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elzero
Geschlecht:männlichGänsefüßchen

Alter: 37
Beiträge: 24
Wohnort: Thüringen


BeitragVerfasst am: 06.08.2020 19:53    Titel: Mirage eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Das folgende ist entweder als Rückblick oder als Prolog gedacht. Da bin ich mir noch nicht so sicher. Man soll die Protagonistin kennen lernen und etwas über die Welt erfahren, in der die spätere Geschichte spielt.
Knapp über 2000 Worte, ich hoffe das ist nicht zu viel.


Erwachen

Da war ein Kribbeln. Erst ganz leicht, unmerklich. Nur in den Fingerspitzen. Dann auch in den Fußzehen. Ganz langsam breitete es sich aus. Beklemmung erfasste ihr Bewusstsein, das nur langsam erwachte. Jo versuchte zu atmen, aber es wollte nicht gelingen. Mund und Luftröhre schienen blockiert. Beim Versuch, die Blockade zu überwinden, entwickelte sich ein drückender Schmerz in ihrem Hals, der immer stärker wurde. Orientierungslos und benommen unterdrückte sie den Reflex.

Das Kribbeln, das Taubheit allmählich in Schmerz verwandelte, hatte den ganzen Körper erfasst. Dann spürte sie noch etwas anderes. Zuerst in ihrem Gesicht, dann an den Schultern, am Oberkörper. Irgendetwas um sie herum schien sich zu bewegen. Sie versuchte vergeblich, die Augen zu öffnen. Die Lider waren unermesslich schwer. Das Kribbeln hatte sich zu Nadelstichen gesteigert. Am ganzen Körper entwickelten sich kleine, stechende Schmerzpunkte. Tausende winzige Nervenenden, die aus dem Tiefschlaf erwachten.

Es war unerträglich.

Mit aller Kraft versuchte sie, sich zu bewegen. Ihr Körper gehorchte ihr nicht. Ihre Sinne verweigerten den Dienst. Durch die geschlossenen Augen starrte sie ins Schwarze. Und Obwohl sie nichts sehen konnte, schien sich alles zu drehen. Sie versuchte, den Schmerz und den Schwindel zu ertragen. Allmählich erkannte sie, dass es Kälte sein musste, was ihr die Stiche versetzte. Kälte, wie in einem Becken voller winziger, scharfkantiger Eiskristalle. Die Schwärze lies langsam nach. Noch immer waren die Lider unendlich schwer. Unvermittelt steigerte sich der Schmerz in der Luftröhre. Ruckartig  wurde etwas durch ihren Mund aus ihrem Körper gezogen. Sie wollte schreien. Aber stattdessen blieb es bei einem krächzendem Würgen. Dem sauren Geschmack von nur wenig Magensäure folgte ein starker Hustenanfall. Ihr Hals fühlte sich dabei an, als rieb ihr jemand mit grobkörnigem Sandpapier gewaltsam die staubigen Überreste schon längst vertrockneten Schleims aus den Atemwegen.

Jo riss mit aller Kraft die Augen auf. Das Licht blendete schmerzhaft, so als starrte sie direkt in die Sonne. Sie musste alle verfügbare Energie mobilisieren, um die rechte Hand zitternd vor ihre Augen zu heben. Die ersten Unterschiede zwischen hell und dunkel brannten sich in ihre überforderten Augen. Das Stechen, die Kälte, der dröhnende Schmerz im Hals, langsam lies alles etwas nach, wurde einigermaßen erträglich.

An ihrem nackten Körper blickte sie nach unten. Erst einem angsterfülltem Instinkt folgend, um sich selbst zu vergewissern, dass alles noch da war, wo es hingehörte. Dann, um zu ergründen, was mit ihr geschah. Sie nahm undeutlich die Umrisse einer Art Glaswanne wahr. Sie lag darin. Ein Deckel war zur Seite geöffnet. Das längliche, an den Ecken und Kanten abgerundete Gefäß, dass sie an einen Sarg erinnerte, stand schräg. Ihre Füße befanden sich deutlich tiefer als ihr Kopf. Eine grünliche, zähe Flüssigkeit wurde langsam nach unten abgesaugt und verschwand dumpf gluckernd zwischen ihren Füßen. Dabei hinterließ es schleimige Schlieren an ihrem Körper. Dünne Schläuche steckten in ihren Armen und in ihrem Bauch. Ihre Augen schlossen sich kraftlos wieder, als sie spürte, wie es ihren Magen zusammen quetschte, wie ihre Bauchmuskeln schmerzhaft verkrampften. Aber ihr Magen war leer.

Sie öffnete die Augen wieder. Zwei helle Schatten in Kitteln hantierten an dem Gefäß. Und an ihr. Sie fühlte sich ihnen ausgeliefert. All ihre Kraft brauchte sie, um die Hand zwischen dem blendendem Licht und ihren Augen nicht fallen zu lassen. Sie gewöhnte sich nur allmählich an die Helligkeit. Ein eher kleiner, heller Raum, der mit zahlreichen Instrumenten und Anzeigen ausgestattet war, umgab sie. Bläuliches Licht verstärkte die klinische Atmosphäre. Die beiden Personen, die sie noch immer nicht richtig erkennen konnte, packten sie und hoben sie aus der Glaswanne auf eine Liege. Jemand sagte etwas, doch sie verstand nur ein dumpfes Gemurmel. Die beiden verbanden einige der Schläuche an ihrem Körper mit etwas anderem.

Jo war unendlich erschöpft. Der Schmerz und die Kälte ließen nach und langsam strömte ein Gefühl von Wärme durch ihre Adern. Fast fühlte sie so etwas wie Entspannung, als eine der Personen sie zudeckte. Sie schloss die Augen wieder und dämmerte weg.

Jo kam langsam wieder zu sich. Die Augen gewöhnten sich schneller an die Umgebung. Es war nur noch ein leichtes Kribbeln übrig, wie eine verfliegende Betäubung. Ihr Hals fühlte sich gereizt an, war aber weit entfernt davon, wieder solche unerträglichen Schmerzsignale aus zu senden. Sie lag in einem breiten, mit weißer Bettwäsche bezogenem Bett. Sie lüftete die Decke und schaute an sich herab. Eines dieser nach hinten offenen Hemdchen, wie man sie aus Krankenhäusern kennt, verdeckte das Nötigste. Erleichtert stellte Jo fest, dass die meisten der Schläuche verschwunden waren. Einzig ein Zugang an ihrem linken Handgelenk war noch mit einem Tropf verbunden. Wie lange sie wohl geschlafen hatte?

Die Beklemmung war wieder da, als Jo versuchte sich zu erinnern. Wie bin ich hier her gekommen? Bin ich krank? Es fiel ihr nicht ein. Sie versuchte, ihre Gedanken zu ordnen. Leise und wie zur Selbstbestätigung sprach sie sie aus: „Mein Name ist Joanne Coley.“

Erschrocken stellte sie fest, dass sie nicht weiter kam. Ihre Gedanken purzelten durcheinander. Ihr fiel unvermittelt ein, wie man einen Fusionsreaktor auseinander baut. Wie man Energieleitungen prüft. Einen Moment lang dachte sie unwillkürlich in Code-Zeilen, irgend ein Schnipsel, um Sensoren auszulesen. Int transfer(const uint8_t *send, unsigned sen_len, uint8_t *recv, unsingned recv_len);

Sie fluchte leise und widmete ihre Aufmerksamkeit wieder dem Zimmer. Es war definitiv ein anderer Raum. Hier gab es viel weniger Technik. Nur ein paar Anschlüsse an einem quer über dem Bett angebrachtem Kanal. Und keine gläserne Wanne mit grüner, glibbriger Flüssigkeit. Es beruhigte sie, dass der Raum ihrer Vorstellung von einem normalen Krankenzimmer nah kam.

Sie richtete sich auf, atmete tief durch und schob unsicher erst ihr linkes, dann ihr rechtes Bein über die linke Bettkante. Der Tropf neben ihr war an einer senkrecht am Bett angebrachten, metallischen Stange mit mehreren Rundhaken an der Spitze befestigt. Ein kleiner, leerer Nachtschrank mit gelb lackiertem Furnier stand neben dem Bett. Der hellgraue Fußboden mit dunkelgrauen Einsprengseln war sauber und staubfrei. Sie fand ihn hässlich. Ein Schrank war in die Wand eingelassen. Die Wände selbst waren weiß verkleidet. Es wirkte wie Plastik, aber instinktiv wusste Jo, dass es sich um eine Carbonverkleidung handeln musste. Ein kleiner Teil des Raums war abgeteilt, es konnte sich dabei nur um eine Sanitärnische handeln.
 
Jo schob sich etwas weiter über die Bettkante und setzte die Füße auf den Boden. Langsam erhob sie sich, kam ins Wanken und klammerte sich am Nachtschränkchen fest. Es hatte Rollen. Jo löste die an einem Rad eingerastete Bremse mit dem Fuß und zog den Schrank vorsichtig vor sich. Sie griff sich den Beutel vom Haken, der mit einem dünnen Schlauch mit ihr verbunden war, und legte ihn auf den Schrank. Kochsalz , Nährstoffe und ein Mittel, dass sie nicht kannte, wies ein kleines Etikett als Inhalt aus. Sie nutzte den Schrank wie einen Rollator und stützte sich darauf, um sich Schritt für Schritt zur Sanitärnische zu bewegen. Ein Fuß vor den anderen, dann wieder den Schrank verrücken. Es dauerte, bis sie ankam.

Sie schob den Schrank vor der Nische beiseite und zog sich am Waschbecken in den Raum. Im Spiegel erkannte sie die wuscheligen, schwarzen Haare, die dunkelgrünen Augen, ihre markanten Wangenknochen, den hellen Teint. Sie sah die Erleichterung in der Mimik ihres Ebenbildes aufsteigen, noch bevor sie sie selbst spürte. Den Hebel unter dem Spiegel drehte sie nach links und rieb sich mit beiden Händen etwas kaltes, klares Wasser ins Gesicht. Gegen die trockene Kehle nahm sie anschließend mehrere, kräftige Schlucke mit der rechten Hand. Einige Sekunden stand sie mit beiden Händen abgestützt vor ihrem Spiegelbild und musterte es schweigend. Dann trat sie den Rückweg zum Bett an.
 
Jo hatte noch ein wenig geschlafen und saß wieder aufrecht im Bett. Sie dachte nach. Es macht keinen Sinn. Ich weiß, wer ich bin. Ich kenne mein Gesicht. Aber wo bin ich? Wie bin ich hier her gekommen?  Wo ist meine Vergangenheit?

Es klopfte. Jo zog die Bettdecke ein Stück höher und wich ein kleines Stück näher zum Kopfende des Bettes. Ohne dass genug Zeit blieb, auf das Klopfen zu antworten, öffnete sich die Tür. Zwei Frauen und ein Mann traten ein. Der Mann trug einen weißen Kittel und ein Klemmbrett. Seine kurzen, dunklen Haare waren durch einige, graue Strähnen unterbrochen. Kleine Falten an den Augen und Lachfältchen an den Mundwinkeln traten hervor, als er milde lächelte und sagte:
„Guten Morgen Joanne. Schön, sie munter anzutreffen. Wie geht es ihnen denn?“
„Ganz gut. Etwas schwach.“ Jos Hände klammerten sich fester an die Bettdecke.
Der Mann notierte sich schweigend etwas auf seinem Klemmbrett, während seine Kollegin am Tropf hantierte. Auch sie trug einen weißen Kittel. Sie war wesentlich jünger und hatte die dunkelblonde, lange Mähne zu einem kräftigen Pferdeschwanz zurück gebunden. Sie sagte nichts.

„Wo bin ich?“ Neugier blitzte in Jos Augen auf, als sie sich zu der Frage überwand.
Die dritte Frau trat vor. Sie war etwas jünger als der Mediziner, dunkel gekleidet, trug ihre dunkelblonden Haare kurz und wirkte mit ihrer schmalen Brille und dem kantigen Gesicht etwas lehrerhaft. Sie war klein, wirkte aber zäh und drahtig. Sie blickte Jo auf eine Art an, die etwas durchdringendes hatte.
„Willkommen auf Outback 4B. Woran erinnern sie sich?“
Jos Stirn lag in Falten. „Outback? Was bitte?“
„Eine Minenstation im Weltraum. Woran erinnern sie sich?“
„Im Weltraum ...“ Jo schnaufte leise, blickte suchend an der Frau vorbei und fixierte die Zimmerdecke.
„Ich erinnere mich kaum. Ich weiß, wer ich bin. Aber nicht, wie ich hierher gekommen bin …“
„Keine Angst. Das ist normal nach der langen Reise. Mein Name ist Nathalya Sarrat. Sie sind vor einigen Tagen hier angekommen. Die Kollegen hier haben sie aus ihrer Stasis erweckt.“
„Stasis.“ murmelte Jo ungläubig und starrte auf den Boden.

Fragmente von Erinnerungen blitzten in ihr auf. Sie kniff die Augen zusammen, runzelte die Stirn und versuchte Ordnung in das Chaos in ihrem Kopf zu bringen. Ihr wurde warm. Und etwas schwindelig.
Jo hob ihren Blick, sah Nathalya an und wiederholte leicht nickend, wie um sicher zu gehen, dass sie alles richtig verstand:
„Stasiskammer. Minenstation. Weltraum. Richtig?“
Nathalya wirkte ungeduldig und spulte ihre Antwort ab, als würde sie diese täglich wiederholen.
„Ja. In Kurzform: Die Erde ist nahezu unbewohnbar. Der Konvent organisiert den „Großen Aufbruch“. Sie und viele andere haben sich in Stasis auf eine mehr als tausendjährige Reise begeben. Wir sind dabei, neue Lebensräume zu erschließen. Kommt ihnen das bekannt vor? Die Minenstation unterstützt die Besiedlung eines Planeten in einigen dutzend Lichtjahren Entfernung.“
„Ähm... geben sie mir einen Moment.“ Jo schluckte.

Tausend Jahre in Stasis, das war eine Information, die erst mal wirken musste. Sie spürte, wie ihr Puls stieg. Die Geschichte vom „Großen Aufbruch“ kam ihr aber tatsächlich irgendwie vertraut vor. Irgendwo in ihrem Hirn vergraben war das schon abgespeichert. Sie atmete langsam und tief.

„Irgendwas klingelt da. Und was genau mache ich hier?“
„Joanne, sie sind laut unseren Unterlagen technisch vielseitig begabt und sind vorgesehen, eines unserer Wartungsteams zu unterstützen.“

Nathalya machte eine bedeutungsvolle Pause und versuchte einen freundlicheren Gesichtsausdruck aufzusetzen. So richtig überzeugend wirkte es nicht. Mit ruhiger Stimme und ernstem Ton sprach sie langsamer weiter:
„Regelmäßig treffen hier einige neue Bewohner ein. Wie sie, haben die meisten erhebliche Gedächtnislücken. Das ist eine Nebenwirkung der Stasis. Machen sie sich keine Sorgen, sie können sich noch ein wenig erholen, wir werden uns um sie kümmern. Nach und nach werden sie das Leben hier auf der Station dann kennenlernen.“

Jo hörte unbewusst auf zu atmen, während sie ihren Puls in der rechten Schläfe spürte. Nathalya nickte erst Jo, dann den Medizinern kurz zu und verlies das Zimmer, ohne Raum für weitere Nachfragen zu lassen.

Jo atmete tief aus, so dass man es gut hören konnte.
„Puh. Vielbeschäftigt, die Frau?“ Jo murmelte die Frage in den Raum, ohne wirklich eine Antwort zu erwarten. Dumme Frage.
„Ja. Immer gestresst. Nicht persönlich nehmen.“ antwortet die junge Medizinerin beschwichtigend und lächelte dabei. Das freundliche und aufgeschlossene Gesicht der Frau hatte etwas beruhigendes.
„Sonst alles ok? Sie brauchen sicher erst mal etwas Zeit für sich. Nachher wird ihnen etwas zu Essen gebracht.“
„Das wär gut.“ Die beiden Mediziner wandten sich zur Tür.

„Danke.“ schickte Jo den beiden noch leise hinterher, während sich ihre Hände endlich entkrampften.

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Mogmeier
Geschlecht:männlichGrobspalter

Moderator
Alter: 46
Beiträge: 2171
Wohnort: Reutlingen


BeitragVerfasst am: 06.08.2020 23:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Elzero, und willkommen im DSFo!

Bereit für die Feuertaufe? smile

Der Einstieg in die Geschichte – und ich will nicht sagen, dass dieser zu lang ist – liest sich recht stopfend und wirkt dadurch zu langgezogen. Ich meine, ob man nun vollends gleich mit der eigentlichen Handlung lospreschen soll, ist ein anderes Thema. Man muss nicht immer sofort auf den Start der Handlung abzielen, aber hier wäre es vielleicht doch angebracht gewesen, d.h. das Emporschwimmen aus dem Kryoschlaf und so käme hierbei wahrscheinlich besser rüber, hätte man sich dem Ganzen mit wenigen temporeichen Sätzen gewidmet.
Okay, du wolltest sicherlich dieses Feeling des Heraustretens aus einer Ohnmacht o.Ä. vermitteln, hast dich dabei aber zu sehr an realitätsbezogene Beschreibungen geklammert, die jeder so im Allgemeinen kennt, Beschreibungen, die in deinem Text dann auch auf die eine oder andere ähnliche Art wiederholt werden; und deshalb wirkte das auch recht stopfend auf mich.
Natürlich, man kann in solchen Dingen schon richtig ins Detail gehen, aber gerade wenn es um Koma-, Stasis-, Ohnmachtserwachen und Kryoschlaf geht, reichen hier keine realitätsbezogenen Bilder aus. Da möchte man schon einem Abstecher ins Surreale machen, damit das Karussellfahren deiner Protagonistin auch für den Leser erfahrbar wird.

An den Dialogen ließe sich auch noch ein bisschen arbeiten. Diese klingen stellenweise noch etwas zu gekünstelt, sprich, wie vorgesagt [unbewusst aufeinander abgestimmt].

Aber je mehr man sich mit solchen Kleinigkeiten – und hier in dem Text sind es wirklich nur Kleinigkeiten, die mir so im ersten Moment aufgefallen sind – je mehr man sich mit solchen Kleinigkeiten beschäftigt und auseinandersetzt, desto besser wird man.

Viele Grüße
Mog


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»Nichtstun ist besser, als mit viel Mühe nichts schaffen.«
Laotse
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Calvin Hobbs
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Beiträge: 176
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BeitragVerfasst am: 07.08.2020 07:09    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo smile
Grundsätzlich möchte ich meinem Vorposter zustimmen, dass der Text mit etwas Arbeit und Schliff ein guter Teil einer interessanten Geschichte werden könnte.
Auch ich habe den Fehler gemacht, durch viele Worte z.B. viel Atmosphäre erzeugen zu wollen. Das geht schlanker und effizienter, wenn man dem Leser Fantasie und Assoziationsvermögen zubilligt. Sicherlich hat man als Autor eine bestimmte Szene oder Stimmung im Kopf, letztendlich aber setzt der Leser sich das selbst zusammen. Das ist halt die Kunst, dem Leser das Gefühl zu geben, ihn in eine andere Welt zu entführen, die aber im Grunde schon in seinem Kopf existiert.
MfG


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Christof Lais Sperl
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Beiträge: 538
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Der silberne Roboter


BeitragVerfasst am: 07.08.2020 07:30    Titel: Spannend Antworten mit Zitat

...nicht mein Genre, aber das Gefühl: Das kann was werden!

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Lais
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elzero
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Beiträge: 24
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BeitragVerfasst am: 07.08.2020 12:32    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich danke euch.

Und ja, ihr habt Recht, dass der Abschnitt wohl zu langatmig rüber kommt. Ich denke, ich werde den Text ein wenig liegen lassen, um ihn später, mit etwas mehr Distanz, auf vielleicht 50-60% zurecht zu stutzen. Wie ich die Erfahrung etwas surrealer und weniger "trocken" erscheinen lassen kann, weiß ich noch nicht so genau, aber das behalte ich auf jeden Fall im Hinterkopf.

Auch die Idee, es als Prolog zu verwenden, habe ich inzwischen für mich geklärt. Dies hier wird wohl eher ein Rückblick im späteren Verlauf des Buches. Und das eigentliche, erste Kapitel kann ich dann trotzdem beruhigt von einigen Welterklärungen befreien, was Stasis, Gedächtnislücken usw. betrifft.

Danke nochmal smile

Nachtrag: Als ich den Text hier reinkopiert habe, bin ich auch ein wenig erschrocken, was die Länge und Wortanzahl betrifft. Da fehlt mir wohl noch ein bisschen das Gefühl dafür. Selbst lese ich ziemlich schnell, vielleicht liegts auch daran.
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Graenee
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BeitragVerfasst am: 07.08.2020 13:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hey!

Ich persönlich mag Geschichtsanfänge wie diesen sehr! Der langsame Einstieg, der Fokus auf ihre körperlichen Empfindungen... Natürlich steht dir noch Arbeit bevor. An dieser Stelle möchte ich nur nennen was mir am meisten negativ aufgefallen ist (was nicht klingen soll, als wäre mir extrem viel aufgefallen :D Dem ist nicht so):
1. Obwohl die kurzen Sätze (besonders am Anfang) sehr zur Stimmung beitragen und mir gefallen, sind sie manchmal etwas störend (nicht übertreiben, etwas mehr Balance zwischen sehr kurzen und etwas längeren Sätzen am Anfang finden). Hierbei denke ich vor allem an folgende Stelle: "Mit aller Kraft versuchte sie, sich zu bewegen. Ihr Körper gehorchte ihr nicht. Ihre Sinne verweigerten den Dienst".
2. "die" Lider ist mir immer wieder ins Auge gefallen. Diese Kritik gründet vor allem auf einem Gefühl, das ich nicht näher beschreiben kann, aber hier hätte ich mir definitiv ein "ihre" im Lesefluss bevorzugt.

Viel Erfolg noch :)
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elzero
Geschlecht:männlichGänsefüßchen

Alter: 37
Beiträge: 24
Wohnort: Thüringen


BeitragVerfasst am: 07.08.2020 13:51    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Graenee hat Folgendes geschrieben:
Hey!

Ich persönlich mag Geschichtsanfänge wie diesen sehr! Der langsame Einstieg, der Fokus auf ihre körperlichen Empfindungen... Natürlich steht dir noch Arbeit bevor. An dieser Stelle möchte ich nur nennen was mir am meisten negativ aufgefallen ist (was nicht klingen soll, als wäre mir extrem viel aufgefallen lol2 Dem ist nicht so):
1. Obwohl die kurzen Sätze (besonders am Anfang) sehr zur Stimmung beitragen und mir gefallen, sind sie manchmal etwas störend (nicht übertreiben, etwas mehr Balance zwischen sehr kurzen und etwas längeren Sätzen am Anfang finden). Hierbei denke ich vor allem an folgende Stelle: "Mit aller Kraft versuchte sie, sich zu bewegen. Ihr Körper gehorchte ihr nicht. Ihre Sinne verweigerten den Dienst".
2. "die" Lider ist mir immer wieder ins Auge gefallen. Diese Kritik gründet vor allem auf einem Gefühl, das ich nicht näher beschreiben kann, aber hier hätte ich mir definitiv ein "ihre" im Lesefluss bevorzugt.

Viel Erfolg noch smile


Danke sehr.
Ja, die kurzen Sätze... Ich hatte mich bewusst bemüht, lange Schachtelsätze zu vermeiden. Dazu neige ich manchmal, vor allem auch in Texten, die nichts Fiktives beschreiben. Das werde ich auf jeden Fall berücksichtigen. Und "ihre" Lider sind notiert ,)
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CIPO86
Geschlecht:weiblichLeseratte

Alter: 34
Beiträge: 193



BeitragVerfasst am: 07.08.2020 14:40    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe mal nur die ersten zwei Absätze gelesen.
Prinzipiell nicht schlecht geschrieben, aber ich denke auch, ein Feinschliff könnte dem Text richtig guttun.

Die anfängliche Beschreibung finde ich an mancher Stelle etwas zu ausladend; hier könnte man manches kürzen.

Zitat:
Da war ein Kribbeln. Erst ganz leicht, unmerklich. Nur in den Fingerspitzen. Dann auch in den Fußzehen. Ganz langsam breitete es sich aus. Beklemmung erfasste ihr Bewusstsein, das nur langsam erwachte. Jo versuchte zu atmen, aber es wollte nicht gelingen. Mund und Luftröhre schienen blockiert. Beim Versuch, die Blockade zu überwinden, entwickelte sich ein drückender Schmerz in ihrem Hals, der immer stärker wurde. Orientierungslos und benommen unterdrückte sie den Reflex.

Hier würde ich bspw. orientierungslos streichen. Denn wenn man benommen ist, schließt das für mich ein, dass man orientierungslos ist.
Und welchen Reflex meinst du hier? Den Atem- oder Hustenreflex? Beide kann man eigentlich nicht unterdrücken.

Zitat:
Das Kribbeln, das Taubheit allmählich in Schmerz verwandelte, hatte den ganzen Körper erfasst. Dann spürte sie noch etwas anderes. Zuerst in ihrem Gesicht, dann an den Schultern, am Oberkörper. Irgendetwas um sie herum schien sich zu bewegen. Sie versuchte vergeblich, die Augen zu öffnen. Die Lider waren unermesslich schwer. Das Kribbeln hatte sich zu Nadelstichen gesteigert. Am ganzen Körper entwickelten sich kleine, stechende Schmerzpunkte. Tausende winzige Nervenenden, die aus dem Tiefschlaf erwachten.

Am ganzen Körper entwickelten sich keine, stechende Schmerzpunkte ist für mich ziemlich gleichbedeutend mit "das Kribbeln hatte sich zu Nadelstichen gesteigert". Wenn man will, könnte man noch nachsetzen: "....das nun den ganzen Körper erfasste" oder so ähnlich.
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elzero
Geschlecht:männlichGänsefüßchen

Alter: 37
Beiträge: 24
Wohnort: Thüringen


BeitragVerfasst am: 07.08.2020 14:47    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

CIPO86 hat Folgendes geschrieben:
Ich habe mal nur die ersten zwei Absätze gelesen.
Prinzipiell nicht schlecht geschrieben, aber ich denke auch, ein Feinschliff könnte dem Text richtig guttun.

Die anfängliche Beschreibung finde ich an mancher Stelle etwas zu ausladend; hier könnte man manches kürzen.

Hier würde ich bspw. orientierungslos streichen. Denn wenn man benommen ist, schließt das für mich ein, dass man orientierungslos ist.
Und welchen Reflex meinst du hier? Den Atem- oder Hustenreflex? Beide kann man eigentlich nicht unterdrücken.


Gemeint war der Atemreflex, den sie vielleicht besser nur versucht zu unterdrücken. Und Kürzung tut not, definitiv.

Zitat:

Am ganzen Körper entwickelten sich keine, stechende Schmerzpunkte ist für mich ziemlich gleichbedeutend mit "das Kribbeln hatte sich zu Nadelstichen gesteigert". Wenn man will, könnte man noch nachsetzen: "....das nun den ganzen Körper erfasste" oder so ähnlich.


Unnötige Dopplung. Du hast völlig Recht. Wird berücksichtigt.

Danke dir.
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Mogmeier
Geschlecht:männlichGrobspalter

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BeitragVerfasst am: 07.08.2020 21:29    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Elzero,

mache dir mal keinen Kopf wegen der Wörterzahl. 2000 bis 3000 Wörter sind ganz okay. Alles darüber hinaus könnte kritisch werden – muss aber nicht. Die Schmerzgrenze hier liegt bei 5000 Wörtern oder so.

Kleiner Tipp: Damit deine Texte hier dann nicht so auseinandergerissen rüberkommen, nimm die Leerzeilen zwischen den Absätzen raus. Leerzeilen finden ihre Anwendung in der Regel nur bei Szenenwechsel, also zwischen zwei unterschiedlichen Szenen. Es spricht aber auch nichts dagegen, Leerzeilen innerhalb einer Szene anzubringen, z.B. um eine Textpassage hervorzuheben und so.

Und lass dich erstmal nicht in die Irre führen, weil ich anfänglich die Sache mit dem Surrealen anbrachte. Schreib in erster Linie die Geschichte Szene für Szene so, wie du das für richtig hältst. Danach kannst du immer noch deinen inneren Kritiker drüberrutschen lassen. Denn wenn du während des Niederschreibens anfängst zu experimentieren, geht die Sache meist nach hinten los.
Es ist wirklich einfacher, erst im Nachhinein sich mit Änderungen – wenn überhaupt nötig – zu befassen.
Was du aber auf jeden Fall mal probieren könntest: Knöpfe dir irgendeine bereits geschriebene Szene aus deinem Schreibprojekt vor, aber jetzt nicht unbedingt darauf erpicht, diese des Projekts willen ändern zu müssen, sondern nur um für dich zu sehen, wie eben diese Szene anders formuliert aussehen könnte. – Es gibt unzählige Möglichkeiten, wie sich eine Szene schreiben und gestalten lässt, angefangen bei der Perspektivwahl bis hin zum eigentlichen Schreibstil und so weiter und so fort.

Viele Grüße
Mog


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Laotse
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elzero
Geschlecht:männlichGänsefüßchen

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Wohnort: Thüringen


BeitragVerfasst am: 08.08.2020 12:01    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Aloha Mogmeier.
So ungefähr mache ich das auch. Erstmal niederschreiben, ohne zu viel darüber zu grübeln, dann, mit etwas Abstand noch mal drüber schauen, kürzen, Synonyme. Vor allem dann, wenn ich mit nem neuen Abschnitt gerade nicht so recht weiterkomme. Über Formatierung, Leerzeilen usw. habe ich noch nicht groß nachgedacht, muss man in dieser Phase, denk ich, auch noch nicht unbedingt. Einige Leerzeilen hab ich zwischen die Absätze aber  tatsächlich erst hier im Forum reingehauen, da der Text so erschlagend wirkte. Vor allem wegen der fehlenden Einrückung am Absatzanfang, und weil ichs sonst im Word mit 1,5fach Zeilenabstand vor mir habe.

smile
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Natalie2210
Geschlecht:weiblichSchmierfink

Alter: 33
Beiträge: 75



BeitragVerfasst am: 09.08.2020 21:21    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Der Einstieg ist VIEL zu lang! Da wird einem als Leser richtig langweilig! Ich muss gestehen, es hat mich abgeschreckt.

Später, so ab der Hälfte, wo die Dialoge beginnen, wird es erst spannend. Die Dialoge mögen noch etwas steif wirken, aber Jos   
Zitat:
"Puh. Vielbeschäftigt, die Frau?"
bringt für mich zum ersten Mal etwas Leben in die Geschichte. Und ja, sie ist spannend, ich würde weiterlesen, vorausgesetzt, man wird von langen Beschreibungen wie am Anfang verschont Smile

Ich muss hier Calvin Hobbs zustimmen, dass der Leser sich durchaus selbst ein Bild in seinem Kopf macht - und das auch will, denn möchte man alles vorgegeben bekommen, sieht man sich einen Film an. Das muss nicht genau dein Bild sein, aber als Autor solltest du es deinem Leser soweit skizzieren, dass er die für die Geschichte wichtigen Dinge erkennt. Ich fühle mich beim Beschreiben oft ein bisschen wie ein Maler - ein paar Pinselstriche für die Stimmung, ein paar Farben für die Details - der Rest passiert im Kopf. Sieh dir einmal an, wie z.B. G.R.R Martin seine Szenen beschreibt - er beschreibt oft während er erzählt oder gar zeigt.

lg,
Natalie
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elzero
Geschlecht:männlichGänsefüßchen

Alter: 37
Beiträge: 24
Wohnort: Thüringen


BeitragVerfasst am: 10.08.2020 09:10    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke dir. Werde versuchen, das zu beherzigen .)
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MarVeRiCk94
Geschlecht:männlichSchmierfink

Alter: 26
Beiträge: 94
Wohnort: Dülmen


BeitragVerfasst am: 10.08.2020 12:22    Titel: Re: Mirage Antworten mit Zitat

elzero hat Folgendes geschrieben:
Da war ein Kribbeln. Erst ganz leicht, unmerklich. Nur in den Fingerspitzen. Dann auch in den Fußzehen. Ganz langsam breitete es sich aus. Beklemmung erfasste ihr Bewusstsein, das nur langsam erwachte. Jo versuchte zu atmen, aber es wollte nicht gelingen. Mund und Luftröhre schienen blockiert. Beim Versuch, die Blockade zu überwinden, entwickelte sich ein drückender Schmerz in ihrem Hals, der immer stärker wurde. Orientierungslos und benommen unterdrückte sie den Reflex.

Das Kribbeln, das Taubheit allmählich in Schmerz verwandelte, hatte den ganzen Körper erfasst. Dann spürte sie noch etwas anderes. Zuerst in ihrem Gesicht, dann an den Schultern, am Oberkörper. Irgendetwas um sie herum schien sich zu bewegen. Sie versuchte vergeblich, die Augen zu öffnen. Die Lider waren unermesslich schwer. Das Kribbeln hatte sich zu Nadelstichen gesteigert. Am ganzen Körper entwickelten sich kleine, stechende Schmerzpunkte. Tausende winzige Nervenenden, die aus dem Tiefschlaf erwachten.

Es war unerträglich.

Mit aller Kraft versuchte sie, sich zu bewegen. Ihr Körper gehorchte ihr nicht. Ihre Sinne verweigerten den Dienst. Durch die geschlossenen Augen starrte sie ins Schwarze. Und Obwohl sie nichts sehen konnte, schien sich alles zu drehen. Sie versuchte, den Schmerz und den Schwindel zu ertragen. Allmählich erkannte sie, dass es Kälte sein musste, was ihr die Stiche versetzte. Kälte, wie in einem Becken voller winziger, scharfkantiger Eiskristalle. Die Schwärze lies langsam nach. Noch immer waren die Lider unendlich schwer. Unvermittelt steigerte sich der Schmerz in der Luftröhre. Ruckartig  wurde etwas durch ihren Mund aus ihrem Körper gezogen. Sie wollte schreien. Aber stattdessen blieb es bei einem krächzendem Würgen. Dem sauren Geschmack von nur wenig Magensäure folgte ein starker Hustenanfall. Ihr Hals fühlte sich dabei an, als rieb ihr jemand mit grobkörnigem Sandpapier gewaltsam die staubigen Überreste schon längst vertrockneten Schleims aus den Atemwegen.

Jo riss mit aller Kraft die Augen auf. Das Licht blendete schmerzhaft, so als starrte sie direkt in die Sonne. Sie musste alle verfügbare Energie mobilisieren, um die rechte Hand zitternd vor ihre Augen zu heben. Die ersten Unterschiede zwischen hell und dunkel brannten sich in ihre überforderten Augen. Das Stechen, die Kälte, der dröhnende Schmerz im Hals, langsam lies alles etwas nach, wurde einigermaßen erträglich.

An ihrem nackten Körper blickte sie nach unten. Erst einem angsterfülltem Instinkt folgend, um sich selbst zu vergewissern, dass alles noch da war, wo es hingehörte. Dann, um zu ergründen, was mit ihr geschah. Sie nahm undeutlich die Umrisse einer Art Glaswanne wahr. Sie lag darin. Ein Deckel war zur Seite geöffnet. Das längliche, an den Ecken und Kanten abgerundete Gefäß, dass sie an einen Sarg erinnerte, stand schräg. Ihre Füße befanden sich deutlich tiefer als ihr Kopf. Eine grünliche, zähe Flüssigkeit wurde langsam nach unten abgesaugt und verschwand dumpf gluckernd zwischen ihren Füßen. Dabei hinterließ es schleimige Schlieren an ihrem Körper. Dünne Schläuche steckten in ihren Armen und in ihrem Bauch. Ihre Augen schlossen sich kraftlos wieder, als sie spürte, wie es ihren Magen zusammen quetschte, wie ihre Bauchmuskeln schmerzhaft verkrampften. Aber ihr Magen war leer.

Sie öffnete die Augen wieder. Zwei helle Schatten in Kitteln hantierten an dem Gefäß. Und an ihr. Sie fühlte sich ihnen ausgeliefert. All ihre Kraft brauchte sie, um die Hand zwischen dem blendendem Licht und ihren Augen nicht fallen zu lassen. Sie gewöhnte sich nur allmählich an die Helligkeit. Ein eher kleiner, heller Raum, der mit zahlreichen Instrumenten und Anzeigen ausgestattet war, umgab sie. Bläuliches Licht verstärkte die klinische Atmosphäre. Die beiden Personen, die sie noch immer nicht richtig erkennen konnte, packten sie und hoben sie aus der Glaswanne auf eine Liege. Jemand sagte etwas, doch sie verstand nur ein dumpfes Gemurmel. Die beiden verbanden einige der Schläuche an ihrem Körper mit etwas anderem.

Jo war unendlich erschöpft. Der Schmerz und die Kälte ließen nach und langsam strömte ein Gefühl von Wärme durch ihre Adern. Fast fühlte sie so etwas wie Entspannung, als eine der Personen sie zudeckte. Sie schloss die Augen wieder und dämmerte weg.

Jo kam langsam wieder zu sich. Die Augen gewöhnten sich schneller an die Umgebung. Es war nur noch ein leichtes Kribbeln übrig, wie eine verfliegende Betäubung. Ihr Hals fühlte sich gereizt an, war aber weit entfernt davon, wieder solche unerträglichen Schmerzsignale aus zu senden. Sie lag in einem breiten, mit weißer Bettwäsche bezogenem Bett. Sie lüftete die Decke und schaute an sich herab. Eines dieser nach hinten offenen Hemdchen, wie man sie aus Krankenhäusern kennt, verdeckte das Nötigste. Erleichtert stellte Jo fest, dass die meisten der Schläuche verschwunden waren. Einzig ein Zugang an ihrem linken Handgelenk war noch mit einem Tropf verbunden. Wie lange sie wohl geschlafen hatte?

Die Beklemmung war wieder da, als Jo versuchte sich zu erinnern. Wie bin ich hier her gekommen? Bin ich krank? Es fiel ihr nicht ein. Sie versuchte, ihre Gedanken zu ordnen. Leise und wie zur Selbstbestätigung sprach sie sie aus: „Mein Name ist Joanne Coley.“

Erschrocken stellte sie fest, dass sie nicht weiter kam. Ihre Gedanken purzelten durcheinander. Ihr fiel unvermittelt ein, wie man einen Fusionsreaktor auseinander baut. Wie man Energieleitungen prüft. Einen Moment lang dachte sie unwillkürlich in Code-Zeilen, irgend ein Schnipsel, um Sensoren auszulesen. Int transfer(const uint8_t *send, unsigned sen_len, uint8_t *recv, unsingned recv_len);

Sie fluchte leise und widmete ihre Aufmerksamkeit wieder dem Zimmer. Es war definitiv ein anderer Raum. Hier gab es viel weniger Technik. Nur ein paar Anschlüsse an einem quer über dem Bett angebrachtem Kanal. Und keine gläserne Wanne mit grüner, glibbriger Flüssigkeit. Es beruhigte sie, dass der Raum ihrer Vorstellung von einem normalen Krankenzimmer nah kam.

Sie richtete sich auf, atmete tief durch und schob unsicher erst ihr linkes, dann ihr rechtes Bein über die linke Bettkante. Der Tropf neben ihr war an einer senkrecht am Bett angebrachten, metallischen Stange mit mehreren Rundhaken an der Spitze befestigt. Ein kleiner, leerer Nachtschrank mit gelb lackiertem Furnier stand neben dem Bett. Der hellgraue Fußboden mit dunkelgrauen Einsprengseln war sauber und staubfrei. Sie fand ihn hässlich. Ein Schrank war in die Wand eingelassen. Die Wände selbst waren weiß verkleidet. Es wirkte wie Plastik, aber instinktiv wusste Jo, dass es sich um eine Carbonverkleidung handeln musste. Ein kleiner Teil des Raums war abgeteilt, es konnte sich dabei nur um eine Sanitärnische handeln.
 
Jo schob sich etwas weiter über die Bettkante und setzte die Füße auf den Boden. Langsam erhob sie sich, kam ins Wanken und klammerte sich am Nachtschränkchen fest. Es hatte Rollen. Jo löste die an einem Rad eingerastete Bremse mit dem Fuß und zog den Schrank vorsichtig vor sich. Sie griff sich den Beutel vom Haken, der mit einem dünnen Schlauch mit ihr verbunden war, und legte ihn auf den Schrank. Kochsalz , Nährstoffe und ein Mittel, dass sie nicht kannte, wies ein kleines Etikett als Inhalt aus. Sie nutzte den Schrank wie einen Rollator und stützte sich darauf, um sich Schritt für Schritt zur Sanitärnische zu bewegen. Ein Fuß vor den anderen, dann wieder den Schrank verrücken. Es dauerte, bis sie ankam.

Sie schob den Schrank vor der Nische beiseite und zog sich am Waschbecken in den Raum. Im Spiegel erkannte sie die wuscheligen, schwarzen Haare, die dunkelgrünen Augen, ihre markanten Wangenknochen, den hellen Teint. Sie sah die Erleichterung in der Mimik ihres Ebenbildes aufsteigen, noch bevor sie sie selbst spürte. Den Hebel unter dem Spiegel drehte sie nach links und rieb sich mit beiden Händen etwas kaltes, klares Wasser ins Gesicht. Gegen die trockene Kehle nahm sie anschließend mehrere, kräftige Schlucke mit der rechten Hand. Einige Sekunden stand sie mit beiden Händen abgestützt vor ihrem Spiegelbild und musterte es schweigend. Dann trat sie den Rückweg zum Bett an.
 
Jo hatte noch ein wenig geschlafen und saß wieder aufrecht im Bett. Sie dachte nach. Es macht keinen Sinn. Ich weiß, wer ich bin. Ich kenne mein Gesicht. Aber wo bin ich? Wie bin ich hier her gekommen?  Wo ist meine Vergangenheit?

Es klopfte. Jo zog die Bettdecke ein Stück höher und wich ein kleines Stück näher zum Kopfende des Bettes. Ohne dass genug Zeit blieb, auf das Klopfen zu antworten, öffnete sich die Tür. Zwei Frauen und ein Mann traten ein. Der Mann trug einen weißen Kittel und ein Klemmbrett. Seine kurzen, dunklen Haare waren durch einige, graue Strähnen unterbrochen. Kleine Falten an den Augen und Lachfältchen an den Mundwinkeln traten hervor, als er milde lächelte und sagte:
„Guten Morgen Joanne. Schön, sie munter anzutreffen. Wie geht es ihnen denn?“
„Ganz gut. Etwas schwach.“ Jos Hände klammerten sich fester an die Bettdecke.
Der Mann notierte sich schweigend etwas auf seinem Klemmbrett, während seine Kollegin am Tropf hantierte. Auch sie trug einen weißen Kittel. Sie war wesentlich jünger und hatte die dunkelblonde, lange Mähne zu einem kräftigen Pferdeschwanz zurück gebunden. Sie sagte nichts.

„Wo bin ich?“ Neugier blitzte in Jos Augen auf, als sie sich zu der Frage überwand.
Die dritte Frau trat vor. Sie war etwas jünger als der Mediziner, dunkel gekleidet, trug ihre dunkelblonden Haare kurz und wirkte mit ihrer schmalen Brille und dem kantigen Gesicht etwas lehrerhaft. Sie war klein, wirkte aber zäh und drahtig. Sie blickte Jo auf eine Art an, die etwas durchdringendes hatte.
„Willkommen auf Outback 4B. Woran erinnern sie sich?“
Jos Stirn lag in Falten. „Outback? Was bitte?“
„Eine Minenstation im Weltraum. Woran erinnern sie sich?“
„Im Weltraum ...“ Jo schnaufte leise, blickte suchend an der Frau vorbei und fixierte die Zimmerdecke.
„Ich erinnere mich kaum. Ich weiß, wer ich bin. Aber nicht, wie ich hierher gekommen bin …“
„Keine Angst. Das ist normal nach der langen Reise. Mein Name ist Nathalya Sarrat. Sie sind vor einigen Tagen hier angekommen. Die Kollegen hier haben sie aus ihrer Stasis erweckt.“
„Stasis.“ murmelte Jo ungläubig und starrte auf den Boden.

Fragmente von Erinnerungen blitzten in ihr auf. Sie kniff die Augen zusammen, runzelte die Stirn und versuchte Ordnung in das Chaos in ihrem Kopf zu bringen. Ihr wurde warm. Und etwas schwindelig.
Jo hob ihren Blick, sah Nathalya an und wiederholte leicht nickend, wie um sicher zu gehen, dass sie alles richtig verstand:
„Stasiskammer. Minenstation. Weltraum. Richtig?“
Nathalya wirkte ungeduldig und spulte ihre Antwort ab, als würde sie diese täglich wiederholen.
„Ja. In Kurzform: Die Erde ist nahezu unbewohnbar. Der Konvent organisiert den „Großen Aufbruch“. Sie und viele andere haben sich in Stasis auf eine mehr als tausendjährige Reise begeben. Wir sind dabei, neue Lebensräume zu erschließen. Kommt ihnen das bekannt vor? Die Minenstation unterstützt die Besiedlung eines Planeten in einigen dutzend Lichtjahren Entfernung.“
„Ähm... geben sie mir einen Moment.“ Jo schluckte.

Tausend Jahre in Stasis, das war eine Information, die erst mal wirken musste. Sie spürte, wie ihr Puls stieg. Die Geschichte vom „Großen Aufbruch“ kam ihr aber tatsächlich irgendwie vertraut vor. Irgendwo in ihrem Hirn vergraben war das schon abgespeichert. Sie atmete langsam und tief.

„Irgendwas klingelt da. Und was genau mache ich hier?“
„Joanne, sie sind laut unseren Unterlagen technisch vielseitig begabt und sind vorgesehen, eines unserer Wartungsteams zu unterstützen.“

Nathalya machte eine bedeutungsvolle Pause und versuchte einen freundlicheren Gesichtsausdruck aufzusetzen. So richtig überzeugend wirkte es nicht. Mit ruhiger Stimme und ernstem Ton sprach sie langsamer weiter:
„Regelmäßig treffen hier einige neue Bewohner ein. Wie sie, haben die meisten erhebliche Gedächtnislücken. Das ist eine Nebenwirkung der Stasis. Machen sie sich keine Sorgen, sie können sich noch ein wenig erholen, wir werden uns um sie kümmern. Nach und nach werden sie das Leben hier auf der Station dann kennenlernen.“

Jo hörte unbewusst auf zu atmen, während sie ihren Puls in der rechten Schläfe spürte. Nathalya nickte erst Jo, dann den Medizinern kurz zu und verlies das Zimmer, ohne Raum für weitere Nachfragen zu lassen.

Jo atmete tief aus, so dass man es gut hören konnte.
„Puh. Vielbeschäftigt, die Frau?“ Jo murmelte die Frage in den Raum, ohne wirklich eine Antwort zu erwarten. Dumme Frage.
„Ja. Immer gestresst. Nicht persönlich nehmen.“ antwortet die junge Medizinerin beschwichtigend und lächelte dabei. Das freundliche und aufgeschlossene Gesicht der Frau hatte etwas beruhigendes.
„Sonst alles ok? Sie brauchen sicher erst mal etwas Zeit für sich. Nachher wird ihnen etwas zu Essen gebracht.“
„Das wär gut.“ Die beiden Mediziner wandten sich zur Tür.

„Danke.“ schickte Jo den beiden noch leise hinterher, während sich ihre Hände endlich entkrampften.


Vieles wurde dir ja schon gesagt und ich werde auch nicht an Wiederholungen vorbeikommen, aber ich werde jetzt trotzdem nochmal meinen Senf dazu tun. Vielleicht hilft es dir ja smile

Ich finde den Anfang auch langgezogen und mühsam zu lesen. Auch wenn ich nicht gerade behaupten möchte, dass es "langweilig" sei, wie Natalie es empfand, fand ich es doch auf ähnliche Weise abschreckend. Es ist gut, detaillierte Empfindungen der Protagonistin zu beschreiben, aber weder haben wir an dieser Stelle als Leser schon eine konkrete Situation, um mit ihr mitzufühlen, noch ein Ereignis, was geschieht oder geschehen ist. Und vielleicht klingt das jetzt etwas grob; bis ins kleinste Detail zu beschreiben, wie deine Protagonistin fast kübeln muss, ist eher abstoßend als fesselnd für Leser wie mich.

Dann habe ich noch einen kleinen Fehler entdeckt, der dir glatt 2x passiert ist:

Zitat:
Die Schwärze lies langsam nach.

Zitat:
Das Stechen, die Kälte, der dröhnende Schmerz im Hals, langsam lies alles etwas nach, wurde einigermaßen erträglich.


"Lies" kommt vom Wort "lesen". Ich glaub dir ging es aber hier mehr ums nachlassen, wofür "ließ" richtig gewesen wäre. Und ich glaube nicht, dass du sagen wolltest, dass die Schwärze langsam nachgelesen hat wink

Dann gegen Ende deines Einstands der Dialog - Ja, auch ich würde sagen es wirkt sehr gekünstelt. Es ist natürlich eine gute und einfache Methode, die Protagonistin in einer fremden Welt erwachen zu lassen, in der sie genauso wie der Leser gerade neu angekommen ist, und ich will es dir auch gar nicht ausreden. Aber jemanden, der gerade sowieso von allem überwältigt ist in seiner Umgebung und all den Geschehnissen, erst einmal straight forward zu sagen:

Zitat:
"Ja. In Kurzform: Die Erde ist nahezu unbewohnbar. Der Konvent organisiert den „Großen Aufbruch“. Sie und viele andere haben sich in Stasis auf eine mehr als tausendjährige Reise begeben. Wir sind dabei, neue Lebensräume zu erschließen. Kommt ihnen das bekannt vor? Die Minenstation unterstützt die Besiedlung eines Planeten in einigen dutzend Lichtjahren Entfernung."


ist die wohl sicherste Methode für Ärzte, um den Patienten direkt ins künstliche Koma zurückzuversetzen wink Versuch es etwas subtiler anzugehen hier mit den Dialogen. Mach nicht große Info-Brocken, die der Leser genauso lange und schwer verarbeiten muss wie die Protagonistin, sondern versuche, die Informationen häppchenweise einzustreuen.

Dann dieser Abschnitt hier:

Zitat:
Jo schob sich etwas weiter über die Bettkante und setzte die Füße auf den Boden. Langsam erhob sie sich, kam ins Wanken und klammerte sich am Nachtschränkchen fest. Es hatte Rollen. Jo löste die an einem Rad eingerastete Bremse mit dem Fuß und zog den Schrank vorsichtig vor sich. Sie griff sich den Beutel vom Haken, der mit einem dünnen Schlauch mit ihr verbunden war, und legte ihn auf den Schrank. Kochsalz , Nährstoffe und ein Mittel, dass sie nicht kannte, wies ein kleines Etikett als Inhalt aus. Sie nutzte den Schrank wie einen Rollator und stützte sich darauf, um sich Schritt für Schritt zur Sanitärnische zu bewegen. Ein Fuß vor den anderen, dann wieder den Schrank verrücken. Es dauerte, bis sie ankam.

Sie schob den Schrank vor der Nische beiseite und zog sich am Waschbecken in den Raum. Im Spiegel erkannte sie die wuscheligen, schwarzen Haare, die dunkelgrünen Augen, ihre markanten Wangenknochen, den hellen Teint. Sie sah die Erleichterung in der Mimik ihres Ebenbildes aufsteigen, noch bevor sie sie selbst spürte. Den Hebel unter dem Spiegel drehte sie nach links und rieb sich mit beiden Händen etwas kaltes, klares Wasser ins Gesicht. Gegen die trockene Kehle nahm sie anschließend mehrere, kräftige Schlucke mit der rechten Hand. Einige Sekunden stand sie mit beiden Händen abgestützt vor ihrem Spiegelbild und musterte es schweigend. Dann trat sie den Rückweg zum Bett an.


Die Beschreibung von dem Tropf, seinen Inhalten usw. kam mir erstmal wie Info-Dumping vor, also unnötige Informationen, die eigentlich nicht sonderlich spannend sind. Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr frage ich mich, was mir dieser Abschnitt überhaupt erzählen soll; Jo steht im Grunde genommen auf, macht 3 Schritte, macht das quasi schon klischeehafte "Wasser ins Gesicht klatschen um sicherzustellen, dass das kein Traum ist" und legt sich dann wieder hin. Das mag zwar alles nachvollziehbar sein, den Charakter glaubwürdiger machen und so weiter, aber im Grunde genommen bringt es die Handlung kein Stück weiter und wirkt auf mich etwas überflüssig. Lass Jo an der Handlung wachsen, das wäre viel spannender als kleine Schritte mit ihr in die neue Welt zu gehen.

Und zum Schluss noch eine persönliche Präferenz:
Als ich zum ersten mal auf den Namen "Jo" stieß, war ich verwirrt, denn ist es auch eine andere Ausdrucksform von "Ja". Ich will dir nicht sagen, dass du den Namen deiner Protagonistin ändern solltest - der ist schon ganz in Ordnung - aber ich habe mir als Hobby-Schreiberling die Regel gesetzt, dass ich meine Charaktere immer mit vollen Namen anspreche, in dem Falle dann aber mit vollem Vornamen, wir wollen ja schließlich keinen Brief lesen, sondern eine Geschichte. Wenn Freunde und Familie Joanne als "Jo" ansprechen, ist das in Ordnung und nachvollziehbar - man kennt sich schließlich seit Jahren, und Abkürzungen von Namen anderer sind im Alltag nicht unüblich. Aber Joanne kennt den Erzähler nicht persönlich, ihr habt keine Beziehung zueinander, und da wirkt es für mich immer etwas befremdlich, die Abkürzung des Namens zu verwenden. Wie du es realisierst, ist am Ende deine Sache. Aber wie schon gesagt, würde ich als Erzähler jede Person immer mit vollem Vornamen ansprechen, und nur in wörtlichen Reden die Abkürzungen verwenden.

Das wars auch schon. Wünsche dir weiterhin viel Erfolg mit deinem Buchprojekt! smile


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elzero
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BeitragVerfasst am: 11.08.2020 08:51    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke dir.
Ja, die erschlagende Information im Dialog. Die soll schon auch hart rüberkommen für die Protagonistin. Zumal Nathalya keine Ärztin ist, ihre Unfähigkeit zu Mitgefühl schon anklingen soll und sie später noch eine unangenehme (Neben-)Rolle spielt. Aber das muss ich geschickter lösen, werde mir da etwas einfallen lassen. Es soll ja die Protagonistin "erschlagen", nicht den Leser.
Und der Rest wird definitiv gekürzt.

Zur Sache mit dem Vornamen. Also es ist ja im Grunde genommen Jos Geschichte und ihre Perspektive, ihr Erleben, was erzählt wird. Niemand, der sie kennt, nennt sie beim vollen Namen. Der Leser soll sich mit ihr identifizieren. Wenn der volle Name fällt, soll das Distanz zeigen. Von diesem Kapitel (höchstwahrscheinlich doch ein Rückblick weiter hinten in der Geschichte ) mal abgesehen, fällt der volle Name nur an einer Handvoll Stellen und in Zusammenhängen, wo sich Unheil anbannt. Wenn ein Charakter den vollen Namen benutzt, soll dieser beim Leser vom ersten Gefühl her direkt auf der "anderen Seite" stehen. Der Leser erfährt auch lange nicht, wie sie eigentlich heisst. So zumindest meine Gedanken dahinter.
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flyingbrickoncloud9
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BeitragVerfasst am: 12.08.2020 13:46    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo elzero,

ich finde, die Geschichte sehr gut geschrieben.

Die ausführliche Art, geeignet für den Beginn eines Romans, gefällt mir. Du bringst neue Informationen in kleinen Häppchen, die das Interesse am Weiterlesen wach halten. Langweilig finde ich das nicht, da Du eine sehr gute Wortwahl gefunden hast und ich bekomme ein sehr klares Bild von der Scene. Okay, ich bin bekennender Murakami Fan.

Ein Buch, das so beginnt, würde ich sicher weiter lesen.

Als technisch interessiertes Motorrad habe ich die handelnden Personen mal nachgezählt: Drei Personen betreten den Raum, zwei Frauen und ein Mann. Dann lässt Du die dritte Frau vortreten  
    ("Die dritte Frau trat vor").
Also entweder die dritte Person oder die zweite Frau, Jo würde ich hier nicht mitzählen.

Ich bin gespannt, wie es weiter geht.
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Mumienfreund
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BeitragVerfasst am: 12.08.2020 16:48    Titel: Antworten mit Zitat

flyingbrickoncloud9 hat Folgendes geschrieben:



Als technisch interessiertes Motorrad habe ich die handelnden Personen mal nachgezählt:


Stammt das aus google translate?
Wenn nicht: Faszinierend, dass beseelte Objekte hier mitlesen und schreiben …
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MarVeRiCk94
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BeitragVerfasst am: 12.08.2020 19:30    Titel: Antworten mit Zitat

Mumienfreund hat Folgendes geschrieben:
Stammt das aus google translate?
Wenn nicht: Faszinierend, dass beseelte Objekte hier mitlesen und schreiben …


Frechdachs Razz

Steht alles auf dem roten Teppich des fliegenden Ziegel-Motorrads erklärt wink

Zitat:
Danke dir.
Ja, die erschlagende Information im Dialog. Die soll schon auch hart rüberkommen für die Protagonistin. Zumal Nathalya keine Ärztin ist, ihre Unfähigkeit zu Mitgefühl schon anklingen soll und sie später noch eine unangenehme (Neben-)Rolle spielt. Aber das muss ich geschickter lösen, werde mir da etwas einfallen lassen. Es soll ja die Protagonistin "erschlagen", nicht den Leser.
Und der Rest wird definitiv gekürzt.

Zur Sache mit dem Vornamen. Also es ist ja im Grunde genommen Jos Geschichte und ihre Perspektive, ihr Erleben, was erzählt wird. Niemand, der sie kennt, nennt sie beim vollen Namen. Der Leser soll sich mit ihr identifizieren. Wenn der volle Name fällt, soll das Distanz zeigen. Von diesem Kapitel (höchstwahrscheinlich doch ein Rückblick weiter hinten in der Geschichte ) mal abgesehen, fällt der volle Name nur an einer Handvoll Stellen und in Zusammenhängen, wo sich Unheil anbannt. Wenn ein Charakter den vollen Namen benutzt, soll dieser beim Leser vom ersten Gefühl her direkt auf der "anderen Seite" stehen. Der Leser erfährt auch lange nicht, wie sie eigentlich heisst. So zumindest meine Gedanken dahinter.


Okay, dass Nathalya keine ausgebildete Frau Doktor und Ärztin ist, war mir im Vorhinein nicht klar. Das ganze Setup an der Stelle sind ja klinische Räumlichkeiten, und wenn eine Gruppe von Leuten reinkommt, wovon eine/-r oder mehrere ein Klemmbrett bei sich tragen, assoziiere ich damit meistens den Arzt/die Ärztin und das Pflegepersonal wink

Ja, mir ist bei meiner Empfehlung auch schon aufgefallen, dass einen Charakter immer bei seinem vollen Vornamen zu nennen, stets etwas Distanz zum Protagonisten wahrt. Wie schon gesagt ist das auch nur eine persönliche Präferenz von mir, wenn du dich besser mit den Abkürzungen fühlst kannst du das gerne fortsetzen, ich würde das nicht mit dem roten Korrektur-Kulli anstreichen wink


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elzero
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BeitragVerfasst am: 13.08.2020 09:51    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

flyingbrickoncloud9 hat Folgendes geschrieben:


Als technisch interessiertes Motorrad habe ich die handelnden Personen mal nachgezählt: Drei Personen betreten den Raum, zwei Frauen und ein Mann. Dann lässt Du die dritte Frau vortreten  
    ("Die dritte Frau trat vor").
Also entweder die dritte Person oder die zweite Frau, Jo würde ich hier nicht mitzählen..


Du hast Recht, da hat sich ein Fehler eingeschlichen. Ursprünglich stand da auch 3. Person.

Danke für das Feedback.

Zitat:
Okay, dass Nathalya keine ausgebildete Frau Doktor und Ärztin ist, war mir im Vorhinein nicht klar. Das ganze Setup an der Stelle sind ja klinische Räumlichkeiten, und wenn eine Gruppe von Leuten reinkommt, wovon eine/-r oder mehrere ein Klemmbrett bei sich tragen, assoziiere ich damit meistens den Arzt/die Ärztin und das Pflegepersonal


Ja, sie ist zwar anders gekleidet, aber das sie nicht dazu gehört, kommt nicht so gut raus. Bei der Überarbeitung lass ich sie vielleicht einfach erst später dazu kommen Cool
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sovaltor
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BeitragVerfasst am: 26.09.2020 16:57    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Elzero (cooler Avatar übrigens Wink ),

dein Text lässt sich sehr angenehm lesen. Gerade die Beschreibung am Anfang, als Jo im Tank aufwacht, finde ich sehr gut und damit stehe ich anscheinend im Widerspruch zu manch anderem hier. Very Happy

Also ich hab persönlich auch was gegen zu lange Beschreibungen, aber die hier am Anfang geht für mich voll in Ordnung. Der Trend in der heutigen Zeit geht halt zu immer kürzeren Beschreibungen, das merkt man vor allem dann, wenn man in älteren Romanen stöbert.

Dann wird es meiner Meinung nach ein wenig "langatmig", wenn es um die Beschreibung des Krankenzimmers und ihren Weg zum Spiegel geht. Aber du willst natürlich auch zeigen, dass Jo noch neben sich steht und etwas länger braucht.

Das Wissen, wo Jo überhaupt ist und was los ist, vermittelst du ebenfalls nicht auf einen Schlag, sondern Stück für Stück. Das finde ich ebenfalls gelungen.

Den Namen hab ich jetzt "auf Englisch gelesen", also "Dscho", denn sie heißt ja auch Joanne Coley und den Namen liest man ja automatisch "auf Englisch". Für mich gibt es da kein Problem.

Also für mich ist das so schon ein sehr gelungener Text und die Story klingt auch spannend. Gibt es davon schon mehr zu lesen?


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BeitragVerfasst am: 27.09.2020 13:11    Titel: Antworten mit Zitat

Auch mir ging es so, dass der zweite Teil sich sehr viel flüssiger liest. Hier wurde ja schon vieles gesagt, was ich nicht wiederholen möchte, aber vielleicht eins noch, was für mich zum Realismus beitragen würde: Ich glaube nicht, dass Nathalya davon sprechen würde, dass die Minenstation sich "im Weltraum" befindet oder "die Besiedelung eines Planeten in mehreren Lichtjahren Entfernung" (Entfernung von was übrigens?) unterstützt. Meiner Erfahrung mit Wissenschaftlern und sonstigen gut informierten Personen im All nach würde so jemand immer vom genauen Quadranten mit Weltraum-Längen-und-Breitengrad sprechen und den Planeten mit seinem sperrigen Namen (der mindestens einen griechischen Buchstaben und mehrere Ziffern beinhaltet) bezeichnen.
Und noch ein zweites: der gesamte Hintergrund der Story (der Große Aufbruch) wird dem Leser in einem Satz von Nathalya hingeworfen. Ich finde es immer spannender, erst nach und nach genauer zu verstehen, was passiert ist, warum wir uns hier auf der Minenstation im Weltall befinden, und was Jo, die ich zu diesem späteren Zeitpunkt ja dann auch bereits lieb gewonnen habe, wegen dieser tragischen Geschichte alles auf der Erde zurücklassen musste.
Auch ich würde auf jeden Fall weiter lesen, die Story finde ich spannend, und in den letzten paar Absätzen beginnt mir Jo auch schon sympathisch zu werden.


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elzero
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BeitragVerfasst am: 28.09.2020 09:16    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Heyho, lieben Dank für euer Feedback. Smile
Ich seh schon, die Meinungen gehen auch weiterhin ein wenig auseinander.
Im Moment hadere ich etwas mit dem bisher geschriebenen und überarbeite, stelle um, verwerfe, schreibe neu... Es geht leider nicht so recht vorwärts.

Aber eine Überarbeitung dieses Rückblicks steht inzwischen recht weit oben auf der Liste Wink
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