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Monte-Carlo - Tag eines Rennfahrers


 

 
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Meinungsfreiheit
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BeitragVerfasst am: 29.02.2020 00:52    Titel: Monte-Carlo - Tag eines Rennfahrers eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Neue Version »

Am Vortag schlief er schlecht, er hatte ein mulmiges Gefühl. Er kannte dieses Gefühl und es verschwand jedes Mal, wenn er den Helm über den Kopf streifte. Dieses Mal aber verschwand es nicht.

Am liebsten wäre er nicht gefahren.

Er wusste: Um zu gewinnen, musste er die Grenze zwischen Mut und Leichtsinn überschreiten. Das war das Geheimnis seines Erfolgs: Dort, wo andere bremsten, stieg er aufs Gas. Deswegen nannten sie ihn den »Regenmeister« – weil er die Kurve blind fährt, wenn er nichts sieht, nach Gefühl.

Aber dieses Mal stimmte etwas nicht, alles war anders.

Er stand auf der Poleposition: 1:15,460 min. – eine epische Zeit!

Da das Überholen in Monte Carlo wegen der Enge des Kurses sehr schwierig ist, war der erste Startplatz ein enormer Vorteil.

Zwei Dinge waren nun wichtig: der Start und die erste Kurve,  die Sainte-Dévote – eine Rechtskurve; der Winkel lag etwa bei 90 Grad.

Um sie zu meistern, musste er beim Start auf die linke Seite wechseln, auf die Ideallinie, und dann rechtzeitig nach rechts einschlagen – desto später, desto besser, nur nicht zu spät. Da in dieser Kurve oft Übersteuerungsprobleme auftreten, musste er gegenlenken, sobald er die Kurve passierte. Und noch etwas musste er tun – nämlich aufpassen, dass ihn niemand von innen überholte …

Wenn er das erste Mal gegensteuert, der Widerstand des Autos seinen Körper reizt, dann spürt er sie, die Symphonie, die Ästhetik des Rennfahrens, er verschmilzt mit der Strecke, er wird mir eins.

Die Boxengasse leerte sich.

Sobald er das Visier herunterklappte, war er ganz auf sich allein gestellt, davor hatte er am meisten Angst: vor dieser totalen Einsamkeit, Verlassenheit und Leere. Nie konnte er diese Angst mit jemandem teilen – immerhin war er ein Superstar, ein Held!

Oder soll ich innen bleiben und ihn ausbremsen?, dachte er.

Als er das Visier herunterklappen wollte, fiel ihm etwas auf: Das Visier war die ganze Zeit geschlossen! Seit er sein erstes Rennen in einem Gokart absolvierte, schloss er das Visier stets kurz vor dem Start – warum war das dieses Mal anders? Wie konnte er das nicht bemerken?

Die Motoren heulten auf; die Ampel gab das Signal.

Was zur Hölle ist hier überhaupt los?, dachte er. Wo bin ich? Und was mache ich hier in diesem Auto? Ich will hier raus!

Dann stieg er aufs Gas – und er hatte Angst.

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Bea H2O
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Beiträge: 185



BeitragVerfasst am: 29.02.2020 08:30    Titel: Antworten mit Zitat

Habe ich - außer den ersten Satz - gerne gelesen. Ist spannend und bleibt es bis zum Schluss, natürlich gerade weil das Ende ungewiss ist wink

Zum ersten Satze: "Am Vortag hatte er schlecht geschlafen" fänd ich passender
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Meinungsfreiheit
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BeitragVerfasst am: 29.02.2020 16:23    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke, werde das ändern. Wie fandest du die den Wechsel der Zeiten? Bin mir hierbei nicht sicher, ob ich nicht im Präteritum bleiben soll? Auch Absätze wäre ich über Feedback dankbar. Hier soll es übrigens noch weitergehen - mal sehen, wie sich das entwickelt. Mein Traum war es immer, eine Runde in Monte-Carlo schriftstellerisch zu verarbeiten, weil ich die Strecke von der Konsole kenne wie meine Westentasche Very Happy Aber das ist schwierig! Sehr schwierig!
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Meinungsfreiheit
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 32
Beiträge: 39



BeitragVerfasst am: 01.03.2020 01:48    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Am Vortag schläft er schlecht, er hat ein mulmiges Gefühl. Er kennt dieses Gefühl und es verschwindet jedes Mal, sobald er den Helm über seinen Kopf zieht. Dieses Mal aber verschwindet es nicht.

Am liebsten würde er nicht fahren.

Er weiß: Um zu gewinnen, muss er die Grenze zwischen Mut und Leichtsinn überschreiten. Das ist das Geheimnis seines Erfolgs: Dort, wo andere bremsen, steigt er aufs Gas. Deswegen nennen sie ihn den »Regenmeister« – weil er die Kurve blind fährt, wenn er nichts sieht, nach Gefühl.

Aber dieses Mal stimmt etwas nicht, alles ist anders.

Er steht auf der Poleposition: 1:15,460 min. – eine grandiose Zeit.

Zwei Dinge sind nun wichtig – der Start und die erste Kurve – die  Sainte-Dévote – eine Rechtskurve; der Winkel liegt bei etwa 90 Grad.

Um diese Kurve zu meistern, muss er beim Start auf die linke Seite ziehen, auf die Ideallinie, und rechtzeitig nach rechts einschlagen – desto später, desto besser, nur nicht zu spät. Da hier oft Übersteuerungsprobleme auftreten, muss er gegenlenken, sobald er die Kurve passiert. Und noch etwas muss er tun – nämlich aufpassen, dass ihn niemand von innen überholt …  

Beim ersten Gegensteuern, wenn der Widerstand des Autos seinen Körper reizt, steht die Zeit für einen Augenblick still; dann spürt er sie: die Symphonie, die Ästhetik des Rennfahrens; wie Wasser passt er sich den Gegebenheiten an; er verschmilzt mit der Strecke, wird mit ihr eins.

Die Boxengerade leert sich.

Bald klappt er das Visier herunter, dann ist er ganz auf sich allein gestellt. Davor hat er am meisten Angst: vor dieser totalen Einsamkeit, Verlassenheit und Leere. Nie kann er diese Angst mit jemandem teilen.

Oder soll ich innen bleiben und ihn ausbremsen?, denkt er.

Er will das Visier herunterklappen, da fällt ihm etwas auf: Es ist schon geschlossen. Seit Jahren schließt er das Visier kurz vor dem Start – warum ist das dieses Mal anders? Wie konnte er das nicht bemerken?

Die Motoren heulen auf; die Ampel gibt das Signal.

Was zur Hölle ist hier überhaupt los?, denkt er. Wo bin ich? Und was mache hier in diesem Auto?

Er steigt aufs Gas – und er hat Angst.
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Bea H2O
Geschlecht:weiblichSchreiberling


Beiträge: 185



BeitragVerfasst am: 01.03.2020 12:30    Titel: Antworten mit Zitat

Oh, da hab ich wohl zu spät geantwortet Laughing Embarassed
Also ich finde die erste Version besser (und wenn ich mich richtig erinnere, war in der Version, die ich gelesen habe, nur noch ein Zeitenwechsel in der letzten Zeile zu "er hat Angst", richtig? Oder irre ich mich und du hast es gar nicht editiert?)
Den Zeitenwechsel meiner Erinnerung fand ich effektvoll und gut, allerdings nur sinnvoll, wenn die Geschichte damit endet. Wenn dies nur der Anfang einer längeren Geschichte ist, würde ich in der Vergangenheit bleiben.

Die Absätze fand ich passend.
Vg
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Meinungsfreiheit
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BeitragVerfasst am: 01.03.2020 15:15    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

kein Problem wink

Es gab zwei Zeitenwechsel:

Zitat:
Wenn er das erste Mal gegensteuert, der Widerstand des Autos seinen Körper reizt, dann spürt er sie, die Symphonie, die Ästhetik des Rennfahrens, er verschmilzt mit der Strecke, er wird mir eins.


Zitat:
weil er die Kurve blind fährt, wenn er nichts sieht, nach Gefühl.


Ich lasse diese Geschichte hier wohl enden, und für eine Kurzgeschichte gefällt mir der Präsens ehrlich gesagt besser. Klingt irgendwie pointierter und ich mag all die "hatte" und "würde" nicht.

Freundliche Grüße
Meinungsfreiheit
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Rübenach
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2507



BeitragVerfasst am: 01.03.2020 15:45    Titel: Antworten mit Zitat

Ich finde den Text sprachlich arg unpräzise.

Meinungsfreiheit hat Folgendes geschrieben:
Am Vortag schläft er schlecht,

2 Sachen: Der Text heißt (...) der Tag eines Rennfahrers. Dann in der ersten Zeile mit dem Vortag beginnen, ich weiß nicht. Und: Am Vortag ist doch Qualifying, geschlafen wird doch eher nachts.

er hat ein mulmiges Gefühl. Er kennt dieses Gefühl und es verschwindet jedes Mal, sobald er den Helm über seinen Kopf zieht. Dieses Mal aber verschwindet es nicht.

M.E. verrätst du hier zu viel. Ich würde den letzten Satz streichen.


Am liebsten würde er nicht fahren.

Er weiß: Um zu gewinnen, muss er die Grenze zwischen Mut und Leichtsinn überschreiten. Das ist das Geheimnis seines Erfolgs: Dort, wo andere bremsen, steigt er aufs Gas.

Wirklich? Realistisch gesehen ist das offensichtlich Unsinn und als Übertreibung zu plakativ, Bild-Zeitungs-Deutsch.

Deswegen nennen sie ihn den »Regenmeister« – weil er die Kurve blind fährt, wenn er nichts sieht, nach Gefühl.

Aber dieses Mal stimmt etwas nicht, alles ist anders.

Er steht auf der Poleposition: 1:15,460 min. – eine grandiose Zeit.

Hm. Rundenrekord im Training ist irgendwas mit 1:10, im Rennen 1:14. Mit den heutigen Autos wäre eine Trainingszeit im Regen von 1:30 grandios. Was willst du dem Leser eigentlich sagen? Dass er der beste Fahrer bei nasser Fahrbahn ist? Das ist doch belanglos, wenn es trocken ist. Und sonst findet sich kein Hinweis im Text auf ein Regenrennen.

Zwei Dinge sind nun wichtig – der Start und die erste Kurve – die  Sainte-Dévote – eine Rechtskurve; der Winkel liegt bei etwa 90 Grad.

Um diese Kurve zu meistern, muss er beim Start auf die linke Seite ziehen, auf die Ideallinie, und rechtzeitig nach rechts einschlagen – desto später, desto besser, nur nicht zu spät. Da hier oft Übersteuerungsprobleme auftreten, muss er gegenlenken, sobald er die Kurve passiert. Und noch etwas muss er tun – nämlich aufpassen, dass ihn niemand von innen überholt …  

Beim ersten Gegensteuern, wenn der Widerstand des Autos seinen Körper reizt, steht die Zeit für einen Augenblick still; dann spürt er sie: die Symphonie, die Ästhetik des Rennfahrens; wie Wasser passt er sich den Gegebenheiten an; er verschmilzt mit der Strecke, wird mit ihr eins.

Er verschnilzt mit dem Rennwagen, das würde ich verstehen. Aber wer mit der Strecke verschmilzt, wird wohl kaum schnell vorankommen.
Die Boxengerade leert sich.

Bald klappt er das Visier herunter, dann ist er ganz auf sich allein gestellt. Davor hat er am meisten Angst: vor dieser totalen Einsamkeit, Verlassenheit und Leere. Nie kann er diese Angst mit jemandem teilen.

Oder soll ich innen bleiben und ihn ausbremsen?, denkt er.

Er will das Visier herunterklappen, da fällt ihm etwas auf: Es ist schon geschlossen. Seit Jahren schließt er das Visier kurz vor dem Start – warum ist das dieses Mal anders? Wie konnte er das nicht bemerken?

Die Motoren heulen auf; die Ampel gibt das Signal.

Was zur Hölle ist hier überhaupt los?, denkt er. Wo bin ich? Und was mache hier in diesem Auto?

Er steigt aufs Gas – und er hat Angst.


Und dann war da noch der Titel, der mir Rätsel aufgibt. Monte Carlo ist der name einer berühmten Autorallye (und einer ebenso berühmten Spielbank). Das Formel I Rennen, um das es hier anscheinend geht, heißt GP von Monaco, der Kurs heißt Circuit de Monaco. Er liegt zwar teilweise im Stadtteil Monte Carlo, aber wann immer im Motorsport von Monte Carlo gesprochen wird, meint man die Rallye.


_________________
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Meinungsfreiheit
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Beiträge: 39



BeitragVerfasst am: 01.03.2020 16:48    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo, danke für deine Kritik.

Ein paar Dinge:

Zitat:
2 Sachen: Der Text heißt (...) der Tag eines Rennfahrers. Dann in der ersten Zeile mit dem Vortag beginnen, ich weiß nicht. Und: Am Vortag ist doch Qualifying, geschlafen wird doch eher nachts.

Der Text heißt nun "Gedanken eines Rennfahrers" - der erste Titel war provisorisch, da ich selbst nicht wusste, wohin die Reise gehen würde. Und mit dem Vortag ist natürlich die Nacht gemeint. Ich werde das umschreiben.

Zitat:
M.E. verrätst du hier zu viel. Ich würde den letzten Satz streichen.

Guter Einwand, werde das ändern.

Zitat:
Wirklich? Realistisch gesehen ist das offensichtlich Unsinn und als Übertreibung zu plakativ, Bild-Zeitungs-Deutsch.

Nein, das ist kein Unsinn. Bevor ich diese Geschichte schrieb, habe ich mich intensiv mit Ayrton Senna beschäftigt. Er selbst sagte kurz vor seinem tödlichen Unfall, dass die Tamburello-Kurve russisches Roulette ist, und er hatte auch Angst und wollte nicht fahren. Und um bei Regen zu gewinnen, muss man eine Kurve blind fahren, man sieht nichts, wenn ein Auto in der Kurve steht, ist es aus. Das sind nur einige Beispiele. In Imola starben 1994 an einem Wochenende drei Menschen. Früher war Rennsport leichtsinnig, wenn man um den Sieg mitfahren wollte.

Was mich zu deinem nächsten Punkt führt:
Zitat:
Hm. Rundenrekord im Training ist irgendwas mit 1:10, im Rennen 1:14. Mit den heutigen Autos wäre eine Trainingszeit im Regen von 1:30 grandios. Was willst du dem Leser eigentlich sagen? Dass er der beste Fahrer bei nasser Fahrbahn ist? Das ist doch belanglos, wenn es trocken ist. Und sonst findet sich kein Hinweis im Text auf ein Regenrennen.

In den meisten Geschichten gibt es einen Hinweis auf die Zeit einer Geschichte - hier steckt dieser Hinweis in der Zeit selbst. Die Rundenzeit gibt Aufschluss über die Zeit des Geschehens - als etwas nach Senna. Um ehrlich zu sein, ich habe die Zeit aber nicht recherchiert und werde sie vielleicht noch ändern, um die Zeit des Geschehens etwas in die Vergangenheit zu versetzen. Der Regenmeister findet Erwähnung, um die Gefahr hervorzustreichen, da es im Regen eben besonders gefährlich ist - auch wenn es aktuell nicht regnet. Der Prota zweifelt an seinem Beruf, was am Ende deutlich wird, und da macht sich auch über nicht aktuelle Gefahren Gedanken. Deswegen der Regen.

Zitat:
Er verschnilzt mit dem Rennwagen, das würde ich verstehen. Aber wer mit der Strecke verschmilzt, wird wohl kaum schnell vorankommen.

Das Wort verschmilzt ist auch metaphorisch gemeint. Mir war es wichtig, herauszustreichen, dass er eine Symbiose mit der Strecke eingeht. Vielleicht finde ich noch ein besseres Wort, um dies deutlich zu machen.

Freundliche Grüße
Meinungsfreiheit
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BeitragVerfasst am: 01.03.2020 17:41    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Du hast mich auf eine großartige Idee gebracht, danke!

Ich werde den GP von 1994 aus der Sicht Ayrton Sennas erzählen!
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BeitragVerfasst am: 01.03.2020 19:24    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ein paar Erklärungen zur neuen Version:

Ich habe den Satz im ersten Absatz nicht gestrichen, da er unmittelbar mit dem Folgesatz: "Am liebsten würde er nicht fahren" zusammenhängt und mit "Aber dieses Mal stimmt etwas nicht, alles ist anders". Hat jemand eine Lösung, wie ich diesen Satz streichen kann, ohne dass dieses schlechte Gefühl verlorengeht, ändere ich das gerne. Hier muss ich mir noch Gedanken machen.

Es regnet nun, die Zeit wurde aber am Vortag erzielt, unter trockenen Verhältnissen. Der Text spielt zwischen 1988-1994, als Motorsport noch gefährlich war. Hier zu Veranschaulichung eine Runde des Kurses: https://www.youtube.com/watch?v=auXfAHHNSFo

Für weitere Kritik bin ich stets offen.

Gedanken eines Rennfahrers

Nachts schläft er schlecht, er hat ein mulmiges Gefühl. Er kennt dieses Gefühl und es verschwindet jedes Mal, sobald er den Helm über seinen Kopf zieht. Dieses Mal aber verschwindet es nicht.

Am liebsten würde er nicht fahren.

Es regnet. Er weiß: Um zu gewinnen, muss er die Grenze zwischen Mut und Leichtsinn überschreiten. Das ist das Geheimnis seines Erfolgs: Dort, wo andere bremsen, steigt er aufs Gas. Deswegen nennen sie ihn den »Regenmeister« – weil er die Kurve blind fährt, wenn er nichts sieht, nach Gefühl.

Aber dieses Mal stimmt etwas nicht, alles ist anders.

Er steht auf der Poleposition: 1:22,660 min., trockene Verhältnisse – eine grandiose Zeit.

Zwei Dinge sind nun wichtig – der Start und die erste Kurve – die  Sainte-Dévote – eine Rechtskurve; der Winkel liegt bei etwa 90 Grad.

Um diese Kurve zu meistern, muss er beim Start auf die linke Seite ziehen, auf die Ideallinie, und rechtzeitig nach rechts einschlagen – desto später, desto besser, nur nicht zu spät. Da hier oft Übersteuerungsprobleme auftreten, muss er gegenlenken, sobald er die Kurve passiert. Und noch etwas muss er tun – nämlich aufpassen, dass ihn niemand von innen überholt …  

Beim ersten Gegensteuern, wenn der Widerstand des Autos seinen Körper reizt, steht die Zeit für einen Augenblick still; dann spürt er sie: die Symphonie, die Ästhetik des Rennfahrens; wie Wasser passt er sich den Gegebenheiten an; er verschmilzt mit dem Auto, wird mit ihm eins.

Die Startzielgerade leert sich.

Bald klappt er das Visier herunter, dann ist er ganz auf sich allein gestellt. Davor hat er am meisten Angst: vor dieser totalen Einsamkeit, Verlassenheit und Leere. Nie kann er diese Angst mit jemandem teilen.

Oder soll ich innen bleiben und ihn ausbremsen?, denkt er.

Er will das Visier herunterklappen, da fällt ihm etwas auf: Es ist schon geschlossen. Seit Jahren schließt er das Visier kurz vor dem Start – warum ist das dieses Mal anders? Wie konnte er das nicht bemerken?

Die Motoren heulen auf; die Ampel gibt das Signal.

Was zur Hölle ist hier überhaupt los?, denkt er. Wo bin ich? Und was mache hier in diesem Auto?

Er steigt aufs Gas – und er hat Angst.
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a.no-nym
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BeitragVerfasst am: 01.03.2020 23:38    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Meinungsfreiheit,

ich habe zwei kleine Anmerkungen/Vorschläge zu Deinem Text:
Meinungsfreiheit hat Folgendes geschrieben:
Um diese Kurve zu meistern, muss er beim Start auf die linke Seite ziehen, auf die Ideallinie, und rechtzeitig nach rechts einschlagen – desto später, desto besser, nur nicht zu spät.
Hier wäre m.E. die Formulierung "je später, desto besser" passender.

Meinungsfreiheit hat Folgendes geschrieben:
Beim ersten Gegensteuern, wenn der Widerstand des Autos seinen Körper reizt
Hier kann ich mir nicht recht vorstellen, was mit "Widerstand des Autos" (Fliehkräfte? Beschleunigung?) und mit den Worten "seinen Körper reizt" (Erregung? Übelkeit?) gemeint ist. Wink

Freundliche Grüße
a.
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Meinungsfreiheit
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Beiträge: 39



BeitragVerfasst am: 02.03.2020 13:42    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich danke dir a.no-nym,

ich setze das bei der nächsten Version um smile

MfG
Meinungsfreiheit
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