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der reisende idealist, dem eine fette, braune spinne im maul wohnt


 

 
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Patrick Schuler
Geschlecht:männlichKlammeraffe

Alter: 26
Beiträge: 836



BeitragVerfasst am: 08.03.2021 16:24    Titel: der reisende idealist, dem eine fette, braune spinne im maul wohnt eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

"völlig verstaubt... dass so etwas verstauben kann, dass ist doch ein toter nicht? ein skelett? das war mir nie bewusst, dass ein toter verstauben kann, wenn er nicht draußen in frischer, dunkler erde, nein in einer wohnung stirbt, einem haus. völlig verstaubt, guck - da kriecht eine spinne auf seinem kopf, nein seinem schädel, ein kopf ist es ja nicht mehr, nein nein, ein schädel, ein blanker, viel zu weißer schädel. ob er gereist ist? jetzt wo er so tot daliegt, ist das ja schwer zu sagen ... also, ob er gereist ist ..."

"er war sicher ein idealist"

"meinst du? ja, wie ein idealist liegt er da! wenn man das so sagen, also ... wie idealisten liegen ... ein reisender idealist, weißt du, die ideale eines reisenden müssen in seinen koffer passen. tun sie aber nicht! viele große aufgeblähte, schrecklich geniale überzeugungen. ein reisender idealist, jaja!"

"sicher, ganz sicher, sicher!"

"ob ihn ein mädchen vorzog? so eine ganz adrette, mit kurven, nach denen alle schauen ... ob ihn ein mädchen vorzog. weißt du, das ist ja das eigentliche glück, wenn einen ein mädchen vorzieht. nicht weil man sie dann hat, nein, weil man vorgezogen wurde. ha, wenn die ihn jetzt sehen könnte, so ganz verstaubt, mit diesem blanken, weißen schädel da. das wäre doch komisch, da zieht die ihn nicht mehr vor, das sag ich dir!"

"wie er wohl hieß?"

"ja, wie hieß er wohl, man sagte uns ja, hier läge einer, der krämer hieß. krämer, was ein alberner name. also, für einen idealisten, so einen reisenden idealisten, den ein mädchen vorzog. und jetzt ist er ganz verstaubt. ob da eine spinne in seinem mund wohnt? bestimmt wohnt da sogar eine spinne in seinem mund, eine fette, braune spinne, die in seinem mund wohnt, das wäre doch witzig, ein reisender idealist, dem eine spinne im mund wohnt. oder im maul, er hatte sicher ein großes maul, dieser krämer, ganz sicher hatte er das, idealisten haben immer ein großes maul. da kriechen dann diese genialen worte raus, die man gar nicht versteht, eben wie eine spinne, eine große, fette spinne aus worten, aus worten, worten, immer nur worten."

"jetzt haben wir ihn ja gesehen"

"ja, gesehen haben wir ihn, diesen krämer, diesen idealisten. ich sag dir, jetzt wissen wir alles, wie er so verstaubt daliegt, jetzt wissen wir alles. jetzt haben wir ihn ja gesehen, weißt du, dieser krämer, das ist doch verdient, oder? das er so verstaubt. natürlich ist das verdient, dass er so daliegt, jaja, jetzt haben wir ihn ja gesehen.

aber ja, lass uns gehen. lass uns fort, wir werden nicht so verstauben, das sag ich dir. nein, nicht so. wir werden in frischer, dunkler erde liegen und gar nicht verstauben, denn in der erde verstaubt man ja nicht! wir sind ja auch keine reisenden idealisten, nein, nein. wir werden in frischer, dunkler erde liegen, die man uns aufwarf, anders als dieser krämer, dieser idealist ... komm lass uns gehen. jetzt haben wir das ja alles gesehen, jetzt wissen wir alles, jaja, dunkle erde, frische erde, lass uns gehen, komm schon junge, lass uns gehen"

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"Issa"
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Nehemia
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Beiträge: 60
Wohnort: Über den Wolken


BeitragVerfasst am: 08.03.2021 21:11    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Patrick!
Puh, keine Ahnung, was ich dir da sagen soll... So eine Art von Text habe ich noch nie gelesen. Ich meine, finde ich gut, dass es so neu ist, aber andererseits habe ich keine Ahnung, wo ich da ansetzen soll. Was hast du dir dabei gedacht? Was beschreibt dieser Text? Da bräuchte ich nochmal eine Erklärung.

LG Nehemia Very Happy


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Patrick Schuler
Geschlecht:männlichKlammeraffe

Alter: 26
Beiträge: 836



BeitragVerfasst am: 08.03.2021 21:39    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

hallo nehemia

also ... öhm, ich würde dir ja jetzt gerne sagen, wie schrecklich viel ich mir bei dem text gedacht habe, aber das wäre gelogen. ich hatte nur diese absurde idee, das ein skelett verstauben kann, der rest kam dann von alleine. sicher - man könnte es interpretieren, aber ich bin froh, dass ich das nicht machen muss lol2

lg
patrick


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Rike La
Geschlecht:weiblichLeseratte


Beiträge: 125



BeitragVerfasst am: 09.03.2021 11:20    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

na ein bisschen bin ich ja erleichtert, dass du dir beim Schreiben nicht allzu viel gedacht hast wink

Und nun... ich weiß auch nicht so wirklich dazu sagen soll. Irgendwie gefällt mir dein Text, ohne dass ich genau sagen könnte, weshalb.

Sind noch ein paar Fehler drin (dass/das) und an einer Stelle fehlt m.E. nach ein Wort):

Zitat:
meinst du? ja, wie ein idealist liegt er da! wenn man das so sagen kann(?), also


Aber ich denke, das liegt eher daran, dass du das eher nur so runtergeschrieben hast, richtig?

Auf jeden Fall gefällt es mir irgendwie...

Liebe Grüße
Rike
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Nehemia
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Beiträge: 60
Wohnort: Über den Wolken


BeitragVerfasst am: 09.03.2021 11:33    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Patrick!

Also, dann sage ich einfach mal, welches Bild sich in meinem Kopf zu diesem Text gebildet hat: Ein verstaubtes Skelett in einer Wohnung auf einem roten Teppich (warum, weiß ich auch nicht Smile ) und davor stehen zwei, die es beurteilen und Vermutungen anstellen, über das Leben dieses Skeletts. Okay, ein interessantes Bild. Wenn auch etwas verquer, jedenfalls für mich. War das so beabsichtigt? So ein Bild? Was mir an deiner Schreibweise gefällt, sind diese ständigen Wiederholungen, die versetzen dem Bild noch einmal mehr... unangenehme Atmosphäre, wenn du verstehst, was ich meine!

LG Nehemia Very Happy


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Patrick Schuler
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Beiträge: 836



BeitragVerfasst am: 09.03.2021 20:25    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

hallo rike
hallo nehemia

richtig vermutet. der text ist beim automatischem schreiben entstanden. manchmal mache ich das, um zu schauen, welche bilder, motive, innere erlebnisswelten aufkommen, oder hochkommen und wie sie zur textform finden.

ich hatte allerdings schon ein konzept das ich verfolgen wollte.
ich hatte mir zur prüfung die frage vorgelegt, ob und wie man einen text schreiben kann, in dem die handelnden figuren völlig unausgemalt, blass bleiben. im dialog, natürlich. also habe ich die einzige figur, die in dem text beschrieben wird, tot sein lassen und die beiden anderen figuren nicht beschrieben. wobei die genannten figuren ja auch nur glauben, etwas über den toten zu sagen, alles was sie von sich geben ist durchwebt von vermutung.

für mich bekommt der text so etwas fremdes, oder befremdendes, zumindest wollte ich das bezwecken.

das ist alles. ich habe inzwischen in anderen foren einige wenige rückmeldungen bekommen, die versucht haben den text festzunageln. es geht sogar, aber intendiert was es nicht wink

lg euch beiden
patrick


ps; dein bild nehemia, deckt sich in etwa mit meinem, nur der rote teppich fehlt lol2


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Rike La
Geschlecht:weiblichLeseratte


Beiträge: 125



BeitragVerfasst am: 11.03.2021 08:07    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Patrick,

Zitat:
für mich bekommt der text so etwas fremdes, oder befremdendes, zumindest wollte ich das bezwecken.


Ja, ich finde, das ist dir sehr gut gelungen smile

Zitat:
ps; dein bild nehemia, deckt sich in etwa mit meinem, nur der rote teppich fehlt


Und mit meinem auch - nur der rote Teppich fehlt bei mir auch. Ich dachte an Lost Places, von Anfang an schon und die ganze Zeit beim Lesen... vielleicht etwas Persönliches...

Liebe Grüße
Rike
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Patrick Schuler
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BeitragVerfasst am: 11.03.2021 18:35    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

danke rike smile

aber was ist "lost places"? klingt nach einer serie, muss ich die kennen?

lg
patrick


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Levo
Schmierfink


Beiträge: 80



BeitragVerfasst am: 11.03.2021 19:08    Titel: Antworten mit Zitat

Definitiv eine Erzählung, wie man sie nicht häufig liest. Smile

Ich fühl mich dunkel erinnert an den Friedhof in Peter S. Beagles "He! Rebeck", wo die Verstorbenen noch eine Weile herumwabern und immer mehr vom Leben vergessen. So kommen mir die beiden Betrachter vor, zumindest der eine, der so perseveriert. Daher kommt wohl auch mein Gedanke, dass die beiden vielleicht auch schon tot sind ... und es vielleicht nicht wissen. Sonst ... gruselige Leichentouristen.
Ich find sehr schön, dass Du dem Leser gar nicht mehr mitgibst (mitgeben wolltest), einfach mal sehen, was passiert. Mit einen Skelett auf einem roten Teppich, den ich jetzt spontan auch dazu passend finde.
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Rike La
Geschlecht:weiblichLeseratte


Beiträge: 125



BeitragVerfasst am: 11.03.2021 19:22    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
aber was ist "lost places"? klingt nach einer serie, muss ich die kennen?


Nein, keine Serie wink Das ist die Bezeichnung für leerstehende/vergessene Gebäude, also z.B. ehemalige Krankenhäuser, Fabriken, Freizeitparks, die nicht mehr als solche genutzt werden, in denen aber oft noch einiges an Einrichtung usw. vorhanden ist.

Da gibt es sehr viel Spannendes...
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Kyniker
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Beiträge: 57



BeitragVerfasst am: 11.03.2021 20:41    Titel: Antworten mit Zitat

Hier kann man sich einen visuellen Eindruck davon machen:
https://www.instagram.com/explore/tags/lostplaces/
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Patrick Schuler
Geschlecht:männlichKlammeraffe

Alter: 26
Beiträge: 836



BeitragVerfasst am: 11.03.2021 21:55    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

hallo levo

so langsam muss ich den roten teppich wohl in die geschichte mit einbauen lol2

"He! Rebeck" sagt mir nichts, muss ich mal nachschauen wink

lg
patrick


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Patrick Schuler
Geschlecht:männlichKlammeraffe

Alter: 26
Beiträge: 836



BeitragVerfasst am: 11.03.2021 21:57    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

hallo rike

äh ups, ja sowas hätte ich mir eigentlich denken können.
wäre aber auch ein guter titel für eine netflix serie lol2
aber, dass es so morbide rüberkommt, hätte ich gar nicht gedacht.


lg
patrick


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Patrick Schuler
Geschlecht:männlichKlammeraffe

Alter: 26
Beiträge: 836



BeitragVerfasst am: 11.03.2021 21:57    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

danke kyniker

da schau ich mal vorbei smile

lg
patrick


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Mogmeier
Geschlecht:männlichGrobspalter

Moderator
Alter: 47
Beiträge: 2339
Wohnort: Reutlingen


BeitragVerfasst am: 12.03.2021 01:04    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Patrick,

dein kleines Werk gefällt mir gut. Es hat so etwas unterschwellig Makabreres und erinnert mich im übertragenen Sinne an die eine Szene aus »Der Club der toten Dichter«, in der Mr. Keating mit seinen Zöglingen vor dieser Wand mit den Klassenfotos aus längst vergangenen Zeiten steht und so ganz nebenbei (zumindest im Film) diesen Spruch mit dem Narzissen-Dünger anbringt.

Viele Grüße
Mog


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»Nichtstun ist besser, als mit viel Mühe nichts schaffen.«
Laotse
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Elbenkönigin1980
Reißwolf


Beiträge: 1010



BeitragVerfasst am: 12.03.2021 03:28    Titel: Re: der reisende idealist, dem eine fette, braune spinne im maul wohnt Antworten mit Zitat

Patrick Schuler hat Folgendes geschrieben:
"völlig verstaubt... dass so etwas verstauben kann, dass ist doch ein toter nicht? ein skelett? das war mir nie bewusst, dass ein toter verstauben kann, wenn er nicht draußen in frischer, dunkler erde, nein in einer wohnung stirbt, einem haus. völlig verstaubt, guck - da kriecht eine spinne auf seinem kopf, nein seinem schädel, ein kopf ist es ja nicht mehr, nein nein, ein schädel, ein blanker, viel zu weißer schädel. ob er gereist ist? jetzt wo er so tot daliegt, ist das ja schwer zu sagen ... also, ob er gereist ist ..."

"er war sicher ein idealist"

"meinst du? ja, wie ein idealist liegt er da! wenn man das so sagen, also ... wie idealisten liegen ... ein reisender idealist, weißt du, die ideale eines reisenden müssen in seinen koffer passen. tun sie aber nicht! viele große aufgeblähte, schrecklich geniale überzeugungen. ein reisender idealist, jaja!"

"sicher, ganz sicher, sicher!"

"ob ihn ein mädchen vorzog? so eine ganz adrette, mit kurven, nach denen alle schauen ... ob ihn ein mädchen vorzog. weißt du, das ist ja das eigentliche glück, wenn einen ein mädchen vorzieht. nicht weil man sie dann hat, nein, weil man vorgezogen wurde. ha, wenn die ihn jetzt sehen könnte, so ganz verstaubt, mit diesem blanken, weißen schädel da. das wäre doch komisch, da zieht die ihn nicht mehr vor, das sag ich dir!"

"wie er wohl hieß?"

"ja, wie hieß er wohl, man sagte uns ja, hier läge einer, der krämer hieß. krämer, was ein alberner name. also, für einen idealisten, so einen reisenden idealisten, den ein mädchen vorzog. und jetzt ist er ganz verstaubt. ob da eine spinne in seinem mund wohnt? bestimmt wohnt da sogar eine spinne in seinem mund, eine fette, braune spinne, die in seinem mund wohnt, das wäre doch witzig, ein reisender idealist, dem eine spinne im mund wohnt. oder im maul, er hatte sicher ein großes maul, dieser krämer, ganz sicher hatte er das, idealisten haben immer ein großes maul. da kriechen dann diese genialen worte raus, die man gar nicht versteht, eben wie eine spinne, eine große, fette spinne aus worten, aus worten, worten, immer nur worten."

"jetzt haben wir ihn ja gesehen"

"ja, gesehen haben wir ihn, diesen krämer, diesen idealisten. ich sag dir, jetzt wissen wir alles, wie er so verstaubt daliegt, jetzt wissen wir alles. jetzt haben wir ihn ja gesehen, weißt du, dieser krämer, das ist doch verdient, oder? das er so verstaubt. natürlich ist das verdient, dass er so daliegt, jaja, jetzt haben wir ihn ja gesehen.

aber ja, lass uns gehen. lass uns fort, wir werden nicht so verstauben, das sag ich dir. nein, nicht so. wir werden in frischer, dunkler erde liegen und gar nicht verstauben, denn in der erde verstaubt man ja nicht! wir sind ja auch keine reisenden idealisten, nein, nein. wir werden in frischer, dunkler erde liegen, die man uns aufwarf, anders als dieser krämer, dieser idealist ... komm lass uns gehen. jetzt haben wir das ja alles gesehen, jetzt wissen wir alles, jaja, dunkle erde, frische erde, lass uns gehen, komm schon junge, lass uns gehen"


Der Text ist schön düster und morbide, aber leider hab ich nicht alles so richtig verstanden, fand es etwas wirr.
Warum stirbt der Krämer in seiner Wohnung und bleibt dort liegen bis er bereits skelettiert ist? Spielt deine Geschichte zur Zeit des Schwarzen Todes und der Mann wurde erst Monate danach gefunden, als nur noch das Skelett übrig war?
Hat es einen Grund, dass du alles klein geschrieben hast?
Der Text ist ganz gut, auch wenn es mich etwas gestört hat, dass man gar nicht erfährt, warum der Mann in seiner Wohnung gestorben ist und dort liegen blieb, und auch über diejenigen die ihn finden erfährt man leider nichts.
Erinnert mich etwas an Edgar Allan Poe, war das von dir beabsichtigt?

Oder...liegt der Tote vielleicht nicht in einem Haus/Wohnung, sondern in einer Gruft? Früher gabs ja oft Grüfte, die so opulent und fast so groß wie Häuser waren, bei uns auf dem Friedhof kann man das heute noch sehen.
Und wer sind die beiden die den Toten sehen? Auch das kommt leider nicht so richtig heraus.....
Aber irgendwie ist gerade das auch interessant, es lässt viel Raum für Fantasie.

Am Ende schreibst du ja "Wir werden in frischer Erde liegen, die man uns aufwarf", irgendwie klingt das fast so, als ob die beiden selber Geister von Menschen wären, die gerade frisch beigesetzt wurden, deute ich das richtig?
Jedenfalls klingt "die man uns aufwarf" so als würden sie schon in dieser Erde liegen, und man hätte sie gerade erst dort begraben.

Aber womöglich ist das nur meine rege Fantasie als Fan von Horrorgeschichten.
Da gabs auch von Kafka mal ne Geschichte eines Mannes, der beim Spaziergang auf dem Friedhof sein eigenes Grab entdeckt, auch daran erinnert deine Geschichte mich ein wenig
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Pickman
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BeitragVerfasst am: 13.03.2021 17:28    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Patrick Schuler,

da ist dir aus dem Stehgreif ein ganz außerordentlicher Text gelungen.

Ich kann mir mehr davon vorstellen, vielleicht als Lyrik, vielleicht als Drama, vielleicht als dramatisches Gedicht.

Cheers

Pickman


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Patrick Schuler
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BeitragVerfasst am: 14.03.2021 20:49    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

hallo mogmeier

interessant, was dieser text für assoziationen weckt.
danke für das lob!

lg
patrick

hallo elbenkönigin

ich glaube, deine fragen ließen sich klären, wenn du die vorherigen kommentare liest. ich habe mir nicht so schrecklich viel bei diesem text gedacht wink

die durchgängige kleinschreibung ist ... nun ja ... ich habe mich vielleicht zu viel mit moderner lyrik befasst, ich finde die kleinschreibung einfach schön wink

lg
patrick


danke pickman

ja, gute idee ... ich führ das hier fort und poste prosatexte, die irgendwie aus dem rahmen fallen. ich hab da noch ein paar smile

lg
patrick


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Patrick Schuler
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BeitragVerfasst am: 14.03.2021 20:53    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Wenn die große, lichtschluckende leere in dir staub und unrat angesammelt hat und du jedes staubkorn betrachten würdest, welches in dieser großen leere liegt, so würde gewahr, dass ihnen allen ein auge aufgesteckt ist, ein fassettenauge, rot und riesig wie eine volle vogelbeerstaude. ein auge das, wenn es dich in den blick nimmt, sagt; alle nichtse in dir haben ein auge aufgesteckt, alle nichtse in dir sehen dich unentwegt an, immer. weil du aber erschrickst, fällst du deinem gegenüber in die arme. arme, die aus eintausend lärmenden fingern und handschalen aus dröhnender philosophie bestehen und die dir, traurige, mit lauter ermutigung klappern, als handele es sich nicht um worte, sondern um besteck!

Nur wenn du den sternlosen mantel der langeweile um deine brust trägst, wagst du es in die leere zu schauen. und manchmal gehen gedanken, spitz wie eine nadel, einher mit deinen füßen und du greifst nach den gedanken, indem du sie an den flachen enden fasst und ihre spitzen zwischen deinen fingern hin und her rollst. dann zielst du auf die augen, die dem staub aufgesteckt sind und stichst zu. doch die augen sind fest und unnachgiebig und deine gedanken stumpfen mit jedem weiteren versuch ab.

dennoch brüllt die leere in dir zornig auf und plötzlich entzündet sich um dich ein ozean aus wogender schwärze und das nichts in dir schwappt über die lippen in deine hände, auf deine arme, auf deine füße. der strom versiegt nicht und die menschen um dich herum rutschen aus auf den schwarzen, rhythmisch erbrochenen wogen. nur du selber stehst fest und erbrichst jedes nichts aus jedem herzwinkel, jedes nichts aus jedem seelenwinkel. und um dich fallen die menschen um.

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BeitragVerfasst am: 15.03.2021 17:55    Titel: angst pdf-Datei Antworten mit Zitat

die delinquenten warfen lange schatten in der mittagssonne. ich hatte das schwarze rohr der waffe schon auf ihre rücken gerichtet, als mir auffiel, dass in den schatten etwas dunkles, bedrohliches hockte, das anwuchs. Je stärker ich hinsah, desto schneller wuchs es, bis es plötzlich den ganzen schatten ausfüllte. als ich blinzelte, so erzählte man mir später, schoss es herauf und verschlang die delinquenten mit haut und haar, verformte sich blitzartig und nahm die gestalt der menschen an, die es verschlungen hatte.
 
ich schoss. aber ich erschoss etwas anderes als die verurteilten, etwas dunkles, das keinen namen hat, ein namenloses dunkel. und die toten körper fielen nach vorn in den graben.

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BeitragVerfasst am: 17.03.2021 14:57    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Als Gott, der Schöpferische, den Urknall erfand und abertausende davon in die Falten eines riesigen Vakuums streute, weit voneinander entfernt, sodass die Universen nicht mit der Stirn aneinanderstießen, misslang ihm ein Versuch, da sich etwas göttlicher und somit geistiger Staub in einem, ebenfalls nur für den Geist zugänglichem, Zahnrad verfing und es blockierte. Das Universum gefror auf Murmelgröße.

Zornig schleuderte Gott, der Schöpferische, die kleine, schwarzblaue Kugel von sich und vergaß sie. Als aber (viel später) ein Mensch, der gerade durch das Gestrüpp eines großen Waldes marschierte, eben dieses stehengebliebene Universum fand, löste er mit seiner Verwunderung, denn Verwunderungen sind große, geistige Kräfte, die Staubkörner und die geistigen Zahnräder begannen sich wieder zu drehen.

Da begann das Universum blitzartig zu expandieren und es schluckte den verwunderten Menschen, ebenso wie seinen Heimatplaneten und seine Galaxie. Es war aber eben die alte Erde und die alte Milchstraße, welche sich nun in einem neuen Raum und in den Gesetzen einer neuen Zeit wiederfanden, denn das neue Universum war groß und leer und ohne Sterne und Mond.

Erst jetzt war es möglich Gedichte zu schreiben.

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