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Elbenkönigin1980
Reißwolf


Beiträge: 1221



BeitragVerfasst am: 25.03.2021 02:17    Titel: Bis in alle Ewigkeit eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Catherine Massarde liebte das Leben, denn das Leben hatte es sehr gut mit ihr gemeint. Dreißig Jahre war es jetzt her, dass sie ihre erste Rolle in einem sehr erfolgreichen Blockbuster bekommen hatte. Seitdem hatte sie mehr als fünfzig Filme gedreht, von denen die meisten große Erfolge wurden, und sich eine riesige Fangemeinde erobern können. Ihre vier Kinder lebten bei ihren beiden Vätern,  während sie fast das ganze Jahr um die Welt jettete, um Filme zu drehen, Events und Partys zu besuchen und sich an den schönsten Stränden der Welt und auf ihrer Yacht in der Sonne zu aalen.
Für sie hätte es immer so weitergehen können, bis in alle Ewigkeit.
Morgen würde sie 55 Jahre alt werden, und sie wusste genau, was das bedeutete.
Dreißig Jahre lang hatte sie den Gedanken an ihn verdrängt, sich gesagt, dass dreißig Jahre eine sehr lange Zeit seien. Zeitweise hatte sie sogar vergessen können, was damals geschehen war. Mit Mitte Zwanzig hatte sie keinen Schulabschluss gehabt, in einem kleinen Appartement gewohnt und sich mit Kellnern gerade so über Wasser gehalten. Sie war oft zu Castings gegangen und hatte immer nur Absagen bekommen. Es war ein frustrierendes, deprimierendes Leben gewesen und sie hatte sich gefühlt, als ob sie in einem dunklen Loch hocken würde, aus dem sie einfach nicht mehr herausfand.
Dann jedoch war dieser Mann zu ihr gekommen und hatte ihr ein Angebot gemacht, dem sie einfach nicht widerstehen konnte.
Damals war ihr das 55. Lebensjahr so fern erschienen, ein Tag, der in einer weiten Zukunft lag, mit der sie sich noch nicht befassen musste. Ohne lange zu zögern hatte sie den Vertrag, den er ihr anbot, unterschrieben.

Als sie in dieser Nacht mit einem Glas Whiskey am Kamin saß, und es and der Tür läutete, verharrte sie in ihrem Sessel wie zur Salzsäule erstarrt. Es war bereits zwei Uhr in der Nacht....das konnte nur er sein. Niemand sonst wäre an den Leibwächtern vorbeigekommen, die rund um die Uhr ihre Villa und das Grundstück überwachten, um verrückte und aufdringliche Fans abzuwehren, Er war gekommen um sich zu holen, was sie ihm damals vertraglich versprochen hatte.
Verdammt, wie hatte sie nur so dumm sein können das zu tun? Waren dreißig gute, von Reichtum und Ruhm geprägte Jahre das wirklich wert gewesen?
Ihre Angestellten waren längst nach Hause gegangen, und deswegen öffnete auch keiner von ihnen die Tür.
Sie würde ihm einfach nicht aufmachen, dann konnte er ihr gar nichts tun.
Mit drei schnellen Zügen leerte sie ihr Glas und schenkte sich noch einmal ein. Der Whiskey hatte 40%, das vertrug sie normalerweise überhaupt nicht, aber das war ihr im Moment gerade egal, sie hoffte, dass das Getränk sie ein wenig beruhigen würde.

Verdammt, wieso war es nur so heiß hier drinnen? Das Feuer, das bisher in dem großen Kamin gemächlich vor sich hin geflackert hatte, begann plötzlich heftig zu lodern und den gesamten, mannshohen Kamin auszufüllen. Wie war das bloß möglich? Sie hatte doch extra keine neuen Scheite mehr nachgelegt, um das Feuer allmählich ausgehen zu lassen und dann ins Bett zu gehen.
Erschrocken schreiend sprang sie aus ihrem Sessel auf, als sich die Flammen vor ihren Augen zu einer Gestalt zu formen begannen. Das Glas fiel ihr aus den Händen und zersplitterte in tausend Scherben, bernsteinfarbener Whiskey ergoss sich auf ihren kostbaren Perserteppich, der mehrere tausend Dollar gekostet hatte.
Die flammende Gestalt trat aus dem Kamin heraus und kam genau auf sie zu, ein hämisches, böse klingendes Lachen erfüllte den ganzen Raum.
Ihr liefen eisig kalte Schauder über den Rücken, als ihr klar wurde, dass ihr Leben, das ein einziges Schwelgen im Glück gewesen war, nun enden würde.
Dann verschwanden die Flammen, und ein bildschöner junger Mann mit einem Gesicht wie ein Engel kam zum Vorschein. Genauso hatte er vor dreißig Jahren auch ausgesehen, nicht um einen Tag war er gealtert. Ein Mann von seiner Schönheit konnte schnell das Vertrauen anderer gewinnen, ohne dafür viel tun zu müssen. Und er sah so gar nicht teuflisch aus...er hatte weder Hörner auf dem Kopf noch einen Pferdefuß, noch bedrohlich kalte, hinterhältig wirkende Augen.
Nein, er sah eher so aus, wie man sich einen Engel vorstellte, bildschön und mit einem sanftmütig wirkenden, bildschönen Gesicht.
Doch nun verzog sich sein Gesicht zu einer hässlichen Fratze der Wut.

"Warum hast du mir nicht die Tür geöffnet, Cate? Dachtest du, du könntest mir entkommen, indem du dich hier verschanzt? Hast du ernsthaft gedacht du könntest mir das, was du mir im Vertrag versprochen hast, vorenthalten? Deine Seele gehört mir, und um Mitternacht, wenn dein 55. Lebensjahr beginnt, fahren wir zusammen zur Hölle."
"Nein, bitte nicht, tu mir das nicht an! Meine Kinder brauchen mich doch! Ich kann sie nicht alleine zurücklassen! Sie würden den Verlust niemals verwinden! Bitte hab Erbarmen und lass mich hier! Ich will nicht sterben!"
Der gutaussehende Mann, der schon vielen Menschen unter so vielen Namen ihre Seelen abgeschwatzt hatte, fing an spöttisch zu lachen.
"Deine Kinder? Die hast du seit drei Monaten nicht mehr gesehen, hast dir  lieber mit wechselnden Liebhabern in Florida und Monaco die Zeit vertrieben und nebenbei noch einen meiner Meinung nach nicht gerade beeindruckenden Western gedreht. Du siehst deine Kinder nur drei oder viermal im Jahr, jetzt tu doch nicht so, als ob sie dir wirklich am Herzen liegen würden. Deine Exmänner und zwei Nannys ziehen deinen Nachwuchs auf, das weiß doch jeder."
Verzweifelt fiel sie vor ihm auf die Knie und klammerte sich kläglich jammernd an seinen Beinen fest.
"Bitte, Bitte, Bitte, tu mir das nicht an! Ich habe doch noch so viele Jahre vor mir, 55 Jahre ist zu wenig. Gewähre mir doch bitte 20 oder 30 weitere Jahre. Ich flehe dich an....ich mache was du willst, wenn du mir nur mehr Zeit gewährst. Es  läuft doch gerade alles so gut. Ich möchte jetzt nicht fort, auf keinen Fall!"

"Nun, eine Möglichkeit gäbe es, mit der du dir dreißig weitere Jahre erkaufen könntest", meinte er mit einem diabolischen Lächeln, das ihn nun wirklich wie einen Teufel, wenn auch einen sehr attraktiven Teufel, aussehen ließ, "das hier kann dir 30 weitere Jahre bescheren, wenn du es weise einsetzt."
Mit diesen Worten reichte er ihr ein Amulett, das so dermaßen hässlich war, dass sie angewidert den Blick abwandte.
Es zeigte eine grauenerregende Fratze mit rot glühenden Augen, mit einem dermaßen hasserfüllten, kalten Gesichtszügen, dass es einem eisig kalt über den Rücken lief bei dem Anblick. Und die  Augen glühten tatsächlich so, als ob sie aus Feuer bestehen würden, was sie vermutlich auch taten.
"Was soll ich denn damit tun?"; fragte sie ihn irritiert, nachdem er ihr das grauenerregend scheußliche Ding einfach in die Hand gelegt hatte.
"Ich gebe dir einen Tag lang Zeit. Wenn es dir bis morgen Nacht gelingt, das Amulett an jemanden zu verschenken, dann wirst du nicht zur Hölle fahren, sondern derjenige, der das Amulett hat. Aber der Beschenkte muss es aus freiem Willen und mit Freuden annehmen."
Hämisch lachend blickte er sie an, ihm war wohl klar, dass niemand freiwillig so ein hässliches Ding annehmen würde.
"Ich werde jemanden finden der es nimmt"; erwiderte sie und blickte ihn wild entschlossen an, "innerhalb eines Tages wird sich schon jemand finden der das nimmt, gibt ja auch Goths und Gruftis, die lieben solchen düsteren Kram."
"Dieser Tag wird entscheiden ob du zur Hölle fährst oder nicht. Also handele weise, Cate."; erklärte er ihr, während er zum Kamin zurückging, "letztendlich hängt es von dir ab, wie deine Zukunft aussehen wird."
Kaum hatte er das gesagt, da wurde sein Körper wieder von Flammen eingehüllt, und er verschwand wieder im Kamin, in dem kurz darauf nur noch ein schwach glimmendes Feuer gemächlich vor sich hin flackerte.

In dieser Nacht bekam sie kein Auge zu, sie trank noch zwei Gläser Whiskey und grübelte hin und her, wie sie das hässliche Amulett loswerden könnte.
Normalerweise frühstückte sie morgens ausgiebig, vom Rührei mit Speck bis Crossaints war da alles dabei, nicht nur vor langen Drehtagen gönnte sie ich das, sondern auch an freien Tagen wie heute.
Doch an diesem Morgen hatte sie überhaupt keinen Hunger und ihr Magen rebellierte heftig, sie stand immer noch unter Schock wegen des nächtlichen Besuchs. Sie legte die Kette mit dem hässlichen Amulett an, und beschloss, später auszugehen und nach jemandem zu suchen, dem sie es schenken konnte. Einfach würde das nicht werden, es war wirklich ekelerregend scheußlich.
Es war noch sehr früh, ihre Angestellten waren noch nicht da, sie würden erst in einer Stunde zur Arbeit erscheinen.
Draußen war es schon hell, und Cate lächelte zufrieden, als sie eine junge Frau sah, dass trotz der frühen Morgenstunde mit ihm Smartphone in der Hand vor ihrer Villa herumlungerte. Wie hatte diese Trulla es an den Bodyguards vorbeigeschafft? Waren Sam und Arthur etwa in der Nacht eingepennt?
Nun, normalerweise ärgerte sie sich total über die aufdringlichen Fans, die immer wieder versuchten auf ihr Grundstück zu gelangen und Autogramme und Selfies von ihr zu ergattern, aber heute morgen kam ihr das gerade recht.
Sie ging zur Haustür und öffnete sie. Die junge Frau kam sofort zur Tür gerannt, als sie sie sah.
"Hi Cate! Wow, ich kann gar nicht glauben, dass ich dir wirklich gegenüberstehe, das ist ja so überwältigend! Kann ich bitte ein Selfie und ein Autogramm haben? Ich bin übrigens Tina und dein größter Fan."
Von den Bodyguards war immer noch nichts zu sehen. Das ging ja mal gar nicht, sie würde die beiden entlassen und sich neue Leibwächter suchen müssen.
Normalerweise fand sie Fans total nervig und ignorierte sie weitestgehend. Autogramme und Selfies gab es von ihr nur, wenn ihr Management sie mal zu einer Signierstunde verdonnerte. In ihren Augen waren die Fans Loser, die kein eigenes Leben hatten und deswegen ihre Zeit damit vergeudeten, einen Star zu vergöttern.

Aber an diesem Morgen kam ihr diese junge Frau genau zum richtigen Zeitpunkt.
"Natürlich kannst du ein Autogramm und ein Selfie haben, Tina. Und hast du vielleicht Lust mit mir zusammen auf der Terrasse zu frühstücken? Ich bin gerade alleine im Haus und würde mich über etwas Gesellschaft freuen."
Tinas Augen leuchteten wie die eines kleinen Kindes an Heiligabend bei der Bescherung unterm Christbaum. Die junge Frau konnte ihr Glück kaum fassen, das sah man ihr deutlich an.
"Wirklich? Ich darf mit dir frühstücken? Ohne Witz? Wow, danke, das ist echt eine große Ehre für mich....Wahnsinn..."
Noch nie hatte Cate einen Fan in ihr Haus eingeladen, und sie wusste genau, dass sie es nach dem heutigen Tag niemals wieder tun würde. Diese Tina war ja so dumm....fand es gar nicht merkwürdig, dass ihr Lieblingsstar sie zum Frühstück einlud, obwohl so etwas absolut ungewöhnlich war.
"Ja, ich freue mich über ein wenig Gesellschaft"; erklärte sie dem Fan, "weißt du, als Star fühlt man sich häufig sehr einsam."
"Das kann ich verstehen"; erklärte Tina ihr, "ich fühle mich auch oft einsam, ich kenne das nur zu gut. Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich mit dir frühstücken darf. Diesen Tag werde ich niemals vergessen."

Da ihre Haushälterin noch nicht da war, kochte sie den Kaffee selbst und servierte Crossaints vom Vortag und Butter und Marmelade dazu. Das war zwar ein kärgliches Frühstück, aber dieser durchgeknallte Fan würde es vermutlich trotzdem für das leckerste Frühstück  seines Lebens halten.
"Lass es dir schmecken", sagte Cate, als sie auf der gemütlichen Terrasse, die einen herrlichen Blick auf das Meer bot, Platz genommen hatten.
"Es schmeckt köstlich"; schwärmte Tina, während sie in ihren Crossaint biss, "und ich bin sehr froh, dass du mich zu diesem tollen Frühstück eingeladen hast. Darf ich dich was fragen?"
"Frag ruhig, erwiderte sie, wobei sie nur mit Mühe ihre Abneigung gegen diese sie wie eine Göttin anhimmelnde junge Frau verbarg. Diese Tina starrte sie die ganze Zeit an wie Gläubige eine Marienerscheinung, die plötzlich vor ihnen im Wald oder auf dem Feld auftaucht, anstarren würden.
Aber sie musste da durch...nur so konnte sie ihr Leben retten.
"Dieser seltsame Anhänger, woher hast du den? Einen so merkwürdigen Anhänger habe ich ja noch nie gesehen. Wirklich total creepy das Teil."
"Ich war in meiner Schulzeit eine Goth, wusstest du das? Der Anhänger stammt aus dieser  Zeit, ich hab den immer getragen, wenn ich mit meiner Clique unterwegs war. Damals fanden wir es total cool, nur schwarz zu tragen und dazu gehörten eben auch solche seltsamen, etwas düster anmutenden Anhänger. Das war bei uns megain damals in den 80ern."
"Ja, ich hab gelesen, dass du mal Goth warst, das finde ich total cool"; erwiderte die junge Frau, während sie Cate immer noch mit diesem anhimmelnden Blick anstarrte, "und ja, der Anhänger ist hässlich, aber wenn du ihn als Goth getragen hast, ist er ja irgendwie auch cool."

Cate trank einen weiteren Schluck Kaffee und bemühte sich darum, sich ihre Nervosität nicht anmerken zu lassen.
"Möchtest du den Anhänger haben?", fragte sie den Fan, "wenn du ihn willst, schenk ich ihn dir. Er mag nicht schön sein, aber er wird dich immer an diesen Tag, an dem du mit mir gefrühstückt hast erinnern."
Jeder normal denkende Mensch wäre hier misstrauisch geworden und hätte sich gefragt, warum dieser berühmte Star so freundlich zu ihm wäre und ih nicht nur zum Frühstück einlud, sondern ihm auch noch ein besonders hässliches Amulett schenkte.
Aber diese Fans, die konnten in vielen Fällen nicht mehr klar denken. Bestimmt hatte diese Tina, wie viele andere Fans, seit vielen Jahren davon geträumt, sie mal treffen und mit ihr reden zu dürfen, und wenn dieser Traum dann erstaunlicherweise tatsächlich wahr wurde, hinterfragten diese Fans nicht das Glück, das sich ihnen darbot.
"Cool, du schenkst ihn mir? Einfach so? Danke, das ist echt lieb von dir. Du bist wirklich genauso nett, wie ich mir das immer vorgestellt habe. Ich werde den Anhänger immer in Ehren halten, mein ganzes Leben lang. Wow, jetzt hab ich einen Anhänger, den du wirklich getragen hast als Jugendliche, das ist ja so genial! Ich kanns noch gar nicht glauben!"

Nur mühsam verkniff sich Cate ein Lachen bei dem Gedanken, dass die Fans wohl sogar Scheiße oder Kotze dankbar annehmen würden, wenn sie ihnen die zum Geschenk anböte.
Fans waren wirklich seltsame Wesen, sie würde niemals aus ihnen schlau werden.
Lächelnd zog sie das Amulett aus.
"Darf ich es dir anlegen?"; fragte sie Tina, und natürlich sagte der immer noch im Rausch der Freude schwelgende Fan ja.
Behutsam legte sie der jungen Frau das Amulett an. Ja, sie hatte schon irgendwie ein schlechtes Gewissen dass sie, um ihre eigene Seele zu retten die des Fans dem Teufel überantwortete.
Aber was hätte sie sonst tun können? Sie wollte doch so gerne weiterleben und alleine bei dem Gedanken selbst  zur Hölle fahren zu müssen, liefen ihr eiskalte Schauder über den Rücken.
Und warum den ganzen Tag in der Stadt herumlaufen und nach jemandem suchen, der das Amulett annahm, wenn sich das Problem bereits um sieben Uhr morgens so elegant löste?
"Wow, ich trage echt ein Amulett, das gerade noch an deinem Hals war, das ist ja so faszinierend"; schwärmte Tina, "du machst mir damit wirklich eine große Freude. Das Amulett ist zwar nicht schön, aber es war mal deines und hat dir viel bedeutet, das ist es was zählt."
Während des restlichen Frühstücks plapperte diese Tina ihr die Ohren voll, und erzählte ihr von den Fantreffen auf denen sie gewesen war, und welche ihrer Filme sie am liebsten mochte, und dass sie Schriftstellerin werden wollte.
"Vielleicht kann ich dir ja mal eine meiner Geschichten schicken, ich schreibe Fantasy und Horror,  würdest du die dann lesen?", fragte sie, "vielleicht darf ich ja dann sogar mal ein Drehbuch für dich schreiben? Ich weiß ja, dass du eine Filmproduktionsfirma hast."
"Klar, das kann ich gerne machen"; versprach Cate dem Fan, "ich bin eine richtige Leseratte, und falls die Geschichte mir gefällt, können wir auch gerne mal über ein passendes Drehbuch dafür sprechen."
Dieses Versprechen konnte sie ruhig geben, denn sie wusste ja, dass Tina bald an einem Ort sein würde, von dem man keine Post verschicken konnte.
Es dauerte nicht lange, bis ihr Tinas munteres Geplapper auf die Nerven ging.
"Ich habe heute Mittag noch einen Fototermin für Dior und meine Maskenbildnerin kommt gleich"; log sie den Fan an, "deswegen musst du jetzt leider gehen. Aber es war mir eine große Freude dich kennenzulernen."
"Kann ich noch Selfie und Autogramm haben?"; fragte die junge Frau.
Cate gab Tina beides, und das fröhliche Lachen auf dem Foto war echt, sie lachte so glücklich, weil sie wusste, dass sie nun dem Teufel entkommen war. Weitere 30 Jahre das Leben genießen...und ihr 85. lag noch in sehr weiter Entfernung, nichts also, worüber sie in den nächsten Jahren würde nachdenken müssen.
Sie war froh, als Tina sich endlich, übers ganze Gesicht strahlend, verabschiedet hatte und gegangen war.

Gut gelaunt verbrachte sie den ganzen Tag mit den Vorbereitungen für ihre Geburtstagsparty.
Vorbereitungen, das hieß in ihrem Fall, ein Kleid nach dem anderen anzuprobieren, und sich dann irgendwann für eines zu entscheiden, während ihre Angestellten für die Organisation des Festes sorgten.
An diesem Tag kamen gleich zwei ihrer Haushälterinnen und bereiteten köstliches, extravagantes Fingerfood vor, wie beispielsweise Blinis mit Lachs und Frischkäse, die mit hauchdünnem Goldstaub bestreut wurden, oder winzige Hamburger, nicht größer als ein Babybel Minikäse, deren Fleisch vom extrateuren Koberind stammte. Außerdem würde es literweise Dom Perignon Champagner geben. Nun, mit einem Vermögen von über 300 Millionen Dollar konnte sie sich das leisten. An diesem Abend feierte sie schließlich nicht nur ihren Geburtstag sondern auch ihre Rettung vor dem Teufel.
Den Gedanken an Tinas beim Abschied vor Freude strahlendes Gesicht mit den leuchtenden Augen, verdrängte sie rasch, weil sie sich Gewissensbisse weder leisten konnte noch wollte.
Fressen oder gefressen werden, so war das Leben nun einmal, das hatte sie in den letzten Jahrzehnten in Hollywood gelernt. Sicherlich gab es dort viele, die einen ähnlichen Vertrag wie sie abgeschlossen hatten.
Matt Carson beispielsweise war an seinem 50. Geburtstag in seiner Villa in Malibu verbrannt, die Ursache für den Brand hatte niemals gefunden werden können, aber Cate ahnte was dahinter steckte...Matt hatte wohl nicht so viel Glück gehabt wie sie und niemanden gefunden, dem er das Amulett aufschwatzen konnte.

Sie genoss den Abend intensiv, feierte bis in die Nacht hinein mit ihren meist prominenten Gästen.
Ein einziger berauschender Traum aus Champagner, Tanzen, sündhaft teurem und wahrhaft köstlichem Essen, sie hatte das Gefühl, auf einer Wolke zu schweben. Solche Extravaganzen waren für sie ganz normal, aber wenn man gerade erst dem Teufel entkommen war, war so ein Fest noch viel intensiver und berauschender und beglückender als sonst.
Doch dann, um zwei Uhr in der Nacht, als die Party immer noch in vollem Gange war, sah sie ihn inmitten der Feiernden. Dieses Mal war er nicht durchs Feuer gekommen, sondern hatte sich irgendwie in die Villa geschlichen.
Sie hatte an diesem Tag zwei neue Leibwächter zugeteilt bekommen, nachdem sie die beiden anderen entlassen hatte, weil sie nicht richtig aufgepasst hatten.
Er winkte ihr zu und gab ihr dann mit Handzeichen zu verstehen, dass sie ihm folgen sollte.
Widerwillig tat sie es, ihr war klar, dass sie keine andere Wahl hatte.
Was konnte er bloß von ihr wollen? Sie hatte doch den hässlichen Anhänger verschenkt.
Keiner ihrer Gäste achtete darauf, als sie den Raum mit dem fremden, sehr schönen Mann verließ, denn auf fast jeder Party verschwand sie für eine Weile mit einem attraktiven Mann.
Er ging mit ihr zu ihrer Bibliothek, einem riesigen Raum, in dem sich mehrere stilvolle Holzregale voller Bücher und ein Laptop, den sie für Videointerviews nutzte, befanden.
Seine Augen funkelten so feurig, dass es ihr eiskalt über den Rücken lief,  und er grinste.
"So, Cate, der Zeitpunkt ist gekommen, du musst jetzt mit mir kommen."

Die weltberühmte Schauspielerin wurde ganz blass und starrte ihn erschrocken an.
"Mitkommen? Wieso? Ich bin das Amulett doch losgeworden....ich habs heute morgen einem total dämlichen Fan geschenkt. Diese Fans sind so blöde, denen könnte ich meinen Abfall schenken, die würden den noch nehmen, egal wie der stinkt. Erst letztes Jahr hat einer von denen bei mir im Müll rumgewühlt, das ist doch krank sowas."
"Cate, ich gab dir das Amulett um dich zu testen. Leider haben wir auch in der Hölle Gesetze, und eines davon schreibt vor, dass wir niemanden in die Hölle mitnehmen dürfen ohne ihn vorher zu testen."
"Testen? Was soll das heißen?"; fragte Cate, obwohl sie die Antwort bereits zu erahnen begann.
So viel Angst wie jetzt hatte sie noch nie in ihrem ganzen Leben gehabt.
Vor ihren Augen verwandelte der Teufel sich, und aus dem bildschönen Mann wurde der naive Fan Tina.
"Hättest du das Amulett behalten und dir gesagt, dass du keine Menschenseele einfach so dem Teufel überantworten darfst, hätte ich keine Macht über dich gehabt und dich nicht mitnehmen können"; erklärte der Satan ihr gehässig lachend in der Gestalt von Tina, "denn wir dürfen niemanden mitnehmen, der Menschlichkeit zeigt. Du jedoch hast ohne zu zögern diese arme junge Frau an den Teufel verkauft ohne ihr Wissen. Wegen dieser Heimtücke gehörst du nun gänzlich mir und der  Hölle an, und ich nehme dich jetzt gleich mit! Aber...falls es dich tröstet...den meisten ergeht es genauso wie dir...fast keiner hat den Anstand das Amulett zu behalten."
Das Gesicht von Tina verschwand wieder, doch das Gesicht des hübschen jungen Mannes kam nicht zurück, sondern eine ganz und gar hässliche Fratze, die erschreckend der grausigen Fratze auf dem Amulett glich. Ein von eitrigen Pusteln überzogenes rötliches Gesicht starrte sie mit feurig glühenden Augen an, und Würmer wanden sich in eitrigen Pusteln, doch als er näher an sie herankam, konnte sie sehen, dass es keine Pusteln und Würmer waren, sondern dass jeder der kleinen Pickel in seiner hässlichen Fratze ein winziges menschliches Gesicht war. Und alle diese Gesichter schrien laut, man hörte jedoch nur ein leises Fiepen, weil sie so winzig waren, und Cate vermochte die Gesichtszüge dieser armen Menschen nicht deutlich zu erkennen.
Sie schrie wie am Spieß in wilder Panik, in der Hoffnung, dass die Partygäste sie hören und ihr zu Hilfe kommen würden.
"Sie können dich nicht hören"; sagte er mit einer nun grausig düster klingenden Stimme, "niemand kann dich hören, die Musik ist zu laut. Du kannst mir nicht entkommen, Cate du gehörst jetzt mir wie all die anderen."
Mit diesen Worten deutete er auf die grausigen winzigen Menschengesichter in seinem Gesicht, die von Weitem wie Pusteln aussahen, aber in Wirklichkeit winzige Gesichter von verzweifelten Menschen, die ihre Seele dem Teufel verkauft hatten, waren.
Als Satan sich seiner Kleidung entledigte, sah die Schauspielerin zu ihrem Entsetzen, dass sein ganzer Körper mit diesen grausigen Pusteln, die alle schreiende Gesichter waren, übersäht war.
Er kam näher an sie heran, während sie sich regelrecht die Seele aus dem Leib schrie, vor lauter Grauen und Angst verlor sie den Verstand.
Dann umfasste sein grausiger Körper sie, und eine unangenehme Hitze ergriff von ihrem ganzen Körper Besitz, lodernde Flammen umgaben sie, da war nur noch Hitze und überall diese grausigen kleinen Gesichter an seinem Körper...und sie schrie und schrie....dann wurde alles dunkel um sie herum, gnädigerweise bekam sie nicht mehr mit, wie er ihren schlaffen Körper hochhob und dann, wie eine Schlange ihre Beute, komplett verschlang.
Als sie wieder zu sich kam, war sie unzähligen Gesichtern umgeben, die alle laut brüllten und denen Tränen über die Wangen liefen. Da waren nur die Köpfe, keine Körper mehr.
Neben ihr war Marilyn Monroe, die hysterisch brüllte, ohne jemals damit aufzuhören, dicke Tränen kullerten über die Wangen der einstigen Hollywoodikone. Viele der Gesichter kannte sie nicht, aber es waren auch etliche hier, die sie ihr vertraut waren, wie Curt Cobain, Michael Jackson, Amy Winehouse oder Clark Gable oder John Wayne.
Alle brüllten ohne Unterbrechung, ein Chor des Grauens, der sich nun für sie grausig laut anhörte, da sie einer von vielen Köpfen war, die der Teufel in sich selbst gefangen hielt.
Nein, ich werde nicht schreien, denn dann verliere ich den Verstand, sagte sie sich am Anfang noch, doch es dauerte gar nicht lang, da schrie auch sie, laut und panisch, schmerzgepeinigt von den Flammen der Hölle, durch die der Teufel regelmäßig übermütig wie ein Kind tanzte, sie schrie, weil alle anderen niemals aufhörten zu brüllen, und weil es sie wahnsinnig machte, dass niemand mit ihr sprechen wollte.
Bald war da nur noch Schreien und Wahnsinn und Schreien und Wahnsinn, denn wie alle die hier waren, hatte sie nun für sie der Begriff "bis in alle Ewigkeit" eine neue grausige Bedeutung.



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Justadreamer
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BeitragVerfasst am: 25.03.2021 10:19    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Elbenkönigin

Eine spannende Geschichte, die ich gern gelesen habe!
Besonders gut gefällt mir der Anfang, denn du kannst gut in eine Situation einführen. Auch super fand ich den Spannungsbogen mit dem Ende.  

Verbessern könntest manchmal an den Stellen etwas, wo du Dinge erklärst. Z.B. die Unvollkommenheit Cates mit ihren teuren Sachen oder die Dummheit der Fans. Das ist manchmal etwas zu dick aufgetragen und der Leserhat eher das Gefühl, eine Meinungsäußerung als eine Beschreibung zu bekommen.
Ich bin mir jedoch sicher, dass dir dieser Fehler bei anderen Themen eher nicht unterlaufen würde - deshalb Hut ab!


LG
Justadreamer
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Elbenkönigin1980
Reißwolf


Beiträge: 1221



BeitragVerfasst am: 25.03.2021 12:17    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Justadreamer hat Folgendes geschrieben:
Hallo Elbenkönigin

Eine spannende Geschichte, die ich gern gelesen habe!
Besonders gut gefällt mir der Anfang, denn du kannst gut in eine Situation einführen. Auch super fand ich den Spannungsbogen mit dem Ende.  

Verbessern könntest manchmal an den Stellen etwas, wo du Dinge erklärst. Z.B. die Unvollkommenheit Cates mit ihren teuren Sachen oder die Dummheit der Fans. Das ist manchmal etwas zu dick aufgetragen und der Leserhat eher das Gefühl, eine Meinungsäußerung als eine Beschreibung zu bekommen.
Ich bin mir jedoch sicher, dass dir dieser Fehler bei anderen Themen eher nicht unterlaufen würde - deshalb Hut ab!


LG
Justadreamer


Danke für dein positives Feedback, das freut mich wirklich sehr, dass die Geschichte dir gefallen hat.
Ich werde dann an den erklärenden Stellen noch etwas nachbessern und abändern, damit es nicht zu dick aufgetragen wirkt.

Liebe Grüsse
Elbenkönigin


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Patrick Schuler
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BeitragVerfasst am: 25.03.2021 18:21    Titel: Antworten mit Zitat

hallo elbenkönigin

spannend, mir gefällt es. nur dass du am ende die berühmten persönlichkeiten aufzählst wirkt irgendwie ... fehl am platz. die geschichte wirkt wie reine fantasie, ich würde da die realität aus dem spiel lassen, aber es kann sein, dass nur mich sowas stört. anyway ... gerne gelesen!

lg
patrick


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"Issa"
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Elbenkönigin1980
Reißwolf


Beiträge: 1221



BeitragVerfasst am: 25.03.2021 19:39    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Patrick Schuler hat Folgendes geschrieben:
hallo elbenkönigin

spannend, mir gefällt es. nur dass du am ende die berühmten persönlichkeiten aufzählst wirkt irgendwie ... fehl am platz. die geschichte wirkt wie reine fantasie, ich würde da die realität aus dem spiel lassen, aber es kann sein, dass nur mich sowas stört. anyway ... gerne gelesen!

lg

patrick


Danke für dein positives Feedback, es freut mich, dass die Geschichte dir gefällt. Ich überlege mir noch, ob ich das mit dem berühmten Persönlichkeiten nicht wirklich rausnehme, zum Beispiel könnte ich ja anstatt Marylin Monroe auch einfach schreiben "eine berühmte 60 er Jahre Hollywoodikone, und ich könnte schreiben, dass Cate berühmte und nicht berühmte Gesichter um sich herum sah, so könnte ich das mit den Berühmtheiten einbringen, ohne Namen zu nennen.
Die Geschichte ist ja auch reine Fantasie, da hast du Recht, da passt das vielleicht wirklich nicht, die Namen der Berühmtheiten einzubauen.


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