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Romanbeginn mit Unfallszene - würdet ihr weiterlesen?


 
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lindaa
Geschlecht:weiblichGänsefüßchen


Beiträge: 27



BeitragVerfasst am: 17.04.2020 20:14    Titel: Romanbeginn mit Unfallszene - würdet ihr weiterlesen? eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo!
Hier findet ihr die ersten Seiten meines Romans. Mich würde interessieren ob ihr das Buch weiter lesen würdet? Es ist ein Fantasy Roman, allerdings spielen die ersten Seiten noch in der normalen Welt, weshalb das noch nicht relevant ist. Außerdem kommt eine Unfallszene vor. Findet ihr diese erschütternd und spanend geschrieben oder ist sie vielleicht noch viel zu lasch? Vielen Dank für jede Art von Feedback!

Es war ein kalter Mittwochabend. Dicke Schneeflocken fielen vom Himmel, wurden vom Wind erfasst und tanzten langsam vor meinem Gesicht bis sie schließlich ihren Weg zum Boden fanden. Dunkelheit hatte die Kleinstadt schon vor einigen Stunden verschluckt, doch zahlreiche Weihnachtslichter strahlten von sämtlichen Laternen und Ampelmasten und tauchten die Straßen in ein trügerisch romantisches Licht. Nächste Woche war Weihnachten, rief ich mir ins Gedächtnis, doch nichts regte sich in mir bei dieser Erkenntnis. Die kindliche Freude auf das Fest war schon lange verflogen, heute war es viel mehr zu einem Mahnmal geworden. Ein Mahnmal für alles was noch erledigt werden musste, alle Geschenke, die noch gekauft werden mussten, all das Essen, das vorbereitet werden musste. Und alles, was ich verloren hatte. Ich ertappte meine Gedanken erneut auf dem Weg in diese falsche Richtung und schüttelte automatisch den Kopf über mich selbst. Schluss mit Trübsal blasen. Ich war stark. Es war nicht meine Art in Selbstmitleid zu versinken, viel lieber blickte ich nach vorne. Demonstrativ reckte ich mein Kinn nach oben und versuchte meine Schritte zu beschleunigen. Doch es war nicht einfach, denn die Abwechslung aus Regen, Schnee und frostigen Temperaturen der letzten Tage, hatte alle Straßen der Stadt in ein großes Verkehrsnetz aus Eisflächen verwandelt. Wacker schlitterte ich so über den Bürgersteig, vorbei an zahlreichen Garagen von prunkvollen Einfamilienhäusern, in denen ausschließlich die teuersten der teuren Autos parkten. In dieser Stadt lebte nur die Elite und das war auch nicht zu übersehen. Perfekte Häuser, perfekte Autos, perfekte Gartenzäune, perfekte Stadt. Reiche Eltern, die ihre perfekten Kinder in die besten lokalen Privatschulen schickten. Verbittere Ehepaare, welche versuchten ihre Probleme im Luxus zu ertränken, während ihre Beratung beim Therapeuten mit perfekten Rezensionen so viel kostete wie unser gesamtes ehemaliges Haus.  Bei dem Gedanken musste ich ein höhnisches Lachen unterdrücken, während ich mir meinen Weg durch das Schneechaos bahnte. Es war nicht mehr weit bis zum Kindergarten meines kleinen Bruders, welchen ich nach einem langen Tag abholen sollte. Auch ihn würde unser Vater bald auf eine der Privatschulen stecken, genau wie er es mit mir gemacht hatte. Doch wir beide passten nicht hierher. Zwei Blocks vor mir konnte ich Lichter und Umrisse des Kindergartengebäudes durch den dichten Schneefall erkennen. Fröstelnd zog ich mir meinen weichen Schal noch enger um den Hals, während ich wartend an der roten Ampel der nächsten Kreuzung stand.
Eine andere Fußgängerin kreuzte meinen Weg, sie war eingewickelt in eine dicke Winterjacke und hatte ihre Mütze tief ins Gesicht gezogen. Sie nickte mir kurz höflich zu. Ich kannte sie zwar nicht, doch hier in Lintwald galt es strikt sich stets zu grüßen. Hier wurde viel geredet, getratscht und geschimpft. Vor allem über frisch Zugezogene, welche der Ansicht der Einwohner nach oftmals nicht wirklich hierher gehörten. Hier musste man sich wohl erst als der Stadt würdig erweisen, bevor man von der Gesellschaft akzeptiert wurde. Und seit wir hier hergezogen waren, musste ich mich somit an die neugierigen Blicke der anderen Stadtbewohner gewöhnen. Jeder Neuankömmling hier war wie gefundenes Fressen, neue Leute mit neuen Geschichten, neue Skandale, über die sich die gelangweilten Mütter die Mäuler zerreißen konnten. Genau aus diesem Grund, war es so wichtig das Gesicht zu wahren, immer zu lächeln und höflich zu grüßen. Diese Stadt war ein Loch. Ein Loch, in das man fiel, und aus dem man so leicht nicht mehr herauskam. Ein Loch, in dem es seine eigenen Regeln gab, in dem die Wertschätzung der Nachbarn wichtiger war als alles andere.  Ein Loch, in welches mein Vater uns stürzte, weil er sich anders nicht mehr zu helfen wusste. Doch ich würde hier ausbrechen, sobald es nur ging. Doch bis dahin musste ich bei diesem Theater mitspielen, um meiner Familie Willen. Eine falsche Bewegung, eine unhöfliche Geste und nicht nur mein Ruf, sondern vor allem der meines Vaters würde darunter leiden müssen. Und so wütend ich auch auf ihn war, weil er uns in diese Stadt gebracht hatte, diesen Gefallen war ich ihm wohl schuldig.
Also senkte auch ich meinen Kopf zu einem förmlichen Nicken und setzte ein Lächeln auf, mehr gezwungen als höflich, doch es tat seinen Zweck. Die Frau ging an mir vorbei und überquerte die Kreuzung in eine andere Richtung. Und der Augenblick, in dem ich alles noch hätte ändern können, zog vorüber.

Noch während sie vorsichtig, schlitternd die Straße Überquerte, vernahm ich es. Das laute Motorgeheul eines heranrasenden Autos. Erschrocken blickte ich auf und sah den schwarzen Wagen, welcher von der anderen Seite der Kreuzung aus zu uns herüber schoss. Er war viel zu schnell. Und er schien sogar noch schneller zu werden! Weshalb bremste er nicht ab? Mit zunehmendem Tempo raste er über die Kreuzung. Mein Atem blieb stehen und mein Körper wurde stocksteif. Ich wurde überwältigt von einem jähen Gefühl der Machtlosigkeit, ich konnte es unweigerlich kommen sehen.
„Achtung!“, schrie ich instinktiv, meine Stimme voller Schock. Doch es war zu spät. Wie eingefroren blieb die Passantin auf der Straße stehen, wandte erschrocken den Kopf. Für einen kurzen Moment  war sie erleuchtet vom hellen Scheinwerferlicht des Wagens,  ihr Gesicht voller Grauen verzogen. Den Bruchteil einer Sekunde später erfasste er sie in voller Fahrt. Ich hörte es, das dumpfe Geräusch ihres Körpers auf der Motorhaube. Ich stand einfach nur da, wie angewurzelt, hilflos. Ich sah wie die Frau in die Luft geschleudert wurde. Wie sie über das Auto rollte und mit einem weiteren dumpfen Knall, vom Schnee erstickt, wieder auf der Straße aufkam. Es war wie in einem Film. Oder einem bösen Traum. Das Auto peste mit quietschenden Reifen davon.
„Oh mein Gott“, keuchte ich. Aus meiner Schockstarre befreit, rannte ich auf die Straße. „Nein, nein, nein!“. Das durfte nicht wahr sein. Das durfte einfach nicht sein! Verzweifelt lies ich mich vor dem Unfallopfer auf die Knie in den Schnee fallen. „Hallo, hören sie mich?!“, fragte ich laut. Pure Angst dominierte meine kratzige Stimme. „Hallo!?“, wiederholte ich und tastete mit meiner Hand nach ihr. Doch sie antwortete nicht. Reglos lag die Frau im Schnee. „Oh mein Gott“, stammelte ich erneut. „HILFE!“, schrie ich dann endlich aus vollen Lungen. „Hilfe bitte, ich brauche Hilfe!“. Zitternd fühlte ich nach ihrem Puls. Bitte, bitte, bitte! Erleichtert atmete ich auf, da war er. Doch sie war nicht ansprechbar. Was sollte ich nur tun? Natürlich, ein Krankenwagen. Hektisch suchte ich mit gefrorenen Fingern die Taschen meines Wintermantels nach meinem Smartphone ab. Verdammt, wo war das Ding nur, wenn man es brauchte? Zähe Sekunden später bekam ich es endlich zu greifen. Ich riss es aus meiner Tasche und wählte den Notruf. Weitere Augenblicke verstrichen, bis sich endlich jemand zu Wort meldete. Ich konnte mich nur schwer davon abhalten, in Schluchzen auszubrechen, während ich den Vorfall schilderte. Doch ich hatte es schließlich geschafft. Rücksichtslos lies ich mein Handy in den Schnee fallen, als das Telefonat beendet war, und beugte mich über die Frau. Noch immer hatte sie sich nicht gerührt. Verdammt. Vorsichtig streckte ich erneut meine Hand nach ihr aus und schüttelte sie behutsam an der Schulter. Nichts. Fieberhaft versuchte ich mich an den Erste-Hilfe-Kurs vor meiner Führerscheinprüfung zu erinnern. Sollte ich sie in die stabile Seitenlage bringen? Machte das denn Sinn? Ich hatte keine Ahnung. Unschlüssig tastete ich die Frau mit meinen eiskalten Händen ab, ohne eine Idee wonach ich überhaupt suchte. Warme Nässe breitete sich an ihrem Hinterkopf aus. Voller Ekel, gemischt mit einer bösen Vorahnung, zog ich meine Hand wieder unter ihr hervor. Sie war über und über voll mit Blut. „Oh Gott, Scheiße!“, fluchte ich. Tränen begannen über meine Wangen zu strömen. Meine Gedanken rasten wild umher. Schließlich beschloss ich, die Frau doch auf die Seite zu drehen. Es würde sicher nicht schaden, oder? Mein ganzer Körper zitterte, doch ich riss mir meinen dicken Wintermantel vom Leib und breitete ihn neben ihr auf dem Schnee aus. Dann versuchte ich sie auf meinem Mantel zu positionieren. Ein Schauer lief mir über den Rücken, als ich ihren schlaffen Körper behutsam wendete und ihren Hinterkopf erblickte. Blut. Viel Blut. Blut tränkte ihre blonden Haare, den hellen Schal, die Mütze. Der Schnee war blutverschmiert, an der Stelle wo sie gelegen hatte. Aus meinem Mund kam nur noch ein leises Wimmern. Mein Magen wurde flau, ich musste ein Würgen unterdrücken. Verzweifelt sah ich mich um. Wann kam endlich ein Rettungswagen? „HILFE!“, schrie ich wieder. Wo waren nur alle neugierigen Stadtbewohner auf einmal?
Aufgewühlt taumelte ich ein paar Schritte umher. Meine Hose war nass, ich war voll mit Schnee und Blut, doch es kümmerte mich nicht. Es musste eiskalt sein, doch ich konnte die Kälte nicht länger spüren.
Unweigerlich wurden Erinnerungen in mir wachgerufen. Erinnerungen, die ich löschen, verdrängen, vergessen wollte. Doch sie holten mich ein, ich konnte nichts dagegen tun. Orientierungslos stolperte ich durch den Schnee, einige Meter weg von der Frau. Ich war wieder dort, auf dem Fahrersitz unseres Wagens. Ich sah sie ein letztes Mal, spürte die Anwesenheit meiner Mutter, sie war direkt neben mir. Auch Sarah war da, sie lächelte mir im Rückspiegel zu. Für den Bruchteil einer Sekunde war alles normal. Und dann war der Moment vorbei. Ein lautes Knallen. Die Scheiben zersprangen, Lärm betäubte meine Ohren, all meine Sinne ließen nach. Hektisch schnappte ich nach Luft, doch meine Lungen wollten sich einfach nicht füllen. Vor meinen Augen wurde es schwarz.

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Jirka
Schmierfink


Beiträge: 54



BeitragVerfasst am: 17.04.2020 22:08    Titel: Antworten mit Zitat

Ich würde gerade wegen der Unfallszene weiterlesen.  Von da an bekommt die Geschichte für mich erst die richtige Spannung, die ich um ehrlich zu sein, am Anfang fast immer brauche, um mich überhaupt auf eine Geschichte einlassen zu können. Wobei die Einführung auch gut war und für meine Geduld genau die richtige Länge hatte Laughing Und wenn ich dann noch wüsste, das geht in Richtung Fantasy, wo es doch mit dieser sehr tristen, äußerst reelen Szenerie in dieser anstrengenden Kleinstadt startet. Also mich würde das schon neugierig machen.

 OK, ich BIN neugierig... Wie geht es weiter? Buch Razz

Möchtest du, dass ich noch mal drüber lese, wegen Rechtschreibung,  Zeichensetzung und Co?
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Ralphie
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BeitragVerfasst am: 18.04.2020 08:45    Titel: Antworten mit Zitat

Jirka hat recht. Der Anfang macht neugierig.

 Daumen hoch²


_________________
LG
Ralphie
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lindaa
Geschlecht:weiblichGänsefüßchen


Beiträge: 27



BeitragVerfasst am: 18.04.2020 10:05    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ok vielen Dank schon mal das freut mich sehr smile

Ja Jirka das wäre sehr nett wenn du noch mal drüber lesen und ein paar Tipps geben könntest was Rechtschreibung und Kommas betrifft oder vielleicht auch was man besser formulieren könnte!

Eine andere Frage, sollte man weitere Texte aus dem selben Roman unter diesem Thema posten oder ein neues Thema daraus machen?

Liebe Grüße
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Jirka
Schmierfink


Beiträge: 54



BeitragVerfasst am: 18.04.2020 18:15    Titel: Antworten mit Zitat

lindaa hat Folgendes geschrieben:


Ja Jirka das wäre sehr nett wenn du noch mal drüber lesen und ein paar Tipps geben könntest was Rechtschreibung und Kommas betrifft oder vielleicht auch was man besser formulieren könnte!


Alles klar,  total gerne. Das mache ich so nach und nach zwischendurch mal wink

Zitat:
Eine andere Frage, sollte man weitere Texte aus dem selben Roman unter diesem Thema posten oder ein neues Thema daraus machen?


Das weiß ich leider auch nicht.


Also mal los:

Zitat:
Ein Mahnmal für alles was noch erledigt werden musste,
Komma: alles, was noch...

Zitat:
denn die Abwechslung aus Regen, Schnee und frostigen Temperaturen der letzten Tage, hatte alle Straßen der Stadt in ein großes Verkehrsnetz aus Eisflächen verwandelt
Das Komma vor "hatte" muss weg.

Zitat:
Ein Loch, in das man fiel, und aus dem man so leicht nicht mehr herauskam.
Ich denke, das Komma vor dem "und" muss weg.

Zitat:
Noch während sie vorsichtig, schlitternd die Straße Überquerte, vernahm ich es.
Hier würde ich "schlitternd" ersetzen, weil du es oben schon einmal hattest. Der Begriff ist mir nicht so geläufig (also ich weiß natürlich was er bedeutet, habe ihn aber so noch nicht oft verwendet) und die Doppelung hat mich jetzt doch etwas irritiert. Das "Überquerte" muss klein.



So, jetzt erst mal Abendessen, ich schaue später weiter wink
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Willebroer
Geschlecht:männlichBücherwurm


Beiträge: 3430
Wohnort: OWL


BeitragVerfasst am: 18.04.2020 18:33    Titel: Antworten mit Zitat

lindaa hat Folgendes geschrieben:

Eine andere Frage, sollte man weitere Texte aus dem selben Roman unter diesem Thema posten oder ein neues Thema daraus machen?

Liebe Grüße


Fortsetzungen sollte man im selben Faden posten. Also hier anhängen. Du bekommst dann ein Kästchen mit "Dies ist eine Fortsetzung/neue Version ..." (Kann grad selber nicht nachsehen). Da ein Kreuzchen machen.  

Hier gab es neulich eine Diskussion dazu:

https://www.dsfo.de/fo/viewtopic.php?p=1289054&highlight=#1289054
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Jirka
Schmierfink


Beiträge: 54



BeitragVerfasst am: 18.04.2020 21:30    Titel: Re: Romanbeginn mit Unfallszene - würdet ihr weiterlesen? Antworten mit Zitat

Zitat:
Das laute Motorgeheul eines heranrasenden Autos. Erschrocken blickte ich auf und sah den schwarzen Wagen, welcher von der anderen Seite der Kreuzung aus zu uns herüber schoss.

 aus, zu uns herüberschoss.


Zitat:
Das Auto peste mit quietschenden Reifen davon.
"peste" finde ich zu niedlich für die Situation. Wahrscheinlich wolltest rasen vermeiden wegen Wiederholung? Würde ich an der Stelle glaube ich gar nicht so auffällig finden. Oder "preschte davon",  "jagte davon"

Zitat:
Verzweifelt lies ich mich vor dem Unfallopfer auf die Knie in den Schnee fallen.
ließ


Zitat:
„Hallo, hören sie mich?!“, fragte ich laut.
  hören Sie mich


Zitat:
„Oh mein Gott“, stammelte ich erneut. „HILFE!“, schrie ich dann endlich aus vollen Lungen.
Hier vielleicht irgendwie die Wortfolge ändern. Liegt es an mir oder liest sich das "Oh mein Gott stammeln" und "Hilfe schreien" so seltsam nebeneinander? „Oh mein Gott“, stammelte ich erneut und schrie dann endlich "Hilfe" aus vollen Lungen.


Zitat:
„Hilfe bitte, ich brauche Hilfe!“.
Der Punkt muss weg.

Zitat:
Rücksichtslos lies ich mein Handy in den Schnee fallen, als das Telefonat beendet war, und beugte mich über die Frau.
ließ

Zitat:
Der Schnee war blutverschmiert, an der Stelle wo sie gelegen hatte.


Ich überlege gerade, ob Schnee blutverschmiert sein kann. Der taut doch bei der Menge, die du beschreibst direkt weg, oder? Also es sei denn  die Stadt liegt echt unter eine richtig dicken Schneeschicht.

 
Dann also die Fortsetzung hier im Thread? Ich freue mich schon Cool
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Stefanie
Reißwolf


Beiträge: 1290



BeitragVerfasst am: 19.04.2020 09:30    Titel: Re: Romanbeginn mit Unfallszene - würdet ihr weiterlesen? Antworten mit Zitat

Hallo Lindaa,

ein grundsätzlich gelungener Anfang, wenn ich auch die Szene vor dem Unfall kürzen würde. Vor allem viele Füllworte können weg.
Ab dem Unfall nimmt die Geschichte Tempo auf.
Ich schreib mal rein, was mir so auffällt.

lindaa hat Folgendes geschrieben:
Hallo!

Es war ein kalter Mittwochabend. Dicke Schneeflocken fielen vom Himmel, Müssen wir wissen, dass es Mittwoch ist? Dass es kalt ist, ist klar, wenn Schnee fällt. Den ersten Satz könntest du streichen, wenn du aus dem Himmel im zweiten einen Abendhimmel machst. wurden vom Wind erfasst und tanzten langsam vor meinem Gesicht bis sie schließlich ihren Weg zum Boden fanden. Dunkelheit Dass es abends im Winter dunkel ist, ist klar, das musst du nicht nochmal erwähnen. Solche Doppelbeschreibungen machen den Eindruck, als würdest du den Leser für dumm halten. hatte die Kleinstadt schon vor einigen Stunden verschluckt, doch zahlreiche Weihnachtslichter strahlten von sämtlichen Laternen Das klingt seltsam. Die Laternen strahlen doch auch selbst.  und Ampelmasten und tauchten die Straßen in ein trügerisch romantisches Licht. Nächste Woche war Weihnachten, rief ich mir ins Gedächtnis, doch nichts regte sich in mir bei dieser Erkenntnis. Die kindliche Freude auf das Fest war schon lange verflogen, heute war es viel mehr zu einem Mahnmal geworden. Ein Mahnmal für alles was noch erledigt werden musste, alle Geschenke, die noch gekauft werden mussten, all das Essen, das vorbereitet werden musste. Musste, musste, musste. Das würde ich umformulieren. Und alles, was ich verloren hatte. Ich ertappte meine Gedanken erneut auf dem Weg in diese falsche Richtung und schüttelte automatisch den Kopf über mich selbst. Schluss mit Trübsal blasen. Ich war stark. Es war nicht meine Art in Selbstmitleid zu versinken, viel lieber blickte ich nach vorne. Demonstrativ reckte ich mein Kinn nach oben und versuchte meine Schritte zu beschleunigen. Doch es war nicht einfach, denn die Abwechslung aus Regen, Schnee und frostigen Temperaturen der letzten Tage, hatte alle Straßen der Stadt in ein großes Verkehrsnetz aus Eisflächen verwandelt. Wacker schlitterte ich so über den Bürgersteig, vorbei an zahlreichen Garagen von prunkvollen Einfamilienhäusern, in denen ausschließlich die teuersten der teuren Autos parkten. In dieser Stadt lebte nur die Elite und das war auch nicht zu übersehen. Perfekte Häuser, perfekte Autos, perfekte Gartenzäune, perfekte Stadt. Reiche Eltern, die ihre perfekten Kinder in die besten lokalen Privatschulen schickten. Verbittere Ehepaare, welche versuchten ihre Probleme im Luxus zu ertränken, während ihre Beratung beim Therapeuten mit perfekten Rezensionen so viel kostete wie unser gesamtes ehemaliges Haus.  Bei dem Gedanken musste ich ein höhnisches Die Wortwahl finde ich seltsam, weil höhnisch etwas herablassendes hat. Das scheint mir nicht zu ihr zu passen. Lachen unterdrücken, während ich mir meinen Weg durch das Schneechaos bahnte. Es war nicht mehr weit bis zum Kindergarten meines kleinen Bruders, welchen ich nach einem langen Tag abholen sollte. Auch ihn würde unser Vater bald auf in eine der Privatschulen stecken, genau wie er es mit mir gemacht hatte. Doch wir beide passten nicht hierher. Zwei Blocks vor mir konnte ich Lichter und Umrisse des Kindergartengebäudes durch den dichten Schneefall erkennen. Fröstelnd zog ich mir meinen weichen Schal noch enger um den Hals, während ich wartend an der roten Ampel der nächsten Kreuzung stand.
Eine andere Fußgängerin kreuzte meinen Weg, sie war eingewickelt in eine dicke Winterjacke und hatte ihre Mütze tief ins Gesicht gezogen. Sie nickte mir kurz höflich zu. Ich kannte sie zwar nicht, doch hier in Lintwald galt es strikt sich stets zu grüßen. Hier wurde viel geredet, getratscht und geschimpft. Vor allem über frisch Zugezogene, welche der Ansicht der Einwohner nach oftmals nicht wirklich hierher gehörten. Hier musste man sich wohl erst als der Stadt würdig erweisen, bevor man von der Gesellschaft akzeptiert wurde. Und seit wir hier hergezogen waren, musste ich mich somit an die neugierigen Blicke der anderen Stadtbewohner gewöhnen. Jeder Neuankömmling hier war wie gefundenes Fressen, neue Leute mit neuen Geschichten, neue Skandale, über die sich die gelangweilten Mütter die Mäuler zerreißen konnten. Genau aus diesem Grund, war es so wichtig das Gesicht zu wahren, immer zu lächeln und höflich zu grüßen. Diese Stadt war ein Loch. Ein Loch, in das man fiel, und aus dem man so leicht nicht mehr herauskam. Ein Loch, in dem es seine eigenen Regeln gab, in dem die Wertschätzung der Nachbarn wichtiger war als alles andere.  Ein Loch, in welches mein Vater uns stürzte, weil er sich anders nicht mehr zu helfen wusste. Doch ich würde hier ausbrechen, sobald es nur ging. Doch bis dahin musste ich bei diesem Theater mitspielen, um meiner Familie Willen. Eine falsche Bewegung, eine unhöfliche Geste und nicht nur mein Ruf, sondern vor allem der meines Vaters würde darunter leiden müssen. Und so wütend ich auch auf ihn war, weil er uns in diese Stadt gebracht hatte, diesen Gefallen war ich ihm wohl schuldig. Er zieht also aus Not in das reichste Viertel? Solche Not hätten viele Leute gern.
Also senkte auch ich meinen Kopf zu einem förmlichen Nicken und setzte ein Lächeln auf, mehr gezwungen als höflich, doch es tat seinen Zweck. Die Frau ging an mir vorbei und überquerte die Kreuzung in eine andere Richtung. Und der Augenblick, in dem ich alles noch hätte ändern können, zog vorüber.

Noch während sie vorsichtig, schlitternd die Straße Überquerte, vernahm ich es. Das laute Motorgeheul eines heranrasenden Autos. Erschrocken blickte ich auf und sah den schwarzen Wagen, welcher von der anderen Seite der Kreuzung aus zu uns herüber schoss. Er war viel zu schnell. Und er schien sogar noch schneller zu werden! Weshalb bremste er nicht ab? Mit zunehmendem Tempo raste er über die Kreuzung. Mein Atem blieb stehen und mein Körper wurde stocksteif. Ich wurde überwältigt von einem jähen Gefühl der Machtlosigkeit, ich konnte es unweigerlich kommen sehen. Es ist dunkel und der Wagen hat die Scheinwerfer an. Warum sieht man ihn nicht von weitem kommen? Er müsste ja auch rot haben, wenn die Frau die Strasse bei grün überquert.
„Achtung!“, schrie ich instinktiv, meine Stimme voller Schock. Doch es war zu spät. Wie eingefroren blieb die Passantin auf der Straße stehen, wandte erschrocken den Kopf. Für einen kurzen Moment  war sie erleuchtet vom hellen Scheinwerferlicht des Wagens,  ihr Gesicht voller Grauen verzogen. Den Bruchteil einer Sekunde später erfasste er sie in voller Fahrt. Ich hörte es, das dumpfe Geräusch ihres Körpers auf der Motorhaube. Ich stand einfach nur da, wie angewurzelt, hilflos. Ich sah wie die Frau in die Luft geschleudert wurde. Wie sie über das Auto rollte und mit einem weiteren dumpfen Knall, vom Schnee erstickt, wieder auf der Straße aufkam. Es war wie in einem Film. Oder einem bösen Traum. Was denn nun, Film oder Traum? Entscheide dich! Das Auto peste mit quietschenden Können die auf Schnee quietschen? Reifen davon.
„Oh mein Gott“, keuchte ich. Aus meiner Schockstarre befreit, rannte ich auf die Straße. „Nein, nein, nein!“. Das durfte nicht wahr sein. Das durfte einfach nicht sein! Verzweifelt lies ich mich vor dem Unfallopfer auf die Knie in den Schnee fallen. „Hallo, hören sie mich?!“, fragte ich laut. Pure Angst dominierte meine kratzige Stimme. Zu umständlich beschrieben. „Hallo!?“, wiederholte ich und tastete mit meiner Hand nach ihr. Doch sie antwortete nicht. Reglos lag die Frau im Schnee. „Oh mein Gott“, stammelte ich erneut. „HILFE!“, schrie ich dann endlich aus vollen Lungen. „Hilfe bitte, ich brauche Hilfe!“. Zitternd fühlte ich nach ihrem Puls. Bitte, bitte, bitte! Erleichtert atmete ich auf, da war er. Doch sie war nicht ansprechbar. Was sollte ich nur tun? Natürlich, ein Krankenwagen. Hektisch suchte ich mit gefrorenen Fingern die Taschen meines Wintermantels nach meinem Smartphone ab. Verdammt, wo war das Ding nur, wenn man es brauchte? Zähe Sekunden später bekam ich es endlich zu greifen. Ich riss es aus meiner Tasche und wählte den Notruf. Weitere Augenblicke verstrichen, bis sich endlich jemand zu Wort meldete. Ich konnte mich nur schwer davon abhalten, in Schluchzen auszubrechen, während ich den Vorfall schilderte. Doch ich hatte es schließlich geschafft. Rücksichtslos lies ich mein Handy in den Schnee fallen, als das Telefonat beendet war, und beugte mich über die Frau. Bleibt man nicht normalerweise am Telefon, bis die Hilfe da ist? Noch immer hatte sie sich nicht gerührt. Verdammt. Vorsichtig streckte ich erneut meine Hand nach ihr aus und schüttelte sie behutsam an der Schulter. Nichts. Fieberhaft versuchte ich mich an den Erste-Hilfe-Kurs vor meiner Führerscheinprüfung zu erinnern. Sollte ich sie in die stabile Seitenlage bringen? Machte das denn Sinn? Ich hatte keine Ahnung. Unschlüssig tastete ich die Frau mit meinen eiskalten Händen ab, ohne eine Idee wonach ich überhaupt suchte. Warme Nässe breitete sich an ihrem Hinterkopf aus. Voller Ekel, gemischt mit einer bösen Vorahnung, zog ich meine Hand wieder unter ihr hervor. Sie war über und über voll mit Blut. „Oh Gott, Scheiße!“, fluchte ich. Tränen begannen über meine Wangen zu strömen. Meine Gedanken rasten wild umher. Schließlich beschloss ich, die Frau doch auf die Seite zu drehen. Es würde sicher nicht schaden, oder? Mein ganzer Körper zitterte, doch ich riss mir meinen dicken Wintermantel vom Leib und breitete ihn neben ihr auf dem Schnee aus. Dann versuchte ich sie auf meinem Mantel zu positionieren. Ein Schauer lief mir über den Rücken, als ich ihren schlaffen Körper behutsam wendete und ihren Hinterkopf erblickte. Blut. Viel Blut. Blut tränkte ihre blonden Haare, den hellen Schal, die Mütze. Der Schnee war blutverschmiert, an der Stelle wo sie gelegen hatte. Aus meinem Mund kam nur noch ein leises Wimmern. Mein Magen wurde flau, ich musste ein Würgen unterdrücken. Verzweifelt sah ich mich um. Wann kam endlich ein Rettungswagen? „HILFE!“, schrie ich wieder. Wo waren nur alle neugierigen Stadtbewohner auf einmal?
Aufgewühlt taumelte ich ein paar Schritte umher. Meine Hose war nass, ich war voll mit Schnee und Blut, doch es kümmerte mich nicht. Es musste eiskalt sein, doch ich konnte die Kälte nicht länger spüren.
Unweigerlich wurden Erinnerungen in mir wachgerufen. Erinnerungen, die ich löschen, verdrängen, vergessen wollte. Doch sie holten mich ein, ich konnte nichts dagegen tun. Orientierungslos stolperte ich durch den Schnee, einige Meter weg von der Frau. Ich war wieder dort, auf dem Fahrersitz unseres Wagens. Ich sah sie ein letztes Mal, spürte die Anwesenheit meiner Mutter, sie war direkt neben mir. Auch Sarah war da, sie lächelte mir im Rückspiegel zu. Für den Bruchteil einer Sekunde war alles normal. Und dann war der Moment vorbei. Ein lautes Knallen. Die Scheiben zersprangen, Lärm betäubte meine Ohren, all meine Sinne ließen nach. Hektisch schnappte ich nach Luft, doch meine Lungen wollten sich einfach nicht füllen. Vor meinen Augen wurde es schwarz.
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lindaa
Geschlecht:weiblichGänsefüßchen


Beiträge: 27



BeitragVerfasst am: 19.04.2020 12:12    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen lieben Dank Jirka und Stefanie für eure Mühe und die ausführlichen Bearbeitungen! Das hilft mir sehr weiter und ich werde den Text gleich nochmal bearbeiten, und alle Kommasetzungen und bessere Wortwahlen einbauen!

Stefanie, zu den Sinnfehlern die du im Text gefunden hast:
Zitat:
Er zieht also aus Not in das reichste Viertel? Solche Not hätten viele Leute gern.

Die Beweggründe die den Vater in die Stadt getrieben haben werden später noch genau erläutert.
Zitat:
Es ist dunkel und der Wagen hat die Scheinwerfer an. Warum sieht man ihn nicht von weitem kommen? Er müsste ja auch rot haben, wenn die Frau die Strasse bei grün überquert

Das Selbe trifft auf diese Stelle zu. Was meinst du mit warum sieht man ihn nicht kommen? Die Protagonistin hat ihn ja kommen sehen smile Ja er hätte rot haben sollen und bremst dennoch nicht ab. Auch das wird noch zum Thema. Es freut mich sehr dass dir diese Sachen aufgefallen sind und Fragen aufwerfen!

Was das mit dem Notruf angeht.. Bis jetzt war ich (gottseidank) noch nicht bei so einem schlimmen Notfall dabei. Bei leichteren Unfällen wird das Telefonat meines Wissens nach beendet und man wartet auf den Rettungswagen. Wie das bei so schweren Unfällen ist weiß ich allerdings nicht. Vielen Dank für die Anmerkung, da muss ich unbedingt recherchieren, das muss sonst natürlich geändert werden.

Ok, Danke Willebroer für die Info. Dann werde ich die Fortsetzung noch mal überarbeiten und dann hier anhängen.

Liebe Grüße! smile
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SickBoy
Geschlecht:männlichLeseratte


Beiträge: 197
Wohnort: am Arsch der Welt


BeitragVerfasst am: 19.04.2020 14:37    Titel: Antworten mit Zitat

Lindaaaaa, warum nur hast du dein Profilbild geändert???
Sorry für off topic; ich würde übrigens auch weiterlesen Very Happy
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Jirka
Schmierfink


Beiträge: 54



BeitragVerfasst am: 19.04.2020 18:13    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Das Selbe trifft auf diese Stelle zu. Was meinst du mit warum sieht man ihn nicht kommen? Die Protagonistin hat ihn ja kommen sehen smile Ja er hätte rot haben sollen und bremst dennoch nicht ab. Auch das wird noch zum Thema. Es freut mich sehr dass dir diese Sachen aufgefallen sind und Fragen aufwerfen!
Na toll, jetzt bin ich noch gespannter. Rolling Eyes Sind die in so einer Art Parallelwelt? angel

Zitat:
Was das mit dem Notruf angeht.. Bis jetzt war ich (gottseidank) noch nicht bei so einem schlimmen Notfall dabei. Bei leichteren Unfällen wird das Telefonat meines Wissens nach beendet und man wartet auf den Rettungswagen. Wie das bei so schweren Unfällen ist weiß ich allerdings nicht. Vielen Dank für die Anmerkung, da muss ich unbedingt recherchieren, das muss sonst natürlich geändert werden.

Das würde mich auch interessieren. Ich kenne es von einem selbst verursachten kleinen Unfall (zwischen meinem Polo und einem "klitzekleinen" LKW Rolling Eyes, kann man beim Linksabbiegen ja eigentlich nicht so leicht übersehen Rolling Eyes ) so wie du es beschrieben hast, also dass man die erforderlichen Angaben macht und dann am Unfallort bleibt und auf die Polizei wartet. Ich musste aber auch keine Erste Hilfe leisten, sondern nur mit einem polnischen LKW-Fahrer mit Händen und Füßen quatschen.
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Stefanie
Reißwolf


Beiträge: 1290



BeitragVerfasst am: 19.04.2020 20:48    Titel: Antworten mit Zitat

lindaa hat Folgendes geschrieben:

Zitat:
Es ist dunkel und der Wagen hat die Scheinwerfer an. Warum sieht man ihn nicht von weitem kommen? Er müsste ja auch rot haben, wenn die Frau die Strasse bei grün überquert

Das Selbe trifft auf diese Stelle zu. Was meinst du mit warum sieht man ihn nicht kommen? Die Protagonistin hat ihn ja kommen sehen smile


Ja, aber erst so spät. Da anscheinend sonst keine Leute oder Autos da sind, würde man doch zumindest kurz reagieren, wenn da Licht kommt. Gerade wenn sich ein Auto schnell einer roten Ampel nähert. Da die Straßen vereist sind, würde jedes normale Auto sehr langsam und vorsichtig fahren.
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Xeomer
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Alter: 32
Beiträge: 136
Wohnort: Xeothon


BeitragVerfasst am: 19.04.2020 21:43    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo lindaa,

angenommen ich wüsste nichts über dein Buch, kein Cover und keinen Klappentext; ich hätte es mir einfach genommen und die erste Seite aufgeschlagen, dann würde ich es sehr wahrscheinlich wieder beiseite legen. Es sei denn, es würde mit dem zweiten Absatz starten. Dann würde ich weiterlesen wollen. Das liegt aber einfach daran, dass ich Bücher favorisiere die ohne Vorgeplänkel, mit einem Knall starten. Da du gefragt hast, möchte ich ehrlich antworten. Es handelt sich wie gesagt, um meine persönliche Präferenz und mit den oben gemachten Annahmen.

Der Text an sich ist echt schön geschrieben und lässt sich gut lesen. Ich hätte halt lieber erst Absatz zwei und dann Absatz eins. Wink.

Zitat:
Dann versuchte ich sie auf meinem Mantel zu positionieren. Ein Schauer lief mir über den Rücken, als ich ihren schlaffen Körper behutsam wendete und ihren Hinterkopf erblickte. Blut. Viel Blut. Blut tränkte ihre blonden Haare, den hellen Schal, die Mütze. Der Schnee war blutverschmiert, an der Stelle wo sie gelegen hatte. Aus meinem Mund kam nur noch ein leises Wimmern. Mein Magen wurde flau, ich musste ein Würgen unterdrücken.


Hier könnte es für meinen Geschmack ruhig noch etwas heftiger sein. Wenn jemand ein Würgen unterdrücken muss, könnte ich mir halt auch einen aufgeplatzten Schädel, mit Blick auf das Gehirn oder Knochensplitter in den Haaren oder so etwas in der Art, vorstellen.

Viele Grüße,
Xeomer


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lindaa
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BeitragVerfasst am: 20.04.2020 08:20    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo smile

Zitat:
Da anscheinend sonst keine Leute oder Autos da sind, würde man doch zumindest kurz reagieren, wenn da Licht kommt. Gerade wenn sich ein Auto schnell einer roten Ampel nähert.

Stimmt, Stefanie da hast du natürlich recht, vielleicht sollte ich da schon etwas früher was einbauen!

Hallo Xeomer, vielen Dank für dein Feedback!
Zitat:
angenommen ich wüsste nichts über dein Buch, kein Cover und keinen Klappentext; ich hätte es mir einfach genommen und die erste Seite aufgeschlagen, dann würde ich es sehr wahrscheinlich wieder beiseite legen. Es sei denn, es würde mit dem zweiten Absatz starten. Dann würde ich weiterlesen wollen. Das liegt aber einfach daran, dass ich Bücher favorisiere die ohne Vorgeplänkel, mit einem Knall starten. Da du gefragt hast, möchte ich ehrlich antworten. Es handelt sich wie gesagt, um meine persönliche Präferenz und mit den oben gemachten Annahmen.

Das kann ich natürlich verstehen, ist wahrscheinlich Geschmackssache smile Ich male lieber immer erst ein einigermaßen gründliches Hintergrundbild bevor es zur Sache geht. Aber vielleicht könnte man dieses Problem ja durch einen spannenden Prolog oder so beheben? smile
Zitat:
Wenn jemand ein Würgen unterdrücken muss, könnte ich mir halt auch einen aufgeplatzten Schädel, mit Blick auf das Gehirn oder Knochensplitter in den Haaren oder so etwas in der Art, vorstellen.

Hui du gehst ja ran lol2

Liebe Grüße
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lindaa
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BeitragVerfasst am: 20.04.2020 09:18    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo nochmal!
Vielen Dank für das bisherige Feedback! Da ein paar von euch gesagt haben sie würden weiterlesen, würde ich mich sehr freuen wenn das nun tatsächlich der Fall wäre angel
So geht es also weiter. Dieses Mal ist es ein etwas längerer Text, hoffentlich ist das nicht abschreckend. Ich hoffe es ist nicht zu viel Backstory Geplenkel bis es zur Sache geht.. Allerdings ist alles von den Informationen für die Geschichte relevant, ich hoffe dass man das als Leser nicht als langweilig empfindet.
Ich freue mich über jede Art von ehrlichem Feedback!


„Und sie haben sich das Kennzeichen nicht gemerkt“, es war keine Frage, es war eine Feststellung. Der Kommissar sah mich missbilligend an. Ich war zu ausgelaugt um wütend zu werden, deshalb schüttelte ich einfach schwach den Kopf. Ich saß auf einer Trage in einem der Rettungswägen, eingewickelt in eine Einmaldecke. Schon seit einer halben Stunde quälte mich Kommissar Scholz mit seinen Fragen. Nein verdammt, ich hatte mir das Kennzeichen nicht gemerkt. Ich konnte nichts beitragen zur Identifizierung dieses feigen Mistkerls welcher die arme Frau einfach rücksichtslos im Schnee liegen gelassen hatte. Ich war zu beschäftigt gewesen ihr zu helfen. Über meinen eigenen Schock zu stehen und zu versuchen ihr Leben zu retten. Sein vorwurfsvoller Tonfall hielt mir meine eigene Schwäche vor Augen. Ich hatte keinen kühlen Kopf bewahrt. Ich hatte die Kontrolle verloren, war auf ein Neues zum Opfer meiner Gefühle und meiner Angst geworden.
Dieser feige Mistkerl... war es tatsächlich Feigheit gewesen, weshalb er sie dort liegen gelassen hatte? Vor meinem inneren Auge wiederholte sich das albtraumhafte Szenario. Er hatte nicht gebremst. Entweder er hatte sie nicht gesehen, oder... war es Absicht gewesen?
„Also gut. Trotzdem Danke für Ihre Hilfe“, log Scholz schließlich. Heuchler.
In diesem Moment kam einer der Sanitäter, Luke, in den Wagen. Er war es gewesen, der mir die Decke gegeben hatte. Nachdem er erfahren hatte, wer mein Vater war, hatte er mir sogar eine Tasse Tee angeboten. Doch ich hatte dankend abgelehnt, ich konnte jetzt auf keinen Fall irgendetwas zu mir nehmen.
„Ich denke Sie haben langsam alles was sie brauchen, Herr Scholz?“, fragte er den Kommissar auffordernd.
Dieser nickte abgehakt. „Ich kontaktiere Sie, sobald wir noch etwas von Ihnen benötigen“, verabschiedete er sich von mir und verließ, mit einem weiteren steifen Nicken an den Sanitäter den Wagen.
„Machen Sie sich keine Vorwürfe, Sie haben getan was sie konnten. Jeder wäre in so einer Situation überfordert.“, versuchte Luke mich aufzuheitern. Offensichtlich hatte er unser Gespräch von Draußen mitgehört. Er setzte sich neben mich auf die Trage und strich sich müde durch die blonden Haare.
Es tat gut das zu hören, doch mir war durchaus bewusst, warum er sich so fürsorglich um mich kümmerte. Er war jung, ganz am Anfang seiner Karriere und es war mir nicht entgangen wie er sich bei der Datenaufnahme gleich zwei Mal nach meinem Nachnamen versichert hatte. Unmittelbar hatte er sich bei mir vorgestellt. Er hatte sich sogar die Mühe gemacht mein Handy im Schnee zu suchen und mir zurück zu geben. Denn ich war Kira Malik, die Tochter des neuen Chefchirurgen der Klinik in Lintwald. Er war nett zu mir, damit ich ein gutes Wort für ihn einlegte. Diese verdammte Stadt. Niemand tat hier einem anderen etwas Gutes ohne einen Hintergedanken. Geben und Nehmen. Meistens vor Allem Letzteres. Ich wollte keines von beiden.
„Danke“, antwortete ich trotzdem aus Höflichkeit. „Darf ich gehen?“. Alles war erledigt, ich hatte alles zu Protokoll gegeben was ich wusste.
„Ja natürlich“, sagte Luke schnell, sprang auf und streckte mir die Hand hin um mir aufzuhelfen.
Ich tat so, als hätte ich es nicht bemerkt.
„Sollen wir sie vielleicht nach Hause fahren?“, bot er eifrig an.
„Nein schon gut, ich habe nicht weit“. Ich hob meinen blutigen Mantel auf, welcher neben mir auf dem Boden gelegen hatte und stopfte ihn in eine Plastiktüte, die mir der junge Sanitäter reichte. Dann verabschiedete ich mich und verließ, noch immer in die Einmaldecke gewickelt, den Rettungswagen.

Ich war froh, als ich nur kurze Zeit später endlich nach Hause kam und den Schlüssel im Schloss umdrehte. Ich fühlte mich so ausgelaugt und mitgenommen wie schon lange nicht mehr. Meine eiskalte Haut klebte an meiner feuchten, dreckigen Jeans. Der vertraute Geruch nach Daheim stieg mir in die Nase und ich beruhigte mich ein wenig.
„Hallo Kira“.
Ich zuckte erschrocken zusammen und fuhr herum.
Sandra Heinrich stand im Türbogen zum Gang. Sie war eine Bekannte der Familie, die meiner Meinung nach ein Auge auf meinen Vater geworfen hatte. Ihre kleine Tochter war eine Freundin von Bennie, weshalb Sandra meinen kleinen Bruder nicht selten nach Hause brachte oder mit zu sich nahm, wenn wir mal wieder einen Engpass hatten. Sie musterte mich mit einer Mischung aus Besorgnis und Ekel, dann weiteten sich ihre Augen entsetzt.
„Um Gottes Willen Kira, ist das Blut?!“, quiekte sie schrill.
„Sei still!“, fuhr ich sie etwas zu harsch an und lugte nervös in den Gang. Bennie sollte mich auf keinen Fall so sehen.
Sie zuckte zusammen und es tat mir automatisch leid, dass ich sie so angefaucht hatte. Auch wenn ich nicht wirklich ein Fan von Sandra war, so war sie auch am heutigen Abend mal wieder eine ausgesprochene Hilfe gewesen. Eine Nachricht reichte, damit sie Bennie kurzerhand vom Kindergarten mitnahm und nachhause brachte. Ohne sie hätte mein vier jähriger Bruder eine  Ewigkeit im Ungewissen auf mich warten müssen, während ich von der Polizei festgehalten wurde.
Sandra starrte mich immer noch entsetzt an. Ihr Erscheinungsbild war nahezu perfekt, wie sie dort vor mir stand und mich fixierte. Mit ihrem lässigen, roten Haarknoten im Nacken und der modischen Kleidung, war sie die hübsche, junge Vorzeigemutter schlechthin.
„Ich war Ersthelferin bei einem Autounfall“, erklärte ich leise. „Bitte, kannst du die Kleinen noch schnell beschäftigen, damit ich mich frisch machen kann?“.
Es tat so gut, die ekelhaft nassen Klamotten endlich loszuwerden. Hastig stopfte ich die dreckigen Sachen in den Wäschekorb und versuchte dabei die Erinnerungen zu unterdrücken, welche sich beim Anblick der roten Flecken unweigerlich ihren Weg nach oben bahnten. Schnell sprang ich unter die Dusche. Ich stellte mir vor wie Schaum und heißes Wasser alle Bilder des Abends von mir abwuschen. Obwohl es natürlich nicht so einfach funktionierte, war es dennoch Balsam für meine Seele. Ich wusste, dass ich mich nicht allzu lange im Badezimmer verkriechen konnte. Sandra musste ihre Tochter nachhause bringen und Bennie war sicher verwirrt wieso heute nicht ich ihn abgeholt hatte. Doch ich brauchte dringend ein wenig Zeit um mich zu sammeln und mich aufzuwärmen. Als ich wenige Minuten später wieder aus der Dusche stieg und in trockene, warme Klamotten schlüpfte, fühlte ich mich schon deutlich besser. Bevor ich einen Pullover anzog, nahm ich routiniert meine Salbe zur Hand. Ich strich sie sorgfältig auf die hässliche, raue Brandnarbe, welche sich zwischen Schlüsselbein und Brust abzeichnete und sich bis zur rechten Schulter erstreckte. Noch mehr verteilte ich auf dem anderen riesigen Fleck auf meinem Unterarm. Für einen kurzen Moment stand ich vor dem Spiegel und betrachtete die nun glänzenden, entstellenden Hautstellen. Ganz egal wie gewissenhaft ich sie eincremte, sie würden mich sicherlich für den Rest meines Lebens begleiten. Sie erzählten ihre eigene Version meiner Geschichte und hielten mir Tag für Tag Geschehnisse vor Augen, an die ich am liebsten nie wieder gedacht hätte. Ich musste an die Frau von vorhin denken. Ich hatte keine Ahnung wie ihre Chancen standen. Doch für den Fall dass sie den Unfall überlebte, würde auch sie mit Sicherheit ihre eigenen Narben davontragen. Und auch sie würde dann für immer an den heutigen Tag erinnert werden.
„Hey mein Großer!“, begrüßte ich Bennie mit gespielter Fröhlichkeit, ging neben ihm in die Hocke und breitete die Arme aus. Nachdem ich Sandra mit einer teuren Flasche Wein als Dankeschön bepackt und mich von ihr verabschiedet hatte, hatte sie sich mit ihrer Kleinen auf den Heimweg gemacht. Mir war nicht entgangen, wie ihr Blick immer wieder in Richtung des Eingangs gewandert war. Vermutlich in der Hoffnung, mein Vater würde endlich nach Hause kommen und sich persönlich bei ihr bedanken. Für ihre Dienste als treue Freundin. Wie gesagt, niemand tat hier einem anderen etwas Gutes ohne einen Hintergedanken.
Bennie hockte auf dem flauschigen Wohnzimmer Teppich und spielte mit seinen Playmobil Rittern, welche er nun links liegen lies und sich in meine Arme stürzte. Seine kurzen Locken kitzelten mich an der Nase, als er sich in meiner Schulter vergrub.
 „Wo warst du“, fragte er nur.
Es brach mir das Herz, welche Besorgnis in seiner zuckersüßen Stimme lag.
„Alles gut, es ist nur sehr wichtiger Schulkram dazwischen gekommen, deswegen musste Sandra dich mitnehmen“, log ich. „Hattet du und Leni noch viel Spaß?“, lenkte ich schnell vom Thema ab.
Bennie nickte. Er schien die Ausrede zu akzeptieren und das Thema war schon bald wieder vergessen. Spätestens nachdem ich keine Lust hatte noch Abendessen zu kochen und seine Lieblingspizza für uns beim Lieferservice bestellte, war alles beim Alten. Es war nur ein weiterer von so vielen Abenden in unserer täglichen Routine. Zu zweit, Schwester und Bruder. Mutter und Sohn hätte man meinen können.

Ted
Es hatte eine halbe Ewigkeit gedauert, bis er sich endlich von Shally loslösen hatte können, die ihn mit ihrem endlosen Gerede über die anstehende Betriebsweihnachtsfeier in Beschlag genommen hatte. Die rundliche Krankenschwester war ohne Zweifel eine der liebsten, herzlichsten Personen die er in dieser gottverdammten Stadt kennen gelernt hatte. Eine gute Seele, doch ihr Mundwerk kannte keine Grenzen. Und gerade jetzt konnte er das einfach nicht gebrauchen, er wollte so schnell wie möglich nach Hause. Endlich war er angekommen. In der Garderobe streifte er sich eilig Schuhe und Mantel ab und lies sie unordentlich liegen. Dann eilte er mit einem flauen Gefühl im Magen in das Wohnzimmer.
Seine Tochter sah erstaunt zu ihm auf, als er die Tür ruckartig öffnete. Es war schon spät, sie saß alleine auf der Ledercouch, im Fernsehen lief irgendeine Talkshow. Das Bild versetzte Ted einen Stich ins Herz. Sie sah so winzig aus, so klein und zerbrechlich, verloren in dem riesigen, mit wenigen, kargen Designermöbeln ausgestatteten Wohnzimmer. Nur ihr dunkler Lockenkopf lugte aus der dicken Decke hervor.
„Meine Kleine“, sagte er, seine Stimme brach ab. Ted setzte sich neben sie auf das Sofa und nahm sie ohne ein weiteres Wort in den Arm. Es tat ihm so unendlich leid, was ihr heute passiert war und es schmerzte ihn, dass er es nicht von ihr selbst erfahren hatte. Früher waren sie sich so nah gestanden. Der Vater mit seinen Töchtern, das perfekte Team. Doch jetzt war alles anders. Er hatte vollkommen den Bezug zu seinen eigenen Kindern verloren. Tag für Tag hatte er sehen können, wie sie ihm ein Stück weiter entglitten. Und irgendwann, schon vor viel zu langer Zeit, war schließlich eine Grenze erreicht, welche er gerade eben versuchte wieder zu überschreiten. So nah waren sie sich seit Monaten nicht gewesen, körperlich wie seelisch.
Er hielt seine Tochter fest und wiegte sie kaum merklich, wie früher. Kira fühlte sich an wie ein winziges, knochiges Bündel in seinen Armen. Sie schien nicht recht zu wissen, wie sie mit der Situation umgehen sollte und gab keinen Mucks von sich, ihr Rücken war stocksteif. Es machte ihm ein schlechtes Gewissen, dass sich eine scheinbar normale Umarmung zwischen ihnen mittlerweile so ungewohnt und unbehaglich anfühlte. Wie schlimm musste es gewesen sein, Zeugin eines so brutalen Autounfalls zu werden... Einen Unfall sehen zu müssen, wo sie doch vor gar nicht langer Zeit selbst Opfer eines solchen war. Seit ihrem Unfall war seine Tochter nicht mehr Auto gefahren. Selbst die Male die sie überhaupt, wenn auch nur als Beifahrer, in ein Auto gestiegen war, konnte Ted an zwei Händen abzählen. Es tat ihm so leid, dass er ihr die Last von damals nicht abnehmen konnte. Es tat ihm leid, dass er als Vater versagte. Es tat ihm leid, dass der versuchte Neustart in Mary's Heimatstadt so fehlgeschlagen war.  
„Es tut mir so leid“, sprach er seine Gedanken schließlich aus. Er lockerte die Umarmung und streckte Kira gerade weit genug von sich, um ihr ins Gesicht sehen zu können. „Ich habe es in der Notaufnahme mitbekommen. Du hättest mir Bescheid geben können, ich hätte dir geholfen“. Es klang wie ein Vorwurf, was er sofort bereute. Kira saß ihm einfach nur gegenüber und sah ihn an. Ausdruckslos musterte sie ihn mit ihren großen braunen Augen.
„Wie geht es ihr?“, fragte sie schließlich.
Ted räusperte sich. „den Umständen entsprechend“. Er machte eine kurze Pause. „Sie ist nicht ansprechbar, es hat sie ziemlich erwischt“, fuhr er vorsichtig fort. „Wir müssen die Nacht abwarten“. Gebannt beobachtete Ted Kira's Reaktion. Er wusste selbst nicht worauf er wartete. Dachte er, dass sie weinen würde? Ausrasten? Verzweifeln? Doch sie saß immer noch regungslos da, sah ihn mit ausdrucksloser Miene an und da wurde Ted schmerzlich bewusst, dass er seine eigene Tochter nicht mehr kannte.


Kapitel 2

Es kam mir vor als hätte ich nur wenige Sekunden geschlafen. Kaum dass ich es endlich geschafft hatte einzuschlafen, zuckten meine Lider schon wieder träge. Oh nein, das darf doch nicht wahr sein, schimpfte ich in Gedanken und gab ein verzweifeltes Grummeln von mir. Gerade als ich mit noch halb geschlossenen Augen nach meinem Kissen tastete, um mein Gesicht darin zu vergraben, bemerkte ich, dass etwas hier nicht stimmte. Mein Kissen war nicht da. Stattdessen kitzelten mich flauschige Fransen am Nacken.
„Was zur –“, die restlichen Worte blieben mir im Hals stecken als ich die Augen vollständig öffnete und mich ruckartig aufsetzte. Ich saß auf einem riesigen Teppich inmitten eines kreisrunden Raumes. Eines Raumes, bei welchem es sich ganz definitiv nicht um mein Schlafzimmer handelte. Es gab keine Fenster und nur eine einzige Türe aus altem, dunklem Holz. Zahlreiche Säulen stützten die Hohe Decke, welche mit merkwürdigen Ziffern, Kreisen und Strichen verziert war. Obwohl keine Lampen von ihr hingen, verbreitete die Decke Licht im ganzen Raum. Verwirrt rieb ich mir die Augen und sah mich um. An der runden Wand reihte sich ein Bücherregal an das Nächste, sodass man die Mauer selbst nur an sehr wenigen Stellen sehen konnte. Die Regale stapelten sich bis nach oben an die Decke und machten dabei keinen sonderlich stabilen Eindruck. Ich erinnerte mich verschwommen daran, schon einmal hier gewesen zu sein. Schon öfter sogar. Bruchstückhafte Erinnerungen an Träume aus den letzten Jahren und meiner Kindheit kamen mir ins Gedächtnis. Doch so klar und deutlich hatte ich die Umgebung hier noch nie wahrgenommen, ich war bei klarem Verstand, konnte jedes Detail genau betrachten, als wäre ich wirklich anwesend. Langsam erhob ich mich von dem weichen Teppich und stand auf. Ein mulmiges Gefühl machte sich in mir breit, als ich ein paar Schritte in den Raum hinein ging. Das hier fühlte sich zu echt an für einen Traum.  Das hier war anders. Für einen kurzen Moment spielte ich mit einem absurden Gedanken. Hatte man mich im Schlaf entführt und hier eingesperrt? Doch ich verwarf die Idee sofort wieder, eine lächerliche Vorstellung. Noch nie war in Lintwald etwas kriminelleres geschehen als das Überfahren einer Nachbarkatze, welche ihr Geschäft im falschen Garten verrichtete. Zumindest bis heute Abend, wurde mir schmerzlich bewusst. Außerdem hatte ich ja schon öfter von diesem Ort geträumt. Nein, es musste tatsächlich ein Traum sein. Ein merkwürdiger, sich wahnsinnig echt anfühlender Traum.
Während ich ein paar Schritte um herging und mich auf den Weg zu einem der Bücherregale machte, spürte ich plötzlich ein Gewicht in meiner Hosentasche. Verwirrt griff ich hinein und bekam ein kantiges, kaltes Etwas zu fassen. Ich zog es heraus und musterte den Edelstein in meiner Hand. War das ein Diamant? Es war ein wunderschöner, geschliffener, durchsichtiger Stein. Er war glasklar und spiegelte das seltsame Deckenlicht wieder. Verwundert betrachtete ich ihn eine Weile. Er strahlte eine angenehme Kälte aus, welche meine vor Aufregung schwitzige Hand kühlte. Ich umschloss ihn in meiner Faust, dann musterte ich die Bücher in einem der unzähligen Regale am Rand des Raumes. Es waren Bücher in allen Farben, Formen und Größen, Titel in verschiedenen Sprachen prangten auf den Buchrücken. Gerade als ich mit den Fingern über den Einband eines alten, dicken Buches strich und es aus dem Regal ziehen wollte, ertönte hinter mir plötzlich eine laute Stimme und lies mein Herz vor Schreck für einen kurzen Moment aussetzen.
„LASS MICH ENDLICH IN RUHE!“
Alarmiert wirbelte ich herum, das Herz schlug mir bis zum Hals.
Auf der anderen Seite des Raumes kauerte jemand hinter einer der Säulen. Es war ein junger Mann mit dunklen Haaren. Nachdem er so plötzlich gebrüllt hatte, stemmte er sich ruckartig vom Boden auf.
Wie angewurzelt blieb ich neben dem Regal stehen und beobachtete aus sicherer Entfernung, wie er die Nerven verlor.
Der Junge begann wutentbrannt um sich zu schlagen. Rasend trat er auf das nächst beste Regal ein, prügelte mit voller Kraft auf das harte Holz. Er riss die Bücher heraus und trampelte rücksichtslos auf die bereits am Boden liegenden Exemplare. Ein verzweifelter, wütender Schrei hallte zu mir herüber, als er weiter tobte. Durch seine wilden Schläge warf er eine nahestehende Stehlampe um, welche auf den dunklen Holzdielen in tausend Scherben zerschellte. Nach einigen Minuten des Ausrastens schien ihm schließlich seine Kraft zu entweichen. Erschöpft hielt er inne und stützte sich schwer atmend an einem Regal ab. Dann lies er sich langsam zu Boden sinken, wo er das Gesicht in seinen blutigen Händen vergrub.
„Bitte lass mich doch einfach“, wimmerte er leise.
Noch immer stand ich wie vom Donner gerührt auf der anderen Seite des Raumes. Ich traute mich nicht, mich zu bewegen. Was wenn er mich bemerkte? Oder hatte er mich womöglich schon bemerkt? Waren seine Worte vielleicht an mich gerichtet gewesen? Was wenn er auf mich los ging? Gegen diesen Typen hätte ich keine Chance. Er war bestimmt mindestens einen Kopf größer und fast doppelt so breit wie ich und schien offensichtlich von einer gewaltigen Wut getrieben zu sein. Noch während ich abwägte was ich tun sollte, wurde mir wieder bewusst, dass ich mich schließlich in einem Traum befand. Was sollte schon passieren, selbst wenn er auf mich los ging? Zögernd machte ich also ein paar Schritte in seine Richtung. Gebannt wartete ich auf eine Reaktion des Mannes, doch noch immer rührte er sich nicht, sein Gesicht war von seinen Händen bedeckt. Vielleicht hatte er mich nicht gehört. Vorsichtig schlich ich weiter, konzentriert auf keine der Lampenscherben zu treten.
„H-hallo“, sagte ich leise.
Keine Reaktion.
„Hallo“, wiederholte ich dieses Mal deutlich lauter.
Noch immer nichts. Er schien mich tatsächlich nicht zu hören.
Unsicher streckte ich die Hand aus und berührte ihn ganz leicht mit den Fingern an seiner Schulter.  Als er immer noch keine Regung zeigte, festigte ich meinen Griff ein bisschen. Doch ganz offensichtlich schien der Junge mich nicht wahrzunehmen. Er konnte mich weder hören, noch meine Berührung fühlen.
Ich nahm meine Hand zurück und setzte mich ein paar Meter entfernt, gegen eine der Säulen gelehnt auf den Boden. Dann griff ich nach einem der neben mir liegenden Bücher. Es hatte unter dem Wutausbruch des Jungen gelitten, der Buchrücken war zerknickt und ein paar Seiten fielen heraus. Das Buch war in Holländisch geschrieben. Obwohl ich noch nie in meinem Leben Holländisch gelernt hatte, konnte ich den Titel ohne Weiteres lesen und verstehen. Die Geschichte der Nitiden. Noch während ich mich über meine spontan erlangte Sprachkenntnis wunderte, wurde ich von einer Bewegung neben mir abgelenkt.
Der junge Mann saß mir schräg gegenüber und hob nun langsam wieder den Kopf aus seinen Händen. Er hatte außergewöhnlich blaue Augen, welche blutunterlaufen waren. Das Blau seiner Iris war so intensiv, dass es aussah als trüge er Farblinsen. Getrocknete Tränen klebten auf seinen Wangen und sein eigentlich hübsches Gesicht war qualvoll verzerrt. An seiner Stirn war eine Ader hervorgetreten, welche ihn noch bedrohlicher aussehen lies. Mit einer Mischung aus Wut und Verzweiflung in den Gesichtszügen lies er seinen Blick langsam durch den Raum schweifen, wobei er unweigerlich auch mich streifte. Ich hielt gespannt den Atem an, doch es passierte nichts. Sein Blick blieb keine Sekunde an mir hängen, als wäre ich gar nicht da. Ich war komplett unsichtbar für ihn.
Ein plötzliches, beängstigendes Knurren hinter mir riss mich aus meinen Gedanken. Ruckartig spannte sich jeder Muskel in meinem Körper an und ich zog instinktiv den Kopf ein. Bilder, Erinnerungen schossen mir durch den Kopf. Voller böser Vorahnungen wandte ich mich um. Da war sie, die Bestie aus meinen schlimmsten Albträumen. Sie kauerte auf dem Boden. Wie konnte ich sie nur übersehen haben? Ohne zu wissen was ich tat, erhob ich mich wieder und ging langsam in ihre Richtung. Die scheußliche Kreatur fixierte mich mit ihren riesigen gelben Augen und aus ihrer Kehle stieg ein drohender Laut.  Hinter ihr funkelte etwas. War das ein Spiegel? Neugierig kam ich immer näher. Die Bestie beobachtete jeden Schritt, sie lauerte mir auf. Alles in mir schrie, so viel Abstand wie nur irgend möglich zwischen mich und dieses Ding zu bringen. Doch meine Füße wollten nicht hören. Bis ich den Bogen überspannt hatte.
„Au!“, entfuhr es mir scharf und ich biss die Zähne zusammen. Ich war mit meinem nackten Fuß auf eine der Scherben getreten. Unter meiner Verse knirschte es grausam.
Das Geschöpf reagierte sofort. Aufgeschreckt von meinem plötzlichen Laut rappelte es sich vom Boden auf. Auf allen Vieren stand es in Angriffsposition, ledrige, graue Haut spannte sich um die knochigen Gliedmaßen. Kampflustig fletschte es die großen, scharfen Reißzähne. Urplötzlich kam ich zu mir. Was hatte ich mir nur dabei gedacht? Doch es war zu spät. Die Kreatur sprang mit einem grauenhaften Schrei auf und jagte auf mich zu. Ich strauchelte. Das mannsgroße Ding schlug mit den Fängen nach mir. Kreischend verlor ich das Gleichgewicht und fiel nach hinten. Reflexartig hatte ich die Arme schützend über mein Gesicht geschlagen und die Augen zusammengepresst. Das war das Ende. Ich hatte keine Chance. So lag ich auf dem Boden und wartete auf das Unvermeidbare. Die Bestie würde ihre Zähne in mein Fleisch graben und mich mit den riesigen Pranken zerreißen.
Doch nichts dergleichen geschah. Alles was ich wahrnahm war ein dumpfer Knall. Zögerlich lugte ich zwischen meinen Armen hervor, während mein Herz zu explodieren drohte. Das Ding war nur einen Schritt von mir entfernt gegen eine Glasscheibe geknallt. Wütend scharrte es mit den Hinterläufen und holte erneut Schwung. Ich hielt den Atem an.
Pflonkk, wieder war es gegen die Scheibe gerannt, welche sich direkt vor mir zu befinden schien.
Ungläubig streckte ich die Hand aus, um nach dem rettenden Glas zu greifen. Doch da war nichts. Kein Glas, keine Scheibe. Nichts als Luft war zwischen mir und dem Monster. Schnell zog ich die Hand zurück. Es senkte den Kopf auf meine Höhe und fauchte markerschütternd. Erneut holte es mit seinen Krallen nach mir aus und schlug mit einem weiteren Knall gegen etwas unsichtbares, hartes mitten in der Luft. Etwas schien sich zwischen uns zu befinden, das mich vor dem sicheren Tod schützte. Eine Barriere, die nur ich zu überschreiten vermochte.
Völlig außer Atem reckte ich den Kopf nach hinten und suchte nach dem Jungen. Fassungslos  sah ich ihn unverändert auf dem Boden sitzen, ins Leere starrend. Er hatte rein gar nichts von alledem bemerkt.


Das laute Klingeln meines Weckers riss mich am nächsten Morgen aus dem Schlaf. Sofort lies ich meinen Blick prüfend durch mein Zimmer streichen, um sicher zu stellen, dass ich nicht wieder in einem seltsamen Traum erwachte. Doch alles hier war vertraut, ich konnte mich wieder beruhigen. Mein Kopf dröhnte und verrückte Erinnerungen an die letzte Nacht spielten sich vor meinem inneren Auge ab. Sie waren alle klar und deutlich, als wäre es tatsächlich erst vor ein paar Augenblicken passiert. Sie verblassten nicht wie die Erinnerungen an meine Träume normalerweise, welche sich nie richtig greifen ließen und sich immer von Sekunde zu Sekunde schneller auflösten. Dieses Mal war es anders. Ich konnte alles bis ins letzte Detail vor mir sehen, die Regale, die Bücher, den jungen seltsamen Mann. Sogar sein Geschrei und Gefluche hallte noch in meinen Ohren wieder. Und diese scheußliche Bestie... Erschöpft setzte ich mich auf, ließ meine nackten Füße von der Bettkante baumeln und rieb mir über das Gesicht. Es fühlte sich an, als hätte ich keine Sekunde geschlafen.
Gestern war ein harter Tag, natürlich hatte mich der Unfall aufgewühlt. Er hatte Erinnerungen in mir geweckt, die ich normalerweise ganz weit hinten in meinen Gedanken versteckt und verdrängt hielt. Angesichts dessen, hätte man weitaus schlimmere Albträume erwarten können.  Verrückte Träume nach einem traumatisierenden Erlebnis waren nun wirklich nichts Überraschendes, redete ich mir ein. Bestärkt dadurch, eine logische Erklärung für diesen seltsamen Traum gefunden zu haben, erhob ich mich von meinem Bett. Auf dem Weg zu meinem Kleiderschrank zuckte ich plötzlich zusammen. Verdammt, was – ich zog meinen vor Schmerz pochenden Fuß zu mir heran und verlor das Gleichgewicht. Verwirrt lies ich mich zurück auf mein Bett plumpsen und untersuchte meine Fußsohle. Mein Herz setzte einen Schlag aus und sank ein Stück tiefer in meine Magengrube. Da steckte eine Scherbe in meiner entzündeten Verse.

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Jirka
Schmierfink


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BeitragVerfasst am: 21.04.2020 19:03    Titel: Antworten mit Zitat

bevor ich es vergesse: Ferse, ließ und hallte wider Wink Ich schreibe später ausführlicher.

EDIT: Das waren drei Rechtschreibfehler, die ich nach dem Durchlesen des ganzen Textes noch im Kopf hatte. Wenn ich irgendwann noch mal mehr Zeit habe, kann ich gerne wieder ein bisschen genauer nach Rechtschreibung und Kommasetzung gucken.

Jetzt erst mal mein spontaner  Eindruck zum Inhalt. Gut fand ich den Perspektivwechsel zum Vater. Das mache ich auch oft, wenn ich in der Ich-Perspektive anfange. Irgendwie lockert das den Text auf und macht ihn besser lesbar, finde ich. Man ist eben nicht nur in Kitas Kopf, sondern bekommt auch eine andere Perspektive.

Das, was mich erst einmal ein wenig irritiert hat, hatte Kira nicht einen Bruder und dann in dem Abschnitt aus Sicht des Vaters ist von einer Schwester die Rede. Kann aber an meiner Konzentration heute liegen. Ich habe auch nicht so richtig die Vorstellung, wie alt Kira eigentlich ist. Habe ich es richtig verstanden, dass sie eigentlich schon Auto fahren könnte? Und das schon mehrere Jahre?  

Die Traumszene hätte für meinen Geschmack etwas intensiver sein können. Aber auch das könnte an meiner Umnächtigung liegen. Vorschlag zur Güte: Ich lese es noch einmal, wenn ich fitter bin, dann auch gleich mit Korrektur Laughing

Hm, also ein Traum, der vielleicht doch keiner war? Ich bin weiterhin gespannt, es liest sich immer noch gut.
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Xeomer
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BeitragVerfasst am: 22.04.2020 20:43    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo lindaa,
gerne möchte ich dir schon einmal Feedback zum ersten Absatz geben.


Zitat:
Nachdem er erfahren hatte, wer mein Vater war, hatte er mir sogar eine Tasse Tee angeboten. Doch ich hatte dankend abgelehnt, ich konnte jetzt auf keinen Fall irgendetwas zu mir nehmen.


Haben die wirklich Tee dabei? Oder hat der Sani hier seinen "privaten" Tee angeboten?

Zitat:
Denn ich war Kira Malik, die Tochter des neuen Chefchirurgen der Klinik in Lintwald. Er war nett zu mir, damit ich ein gutes Wort für ihn einlegte. Diese verdammte Stadt. Niemand tat hier einem anderen etwas Gutes ohne einen Hintergedanken. Geben und Nehmen. Meistens vor Allem Letzteres. Ich wollte keines von beiden.


Was ist denn, wenn Luke einfach nur nett sein wollte? Diese willkürliche Annahme macht mir die Protagonistin unsympathisch. [Das kann aber ja durchaus gewollt, sein oder zum Plot gehören.]

So ich lese jetzt erst noch einmal einen Absatz weiter Wink

Viele Grüße,
Xeomer


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Xeomer
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BeitragVerfasst am: 22.04.2020 20:56    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
„Um Gottes Willen Kira, ist das Blut?!“, quiekte sie schrill.

Ist ein quieken nicht immer schrill? Ein einfaches "quiekte sie los", würde mir an dieser Stelle besser gefallen.

Bei Sandra kann ich in diesem Absatz schon wesentlich besser nachvollziehen, dass sie nicht einfach nur hilfsbereit ist, weil sie ihr eigenes Ziel verfolgt.

Zitat:
Bevor ich einen Pullover anzog, nahm ich routiniert meine Salbe zur Hand. Ich strich sie sorgfältig auf die hässliche, raue Brandnarbe, welche sich zwischen Schlüsselbein und Brust abzeichnete und sich bis zur rechten Schulter erstreckte. Noch mehr verteilte ich auf dem anderen riesigen Fleck auf meinem Unterarm. Für einen kurzen Moment stand ich vor dem Spiegel und betrachtete die nun glänzenden, entstellenden Hautstellen. Ganz egal wie gewissenhaft ich sie eincremte, sie würden mich sicherlich für den Rest meines Lebens begleiten. Sie erzählten ihre eigene Version meiner Geschichte und hielten mir Tag für Tag Geschehnisse vor Augen, an die ich am liebsten nie wieder gedacht hätte. Ich musste an die Frau von vorhin denken. Ich hatte keine Ahnung wie ihre Chancen standen. Doch für den Fall dass sie den Unfall überlebte, würde auch sie mit Sicherheit ihre eigenen Narben davontragen. Und auch sie würde dann für immer an den heutigen Tag erinnert werden.


Bei der Brandnarbe ist mir der Anteil an Beschreibung zu hoch, vielleicht kann man das mehr in die Story mit einbauen. Nach dem Motto "show, don´t tell". Vielleicht kommt ja Sandra plötzlich ins Bad, erhascht einen Blick auf die Narbe, die Kira sofort verdeckt.

Hier möchte ich natürlich sofort wissen, warum sie eine Brandnarbe hat. Cool

Ich mach noch einmal einen Absatz weiter.


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Xeomer
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Wohnort: Xeothon


BeitragVerfasst am: 22.04.2020 21:35    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Ted
Es hatte eine halbe Ewigkeit gedauert, bis er sich endlich von Shally loslösen hatte können, die ihn mit ihrem endlosen Gerede über die anstehende Betriebsweihnachtsfeier in Beschlag genommen hatte. Die rundliche Krankenschwester war ohne Zweifel eine der liebsten, herzlichsten Personen die er in dieser gottverdammten Stadt kennen gelernt hatte. Eine gute Seele, doch ihr Mundwerk kannte keine Grenzen. Und gerade jetzt konnte er das einfach nicht gebrauchen, er wollte so schnell wie möglich nach Hause. Endlich war er angekommen. In der Garderobe streifte er sich eilig Schuhe und Mantel ab und lies sie unordentlich liegen. Dann eilte er mit einem flauen Gefühl im Magen in das Wohnzimmer.
Seine Tochter sah erstaunt zu ihm auf, als er die Tür ruckartig öffnete. Es war schon spät, sie saß alleine auf der Ledercouch, im Fernsehen lief irgendeine Talkshow. Das Bild versetzte Ted einen Stich ins Herz. Sie sah so winzig aus, so klein und zerbrechlich, verloren in dem riesigen, mit wenigen, kargen Designermöbeln ausgestatteten Wohnzimmer. Nur ihr dunkler Lockenkopf lugte aus der dicken Decke hervor.
„Meine Kleine“, sagte er, seine Stimme brach ab. Ted setzte sich neben sie auf das Sofa und nahm sie ohne ein weiteres Wort in den Arm. Es tat ihm so unendlich leid, was ihr heute passiert war und es schmerzte ihn, dass er es nicht von ihr selbst erfahren hatte. Früher waren sie sich so nah gestanden. Der Vater mit seinen Töchtern, das perfekte Team. Doch jetzt war alles anders. Er hatte vollkommen den Bezug zu seinen eigenen Kindern verloren. Tag für Tag hatte er sehen können, wie sie ihm ein Stück weiter entglitten. Und irgendwann, schon vor viel zu langer Zeit, war schließlich eine Grenze erreicht, welche er gerade eben versuchte wieder zu überschreiten. So nah waren sie sich seit Monaten nicht gewesen, körperlich wie seelisch.
Er hielt seine Tochter fest und wiegte sie kaum merklich, wie früher. Kira fühlte sich an wie ein winziges, knochiges Bündel in seinen Armen. Sie schien nicht recht zu wissen, wie sie mit der Situation umgehen sollte und gab keinen Mucks von sich, ihr Rücken war stocksteif. Es machte ihm ein schlechtes Gewissen, dass sich eine scheinbar normale Umarmung zwischen ihnen mittlerweile so ungewohnt und unbehaglich anfühlte. Wie schlimm musste es gewesen sein, Zeugin eines so brutalen Autounfalls zu werden... Einen Unfall sehen zu müssen, wo sie doch vor gar nicht langer Zeit selbst Opfer eines solchen war. Seit ihrem Unfall war seine Tochter nicht mehr Auto gefahren. Selbst die Male die sie überhaupt, wenn auch nur als Beifahrer, in ein Auto gestiegen war, konnte Ted an zwei Händen abzählen. Es tat ihm so leid, dass er ihr die Last von damals nicht abnehmen konnte. Es tat ihm leid, dass er als Vater versagte. Es tat ihm leid, dass der versuchte Neustart in Mary's Heimatstadt so fehlgeschlagen war.  
„Es tut mir so leid“, sprach er seine Gedanken schließlich aus. Er lockerte die Umarmung und streckte Kira gerade weit genug von sich, um ihr ins Gesicht sehen zu können. „Ich habe es in der Notaufnahme mitbekommen. Du hättest mir Bescheid geben können, ich hätte dir geholfen“. Es klang wie ein Vorwurf, was er sofort bereute. Kira saß ihm einfach nur gegenüber und sah ihn an. Ausdruckslos musterte sie ihn mit ihren großen braunen Augen.
„Wie geht es ihr?“, fragte sie schließlich.
Ted räusperte sich. „den Umständen entsprechend“. Er machte eine kurze Pause. „Sie ist nicht ansprechbar, es hat sie ziemlich erwischt“, fuhr er vorsichtig fort. „Wir müssen die Nacht abwarten“. Gebannt beobachtete Ted Kira's Reaktion. Er wusste selbst nicht worauf er wartete. Dachte er, dass sie weinen würde? Ausrasten? Verzweifeln? Doch sie saß immer noch regungslos da, sah ihn mit ausdrucksloser Miene an und da wurde Ted schmerzlich bewusst, dass er seine eigene Tochter nicht mehr kannte.


Mir gefällt, dass man mehr über Kira erfährt. Mir fällt aber auf, dass ich die ganze Zeit gedacht hatte, dass Kira eine junge Erwachsene ist. (Anhand ihrer erwachsen, wirkenden Handlungen und Denkweisen.)  Wie alt ist Kira eigentlich? (Zu meiner Verteidigung, ich habe es bestimmt überlesen oder wieder vergessen).

Falls es in unserer "jetzigen" Zeit spielt, würde ich die Talkshow noch gegen etwas aktuelleres austauschen.

Da ich für heute Schluss mache, möchte ich dir noch mitgeben, dass ich deinen Schreibstil sehr schön finde und ich den Text leicht folgen konnte. Die Geschichte nimmt für mich an Fahrt auf und ich wollte wissen wie es weitergeht.

Da ich die Gesamtgeschichte noch nicht wirklich einordnen kann, würde ich gerne wissen wie der Titel und das Genre lautet. Wink

Viele Grüße,
Xeomer


_________________
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lindaa
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Beiträge: 27



BeitragVerfasst am: 23.04.2020 10:55    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Jirka! Danke für deine Eindrücke

Zitat:
Ferse, ließ und hallte wider

ohje, das ist peinlich, danke rotwerd

Zitat:
Das, was mich erst einmal ein wenig irritiert hat, hatte Kira nicht einen Bruder und dann in dem Abschnitt aus Sicht des Vaters ist von einer Schwester die Rede. Kann aber an meiner Konzentration heute liegen. Ich habe auch nicht so richtig die Vorstellung, wie alt Kira eigentlich ist. Habe ich es richtig verstanden, dass sie eigentlich schon Auto fahren könnte? Und das schon mehrere Jahre?

Was das mit den Töchtern angeht, das wird noch aufgeklärt. Ich bin mir etwas unsicher ob diese Andeutungen Spannung aufbauen, oder ob sie eher verwirrend für den Leser sind? Sollte ich sowas lieber weglassen oder ist das ganz gut?
Kira ist 19 Jahre alt. Sie könnte also mit begleitendem Fahren bereits seit 2 Jahren Autofahren smile

Zitat:
Die Traumszene hätte für meinen Geschmack etwas intensiver sein können

Hmm ok, was genau meinst du damit? Wie könnte ich die Szene denn intensiver gestalten?

Zitat:
Vorschlag zur Güte: Ich lese es noch einmal, wenn ich fitter bin, dann auch gleich mit Korrektur

sehr gerne angel

Liebe Grüße
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lindaa
Geschlecht:weiblichGänsefüßchen


Beiträge: 27



BeitragVerfasst am: 23.04.2020 11:03    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Xeomer, Danke für die ausführlichen Kommentare!

Zitat:
Haben die wirklich Tee dabei? Oder hat der Sani hier seinen "privaten" Tee angeboten?
Was ist denn, wenn Luke einfach nur nett sein wollte? Diese willkürliche Annahme macht mir die Protagonistin unsympathisch. [Das kann aber ja durchaus gewollt, sein oder zum Plot gehören.]

Das könnte durchaus sein privater Tee gewesen sein, das Tee Detail sollte seine Übereifrigkeit unterstreichen. Denn tatsächlich macht er das wirklich nur für seine Karriere, allerdings ist Kira was das betrifft auch sehr voreingenommen und urteilt sehr schnell.

Zitat:
Bei der Brandnarbe ist mir der Anteil an Beschreibung zu hoch, vielleicht kann man das mehr in die Story mit einbauen. Nach dem Motto "show, don´t tell". Vielleicht kommt ja Sandra plötzlich ins Bad, erhascht einen Blick auf die Narbe, die Kira sofort verdeckt.

Gute Idee, das werde ich  noch mal überarbeiten!

Zitat:
Mir gefällt, dass man mehr über Kira erfährt. Mir fällt aber auf, dass ich die ganze Zeit gedacht hatte, dass Kira eine junge Erwachsene ist. (Anhand ihrer erwachsen, wirkenden Handlungen und Denkweisen.) Wie alt ist Kira eigentlich? (Zu meiner Verteidigung, ich habe es bestimmt überlesen oder wieder vergessen).

Anscheinend ist das Alter wohl etwas verwirrend smile Im nächsten Abschnitt würde es dann erklärt werden, sollte ich das früher einbauen? Wie gesagt ist Kira 19 Jahre alt. Dadurch dass sie die Mutterrolle für ihren kleinen Bruder übernehmen musste, ist sie allerdings sehr schnell erwachsen geworden.

Zitat:
Da ich für heute Schluss mache, möchte ich dir noch mitgeben, dass ich deinen Schreibstil sehr schön finde und ich den Text leicht folgen konnte. Die Geschichte nimmt für mich an Fahrt auf und ich wollte wissen wie es weitergeht.

Vielen Dank, das freut mich sehr!

Liebe Grüße
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lindaa
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Beiträge: 27



BeitragVerfasst am: 23.04.2020 11:14    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Noch mal Hallo Xeomer, habe vergessen auf den Rest zu antworten.

Zitat:
Da ich die Gesamtgeschichte noch nicht wirklich einordnen kann, würde ich gerne wissen wie der Titel und das Genre lautet.


Genre: Fantasy
Titel: Die Nitiden (Habe allerdings schon einmal einen Text unter diesem Titel hier im Forum veröffentlicht, habe die Idee seit dem aber deutlich umgeworfen)
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