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Eine Niederschrift


 

 
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RAc
Eselsohr


Beiträge: 412



BeitragVerfasst am: 19.06.2020 17:00    Titel: Eine Niederschrift eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Willkommen zum Chipcast "Zeitgeister," in dem wir rückwirkend einen Blick auf historische Ereignisse werfen. In unserer heutigen Folge vom 3.7.2031 erinnern wir an das Aktionskünstlerevent vom 27.4.2024, das unter dem Namen Implovisation in die Geschichte eingegangen ist. Wir freuen uns sehr, diesen Rückblick gemeinsam mit dem Menschen machen zu können, der der Auslöser war: Enro McMaster. Er ist uns per App zugeschaltet. Herzlich willkommen, Herr McMaster!

Hallo!

Sie bezeichnen sich selber als Spiegelkünstler...

...provozierender ZERSpiegelkünstler, um genau zu sein...


Die Provokation ist also unverzichtbarer Teil ihrer Arbeit?

Ich sehe es als meine Aufgabe an, den Konsumenten meiner Kunst Dinge aufzuzeigen, mit denen sie normalerweise nicht konfrontiert werden wollen. Menschen sind bequem. Sie aus der Bequemlichkeit herauszulocken ist eine spannende und schwierige Sache.


Wie sind Sie auf die Idee mit dem Spiegeln gekommen?

Meine Mütter waren Feministinnen mit einem fein ausgebildetes Sensorium für soziale Ungerechtigkeit. Wann immer sie Sexismus oder Homophobie wahrnahmen, drehten sie das sofort gegen den Verursacher um. Eine effektive Technik, wenn man sie richtig einsetzt.


Alle Ihre früheren Videos, die viral gingen, funktionierten nach dem Zerspiegelprinzip.

Fast Alle, manchmal ungeplant. Mit der Zeit entwickelt man eine ziemlich gute Antenne, wo es klappen kann. Das Kommunisenvideo entstand spontan. Ich war auf dem lokalen Wochenmarkt, wo eine MLPD Aktivistin eine Rede gegen den Kapitalismus hielt. Als ich in ihrer Westentasche eine Packung Marlboro sah, war klar, dass sie nicht gewinnen konnte.


Das Video "wie man Kommunisten mit ihren eigenen Waffen schlägt" wurde eine Million Mal angeklickt und brachte Ihnen den Vorwurf ein, dem rechten Spektrum nahe zustehen.

Aber nur, weil es das erste politische Video war. Danach habe ich mir fast Alles vorgenommen, was offensichtlicher Mist ist. Später fokussiert auf die Rechten, weil die besonders viel Mist reden. Mir wurde im Laufe der Jahre Alles vorgeworfen, vom Kommunisten über Verschwörungstheoretiker bis hin zum Nazi.

Das mit der MLPD war also völlig spontan?

Ja. Am Anfang bin ich recht unbedarft an meine Projekte herangegangen. Ich hatte das Gefühl, dass die Frau ein starkes Mitteilungsbedürfnis hat, deswegen war meine Strategie, den offenen Naivling zu spielen, dem man erst die Grundlagen der Wahrheit erklären muss wie einem kleinen Kind. Als ich sie dann soweit hatte, dass sie Lobbyismus und den Verrat an der Menschlichkeit durch Kapitalinteressen als Satan und Hölle verdammte, war der Rest reine Formsache. Ich brauchte sie dann nur noch zu fragen, warum sie dann Philip Morris unterstützt und konnte mein eigenes recherchiertes Wissen über die Tabaklobby über sie ausschütten wie einen Eimer Wasser. Trocken ist sie danach nicht mehr geworden.

Das klingt wie Schadenfreude.

Ja und Nein. Sie war der Typ, der so fest von ihrer Ideologie überzeugt war, dass vernünftige beidseitig offene Gespräche ausgeschlossen waren. Ich habe mir bei diesem Video von meinen Müttern den Vorwurf des Sexismus anhören müssen, weil sei eine Frau war. Das war aber reiner Zufall. Ich habe dasselbe nochmal zwei Wochen später an einem anderen Ort gemacht, dann aber mit einem Mann. Das Ergebnis war ungefähr dasselbe, nur dass der Mann aggressiver reagierte. Beide Videos zusammen waren dann der Youtube hit.

Lassen sie uns im Zeitraffertempo die Ereignisse des 27.4.24 vor unseren Ohren vorbeiziehen. An diesem Tage war in Pirna ein Aufmarsch der rechtsextremen Gruppe "Flügelfront 88" angesetzt. Was hast Sie dazu veranlasst, genau diesen Aufmarsch für Ihr event zu nutzen?

Zu dieser Zeit waren derartige Aufmärsche an der Tagesordnung, also hatten wir eine große Auswahl. Es ging uns darum, eine maximale Öffentlichkeit für die Aktion zu gewinnen. Im Gegensatz zu vielen anderen Orten war Pirna 2024 ein ziemlich rechtsfreier Raum, in dem die offiziellen Polizeikräfte lediglich ein Marionettendasein führten. Die Milizen hatten praktisch völlige und unbegrenzte Handlungsfreiheit. Das hat es natürlich für uns sehr gefährlich gemacht, die Aktion durchzuführen. Da in Sachsen die rechten Milizen kein Schattendasein mehr führen mussten, konnten wir auf der Anderen Seite auch darauf setzen, dass Tausende von Smartphones und Sender aller coleurs die Aktion mitschneiden würden, was uns genau die Öffentlichkeit bringen würde, die wir brauchten.

Auf das Thema Gefahr kommen wir später nochmals zu sprechen. Sie haben sich also mit einer Gruppe von 53 uniformierten und bewaffneten Aktivisten in Naziuniformen in den Aufmarsch gemischt. Welche Art von Widerstand haben Sie dabei erfahren?

Keinen. Das war die erste Überraschung, aber dadurch, dass wir originalgetreue SS-Uniformen trugen, wurden wir nicht als Feinde gesehen. Die Milizen waren offensichtlich verwirrt und verstanden uns sozusagen als special guests. Natürlich waren wir weder offiziell eingeladen noch wusste irgendjemand, dass wir da auftauchen würden. Aber wir passten offensichtlich gut in den Aufmarsch und wurden von den Aufmarschteilnehmern volksfestartig begrüßt. Viele zeigten den Hitlergruß.

Sie haben die Vorbereitung schon erwähnt. Wie genau lief das ab? Das war ja logistisch eine ziemlich große Aktion. Wie haben Sie ihre "Armee" rekrutiert, und wie wurden die militärisch geschult?

Die meisten waren Aussteiger aus der rechten Szene, die bereits paramilitärisch ausgebildet waren, den mussten wir den Stechschritt nicht beibringen. Das Schwierigste war, genügend Leute zu finden, von denen wir davon ausgehen konnten, dass sie die Pläne nicht leaken würden.

Die Aktion war offensichtlich nicht mit der Polizei oder den Sicherheitsbehörden abgesprochen?

Daran war nicht zu denken, sonst hätten die Milizen sofort davon erfahren, die hatten ihre Kontakte überall. Wir haben bei der Vorbereitung eine Menge über Arbeit im Untergrund gelernt.

Sie haben eine halbe Stunde vor den Augen der Teilnehmer und der Bevölkerung exerziert. Dann haben drei Ihrer "Soldaten" Michael M. aus der Menge gezerrt. In der Folgezeit ist viel über M. ans Licht gekommen. Wurde er gezielt ausgesucht?

Ja. Die Aktion hing kritisch davon ab, dass wir genau ihn herausholen. Wir hatten sehr sorgfältig recherchiert. M. war und ist ein völlig unbelehrbarer und verblendeter Nazi mit einer langen Liste an Verbrechen, von Nötigung und Brandstiftung bis hin zu gedeckten Morden an Asylbewerbern. Er war unser Ziel, weil er im Laufe möglicher folgender Rechtsstreitigkeiten die Karten und damit eine Menge pikanter Informationen hätte offenlegen müssen. Wäre er an diesem Tag nicht da gewesen, wäre die gesamte Aktion geplatzt.

Es kam dann zu dem historischen Foto. Sie zwangen M. zu Boden, ließen ihn von drei ihrer Schauspieler in Schach halten, hängten ihm ein Pappschild mit der Aufschrift "Ich bin ein mieses Nazischwein und lass mich nur mit Nazis ein" um den Hals und ließen einen wie ein Richter auftretenden anderen Schauspieler über ihn richten.

Ja, das war der Klimax der Sache. Dachten wir zumindestens. Die Idee war ja, dass wir die damals von den "bürgerlichen Vertretern" der Nazis kultivierten Mythen der moderaten Rechten entlarven wollten. Die taten ja so, als seien sie eine völlig integrierte und gleichberechtigte politische Strömung, die zu tolerieren sei, so ein bisschen wie das gegenseitige Tolerieren von Leuten, die gerne grüne oder blaue Hemden tragen. Dass Faschisten Anders funktionieren und eben nicht im gleichen Rechtsraum agieren, wollten wir bildlich zeigen.

Das Spiegelprinzip.

Ja. Wir hatten zwei Jahre vorher einen anderen viralen Youtube Hit mit dem Video, in dem wir einen Nazi als zerbrechlichen kleinen fragilen weinenden Hanswurst zeigen, der nichts Anderes tun möchte, als einfach nur seiner Liebe zu Deutschland nachzugehen, und wir haben ihn in dem spot von einer Horde marodierender, hasserfüllter und bösartiger Hippies in Latzhosen jagen lassen. Das Ganze war natürlich so absurd und grotesk, dass  damit ohne weitere Erklärungen klar wurde, dass der Modus, wie Politik auf der rechten gegenüber der demokratischen Seite geführt wird, eben nicht austauschbar ist und damit die faschistischen Kräfte kein Recht auf Gleichberechtigung und Toleranz haben.

Das Bild ging Tausendfach kopiert in die Welt und wurde viral in allen sozialen Medien geteilt und diskutiert. Was war Ihr Plan, nachdem Sie den Schuss im Kasten hatten?

Ehrlich gesagt war das etwas, was wir unmöglich voraussagen konnten, und es gab sehr kontroverse Diskussionen darüber während der Vorbereitung. Manche waren fest davon überzeugt, dass wir keinerlei Chance hätten, heil da herauszukommen. Allerdings war Alles minutiös vorbereitet; die Idee war, als Gruppe geschlossen und diszipliniert - mit gespielter Waffengewalt - in eine Seitenstraße abzuziehen, in der ein gesicherter Reisebus auf uns wartete. Glücklicherweise waren in der Straße ungefähr ein Dutzend andere Reisebusse geparkt, so dass wir auf die Anonymität hofften.

Ihnen wurde in der Zwischenzeit oft vorgeworfen, dass Ihre Mittel nicht besser gewesen sind als die Mittel derjenigen, die sie bloßstellen wollten.

Ein Teil unseres Konzeptes bestand darin, dass wir der Bevölkerung, die zu dem Zeitpunkt ziemlich eingelullt war, am lebenden Objekt zeigen wollte, wie eine rechtlose Terrorherrschaft funktioniert, also was sie zu erwarten haben, wenn Sie es wirklich zulassen, dass diese Kräfte die Macht übernehmen.

Wie sehen Sie die weiteren Entwicklungen des Tages aus Ihrer Sicht? Wie und wann hat es angefangen, außer Kontrolle zu geraten?

Der Mann, der unseren Richter gespielt hat - Markus, mit dem ich lange und sehr eng zusammengearbeitet habe - hat in seiner öffentlichen Abrechnung mit Michael M. etwas nicht Abgesprochenes hereingebracht: Er beendete seinen act mit einem Schuldspruch, in dem M. als Verräter des Deutschen Volkes für schuldig gesprochen wurde. Mir wurde zu dem Zeitpunkt klar, dass Viele der Anwesenden nicht verstanden hatten, dass wir im Grunde Antifaschisten sind, obwohl das aus dem Plakat klar hervorgehen musste. Aber für manche schien das ein komplett in sich Sinn zu machen: Wir waren die "offiziellen" Nazis, und unser Schuldspruch war damit Gesetz. Das mit dem Verrat am Deutschen Volk hat bei vielen den Schalter umgelegt.

Die Ereignisse sind wohl dokumentiert: Aus der Masse traten aufgebrachte Menschen hervor, die anfingen, Michael M. zu verprügeln, zu treten und zu misshandeln.

Ja, es war wirklich grotesk: Nazis verprügeln einen der schlimmsten Nazis, weil sie nicht verstanden haben, dass Alles ein Schauspiel war, um den Faschismus in seiner ganzen Absurdität und Menschenfeindlichkeit darzustellen. Auf eine gewisse Art und Weise haben wir genau das getan, und wir waren erfolgreich. Aber zu welchem Preis?

Nach offizieller Zählung der Historiker in den nachfolgenden Unruhen 4 Tote, 241 Verletzte, fast bürgerkriegsähnliche Zustände, der Rücktritt zweier Regierungen, und eine komplette Neuerfindung des Landes.

Auf die Toten und Verletzten bin ich in keiner Form stolz, und ich wollte das nicht. Aber die gesellschaftlichen Folgen waren überfällig.

In Kauf genommen haben Sie das Leid?

Schauen Sie: Deutschland war zu dem Zeitpunkt auf der Kippe zu einer flächendeckenden Akzeptanz des Faschismus 2.0, der sich als hippes, modernes und cooles Konstrukt verkauft, aber unter der Haube denselben Terror verbreitet hätte wie der Faschismus 1.0. Ich bin überzeugt, dass ohne unsere oder eine vergleichbare Aktion ein Jahr später Höcke die Wahl gewonnen hätte. Was das an Leid und Toten nach sich gezogen hätte, möchte ich noch nicht einmal anfangen auszumalen.

Sie haben dann aber nicht die Flucht angetreten.

Es war uns klar, dass M. diesen Mob und seinen Hass nicht überleben würden, und das war einzig und Allein unsere Schuld. Wir mussten also - als verkleidete Nazis - einen Nazi davor retten, von Anderen Nazis massakriert zu werden. Die Situation wurde zunehmend unübersichtlicher.

Einer Ihrer Schauspieler war unter den Toten.

Ja, ein Freund von mir und ein großartiger Künstler, Thomas Mahlschneider.

Er wurde von einem Pazi zu Fall gebracht und schlug unglücklich auf dem Bordstein auf.

Genau. Dass es ausgerechnet ein Pazi war, hat die Groteske komplett gemacht. Dass es Leute gab, die sich pazifistische Nationalisten nennen, war schon aberwitzig genug. Die wurden ja als Feigenblatt vorgeschoben, um zu demonstrieren, wie bunt und vielfältig die nationalistische Rechte doch ist.

Später wurde geleakt, dass Höcke die "Ausschwitzung" genau dieser Gruppierung schon für den Fall seiner Kanzlerschaft geplant hatte.

Das habe ich auch gelesen. So sehr und der Tod von Thomas schockiert und betroffen gemacht hat, irgendwie war das dann die Krönung: Ein pazifistischer Nazi tötet einen antifaschistischen Schauspieler, der einen echten Nazi davor schützt, von einem Nazimob gelyncht zu werden. So etwas kann sich Niemand ausdenken, das passiert nur im wirklichen Leben.

Wie hat dieser Tag für Sie die Geschichte verändert?

Das Land ist kollektiv aus einem Alptraum erwacht. Wir waren der Wecker. Für ein paar Jahre wurde daraus ein schöner Traum, auch weil zufälligerweise zwei Monate später der Sieg über das Coronavirus verkündet wurde.

Haben wir den Faschismus besiegt?

Nein. Wir haben für eine Generation Ruhe erkämpft.

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nicolailevin
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BeitragVerfasst am: 04.07.2020 12:37    Titel: Antworten mit Zitat

Die Idee mit der Erinnerungssendung gefällt mir, auch die Form des  Interviews ist eigen und bildet einen erfreulichen Farbklecks im Wettbewerb.

Mit den Inhalten des Interviews werde ich dann nicht richtig warm.

Das Ereignis, über das gesprochen wird, ist ein historisches, sieben Jahre zurückliegend, die Welt seither eine andere. Wiedergegeben wird aber für meine Begriffe eher tagesaktuell, wie man vielleicht für eine laufende juristische Untersuchung den Sachverhalt darstellen und erklären würde. Da wird zwar das politische und gesellschaftliche Drumherum analysiert, aber es fehlt nach meinem Geschmack der innere Abstand, die Distanz.

Die Utopie ist mir auch zu kurz gesprungen. Eine Welt ohne Nazis wäre schön, aber die Nazis sind ja das Symptom, nicht die Wurzel, und über die Wurzel erfahren wir - auch implizit - nichts.

Und dann ist da auch für mich die ungeklärte Frage nach der Bedeutung dieser Aktion. War dieses tragische Ereignis nur eine Anekdote am Rande im großen antifaschistischen Kampf oder ein entscheidender Wendepunkt für den Sieg - so wie damals Rosa Parks im Bus?

Und schließlich ist da diese vermeintliche Provokation. SS-Männer, die sich in einen Neonaziaufmarsch mischen. Das ist mir einfach nicht grotesk genug für eine subversive Kunst-Polit-Aktion.
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V.K.B.
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Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 04.07.2020 14:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inco,
klasse Geschichte, hat mir gut gefallen, auch die Form des fiktionalen Interviews. Hier hältst auch du einigen Entwicklungen in Ostdeutschland gut den Spiegel vor. Was das Lesevergnügen ein bisschen trübt, ist die hohe Fehlerdichte, besonders in Bezug auf Groß- und Kleinschreibung. Da bin ich ein paar Mal gestolpert.

Die Vorgaben sind auch nur vage umgesetzt, eine Utopie kann ich da eigentlich nicht wirklich entdecken. Auch der letzte Satz des Aktionskünstlers schließt eine solche Vorstellung eigentlich aus. Den einen Abweichler zu einer friedlichen Welt sehe ich auch nicht. Du scheinst die Vorgaben mehr als Inspiration genommen zu haben, statt sie direkt umzusetzen. Für diesen Wettbewerb sehe ich das aber nicht als essentiell, von daher nicht weiter schlimm, gibt nur ein paar Abzüge in meiner internen Vorgabenumsetzung-Kategorie. Die kannst du in anderen aber locker ausgleichen.

Die Aktion und ihre Entwicklung sind (leider) tatsächlich vorstellbar. Ja, ich denke, das könnte wirklich so laufen.

Ich hoffe ich habe am Ende noch Punkte für dich übrig.

Sehr gerne gelesen,
Veith


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Ribanna
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BeitragVerfasst am: 04.07.2020 19:12    Titel: Antworten mit Zitat

Die Idee gefällt mir, aber die Umsetzung nicht wirklich. Irgendwie wird zu viel erzählt, aber das, was passiert, tritt nicht wirklich hervor.
Ein paar kleine Flüchtigkeitsfehler, ansonsten handwerklich ganz gut.
Ich lasse Punkte da, weiß aber noch nicht wie viele.


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Gast







BeitragVerfasst am: 05.07.2020 21:41    Titel: Antworten mit Zitat

erfrischende Abwechslung im Format. Leider etwas getrübt durch viele Rechtschreib- und Flüchtigkeitsfehler.
So macht folgender Satz vielleicht für manche ein komplett in sich Sinn, aber für mich nicht:
Zitat:
Aber für manche schien das ein komplett in sich Sinn zu machen:


Zitat:
Ein pazifistischer Nazi tötet einen antifaschistischen Schauspieler, der einen echten Nazi davor schützt, von einem Nazimob gelyncht zu werden. So etwas kann sich Niemand ausdenken, das passiert nur im wirklichen Leben.

sehr hübsche Doppel-Ironie smile
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silke-k-weiler
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BeitragVerfasst am: 06.07.2020 11:00    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Text,

schön, endlich mal eine andere Form der Umsetzung. Gefällt mir gut mit dem Interview. Ähm, da tummeln sich ein paar Rechtschreibfehler. Nur so am Rande.

Amüsant geschrieben, gleichzeitig pappt die Schilderung so nahe am aktuellen Zeitgeschehen, dass mir das Schmunzeln regelmäßig vergeht.  
Aber spätestens bei den "marodierenden, hasserfüllten und bösartigen Hippies in Latzhosen" musste ich dann doch mal laut lachen.

Lieblingsstelle: Ein pazifistischer Nazi tötet einen antifaschistischen Schauspieler, der einen echten Nazi davor schützt, von einem Nazimob gelyncht zu werden. So etwas kann sich Niemand ausdenken, das passiert nur im wirklichen Leben.

Aber jetzt mal zu den Vorgaben: Welche zweite Krise der Menschheit wurde überwunden? Wo ist der Nörgler, der sich eine handfeste Krise wünscht?

Hm, trotzdem nehme ich Dich mal wohlwollend in die nächste Runde mit.

Herzlichst
Silke
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RAc
Eselsohr


Beiträge: 412



BeitragVerfasst am: 07.07.2020 21:55    Titel: Meine eigenen Ergänzungen nach dem Lesen der meisten anderen Beiträge: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich vermute, dass mancher Leserinnen die Utopie in meinem Text vermissen werden. Es gibt keine dauerhaft bessere oder neue Welt, und die Krise, die im Text adressiert wird (Neofaschismus) ist nicht wirklich überwunden, nur suspendiert. Außer einem angedeuteten chipcast gibt es im Jahr 2031 keine technischen Innovationen, die es in den Text geschafft haben. Was soll das Ganze also in einem  Schreibwettbewerb mit Thema Utopie?

Nun, für mich ist das Hier und Jetzt die fast größtmögliche denkbare Utopie (wie ich schon im Stammtischfaden erwähnt habe). So ziemlich Alle in der Vergangenheit und in Anderen Teilen der Welt lebenden Menschen würden Mitteleuropa im Jahr 2020 als die bestmögliche Annäherung an paradiesische Zustände sehen, wenn man sie mit unserer Lebensrealität konfrontieren würde/wird/könnte. Trotz Aller offenkundigen Schwächen und Probleme. Die Probleme zu adressieren, ohne dabei das Fundament dieses utopischen Zustandes zu gefährden, ist ein immerwährender Drahtseilakt über dem Abgrund.

Das Paradies ist zerbrechlich, und es nagen ständig von Allen Seiten aus ganz verschiedenen (manchmal nachvollziehbaren und verständlichen) Interessenlagen daran. Die größte Gefahr sehe ich momentan - im Juli 2020 - in den weltweit aufbegehrenden Schollenfuzzis, die nicht akzeptieren können oder wollen, dass die dringenden Probleme weltweiter Natur sind und deswegen nicht auf der lokalen Ebene gelöst werden können. Diese Kräfte speisen sich im Wesentlichen aus sehr archaischen und destruktiven Kräften, in deren Weltbild das Keulen Anderer das Mittel der Wahl für alle Krisen ist. Wahrheit ist für sie nur dann relevant, wenn die Wahrheit ihre Ideologie stützt; tut sie das nicht, wird sie eben gekeult, wie Alles, was gegen sie ist. Sie nähren sich aus Hass und Wut und sind dem konstruktiven, moderierenden und empathischen Denken nicht mächtig; statt dem Miteinander ist ihr Modus operandi das Ausgrenzen und das Gegeneinander.

Die für mich tatsächlich momentan größte utopische Vorstellung ist ein Zustand, in dem diese Kräfte so unter Kontrolle gehalten werden können, dass sie das Paradies nicht von Innen aushöhlen oder von Außen aushebeln  können. Sie zu besiegen ist nicht möglich, da die Grundlagen dafür sehr tief in unserem genetischen Material verwurzelt sind und jederzeit wieder hervorbrechen können.

In sofern ist eine (wenn auch nur temporäre, weil Zeitgewinn hier ein echter Gewinn ist) Kontrolle faschistischer und reaktionärer Strömungen eine Utopie in der Utopie.

Das mit dieser "Bewältigung" unzufriedene Individuum (natürlich repräsentativ) in meiner Geschichte ist offensichtlich Michael M., der sich die Zukunft natürlich ganz Anders erträumt hat (des Einen Utopie ist des Anderen Dystopie, trivial). Es ist typisch für Seinesgleichen, dass er aus der Erfahrung des 27.4.24 nicht ins Grübeln gekommen ist und trotzdem weiter seiner Ideologie frönt. Anders als diejenigen, die dadurch aufgewacht sind und verstanden haben, wen sie da möglicherweise aus Demokratiemüdigkeit, Dekadenz oder reiner Bequemlichkeit in den Pilotensitz eines Jumbo Jets mit > 80 Millionen Sitzplätzen hieven. Die haben gesehen und verstanden, was Kaputt gemacht werden kann und wie wichtig Frieden und geordnete Zustände sind. Die Zeit aber heilt alle Wunden, und spätestens ihre Enkelkinder sind wieder in Gefahr, Alles, was die Vergangenheit erkämpft hat, als selbstverständlich und wertlos anzusehen.

All das klingt nach einem negativen und desillusionierten Menschenbild, ist es aber nicht, eher im Gegenteil. Das führt an dieser Stelle aber zu weit.

Für die kleine Handvoll Rechtschreibfehler bitte ich um Vergebung; die sind mir trotz Gerold doch tatsächlich entgangen.

Und nun freue ich mich auf mögliche Reaktionen jeder Art und mache mich an das Rezensieren der anderen Beiträge!
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Heidi
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Beiträge: 1307
Wohnort: Hamburg


BeitragVerfasst am: 10.07.2020 20:31    Titel: Antworten mit Zitat

Wir haben es mit McMaster zu tun, einem YouTube-Künstler, dessen Kunstform es ist zu spiegelt und der dadurch provozieren möchte und es laut eigenen Aussagen auch tut. Im Text, der als Interview aufgebaut ist, erzählt McMaster, wie seine ZERSpiegelung funktioniert und wie es dazu kam, dass die Welt in Frieden lebt. Die groteske Geschichte einer Aktion in der er und andere Schauspieler sich unter eine Gruppe Nazis mischten und – weil sie SS-Uniformen trugen – auch als Nazis empfangen wurden. Einer der Schauspieler richtet über einen Nazi, der speziell für dieses Video ausgesucht wurde. Die Aktion eskaliert schließlich durch den Fehler eines Schauspielers. Die Nazis greifen einen der ihrigen an und McMasters Truppe tut alles, damit er nicht sterben muss. Pazifisten gehen auf die Nazis los. Es gibt Tote. Eine prekäre Situation für die Schauspieler die nicht nur von den Nazis nicht als solche erkannt werden, sondern auch von der Außenwelt.

Die Idee an sich ist tatsächlich grotesk. Dummerweise wird genau das im Text auch zu oft erwähnt und ich denke, dass es die Geschichte nicht nötig hat, das noch extra zu sagen, weil Leser*innen die Groteske auch selbst erkennen können.
Beim Einstieg ist mir aufgefallen, dass McMaster von Provokation spricht. Es wird behauptet, dass seine Kunst spiegelt, deshalb benennt er sich auch mit dem Begriff „ZERSpiegelkünstler“. Da in meinem Denken Kunst sehr häufig spiegelt – gerade, wenn es sich um Aktionskunst handelt – und Provokation es ebenso häufig darauf anlegt, dem Betrachter „etwas“ zu spiegeln, finde ich die von dir ausgewählte Kunst-Form als nicht komplett ausgereift oder zumindest die Bezeichnung und Erklärung davon. Auch an dieser Stelle werden mir von außen Begrifflichkeiten vor die Nase gesetzt, die ich eigentlich durch den Text heraus sprechen hören möchte.
Ich habe auch den Eindruck, dass der Text zu viel erzählen will, zu viele verrückte Begebenheiten, die als Gesamtheit dann leider nicht konsistent wirken.
Größter Kritikpunkt des Textes ist aber der Aufbau. Das Interview liest sich etwas statisch und kann mich nicht wirklich mitreißen. Ich hätte dann lieber Szenen Vorort gesehen, die durch den Text zum Leben erwachen. Ich meine damit das Geschehen an sich in Aktion, anstatt einer Nacherzählung in einem Interview.
Zudem befindet sich diese Gesellschaft nicht in einer Utopie, die Utopie beginnt erst mit dem letzten Satz. Das wäre für mich kein Grund, dem Text keine Punkte zu geben. Wenn er mich mitnehmen würde, dann wäre die Utopie schnell vergessen; leider tut er das nicht.
Das ist natürlich schade, weil diese groteske Szene großes Potenzial zu einer spannenden, mitreißenden Story hätte. Ich würde dir empfehlen, das Ganze noch mal zu schreiben und in Szene zu setzen, weil bereits ein gutes Grundgerüst für einen aufregenden Text vorhanden ist.

Keine Punkte.


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Malaga
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BeitragVerfasst am: 11.07.2020 10:00    Titel: Antworten mit Zitat

Als Geschichte hätte mir das wohl besser gefallen als so im berichtenden Stil, denn die "Krönungsidee" ist tatsächlich gut.
Aber jetzt habe ich es halt auf die Weise gelesen, wie ich die Zeitung häufig lese, nämlich selektiv, nur zur Informationsentnahme.
Bewertung später im Vergleich.
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Constantine
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Beiträge: 2969



BeitragVerfasst am: 11.07.2020 18:02    Titel: Antworten mit Zitat

Bonjour

Die Idee eines Interviews fand ich nicht schlecht, aber von der Dramaturgie und dem total Lustig-Krassen, das darin berichtet wird, hat es mich leider nicht erreicht.
Es tut mir leid. Leider nicht in meiner Top Ten.

Merci beaucoup
Constantine
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Xeomer
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Alter: 32
Beiträge: 136
Wohnort: Xeothon


BeitragVerfasst am: 12.07.2020 15:23    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe unbekannte Autorin,
lieber unbekannter Autor,

die Aufgabenstellung sehe ich als erfüllt an.

Nette Idee, interessante Umsetzung. Wobei mir der Protagonist etwas zu scheinheilig rüber kommt und er den Tod seines Freundes nicht sonderlich schlimm zu finden scheint.

Besonders gefallen hat mir der folgenden Satz:
Zitat:
Ein pazifistischer Nazi tötet einen antifaschistischen Schauspieler, der einen echten Nazi davor schützt, von einem Nazimob gelyncht zu werden. So etwas kann sich Niemand ausdenken, das passiert nur im wirklichen Leben.


Das sie den Nazi beschützt haben, als sie bemerkten, dass er sonst auf ihre Aktion hin getötet werden würde, hätte ich den Protagonisten nicht zugetraut. Ich hätte eher erwartet, dass sie es einfach geschehen lassen. Das könnte mir der ein oder andere Punkt wert sein.


Ich komme wieder, wenn ich weitere Texte gelesen habe.

Viele Grüße,
Xeomer


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"Zone 84" Buchtrailer: youtube.com/watch?v=ZygK3Te0jV8
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hobbes
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Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
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BeitragVerfasst am: 13.07.2020 10:18    Titel: Antworten mit Zitat

Und das ist der Text, vor dem ich mich am längsten mit Kommentieren gedrückt habe. Das ist, glaube ich, so, weil ich ihn inhaltlich wichtig finde, also das Thema an sich, und es gut finde, dass sich jemand an dieses Thema heranwagt.
Schwierig auch, weil ich den Inhalt leider ziemlich realistisch finde und weil mir diese ganze Scheiße ziemliche Angst macht, was dazu führt, dass ich mich lieber vor ihr herumdrücke, als tatsächlich mal was zu tun.
Äh, will sagen, ich traue mir in der Hinsicht einfach selbst nicht, was die Beurteilung dieses Textes angeht. Weil das Thema so viel mit mir macht.

Vielleicht schiebe ich das einfach noch mal auf bis zur Punkteverteilung, denn Punkte wirst du von mir bekommen.
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d.frank
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BeitragVerfasst am: 13.07.2020 17:20    Titel: Antworten mit Zitat

Ok!

Zuerst dachte ich: Das ist doch mal eine geniale Idee! Ein Interview, eine völlig andere Textgattung, als man sie erwarten würde. Und das ist auch gut und schlüssig geschrieben und wirkt an keiner Stelle "ausgedacht". Aber dann, naja, dann, langweilte es mich leider auch...Das kann jetzt in erster Linie etwas über mich als Leser aussagen, wird es wahrscheinlich auch, weil das ist ja gut, die Idee, die Aussage, die Aufmachung. Aber (und ich kann jetzt leider nicht genau benennen, wo da bei meiner Lesart der Knackpunkt ist) hat es mich einfach nicht gepackt. Keine wirkliche Begeisterung, eher so ein: "Ja, ok."
Das tut mir an dieser Stelle echt leid, weil der Autor sich hier nicht nur Mühe, sondern sich selbst auch eine ordentliche Aufgabe gestellt hat. Dass ich das jetzt nicht würdigen kann, ärgert mich fast und wer weiß, bei der abschließenden Punktevergabe revidiere ich meine Meinung ja vielleicht noch, weil diese ausbleibende Begeisterung meinerseits, das könnte ja auch Teil des Ganzen sein, wenn ich recht darüber nachdenke.

edit: Ich hab nochmal überlegt. Es ist das Thema! Faschismus. Und hey, der Text hat es jetzt also geschafft, dass ich mich mit diesem Begriff mal näher auseinandergesetzt habe:

Zitat:
Im Faschismus geht es um die mythische Einheit von Führer und Volk. Das ist das, was faschistische Bewegungen anstreben und dazu verstehen sie es, Gefühle anzusprechen, Leidenschaften zu mobilisieren und vor allem auf die Emotion zu setzen und vor allem auch zu vermitteln, dass Gemeinschaft ein eigener Wert sei.

Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/debatte-der-umstrittene-begriff-faschismus.976.de.html?dram:article_id=392044

Von daher: Ziel erreicht, Spiegelkünstler smile


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Die Wahrheit ist keine Hure, die sich denen an den Hals wirft, welche ihrer nicht begehren: Vielmehr ist sie eine so spröde Schöne, daß selbst wer ihr alles opfert noch nicht ihrer Gunst gewiß sein darf.
*Arthur Schopenhauer
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Vogelsucher
Geschlecht:männlichSchmierfink

Alter: 15
Beiträge: 92



BeitragVerfasst am: 13.07.2020 18:10    Titel: Antworten mit Zitat

Text, damit ich den Beitrag bewerten kann.
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poetnick
Geschlecht:männlichKlammeraffe

Alter: 58
Beiträge: 711
Wohnort: Europa


BeitragVerfasst am: 16.07.2020 20:45    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Unbekannt,

eine verzwickt angelegte Geschichte, bei der ich leider die Umsetzung
des Themas nicht recht erkennen konnte. Habe daher andere Texte
für für eine Punktezuteilung ausgewählt.


LG - Poetnick


_________________
Wortlos ging er hinein,
schweigend lauschte er der Stille
und kam sprachlos heraus
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Michel
Geschlecht:männlichExposéadler

Alter: 48
Beiträge: 2762
Wohnort: Südwest
Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 17.07.2020 09:42    Titel: Antworten mit Zitat

Na, das ist mal ein Text, der aus der Reihe fällt! (Bisher jedenfalls, ich lese der Reihe nach.) Ein Interview, das einerseits leicht verständlich daherkommt (also für Leute wie mich gemacht), andererseits einen Twistturntwist einbaut (zum Glück gut erläutert, für Leute wie mich). Eine schöne Utopie, dass menschenverachtende Ideologie so gut vorgeführt werden kann. (Die Corona-Geschichte ist natürlich ein bisschen drangehängt. Korrigiere: Nicht nur ein Bisschen.) Durch die Interview-Situation sind Informationen großartig zu verpacken, ohne oberlehrerhaft den Text zu verbleien. Gefällt mir sehr gut, auch weil es bisher einer der wenigen Texte ist, die eine wirkliche Utopie bieten.

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BeitragVerfasst am: 17.07.2020 21:41    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
So ziemlich Alle in der Vergangenheit und in Anderen Teilen der Welt lebenden Menschen würden Mitteleuropa im Jahr 2020 als die bestmögliche Annäherung an paradiesische Zustände sehen, wenn man sie mit unserer Lebensrealität konfrontieren würde/wird/könnte.

Das stellst du einfach so ohne Belege hin und meinst es im Ernst?
Das müsste in Konsequenz eine ungemein begrenzte Vorstellung von "so ziemlich alle" bedeuten.

Edit PS: Ich denke da u.a. an 1.4Mia Chinesen, 1.3Mia Inder, 300Mio Amis, aber auch an meine "Eingeborenen-Nachbarn" (andere würden noch "Indianer" sagen), deren Stamm nur einige Tausend Mitglieder hat. Ausserdem gibt es wohl mehr Deutsche in den USA als Afrikaner in Deutschland, das stell ich auch mal ohne allzu genaue Recherche einfach hin.


Zitat:
Sie zu besiegen ist nicht möglich, da die Grundlagen dafür sehr tief in unserem genetischen Material verwurzelt sind und jederzeit wieder hervorbrechen können.
Amen!
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RAc
Eselsohr


Beiträge: 412



BeitragVerfasst am: 18.07.2020 21:58    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

So, hier nun mein wrap-up. Sehr herzlichen Dank an Alle, die die Mühe des Lesens auf sich genommen haben, noch mehr Dank an Alle, die sich die Zeit für eine Rezension genommen habe, und ganz besonderen Dank an Alle, denen mein Text freundliche oder lobende Worte oder Punkte entlockt hat (Da es nur für den Autoren ersichtlich ist, wer wie viele Punkte vergeben hat und ich das nicht ohne Rücksprache mit den RezensentInnen veröffentlichen möchte, bedanke ich mich hier pauschal für alle Punkte)! Sehr herzlichen Dank auch an das Orga-Team für ihre Mühe und ihren ansteckenden Enthusiasmus!

Für manche der Rechtschreibfehler (speziell die Gross-Kleinschreibung) hätte ich eine Erklärung, aber: Ausreden non placent. Das darf nicht sein, Punkt.

Es freut mich, dass die Mehrzahl der RezensentInnen die Interviewform als positiv angesehen hat. Sie ist deswegen für mich naheliegend, weil ich vor Kurzem den podcast als Form der Informationsaufbereitung entdeckt habe und gerne und ausgiebig nutze.

Kurz zum Inhalt: Ich hatte eigentlich eine andere Geschichte in der Schublade, die viel besser ins Schema des Wettbewerbs gepasst hätte (es geht da um automatisierte Gerichtsbarkeit, was in manchen Ecken der Welt schon längst keine xtopie mehr ist).

Dann aber kam etwas dazwischen, womit ich im Leben nie gerechnet hätte: Ein junger Verwandter von mir, der mir sehr am Herzen liegt (kein direkter Abkömmling) ist "auf die andere Seite" gewechselt (also nach Rechtsaussen). Das hat mit sehr viel zu Denken gegeben, auch darüber, wie solche Sachen passieren können und warum. Ich bin immer noch am Reflektieren, ob und wenn wie ich daran hätte etwas ändern können, sollen oder müssen. In jedem Fall ist es eine Thematik, die mich sehr bewegt, vor Allem in diesen Zeiten, in denen das Streben nach Lokalität weltweit sehr stark ist (nochmal, zuweilen und in manchen Ausprägungen aus nachvollziehbaren Gründen). So hat sich die Geschichte fast von selbst geschrieben.

Und nun noch zu den einzelnen Rezensionen

nicolailevin hat Folgendes geschrieben:
Die Idee mit der Erinnerungssendung gefällt mir, auch die Form des  Interviews ist eigen und bildet einen erfreulichen Farbklecks im Wettbewerb.

Mit den Inhalten des Interviews werde ich dann nicht richtig warm.

Das Ereignis, über das gesprochen wird, ist ein historisches, sieben Jahre zurückliegend, die Welt seither eine andere. Wiedergegeben wird aber für meine Begriffe eher tagesaktuell, wie man vielleicht für eine laufende juristische Untersuchung den Sachverhalt darstellen und erklären würde. Da wird zwar das politische und gesellschaftliche Drumherum analysiert, aber es fehlt nach meinem Geschmack der innere Abstand, die Distanz.

Die Utopie ist mir auch zu kurz gesprungen. Eine Welt ohne Nazis wäre schön, aber die Nazis sind ja das Symptom, nicht die Wurzel, und über die Wurzel erfahren wir - auch implizit - nichts.

Und dann ist da auch für mich die ungeklärte Frage nach der Bedeutung dieser Aktion. War dieses tragische Ereignis nur eine Anekdote am Rande im großen antifaschistischen Kampf oder ein entscheidender Wendepunkt für den Sieg - so wie damals Rosa Parks im Bus?

Und schließlich ist da diese vermeintliche Provokation. SS-Männer, die sich in einen Neonaziaufmarsch mischen. Das ist mir einfach nicht grotesk genug für eine subversive Kunst-Polit-Aktion.


Schönen Dank, nicolailevin!

Die Provokation lag ja nicht allein in der Teilnahme des Aufmarsches, sondern dem gestellten Foto. Sorry wenn das nicht klar genug rübergekommen sein sollte!

V.K.B. hat Folgendes geschrieben:
Hallo Inco,
klasse Geschichte, hat mir gut gefallen, auch die Form des fiktionalen Interviews. Hier hältst auch du einigen Entwicklungen in Ostdeutschland gut den Spiegel vor. Was das Lesevergnügen ein bisschen trübt, ist die hohe Fehlerdichte, besonders in Bezug auf Groß- und Kleinschreibung. Da bin ich ein paar Mal gestolpert.

Die Vorgaben sind auch nur vage umgesetzt, eine Utopie kann ich da eigentlich nicht wirklich entdecken. Auch der letzte Satz des Aktionskünstlers schließt eine solche Vorstellung eigentlich aus. Den einen Abweichler zu einer friedlichen Welt sehe ich auch nicht. Du scheinst die Vorgaben mehr als Inspiration genommen zu haben, statt sie direkt umzusetzen. Für diesen Wettbewerb sehe ich das aber nicht als essentiell, von daher nicht weiter schlimm, gibt nur ein paar Abzüge in meiner internen Vorgabenumsetzung-Kategorie. Die kannst du in anderen aber locker ausgleichen.

Die Aktion und ihre Entwicklung sind (leider) tatsächlich vorstellbar. Ja, ich denke, das könnte wirklich so laufen.

Ich hoffe ich habe am Ende noch Punkte für dich übrig.

Sehr gerne gelesen,
Veith


Hallo Veith,

über deine Antwort habe ich mich riesig gefreut. Wir geraten ja des Öfteren mal aneinander, aber um so mehr ehrt es mich, dass Du meinem Text etwas abgewinnen konntest!

Zitat:
erfrischende Abwechslung im Format. Leider etwas getrübt durch viele Rechtschreib- und Flüchtigkeitsfehler.
So macht folgender Satz vielleicht für manche ein komplett in sich Sinn, aber für mich nicht:
Zitat:
Aber für manche schien das ein komplett in sich Sinn zu machen:


Zitat:
Ein pazifistischer Nazi tötet einen antifaschistischen Schauspieler, der einen echten Nazi davor schützt, von einem Nazimob gelyncht zu werden. So etwas kann sich Niemand ausdenken, das passiert nur im wirklichen Leben.

sehr hübsche Doppel-Ironie smile


Ja, die Fehler... s.o.

silke-k-weiler hat Folgendes geschrieben:
Hallo Text,

schön, endlich mal eine andere Form der Umsetzung. Gefällt mir gut mit dem Interview. Ähm, da tummeln sich ein paar Rechtschreibfehler. Nur so am Rande.

Amüsant geschrieben, gleichzeitig pappt die Schilderung so nahe am aktuellen Zeitgeschehen, dass mir das Schmunzeln regelmäßig vergeht.  
Aber spätestens bei den "marodierenden, hasserfüllten und bösartigen Hippies in Latzhosen" musste ich dann doch mal laut lachen.

Lieblingsstelle: Ein pazifistischer Nazi tötet einen antifaschistischen Schauspieler, der einen echten Nazi davor schützt, von einem Nazimob gelyncht zu werden. So etwas kann sich Niemand ausdenken, das passiert nur im wirklichen Leben.


Hallo Silke,

ich hoffe, dass meine "Zwischenerklärungen" da etwas Licht ins Dunkel bringen. Freut mich, dass ich Dich zum Lachen gebracht habe. Viel mehr kann man sich als Textautor nicht erhoffen, speziell bei Themen, die nicht zum Lachen einladen!

Heidi hat Folgendes geschrieben:
Wir haben es mit McMaster zu tun, einem YouTube-Künstler, dessen Kunstform es ist zu spiegelt und der dadurch provozieren möchte und es laut eigenen Aussagen auch tut. Im Text, der als Interview aufgebaut ist, erzählt McMaster, wie seine ZERSpiegelung funktioniert und wie es dazu kam, dass die Welt in Frieden lebt. Die groteske Geschichte einer Aktion in der er und andere Schauspieler sich unter eine Gruppe Nazis mischten und – weil sie SS-Uniformen trugen – auch als Nazis empfangen wurden. Einer der Schauspieler richtet über einen Nazi, der speziell für dieses Video ausgesucht wurde. Die Aktion eskaliert schließlich durch den Fehler eines Schauspielers. Die Nazis greifen einen der ihrigen an und McMasters Truppe tut alles, damit er nicht sterben muss. Pazifisten gehen auf die Nazis los. Es gibt Tote. Eine prekäre Situation für die Schauspieler die nicht nur von den Nazis nicht als solche erkannt werden, sondern auch von der Außenwelt.



Erstmal schönen Dank für die Paraphrase und die Mühe, die Du Dir damit gemacht hast!

Heidi hat Folgendes geschrieben:


Die Idee an sich ist tatsächlich grotesk. Dummerweise wird genau das im Text auch zu oft erwähnt und ich denke, dass es die Geschichte nicht nötig hat, das noch extra zu sagen, weil Leser*innen die Groteske auch selbst erkennen können.
Beim Einstieg ist mir aufgefallen, dass McMaster von Provokation spricht. Es wird behauptet, dass seine Kunst spiegelt, deshalb benennt er sich auch mit dem Begriff „ZERSpiegelkünstler“. Da in meinem Denken Kunst sehr häufig spiegelt – gerade, wenn es sich um Aktionskunst handelt – und Provokation es ebenso häufig darauf anlegt, dem Betrachter „etwas“ zu spiegeln, finde ich die von dir ausgewählte Kunst-Form als nicht komplett ausgereift oder zumindest die Bezeichnung und Erklärung davon. Auch an dieser Stelle werden mir von außen Begrifflichkeiten vor die Nase gesetzt, die ich eigentlich durch den Text heraus sprechen hören möchte.
Ich habe auch den Eindruck, dass der Text zu viel erzählen will, zu viele verrückte Begebenheiten, die als Gesamtheit dann leider nicht konsistent wirken.
Größter Kritikpunkt des Textes ist aber der Aufbau. Das Interview liest sich etwas statisch und kann mich nicht wirklich mitreißen. Ich hätte dann lieber Szenen Vorort gesehen, die durch den Text zum Leben erwachen. Ich meine damit das Geschehen an sich in Aktion, anstatt einer Nacherzählung in einem Interview.
Zudem befindet sich diese Gesellschaft nicht in einer Utopie, die Utopie beginnt erst mit dem letzten Satz. Das wäre für mich kein Grund, dem Text keine Punkte zu geben. Wenn er mich mitnehmen würde, dann wäre die Utopie schnell vergessen; leider tut er das nicht.
Das ist natürlich schade, weil diese groteske Szene großes Potenzial zu einer spannenden, mitreißenden Story hätte. Ich würde dir empfehlen, das Ganze noch mal zu schreiben und in Szene zu setzen, weil bereits ein gutes Grundgerüst für einen aufregenden Text vorhanden ist.

Keine Punkte.


Interessant, Du bist die Einzige RezensentIn, bei der die Form keinen Anklang gefunden hat... aber das mit dem Auswalzen legt einen Finger in die Wunde, da sind in der Tat Redundanzen drin (was auch eine externe sehr akribische Leserin zu Recht angemerkt hat).

Malaga hat Folgendes geschrieben:
Als Geschichte hätte mir das wohl besser gefallen als so im berichtenden Stil, denn die "Krönungsidee" ist tatsächlich gut.
Aber jetzt habe ich es halt auf die Weise gelesen, wie ich die Zeitung häufig lese, nämlich selektiv, nur zur Informationsentnahme.
Bewertung später im Vergleich.


Hmmmm, die Rezension lässt mich etwas ratlos im Regen stehen, da ich nicht genau weiss, was Du damit zum Ausdruck bringen willst... Trotzdem Dank an Dich für die Mühe!

Constantine hat Folgendes geschrieben:
Bonjour

Die Idee eines Interviews fand ich nicht schlecht, aber von der Dramaturgie und dem total Lustig-Krassen, das darin berichtet wird, hat es mich leider nicht erreicht.
Es tut mir leid. Leider nicht in meiner Top Ten.

Merci beaucoup
Constantine


Ok, danke für die Info!

Xeomer hat Folgendes geschrieben:
Liebe unbekannte Autorin,
lieber unbekannter Autor,

die Aufgabenstellung sehe ich als erfüllt an.

Nette Idee, interessante Umsetzung. Wobei mir der Protagonist etwas zu scheinheilig rüber kommt und er den Tod seines Freundes nicht sonderlich schlimm zu finden scheint.

Besonders gefallen hat mir der folgenden Satz:
Zitat:
Ein pazifistischer Nazi tötet einen antifaschistischen Schauspieler, der einen echten Nazi davor schützt, von einem Nazimob gelyncht zu werden. So etwas kann sich Niemand ausdenken, das passiert nur im wirklichen Leben.


Das sie den Nazi beschützt haben, als sie bemerkten, dass er sonst auf ihre Aktion hin getötet werden würde, hätte ich den Protagonisten nicht zugetraut. Ich hätte eher erwartet, dass sie es einfach geschehen lassen. Das könnte mir der ein oder andere Punkt wert sein.


Ich komme wieder, wenn ich weitere Texte gelesen habe.

Viele Grüße,
Xeomer


Auch an Dich einen Dank, Xeomer! Man könnte jetzt sehr tief in Spekulationen eintauchen, ob es genau das ist, was die Schauspieler vom echten Mob unterschieden hat, aber die Diskussion würde hier zu weit führen.

hobbes hat Folgendes geschrieben:
Und das ist der Text, vor dem ich mich am längsten mit Kommentieren gedrückt habe. Das ist, glaube ich, so, weil ich ihn inhaltlich wichtig finde, also das Thema an sich, und es gut finde, dass sich jemand an dieses Thema heranwagt.
Schwierig auch, weil ich den Inhalt leider ziemlich realistisch finde und weil mir diese ganze Scheiße ziemliche Angst macht, was dazu führt, dass ich mich lieber vor ihr herumdrücke, als tatsächlich mal was zu tun.
Äh, will sagen, ich traue mir in der Hinsicht einfach selbst nicht, was die Beurteilung dieses Textes angeht. Weil das Thema so viel mit mir macht.

Vielleicht schiebe ich das einfach noch mal auf bis zur Punkteverteilung, denn Punkte wirst du von mir bekommen.


Danke hobbes, zur Themenauswahl siehe weiter oben!

d.frank hat Folgendes geschrieben:
Ok!

Zuerst dachte ich: Das ist doch mal eine geniale Idee! Ein Interview, eine völlig andere Textgattung, als man sie erwarten würde. Und das ist auch gut und schlüssig geschrieben und wirkt an keiner Stelle "ausgedacht". Aber dann, naja, dann, langweilte es mich leider auch...Das kann jetzt in erster Linie etwas über mich als Leser aussagen, wird es wahrscheinlich auch, weil das ist ja gut, die Idee, die Aussage, die Aufmachung. Aber (und ich kann jetzt leider nicht genau benennen, wo da bei meiner Lesart der Knackpunkt ist) hat es mich einfach nicht gepackt. Keine wirkliche Begeisterung, eher so ein: "Ja, ok."
Das tut mir an dieser Stelle echt leid, weil der Autor sich hier nicht nur Mühe, sondern sich selbst auch eine ordentliche Aufgabe gestellt hat. Dass ich das jetzt nicht würdigen kann, ärgert mich fast und wer weiß, bei der abschließenden Punktevergabe revidiere ich meine Meinung ja vielleicht noch, weil diese ausbleibende Begeisterung meinerseits, das könnte ja auch Teil des Ganzen sein, wenn ich recht darüber nachdenke.

edit: Ich hab nochmal überlegt. Es ist das Thema! Faschismus. Und hey, der Text hat es jetzt also geschafft, dass ich mich mit diesem Begriff mal näher auseinandergesetzt habe:

Zitat:
Im Faschismus geht es um die mythische Einheit von Führer und Volk. Das ist das, was faschistische Bewegungen anstreben und dazu verstehen sie es, Gefühle anzusprechen, Leidenschaften zu mobilisieren und vor allem auf die Emotion zu setzen und vor allem auch zu vermitteln, dass Gemeinschaft ein eigener Wert sei.

Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/debatte-der-umstrittene-begriff-faschismus.976.de.html?dram:article_id=392044

Von daher: Ziel erreicht, Spiegelkünstler smile


Hmmm, dass ich bei LeserInnen Krisen und interne Spannungen auslösen könnte, war so ziemlich die einzige von mir nicht antizipierte Reaktion... tut mir leid, d.frank, dass ich Dich damit alleine lassen muss, aber trotzdem schönen Dank für das Schildern deiner Eindrücke!

Vogelsucher hat Folgendes geschrieben:
Text, damit ich den Beitrag bewerten kann.


Danke schön!

poetnick hat Folgendes geschrieben:
Hallo Unbekannt,

eine verzwickt angelegte Geschichte, bei der ich leider die Umsetzung
des Themas nicht recht erkennen konnte. Habe daher andere Texte
für für eine Punktezuteilung ausgewählt.


LG - Poetnick


Völlig ok, poetnick, damit habe ich gerechnet, siehe weiter oben! Danke!

Michel hat Folgendes geschrieben:
Na, das ist mal ein Text, der aus der Reihe fällt! (Bisher jedenfalls, ich lese der Reihe nach.) Ein Interview, das einerseits leicht verständlich daherkommt (also für Leute wie mich gemacht), andererseits einen Twistturntwist einbaut (zum Glück gut erläutert, für Leute wie mich). Eine schöne Utopie, dass menschenverachtende Ideologie so gut vorgeführt werden kann. (Die Corona-Geschichte ist natürlich ein bisschen drangehängt. Korrigiere: Nicht nur ein Bisschen.) Durch die Interview-Situation sind Informationen großartig zu verpacken, ohne oberlehrerhaft den Text zu verbleien. Gefällt mir sehr gut, auch weil es bisher einer der wenigen Texte ist, die eine wirkliche Utopie bieten.


Schönen Dank, Michel, über diese Einschätzung habe ich mich wirklich sehr gefreut (obwohl ich die Referenzen in Klammern auf Dich nicht wirklich verstehe).

Zitat:
Zitat:
So ziemlich Alle in der Vergangenheit und in Anderen Teilen der Welt lebenden Menschen würden Mitteleuropa im Jahr 2020 als die bestmögliche Annäherung an paradiesische Zustände sehen, wenn man sie mit unserer Lebensrealität konfrontieren würde/wird/könnte.

Das stellst du einfach so ohne Belege hin und meinst es im Ernst?
Das müsste in Konsequenz eine ungemein begrenzte Vorstellung von "so ziemlich alle" bedeuten.

Edit PS: Ich denke da u.a. an 1.4Mia Chinesen, 1.3Mia Inder, 300Mio Amis, aber auch an meine "Eingeborenen-Nachbarn" (andere würden noch "Indianer" sagen), deren Stamm nur einige Tausend Mitglieder hat. Ausserdem gibt es wohl mehr Deutsche in den USA als Afrikaner in Deutschland, das stell ich auch mal ohne allzu genaue Recherche einfach hin.



Hallo Andreas,

klar, natürlich hast Du Recht. Menschen, die aus komplett Anderen Kulturkreisen kommen und vielem, was wir als selbstverständlich erachten (Privatbesitz an Naturressourcen, technologisierte Gesellschaft etc) niemals haben wollen noch brauchen werden sicherlich nicht dazu gehören.

Mir geht es um die (immer so gern pauschal zusammengefassten) "westlichen Kulturen." Natürlich habe ich keine studienuntermauerten Daten (deswegen habe ich den Satz ja auch im Konjunktib abgefasst), aber ich bin einfach der Überzeugung, dass der Grad von Rechtsstaatlichkeit, Mitbestimmung, Demokratie, soziale Absicherung etc. im Hier und Jetzt unter denjenigen, denen solche Werte etwas bedeuten (oder die in der Vergangenheit dafür gekämpft haben) schon sehr weit oben stehen.
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BeitragVerfasst am: 18.07.2020 23:01    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Mir geht es um die (immer so gern pauschal zusammengefassten) "westlichen Kulturen."

Ok, verträgt sich nur schwer mit "in Anderen Teilen der Welt lebenden Menschen", aber akzeptiert

Zitat:
ich bin einfach der Überzeugung, dass der Grad von Rechtsstaatlichkeit, Mitbestimmung, Demokratie, soziale Absicherung etc. im Hier und Jetzt unter denjenigen, denen solche Werte etwas bedeuten (oder die in der Vergangenheit dafür gekämpft haben) schon sehr weit oben stehen.

Ich bin einfach der Überzeugung, dass solange die eigene Richtung mit der vorgegebenen übereinstimmt, auf keiner Seite Widerstand entsteht. Und auch diejenigen, die sich nicht bewegen sitzen bequem, bis sie versuchen aufzustehen. Die beruhigend auf der Schulter liegende Hand zeigt die Kraft des langen Armes erst, wenn man versucht aufzustehen. Ich springe wohl aus Erfahrung auf das Thema an, dabei bedeuten mir die genannten Werte durchaus etwas.
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Michel
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Alter: 48
Beiträge: 2762
Wohnort: Südwest
Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 20.07.2020 13:51    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Schönen Dank, Michel, über diese Einschätzung habe ich mich wirklich sehr gefreut (obwohl ich die Referenzen in Klammern auf Dich nicht wirklich verstehe).
Da hab ich wohl mir mir selbst geredet. Embarassed Was ich ausdrücken wollte: Häufig übersehe ich die gut versteckten Pointen oder komplexen Zusammenhänge von Geschichten; V.K.B. führt mich regelmäßig aufs Glatteis. Hier hatte ich das Gefühl, ganz gut mitzukommen, und finde das keineswegs negativ.

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BeitragVerfasst am: 20.07.2020 14:43    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Xeomer hat Folgendes geschrieben:

Wobei mir der Protagonist etwas zu scheinheilig rüber kommt und er den Tod seines Freundes nicht sonderlich schlimm zu finden scheint.



Nachtrag:

Mir ist der Prota nicht sonderlich sympathisch. Ich habe einen Heidenrespekt vor seiner Zivilcourage, Chuzpe, Gradlinigkeit und Frechheit (Alles Dinge, die ich nicht habe), aber wenn er mir im richtigen Leben begegnen würde, würden wir vermutlich nicht warm werden.

Ich denke, dass er ein Control Freak ist und seinen Schauspielern gegenüber als kalter perfektionistischer Feldwebel erscheinen kann. In der "langen" Version des Interviews lässt er sich am Ende zu der Aussage verleiten, dass ihn die Ereignisse des 27.4. dazu gebracht haben zu verstehen, wie Blutrausch und Kriege funktionieren. Und auch dass er und M. zwar immer verfeindet gewesen waren, aber nach dem Tag in einer Art gegenseitigem Respekt bis hin zur "Waffenbrüderschaft" gegenübergestanden haben. Ähnlich wie auf zwei Seiten einer Schlacht stehende Feldherren wurden sie ungewollt durch die Ereignisse miteinander verbunden. Der Teil wäre dann aber recht schnell außer Kontrolle geraten und hätte zu schwer aufzulösenden Widersprüchen geführt (und das in 2000 Worten...).

Wenn ich einen Teil der veröffentlichten "kurzen Version" nochmal ändern könnte, dann wäre es die Antwort von Enro auf die Frage

Ihnen wurde in der Zwischenzeit oft vorgeworfen, dass Ihre Mittel nicht besser gewesen sind als die Mittel derjenigen, die sie bloßstellen wollten.

Es ärgert mich, dass er nicht darauf mit der wesentlich besseren Antwort reagiert hat (es hätte so viel mehr seiner Persönlichkeit entsprochen und außerdem dem zu Recht kritisierten redundanten Auswalzen der message entgegengewirkt):

Ein Spiegel kann nicht Anders, als das zu reflektieren, was in ihn hereinscheint.
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