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Salat im Sommer


 

 
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Rhineghost
Geschlecht:männlichGänsefüßchen

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Beiträge: 19
Wohnort: Im Rheinland


BeitragVerfasst am: 14.07.2020 17:06    Titel: Salat im Sommer eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Salat im Sommer

Ich war durstig nach der langen Wanderung und fand mich kurz vor Nachtanbruch noch immer weit von meinem Ziel entfernt, als mir ein rettendes Licht entgegen raste. Den Daumen streckte ich die Straße entlang und ich sah wie ein Auto schon von Weitem sein Tempo verringerte und alsbald kam es neben mir zum Halten. "Verirrt?" ertönte es gedämpft, denn die Scheibe war nicht mal ganz hinuntergelassen worden. "Das passiert den Leuten hier häufiger, diese Route ist nichts für Anfänger." sagte er mit einem fatalen Fall von Häme. Ich versuchte einen genaueren Blick hineinzuwerfen, doch die letzten Sonnenstrahlen gebührten mir leider nicht mehr, als nur eine hagere Silhouette am Steuer zu sehen, die mehr kicherte als ich in einer solchen Situation für angemessen hielt. Schadenfreude ist wohl ein Phänomen, dass man nur dann gerne ertragen möchte, wenn man es selbst ist, der sie fühlt, doch anlässlich meiner Situation zwang ich mir ein Lächeln auf "Ja, ich habe mich wohl etwas übernommen.", kicherte ich zurück und versuchte diese peinliche Situation irgendwie zu überstehen.

"Steig ein, ich kann dich mitnehmen." - schon saß ich auf dem Beifahrersitz, denn ich war außer Atem und konnte ohnehin kaum noch stehen, doch ich versuchte mich zusammenzureißen. "Vielen Dank, ich sollte eigentlich jetzt im Rosenheim sein, wie weit ist es denn noch und ich wäre ihnen überaus dankbar, falls es nicht mehr allzu weit ist, wenn sie mich dorthin mitnehmen könnten.", hechelte ich, als wäre es mein letzter Atemzug. Gespannt erwartete ich die Antwort des Fremden, doch zu meinem Erstaunen schien er erst über irgendetwas nachzudenken und es dauerte bestimmt mehre Sekunden bis der Lachanfall begann. Ich verstand nicht, kam in Verlegenheit, empörte mich sogar ein Wenig und wollte ihn fragen, was denn bitte so komisch war, bis ich bemerkte wie herzhaft und ehrlich dieses Lachen war und es mir die Sprache verschlug. Augenscheinlich empfand der Mann eine manische Befriedigung aus einer solch banalen Situation. Ich wartete und als er endlich bemerkte, dass wir gerade mit achtzig im zweiten Gang unterwegs waren, schaltete er rasch in den Vierten und war schlagartig wieder die Ruhe selbst, einfach so, als ob er mit dem Hebel auch etwas in seinem Geiste geschaltet hätte.

Ich war stark überfordert, aber noch verzweifelter und wusste nicht weiter, also wiederholte ich schlichtweg meine Frage und seine Hand berührte sanft meine Schulter. "Das Rosenheim liegt auf der anderen Seite des Berges. Du musst wohl die letzten Stunden in die komplett falsche Richtung gewandert sein." antwortete er, jetzt aber mit extremen Mitgefühl, das fast schon an Pathos grenzte. Obwohl es ein überaus exzentrischer Humor zu sein schien, erklärte dies zumindest den Lachanfall, wenn auch nur in schwacher Weise. Er griff eine Wasserflasche aus dem Fach in der Seitentür und endlich konnte ich meinen Durst stillen. Das Wasser war mir schon vor Stunden ausgegangen. "Ich denke, ich nehme lieber ein Taxi bis nach Rosenheim, aber ich weiß ihre Geste wirklich zu schätzen.", sagte ich mit neu gewonnener Kraft. "Wenn ich kurz ihr Telefon benutzen dürfte, wäre ich auch schon wieder weg." In diesem Moment meinte ich, ein leichtes Grinsen auf seinem Gesicht erkennen zu können, aber der Wagen war zu dunkel, um wirklich sicher zu sein. "Hast du denn kein Handy? Diese Gegend mag entlegen sein, aber auch hier gibt es inzwischen mobilen Empfang."

Ich erklärte ihm, wie ich es vorzog auf altmodische Weise zu wandern, ohne technische Navigation und dass ein Smartphone oder eine Kamera dazu verleitet sich mehr über die schönen Fotos zu freuen, als über die Natur selbst. "Aber ein Handy hat auch seine Vorteile, mit einem wärst du jetzt sicherlich im Rosenheim." Statt eine ebenbürtig gewitzte Antwort zu entgegnen bermekte ich, wie in mir eine Abneigung gegenüber meinem Fahrer auftürmte. Erst lachte er mich aus, dann gab er mir eine Dosis Mitgefühl und nun suggerierte er mir wieder, dass dies ja alles schließlich mein eigener Fehler sei, was sein Mitgefühl nun eben doch nur höchstens wie eine Höflichkeit erschienen ließ. "Da haben sie wohl Recht", bemerkte ich kleinlaut. "Dürfte ich dann also ihr Telefon benutzen?" - es schien ein festes Ritual zu werden, dass ich meine Fragen erst wiederholen musste, bis er ihnen Beachtung schenkte. "Ein Taxi von hier ins Rosenheim und das zu dieser Zeit? Da müssen sie den alten Harry aus dem Schlaf klingeln, er betreibt das Nachttaxi - aber dafür verlangt er natürlich auch hohe Preise. Da musst du sicherlich mit einigen grünen Scheinen rechnen."

Ich schluckte erstmal. Die Uhr im Auto zeigte halb Zehn. Ein Fahrerwechsel schien nun außer Frage zu stehen, denn soviel Geld hatte ich nicht dabei und ich bezweifelte, dass auf einer ländlichen Straße wie dieser irgendwo ein einsamer Bankautomat seine Dienste anbot. Ich musste mich wohl damit anfreunden auf dem Gehöft dieses Herren eine Nacht zu fristen. "Wie heißen Sie denn eigentlich?" fragte ich ins Blaue. Er setzte den Blinker links und wir bogen von der Straße in eine Art Feldweg ein. Dabei fiel mir auf, dass er jetzt bestimmt schon zum dritten Male einen Blick zur Sonne wandte, dessen äußerster Rand kaum noch zu sehen und alsbald einer mondlosen Nacht weichen würde, denn es war stark bewölkt. Wir fuhren eine Zeit lang geradeaus, dann rechts und wieder rechts. Als wir wieder in eine fester bebaute Straße einbogen, war es stockdunkel. Es war die gleiche Straße, dessen war ich mir sicher. Wie sonst auch hatte ich mir Karten meiner Route angeschaut und im Rahmen meiner Vorbereitungen festgestellt, dass es um den gesamten Berg nur eine betonierte Straße gab. Hatte er sich verfahren?

Tatsächlich bog er keine Minute später wieder in einen ähnlichen Feldweg ein, der auch nach links verlief, was mich ein wenig beruhigte, denn für eine kurze Zeit hatte ich eine dunkle Vorahnung. Der Scheinwerfer bot nur fahles Licht, das sicherlich nicht ausreichte, um einen Pfad vom anderen unterscheiden zu können, so schlussfolgerte ich und beschloss jetzt einen weiteren Versuch zu starten. "Wie heißen Sie denn, wenn ich fragen darf?" Diesmal folgte seine Antwort prompt. "Kurt". Überraschenderweise fragte er nicht sogleich nach meinem Namen, wie man es üblicherweise als Anhängsel der eigenen Antwort tat. Nach wenigen Minuten kam der Wagen vor einem Zaun zum Stillstand, die Handbremse wurde angezogen und der Schlüssel entfernt. "Folg mir und falls du mich verlierst, schrei einfach." Ich stieg vorsichtig aus und hörte wie sich eine Zauntür öffnete. Meine Augen gewöhnten sich schnell an die Dunkelheit und so konnte ich, wenn auch mit viel Mühe und vorsichtigen Schrittes, Kurt folgen.

Während des kurzen Weges versuchte ich Umrisse meiner Umgebung auszumachen. Lediglich in einer Art Garten konnte ich etwas erkennen, dass aussah wie Kürbisse. Zu dieser Jahreszeit allerdings eher Salat, dachte ich. "Vorsicht, Stufe.", ertönte es. Das Umdrehen eines Schlüssels und eine leicht knatschende Tür folgten dieser Weisung. Kurt geleitete mich in sein Heim, schloss die Tür und machte das Licht an. In einem Vorraum legte ich die Jacke ab und folgte ihm, wie ich mutmaßte, in sein Wohnzimmer. Hier fanden sich keine Überrraschungen. Es war zwar etwas altmodisch eingerichtet aber durchaus eine völlig normale Wohnung, nur die Vorhänge waren allesamt zugezogen. Kurt drehte sich um und bot mir an, mich an einen Holztisch zu setzen. Da konnte ich ihn zum ersten Mal wirklich sehen. Sein Körper war hager, aber überraschend groß. Der Fahrersitz muss tief gewesen sein, denn Kurt grenzte sicherlich an die zwei Meter. Arme und Beine waren lang und dünn, machten einen fast wackeligen Eindruck und ließen mich an eine Vogelscheuche denken. Sein Gesicht könnte man am besten als zerfallen beschreiben. Fahle, eingesackte Backen über denen Tränensäcke und Augenringe fast markanter waren, als die riesigen Augen selbst. Sein Kopf war kahl und lediglich winzige, schwarze Stoppeln bildeten eine Art Mönchsfrisur.

Er war eine furcherregende Gestalt, die allerdings ein verschmitztes Grinsen trug. "Setz dich. Ich mach uns einen Tee und danach mache ich uns ein Abendessen. Fühl dich wie zu Hause." Eine Anweisung, der ich nicht folgen konnte. Mir war Unwohl und ich musterte den Raum nun etwas genauer. In der einen Ecke stand ein alter Röhrenfernseher und davor ein Sessel mit Wärmedecken, in der anderen fand sich ein Tisch mit einem üppigen Teeservice, möglicherweise Silber. Im Zentrum des Raumes war der große Tisch, an dem ich gerade saß und der einen rustikalen Charme hatte. Die Wände waren mit Holz verkleidet und voll von Bildern, welche alle Landschaftsmotive zeigten und eine heile Welt suggerierten. Neben der Tür, durch die Kurt soeben verschwunden war, befand sich ein steinerner Kamin, Seite an Seite mit einem Schaukelstuhl auf dem Stricknadel und Faden lag. Hier bemerkte ich etwas überraschendes. Auf dem Kaminsims befanden sich Familienfotos, auf denen ein älteres Ehepaar zu sehen waren, sicherlich weit über das Rentenalter hinaus, die teilweise kleine Kinder in den Armen hielten, welche fröhlich in die Kamera schauten. Hochzeitsbilder in schwarz-schweiß, Fotos vor unterschiedlichen Weihnachtsbäumen, eines im Schwimmbad und sonst auch allerlei alltägliche Motive waren hier ebenfalls abgebildet und wenn man sie in einer gewissen Reihenfolge ansah, stellte man fest, dass es immer das gleiche Ehepaar sein musste. Man konnte ihr Älterwerden förmlich miterleben, wie die Falten sich multiplizierten und ihre Knochen gebrechlicher wurden.

Aber nirgends, wirklich nirgends, fand man Kurt. Mehrere Minuten lang war ich verdutzt und meine Unruhe verstärkte sich mehr und mehr. Ich musste einfach aufstehen und begann nervös umherzulaufen. Die Fenster waren noch immer von weißen Vorhängen verdeckt, auf denen florale Muster aufgenäht waren. Ich beschloss einen Blick hinaus zu wagen, doch just in diesem Moment betrat Kurt wieder den Raum, der sichtlich Mühe hatte die Tassen in seinen dürren Fingern zu balancieren. Er bewegte sich wie auf einem Drahtseil, schaffte es jedoch die Tassen auf dem Tisch zu platzieren mit nur wenigen Spritzern, die der Tisch abbekam. "Dankeschön." kratzte es aus meinem Hals. "Ich bin gleich wieder da." Eine unheilvolle Aura breitete sich mit dem Klang seiner Worte aus. Diesmal verschwand er zurück in den Vorraum und ich vernahm das gleiche Knartzen der Haustür, das ich schonmal hörte. Mein Herz begann zu Pochen und es war deutlich zu spüren. Dies war der Grund für Alpträume. Sie sollen dich auf eben genau auf diesen Moment vorbereiten, auf dass man sich nicht vollkommen wehrlos seinem Schiksal ergab, sondern von Angesicht zu Angesicht mit der Angst wenigstens ausgeprägte Instinkte hatte.

Ich ging durch die Tür, aus der Kurt mit dem Tee gekommen war, denn ich wollte nicht durch die Vordertür hinaus und in seine langen, dürren Arme laufen. Es war die Küche. Ich öffnete Schubladen und Schränke, suchte nach Messern, am besten solchen, mit denen man Fleisch zubereitete und wurde auch fündig. Es war Edelstahl und machte nicht den Anschein, viel benutzt zu sein, demnach erhoffte ich mir eine entsprechende Schärfe. Bewaffnet versteckte ich mich hinter der Küchentür und ließ sie extra offen. Er solle wissen, dass sein Opfer wahrscheinlich hineingegangen war und ich würde direkt hinter der Tür auf ihn lauern. Ich hielt den Atem an und bemerkte jetzt erst eine gewisse Kälte. Tatsächlich stand die Kühlschranktür leicht offen und Stück für Stück breitete sich der Spalt immer weiter aus bis ich schließlich einen fatalen Blick zu Angesicht bekam. Ich schrie wie am Spieß. Der frostumhüllte Schädel gehörte ohne Zweifel dem Mann, den ich auch auf den Fotos gesehen hatte. Ich rannte durch die Tür zurück ins Wohnzimmer und im selben Moment zog Kurt seinen Kopf ein, um vom Vorderraum ebenfalls einzutreten. In seiner Hand war eine Gartenschere und getrocknetes Blut klebte an der Schneide. Er lächelte und erneut ertönte sein manisches Gelächter. "Ich wollte sie erst etwas kühlen, bevor ich sie auch raustue" sagte er schließlich. Ich ließ das Messer fallen und rannte auf eines der Fenster zu. Obwohl der Abstand zwischen uns etwa seiner Körpergröße entsprach, hatte er durch seine grauenvolle Arme, die nicht stark genug waren, um die Schere schnell anzuheben, eine enorme Reichweite. Samt Vorhang sprang ich ins Freie und das Klirren der Scherben hallte im Raum wider. Auf dem kalten Boden versuchte ich mich verzweifelt von dem Stoff zu befreien und als mir dies gelang, sah ich seinen gelenkigen Körper über mir aus dem Fenster lehnen und die geöffnete Schere näherte sich meinem Hals.

In dieser Sekunde des Grauens war es, als ob der Sensenmann selbst auf mich herabsah, doch ich schaffte es auszuweichen und rollte zur Seite, bis mein Kopf auf etwas Hartes stieß. Zwei tote Augen blickten mich erneut an. Wieder schrie ich, aber tat auch, was ich tun musste und rappelte mich auf die Beine. Jetzt ermöglichte mir das Licht, welches aus dem Innern des Hauses nach draußen strömte, den Anblick, den Kurt mir wohl eigentlich ersparen wollte. Ich hatte Recht gehabt, es waren keine Kürbisse.
Kreischend rannte ich in die Dunkelheit und Kurt rief mir noch etwas hinterher. "Den Kopfsalat lasse ich der Polizei da!"

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holg
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Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 14.07.2020 19:33    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Rhineghost.

Da ist ein ziemlich genialer erster Satz, den du da präsentierst. Die Situation ist ohne großes Herumerklären sofort klar, die Handlung beginnt. Soweit, so perfekt.

Der nächste Satz sperrt sich direkt, wegen der seltsamen Stellung vom Daumen, den ich ganz woanders erwartet hätte. Ich frage mich, ist das Stilmittel (dann mag ich es nicht), oder wollte der Autor einfach nicht schon wieder einen Satz mit "ich" beginnen (dann schlage ich "Den Daumen die Straße entlang gereckt sah ich" vor, und "alsbald neben mir zum Halten kam").
Das Weitere wird schwer zu lesen. Üblicherweise wird vor dem Beginn einer wörtlichen Rede ein Zeilenumbruch gesetzt. Das macht es Leser*innen leichter. Überhaupt ist die Zeichensetzung im Zusammenhang mit der wrtl. rede eher kreativ.

Zitat:
schon zum dritten Male einen Blick zur Sonne wandte, dessen äußerster Rand kaum noch zu sehen und alsbald einer mondlosen Nacht weichen würde
Hier stimmt was nicht.

Die Geschichte selbst gefällt mir gut, obwohl ich kein Horror-Fan bin. Es war dieser erste Satz, der mich reingezogen hat.
Der Rest ist clever gemacht, man ahnt das Unheil, beim Namen Kurt dachte ich an Werwolf, aber der Twist mit den Kürbissen ist cool eingefädelt.

Ein paar Unsicherheiten und Fehlerchen noch, an ein, zwei Stellen aus dem ansonsten mMn sehr guten Stil gefallen.

Insgesamt ein feine Geschichte.


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CIPO86
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BeitragVerfasst am: 14.07.2020 21:31    Titel: Antworten mit Zitat

Sprachlich ist das eher nicht meins. Der erste Satz ist bis auf das fehlende Komma richtig gut, aber danach....für meinen Geschmack zu viele und...und Konstruktionen, viel denn...., Wortwiederholungen, teils imho unpassende Wortwahl...(bspw. „...wie sich in mir eine Abneigung auftürmte...“, oder „...kicherte ich zurück und versuchte diese peinliche Situation irgendwie zu überstehen....“ oder „... denn die Scheibe war nicht mal ganz hinuntergelassen worden...“), oder abrupte, nicht nachvollziehbare Wechsel („... Aber nirgends, wirklich nirgends, fand man Kurt...“) und relativ plumpe oder unbeholfene Formulierungen („Ich war stark überfordert, aber noch verzweifelter und wusste nicht weiter...oder „.. einen fast wackeligen Eindruck und ließen mich an eine Vogelscheuche denken. Sein Gesicht könnte man am besten als zerfallen beschreiben..“ oder „... Mein Herz begann zu Pochen und es war deutlich zu spüren. Dies war der Grund für Alpträume. Sie sollen dich auf eben genau auf diesen Moment vorbereiten, auf dass man sich nicht vollkommen wehrlos seinem Schiksal ergab, sondern von Angesicht zu Angesicht mit der Angst wenigstens ausgeprägte Instinkte hatte. ...“), die mit Formulierungen wie „ doch die letzten Sonnenstrahlen gebührten mir leider nicht mehr“ seltsam kontrastieren, teils fehlende Logik („... dessen äußerster Rand kaum noch zu sehen und alsbald einer mondlosen Nacht weichen würde, denn es war stark bewölkt. Wir fuhren eine Zeit lang geradeaus, dann rechts und wieder rechts. Als wir wieder in eine fester bebaute Straße einbogen, war es stockdunkel...“ oder „...Man konnte ihr Älterwerden förmlich miterleben, wie die Falten sich multiplizierten und ihre Knochen gebrechlicher wurden...“.)

Mit der Zeichensetzung scheinst du auch etwas Probleme zu haben.
Inhaltlich finde ich die Geschichte besser, auch wenn sie nichts Neues bietet.
Und manche Formulierungen sind gut gelungen, wie der erste Satz und dieser : „...Eine unheilvolle Aura breitete sich mit dem Klang seiner Worte aus...“

Ich würde sagen: da ist Potenzial vorhanden, aber du müsstest noch an deinem Stil feilen.
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Rhineghost
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BeitragVerfasst am: 14.07.2020 22:30    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank euch Beiden.


Dass der erste Satz euch gefallen freut mich schonmal und ich gebe zu, dass der Rest teilweise (sehr) schlampig formuliert ist. Den Text habe ich gestern und heute in zwei Sitzungen geschrieben und auch nicht nachbearbeitet. Es ist eine Rohfassung. Ich hatte einfach Durst nach etwas Feedback und bevor dieser hier als eine der weiteren unvollendeten KGs auf meinem Rechner endet habe ich den Text einfach mal auf gut Glück gepostet. Ich hoffe das nimmt mir niemand zu übel, da es ja auch im Einstandsforum ist.

Zur Zeichensetzung habe ich euch nichts hinzuzufügen. Ich setzte sie oft einfach nach Gefühl und für mich liest sich das dann immer richtig, leider trügt mich mein Instikt da sehr oft. Da hilft es natürlich nicht, dass ich manchmal zu verschachtelten Sätzen tendiere und da die falsche Zeichensetzung fast schon peinlich ist. Wenn man sowas schreibt, dann sollte man es ja eigentlich beherrschen und ich hoffe, dass ich das irgendwann mal richtig lerne.

Zitat:
schon zum dritten Male einen Blick zur Sonne wandte, dessen äußerster Rand kaum noch zu sehen und alsbald einer mondlosen Nacht weichen würde

Tatsächlich fehlt da glaube ich ein "war". Aber vielleicht lasse ich mir auch einfach eine andere Formulierung einfallen.

Jetzt habe ich die Geschichte auch zum ersten Mal mit dem nötigen Abstand gelesen und ich verstehe, dass er für alle Anderen außer dem Autoren oft mühseelig zu Lesen zu scheint.

Dennoch freut es mich, dass ihr die Geschichte inhaltlich ganz okay fandet.

LG
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holg
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Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 14.07.2020 23:02    Titel: Antworten mit Zitat

Schön, dass du was mit den Kommentaren anfangen kannst.
Willst du hier an der Geschichte arbeiten?
Oder ging es dir nur darum, erst einmal etwas zu zeigen und Feedback zu bekommen?
Beides wärevöllig in Ordnung.

Gruss
Holg


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Rhineghost
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BeitragVerfasst am: 15.07.2020 13:06    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich werde an der Geschichte arbeiten, leider kann ich sie hier nicht mehr editieren, deswegen ist das alles bisher nur in meinem Dokument.

Mir war es einfach wichtig etwas Feedback zu bekommen, vorallem was den Inhalt angeht, bevor ich am Stil und der Formulierung weiter feile, denn ich schreibe normalerweise KGs, die über einen wesentlich längeren Zeitraum spielen als hier und auch eher phantastisch sind. Deswegen war ich mir nicht sicher, ob eine so kurze und "realistische" Handlung überhaupt interessant ist, besonders im Horrorgenre.

Vorallem meine verschachtelten Sätze müssen mMn reduziert werden, aber gerade arbeite ich erstmal an der Zeichensetzung.

LG
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holg
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Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 15.07.2020 13:34    Titel: Antworten mit Zitat

Rhineghost hat Folgendes geschrieben:
Ich werde an der Geschichte arbeiten, leider kann ich sie hier nicht mehr editieren, deswegen ist das alles bisher nur in meinem Dokument.

Wirklich editieren geht hier nicht. Du könntest die Story oder von dir überarbeitete Teile als Antwort einstellen und unter dem Editorfenster "Neue Version" anklicken. Dann können Kommentator*innen direkt zu diesem Beitrag springen.

Rhineghost hat Folgendes geschrieben:

Vorallem meine verschachtelten Sätze müssen mMn reduziert werden, aber gerade arbeite ich erstmal an der Zeichensetzung.

Das mit den Sätzen ist sicherlich Geschmacksache.
Und deine sind mir nicht negativ aufgefallen (bis auf ein paar grammatikalische oder lexikalische Punkte).
Ich hab da gar nichts gegen - schau mal in Fontanes Effi Briest oder Berhnhards Holzfällen. Jeweils erste Seite. Oder Kafkas Abendspaziergang. Das sind Sätze!
Wichtigste Voraussetzung für verschachtelte Sätze ist, wuchtige Konstruktionen zu beherrschen und sie lesbar zu halten. Das kann man hier in der Werkstatt oder im Übungsbereich prima üben.

Zur Zeichensetzung gibts prima online-Ratgeber.

Nur Mut!

Holg


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CIPO86
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BeitragVerfasst am: 15.07.2020 14:34    Titel: Antworten mit Zitat

Wie gesagt: inhaltlich besser als sprachlich.
Inhaltlich gut, aber auch nicht umwerfend für meinen Geschmack.
Aber wenn das deine erste Geschichte in dem Genre war, kannst du das vermutlich noch besser.

Gegen längere Sätze habe ich im Übrigen auch gar nichts.
Aber es ist schwieriger, diese verständlich zu schreiben.
Und die richtige Zeichensetzung hilft dabei, auch wenn eine entsprechende Formulierung nach wichtiger ist.
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silke-k-weiler
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BeitragVerfasst am: 15.07.2020 18:44    Titel: Re: Salat im Sommer Antworten mit Zitat

Hallo Rhineghost,

mich hat auf jeden Fall interessiert, wie die Geschichte ausgeht, und ich hatte an keinem Punkt das Bedürfnis, auszusteigen, auch wenn ich das dem Erzähler dringendst empfohlen hätte. Niemals in Hillbilly-Land bei Fremden ins Auto steigen! Never!

Die Sprache wirkt ein wenig antiquiert, war das Absicht?

Es gibt einige schräge Bilder. Hier z.B.

Rhineghost hat Folgendes geschrieben:
"Das passiert den Leuten hier häufiger, diese Route ist nichts für Anfänger." sagte er mit einem fatalen Fall von Häme.


Damit kann ich nichts anfangen. Hörte ich da einen leisen Anflug von Häme?, würde mE besser passen.

Rhineghost hat Folgendes geschrieben:
Ich versuchte einen genaueren Blick hineinzuwerfen, doch die letzten Sonnenstrahlen gebührten mir leider nicht mehr, als nur eine hagere Silhouette am Steuer zu sehen, die mehr kicherte als ich in einer solchen Situation für angemessen hielt.


Vom Gefühl her wird das Verb "gebühren" hier falsch verwendet. Vllt: Die letzten Sonnenstrahlen gestatteten mir nicht einen Blick auf eine hagere Silhouette am Steuer.

Rhineghost hat Folgendes geschrieben:
"Da haben sie wohl Recht", bemerkte ich kleinlaut. "Dürfte ich dann also ihr Telefon benutzen?" - es schien ein festes Ritual zu werden, dass ich meine Fragen erst wiederholen musste, bis er ihnen Beachtung schenkte.


Diese Stelle mit dem Hinweis auf das Ritual (auch wenn die beiden sich erst ein paar Minuten kennen) finde ich wiederum gelungen. Daumen hoch

Insgesamt finde ich die Geschichte inhaltlich solide, wenn auch vorhersehbar.
Und der Titel ist irgendwie spaßig.

Wegen der Kommata: Es gibt im Netz unfassbar viele Seiten, die die gängigsten Komma-Regeln gut zusammenfassen. Ich habe am Anfang auch viele Fehler gemacht, mein erster Testleser hat mir den Schrott quasi um die Ohren gehauen. nebst einer Rechnung für rote Fineliner.
Und sprachlich würde ich den Text etwas verschlanken.

VG
Silke
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Rhineghost
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BeitragVerfasst am: 17.07.2020 20:33    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

So einen online-Rategeber werde ich mir aufjedenfall mal angucken. Ich persönlich habe auch garnichts gegen verschachtelte Sätze, wenn ich sie von Anderen lesen. Ich finde meine sind auch keine absolute Katastrophe, aber ich sollte aufjedenfall mal etwas mehr Augenmerk darauf legen. Manchmal kann man Sachen auch einfach klarer und unkomplizierter Ausdrücken, obwohl lange Sätze, wie ich finde, einen gewissen Charme haben können.

Vielen Dank auch an dich Silke, dass du dir die Geschichte durchgelesen hast!
Die antiquitierte Sprache ist tatsächlich keine Absicht, ich schreibe einfach so. Manchmal wirkt sie aber wirklich etwas altmodisch.

Zitat:
"Das passiert den Leuten hier häufiger, diese Route ist nichts für Anfänger." sagte er mit einem fatalen Fall von Häme.


Ich wollte hier andeuten, dass Kurt schon genau weiß, wohin das am Ende laufen wird und was er vorhat. Deswegen hab ich versucht da diesen Fatalismus irgendwie einzubauen aber es liest sich wirklich etwas komisch, vorallem weil das "fatale" ja nicht die Häme ist, sondern die Hintergedanken, die diese Häme auslösen. Der leise Anflug passt da schon besser.

Zitat:
doch die letzten Sonnenstrahlen gebührten mir leider nicht mehr


Das ist einer der Sätze, die ich wirklich in wenigen Sekunden geschrieben habe. Ich sehe die Sonne wohl immer als etwas, dass Menschen etwas gibt und "vermenschliche" sie auch immer ein wenig. Man sagt ja auch sie "spendet" Sonne. Aber gebühren assoziiere ich auch eher mit einem Verdienst und gestatten nicht, weswegen das Wort wohl eher zutrifft, denn die Sonne scheint ja für uns alle.

Eigentlich hatte ich auch vor, etwas mehr ritualisiertes Verhalten seitens Kurt darzustellen, Serientäter zeigen ja oft das gleiche Verhaltensmuster bei ihren Straftaten. Das Ganze wurde dann aber zu langwierig und irgendwie deutet soetwas auch ganz oft das Ende der Geschichte an, da das ritualisierte Verhalten, das man beschreibt auch später noch vom Täter ausgeführt werden muss. Das fand ich bei mir dann etwas doppelt-gemoppelt, da hab ich einfach das meiste davon wieder gestrichen

LG
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silke-k-weiler
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BeitragVerfasst am: 18.07.2020 21:31    Titel: Antworten mit Zitat

Rhineghost hat Folgendes geschrieben:

Das ist einer der Sätze, die ich wirklich in wenigen Sekunden geschrieben habe. Ich sehe die Sonne wohl immer als etwas, dass Menschen etwas gibt und "vermenschliche" sie auch immer ein wenig. Man sagt ja auch sie "spendet" Sonne. Aber gebühren assoziiere ich auch eher mit einem Verdienst und gestatten nicht, weswegen das Wort wohl eher zutrifft, denn die Sonne scheint ja für uns alle,


Es ging mehr eher darum, dass "gebühren" eher unpersönlich verwendet wird und daher kein Subjekt braucht. Ich habe den Satz mal isoliert:

Ich versuchte einen genaueren Blick hineinzuwerfen, doch die letzten Sonnenstrahlen gebührten mir leider nicht mehr, als nur eine hagere Silhouette am Steuer zu sehen ...

Du hast es in der Bedeutung "zustehen" oder "als Recht zukommen" (wenn ich vom Duden ausgehe) verwendet.

Der Sonne gebührt Dank, weil sie uns Licht und Wärme spendet - wäre grammatikalisch ok.

Wir danken der Sonne, weil sie uns Licht und Wärme gebührt - das nicht.

Aber schon richtig, "gebühren" assoziiere ich auch mit Verdient. Mir ging es aber mehr um die für mich grammatikalisch falsche Nutzung des Verbs.
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