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Schizophrenie, Stimmen hören, Wahnvorstellungen


 
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BlueNote
Geschlecht:männlichStimme der Vernunft


Beiträge: 7089
Wohnort: NBY



BeitragVerfasst am: 05.01.2021 09:41    Titel: Schizophrenie, Stimmen hören, Wahnvorstellungen eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Romanschreiber!

Kennt jemand gute Literatur bzw. eine Internetseite, wo Betroffene ihre Empfindungen schildern bei psychischen Erkrankungen schwerwiegenderer Art? Das Thema hat mich bereits häufiger interessiert, ich habe es aber dann doch nicht gewagt, es aufzugreifen. Gerne würde ich mal entsprechende Schilderungen lesen.  Aus Recherchegründen.

BN
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Natalie2210
Geschlecht:weiblichLeseratte

Alter: 34
Beiträge: 197



BeitragVerfasst am: 05.01.2021 10:24    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo BlueNote,

wenn du in dieser Frage ganz am Anfang stehst, würde ich mit medizinischen Fachbüchern anfangen. Dann kannst du die verschiedenen Krankheiten einordnen, oft gibt es auch Berichte und Beispiele von Betroffenen. Ich könnte mir vorstellen, dass es dir leichter fällt, im Internet verschiedene Posts einzuordnen, wenn du grundsätzlich die Krankheitsbilder kennst.

lg,
Natalie
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BlueNote
Geschlecht:männlichStimme der Vernunft


Beiträge: 7089
Wohnort: NBY



BeitragVerfasst am: 05.01.2021 10:39    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Natalie,

mich interessiert tatsächlich am meisten, wie die Menschen ihren Zustand selbst empfinden. Mit medizinischen Fachartikeln habe ich mich bereits auseinandergesetzt - aber dort liest sich alles so ... unliterarisch.

BN
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rieka
Geschlecht:weiblichSucher und Seiteneinsteiger


Beiträge: 983



BeitragVerfasst am: 05.01.2021 11:34    Titel: Antworten mit Zitat

Versuchs doch mal mit einem ganz alten, eigentlich schon überholten Schinken. Herausgegebenen in den 1970ern. Dort wird intensiv auf die Empfindungsseite des Betroffenen eingegangen. Ohne Fachtermini.
Die alten psychiatrischen Vorgehensweisen wurden damals infrage gestellt. Vielleicht findest du dort, was du suchst.

Wer ist aus Holz? Neue Wege der Psychiatrie
Foudraine, Jan


„Ich bin aus Holz.“ sagte ein Betroffener, der sich zu seiner Befindlichkeit nicht äußern konnte, zu seinen Behandlern.
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Michel
Geschlecht:männlichExposéadler

Alter: 49
Beiträge: 2820
Wohnort: bei Freiburg
Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 05.01.2021 12:41    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe bei duckduckgo.de "Erfahrungsbericht schizophrenie" eingegeben und ein paar der Ergebnisse angelesen. Natürlich finden sich bei Stern und Focus etwas hochgejazzte Artikel, aber auch die Betroffenen kommen zu Wort. Beim Stern gibt es einen Hinweis auf das Buch eines Betroffenen.

Klaus Gauger: "Meine Schizophrenie"
Verlag Herder, 224 Seiten, 20 Euro

Hier scheint es ebenfalls um persönliches Erleben zu gehen:
https://www.einjakann.de/krankheiten/schizophrenie

Und das scheint mir auch recht seriös:
https://www.kns.kompetenznetz-schizophrenie.info/?q=node/14

Wenn die Quellen nicht weiterreichen, kann ich Dir per PN etwas zu einem guten Freund erzählen, der im Studium eine Schizophrenie entwickelt hat und heute mit Doktortitel einen gut dotierten Job hat. Aber wahrscheinlich ist das auch nicht mehr als in den Links obern und ich kann eher von außen schildern, wie es mir mit dem erkrankten Freund gegangen ist.

Hoffe, das hilft etwas weiter.


_________________
Ab Dezember 2020 im Handel: "Ishabel", der zweite Band der Flüchtlings-Chroniken
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BlueNote
Geschlecht:männlichStimme der Vernunft


Beiträge: 7089
Wohnort: NBY



BeitragVerfasst am: 05.01.2021 13:33    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi ihr!

@rieka
Zitat:

Wer ist aus Holz? Neue Wege der Psychiatrie

1,52 € bei amazon kann man sich leisten. wink Vielen Dank für den Tipp!
Zitat:

Herausgegebenen in den 1970ern.

Das sind 25 Jahre nach 45. Ich glaube in den 70-ern war die öffentliche Meinung über die Psychatrie noch sehr von den Auswüchsen der 40-er Jahre geprägt - zumindest habe ich es so in Erinnerung.

@Michel
Deine Links habe ich durchgelesen. Erstaunlich, wie sich der Betroffene selbst analysieren konnte.
Zitat:

Wenn die Quellen nicht weiterreichen, kann ich Dir per PN etwas zu einem guten Freund erzählen, der im Studium eine Schizophrenie entwickelt hat und heute mit Doktortitel einen gut dotierten Job hat. Aber wahrscheinlich ist das auch nicht mehr als in den Links obern und ich kann eher von außen schildern, wie es mir mit dem erkrankten Freund gegangen ist.

Ich würde mich freuen.
Aber tatsächlich interessiert mich hauptsächlich "das Innere". In dem einen Bericht hat ein Betroffener von sich erzählt, als handle es sich um eine andere Person, von der er erzählt. Aber vielleicht muss er sich selbst so nüchtern analysieren, um (emotional) nicht tiefer in die Psychose hineinzugeraten.
Ich entdecke aber auch viele Parallelitäten zu "normalem" Verhalten. Viele verrennen sich in seltsame Gendanken, entwickeln Verschwörungstheorien etc. Führt ein solches Verhalten zur Krankheit, oder die Krankheit zu solch einem Verhalten?

Danke für die Tipps. Das Thema ist sehr mächtig, kein Wunder, dass sich da nie so richtig jemand herangewagt (zumindest nicht aus der Ich-Perspektive heraus).

BN
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meerenblau
Reißwolf


Beiträge: 1255



BeitragVerfasst am: 05.01.2021 18:22    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn Du bei Youtube als Suchbegriff "Schizophrenic Fifties" eingibst, kannst Du Dir einige Interviews mit Schizophrenie-Patienten ansehen, die in den 50er Jahren aufgezeichnet wurden.

Ist jetzt zwar nicht Literatur, aber vielleicht doch ganz interessant.
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BlueNote
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Beiträge: 7089
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BeitragVerfasst am: 06.01.2021 09:16    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ja, die Interviews sind sehr interessant. Zeigen Sie doch auch die Tatsache, wie schwierig es ist, der Sache wirklich auf den Grund zu gehen. Zunächst hat es den Anschein, das Problem besteht aus Bestandteilen, die jedem einzelnen geläufig sind. Beispielsweise, wenn man sich bei Nachbarstreitigkeiten einbildet, der Nachbar grüße nicht mehr, sei abweisend, würde einen ignorieren, wollte den eigenen Blumenbeeten schaden (etc. etc.). D.h. man steigert sich schnell in etwas hinein, was nicht wirklich der Wahrheit entspricht (oder nur in Teilen).
Vor allem dem jungen Mann mit dem Klavier ist die Obsession deutlich anzumerken. Wie aber ist dem Mann zu helfen? Wie kann man jemanden aus einem falschen Glauben herausholen. Vor allem, wenn die Welt so komplex ist, wie sie ist?
Irgendwie habe ich mir das auch etwas anders vorgestellt. Es gäbe Phasen, bei denen die zweite Persönlichkeit zutage tritt und dann würde es wieder Phasen der Normalität geben. Das war wohl eher eine falsche Vorstellung. So was gibt's vielleicht nur in Hollywood?
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Bananenfischin
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BeitragVerfasst am: 06.01.2021 09:52    Titel: Antworten mit Zitat

BlueNote hat Folgendes geschrieben:
Es gäbe Phasen, bei denen die zweite Persönlichkeit zutage tritt und dann würde es wieder Phasen der Normalität geben. Das war wohl eher eine falsche Vorstellung. So was gibt's vielleicht nur in Hollywood?


Vielleicht ist es nur einer schnellen und dadurch ungenauen Formulierung geschuldet, aber ich will es trotzdem mal klarstellen, weil es eben, Stichwort Hollywood, oft durcheinandergeworfen wird oder wurde: Das Krankheitsbild Schizophrenie ist nicht durch das Merkmal einer "zweiten" oder "gespaltenen" Persönlichkeit gekennzeichnet. Da würde man von einer dissoziativen Identitätsstörung sprechen.


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»Ob ich mir eine Dramatisierung meiner Bücher vorstellen kann? Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen, in meinen letzten vier Büchern gibt es keine Handlung.« (Andreas Maier im Gespräch mit Raimund Fellinger, 2015)
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Merlinor
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BeitragVerfasst am: 06.01.2021 11:45    Titel: Antworten mit Zitat

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BlueNote
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BeitragVerfasst am: 06.01.2021 12:33    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke ihr zwei für die Tipps!

Ein Roman, den ich vor fast 30 Jahren geschrieben habe, hatte dann wohl die "dissoziativen Identitätsstörung" als Grundlage, oder sie zumindest als "Metapher" verwendet. Je mehr ich mich mit der Thematik beschäftige, je weniger halte ich es für möglich, die Situation aus einer inneren Perspektive heraus beschreiben zu können. Ähnlich erging es mir kürzlich mit Drogenerfahrungen. Die literarisch zu verarbeiten, dafür muss man wohl selber durch das Höllental gegangen sein.
Gut! Im Roman können solche Extremthemen nur am Rande vorkommen (und besser aus der Außenperspektive heraus, d.h. dass beobachtete Eindrücke geschildert werden), außer man ist Experte und will der Welt etwas sagen (über eine Krankheit z.B.).
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Nina C
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BeitragVerfasst am: 11.01.2021 04:01    Titel: Antworten mit Zitat

Ein absoluter Klassiker wäre:
„Ich hab dir nie einen Rosengarten versprochen“, beruht auf Erfahrungen der Autorin und ich fand ihn selbst auch sehr faszinierend.
(https://de.wikipedia.org/wiki/Ich_hab_dir_nie_einen_Rosengarten_versprochen_%28Roman%29 )

Liebe Grüße

Nina


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Wenn ihr nicht die gequälten Sklaven der Zeit sein wollt, macht euch trunken, ohn’ Unterlass! Mit Wein, mit Poesie mit Tugend, wie es euch gefällt. (Charles Baudelaire)
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DerAndreas
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BeitragVerfasst am: 12.01.2021 13:18    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Blue Note.
Ich weiß nicht, in welche Richtungen deine Rechercheabsicht gehen, aber es gibt ein PC-Spiel mit dem Namen "Hellblade: Senuas Sacrifice" dessen Protagonistin eine an schweren psychotischen Wahnvorstellungen leidende, keltische Kriegerin ist.

Das Spiel wurde mehrfach für seine präzise Darstellung von Psychosen gelobt und macht das Erleben einer solchen für nicht betroffene Menschen Visuell und Auditiv greifbar. Z.B. hört man die ganze Zeit über die Stimmen, die auch die Protagonistin hört und erlebt immer wieder Schübe in denen Senuas Wahnvorstellungen so weit in die Realität einsickern, dass am Ende absolut unklar bleibt, was im Spiel nun wirklich passiert ist, und was nur in Senuas Kopf.

Die Entwickler haben während der Arbeit an dem Spiel eng mit mehreren Psychologen, Neurowissenschaftlern und gemeinnützigen Hilfsorganisationen für psychisch Kranke zusammengearbeitet.

Näher an das erleben einer Psychose wird man wohl bis auf weiteres nicht kommen.

Liebe Grüße![/u]
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V.K.B.
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BeitragVerfasst am: 12.01.2021 14:45    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Näher an das erleben einer Psychose wird man wohl bis auf weiteres nicht kommen.
Oh ja, Hölle, ich schließe mich an. Da sage nochmal jemand, das Medium Videospiel sei trivial. Wenn man das einen ganzen Abend gespielt hat, fängt man schon an, die kommentierenden Stimmen zu vermissen und in seiner Umgebung nach übereinanderlegbaren Mustern zu schauen. Das ist wirklich Schizophrenie-Simulator, intensiver geht’s wohl kaum noch.

Übrigens lohnt es sich auch, das Making-of und Bonusmaterial anzusehen (gab es bei der PS4-Version). Die haben nicht nur sehr gut recherchiert und mit medizinischen Institutionen zusammengearbeitet, sondern auch Betroffene interviewt, sich von denen beraten und sie das Spiel auf zutreffende Darstellung bewerten lassen. Auch wenn du, BlueNote, mit Computerspielen vermutlich nichts am Hut hast, das lohnt sich wirklich zur Recherche. Mir hat es sehr geholfen, die Cee-Ebene vom ersten Großvater-Band zu schreiben, falls du dich an Cee und ihre Wahnvorstellungen erinnerst, da habe ich viel von Hellblade gelernt und übernommen (wenn auch nicht inhaltlich, aber von der inneren Figurenlogik (falls man bei einer solchen Figur von Logik sprechen kann)),

Edit/Add: Ich weiß nicht, wie gut die deutsche Synchro von Hellblade ist (sollte es eine geben), ich habe eine englische Version gespielt. Aber ich könnte mir vorstellen, da könnte man viel kaputtmachen. Wenn du nicht selbst spielen willst und es dir nur um die Darstellung geht, könntest du dir ein Youtube-Playthrough ansehen, dabei fehlt dann aber natürlich die Immersion-Dimension, die die Erfahrung so intensiv macht.


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Merlinor
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BeitragVerfasst am: 12.01.2021 15:15    Titel: Antworten mit Zitat

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BeitragVerfasst am: 12.01.2021 15:37    Titel: Antworten mit Zitat

Merlinor hat Folgendes geschrieben:
.
. *Klick*

Und hier noch ein Zeit-online Artikel zum Spiel: https://www.zeit.de/digital/games/2017-08/hellblade-senuas-sacrifice-spiel-psyche


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Leveret Pale
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BeitragVerfasst am: 12.01.2021 19:21    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn du nach einem literarischen Betroffenenbericht suchst, dann sind die Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken von Daniel Paul Schreber ein "Klassiker", den du auf jeden Fall lesen solltest. Das Buch ist bereits 1903 erschienen und darin beschreibt der Jurist Schreiber detailiert den Verlauf seiner Psychose - angefangen bei den eher harmlosen Symptomen bis hin zu den vollausgewachsenen Wahnvorstellungen und der Einweisung in die Psychiatrie, inklusive seiner subjektiven Erklärungen und Rationalisierungen. Das Buch ist ziemlich detailiert und wurde als Fall von Freud, Jung und so ziemlich allen anderen bedeutenden Psychologen, Psychiatern und Psychoanalytikern des vergangenen Jahrhunderts durchseziert.

https://en.wikipedia.org/wiki/Daniel_Paul_Schreber
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BeitragVerfasst am: 12.01.2021 19:26    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Leudeee ... ihr seid super!

Der Song I never promised you a rose garden hat aber nichts mit dem Buch zu tun, oder?

Ich kann mir vorstellen, dass man durch ein Computerspiel tief in die Empfindung eines Betroffenen eintauchen kann, aber ich habe ja bereits Verfolgungswahn von Packman auf CGA-Grafikkarte (die immer ganz hoch gepiepst hat), gekriegt. Aber das Video würde mich schon interessieren (so lange ich noch zwei gesunde Hände habe, kommt mir kein Computerspiel ins Haus!) wink

Und vielleicht ist es tatsächlich gut, alte Bücher über das Thema zu lesen, weil damals möglicherweise direkter darüber geschrieben wurde.
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DerAndreas
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BeitragVerfasst am: 13.01.2021 00:35    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe zwar das making oft nicht, aber bei dem Verfolgungswahn kann dieser kurze Ausschnitt vielleicht schon helfen wink

https://www.youtube.com/watch?v=ODg8_OBQhYE

@VKB ich glaube nicht, dass es eine deutsche Synchro gibt, wobei das bei Hellblade sicherlich kein Problem wäre, da die Motion-Capture-Akteurin von Senua ja eine deutsche Laiendarstellerin ist.
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Merlinor
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BeitragVerfasst am: 13.01.2021 15:00    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Leute

Hm ... es ist ein schwieriges Thema: Ein Spiel wie Hellblade zeigt leider nur die „negative“, bedrohliche und beängstigende Seite einer derartigen psychischen Störung. Das muss aber nicht so sein, denn es geht auch anders: Ich erinnere mich an ein langes Gespräch, das ich vor vielen Jahren mit einer jungen Patientin in einem Landeskrankenhaus führte. Es dauerte bis tief in die Nacht hinein.

Es ging darum, dass die junge Frau ihre Psychosen nicht aufgeben wollte, weil sie diese genoss.
Die Verzerrung ihrer Wahrnehmung tauchte „ihre“ Welt in ein wundervolles, freundliches und friedliches Licht, die Stimmen waren ihre Freunde, es gab viel zu lachen, sie hatte enormen Spaß. Daran wollte sie festhalten, denn durch ihre Psychose lebte sie in einer schönen, freundlichen und bunten Welt.

Leider ging das nicht im Einklang mit der realen Welt: Sie „geisterte“ damals mehrere Monate lang durch Frankreich, feierte viel und stellte dabei so allerlei an. Da sie am Ende der Überzeugung war, dass alles in der Welt frei verfügbar sei, nahm sie sich, was immer sie wollte und gab freigiebig davon ab. Unter anderem veranstaltete sie große Feste in Lokalen, frei für alle Gäste und kam natürlich in Probleme, wenn die Wirte am Ende mit der Rechnung kamen.

Sie hatte viel Spaß dabei, die Welt war rosarot und die Stimmen in ihrem Kopf rieten ihr zu allerlei Kapriolen und Schabernack. Am Ende wurde sie festgesetzt und zurück nach Deutschland in die Psychiatrie verfrachtet. Auf Grund eines Gerichtsbeschlusses musste sie sich einer medikamentösen Behandlung unterziehen, wenn sie wieder frei kommen wollte.

Das war um das Jahr 1979 herum, zu Zeiten, als die Reform der Psychiatrie noch im Aufbruch war.
Wie gesagt, unser Gespräch dauerte viele Stunden lang. Es war sehr offen, denn sie vertraute mir mehr als den behandelnden Ärzten, da ich damals ebenfalls Patient in der Klinik war. Aufgrund eines Nervenzusammenbruchs, den ich in Italien erlitten hatte, nachdem jemand mir über einen längeren Zeitraum mit einem Rasiermesser die Kehle zu durchschneiden drohte, hatte ich mich damals auf den Weg zurück nach Deutschland gemacht und erst einmal selbst in die Psychiatrie eingewiesen.

Als Mitpatient hat man oft einen leichteren Zugang zu anderen Patienten und ich muss gestehen, dass ich mit der jungen Frau sympathisierte. Ich konnte gut verstehen, dass sie ihre wunderbaren Psychosen nicht aufgeben wollte, aber auf der anderen Seite war auch klar, dass sie in einem solchen Zustand in der realen Welt nicht mehr lebensfähig war. Wir waren ratlos. Es gab offenbar nur den Ausweg, der Medikation zuzustimmen, wenn sie wieder freikommen wollte. Ich glaube, ich riet ihr damals dazu, sich darauf einzulassen, aber glücklich bin ich damit bis heute nicht.

Am Ende stimmte sie wohl den Ärzten zu, sich medikamentös behandeln zu lassen. Damals war die Medizin auf diesem Gebiet leider noch nicht sehr weit und die verabreichten Medikamente waren ziemliche „Hämmer“. Wir „normalen“ Patienten nannten die so behandelten Patienten deshalb die „Zombies“.
Am nächsten Tag sah ich sie noch einmal. Sie ging lähmend langsam mit leerem, apathischem Gesichtsausdruck vorbei, ohne Notiz von mir zu nehmen. Dann verschwand sie in den Tiefen des Landeskrankenhauses auf einer anderen Station und ich sah sie nie wieder ...

LG Merlinor


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Ribanna
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BeitragVerfasst am: 13.01.2021 15:56    Titel: Antworten mit Zitat

Mir ist noch "Aufschrei" von Trudi Chase (?) eingefallen, das habe ich vor zig-Jahren mal gelesen und beschreibt das Problem multipler Persönlichkeiten ganz gut.

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BeitragVerfasst am: 13.01.2021 15:58    Titel: Antworten mit Zitat

@Merlinor: Traurige Geschichte!
Ich würde bei Senua aber ähnlich argumentieren und nicht sagen, dass ihre Psychosen komplett negativ dargestellt sind. Sie ist eine Ausgestoßene ihrer Gesellschaft, weil ihre Mutter von einem Fluch befallen (=geisteskrank) war und man davon ausgeht, sie habe den Fluch geerbt und würde nur Unglück über die Gemeinschaft bringen, so wird ihr zum Beispiel der Ausbruch einer Seuche und ein Feuer angelastet. Es war früher in einigen Gesellschaften (Japan z.B. auch) üblich, Alte und Kranke, die man nicht mehr haben wollte, einfach im Wald auszusetzen und dort dem Tod zu überlassen. Eigentlich auch Senuas "Bestimmung". Aufgrund ihrer Psychosen überlebt sie aber allein in der Wildnis, denn die Psychosen geben ihr einen Sinn und Lebenswillen zurück. Statt sich ihrem Schicksal zu ergeben, begibt sie sich auf eine Heldenreise (die wohl größtenteils nur in ihrem Kopf stattfindet), um nach einem Wikinigerüberfall den nordischen Göttern im Kampf gegenüberzutreten und die Seele ihres (möglicherweise imaginären) Geliebten aus Helheim zu befreien. Das ist zwar finster, aber es gibt ihr einen Sinn und eine Daseinsberechtigung, die ihre Gesellschaft ihr abgesprochen hat.


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