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Der Hund


 

 
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Autor Nachricht
wohe
Geschlecht:männlichSchmierfink

Alter: 68
Beiträge: 62
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 26.09.2020 17:08    Titel: Der Hund eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Freunde,

irgendwie "flutscht" das Schreiben bei mir nicht so richtig.
Ich musste lange auf den leeren Bildschirm starren, bis mir überhaupt etwas einfiel und dann quälten sich die Buchstaben regelrecht in die Tastatur.
Ist das Ergebnis trotzdem annehmbar?

Wohe


"Grrr", machte der Hund.
Hund? War das überhaupt einer? Der sah eher aus wie ein mutierter Höhlenbär. Graubraun und schwer wie sein Besitzer und dessen Bauch hing fast auf der Straße.
"Grr", machte Wohe. Nicht so eindrucksvoll wie der Hund (oder Höhlenbär, aber nennen wir ihn mal Hund), aber genau so unfreundlich. Er erreichte das Café und setzte sich auf die Terrasse.
Der Hund kam hinzu und zog sein hechelndes Herrchen mit.
Wohe mochte keine Hunde. Gut, er mochte auch keine Katzen oder Kellerasseln oder was es sonst noch an Ungenießbarem gab, aber Hunde mochte er besonders wenig.
Logisch: scharfe Zähne, Flöhe, stinkendes Fell (jedenfalls, wenn nass, wenngleich: eigentlich immer) - Uäh!
Ignorieren das Vieh. Er bestellte seinen Kaffee und versuchte, sich zu entspannen. Problematisch, wenn ungeputzte Carnivorenzähne in Richtung der eigenen Weichteile zeigen.
Er wandte sich an den Hundehalter. „Nehmen Sie doch mal das Vieh da weg.“
Keine Reaktion. Leerer Blick, null Mimik, keine Bewegung außer Schnappatmung. Das sah nicht gut aus. Erste Hilfe war nicht Wohes Ding, also war es wohl am besten, er verschwand.
„Beachten Sie ihn gar nicht“, sagte der Hund. „Er ist nur Staffage.“
Auch das noch! Da steckte er sein ganzes Hirnschmalz in Formulierungen, die seinen Berichten maximale Unauffälligkeit und ihrem Inhalt minimales Interesse sicherten und dann schickten die ihm doch tatsächlich einen Kontrolleur auf den Hals.
Jetzt cool bleiben.
„Das ist ja wohl die blödeste Inkarnation, die ich je gesehen habe“, sagte er.
„Finde ich nicht“, erwiderte der Hund. „Als dieser Hund werde ich erstens nicht belästigt und zweitens entspricht er meinem Aggressionspotential.“
Er bestätigendes „Grrrr“ scheuchte die letzten Gäste von der Terrasse.
Wohe seufzte. Er legte das Geld für den Kaffee auf den Tisch und ging.
Hund und Herrchen (oder was auch immer) folgten. Ersterer in Plauderlaune. „Sie haben sich schon verdächtig an die hiesigen Sitten angepasst. Freiwillig etwas zu bezahlen, ist laut Aktenlage nicht originärer Bestandteil Ihres Charakters. Das grenzt ja schon fast an Assimilation.“
„Was sagen die Akten denn über Ihr Naturell? Würden Sie bezahlen?“
„Bin ich blöd? Natürlich nicht. Übrigens ist das auch ein Grund für diese Gestalt. Von der verlangt das garantiert niemand.
Grrr!“
Wohe ging schneller, Hund und Begleiter ebenso.
„Hören Sie“, sagte Wohe, „es passt mir gerade nicht so recht. Können wir uns nicht ein anderes Mal unterhalten?“
„Nee.“
Es war eh zu spät. Charlotte kam bereits um die Ecke.
„Hallo Charlotte“, sagte Wohe.
„Wollten wir uns nicht im Café treffen?“, fragte sie.
„Wollten wir“, bestätigte Wohe und zeigte auf den Hund, „aber das da hat mich vertrieben.“
„Grrr“, machte der Hund.
„Junge, Junge“, sagte Charlotte, „was ist das denn für ein riesen Tier?“
„Keine Ahnung“, sagte Wohe. „Aber er scheint mich zu verfolgen.“
„Na, solange er uns nichts tut, betrachten wir ihn einfach als Leibwache.“ Sie lächelte Hund und was auch immer zu, hakte Wohe unter und ging mit ihm zurück zum Café.
Charlotte ging kurz hinein und Wohe wurde deutlich: „Sie stören! Merken Sie das nicht?“
„Natürlich. Deswegen bin ich ja hier. Sie sollen arbeiten. Observieren, infiltrieren, also spionieren, aber ganz bestimmt nicht fraternisieren.“
„Ich kenne meine Aufgaben, aber erstens mache ich genau das, zweitens dient die junge Dame der Tarnung und drittens dürfte Ihnen bekannt sein, dass die Übernahme bestimmter Wesenszüge einer Inkarnation, also in meinem Fall der menschlichen, unumgänglich ist. Wie Sie vielleicht schon bemerkt haben, gibt es hier nicht nur die Mehrgeschlechtlichkeit, sondern auch den Geschlechtsdimorphismus und so was hat halt Folgen.“
„Und dazu gehört im Café rumsitzen und dummes Zeug reden? Ihre Kommunikation mit Ihrer Charlotte hatte bisher keinerlei informellen Wert und auch keinen Nutzen bezüglich unserer Intention.“
„Genau.“
„Sie meinen, das gefällt Ihnen?“
„Genau.“
„Bei allen Göttern der Galaxis: das ist der Gipfel an Sinnlosigkeit. Da bekommt man ja einen Aggressionsstau. Sie müssen schnellst möglichst hier weg.“
„Aber nein, aber nein.“
„Aber ja, aber ja.“
Charlotte kam zurück.
„Man hat mich informiert, dass ich wieder auf Reisen gehen muss“, sagte Wohe.
„Oh“, sagte Charlotte.
„Ich muss allerdings gestehen, dass ich lieber bei dir bleiben würde.“
„Das klingt gut.“
Wohe überlegte. Dann: „Ich habe da eine Idee.“
„Das klingt noch besser.“
„Komm.“ Wohe zahlte und sie gingen zum Tierheim.
Charlotte und der Hund warteten, bis Wohe mit einer großen Dogge wieder heraus kam und diese frei ließ. Die Dogge lief sofort in Richtung Wald und der Hund sabberte samt Staffage hinterher.
„Was war das?“ fragte Charlotte.
„Das war die größte läufige Hündin, die sie hatten“, sagte Wohe. „Jetzt nichts wie weg hier.“

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Peter Hort
Geschlecht:männlichSchmierfink

Alter: 34
Beiträge: 80
Wohnort: Stuttgart


BeitragVerfasst am: 26.09.2020 17:49    Titel: Hallo whoe! Antworten mit Zitat

Gut!

Gruß

Peter


_________________
Wenn man es besser machen kann, dann soll man`s besser machen.
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Westmonster
Schmierfink


Beiträge: 61



BeitragVerfasst am: 27.09.2020 12:55    Titel: Antworten mit Zitat

Locker und flockig bis zum Ende zu lesen, nur einmal über "Er" statt "Ein" gestolpert (Er bestätigendes "Grrr").

Als Teil einer größeren Geschichte fände ich das sehr gut, so für sich allein stehend fehlt mir etwas. Mich hat zum Beispiel überrascht, dass der Kontrolleur/Hund der läufigen Dogge hinterher rennt, nachdem er Wohe zuvor für zu viel Anpassung gescholten hatte. Mag Absicht sein, dass er Wohe für etwas schilt, was er selbst auch nicht besser macht, aber das bedürfte für meinen Geschmack dann etwas mehr Ausführlichkeit.

Aber wie gesagt: annehmbar finde ich es absolut, es macht mir auch Lust auf mehr.


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