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Unterschied zwischen Toleranz und Akzeptanz

 

 
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Minnewall
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 29
Beiträge: 79
Wohnort: Oberhausen


BeitragVerfasst am: 11.05.2020 12:55    Titel: Unterschied zwischen Toleranz und Akzeptanz eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallihallo!

Kann es sein, dass sich die Bedeutung der beiden Wörter "Akzeptanz" und "Toleranz" abhängig vom Kontext vertauschen kann? Oder gibt es da einen generellen, kontextunabhängigen Unterschied, den ich schlichtweg übersehe? Ich bin ziemlich verwirrt und hoffe, dass ihr mir helfen könnt.

Anbei zwei Beispiele, die aufzeigen sollen, was ich meine (kein Wahrheitsanspruch, alles auf Grundlage persönlicher Einschätzung):


1. Beispiel:

Wenn ich die Anwesenheit eines Menschen toleriere, so nehme ich diese lediglich hin (auch wenn ich mit dieser nicht wirklich einverstanden bin). Akzeptiere ich die Anwesenheit eines Menschen, so heiße ich diese gut.

2. Beispiel (einem anderen Forum entnommen):

Ich kann akzeptieren, dass mich ein Hund abschlabbert (im Sinne nüchterner Hinnahme, "es ist wie es ist"). Ich muss die Abschlabberei jedoch nicht tolerieren (es gutheißen).

Im ersten Beispiel ist Toleranz eine Art passiv abweisende Haltung (hinnehmende) und Akzeptanz eine freundlich gesinnte (gutheißende). Im zweiten Beispiel ist es doch genau umgekehrt, oder nicht?

Wie seht ihr das? Ich hoffe, ihr könnt ein wenig Licht ins Dunkel bringen.

Ganz liebe Grüße
Finn


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Der bewusste Gedanke ist auch nur einer, der aus dem Dunkel kommt.
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Michel
Geschlecht:männlichNebelpreisträger

Alter: 48
Beiträge: 2425
Wohnort: Südwest
Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 11.05.2020 14:31    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn ich etwas akzeptiere, heißt das für mich keineswegs, dass ich es gutheiße, sondern dass ich urteilsfrei anerkenne, dass etwas so ist, wie es ist. Tolerieren dagegen ist für mich mit einer Wertung verbunden, ich muss etwas ertragen, das mir unangenehm ist. (Übersetzung aus dem Lateinischen z.B. hier: ertragen, dulden, aushalten; acceptare →empfangen)

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RAc
Schreiberling


Beiträge: 216



BeitragVerfasst am: 11.05.2020 14:45    Titel: Antworten mit Zitat

Wikipedia ist dein Freund! (Mit copy&paste von dort hierher übertragen):

------------------------------------

Akzeptanz (von lat. „accipere“ für gutheißen, annehmen, billigen) ist eine Substantivierung des Verbs akzeptieren, welches verstanden wird als annehmen, anerkennen, einwilligen, hinnehmen, billigen, mit jemandem oder etwas einverstanden sein.

Dementsprechend kann Akzeptanz definiert werden als Bereitschaft, etwas oder jemanden zu akzeptieren (Drosdowski, 1989).

Es wird deutlich, dass Akzeptanz auf Freiwilligkeit beruht. Darüber hinaus besteht eine aktive Komponente, im Gegensatz zur passiven, durch das Wort Toleranz beschriebenen Duldung. Akzeptanz drückt ein zustimmendes Werturteil aus und bildet demnach den Gegensatz zur Ablehnung (Aversion).


------------------------------------

Toleranz, auch Duldsamkeit,[1] ist allgemein ein Geltenlassen und Gewährenlassen anderer oder fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten.[2] Umgangssprachlich ist damit heute häufig auch die Anerkennung einer Gleichberechtigung gemeint, die jedoch über den eigentlichen Begriff („Duldung“) hinausgeht.[3]

Das zugrundeliegende Verb tolerieren wurde im 16. Jahrhundert aus dem lateinischen tolerare („erdulden“, „ertragen“) entlehnt.[4] Das Adjektiv tolerant in der Bedeutung „duldsam, nachsichtig, großzügig, weitherzig“ ist seit dem 18. Jahrhundert, der Zeit der Aufklärung, belegt,[5] ebenso die Gegenbildung intolerant, als „unduldsam, keine andere Meinung oder Weltanschauung gelten lassend als die eigene“.[5]

Der Gegenbegriff zu Toleranz ist die Intoleranz, in der Bedeutung „Unduldsamkeit“ im 18. Jahrhundert aus dem französischen intolérance entlehnt.[5] Als Steigerung der Toleranz gilt die Akzeptanz, die gutheißende, zustimmende Haltung gegenüber einer anderen Person oder ihrem Verhalten.
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Minnewall
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 29
Beiträge: 79
Wohnort: Oberhausen


BeitragVerfasst am: 11.05.2020 15:19    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Michel!

Ja, so dachte ich auch. Akzeptieren im Sinne von etwas hinnehmen, zur Kenntnis nehmen. Aber wenn man die Wörter gegenüberstellt, dann kann sich bei Akzeptanz daraus auch die Bedeutung von Gutheißen erkennen lassen. "Sie tolerierten ihn nicht nur, sie akzeptierten ihn." Aber vielleicht meine ich das auch nur zu erkennen und dir und anderen ergeht das keineswegs so. Aber "gutheißen" lautet ja auch die Übersetzung. Zumindest zum Teil. Weiter wird das Wort annehmen und bei "akzeptieren" sogar hinnehmen aufgelistet.
Vielleicht liegt genau hier der Knackpunkt. Manchmal meint akzeptieren einfach eine Art nüchterne Kenntnisnahme und manchmal eine Art von gutheißen.
Ist demnach vom Kontext abhängig. Die Bedeutung von Toleranz bleibt jedoch unveränderlich.

Oder? Argh.

Hallo RAc!

Wikipedia war mir in diesem Falle eben kein Freund. Wie Michel empfinde ich das Wort Akzeptanz nicht immer als
Zitat:
die gutheißende, zustimmende Haltung gegenüber einer anderen Person oder ihrem Verhalten
.

Nein, Moment. Michel sprach von akzeptieren. Nicht von Akzeptanz.
Aber weiter oben steht, dass akzeptieren u.a. verstanden wird als hinnehmen und einverstanden sein. Aber das kann doch nicht synonym verwendet werden! Zwischen hinnehmen und mit etwas einverstanden sein liegen doch Welten! Ich kapiere nicht, warum da so eine große Lücke klafft ...


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RAc
Schreiberling


Beiträge: 216



BeitragVerfasst am: 11.05.2020 16:02    Titel: Re: Unterschied zwischen Toleranz und Akzeptanz Antworten mit Zitat

Minnewall hat Folgendes geschrieben:


2. Beispiel (einem anderen Forum entnommen):

Ich kann akzeptieren, dass mich ein Hund abschlabbert (im Sinne nüchterner Hinnahme, "es ist wie es ist"). Ich muss die Abschlabberei jedoch nicht tolerieren (es gutheißen).



Hallo Finn,

in meiner Begriffsbildung passt weder Akzeptanz noch Toleranz im Zusammenhang mit schlabbernden Hunden, weil beide Begriffe philosophisch so etwas wie den Umgang gleichberechtigter Wesen mit auf einer Stufe stehenden Interessenslagen voraussetzen.

Ich kann also in der Tat eine Hundezunge in meinem Gesicht hinnehmen, aber deswegen akzeptiere ich sie noch nicht und muss sie erst recht nicht tolerieren. Genau so wenig, wie ich "akzeptieren" oder "tolerieren" muss, wenn ein Anderer Mensch mich anspuckt oder mir seinen Zigarettenrauch ins Gesicht bläst. Ich darf also ohne schlechtes Gewissen Massnahmen ergreifen, das Schlabbern zu unterbinden, ohne Rechte des Hundes einzuschränken.

Mit dieser Begriffsverwirrung wurde jahrzehntelang rhetorisch so etwas wie ein "Recht auf Körperverletzung" von Seiten der Raucherlobby und -konsumenten hingestellt, indem nämlich durch die Begriffsbildung impliziert wurde, dass das "Recht" des Rauchers auf Ausübung seiner Sucht gleichberechtigt mit meinem Recht auf körperliche Unversehrtheit besteht. Das ist aber natürlich falsch.

Ich würde also Akzeptanz und Toleranz nur in Kontexten erlauben, in denen gleichberechtigte Rechtsgüter und Ansprüche gegenüberstehen. Das Hundeschlabberbeispiel ist in sofern nicht ok.

Im Umkehrschluss gilt natürlich, dass es sogar möglich ist, die Hundezunge in meinem Gesicht nicht nur hinzunehmen, sondern sogar zu geniessen (nicht mir, aber wenn Jemand so tickt, toleriere ich dass Wink), vielleicht will mancher das sogar. Und das impliziert auch sofort semantisch einen wichtigen Unterschied zur Akzeptanz und Toleranz, weil die letzteren Beiden den Umgang mit etwas voraussetzen, mit dem ich selber Probleme habe (ich muss nichts akzeptieren oder sogar tolerieren, mit dem ich übereinstimme, das ist ein Widerspruch in sich).

Begriffe wie "Toleranz" und "Freiheit" werden sehr gerne sehr liberal benutzt, was aber natürlich äusserst gefährlich ist. Sie sind beide sehr positiv besetzt und deswegen gerne genutzte rhetorische Waffen, um Dinge im positiven Licht stehen zu lassen.
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Taranisa
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

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Beiträge: 1173
Wohnort: Frankenberg/Eder


BeitragVerfasst am: 13.05.2020 18:55    Titel: Antworten mit Zitat

Ich denke, da diese Begriffe in Gesprächen gerne in unterschiedlichem Kontext benutzt werden, hat sich eine Unklarheit bzw. ein Verschwimmen der Begriffe entwickelt.
Toleranz bedeutet für mich, dass ich offen gegenüber jemanden oder etwas bin, es annehme, wie es ist, z.B. ist es für mich in Ordnung, wenn jemand einen anderen Glauben oder politische Ansicht hat (sofern diese Person mich nicht missionieren will).
Akzeptanz meint für mich, z.B. eine Situation bewusst, also aktiv, anzunehmen, weil ich mich (ggf. mangels besserer Alternative) dafür entschieden oder auch damit abgefunden zu haben. Bei Verhandlungen wird ja auch gerne gesagt: "Ich akzeptiere".


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"Henkersweib", Burgenwelt Verlag, ET 12/18
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Lapidar
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger

Alter: 57
Beiträge: 3165
Wohnort: in der Diaspora


BeitragVerfasst am: 13.05.2020 23:11    Titel: Antworten mit Zitat

Toleranz ist im Sprachgebrauch nicht unbedingt das was man unter tolerieren versteht.
Tolerieren ist den oder die Ansicht einer Person hinzunehmen und ihn dies oder jenes tun zu lassen, auch wenn es mir gegen den Strich geht oder auch für mich zum Nachteil gereicht.
Zum Beispiel: Ich mag keinen Kümmel, mein Mann aber schon. Wenn er also kocht und Kümmel ins Essen tut, toleriere ich das und esse... wahrscheinlich mit zusammengebissenen Zähnen.
Je nachdem, was es ist, was man toleriert, kann es irgendwann doch dazu kommen, das man explodiert, weil man keine Lust mehr hat und sich verarscht/ausgenutzt vorkommt.

Akzeptieren: Ich selber kann einen gewissen Umstand für mich persönlich nicht annehmen. Aber sehe keinen Grund, warum mich das bei jemand anderen stören sollte.

In dem Fall rege ich mich nicht auf, wenn ich jemanden sehe, der Kümmel ist. Werde aber selbst keinen essen und dies auch sagen, weil ich erwarte, dass mir dieselbe Akzeptanz entgegengebracht wird.

Unsere Gesellschaft ist tolerant. Meistens... nicht wirklich akzeptant.


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"Dem Bruder des Schwagers seine Schwester und von der der Onkel dessen Nichte Bogenschützin Lapidar" Kiara
If you can't say something nice... don't say anything at all. Anonym.
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