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Das Phänomen oder wie Hermine Blume ihre Unschuld verlor


 
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Katinka2.0
Geschlecht:weiblichEselsohr


Beiträge: 265



BeitragVerfasst am: 18.10.2020 18:00    Titel: Das Phänomen oder wie Hermine Blume ihre Unschuld verlor eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Das Phänomen oder wie Hermine Blume ihre Unschuld verlor



Dass etwas nicht stimmte, nicht stimmen konnte, erfasste sie erst, als das immanente Gefühl der Beklommenheit eine Intensität erreichte, die sie zunächst nur als störendes Signal in ihrem Bewusstsein wahrgenommen hatte, als eine diffuse Ansammlung von Reizen, die auf sie einwirkten und sich zunächst nicht einordnen ließen.
Es war, als käme sie zu sich, aus einem Schlaf oder einer Art Trance. Ihr Kopf fühlte sich wie in Watte gepackt. Zäh troffen Fragmente von Gedanken wie dickflüssiger Schleim durch ihren Verstand, verschwommene Bilder fügten sich zusammen und stoben wieder auseinander, bis ihr ganz elend zumute war und sie jäh aus ihrer Erstarrung erwachte.
Das Licht – sie erinnerte sich an das Licht.
Dort, wo das vergoldete Kreuz der Stadtkirche in den Himmel ragte, an der höchsten Stelle des Turms, hatte sich das Sonnenlicht gebrochen und sie mit seinem gleißenden Strahlen geblendet. Sie war stehen geblieben, hatte sich darin verloren und jetzt kam sie sich wie ein Fremdkörper vor – fehl am Platz.

Hermine Blume gab einer inneren Eingebung folgend nach, presste sich mit dem Rücken an das Schaufenster des hiesigen Einkaufszentrums und betrachtete mit wachsendem Befremden das Treiben auf der Straße.
So konturlos sie ihre Wahrnehmung in den letzten – waren es Minuten oder bereits Stunden? – Augenblicken erlebt hatte, so deutlich fügten sich die Bilder nun zu einem Schauspiel zusammen, das in ihr einen gehörigen Schrecken auslöste. Was ihr zunächst unfassbar erschien, verfestigte sich, als ein älteres Paar an ihr vorbeiging. Die Dame im safranfarbenen Kurzmantel hatte sich bei ihrem Mann eingehakt, einem betagten Herrn mit aristokratischer Nase, der in seiner freien Hand einen Gehstock führte. Bei jedem Schritt verursachte die metallene Spitze des Stocks, sobald sie das Kopfsteinpflaster berührte, ein Geräusch, das in seiner Monotonie an den verlangsamten Herzschlag eines Schlafenden erinnerte.

Dame und Herr unterhielten sich in gedämpften Ton und unterbrachen ihr Gespräch lediglich für die Dauer eines winzigen Augenblicks – den man genauso gut hätte nutzen können, um einen neuen Gedanken zu fassen – als sie Hermine bemerkten, die ihre Handflächen gegen die Glasscheibe presste und den Anblick, der sich ihr bot, zu begreifen versuchte. Frau und Mann hoben beinahe synchron eine Augenbraue, ließen sich jedoch nicht zu einem Nicken, die Art von bedeutungslosem Gruß, herab, das man allenfalls aus Höflichkeit zeigte, jedoch nie aus Interesse an seinem Gegenüber.
Dies alles – der Mann, die Frau, ihr herablassendes Verhalten – war nicht das, was Hermine gerade an ihrem Verstand zweifeln ließ. Das Merkwürdige, um nicht zu sagen Absurde an der Situation war die Tatsache, dass nicht nur das Ehepaar, sondern auch alle anderen Personen, die sie mit ihrem Blick erfassen konnte, rückwärts liefen!

Sie liefen allesamt rückwärts, als wäre es das Normalste auf der Welt, die Strecke, die man Schritt für Schritt hinter sich ließ, im Auge zu behalten, bis die Entfernung zu groß war, bis das Bild zu einem nebulösen Schemen verschwamm und man sich eingestehen musste, dass jeder Punkt, der einmal passiert wurde, sich in solch einen Schattenriss wandelte. Seltsamerweise stolperte niemand oder stieß irgendwo dagegen, sie alle erweckten den Eindruck, als liefen sie schon immer auf diese Weise.

Was war denn nur los? Hermine presste die Lider zusammen und schüttelte dabei den Kopf, in der Hoffnung, das Bild könnte sich beim nächsten Augenaufschlag normalisiert haben. Aber der Hoffnungsfunken löste sich in Wohlgefallen auf, unmittelbar, nachdem die visuellen Reize über die Sehnerven zu ihrem Gehirn gelangten und sich dort erneut zu demselben Anblick entpuppten, der bereits vor fünf Sekunden ihre Wahrnehmung erschüttert hatte. Die Passanten liefen immer noch verkehrt herum. Es schien, als wäre sie, ihre Außenwelt, in einen Zustand der Derealisation verfallen. Das konnte doch wohl nicht wahr sein! Träumte sie denn und das alles ereignete sich lediglich in ihrer Fantasie?
 
Hermine löste sich von der Glaswand und hielt den nächstbesten Fußgänger, einen jungen Mann, der in Eile schien und gerade auf seine Uhr blickte, beinahe panisch am Ärmel fest.
»Entschuldigen Sie bitte, aber kommt es Ihnen nicht merkwürdig vor, dass Sie rückwärts laufen?«
Der Mann sah erschrocken auf. Er musterte sie, als könnte ihr Gesicht ihm Aufschluss darüber geben, ob die Frage nun wirklich ernst gemeint war oder sie sich einen Scherz mit ihm erlaubte.
»Wie sollte ich denn sonst laufen?«, fragte er unsicher.
»Geradeaus natürlich!«
»Aber ich laufe doch geradeaus.« Der junge Mann runzelte die Stirn.
»Sie verstehen mich nicht.« Es war eine zutiefst unhöfliche Geste, was ihr durchaus bewusst war, und die Mutter würde sich im Grabe herumdrehen, sähe sie dieses ungehörige Benehmen ihrer Tochter, jedoch wusste sich Hermine in dem Moment nicht anders zu helfen. Sie streckte den Arm aus und zeigte mit dem Finger auf eine Gruppe von halbwüchsigen Schülern, die die Breite des gesamten Weges einnahmen und – wie sollte es anders sein – rückwärts an ihnen vorbeiliefen.
»Sehen Sie?«
»Was soll ich sehen?« Er blickte flüchtig um sich, kontrollierte aber im selben Atemzug die Anzeige auf seiner Uhr.

Obgleich sie die Gegenfrage schockierte, begann Hermine langsam zu begreifen – oder vielmehr bildete sie es sich ein – was hier wirklich vor sich ging.
Konnte es sein, dass der Mann blind durch Unaufmerksamkeit war?
Hermine erinnerte sich nicht daran, dieses Phänomen schon einmal erlebt zu haben. Zumindest nicht in diesem Ausmaß. Wenn man das Offensichtliche nicht sah, nicht sehen konnte, dann doch, weil man nicht zuließ, dass das Bild ins Bewusstsein gelangte. Nun gab es natürlich Geschehnisse, die man lieber nicht wahrnahm und dem Gehirn – bewusst oder unbewusst – den Befehl zum sehenden Nichtsehen gab, indem man seine Aufmerksamkeit dem Geschehen verweigerte.

Vielleicht war dies ein solcher Moment, überlegte Hermine.
»Halten Sie es für möglich«, sprach sie ihren Gedanken aus«, dass ein einzelner, intuitiver Impuls von einem Gehirn auf andere überspringt und auf diese Weise ein kollektives Verhaltensmuster auslöst?«
»Was für ein Unsinn!« Der junge Mann klang nun ungehalten. »So etwas gibt es nur in Horrorfilmen.« Verständnislosigkeit zeichnete sich in seinem Blick ab. Er schüttelte den Kopf und setzte ohne ein weiteres Wort seinen Weg in gleicher Manier fort. Das heißt, nicht ganz, er lief nun schneller, gehetzter, als müsste er die Minuten, die sie ihn mit ihren Fragen aufgehalten hatte, wieder wettmachen.
Nein. Hermine spürte, wie sich die Härchen auf ihren Armen aufrichteten, während sie ihm nachsah. Sie wusste nicht, weshalb die Erkenntnis so unvermittelt über sie hereinbrach, aber ihr Verstand sagte eindeutig: Er lief, als gälte es, seine ursprüngliche Position wieder einzunehmen, die sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt etwa 300 Meter weiter weg befand.

Hermine riss ihren Blick los und wendete sich ab. Im Schaufenster des Einkaufszentrums spiegelte sich auf groteske Weise das Schauspiel der Leute wider; es war, als säße sie allein in einem Kinosaal und jemand ließe den Film rückwärts laufen. Die Situation jagte ihr zunehmend Angst ein. Was, wenn dies alles real war? Wenn nun jeder von ihnen eine feste Position innehätte, gleich den Zahnrädern einer gewaltigen Maschine, die ineinander übergriffen und sich ohne Unterlass drehten, arbeiteten, dafür sorgten, dass die Maschine funktionierte? Was wäre, wenn sich eines dieser Zahnräder plötzlich lösen würde? Käme das System zum Stillstand? Könnte ein einzelnes, entgleistes Rädchen für eine Fehlfunktion sorgen?
Hermine starrte auf die Auslage hinter dem Glas und überlegte fieberhaft, was sie nun als Nächstes tun sollte.

Ihr Körper reagierte längst, während der Verstand noch inbrünstig an ein Trugbild glaubte. Was bis vor wenigen Augenblicken wie das Gewimmel einer Ameisenkolonie anmutete, war nun zu einem kompletten Stillstand gekommen. Hermine fühlte, wie ihr Herz schlagartig im Stakkato gegen ihre Rippen pochte, nahm die Gänsehaut wahr, die sich überall auf ihrem Körper ausbreitete und presste die Hände auf beide Ohren, die ob des Rauschens in ihrem Kopf schmerzhaft pulsierten; sie schaffte es jedoch nicht, ihren Blick von der Scheibe abzuwenden. Unzählige Passanten spiegelten sich darin, die auf ihrem Weg stehengeblieben waren, und in dieser Sekunde einvernehmlich Hermines Rücken fixierten. Es schien, als hätte jemand die Zeit angehalten und jegliches Leben eingefroren. Das alles kam ihr surreal vor und obwohl ein Teil von ihr immer noch überlegte, ob die Situation tatsächlich passierte, oder sich dies nur in einem Albtraum abspielte, aus dem sie einfach nicht erwachte, vermochte sie jenes Gefühl nicht abzuschütteln, die penetrante Anspannung, die von den Beobachtern ausging und sich auf sie übertrug.

Zahllose Augenpaare waren auf sie gerichtet und Hermine drängte sich der Gedanke auf, dass sie etwas Bestimmtes erwarteten. Gleichzeitig bemerkte sie ein Engegefühl in der Brust, das ihr das Atmen zunehmend erschwerte.
Sie warten auf mich.
Es war eine automatisch-intuitive Entscheidung, die letztendlich dazu führte, dass Hermine sich umdrehte, starr in die Richtung blickte, aus der sie gekommen war und zaghaft ihren rechten Fuß hinter den linken setzte. Im selben Moment drehten sich synchron alle anderen und taten es ihr gleich. Der linke Fuß folgte und bald hatte Hermine auf diese Weise – rückwärts – eine kurze Strecke hinter sich gebracht. Es fiel ihr leichter als gedacht. Der ganze Apparat setzte sich wieder in Bewegung, und bald befand sie sich auf einer Position, die ihr stimmig erschien, die ihr suggerierte, dass dies ihr Platz wäre. Seltsam erleichtert fiel ihr Augenmerk auf den Kirchturm. Das gleißende Licht war mittlerweile verschwunden. Wolken bedeckten die Sonne und gaben so den Blick auf das Kreuz frei. Hermine behielt den Turm so lange im Auge, bis sie zu weit entfernt war und er sich endgültig in einen jener Punkte verwandelte, von denen man zwar wusste, dass sie existierten, die aber nicht zum Funktionieren der Maschine beitrugen.

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V.K.B.
Geschlecht:männlich[Error C7: not in list]

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Wohnort: Nullraum
Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 18.10.2020 22:58    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo unbekannter Autor, Autorin, heimlich mitschreibende KIs, magische Wesen oder was auch immer,

Ich kommentiere direkt beim ersten Lesen und während ich lese, damit die Leseeindrücke so frisch wie möglich sind. Daher kann es sein, dass ich mal auf etwas hinweise, was sich später im Text noch klärt.
Disclaimer vorweg: All meine Kritiken sind in diesem Wettbewerb hochgradig subjektiv und bedeuten damit eigentlich gar nichts, außer wie mir ein Text persönlich gefallen hat. Ich neige zu Sarkasmus und mache mich auch gerne mal über Dinge lustig. Ich bitte diejenigen, die eine gefühlt zu harte Kritik von mir abbekommen, das nicht persönlich und mit Humor zu nehmen, denn es ist ganz bestimmt nicht böse gemeint. Ich nehme aber auch kein Blatt vor den Mund, wenn jemand seinen Text bei einem Wettbewerb der ungeschönten und schonungslosen Kritik vorwirft. Wer ein Problem damit hat, möge das Lesen meines Kommentars an dieser Stelle abbrechen.

So, los geht‘s, you have been warned …


Zitat:
sondern auch alle anderen Personen, die sie mit ihrem Blick erfassen konnte, rückwärts liefen!
WTF? Zwischenfazit: Ich glaub, ich liebe diese Geschichte! Und halte mich gar nicht weiter mit Zwischenkommentaren auf.

 Daumen hoch² Viel mehr habe ich zu der Geschichte jetzt nicht wirklich zu sagen. Ja, SO und nicht anders stelle ich mir gute Phantastik vor! Daumen hoch love
Das zu interpretieren könnte spannend werden. Hermine Blume (den Name klingt so herrlich naiv) wird durch einen Lichtschein geblendet und der Realität entrückt. Das Kreuz der Kirche, HINTER dem sie das Licht wahrnimmt, könnte das Symbol für einen göttlichen Plan sein, man könnte ihn auch Determinismus nennen. Oder eben die Maschine der Realität, aus der sie plötzlich ausgespannt ist. Das absurde Symbol des Rückwärtslaufens und das für Vorwärts zu halten, deckt sich mit der Illusion eines freien Willens, oder von mir aus auch mit der vertauschten Vorstellung von oben und unten. Wenn man lange genug in den Nachthimmel starrt und sich vorstellt, wie tief es da eigentlich "runter" geht und dass man von Glück sagen kann, dass diese Gravitationskraft einen am Boden kleben lässt und am Abstürzen hindert. Denkt man das zu intensiv, möchte man sich irgendwo festklammern. Man durchbricht die Schranken der Wahrnehmung  bzw der eigenen Illusion. Alles ist relativ, wenn man hinter die Illusionen blickt. Newtons Physik weicht der wesentlich bizarreren von Einstein und schließlich der noch bizarreren Quantenphysik, wenn man tiefer blickt und die Ebene des alltäglich Sichtbaren verlässt. Was liegt hinter dem Uhrwerk der Dinge? Quantenchaos? Tiamat? Oder eine göttliche Ordnung? Was bleibt, wenn die Symbole verschwinden? Wie wahnsinnig ist Wahnsinn? Und dagegen: Und wie absurd die Ontologie?

Kurzum: Eine Geschichte, die auch gut in den Zehntausender gepasst hätte. Ganz oben bei meinen Favoriten bisher. Ich hab zwar noch nicht viel gelesen, aber das gibt Punkte, das kann ich jetzt schon garantieren. Und mehr als ein paar.

Zwei Wermutstropfen: Warum frickelst du an der Textgröße rum? Man kann die Textgröße webseitenweise über den Browser einstellen (Strg++/Strg+-), so wie sie für einen am besten passt, wenn es die Standardgröße ist. Verstellt das jemand, passt es nicht mehr. Würde ich also nur für Hervorhebungen tun, oder wenn die Formatierung wirklich im Mittelpunkt steht. Aber dafür will ich nun keine Punkte abziehen. Einen halben ziehe ich dir in der internen Wertung aber für die Vorgabenumsetzung ab, die der zweite Kritikpunkt ist. Den Einstieg lasse ich noch gelten (als Unfall in der Maschine), aber Licht steht nicht wirklich im Mittelpunkt der Geschichte, sondern ist nur ein kurzer Auslöser. Gut, man könnte sich dann mit Licht der Erkenntnis (vs. "Unschuld" im biblischen Sinne) und sowas rausreden, aber sleepless hatte da schon geschrieben, es solle um ein tatsächliches Licht oder eine Lampe gehen. Da mir deine Geschichte aber so gut gefällt, lasse ich das nur ganz minimal ins Gewicht fallen.

Sehr gerne gelesen (und hat mein Vertrauen in die Phantastik gerade wieder hergestellt),
Veith

Bleibt meine Nummer 1, 12 Punkte


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Warning: Cthulhu may occasionally jumpscare people …
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Raven1303
Geschlecht:weiblichEselsohr

Alter: 37
Beiträge: 418
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BeitragVerfasst am: 19.10.2020 20:30    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe/r  Unbekannte/r,

Formalien hast du alle erfüllt, deine Geschichte ist zudem in gutem, flüssigem Stil geschrieben, der mir gefällt. Du spinnst mit Worten schöne Bilder.
Insgesamt könnte die Geschichte für mein Dafürhalten etwas gestrafft und gekürzt werden, an manchen Stellen wiederholst du dich.
Den tieferen Sinn am Ende habe ich nicht so recht verstanden. Sie plätschert irgendwie so dahin und ist dann genauso unspektakulär vorbei. Schade. Da fehlt mir irgendwie noch ein Wumms smile
Liebe Grüße


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Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den Nächsten vielleicht nicht vollbringen, aber versuchen will ich ihn.
Ich kreise um Gott, um den uralten Turm und ich kreise Jahrtausende lang.
Und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm? Oder ein großer Gesang... (R.M. Rilke)
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Stefanie
Reißwolf


Beiträge: 1323



BeitragVerfasst am: 19.10.2020 21:52    Titel: Antworten mit Zitat

Eine unsichtbare absurde Maschinerie, die nur funktioniert, wenn alle mitmachen. Mir gefällt, wie Einzelheiten nach und nach klar werden und die Situation sich entwickelt.
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d.frank
Geschlecht:weiblichReißwolf

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Beiträge: 1045
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BeitragVerfasst am: 20.10.2020 11:40    Titel: Antworten mit Zitat

Wird vielleicht nicht jeder so sehen, aber ich mag den Stil. Er ist so erfrischend betulich und altertümlich (obwohl man ihn gerade beim Einstieg noch kürzen könnte)  und unterstreicht damit auch die Aussage, immerhin scheint die Protagonistin sich hier ja der Mode zu verweigern, im Alten behaftet, dadurch aber auch irgendwie spießig und engstirnig - der Text oder besser: seine Aussage. Weil eigentlich geht es ja nicht um die Entscheidung für oder gegen etwas. Man hätte der Mitte vielleicht mehr Raum lassen sollen, dann wäre das alles ein bisschen aktueller und bedeutsamer.

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Die Wahrheit ist keine Hure, die sich denen an den Hals wirft, welche ihrer nicht begehren: Vielmehr ist sie eine so spröde Schöne, daß selbst wer ihr alles opfert noch nicht ihrer Gunst gewiß sein darf.
*Arthur Schopenhauer
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silke-k-weiler
Geschlecht:weiblichKlammeraffe

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Beiträge: 507



BeitragVerfasst am: 20.10.2020 17:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Text,

ausgesprochen kafkaesk mit einem Spritzer Christopher Nolan Laughing

Die Szene gefällt mir, auch wenn ich sprachlich vielleicht nicht ganz so dick aufgetragen hätte. Für den Eingangssatz habe ich drei Anläufe gebraucht, aber das ist ja nicht Deine Schuld, sondern die des Autors!!! Du-Du-Du!

Kommen wir zu den Vorgaben:

Licht - in Form einer Lichtreflexion ... semicheck ... ich hatte zum Wettbewerb eine Frage per PN gestellt und als Antwort bekommen, ich solle prüfen, ob meine Art der Interpretation des Lichts austauschbar ist. Hier habe ich das Gefühl, es ist so. Hermine hätte auch stolpern können, sich stoßen können, das Innehalten hätte durch eine Menge Dinge ausgelöst werden können.
Und der Anfang? Keine Verfolgungsjagd, kein Unfall. Recht subtil in Stille und Bewegungslosigkeit, nehme ich mal an.
Es war, als käme sie zu sich, aus einem Schlaf oder einer Art Trance.
Würde passen.
(edit: nach einigem internen Hin und Her habe ich beschlossen, dass Du nicht weiterkommst, obwohl Du mir sehr gut gefallen hast. Die Vorgaben sind meiner Ansicht nach nicht erfüllt, die Lichtreflexion ist meiner Meinung nach nur ein austauschbarer Aufhänger, um die Szene sich entfalten zu lassen.)

Davon abgesehen, je länger ich über sie nachdenke, desto gruseliger empfinde ich diese Geschichte. Hermines Innehalten, dieses kurze Aufmerken, sich Wundern, Fragen stellen, aber dann doch wieder zurückfallen, weil der Blick der Masse einen an seinen (von wem eigentlich?) vermeintlich angestammten Platz zieht.

Von der Sache an sich für mich ein Punktekandidat. Inwieweit ich die Vorgaben dann nach Durchsicht aller Texte berücksichtige, muss ich noch sehen.

Danke, dass ich Dich lesen durfte.
Silke
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Katinka2.0
Geschlecht:weiblichEselsohr


Beiträge: 265



BeitragVerfasst am: 21.10.2020 20:31    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Liebe Unbekannte,

Du wirst diese Zeilen sehr wahrscheinlich nie lesen, doch ich möchte mich bei Dir bedanken und gleichzeitig entschuldigen, da Du mir als Vorlage zu dieser Geschichte gedient hast. Seit Monaten sehe ich Dich, wie Du rückwärts den Gehweg entlang läufst, und ich habe mich lange gefragt, weshalb Du Dich dem Spott der Leute, dem Gelächter der Kinder aussetzt? Du bist konzentriert, wenn Du es machst, Du läufst mit Bedacht, die Arme seitlich leicht von Dir gestreckt. Ich kenne Dich nicht persönlich, Du wirkst gepflegt, bist schätzungsweise sechzig Jahre alt und - ich muss es erwähnen - manchmal läufst Du auch ganz normal mit Deinen Einkaufstaschen durch das Viertel oder fährst mit dem Fahrrad durch die Gegend. Aber Du wirst ahnen, was viele Leute über Dich denken, wenn sie Dich so rückwärts laufend sehen? Richtig.
Mittlerweile habe ich herausgefunden, dass man auf diese Weise seine Gedächtnisleistung trainiert, und ich kann nur vermuten, weshalb Du es tust und die Reaktionen der Leute keine Rolle mehr für Dich spielen. Manchmal muss man auf sich selbst achten.

Ich wünsche Dir alles Gute!

LG Katinka
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hobbes
Geschlecht:weiblichTretbootliteratin


Beiträge: 3669

Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
Ei 4 Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 22.10.2020 22:27    Titel: Antworten mit Zitat

Es ist komisch mit mir und dieser Geschichte. Eigentlich, so denke ich, ist das doch gar nicht meine Sprache, also nicht die, die ich gern lese.
Aber es kommen so hübsche Wörter vor! Diffus, troffen, stoben, Schemen, ...
Meistens kommentiere ich ja nur die Wörter und Ausdrücke, die für mich gar nicht gehen, der stockende Atem und sowas.
Hier ist es umgekehrt. Ungehörig. Das Schauspiel der Leute.
Das ist ein bisschen wie Ostereiersuchen. Oder nein, nicht suchen, finden.

Die Geschichte selbst: Äh. (witzig, bis eben war mir nicht bewusst, dass sich Äh umgekehrt Hä schreibt. Wie passend!)
Ich verstehe schon, was passiert, aber die Moral der Geschichte fehlt mir. Oder nein, entgeht mir. Weil, es muss ja nicht jede Geschichte eine Moral haben, aber wenn sie eine hat (und mir scheint, die hier hat eine), dann würde ich sie schon ganz gern verstehen.
Wobei, das stimmt auch nicht. In manchem Geschichten wäre mir die Moral piepsegal, aber so eine Geschichte ist das hier leider nicht.
Gerade an den Dialogen mangelt es da noch, vor allem, nachdem ich gerade erst bei einigen anderen Geschichten mit geradezu grandiosen Dialogen verwöhnt wurde.

Tja, Hermine. Beim Wiederlesen bist du mir immer weiter nach hinten gerutscht. Jetzt höre ich auf mit Lesen und zack, siebter Platz. Den hast du hauptsächlich den Osterhasenmomenten zu verdanken, sonst wäre es vermutlich noch weiter bergab gegangen.
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RAc
Eselsohr


Beiträge: 410



BeitragVerfasst am: 23.10.2020 12:16    Titel: Antworten mit Zitat

Eine Frau - Hermine Blume - sieht sich unvermittelt einer verzerrten Realität gegenüber, in der sich alle Menschen rückwärts bewegen. Sie findet heraus, dass diese Choreographie Teil eines maschinisierten Ablaufes ist, den sie stört. Als alle Menschen um sie herum anhalten, kommt sie zu dem Schluß, dass die Maschine durch ihre Nonkonformität angehalten wurde, und setzt sie durch eigenes Rückwärtslaufen wieder in Gang.

Vorgaben:

  => Weder ein Unfall noch eine Verfolgungsjagd noch völlige Stille und Bewegungslosigkeit am Anfang - nicht erfüllt.
  => Licht als zentrales Element - Nun ja, es gibt einen gleissenden Strahl vom Kirchturm, der (scheinbar) die Störung der Maschine signalisiert.
  => Phantastische Elemente: offensichtlich erfüllt.

=> Vorgaben nicht erfüllt.

Ausarbeitung:

Ich habe zu diesem Text keinerlei Zugang oder gar eine schlüssige Lesart gefunden. Sicherlich gibt es die, aber vermutlich müßte ich anfangen rückwärts zu Laufen, um sie zu verstehen.

Keine Punkte, sorry...
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MoL
Geschlecht:weiblichQuelle


Beiträge: 1590
Wohnort: NRW
Das bronzene Stundenglas


BeitragVerfasst am: 23.10.2020 21:08    Titel: Antworten mit Zitat

Leerer Kommentar. Auf Wunsch kann ein ausführliches Feedback gern bei mir erfragt werden.

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Ribanna
Geschlecht:weiblichKlammeraffe

Alter: 57
Beiträge: 566
Wohnort: am schönen Rhein...


BeitragVerfasst am: 24.10.2020 07:09    Titel: Antworten mit Zitat

Der Text ist gut geschrieben und einfallsreich. Das Licht spielt hier allerdings nur eine untergeordnete Rolle, was mich stört.

_________________
Wenn Du einen Garten hast und eine Bibliothek wird es Dir an nichts fehlen.
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anderswolf
Geschlecht:männlichEselsohr


Beiträge: 498
Wohnort: Bad Nauheim


BeitragVerfasst am: 27.10.2020 09:46    Titel: Antworten mit Zitat

Stundenlange Augenblicke. Oder: Der Mann mit Stock und Nase läuft rückwärts an den Vorgaben vorbei.

Ambitioniertes Thema (das (Nicht)Funktionieren des Menschen in einem ihm nicht als sinnvoll scheinenden System und die Erlangung dieser Erkenntnis durch Zeitumkehr nach Ausfallen aus Mitläufertum), das sprachlich so ambitioniert umgesetzt wurde, dass es an Sprachhakelei grenzt, gleichwohl den Leser also aufgrund der immanenten Intensität komplett aus dem Lesefluss haut. Da hilft es dann auch nicht, dass der junge Mann erst mal nicht erkennbar stehengeblieben ist. Der Titel irritiert zusätzlich, Frau Blumes Unschuldsverlust soll wohl die Erkenntnisgewinnung darstellen, dass alles ein System ist, in das einzufügen man sich habe, sonst … ja, was sonst? Bleibt die Welt stehen?

Im Grunde könnte diese Geschichte auch disqualifiziert werden, denn das Licht (so es nicht die eher seltsame Erleuchtung ist) kommt ja nur sehr randständig vor, obwohl es ja das Thema des Wettbewerbs sein sollte. Ob auch die andere Vorgabe, nämlich Unfall, Verfolgungsjagd oder Stillstand am Anfang des Textes stehen sollte, erfüllt ist, ließe sich wohl auch debattieren. Im Text ist sicherlich Stillstand, da mag es vor lauter Gedankenfragmentierung gar nicht losgehen mit der Geschichte, den äußeren Stillstand, nämlich den der Welt umher, gibt es so aber nicht, im Gegenteil ist ja das, was die Protagonistin zunächst auf das Phänomen aufmerken lässt, ja eben kein Stillstand, sondern das Rückwärtsgehen der Anderen.

Keine Punkte.
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nicolailevin
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Beiträge: 150
Wohnort: Süddeutschland


BeitragVerfasst am: 27.10.2020 17:18    Titel: Antworten mit Zitat

Der Titel macht schon mal neugierig. Gleich im ersten Satz finde ich allerdings viel zu viele Fremdwörter.

Hermine Blume wird von einer Sonnenreflexion geblendet und fällt in eine Art kurzzeitige Lähmung. Als sie ihre Umgebung wieder bewusst wahrnimmt, stellt sie fest, dass alle Leute rückwärts gehen. Sie spricht einen Mann an, doch erhält keine befriedigende Antwort. Dann kommt plötzlich alles Leben zum Halten und beginnt erst in dem Maße, wieder in Bewegung zu geraten, wie Hermine sich selbst – rückwärts – bewegt, als seien sie in einer Maschinerie von ihr abhängig.

Die Sprache ist gehoben und die Wendungen gediegen formuliert, mit einigen reflexiven Einsprengseln, aber doch im Ganzen gut und flüssig zu lesen. Die Idee mit der Rückwärtsbewegung hat was – sofort frage ich mich, ob in dieser Welt Autos und U-Bahnen und Flugzeuge sich ebenfalls nach hinten bewegen, wie das bei Fahrrädern mit Freilaufnabe funktionieren soll, ob es nur örtlich oder auch zeitlich rückwärts geht, ob also die Uhren auch stehen bleiben und die Zeiger dann im Gegenuhrzeigersinn wandern, ob das Frühjahr auf den Sommer folgt usw. Was das hieße!

Man wird also eingeladen weiterzudenken. Ein phantastisches kleines Kabinettstückchen mit Luft zum Weiterspinnen.

Punkte: 5
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shatgloom
Geschlecht:weiblichEselsohr


Beiträge: 371
NaNoWriMo: 27985
Wohnort: ja, gelegentlich


BeitragVerfasst am: 28.10.2020 15:24    Titel: Antworten mit Zitat

Was mir gefällt:
Die Idee finde ich interessant, auch der Schreibstil gefällt mir. Kommt mir eher wie ein Albtraum vor, irgendwie gruselig.
Was ich vermisse:
Das Licht spielt für mich hier eine zu kleine Rolle
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Constantine
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Beiträge: 2966



BeitragVerfasst am: 28.10.2020 19:23    Titel: Antworten mit Zitat

Bonjour Inko,

manche Beiträge erinnern mich an diese kultige Fernsehserie aus den Ende 50er/Anfang 60er Jahre: The Twillight Zone.
Dein Beitrag würde auch sehr gut zu diesem TV-Konzept passen.
Die Idee an sich gefällt mir, wenn plötzlich etwas Unbegreifliches einer Prota widerfährt und man gespannt mitverfolgt, was passiert und wie diese Person damit umgeht. Ja, gespannt. Aber in deinem Text kommt diese Spannung und dieses Gespannte, Intensive leider nicht rüber auf mich: Der Erzähler ist mir zu klinisch, zu analytisch, zu steril, wodurch ich das Schicksal von Hermine nicht spüre. Es wird mir erzählt, aber in einer distanziert-kühlen Art und Weise, die mir zum Drama, das Hermine widerfährt, zu konträr läuft und mich dahingehend außen vor lässt.
Es tut mir leid, ich empfinde diesen Text als nicht gelungen, obwohl alle Zutaten vorhanden sind: zéro points.

Merci baucoup.
Constantine
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BeitragVerfasst am: 28.10.2020 21:49    Titel: Antworten mit Zitat

"Das wachsende Befremden" kommt gut beschrieben bei mir an.

Und das Beklemmende ist nicht das Rückwärts gehen als solches, sondern die Selbstverständlichkeit desselben, aber vor allem dann die Einsicht, dass alle wie aufgezogen an ihren Plätzen rückwärts gehen sollen, worauf schließlich die Prota selbst nicht anders kann als es den anderen gleich zu tun.
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BeitragVerfasst am: 30.10.2020 11:18    Titel: Re: Das Phänomen oder wie Hermine Blume ihre Unschuld verlor Antworten mit Zitat

Ein sehr tiefsinniger Text. Vielleicht etwas zu tiefsinnig für mich.

Señora Incógnita hat Folgendes geschrieben:
»Halten Sie es für möglich«, sprach sie ihren Gedanken aus«, dass ein einzelner, intuitiver Impuls von einem Gehirn auf andere überspringt und auf diese Weise ein kollektives Verhaltensmuster auslöst?«
»Was für ein Unsinn!« Der junge Mann klang nun ungehalten. »So etwas gibt es nur in Horrorfilmen.«


Das trübt leider die Lesefreude etwas, denn ich finde diesen Dialog nun doch etwas ... unrealistisch. Aber was soll's, Phantasy lebt von Unrealismus (sic)!

Aber danke für den Text, ich denke, der eine oder andere Punkt dürfte drin sein.


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Abari
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BeitragVerfasst am: 31.10.2020 14:51    Titel: Antworten mit Zitat

Nee, Du, da komm ich vom Stil her nicht weit. Der wirkt auf mich getelzt und verleidet mir den Lesegenuss.

_________________
Das zeigt Dir lediglich meine persönliche, höchst subjektive Meinung.
Ich mache (mir) bewusst, damit ich bewusst machen kann.

LG
Abari
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Eliane
Geschlecht:weiblichKlammeraffe


Beiträge: 818



BeitragVerfasst am: 01.11.2020 05:13    Titel: Antworten mit Zitat

Damit ich die Beiträge einigermaßen gerecht bewerten kann, vergebe ich jeweils maximal 5 Punkte für:
Thema "Licht": 3
Beginn "Stille / Unfall / Verfolgungsjagd": 3
Genre Phantastik: 5
Schreibstil: 4
persönlicher Eindruck: 3
Summe:18

Gut geschrieben und schön surreal. Das Licht ist der Auslöser, kommmt ir aber trotzdem zu kurz in der Geschichte. Stilistisch gut, nur ganz kleine Schwächen im Ausdruck, aber sehr selten.
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Minnewall
Geschlecht:männlichLeseratte

Alter: 29
Beiträge: 126
Wohnort: Oberhausen


BeitragVerfasst am: 01.11.2020 11:05    Titel: Antworten mit Zitat

Sprachlich eine absolute Wucht. Und die Idee ... wunderbar skurril, das Ganze. Ich bin begeistert!
Hier und da ging es mir etwas zu langsam voran -- im vorletzten Viertel ungefähr --, doch ansonsten habe ich nichts zu bemängeln. Die Vorgaben wurden meiner Meinung nach vollends erfüllt. Den Text las ich insgesamt mit großem Vergnügen.

Auf jeden Fall ganz oben mit dabei. Dementsprechend wird es auch Punkte geben. Nur wie viele, das weiß ich noch nicht.


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Der bewusste Gedanke ist auch nur einer, der aus dem Dunkel kommt.
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holg
Geschlecht:männlichReißwolf


Beiträge: 1693
Wohnort: knapp rechts von links
Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 01.11.2020 11:24    Titel: Antworten mit Zitat

Seit ich die Geschichte zu ersten Mal gelesen habe, denke ich, da gab es vor ein paar Jahren schon mal eine Rückwärtsläufergeschichte im Forum und will sie suchen, komme aber irgendwie nie dazu (davon ganz abgesehen, dass ich bei so etwas sehr schlecht bin — wenn ich im Internet nach stundenlanger Suche immer noch nix gefunden habe, braucht meine Frau so ca. 30 Sekunden bis sie es hat).

Jedenfalls möchte ich nicht andeuten, dass diese Geschichte irgend etwas mit dieser anderen, erinnerten zu tun hat, außer dass es um Rückwärtsläufer geht. Was an sich schon ein seltsames Phänomen ist. Zumal es sich dabei ja nur um eine Allegorie etwa der Rückwärtsgewandheit oder der Absurdität menschlichen Handelns handeln kann. Die Verstimmung, die sich durch den Text zieht löst sich erst, als Hermine ihren Platz im Räderwerk der Absurdität einnimmt.

Der erste Absatz kommt sehr sprachgewaltig daher, toll, mMn, und der Text hält das durch. Liest sich zum Teil so, als ob sich der Autor/die Autorin am Ruf des Praktikanten nach Kafka orientiert hätte.

Nur, ich sehe da nicht wirklich eine der Vorgaben erfüllt. Unfall ist es nicht, Verfolgungsjagd ist es nicht und wirkliche Stille und Bewegungslosigkeit in das  gegen das Schaufenster pressen hinein zu interpretieren ist nicht meins. Auch das Licht kommt mir eher schwach „eingebaut“ vor.

Daher ganz knapp nicht in meinen Top Ten, obwohl klasse Text.


_________________
Froh zu sein bedarf es wenig.
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Sue Ulmer
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Alter: 27
Beiträge: 363
Wohnort: Göttingen


BeitragVerfasst am: 01.11.2020 17:55    Titel: Re: Das Phänomen oder wie Hermine Blume ihre Unschuld verlor Antworten mit Zitat

An diesem Text ist viel gelungen, das mich an anderen Texten stört: Dass hier keine falsche "völlige Ruhe und Bewegungslosigkeit" konzipiert wurde, sondern ein bewusstes und deshalb verlangsamtes Erleben. Für mich gelingt diese Umsetzung der Aufgabenstellung auf ganzer Ebene und ich hoffe sehr, dass niemand an der Stelle die Disqualifikationskeule schwingt.

Auch die Einbindung des Lichtes gefällt mir gut, der Umfang des Textes, das "Phantastische", hier eine schier surreale Situation, die nur so unnatürlich ist, dass ihr ein Text dieser Kürze auch gerecht werden kann. Ich wünsche dem Text einen Sieg, daran ändern die Kleinigkeiten nichts, die mich stören, da wären
- das Format (uff)
- der Name (Hermine hier, Ron in einer anderen Geschichte, Harry fehlt Gottseidank noch)

Eine weitere Kleinigkeit :
Señora Incógnita hat Folgendes geschrieben:

 
»Halten Sie es für möglich«, sprach sie ihren Gedanken aus«, dass ein einzelner, intuitiver Impuls von einem Gehirn auf andere überspringt und auf diese Weise ein kollektives Verhaltensmuster auslöst?«


Obwohl ich das Gespräch mit dem jungen Mann sehr amüsant und unterhaltsam finde, werde ich den Verdacht nicht los, dass an dieser Stelle das "Phänomen" für mich Leser ganz explizit in Worte gekleidet werden soll. Das fände ich schade, wäre es so, denn selbst wenn ich das Phänomen anders wahrnehme und deute als Hermine Blume oder der Verfasser/die Verfasserin habe ich als Leser doch einen nicht weniger intuitiven Zugang zum Geschehen, und wünschte, mir würde dafür Raum gelassen.


_________________
Hier ruht ein gelynchtes Gedicht.
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