
~flamella 🔥
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Chaosprinzessin
Geschlecht:weiblichGänsefüßchen


Beiträge: 46
Wohnort: links des Rheins


BeitragVerfasst am: 19.03.2021 15:55    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Deichpoetin,

ich habe deinen Text jetzt schon ein paar Mal gelesen, und jedes Mal wieder kommen mir die Tränen, vor allem ganz am Ende. Er berührt mich einfach, und alleine deswegen finde ich, du hast da was richtig gemacht Smile

Sonst kann ich dazu nicht wirklich viel sagen, weil ich mich mit Spoken-Word-Poetry so garnicht auskenne. Naja, vielleicht ändert sich das auch noch?

LG, Mirjam
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Globo85
Geschlecht:männlichKlammeraffe

Alter: 37
Beiträge: 544
Wohnort: Südwesten


BeitragVerfasst am: 19.03.2021 16:27    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Deichpoetin,

auch mir gefällt dein Werk wahnsinnig gut!

Was Flamella schrieb

Zitat:
das Wiederaufgreifen der Strophen gen Ende hin ist wirklich sehr gut


kann ich so nur unterschreiben.

Wirklich toll und hat einen guten Flow.
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Taras
Geschlecht:männlichWortedrechsler

Alter: 75
Beiträge: 54
Wohnort: Am Niederrhein


BeitragVerfasst am: 01.04.2021 12:21    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Deichpoetin,

dein Text berührt, er geht bis tief unter die Haut, wenn man bis zum Schluss durchgehalten hat. Mir fiel es leicht, weil du durch deine Vergleiche und Gegensätze Spannung aufgebaut und mich neugierig gemacht hast.
Wir Menschen brauchen, um glücklich und zufrieden zu sein, die Anerkennung, Zuwendung und Liebe einer uns nahestehenden Person, so wie die Blume Licht und Wasser.

Viele, die deinen Text gelesen haben, werden Passagen gefunden haben, mit denen sie sich identifizieren konnten, so auch ich. Das Verhältnis zu Vater und Mutter spielt in unserem Leben eine besonders wichtige Rolle und belastet/stützt uns bis ins Alter.

Und was mir besonders gefällt, du lässt sehr lange offen, wer das Lyrische Du ist und löst erst mit einer gelungenen Pointe am Schluss auf.

LG Taras
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Reimeschreiberin
Geschlecht:weiblichLeseratte


Beiträge: 154



BeitragVerfasst am: 07.05.2021 10:19    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Deichpoetin,

der Text ist so mitreißend, gefühlvoll und bildhaft, und dann noch der sich gegen Ende zwar andeutende aber doch überraschende Schluss. Der Spoken-Word-Poetry-Text hat mich sehr bewegt.

Ich bin gespannt auf weitere Texte.

Viele Grüße
von der Reimschreiberin
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Peter0185
Geschlecht:männlichGänsefüßchen

Alter: 37
Beiträge: 16
Wohnort: Heppenheim


BeitragVerfasst am: 21.08.2021 08:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Deichpoetin,

als ich angefangen habe, Deinen Spoken-Poetry-Text zu lesen, viel es mir zunächst schwer, in den Rhythmus zu finden.

„Du wolltest gehen, ich lieber springen“, erinnert mich an den Vers aus Andras Buranis Song: Auf anderen Wegen.

Ab Strophe fünf kam ich in das Gedicht rein und es weckte Tiefe in mir. „Warum sind wir hier, und was ist der Sinn, was kommt danach und wo geh’n wir hin?“ Schön gereimt, tiefgründig. Die Frage nach der Blume, was diese fühlt, wenn man sie pflückt, ließ etwas in meinem Wesen schmerzen. Die Blume als Zeichen für etwas Zartes, was leicht verwelken kann, wenn man es vernachlässigt. Wenn man es pflegt, kann es aufblühen.

Die folgenden Strophen reimen sich wieder stärker. Kontraste Licht und Schatten, Ebbe und Flut, zeigen, wie Du schreibst, dass sie zu einander gehören, weil das Eine ohne das Andere nicht existieren könne. Nach dem Motto: Alles ist möglich.

Das Gedicht ist sehr emotional, und zeigt eine starke Reise, die das lyrische Ich unternommen hat. Es hat Grenzen überschritten, sich mit dem Teufel gemessen, die Götter herausgefordert.

Das Ende finde ich überraschend, überraschend gut: „die noch immer deine Tochter ist.“

Vielen Dank, dass Du diesen Text hier geteilt hast. Er ist für mich eine Bereicherung.
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