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Auf großer Fahrt


 

 
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Thomasius
Geschlecht:männlichSchneckenpost


Beiträge: 13



BeitragVerfasst am: 02.09.2020 16:50    Titel: Auf großer Fahrt eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Anfang des ersten Kapitels eines Gegenwartsromans mit phantastischen Elementen. Das Ding muss allerdings noch warten, bis ich mit etwas anderem fertig bin. Die Vollendung wird wohl noch ein paar Jahre dauern.

Auf großer Fahrt

Zuerst war es vielleicht nur ein Tuscheln und Murmeln, ein Tapsen auf Sand, Wispern im Gras oder Rascheln von Zweigen, vielleicht auch das Rauschen von Flügelschlägen wie von einem größeren Vogel, einem Schwan oder einer Gans möglicherweise, und Schritte, die in der Dunkelheit hier- und dorthin tappten und stapften. Gedämpfte Rufe waren zu hören: „Ha!“ und „Heio!“ und „Bist du’s, Askelad? Wo steckst du?“ „Hier drüben, unter der Eiche, in der Kuhle, hinter der Hecke.“ Dann hatten sie sich zusammengefunden, zu zweit, zu dritt und in größeren Gruppen und flüsterten, wisperten, raunten und brummten miteinander. Man hätte sie ihre Köpfe unter dem Mond- oder Sternenlicht oder im Schatten von Buchen oder Terebinthen zusammenstecken sehen können, große und kleine, kahle und von einem Gestrüpp grauer Haare und Bärte umwucherte und auch solche mit fein gezogenen Scheiteln, von denen sich Locken bis zu den Hüften und noch weiter herabringelten. Oder auch vom Wasser glänzende und feucht in der Stirn und um den Hals klebende grüne und blaue Locken. Denn wenn sie sich zu einer Beratung über den rechten Weg und die gegenseitige Hilfe auf ihrer großen Reise an einem Ufer trafen, am Meeresstrand etwa, dann konnte man unter ihnen auch seltsame Seewesen sehen, schön wie Korallenanemonen und verführerisch – nein, nicht wie die Sünde, das würde es nicht treffen, sondern eher ... Wie soll ich sagen? Vielleicht wie einer von den Träumen, die man manchmal hat, wenn auch ganz selten, aus denen man nicht aufwachen möchte ... Ihre Locken glänzten im Mondlicht und noch mehr glänzten die Schuppen auf dem Teil ihres Körpers, der noch halb im Wasser lag, denn sie lieben es nicht, sich ganz auf dem Trockenen zu befinden, es macht sie entschieden nervös ... Hin und wieder mussten sich einige von ihnen aus dem oder jenem Grund für einige Zeit an Land aufhalten, mit den angezauberten Beinen, die, wie man weiß, bald solche Schmerzen verursachen, als steckten tausend Nadeln darin ... Nein, das mochten sie nicht. Sie konnten es zur Not eine Weile, aber dann schnell platsch platsch wieder ins Wasser.

Selbstverständlich konnten sie einige von ihnen über das Meer bringen, vor allem die kleineren, sagten die Nixen und Nöcke bei solchen Beratungen. Aber die meisten würden zu schwer sein, von den ganz großen Brocken gar nicht zu reden. Und wer brachte sie dann dort drüben über das Land? Die Versammlung sollte ja mitten im Festland stattfinden, wie sie gehört hatten. – Aber sie brauchten doch nur die Flüsse aufwärts zu schwimmen. Die Fürsten und Metatrone hatten extra einen Platz mit Wasser und Seen ausgesucht. – Flüsse und Seen! Sie waren keine Süßwassernixen, sie waren Meergeister! Die Welt war in Ordnungen und Kreise aufgeteilt, da konnte man nicht alles durcheinander würfeln und Meergeister die Flüsse hinaufschicken. Sie würden eine so große Strecke durch widerliches Süßwasser gar nicht schaffen, ganz abgesehen von dem Dreck, der da herumschwamm. Schon hier konnte man oft nur ein paar Spannen weit sehen, aber da sah man seine Hand nicht einmal, wenn man sich an die Nase fasste. – Ja, die Welt war in Kreise und Ordnungen aufgeteilt, aber diese Kreise waren eben durcheinander geraten, nicht durch ihre Schuld, und deswegen mussten sie etwas unternehmen. Es würde auch nicht für lange sein und ein paar Tage dreckiges Süßwasser würden sie schon überleben. Da hatten andere viel mehr aushalten müssen ...

Ihre Köpfe nickten und schüttelten sich beim Disput, und wo der Kopf des einen war, da befanden sich die Knie des anderen. Wenn man mit einer Tarnkappe zwischen ihnen herumgeschlichen und vielleicht erleichtert gewesen wäre, endlich neben jemand von menschlichem Aussehen und einem Kopf in der richtigen Höhe zu stehen, dann hätte es passieren können, dass man bei einem Schritt rückwärts gegen Riesenstiefel gestoßen wäre, Stiefel von einem der ganz großen Brocken, wie die Nixe sich eben ausgedrückt hatte, aus denen baumstammdicke Beine ragten. Und aus der Höhe der Wipfel hätten die in der Nacht leuchtenden Augen irgendeines dunklen Wesen auf einen herabgesehen ...

Wenn man hätte, wäre, würde ... Aber man hatte nicht. Sie haben Tarnkappen, nicht wir. Und die Zeiten, als sie dem einen oder anderen von uns eine schenkten oder ausliehen, sind lange vorbei. Außerdem hätten Tarnkappen wenig genützt. Sie rochen uns. Hin und wieder hob einer von ihnen, meist einer von den kleineren, die Nase und schnüffelte in die Nachtluft. Wenn ein Mensch in der Nähe gewesen wäre, hätten sie es auf fünfhundert oder vielleicht auch auf zwei- oder dreitausend Schritte gerochen. Sie achteten sehr darauf, dass sie unter sich blieben. Sie trafen sich meist nur nachts und weitab von menschlichen Behausungen, wo sie seit langem auch zu leben gewohnt waren – sofern man heute überhaupt weit von menschlichen Behausungen leben kann –, und sahen immer wieder über die Schulter, ob auch wirklich kein ungebetener Gast in der Nähe war. Und diejenigen unter ihnen, die nicht vor fremden Blicken geschützt waren, zum Beispiel durch ihre Winzigkeit oder eben durch Tarnkappen, also die meisten, würden auf ihrer großen Fahrt nur in der Dunkelheit vorwärts kommen.

Denn eine große Reise hatten sie sich vorgenommen. Die Vorsteher ihrer Ordnungen und Kreise, die Fürsten, Herrschaften, Throne und die größten der Magier hatten zu einer Ratsversammlung geladen. Es würde nicht so etwas sein wie eine Gipfelkonferenz oder ein Treffen der Außenminister, sondern eine große Völkerversammlung, wie es vorher noch nie eine gegeben hatte. Allerdings hatte es ein Ministertreffen oder eine Gipfelkonferenz bei ihnen vorher auch nicht gegeben. Es hatte überhaupt niemals gemeinsame Beschlüsse und Aktionen gegeben. Wahrscheinlich war das ihr Fehler gewesen. Wenn sie sich beizeiten zusammengerauft und etwas unternommen hätten, wäre es vielleicht nicht so weit gekommen ...

Jedenfalls wurde es eine lange und beschwerliche Reise für die meisten von ihnen ...

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Raven1303
Geschlecht:weiblichEselsohr

Alter: 37
Beiträge: 318
Wohnort: NRW


BeitragVerfasst am: 02.09.2020 19:56    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Thomasius,

habe deinen Anfang gerne gelesen.
Du schreibst sehr flüssig und bildreich. Das hat mir gefallen.
Teilweise bin ich über die sehr langen Schachtelsätze gestolpert. Der erste z.B. ist sehr lang. Daraus kannst du locker drei Sätze machen, die sich auch noch flüssig, aber etwas leichter lesen lassen würden.
Der Anfang macht mich schon neugierig wie es weiter geht.
Auf Dauer wurde mir die rein erklärende Beschreibung etwas lang. Ich würde mir jetzt etwas Aktion wünschen und Dialoge.

Spoilerst du ein wenig, wie es weiter geht? Bin gespannt smile

LG


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Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den Nächsten vielleicht nicht vollbringen, aber versuchen will ich ihn.
Ich kreise um Gott, um den uralten Turm und ich kreise Jahrtausende lang.
Und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm? Oder ein großer Gesang... (R.M. Rilke)
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marinaheartsnyc
Geschlecht:weiblichGänsefüßchen

Alter: 27
Beiträge: 29



BeitragVerfasst am: 03.09.2020 10:07    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Thomasius,

ich mag deinen Schreibstil sehr, hat mich direkt in seinen Bann gezogen und ist außergewöhnlich. Ich finde auch die langen Sätze nicht schlimm, weil das auch zur Besonderheit deines Schreibstils beiträgt und sich meines Erachtens nach dennoch gut lesen lässt.
Wie Raven1303 vor mir angemerkt hat, würde es mir auf Dauer dann aber ein bisschen anstrengend zu lesen werden, wenn es nur so bleibt. Wenn sich aber solche Passagen mit Szenen und Dialogen abwechseln, würde ich definitiv gerne weiterlesen, obwohl Fantasy eigentlich gar nicht so mein Ding ist smile

Liebe Grüße,

Marina


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- Rumi
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Thomasius
Geschlecht:männlichSchneckenpost


Beiträge: 13



BeitragVerfasst am: 05.09.2020 17:08    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für euer Interesse und die Anmerkungen.

Weitere Handlung: Die hier als real angenommenen Märchengestalten reisen aus der ganzen Welt zu einer großen Versammlung, um über die Menschen und ihr Verhalten zu beraten. Zwischen ihnen und den Menschen kommt es dabei zu allerlei (meist komischen) Konflikten und Zusammenstößen. In etwas phantastischer Gestaltung geht es dabei um heutige Probleme wie Umwelt, Klima, Hunger, politische Krisen usw. Es ist also gewissermaßen nur äußerlich Fantasy, im Kern aber recht ernst gemeinte Gegenwartsliteratur.

Das erste Kapitel, das noch ein paar Seiten weitergeht, werde ich wohl doch in dieser indirekten Darstellungsweise belassen. Der Leser soll den Zug der Märchengestalten erstmal aus einer gewissen Entfernung, auch aus einer stilistischen Entfernung, vorbeiziehen sehen. Etwas mehr „Action“ und direkte Rede gibt es dann im zweiten Kapitel, in der Welt der Menschen.

Ob das Ding je fertig wird … na, mal sehen. Vielleicht wird es noch was.
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marinaheartsnyc
Geschlecht:weiblichGänsefüßchen

Alter: 27
Beiträge: 29



BeitragVerfasst am: 07.09.2020 10:16    Titel: Antworten mit Zitat

Das klingt tatsächlich sehr spannend und außergewöhnlich und wie etwas, das ich durchaus gerne lesen würde und bestimmt auch bei einer breiteren Massen Anklang finden würde! Wünsche dir viel Spaß beim weiteren Schreiben Cool

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- Rumi
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Kien
Gänsefüßchen


Beiträge: 32



BeitragVerfasst am: 07.09.2020 18:06    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Thomasius, nett geschriebener Text, erinnert mich teilweise an Elias Canetti, insbesondere dieser Satz:
Zitat:
Ihre Köpfe nickten und schüttelten sich beim Disput, und wo der Kopf des einen war, da befanden sich die Knie des anderen.

Ein bisschen ins Stolpern bin ich bei dem Einschub des Ich-Erzählers geraten ("– nein, nicht wie die Sünde, das würde es nicht treffen, sondern eher ... Wie soll ich sagen?"), der aus meiner Sicht gar nicht nötig ist an der Stelle und den "Flow" ein wenig unterbricht.

Mehr von den Canetti-Absurditäten und längere Sätze, insbesondere bei den bildhaften Beschreibungen (aber da bin ich wohl die Ausnahme wink) und du hast definitiv einen Leser gewonnen, sollte dein Buch jemals das Licht der Welt erblicken.
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Thomasius
Geschlecht:männlichSchneckenpost


Beiträge: 13



BeitragVerfasst am: 09.09.2020 08:25    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Kien hat Folgendes geschrieben:
Ein bisschen ins Stolpern bin ich bei dem Einschub des Ich-Erzählers geraten ...

Danke für den Hinweis. Ja, das ist noch ein Problem. Ich habe solche Erzähler-Kommentare auch im weiteren Text. Ob sie bleiben oder besser weggelassen werden, werde ich wahrscheinlich erst am Ende entscheiden. Sowas lässt sich ja leicht löschen bzw. umformulieren.
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