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Sex ist das Einzige


 

 
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nicolailevin
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 114
Wohnort: Süddeutschland


BeitragVerfasst am: 19.06.2020 18:00    Titel: Sex ist das Einzige eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Paul kettete sein Fahrrad an. Prüfend roch er an seiner Achsel: Nichts. Sicherheitshalber sprühte er trotzdem Deo nach. Er nahm seinen Rucksack und besah kritisch sein Spiegelbild in der dunklen Glasfassade des Bürogebäudes. Der Blazer war ein guter Kauf gewesen: Er kaschierte seine breiten Schultern etwas und fiel weich und rund um die Hüften. Fahrig richtete er eine seiner ewig widerborstigen Lockensträhnen zurecht und ging hinein.

Drinnen wartete René schon auf ihn. Ganz in blau heute und wie immer aus dem Ei gepellt.

„Pünktlich wie die Maurer.“ Paul grinste.

René nickte, aber sein Gesicht blieb ernst. „Ist doch unser großer Tag!“

Paul atmete tief durch. „Dann hoffen wir mal das Beste.“

Mit einem weiteren Nicken ging René voran zum Fahrstuhl. Sie fuhren in den dritten Stock. Als seine Uhr auf Punkt fünfzehn Uhr umschlug, klopfte Paul an der angegebenen Tür. Er horchte und wartete kurz, dann öffnete er.

„Moment noch!“, schallte es barsch aus dem Raum.

„Einen Augenblick bitte!“ Die zweite Stimme klang nur unwesentlich freundlicher. „Wir rufen Sie gleich rein!“

Sachte schloss Paul die Tür wieder und runzelte die Augenbrauen. René sah ihn an, blies die Backen auf und atmete langsam aus. Paul ging in die Hocke und nahm den Laptop aus dem Rucksack. Mit zittrigen Fingern prüfte er, ob die Präsentation noch da war und sich öffnen ließ. René ging derweil wippend im Flur auf und ab und betrachtete die Beschriftungen der Türschilder.

Nach langen Minuten öffnete sich die Tür und eine buntgemischte Gruppe junger Leute kam heraus. Sie trugen verwaschene Jeans und T-Shirts.

Ihre Stimmen gingen aufgeregt durcheinander und sie wirkten guter Dinge.

„Wahrscheinlich unsere Konkurrenz“, zischte René.

Paul nickte nur abwesend. Vorsichtig betraten sie den Raum.

Es waren drei. Paul stellte den Rucksack ab und ging zu ihnen. Er stellte sich vor und begrüßte jede nacheinander mit Handschlag. René in seinem Rücken tat es ihm nach. In der Mitte saß die Chefin, eine füllige Matrone mit grauem Haar. Sie trug ein langes Baumwollkleid, mit bunten Mustern bedruckt, wahrscheinlich etwas Indigenes. Neben ihr saß eine kleine Kurzhaarige, die unangenehm nach Schweiß roch. Auf der anderen Seite, mit einem Schreibblock vor sich, hockte ein Typ – ein hagerer Mann mit humorlosen Augen und Brille. Er hatte die Haare rot gefärbt. Paul tippte, dass er der Finanzmensch war, während die mit dem Geruch wohl etwas mit Verkauf zu tun haben musste.

Man wies ihnen die Plätze gegenüber den dreien zu. Die benutzten Kaffeetassen der vorherigen Besprechung standen noch auf dem Tisch vor ihnen.

„So, Jungs“, begann die Chefin und stützte sich auf ihren Ellenbogen, „nun zeigt mal her: Was habt ihr für uns?“

Mit nervösen Griffen stopselte René den Laptop an den Beamer, während Paul sich hinstellte und anfing, das Konzept vorzustellen.

„Eine App. ‚KidsSafe(at)Home‘. Für Familien mit kleinen Kindern. Damit lassen sich sämtliche Gefahrenquellen in der Wohnung steuern und sichern: Ein Knopfdruck – und der Herd bleibt aus, Steckdosen führen keinen Strom mehr, die Schlösser an Terrassentüren und Treppensicherungen werden aktiviert. Kann man nach Stockwerken oder einzelnen Zimmern frei auswählen, je nachdem, wo die Kinder gerade spielen.“

Der Finanzer gähnte verstohlen.

„Soso.“ Die Chefin verschränkte die Arme. „Und wofür braucht ihr da fünf Millionen?“

Paul schluckte kurz. Mit derart direktem Gegenwind hatte er nicht gerechnet. „Für Steckdosen und Schlösser braucht man einen entsprechenden Aufsatz, damit die App mit ihnen kommunizieren kann. Und den können wir nicht selbst entwickeln.“

Die mit dem strengen Geruch streckte sich ungeniert. „Also, ich weiß nicht. Wenn man da noch weitere Sachen braucht …“

„Aber-“, unterbrach sie René und Paul versetzte ihm dafür sofort einen unauffälligen Tritt. Nie unterbrechen! Das hatten sie besprochen gehabt – und geübt.

„Entschuldigung“, sagte René nur mit gesenkten Augen.

Die streng Riechende warf einen strafenden Blick auf René und fuhr fort: „Wie gesagt: Wenn das nur funktioniert, wenn man zusätzlich irgendwelche Gimmicks kaufen muss, hat das für mich kein Marktpotenzial.“

Paul wartete kurz, ob sie wirklich fertig war. Dann erwiderte er leise: „Wir sehen darin eher eine Chance. Wir wollen die App gratis abgeben. Die Kundin kann entscheiden, welche Funktionen sie zusätzlich nutzen will und die entsprechenden Geräte dann nach und nach erwerben. An Stelle von In-App-Käufen. Damit wollen wir eigentlich unser Geld verdienen.“

Die Chefin blickte zu dem Rothaarigen. „Wir könnten sie ja mal mit Su zusammenspannen …“

Der Rothaarige überlegte kurz und nickte dann knapp.

„Passt mal auf, Jungs!“ Die Chefin wandte sich jetzt direkt an Paul. „Ihr dürft die Idee mit den Geräten mal unserer Technikchefin vorstellen. Die kann das durch ihre Ingenieurinnenbrille betrachten. Und dann sehen wir, ob wir eurer Idee eine Chance geben. Was sagt ihr?“

„Sehr gerne“, sagte Paul.

Die Chefin wischte auf ihrem Tablet herum. „Nächste Woche hat sie Menstruationswoche. Dann ist sie bis Mittwoch weg wegen Zuckerfest. – Aber Donnerstag … Donnerstag könnte gehen. Warten Sie mal … Hier: Familienzeit bis sieben, danach hat sie einen Slot. Sagen wir 20 Uhr am übernächsten Donnerstag – das wäre der 19.?“

Mist! Das hieß, dass Paul Squash ausfallen lassen musste, aber dieser Termin ging natürlich vor!

„Sehr gerne“, sagte er nur.

Die streng Riechende beugte sich vor. „Ich weiß nicht. Mich überzeugt das irgendwie nicht. Das Team zuvor, das war doch eine ganz andere Liga.“ Sie breitete die Arme aus, dass man die dunklen Schweißflecke unter ihren Achseln sehen konnte. „‘Dream-Team‘! Eine App, mit der man die Stimmung in einem Team monitoren kann. Wenn es Unstimmigkeiten gibt oder Leute nicht so zufrieden sind, wird es erfasst und jeder kann sehen, wenn was nicht stimmt. Schlägt auch sofort Alarm, wenn irgendwo im Team Herabwürdigung droht. Rassismus. Bodyshaming. Altersdiskriminierung. Das volle Programm. DAS finde ich innovativ! Gerade heute, wo es immer wieder Leute gibt, die meinen, das Rad der Zeit zurückdrehen zu müssen …“

Die Chefin warf ihr einen sanft tadelnden Blick zu. „Isabel, ich denke nicht, dass wir die Konzepte eines anderen Teams in dieser Runde diskutieren sollten.“

Die streng Riechende hob beschwichtigend die Hände. „Schon gut, schon gut. Ich mein ja nur …“

„Also, meine Herren.“ Mit einem professionellen Lächeln stand die Chefin auf. „Ich bedanke mich für Ihre Zeit und die interessante Präsentation! Sie machen jetzt erstmal den Termin mit unserer Technikchefin und wir melden uns dann, wenn wir weiteres Interesse haben. Einverstanden?“

Paul nickte. René räumte den Laptop weg und sie verabschiedeten sich. René ging vor, und Paul sah, wie der Rothaarige einen langen Blick auf Renés Hintern warf.

Draußen standen sie bei ihren Fahrrädern. René wickelte sein Kettenschloss um die Sattelstange. „Meinst du, sie investieren bei uns?“

Paul seufzte. „Keine Ahnung. Die andere Idee schien ihnen ja besser gefallen zu haben …“

„Pah! ‚Dream-Team‘! Was für’n Psychoscheiß! Weiberkram!” René fuhr sich durch seinen Haarschopf.

„Tja … das liegt anscheinend im Trend. Solches Zeug ist angesagt.“ Paul schulterte den Rucksack und wandte den Kopf zu René. „Hast du den Blick gesehen von dem einen?“

„Was soll’s?“ René zuckte mit den Schultern. „Auf blond stehen sie halt alle.“

Paul seufzte. Vielleicht war der Blazer doch keine so gute Idee gewesen. Er hätte den Mut haben sollen, etwas anzuziehen, das nicht so brav dem Dresscode der Geschäftswelt entsprach. Dieser in jeder Hinsicht neutrale Blazer war so brav und dabei so nichtssagend. Das bunte Kleid der Chefin fiel ihm ein. Die pfiff auf die Konventionen! Klar, sie war auch in der Position, sich so etwas leisten zu können. Aber sie hatte Recht damit: Warum sollte man seine Identität nicht einfach zeigen?

„Gehen wir noch auf einen Kaffee?“, fragte René.

„Gute Idee. Das machen wir!“ Paul schwang sich auf sein Rad und fuhr René hinterher in Richtung ihres Stammcafés.

Wenig später saßen sie vor zwei großen Schalen Milchkaffee und diskutierten ihre Erfolgsaussichten.

Paul rührte nachdenklich etwas Zucker in seinen Kaffee. „Ganz ehrlich: Ich seh‘ schwarz für uns. Gegen diese Gackertruppe mit ihrer Dreamteam-App haben wir keine Chance.“

„Komm, du weißt, dass wir als reines Männerteam doppelt so hart arbeiten müssen wie die anderen, wenn wir uns durchsetzen wollen.“ René legte ihm die Hand auf den Unterarm. „So ist die Welt nun mal.“

„Aber warum?“ Paul verschränkte die Arme. „Warum dürfen Männer nicht den gleichen Erfolg haben wie Frauen? Das ist unfair!“

Lächelnd lehnte René sich zurück. „Weil Frauen empathischer sind. Weil sie Teamplay können. Weil sie Beziehungen pflegen und aufbauen.“ Er trank einen Schluck. „Komm schon! Hast du in Bio die ganze Zeit gepennt? Der Mann ist für die Jagd da, und die Frau managt in der Höhle den Clan. Männer sind konkurrenzgetrieben, wollen immer die Größten, Besten, Tollsten sein. Alphatiersyndrom und der ganze Scheiß! Hilft nix, ist uns genetisch einprogrammiert. Deswegen wird die Welt von Frauen bestimmt. Und die meisten von ihnen kommen aus Asien und Afrika. Drum findest du kaum einen weißen Mann in einer Spitzenposition irgendwo. So ist es eben.“

Paul rührte um. „Ich finde das einfach ungerecht!“

Mit einem Schulterzucken schob René die Kaffeetasse von sich. „Mein Lieber, auch wenn ich deinen Groll nachempfinden kann: Du wirst die Welt nicht ändern können.“

Paul sah aus dem Fenster, wo eine kleine Truppe Protestierender stand und die rechtliche Gleichstellung ihrer Religionsgemeinschaft forderte. „Whatever you drink: Wine IS religion“ stand auf einer der Papptafeln, die sie in die Höhe hielten, und Paul musste grinsen. Eine Gruppe aufgetakelter Männer mit Shoppingtaschen ging hingegen achtlos vorbei. Typisch reiche Gatten von Geschäftsfrauen oder Zahnärztinnen, die ihre Tage mit Einkaufen, Cocktailtrinken und Fußballschauen herumbrachten und deren größte Sorge ihr flacher Bauch war und wie sie ihre Geheimratsecken klein halten konnten.

„Du, ich muss langsam los und mich umziehen.“ René riss Paul aus seinen Gedanken. „Großer Termin heute Abend!“ Er zwinkerte mit den Augen.

„Triffst du dich mit dieser Anne?“ Paul machte dem Kellner ein Zeichen, dass er zahlen wolle.

„Ja.“ Renés Augen strahlten. „Tolle Frau. Wir gehen zum Vietnamesen. Ich glaube, sie mag mich.“

Der Kellner legte die Rechnung auf den Tisch. Paul zog seine Geldbörse aus dem Rucksack. „Hattet ihr schon Sex?“

„Wie bitte?“ In gespielter Empörung verschränkte René die Hände, aber die Röte, die ihm ins Gesicht gestiegen war, verriet seine peinliche Berührung. „Nein, natürlich nicht. Wir haben uns erst drei- oder viermal getroffen!“

„Ich frag ja nur.“ Paul legte einen Zehner hin. „Weißt du, ich glaube, du solltest dir Zeit lassen. Nichts überstürzen. Lass sie ruhig etwas zappeln.“

Vor der Glasfront des Cafés machte sich ein Arbeiter daran, die Litfasssäule neu zu tapezieren. Er trug eine Jeans und ein enganliegendes Unterhemd, das seinen muskulösen Oberkörper vorteilhaft betonte. Zwei Geschäftsfrauen kamen vorbei und drehten sich breit grinsend nach ihm um.

Paul wandte den Blick wieder zu René, der sich zum Aufbruch bereit machte.

„Sex“, sagte Paul und leerte seine Kaffeetasse mit einem energischen Schluck.

„Wie bitte?“ René zog die Augenbrauen hoch.

„Sex ist das Einzige, womit wir Männer uns wehren können.“  

Paul hielt mit der Tasse in der Hand inne und wartete auf eine Reaktion. Als René nichts sagte, stellte er die Tasse ab. „Und erzähl mir nichts von wegen ‚chauvinistisches Narrativ‘. Den Scheiß hab ich in den letzten Jahren zur Genüge gehört!“

„Du spinnst ja.“ Lachend schüttelte René den Kopf. Paul nahm seinen Rucksack und folgte René hinaus auf die Straße.

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Hummelchen48
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 96
Wohnort: Rheinland-Pfalz


BeitragVerfasst am: 05.07.2020 06:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

war gut zu lesen.

Grüße

Hummelchen
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hobbes
Geschlecht:weiblichTretbootliteratin


Beiträge: 3464

Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
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BeitragVerfasst am: 05.07.2020 22:39    Titel: Antworten mit Zitat

Tja. Das ist mir zu wenig. Eine Geschichte, die einzig darauf aufbaut, dass der Spieß einfach umgedreht wird. Die Frauen sind jetzt die Männer. Dann ändert sich ja aber auch nichts. Also klar, schon, aber dann auch wieder nicht, weil es ja doch nur das gleiche in grün ist.

Und je länger ich darüber nachdenke, desto ärgerlicher werde ich mit der Geschichte, zementiert sie im Grunde ja nur die bekloppten Rollenbilder, mit denen man bzw. frau sich heutzutage herumschlagen muss.
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Gast







BeitragVerfasst am: 06.07.2020 05:26    Titel: Antworten mit Zitat

hübsch umgedreht.
Eine sehr spezifische Perspektive auf eine Utopie. Bzw. ein sehr spezifischer Ausschnitt.

Zitat:
Eine Gruppe aufgetakelter Männer
Moment..., das Wort liegt mir auf der Zunge... herrlich! Smile

Gut geschrieben aber scheint mir doch das Thema nur gestreift anstatt voll getroffen zu haben.

Ich bin mir unsicher: Entweder wurde hier anstatt einer Auseinandersetzung mit der Thematik bloss ein Umkehrbild gezeichnet, oder es wird auf sehr subtile Art eine Tendenz des Feminismus kritisiert, ihr Idealbild der angeblich gleichberechtigten Gesellschaft jenseits der Mitte zu suchen. In ihren Bemühungen also das Pendel zu weit in die andere Richtung schwingen zu lassen, was dann in der dargelegten Zukunftsvision mündet.
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d.frank
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 41
Beiträge: 980
Wohnort: berlin


BeitragVerfasst am: 07.07.2020 12:04    Titel: Antworten mit Zitat

Das hätte was werden können. Das Feministinnenthema mal umgedreht. Dass die Männer, rein genetisch oder auch geschlechtshormonell bedingt, in einer sich verändernden Welt dem zarten Geschlecht  kognitiv unterlegen sind, ist eine steile These. Deshalb hätte ich mir das hier gut als Satire vorstellen können.
So gibt es hier leider viel Blabla um einen interessanten Kern herum, schade.


_________________
Die Wahrheit ist keine Hure, die sich denen an den Hals wirft, welche ihrer nicht begehren: Vielmehr ist sie eine so spröde Schöne, daß selbst wer ihr alles opfert noch nicht ihrer Gunst gewiß sein darf.
*Arthur Schopenhauer
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V.K.B.
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Alter: 47
Beiträge: 2699
Wohnort: Nullraum
Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 07.07.2020 14:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inka,

erst mal ein paar Anmerkungen beim Lesen

Zitat:
Das hatten sie besprochen gehabt
Seriously?

Zitat:
Sie machen jetzt erstmal den Termin mit unserer Technikchefin
Den haben sie doch gerade schon besprochen

Zitat:
Der Kellner legte die Rechnung auf den Tisch. Paul zog seine Geldbörse aus dem Rucksack. „Hattet ihr schon Sex?“
Hier dachte ich doch glatt, das fragt der Kellner die beiden Jungs

Oooookay. eine komplett belanglose Geschichte, in der absolut überhaupt nichts passiert. Es gibt keinen Plot, keine zusammenhängende Handlung, keine Charakterentwicklung und  auch sonst nichts Interessantes. Das ist jedenfalls alles, was von der Geschichte übrigbleibt, wenn man sich die negativen Vorzeichen vor den Gender-Tropes wegdenkt. Und was das angeht;
Die norwegische Feministin Gerd Brantenberg hat schon 1977 mit der Satire "Egalias døtre" (Die Töchter Egalias) genau das gleiche gemacht. Eine Geschichte, die in einer Welt spielt, in der die Genderrollen einfach mal komplett vertauscht und bis in letzte Konsequenz überzeichnet sind. Damals war das wirklich ein Augenöffner, was man so alles an Sexismus in der Gesellschaft einfach so akzeptiert und als selbstverständlich erachtet, wenn man mal eine Umkehr der Rollen liest. Aber heute? Wenn wir was in diese Richtung brauchen, dann einen Lösungsansatz, der zur Aufhebung (nicht zur Umkehr) dieser Rollen führt. Das reine Aufzeigen ist mMn echt nicht mehr nötig. Dass es Sexismus und Rassismus gibt, hat wohl mittlerweile fast jeder begriffen. Und den Rest wirst du mit dieser Geschichte auch nicht erreichen.

Eine Utopie sehe ich in der Geschichte auch nicht (auch keine gelösten Probleme) und von daher fällt diese für mich leider durch.

beste Grüße,
Veith


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silke-k-weiler
Geschlecht:weiblichHobbyautor

Alter: 45
Beiträge: 408



BeitragVerfasst am: 07.07.2020 15:40    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Text,

amüsanter Rollentausch, wenn auch 1:1, wo man vielleicht einen Ticken mehr Einfallsreichtum hätte reinbringen können. Mit fehlt noch ein wenig das Entlarvende. So liest es sich fast zu brav. Trotzdem habe ich Dich gerne gelesen. Vielleicht nächste Runde, wird eventuell knapp.

Herzlichst
Silke
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Heidi
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 39
Beiträge: 1304
Wohnort: Hamburg


BeitragVerfasst am: 10.07.2020 21:29    Titel: Antworten mit Zitat

Paul und René suchen nach Investoren für ihre Kindersicherungs-App. Sie sind sichtlich nervös, als sie bei all den Geschäftsfrauen vorstellig werden, um ihre Idee zu präsentieren. Kein Wunder, sie leben in einer Gesellschaftsform, in der Frauen das Sagen haben, vor allem asiatische und afrikanische. Weiße Männer haben in dieser Welt das Nachsehen.

Mir gefällt die Idee, eine Umkehr zwischen Frauen- und Männerwelt zu machen, ausgesprochen gut. Dadurch erhalte ich Einsichten, die ich natürlich auch selbst schon durchdacht, aber noch nie so real in meinen Kopf durchgespielt habe. Es wird im Text klar die Tatsache von Diskriminierung und Benachteiligung angesprochen, ohne, dass sie direkt als solche ausgesprochen wird. Aber eben umgekehrt. Es sind die Männer, die sich auf den Arsch gucken lassen müssen, die als Sexobjekt von den Frauen angesehen werden, die überlegen, was zieh ich bloß an, um beim Vorstellungsgespräch einen guten Eindruck zu machen.
Letzteres tun sicherlich auch Männer außerhalb dieser Geschichte, aber im Text werden Männer ähnlich verunsichert dargestellt, wie Frauen es auch oftmals sind, in einer Welt, die eben nach wie vor in alten Rollenbildern lebt, die längst ausgelebt haben. (Und natürlich gucken auch Frauen auf Männerärsche, aber doch zumeist zurückhaltender, wie im Text dargestellt).

Besonders gefällt mir die Szene am Schluss, als Paul René fragt, ob er schon Sex gehabt hätte mir der Anne und dieser peinlich berührt mit nein antwortet. Paul dann:

Zitat:
„Ich frag ja nur.“ Paul legte einen Zehner hin. „Weißt du, ich glaube, du solltest dir Zeit lassen. Nichts überstürzen. Lass sie ruhig etwas zappeln.“


Das ist in der Tat sehr amüsant und schön weiblich. Ich werde noch etwas weiterschmunzeln und mich freuen. Aber geben tut es im Leben immer alles. Sicherlich kommen solche Worte auch mal in Männergesprächen vor.

Der Text bekommt vier Punkte.


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der Phallus braucht Flügel
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Ribanna
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 57
Beiträge: 506
Wohnort: am schönen Rhein...


BeitragVerfasst am: 11.07.2020 08:41    Titel: Antworten mit Zitat

Für mich meint Utopie eine schöne Welt, eine bessere Welt - und die sehe ich hier so gar nicht. Einfach die Vorzeichen umgekehrt, das ist mir zu wenig.

Tut mir Leid.


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Constantine
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2893

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 11.07.2020 19:01    Titel: Antworten mit Zitat

Bonjour

Mein Platz 7 in meiner Top Ten: quatre points.
Gratulation.

Merci beaucoup
Constantine
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Malaga
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 897



BeitragVerfasst am: 12.07.2020 12:23    Titel: Antworten mit Zitat

Witzige Idee, diese Umkehrung der Geschlechtervorherrschaft.
Hätte man aber noch dicker auftragen können, finde ich. und ob das Konkurrenzteam aus Frauen  bestand, ist ja gar nicht gesagt.
Aber in Anbetracht der Aufgabenstellung etwas mager: welches andere Menschheitsproblem ist gelöst? Wer rebelliert dagegen?
Bewertung am Ende im Vergleich.
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Xeomer
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Alter: 32
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Wohnort: Xeothon


BeitragVerfasst am: 12.07.2020 17:18    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe unbekannte Autorin,
lieber unbekannter Autor,

der Text hat das Konzept von Mann und Frau stark überspitzt und umgekehrt. Die Umsetzung finde ich sehr gelungen und es war angenehm zu lesen.

Punkte kann ich mir hierfür sehr gut vorstellen. Aber das kann ich erst am Ende sagen.

Viele Grüße,
Xeomer


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RAc
Schreiberling


Beiträge: 265



BeitragVerfasst am: 13.07.2020 22:53    Titel: Antworten mit Zitat

- Welche Krise(n) wurde(n) überwunden? Geschlechterungleichheit, aber in der Form der Invertierung: Weisse Männer sind in dieser Fantasiewelt ganz unten in der sozialen Akzeptanzkette

- Wie?

- Aus welchem Blickwinkel wird das Geschehen geschildert? 2 männliche weisse Computernerds, die funding für eine App haben wollen

- Wer ist der in der Ausschreibung geforderte Unzufriedene? Erzähler

=> Anforderungen erfüllt? Mit viel Wohlwollen (s.u.)

-----------------------------------------------

- Hat die Darstellung logische Fehler? Ist die Handlung schlüssig? Dies ist eher eine Spiegelfiktion, die eine Welt aufzeichnet, in der die Rollenverhältnisse genau invertiert sind. Es gibt eine vage Andeutung, dass es in der Vergangenheit eine Veränderung gegeben haben muß ("Gerade heute, wo es immer wieder Leute gibt, die meinen, das Rad der Zeit zurückdrehen zu müssen..."), aber in jedem Fall ist eine umgedrehte Ungleichheit keine Bewältigung einer Ungleichheitskrise.

- Wie ist die handwerkliche Ausgestaltung? Keine gravierenden Fehler, aber aber auch keine überraschenden Wendungen, Wortwitz oder ähnliches, was das Leseerlebnis interessant machen würde.

- Punkte und Begründung: Keine

----------------------------------------------

- Welche anderen Einreichungen sind vom Sujet her vergleichbar? Bitte hier einen besonders geistreichen Titel sich vorstellen

- Sonstige Kommentare:
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poetnick
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Alter: 58
Beiträge: 656
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BeitragVerfasst am: 16.07.2020 22:06    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Unbekannt,

'Sex sells' heisst es. Die Geschichte hat mich nicht so angefasst. Liegt gar nicht mal an der gewählten Szenerie,
sondern ich denke mich spricht die Art des Schreibens nicht so an. Habe daher andere Texte für die Punkte favorisiert.

LG - Poetnick


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und kam sprachlos heraus
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Michel
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Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 17.07.2020 10:45    Titel: Antworten mit Zitat

14) Sex ist das einzige: Interessante Idee, aber als Y-Chromosom-Träger frage ich mich, worin hier eigentlich die Utopie besteht. Das Ganze liest sich (für mich als Y usw.) wie eine weitgehende Spiegelung derzeitiger Verhältnisse, teils karrikierend überzogen: Die täschchenschwingenden Gatten sind mir auf weiblicher Seite noch nicht begegnet. Das Buch „Die Töchter Egalias“ hatte ich sofort im Kopf, das durch Umkehr des Gewohnten die Geschlechtsrollen radikal hinterfragte. Vielleicht kam mir deswegen die Geschichte nicht ganz so originell daher. Wer von den beiden die Anti-Stimme darstellt, wird mir nicht ganz klar: Derjenige, der männlich-herb von „Weiberscheiß“ redet oder derjenige, der die Rollenverteilung ungerecht findet.
Was mich in der Ausführung störte, waren vor allem zwei Dinge: 1) Nebensächlichkeiten („Sie fuhren in den 3. Stock“), die für den Verlauf der Geschichte oder die bildliche Ausgestaltung irrelevant sind, 2) der noch zu ungelenke Sprecherwechsel mit vielen Tätigkeitsbeschreibungen. Klar, in den Mehr-Personen-Szenen kommt man nicht darum herum, aber die Dialoge der hoffnungsvollen Entrepeneure lassen sich möglicherweise radikal verschlanken, wenn weniger gegrinst, genickt, durchgeatmet (tief), weiter genickt, gezischt, nochmal genickt usw. wird. (Das war übrigens nur das erste Viertel der Geschichte.)


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nicolailevin
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Wohnort: Süddeutschland


BeitragVerfasst am: 18.07.2020 14:16    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Zunächst mal ein herzliches Dankeschön an alle, die diesen Text kommentiert und beurteilt haben und denen er am Ende sogar Punkte wert war!

Da hab ich mal mit Schmackes verkackt! Besonders bitter erscheint mir, dass ich selbst die, die den Text wohlwollend gesehen haben, nicht so erreichen konnte, wie ich das beabsichtigt hatte.

So ist es eben: Wenn du deinen Text raushaust, gehört er den Lesern. Du hast keine Deutungshoheit mehr und musst fassungslos zusehen, wie er missverstanden wird. Wenn die Leser deine Hinweise nicht finden, hast du sie zu tief verbuddelt oder zu subtil verpackt. Pech gehabt.

NEIN, die Welt der Geschichte ist keine 1:1-Umkehrung unseres Patriarchiates. Sie ist eine streng meritokratische, in der es keinerlei Diskriminierung und keine Privilegien mehr gibt. Das betrifft nicht nur das offensichtliche Genderthema, sondern auch die Behandlung von Religionen: Eine Muslima wie Su hat zum Zuckerfest frei, und die etwas abseitige Sekte der Weintrinker will auch in die Reihe der so berücksichtigten Religionsgemeinschaften aufgenommen werden. Auch Ethnie / Herkunft / Hautfarbe spielen keine Rolle mehr: Das indigen bedruckte Kleid der Chefin vs. Pauls neutral-korrekt-indifferenter Blazer. Paul selbst könnte afrikanisch aussehen (die widerporstigen Locken!), René (blond) ist wohl Europäer, sonst aber sind Namen der Figuren, Setting und Beschreibung bewusst völlig neutral gehalten - wo die Leute herkommen, ob die Story in Singapur, Paris oder Baltimore spielt - alles ist drin. Auch alle anderen Abwertungen sind verpönt, die Aufzählung der Features der anderen App sollte das deutlich machen.

Wie kommt es, dass ausschließlich das Genderthema es ins Bewusstsein der Leser geschafft hat? Nun, natürlich spielt es die Hauptrolle, vor allem da Paul sich dagegen auflehnt, aber bestimmt auch, weil die lustigen Beispiele der shoppenden Gatten und der begafften Plakatkleber sich so aufdrängen. Ich habe das auch gesehen und versucht, Ausgleich zu schaffen, indem ich ein vergleichbares Bild für die Rassismuskomponente bringe, aber ich hab nichts Passendes gefunden. Das Thema ist so heikel, ich wollte den heiter-ironischen Grundton beibehalten; jeder spöttische Seitenhieb zu Ethnien oder Hautfarben wäre sicher in die Hose gegangen oder hätte gegen den Autor interpretiert werden können, und vor Diskussionen über blackfacing oder Aneignung hatte ich Angst.

Und: NEIN, Paul und René werden keineswegs diskriminiert. Diskriminierung gibt es nämlich keine. Was es nach wie vor gibt, sind Macht und Ohnmacht! Wer das Geld verteilt, kann es sich leisten, Leute warten zu lassen, Leute herablassend zu behandeln, indiskret zu schwatzen und die Körperhygiene zu vernachlässigen. Wer Geld will, muss penibel auf sein Äußeres schauen, den anderen ausreden lassen und die Herablassungen ertragen. Die Welt ist übrigens auch keine unerotische oder prüde, im Gegenteil, Männlein (der Finanzer, der auf Renés Arsch glotzt) wie Weiblein (die Geschäftsfrauen, die dem Plakatierer hinterherkichern) dürfen sich austoben, wenns nicht richtig übergriffig wird. Und: Auch Männer können Erfolg haben, siehe der rothaarige Finanztyp.

Meine Absicht war, eine diskriminierungsfreie Welt aus Sicht von jemandem zu zeigen, der heute privilegiert ist. Das Ausbleiben von Privilegienbehandlung in einer Situation der Unterlegenheit bzw. Machtlosigkeit wird prompt als Benachteiligung empfunden, Diskriminierung konstruiert, und Ressentiments erwachsen daraus. Das ist Pauls Geschichte. Ich hatte gehofft, dass die Leser das im ersten Schritt nachempfinden, dann aber die reinen Machtgesten entschlüsseln und so zur Reflexion gelangen, wie in unserer heutigen Welt Macht und Privileg verwoben sind und wie sehr es einen verstört, wenn das nicht mehr so ist. An diesem Schritt bin ich grandios gescheitert.

Ich deute mir in meinem stillen Kämmerlein dieses enttäuschende Ergebnis jetzt so, dass ich mir ganz fest einrede, wie ihr alle so sehr von eurer tiefsitzenden Privilegiensicht geprägt seid, dass ihr den analysierenden Schritt zurück einfach nicht geschafft habt. Ich indes gehe ein bisschen weinen und winke mit meinem tränenbenetzten Taschentuch von der Insel der unverstandenen Großkünstler. Wink

Aber im Ernst: Ich habe aus den Reaktionen viel gelernt. Die Kalibrierung der eigenen Texte zwischen "du bist viel zu offensichtlich, deine Leser sind doch nicht blöd" und plattem Nichtverstandenwerden ist echt eine schwierige Sache.

VG
Nico.
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Gast







BeitragVerfasst am: 18.07.2020 17:29    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
NEIN, die Welt der Geschichte ist keine 1:1-Umkehrung unseres Patriarchiates.
Da hast du deinen eigenen Text missverstanden. Glaubst du natürlich nicht, dann lass uns abstimmen. :p

Zitat:
Da hab ich mal mit Schmackes verkackt!
Schreibst es, aber willst es selber nicht glauben und eigentlich doch lieber die Schuld dem Leser zuschieben. Der hat es eigentlich verkackt.

Der Text ist nicht missverständlich geschrieben, sondern wird missverstanden (passiv)
Hinweise sind nicht schlecht platziert, sondern werden vom Leser nicht gefunden.

Warum? "zu tief verbuddelt", "zu subtil verpackt"

Das Debakel ist nicht nicht durch eigenes Wirken entstanden, sondern auf Grund höherer Macht: "Pech gehabt"
Deshalb folgt auch eine Erklärung fast so umfassend wie der Beitrag selbst, wie wir es hätten lesen sollen.


Zitat:
Wie kommt es, dass ausschließlich das Genderthema es ins Bewusstsein der Leser geschafft hat?

Die rhetorische Frage hast du gar nicht schlecht beantwortet. Ein weiterer Hinweis ist der erste Abschnitt aus dem Beitrag. Da werden die Weichen bereits gestellt.

Zitat:
Ich habe das auch gesehen und versucht, Ausgleich zu schaffen, indem ich ein vergleichbares Bild für die Rassismuskomponente bringe, aber ich hab nichts Passendes gefunden.
Hier kommt mal ein bisschen Selbstkritik: bloss "versucht", aber implizit nicht geschafft. Sowie "nichts Passendes gefunden". Ist aber immer noch mit Selbstschutz versehen: Das Scheitern ist implizit und "nichts Passendes gefunden" könnte sein, weil es nichts Passendes gab.

Wird aber sowieso sofort wieder entschärft: "Das Thema ist so heikel", "wollte heiteren Grundton beibehalten", "anderes wär eh in die Hosen gegangen" oder feindliche Leser hätten es gar gegen den Autor verwendet, wie die Anklage im Gericht. Diese externe Bedrohung führt dann zu Angst, was wiederum den Schreibfluss hemmt.

Zitat:
Und: NEIN
Noch ein zweites Mal wird in aller Entschiedenheit bekundet, dass die Interpretation des Lesers FALSCH war. Es entlarvt nun in aller Deutlichkeit, dass "Du hast keine Deutungshoheit mehr" zwar geschrieben, aber nicht geglaubt wurde.

Zitat:
Ich hatte gehofft, dass die Leser das im ersten Schritt nachempfinden, dann aber die reinen Machtgesten entschlüsseln und so zur Reflexion gelangen
Ich hatte gehofft, dass der Autor im ersten Schritt die Kritik nachempfindet, dann aber seine eigenen Abwehrgesten entschlüsselt und so zur Reflexion gelangt

Zitat:
dass ich mir ganz fest einrede, wie ihr alle so sehr von eurer tiefsitzenden Privilegiensicht geprägt seid, dass ihr den analysierenden Schritt zurück einfach nicht geschafft habt.
Und noch ein Satz, denn du auf dich ummünzen kannst.
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