14 Jahre Schriftstellerforum!
 
Suchen
Suchabfrage:
erweiterte Suche

Login

Jetzt erhältlich! Eine Anthologie von und mit unseren Usern. Jetzt bestellen! Die erste, offizielle DSFo-Anthologie! Lyrikwerkstatt Das DSFo.de DSFopedia


Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig TRAUMSEQUENZ: Halluzinationen im herbstlichen Walde - Stilistik


 

 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Deutsches Schriftstellerforum Foren-Übersicht -> Prosa -> Werkstatt
 Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
BerndHH
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 56
Beiträge: 656
Wohnort: HH


BeitragVerfasst am: 19.06.2020 16:43    Titel: TRAUMSEQUENZ: Halluzinationen im herbstlichen Walde - Stilistik eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Mittlerweile war es stockdunkel geworden.
Von Null auf gleich senkte sich erdrückende Schwärze auf die Gruppe hernieder. Wie die bittere Ironie des Schicksals schlug das Wetter genau in dem Moment um, als das Jagdkommando Wolfram zu seiner letzten und entscheidenden Marschetappe aufbrechen wollte. Dazu setzte auch noch feiner Nieselregen ein und überdeckte die kraftlosen Stiefelgeräusche der Männer, die sich mühsam nach vorne quälten. Als die Gruppe im Gänsemarsch das Waldstück verließ, hörte der Dauerregen abrupt auf und wurde von dichtem Bodennebel abgelöst. Jetzt hieß es eine Armlänge Abstand zum Kameraden, damit niemand in der weißen Suppe verlorengehen konnte. Und dennoch fiel einer zurück und scherte damit immer weiter aus. Heinrich Penzkatt gähnte, mehr aus Angst als aus Müdigkeit, und sah sich verzweifelt um. Aber auf einmal sah er seine Kameraden nicht mehr und war schlagartig mutterseelenallein. Sein Atem ging schneller, sein Herz pochte und die Gedanken kreisten wie irre … er musste für einen Moment innehalten und hielt sich die Hüften wie bei Seitenstechen … dann wurde ihm schummerig. Heinrich Penzkatt taumelte, ging in die Knie. Nach einer Weile erwachte er wieder.

Sphärenklänge.
Es ist alles nur ein Traum, mein alter Freund. Ein sonderbarer Traum!
Auf jeden Fall nicht mehr von dieser Welt. Kein Stillstand. Die Linien zwischen Wachsein und Schlaf verwischten sich. Alles befand sich im sanften Fluss, bewegte sich wellenförmig und in großen konzentrischen Kreisen. Hier war das Tor für den Eintritt in den Wolkenwald. Es war alles so bizarr, man mochte meinen, sich in einem Cloud Forest zu befinden. Vergleichbar mit dem mythischen Jangal-e Abr (جنگل ابر) in der persischen Sharud-Provinz. Oder in den moosbewachsenen und flechtenverhangenen Monteverde-Berge im mittelamerikanischen Costa Rica. Das Einsickern in eine Welt ohne Schall und ohne Kontur-en. Heinrich wusste überhaupt nicht mehr, ob er gerade halluzinierte oder wie ihm geschah … Plötzlich hüllte weißer Dunst alles dicht ein, schloss es hermetisch wie in Watte ein und erstickte es.
Weißer Wolfsmond – Eismond.
Es war wie eine Reise zu einem geheimnisvollen Nebelschloss im Walde oder wie eine Szene im Film „Nebelmörder von Hamburg“.
Es ist alles nur ein Traum, mein Freund.
Intensiv harzig riechende Bäume kamen auf ihn zu und drifteten im nächsten Moment gleich wieder von ihm weg. Gegenstände materialisierten sich, ihre Silhouetten wurden undeutlich und verloren sich gleich wieder in der Unendlichkeit.

Penzkatts Augen erfassten einen rechteckigen Gegenstand, den er zunächst überhaupt nicht einordnen konnte. War es eine einsame Funkkabine oder vielleicht doch ein M113FüFu-Pan-zer? Der Major war mit seiner Wahrnehmung bereits viel zu schwach und eingetrübt, dass er in dieser Situation nicht einmal Rad- von Kettenfahrzeug identifizieren konnte. Für ihn war es ganz einfach nur ein Kasten von einem Militärfahrzeug und das stand mitten in der Schonung.

Es ist alles nur ein Traum, mein Freund.

Als er ganz vorsichtig mit dem Gewehr im Anschlag näher kam, konnte Penzkatt hinter dem Tarnnetz das gezackte taktische Zeichen des Jyske Telegrafregimentet/Jydske Division  erkennen. Fernmelder also? Aber dies war eine ihm völlig unbekannte Teileinheit, mit der er auf all den vielen Übungen, die sie zusammen mit den Dänen durchgeführt hatten, noch nie in Berührung gekommen war.

Die Dänen? „Du machst Dich an eine Dänin ran. Da kommt Ihr Freund, und droht Dir Prügel an. Schau im Krankenhaus, im Spiegel Dein Gesicht. Und Du siehst ein, Dänen lügen nicht.“

Penzkatt konnte sich überhaupt keinen Reim darauf machen.
Was soll das bedeuten? Die Jütland-Division kann doch jetzt keine eigenen Teile hier mitten im Feindesland stehen haben. Die Dänen waren mit ihren drei Brigaden doch schon seit Längerem in der Rückwärtsbewegung. Nach hinten ausgewichen. Träum ich oder bin ich etwa schon völlig irre geworden?

Eine Einladung?
Die Klappe des Panzers stand weit offen wie die Zunge eines stählernen Monsters und sein rotes Tarnlicht warf einen schwachen Schein in die Finsternis des Baummeeres. Aber das war noch nicht alles. Denn im Inneren saß eine überirdisch schöne Frau, welche ihre schlanken Finger über die Knöpfe und Regler huschen ließ. Es fiel auf, dass die Fingernägel der brünett-en Funkerin tiefrot lackiert waren und sie war offenbar ganz in ihre Arbeit versunken, mit einer unbekannten Befehlsstelle Verbindung aufzunehmen, denn sie wiederholte immerzu diesen einen Satz:
„Bullfrog, her Skovånd, kan du høre mig?”



_________________
Michel Teló – Ai se eu te pego
----------------------------------
Sábado na balada
A galera começou a dançar
E passou a menina mais linda
Tomei coragem e comecei a falar
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
BerndHH
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 56
Beiträge: 656
Wohnort: HH


BeitragVerfasst am: 19.06.2020 16:43    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Moinsen zusammen,

ich würde hier gerne ein kurzes Textfragment, über das ich mir schon so lange den Kopf zerbrochen habe, zur Diskussion stellen.

Ausgangslage: eine kleine Gruppe Überlebender stolpert durch die Landschaft des Dritten Weltkrieges. Ich will auch gar nicht mit den Details langweilen.

Nur soviel zur Vorgeschichte: es sind die versprengten Reste einer kleinen Gruppe, die bereits alle militärischen Katastrophen überstanden hat. Sie haben den Overkill überlebt, waren in kurzzeitiger Kriegsgefangenschaft geraten, in einen C-Angriff, hatten Verluste, wurden dezimiert, immer vom Regen in die Traufe … sie stehen JETZT nur noch wenige Kilometer vorm Ziel und erhoffen sich, dass sich hinter der Autobahn HAMBURG – LÜBECK endlich die Rettung offenbart. Sie beten, dass sich hinter der Autobahn die britische Auffanglinie befindet, sie dort verpflegen, duschen und sanitätsdienstlich versorgen können.

Lage: Anfang Oktober 1986. Es ist ungewöhnlich (schweine)kalt, typischer norddeutscher Schneefall löst Eisregen ab, ein eiskalter Nordostwind hat die Temperaturen sturzhaft abgesenkt. Die Gruppe ist unterernährt, teilweise leicht verletzt, demoralisiert, befindet sich seit über zwei Wochen ununterbrochen im Felde (also kein Schlaf in ortsfesten Unterkünften), ein/zwei Soldaten weisen leichte Symptome eines C-Angriffs (Nervenkampstoffe aber nur ganz leicht gestreift, denn Soman kann ja schon in Aerosolgröße tödlich sein) auf.
Es hat innerhalb der Gruppe brutale Dominanzkämpfe gegeben. Wer führt? Der Stabsoffizier dank seiner Position oder der einfache Mannschafter, der sich in Krisenlagen als der Nervenstärkere erwiesen hat?
Also mit anderen Worten: unsere Freunde sind richtig „durchgerockt“.

Aber darum geht es nicht. Die Gruppe ist komplett durch. Sie gehen nur noch auf dem Zahnfleisch und da will ich eine TRAUMSEQUENZ einbauen. Ein Mann aus der Gruppe schert vor Entkräftung aus und wird vom Nebel von den anderen getrennt.

Gruss,


_________________
Michel Teló – Ai se eu te pego
----------------------------------
Sábado na balada
A galera começou a dançar
E passou a menina mais linda
Tomei coragem e comecei a falar
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
BerndHH
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 56
Beiträge: 656
Wohnort: HH


BeitragVerfasst am: 19.06.2020 16:50    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Also, um es noch einmal klarzustellen: es geht um diese Figur Heinrich Penzkatt, er bleibt zurück und hat die schemenhafte Begegnung mit dieser überirdisch schönen dänischen Funkerin als Projektion all seiner Träume und das will ich glaubhaft rüberbringen.

_________________
Michel Teló – Ai se eu te pego
----------------------------------
Sábado na balada
A galera começou a dançar
E passou a menina mais linda
Tomei coragem e comecei a falar
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Deutsches Schriftstellerforum Foren-Übersicht -> Prosa -> Werkstatt Alle Zeiten sind GMT - 11 Stunden
Seite 1 von 1



 
 Foren-Übersicht Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst Deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst Deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht teilnehmen.
In diesem Forum darfst Du keine Ereignisse posten
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht posten
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht herunterladen

Thema Autor Forum Antworten Verfasst am
Keine neuen Beiträge Traumsequenz aus meiner Selene-Geschi... BluesmanBGM Einstand 2 12.12.2019 09:55 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Halluzinationen zum Thema Tula Feedback 3 11.08.2019 09:52 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Traumsequenz BaronHarkonnen Einstand 12 12.06.2018 13:49 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Traumsequenz Schreiberline99 Plot, Handlung und Spannungsaufbau 5 21.04.2014 10:47 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Traumsequenz "Krönung" aus ... Alexandermerow Werkstatt 8 21.03.2010 09:53 Letzten Beitrag anzeigen

BuchBuchBuchEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungBuch

von fancy

von fancy

von Kekewa

von RememberDecember59

von WhereIsGoth

von bibiro

von seppman

von Versuchskaninchen

von Eredor

von Gine

Impressum Datenschutz Marketing AGBs Links
Du hast noch keinen Account? Klicke hier um Dich jetzt kostenlos zu registrieren!