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Erster Satz Fantasyroman

 
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Elbenkönigin1980
Reißwolf


Beiträge: 1116



BeitragVerfasst am: 16.12.2020 00:58    Titel: eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich schreibe gerade einen Fantasyroman, und das hier ist der erste Satz davon, mich würde mal interessieren, wie ihr den findet:

Seit fast fünfzig Jahren stand das heruntergekommene Bauernhaus am Dorfrand, hinter dem ein Feldweg an mehreren Wiesen vorbei zum Wald führte, leer.

Mein Lieblingsbuchanfang ist aus Stephen Kings erstem Band "Schwarz" der "Dunkle Turm Sage:

"Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste und der Revolvermann folgte ihm.

Der Clou dabei ist, dass das auch das Ende des siebten Bandes ist, der gleiche Satz. Das fand ich echt genial, wer wissen möchte, was es damit auf sich hat, sollte das mal lesen.
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Tintenschwert
Geschlecht:weiblichGänsefüßchen


Beiträge: 22
Wohnort: Hessen


BeitragVerfasst am: 16.12.2020 08:44    Titel: Antworten mit Zitat

Elbenkönigin, das ist ein Bild, dass man sich gut vorstellen kann. Aber noch besser fände ich das als zweiten Satz, denn es hat etwas von einem Still-Leben: Man kann sich etwas vorstellen, tut es auch, aber es fesselt einen nicht notwendig. Probiere doch mal aus, sprachlich vom Zoom in die Totale zu gehen. Einen ersten Satz voranstellen, der IN dem Haus oder direkt an dem Haus spielt und in dem sich vielleicht ein bemerkenswertes Gesicht in einer Fensterscherbe spiegelt, die im Rahmen steckt und grade groß genug ist, um eine besonders krumme Nase zu zeigen oder wo eine Treppe stöhnt, unter dem Tritt eines schweren Schrittes (oder wispert unter einem ganz ganz leichten, Elfenhaften?)... Dann, wenn der Leser sich fragt, WO das stattfindet und WER da durchs Haus geistert, dann schieb deinen ersten Satz als Erklärung nach, was meinst Du?

_________________
Der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem beinahe richtigen ist derselbe Unterschied wie zwischen dem Blitz und einem Glühwürmchen
Mark Twain
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SilkeE
Gänsefüßchen


Beiträge: 26
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 17.12.2020 19:46    Titel: Antworten mit Zitat

Elbenkönigin1980 hat Folgendes geschrieben:


Seit fast fünfzig Jahren stand das heruntergekommene Bauernhaus am Dorfrand, hinter dem ein Feldweg an mehreren Wiesen vorbei zum Wald führte, leer.


Hallo! Ich wage mal unbekannterweise ein Feedback. Mich stört im Lesefluss das nachgeschobene "leer". Ansonsten ist der Anfang ok - also neugierig machend, wenn auch ein wenig verschachtelt und lang.

Noch besser fände ich es, wenn du a) zeigen würdest, dass das Bauernhaus heruntergekommen ist, statt es zu sagen (z.B. Löcher im Dach, eingeschlagene Scheiben, umgeschnittenes Gras, kaputter Zaun, was weiß ich), bzw. b) wenn du das Bild beleben würdest (eine Tür schlägt im Wind, Vögel nisten unter der Traufe, ein herrenloses Schwein wühlt vor der Tür).
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Kiara
Geschlecht:weiblichReißwolf

Alter: 41
Beiträge: 1484
Wohnort: bayerisch-Schwaben


BeitragVerfasst am: 17.12.2020 20:39    Titel: Antworten mit Zitat

Sollte so etwas nicht in die Werkstatt?
Lieb frag...


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Zum Schweigen fehlen mir die Worte.

- Düstere Lande: Das Mahnmal (2018)
- Düstere Lande: Schatten des Zorns (2020)
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Bananenfischin
Geschlecht:weiblichShow-don't-Tellefant

Moderatorin

Beiträge: 5376
Wohnort: NRW
Goldene Feder Prosa Pokapro IV & Lezepo II
Silberne Harfe



BeitragVerfasst am: 20.12.2020 01:26    Titel: Antworten mit Zitat

An eine geeignetere Stelle verschoben.

_________________
»Ob ich mir eine Dramatisierung meiner Bücher vorstellen kann? Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen, in meinen letzten vier Büchern gibt es keine Handlung.« (Andreas Maier im Gespräch mit Raimund Fellinger, 2015)
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Rodge
Geschlecht:männlichKlammeraffe


Beiträge: 734
Wohnort: Hamburg


BeitragVerfasst am: 20.12.2020 08:56    Titel: Antworten mit Zitat

Ich finde auch, dass das ein gelungener Satz ist, allerdings stört auch meinen Lesefluß, dass das Haus erst am Ende leer ist (die Information somit zu weit "weg" vom Haus ist). Ich versuche es mal mit einer Variation (soll keine Belehrung sein, sondern nur zeigen, was ich meine...)

Das Haus stand seit über 50 Jahren leer. Es war vermutlich mal ein Bauernhaus, so genau konnte man das nicht mehr erkennen. Auch die Zuwege am Rande der kleinen Stadt waren so wenig benutzt, dass man Mühe hatte, es überhaupt zu finden...
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Ralphie
Geschlecht:männlichForenonkel

Alter: 68
Beiträge: 5408
Wohnort: 50189 Elsdorf/Rhld.
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BeitragVerfasst am: 20.12.2020 09:20    Titel: Antworten mit Zitat

Sehr gut, Rodge.

 Daumen hoch


_________________
LG
Ralphie
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Stefanie
Reißwolf


Beiträge: 1483



BeitragVerfasst am: 20.12.2020 12:13    Titel: Antworten mit Zitat

Elbenkönigin1980 hat Folgendes geschrieben:

Mein Lieblingsbuchanfang ist aus Stephen Kings erstem Band "Schwarz" der "Dunkle Turm Sage:
"Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste und der Revolvermann folgte ihm.


Das Geniale an dem Satz ist, dass er eine komplette Situation erschafft.

Wer tut etwas? > der Mann in Schwarz
Was tut er? > er flieht
Wohin fliegt er? > in die Wüste
Wer ist der Gegner? > der Revolvermann
Was tut der? > er folgt ihm

Protagonist, Antagonist, Setting, Handlung, Aufbau von Spannung, weil man sich fragt, was passiert, wenn der Revolvermann den Mann in Schwarz einholt.

Dein Satz zeigt nur das Setting, das Haus. Man kann sich fragen, ob die Geschichte davon handelt, warum es leersteht, oder ob jemand kommt und dann dort etwas geschieht, aber es ist alles sehr vage.
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Maunzilla
Reißwolf


Beiträge: 1062



BeitragVerfasst am: 22.12.2020 02:31    Titel: Antworten mit Zitat

Der Satz klingt für mich recht schwerfällig und leblos. Das liegt daran, daß er nur nüchtern eine Tatsache feststellt, aber dem Leser nichts vor Augen führt.
Ich würde versuchen, den Leser bildlich zu dem Hause führen. Ungefähr so:

Hinter dem Dorfe an der alten Landstraße, die mitten durch blühende Wiesen, vorbei an Feldern voll wogenden Kornes und Klatschmohns, nach dem Walde von XX führte, erhoben sich die vom Alter und Wetter gebleichten Mauern des alten Bauernhauses. Seit mehr als fünfzig Jahren stieg kein Rauch mehr aus dem windschiefen Schornstein gen Himmel, blieb der Zaun ungestrichen, der kleine Stall aus groben Brettern gezimmert verwaist...


Das geht sicher noch besser. ^^" Was ich damit zeigen will, ist daß man Stimmungen und Bilder in den Köpfen der Leser heraufbeschwören sollte.


_________________
"Im Internet weiß keiner, daß du eine Katze bist." =^.^=
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Merlinor
Geschlecht:männlichArt & Brain

Alter: 69
Beiträge: 8310
Wohnort: Bayern
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BeitragVerfasst am: 22.12.2020 12:59    Titel: Antworten mit Zitat

Elbenkönigin1980 hat Folgendes geschrieben:
... Seit fast fünfzig Jahren stand das heruntergekommene Bauernhaus am Dorfrand, hinter dem ein Feldweg an mehreren Wiesen vorbei zum Wald führte, leer ...


Hallo Elbenkönigin

Ich finde den Satz auch nicht ganz glücklich. Einige Gründe haben Dir meine Vorredner schon genannt.
Mich selbst stört besonders, dass er ein unnötiges inhaltliches Element enthält: Der "Feldweg, der an mehren Wiesen vorbei in den Wald führt" muss da nicht rein, denn diese Information treibt die Handlung nicht an. Sie ist unnütze Folklore, die dem Satz nichts gibt, sondern nur Geschwindigkeit aus Satz und Handlung herausnimmt. Wenn der Feldweg später einmal für die Handlung wichtig werden sollte, kannst Du ihn immer noch einführen.

Besser wäre es meiner Meinung nach, den ersten Satz einfach auf das Wesentliche zu konzentrieren:
"Seit fünfzig Jahren stand das heruntergekommene Bauernhaus am Dorfrand leer."
Mehr braucht es nicht für diesen ersten Satz.

Wenn Du in dem ersten Satz aber unbedingt mehr unterbringen willst, als nur diese Basisinformation, dann solltest Du ein Element anhängen, welches die Handlung vorantreibt. Zum Beispiel:
"Seit fünfzig Jahren stand das heruntergekommene Bauernhaus am Dorfrand leer, doch an diesem Abend schimmerte Licht aus einem der Fenster."
Und schon bist Du in der Handlung.

Aber wie gesagt: Eigentlich braucht es diesen Zusatz nicht direkt im ersten Satz, weil Du ohnehin mit den nächsten Sätzen in die Handlung einsteigen solltest.
Soweit mein Senf ... smile

LG Merlinor


_________________
„Ich bin fromm geworden, weil ich zu Ende gedacht habe und nicht mehr weiter denken konnte.
Als Physiker sage ich Ihnen nach meinen Erforschungen des Atoms:
Es gibt keine Materie an sich, Geist ist der Urgrund der Materie.“

MAX PLANCK (1858-1947), Mailand, 1942
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Vogelsucher
Geschlecht:männlichLeseratte

Alter: 15
Beiträge: 117



BeitragVerfasst am: 22.12.2020 14:31    Titel: Antworten mit Zitat

Staub trübte die Lichtstrahlen, die durch die Scheibe in leere Kammern suppten. Seit fünfzig Jahren ruhte das Bauernhaus verlassen am Pfade, der sich durch die Wiesen dem Walde zuwand.

(Das Dativ-E kann natürlich weggelassen werden, aber ohne es klingen die Wörter so stumpf abgehackt; ich bedauere, dass es aus der Mode gekommen ist.)
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Circum
Geschlecht:männlichKlammeraffe

Alter: 31
Beiträge: 865



BeitragVerfasst am: 23.12.2020 11:08    Titel: Antworten mit Zitat

Merlinor hat Folgendes geschrieben:
Besser wäre es meiner Meinung nach, den ersten Satz einfach auf das Wesentliche zu konzentrieren:
"Seit fünfzig Jahren stand das heruntergekommene Bauernhaus am Dorfrand leer."
Mehr braucht es nicht für diesen ersten Satz.


Volle Zustimmung. 💪🏻
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Mumienfreund
Leseratte


Beiträge: 118



BeitragVerfasst am: 23.12.2020 11:37    Titel: Antworten mit Zitat

Elbenkönigin1980 hat Folgendes geschrieben:


Seit fast fünfzig Jahren stand das heruntergekommene Bauernhaus am Dorfrand, hinter dem ein Feldweg an mehreren Wiesen vorbei zum Wald führte, leer.

Mein Lieblingsbuchanfang ist aus Stephen Kings erstem Band "Schwarz" der "Dunkle Turm Sage:

"Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste und der Revolvermann folgte ihm.


Stefanie hat es eigentlich schon auf den Punkt gebracht.

Bei King haben wir es gleich mit zwei Charakteren zu tun: Dem Mann in Schwarz und dem Revolvermann.

Wenn man Wert auf den ersten Satz legt, dann sollte er ein Versprechen enthalten. Bei King funktioniert das, bei deinem Haus nicht, denn King wirft hier gleich mehrere Fragen auf.
1.) Wer oder was ist ein Revolvermann? Hat das was mit einem Western zu tun?
2.) Wer oder was ist der Mann in Schwarz? Der Tod?
3.) Warum folgt er ihm?
4.) Warum eine Wüste? Wer verfolgt jemand anderen durch eine Wüste?

Das macht neugierig.
 
Bei deinem Satz haben wir ein leerstehendes Bauernhaus am Dorfrand und seit fast fünfzig Jahren leer steht. Der Feldweg und die Wiesen sind unwichtig, außer, dass sie vielleicht ein Idyll hervorrufen könnten.
Die Fragen also lauten:

1.) Warum steht es leer
2.) Was ist das für ein Dorf?

Das Problematische ist dabei, dass sich nach diesem Satz die Story in jede erdenkliche Richtung weiterentwickeln könnte. Der zweite Satz könnte z.B. lauten:

"Claire sah verträumt auf das heruntergekommene Haus, dass sie geerbt hatte. Mit viel Arbeit und Fleiß würde sie es zu einem Schmuckstück machen."

Dein Anfangssatz mach kein Versprechen, wie es weitergehen könnte. Er ist zu flexibel und daher letztendlich austauschbar und nichtssagend. Bei Kings Satz ist es nicht so einfach. Der erste Satz gibt die Richtung vor.

Du würdest deinen Satz in dieser Hinsicht verbessern, wenn du zumindest die Reaktion eines Charakters beim Anblick dieses Hauses beschreiben würdest.
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Vogelsucher
Geschlecht:männlichLeseratte

Alter: 15
Beiträge: 117



BeitragVerfasst am: 23.12.2020 18:08    Titel: Antworten mit Zitat

Nun, ich stimme hier manchen nicht ganz zu. Ich finde, der erste Satz sollte zwar den Leser neugierig machen, aber auch nicht mit allem überladen sein, was die Geschichte zu bieten hat. Schließlich ist es nicht der einzige, sondern der erste Satz, auf den unmittelbar ein zweiter und dritter folgt. Elbenkönigins Satz beschreibt ziemlich genau die Kulisse, auf der sich im nächsten Satz wahrscheinlich eine Handlung vollführen wird.

Das Zitat von Stephen King gefällt mir übrigens nicht übermäßig; es klingt schon ganz interessant, eignet sich aber für mich nicht unbedingt als Musterbeispiel.

Also: der Satz von Elbenkönigin ist ein kleiner Ausschnitt aus der Textstruktur, in welchem ich nicht alles vorwegzunehmen empfehle. Den Satz würde ich trotzdem in der Formulierung ausbessern (aber das ist mein Geschmack).
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meerenblau
Reißwolf


Beiträge: 1298



BeitragVerfasst am: 23.12.2020 19:08    Titel: Antworten mit Zitat

Hm, ich finde Kings Satz alles andere als genial. Ich lese ihn und denke mir, ja, schön für die Zwei, sollen sie machen, was kümmert es mich?

Maunzillas Satz allerdings empfinde ich als viel zu überladen. Da würde ich als Leser denken, meine Güte, wenn sie für den ersten Satz schon so lange braucht, ehe sie mal zu Potte kommt, wie wird das erst später sein?

Ich finde Elbenkönigins Satz gar nicht übel. Das Szenario wird aufgebaut, die erste Frage aufgeworfen, fertig. Nur den Einschub mit dem Feldweg würde ich weglassen, damit das "leer" am Ende des Satzes nicht so weit entfernt steht von dem, auf das es sich bezieht.
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V.K.B.
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Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
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BeitragVerfasst am: 23.12.2020 19:35    Titel: Antworten mit Zitat

Ich würde mir jetzt nicht den Kopf darüber zerbrechen, wie man den ersten Satz formuliert, bevor das Buch überhaupt geschrieben ist. Wenn man einen möglichst tollen ersten Satz haben will, kann man das beim Feinschliff machen, dann weiß man auch besser, wie und was das Buch jetzt trotz Planung wirklich geworden ist und was passt, um vielleicht eine Gesamtatmosphäre einzufangen. Wie Stephen King es in "The Dark Tower" gemacht hat. Den Satz fand ich immerhin so einprägsam, dass ich ihn mal als Hommage in meinem Buch als Kapitelanfang parodiert habe (»Der Rote Reiter floh durch die Wüste und keine Hölle folgte ihm nach. Auch kein Revolvermann, sondern lediglich ein Dutzend Wochenendkrimineller, von denen nur noch zehn übrig waren.«).

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Zaesh
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Beiträge: 11



BeitragVerfasst am: 10.03.2021 18:48    Titel: Antworten mit Zitat

Elbenkönigin1980 hat Folgendes geschrieben:
Seit fast fünfzig Jahren stand das heruntergekommene Bauernhaus am Dorfrand, hinter dem ein Feldweg an mehreren Wiesen vorbei zum Wald führte, leer.

Ich finde den Satz deswegen toll, weil es deiner ist!

V.K.B. hat Folgendes geschrieben:
Ich würde mir jetzt nicht den Kopf darüber zerbrechen, wie man den ersten Satz formuliert, bevor das Buch überhaupt geschrieben ist.

Würde ich zustimmen und dazu noch meinen heißgeliebten Kuchenvergleich herbeiziehen: Sich um den Satz auf diese Art und Weise zu kümmern, ist für mich, wie quer um die Welt zu reisen, um das teuerste Salz zu ergattern, wovon du dann eine Prise in die Backmischung reinstreust. Fazit: Man wird den Unterschied kaum schmecken.
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Hennessy
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Beiträge: 16
Wohnort: Stuttgart


BeitragVerfasst am: 10.03.2021 21:41    Titel: Antworten mit Zitat

Elbenkönigin1980 hat Folgendes geschrieben:
Ich schreibe gerade einen Fantasyroman, und das hier ist der erste Satz davon, mich würde mal interessieren, wie ihr den findet:

Seit fast fünfzig Jahren stand das heruntergekommene Bauernhaus am Dorfrand, hinter dem ein Feldweg an mehreren Wiesen vorbei zum Wald führte, leer.


Ich finde ihn zu vage, halte das Bild für zu oft gesehen und damit für austauschbar und es fehlt ein Protagonist (das kann aber auch ein Ort sein, dann muss er aber spezifischer sein).

Also kurzum: Dieser erste Satz sagt kaum etwas über die Geschichte, die folgt und macht mich dadurch auch nicht neugierig.
Lass mich das noch etwas ausführen:

Mit "vage" meine ich eben dieses Unspezifische, wenn ich mir diesen Satz als Bild vorstelle oder als Filmszene, dann ist da einfach nur ein Haus, dass ich viele Male vorher schon so ähnlich sah. Platon würde sagen, du beschreibst die "Idee" eines Hauses. Aber der Leser will keine Idee, er will das Konkrete, Fassbare. Mach es fassbar.
Ein Beispiel: "Die Sonne ging am Horizont unter." vs. "Die Sonne verschwand hinter den Hügeln, in denen Sancho Pancho seinen Tod finden sollte." Verstehst du, was ich meine?

"Zu oft gesehen" schlägt in dieselbe Kerbe: Ja gut da steht ein Bauernhaus. Aber heruntergekommene Bauernhäuser am Ortsrand gibt es viele, erst recht in diesem Genre. Mit dem ersten Satz geht der Vorhang auf, und du zeigst etwas, das andere genauso zeigen könnten und gezeigt haben. Zeig etwas, dass nur du zeigen kannst.

Der fehlende Protagonist zeigt sich dadurch, dass nicht klar wird, wessen Geschichte hier erzählt wird. Das kann durchaus ein Ort sein, die Geschichte eines Ortes. Aber dann muss der Ort wie eine Figur sein und nicht so vage. Wenn es kein Ort sein soll, wo ist dann die Person, um die es geht? Sicherlich muss diese Person nicht im ersten Satz auftreten oder erwähnt werden, aber doch irgendetwas, dass mit ihr in Verbindung steht oder schon aus ihrer Sicht gesehen wird - das erreicht die vage Beschreibung des Hauses nicht.

Hoffe, ich konnte dir etwas konstruktives Feedback geben - bitte nicht böse sein, ist nur meine Meinung und sicher sehen es auch viele anders.

Falls du mehr von mir dazu lesen möchtest, folge gern diesem Link: https://lektorat-bauer.de/erster-satz-text/
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Elbenkönigin1980
Reißwolf


Beiträge: 1116



BeitragVerfasst am: 10.03.2021 21:55    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hennessy hat Folgendes geschrieben:
Elbenkönigin1980 hat Folgendes geschrieben:
Ich schreibe gerade einen Fantasyroman, und das hier ist der erste Satz davon, mich würde mal interessieren, wie ihr den findet:

Seit fast fünfzig Jahren stand das heruntergekommene Bauernhaus am Dorfrand, hinter dem ein Feldweg an mehreren Wiesen vorbei zum Wald führte, leer.


Ich finde ihn zu vage, halte das Bild für zu oft gesehen und damit für austauschbar und es fehlt ein Protagonist (das kann aber auch ein Ort sein, dann muss er aber spezifischer sein).

Also kurzum: Dieser erste Satz sagt kaum etwas über die Geschichte, die folgt und macht mich dadurch auch nicht neugierig.
Lass mich das noch etwas ausführen:

Mit "vage" meine ich eben dieses Unspezifische, wenn ich mir diesen Satz als Bild vorstelle oder als Filmszene, dann ist da einfach nur ein Haus, dass ich viele Male vorher schon so ähnlich sah. Platon würde sagen, du beschreibst die "Idee" eines Hauses. Aber der Leser will keine Idee, er will das Konkrete, Fassbare. Mach es fassbar.
Ein Beispiel: "Die Sonne ging am Horizont unter." vs. "Die Sonne verschwand hinter den Hügeln, in denen Sancho Pancho seinen Tod finden sollte." Verstehst du, was ich meine?

"Zu oft gesehen" schlägt in dieselbe Kerbe: Ja gut da steht ein Bauernhaus. Aber heruntergekommene Bauernhäuser am Ortsrand gibt es viele, erst recht in diesem Genre. Mit dem ersten Satz geht der Vorhang auf, und du zeigst etwas, das andere genauso zeigen könnten und gezeigt haben. Zeig etwas, dass nur du zeigen kannst.

Der fehlende Protagonist zeigt sich dadurch, dass nicht klar wird, wessen Geschichte hier erzählt wird. Das kann durchaus ein Ort sein, die Geschichte eines Ortes. Aber dann muss der Ort wie eine Figur sein und nicht so vage. Wenn es kein Ort sein soll, wo ist dann die Person, um die es geht? Sicherlich muss diese Person nicht im ersten Satz auftreten oder erwähnt werden, aber doch irgendetwas, dass mit ihr in Verbindung steht oder schon aus ihrer Sicht gesehen wird - das erreicht die vage Beschreibung des Hauses nicht.

Hoffe, ich konnte dir etwas konstruktives Feedback geben - bitte nicht böse sein, ist nur meine Meinung und sicher sehen es auch viele anders.

Falls du mehr von mir dazu lesen möchtest, folge gern diesem Link: https://lektorat-bauer.de/erster-satz-text/


Danke für dein Feedback, das hilft mir wirklich weiter.
Nun, die Person kommt erst später ins Spiel, und in dem Haus verschwinden immer wieder Menschen spurlos, deswegen habe ich den Roman mit dem Haus angefangen.
Aber du hast wohl Recht, es ist vielleicht besser, wenn ich das ändere und mir einen anderen ersten Satz für den Roman überlege.
Ich dachte halt nur, dass das Haus, da es ein wichtiger Bestandteil der Handlung ist, gut als Start in den Roman wäre.
Aber da fällt mir bestimmt noch was ein, wie ich einen der Hauptprotas gleich im ersten Satz in den Roman einbauen kann.
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Elbenkönigin1980
Reißwolf


Beiträge: 1116



BeitragVerfasst am: 10.03.2021 21:57    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

V.K.B. hat Folgendes geschrieben:
Ich würde mir jetzt nicht den Kopf darüber zerbrechen, wie man den ersten Satz formuliert, bevor das Buch überhaupt geschrieben ist. Wenn man einen möglichst tollen ersten Satz haben will, kann man das beim Feinschliff machen, dann weiß man auch besser, wie und was das Buch jetzt trotz Planung wirklich geworden ist und was passt, um vielleicht eine Gesamtatmosphäre einzufangen. Wie Stephen King es in "The Dark Tower" gemacht hat. Den Satz fand ich immerhin so einprägsam, dass ich ihn mal als Hommage in meinem Buch als Kapitelanfang parodiert habe (»Der Rote Reiter floh durch die Wüste und keine Hölle folgte ihm nach. Auch kein Revolvermann, sondern lediglich ein Dutzend Wochenendkrimineller, von denen nur noch zehn übrig waren.«).


Und das Genialste bei dem Anfangssatz bei Stephen King ist folgendes:

der erste Satz des ersten Romans ist auch der letzte Satz des siebten und letzten Bandes, weil der Revolermann, wie der Mann im Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" , als er den Turm erreicht, immer wieder am Anfang seiner Suche erneut beginnen muss, der Turm bringt ihn nur zum Anfang zurück
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Hennessy
Geschlecht:männlichGänsefüßchen


Beiträge: 16
Wohnort: Stuttgart


BeitragVerfasst am: 11.03.2021 15:12    Titel: Antworten mit Zitat

Elbenkönigin1980 hat Folgendes geschrieben:
Hennessy hat Folgendes geschrieben:
Elbenkönigin1980 hat Folgendes geschrieben:
Ich schreibe gerade einen Fantasyroman, und das hier ist der erste Satz davon, mich würde mal interessieren, wie ihr den findet:

Seit fast fünfzig Jahren stand das heruntergekommene Bauernhaus am Dorfrand, hinter dem ein Feldweg an mehreren Wiesen vorbei zum Wald führte, leer.


Ich finde ihn zu vage, halte das Bild für zu oft gesehen und damit für austauschbar und es fehlt ein Protagonist (das kann aber auch ein Ort sein, dann muss er aber spezifischer sein).

Also kurzum: Dieser erste Satz sagt kaum etwas über die Geschichte, die folgt und macht mich dadurch auch nicht neugierig.
Lass mich das noch etwas ausführen:

Mit "vage" meine ich eben dieses Unspezifische, wenn ich mir diesen Satz als Bild vorstelle oder als Filmszene, dann ist da einfach nur ein Haus, dass ich viele Male vorher schon so ähnlich sah. Platon würde sagen, du beschreibst die "Idee" eines Hauses. Aber der Leser will keine Idee, er will das Konkrete, Fassbare. Mach es fassbar.
Ein Beispiel: "Die Sonne ging am Horizont unter." vs. "Die Sonne verschwand hinter den Hügeln, in denen Sancho Pancho seinen Tod finden sollte." Verstehst du, was ich meine?

"Zu oft gesehen" schlägt in dieselbe Kerbe: Ja gut da steht ein Bauernhaus. Aber heruntergekommene Bauernhäuser am Ortsrand gibt es viele, erst recht in diesem Genre. Mit dem ersten Satz geht der Vorhang auf, und du zeigst etwas, das andere genauso zeigen könnten und gezeigt haben. Zeig etwas, dass nur du zeigen kannst.

Der fehlende Protagonist zeigt sich dadurch, dass nicht klar wird, wessen Geschichte hier erzählt wird. Das kann durchaus ein Ort sein, die Geschichte eines Ortes. Aber dann muss der Ort wie eine Figur sein und nicht so vage. Wenn es kein Ort sein soll, wo ist dann die Person, um die es geht? Sicherlich muss diese Person nicht im ersten Satz auftreten oder erwähnt werden, aber doch irgendetwas, dass mit ihr in Verbindung steht oder schon aus ihrer Sicht gesehen wird - das erreicht die vage Beschreibung des Hauses nicht.

Hoffe, ich konnte dir etwas konstruktives Feedback geben - bitte nicht böse sein, ist nur meine Meinung und sicher sehen es auch viele anders.

Falls du mehr von mir dazu lesen möchtest, folge gern diesem Link: https://lektorat-bauer.de/erster-satz-text/


Danke für dein Feedback, das hilft mir wirklich weiter.
Nun, die Person kommt erst später ins Spiel, und in dem Haus verschwinden immer wieder Menschen spurlos, deswegen habe ich den Roman mit dem Haus angefangen.
Aber du hast wohl Recht, es ist vielleicht besser, wenn ich das ändere und mir einen anderen ersten Satz für den Roman überlege.
Ich dachte halt nur, dass das Haus, da es ein wichtiger Bestandteil der Handlung ist, gut als Start in den Roman wäre.
Aber da fällt mir bestimmt noch was ein, wie ich einen der Hauptprotas gleich im ersten Satz in den Roman einbauen kann.


Gern, freut mich, wenn ich helfen konnte.

So wie du es erzählst, geht es also teilweise um das Haus, teilweise um den Protagonist - vielleicht lässt sich das auch verbinden, der Protagonist steht vor dem Haus oder sieht es das erste Mal etc. (dann wäre es sicher schön, es bereits aus seiner gefärbten Perspektive zu beschreiben, vllt auch mit einer Sinneswahrnehmung seinerseits).
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Levo
Leseratte


Beiträge: 128



BeitragVerfasst am: 11.03.2021 15:38    Titel: Antworten mit Zitat

Elbenkönigin1980 hat Folgendes geschrieben:
Ich schreibe gerade einen Fantasyroman, und das hier ist der erste Satz davon, mich würde mal interessieren, wie ihr den findet:

Seit fast fünfzig Jahren stand das heruntergekommene Bauernhaus am Dorfrand, hinter dem ein Feldweg an mehreren Wiesen vorbei zum Wald führte, leer.


So ganz prinzipiell finde ich den Hype um den ersten Satz übertrieben. Hören wirklich Leute auf, nach dem ersten Satz weiterzulesen? Wink
Aber gut, wenn ich nur anhand dieses Satzes entscheiden müsste, würde ich wahrscheinlich nicht weiterlesen. Natürlich ist es schwer, anhand eines Satzes ein Setting, eine Atmosphäre oder einen Ausblick auf die Handlung heraufzubeschwören, aber Stephen Kings Beispiel schafft es, mit wenigen Worten und ohne Nebensatz genügend Assoziationen zu wecken. Eine Verfolgungsjagd spricht außerdem Urinstinkte an. Jagen oder gejagt zu werden, ist immer spannend, wenn nicht beängstigend. Der Leser hängt an der Angel. King beschwört einen Ur-Gefühl im Leser herauf.

Das alte Bauernhaus könnte das auch, aber dazu bräuchte es mehr als den optischen Eindruck mit langweiligen Feldwegen drumrum, die schon gleich wieder vom Haus ablenken und mit einem Nebensatz wegführen. Das Haus ist leer, der Wald dahinter aber nicht interessant genug, um im Hauptsatz vorgestellt zu werden. Ich finde als Leser keinen Halt.
Das ändert sich - so rein für mich gesprochen - schon, wenn Du den Nebensatz streichst. Aha, es geht um das Haus.
Wahrscheinlich würde ich dem Haus gleich am Anfang mehr Atmosphäre gönnen. Liegt es umgeben von Wiesen, auf denen das Heu abgeerntet ist? Dann könnte der Duft in der Luft liegen. Soll es verrottet sein, könnte der Muff im Inneren durch kaputte Fensterläden im düsteren Innern gehalten werden. Hört man den Lärm vom Dorfplatz dort noch oder schon das Zirpen der Grillen aus den Wiesen in der drückenden Spätsommerhitze?
Vielleicht wären mehr Sinneseindrücke drin als nur ein kurz über das Haus und in den Wald gleitender Blick. Zieh den Leser mit in den POV.
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