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Adventskalendergeschichte


 

 
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LilaGruen87
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

Alter: 32
Beiträge: 17
Wohnort: Ruhrgebiet


BeitragVerfasst am: 16.01.2020 13:08    Titel: Adventskalendergeschichte eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo zusammen,
meine Vorstellung auf dem roten Teppich ist schon ein wenig her und mein Einstand saisonal nicht mehr ganz so passend, dennoch würde ich gerne eure Meinung dazu hören.
Es ist eine Adventskalendergeschichte über 24 Kapitel die ich für meine siebenjährige Tochter geschrieben habe. Hier stelle ich die erste Hälfte des ersten Kapitels ein und bin gespannt auf eure Kritik!

Leonie reckte den Kopf über das Gitter und versuchte einen Blick auf ihre Schwester zu werfen, die in der unteren Etage des Hochbetts schlief. "Tilli? Bist du noch wach?" Das Nachtlicht warf einen Sternenhimmel an die Decke und durch die Vorhänge drang das weiße Licht der Straßenlaterne ins Zimmer. Leonie beugte sich so weit über das Gitter wie sie konnte. Ihre kleine Schwester lag mit geschlossenen Augen zwischen einem ganzen Zoo voll Kuscheltieren und schnarchte leise mit leicht geöffnetem Mund vor sich hin.  In einem Arm hielt sie Elli, ihr Stoffkrokodil, im anderen ihr Kuscheltuch. "Tiiiiilliiii!" rief Leonie noch einmal leise, doch Tilli schmatze nur im Schlaf und drehte sich auf die Seite.  
Frustriert ließ sich Leonie wieder auf ihr Kissen fallen und starrte an die Zimmerdecke.
Man, war ihr langweilig! Schon vor einer halben Stunde hatte Papa sie beide ins Bett gebracht, noch eine Geschichte vorgelesen und war dann, nach einem Gutenacht-Küsschen und dem Versprechen, gleich noch einmal nach ihnen zu sehen, mit Mama zu Thomas und Ulrike gegangen. Thomas und Ulrike wohnten im gleichen Haus, ein Stockwerk unter ihnen. Einmal im Monat trafen sie sich mit Mama und Papa zum Abendessen und um zu Karten spielen.  Früher hatte an diesen Abenden immer Oma Erika auf die beiden Mädchen aufgepasst, aber weil Leonie mittlerweile schon acht war und Tilli vier, stellten Mama und Papa nur noch ein Babyfon im Kinderzimmer auf. Das klappte gut und insgeheim war Leonie stolz, dass sie schon groß genug waren, um fast ganz alleine in der Wohnung zu übernachten. Normalerweise schlief sie schnell ein und merkte gar nicht, wenn die Eltern zurückkamen. Heute aber war sie nicht müde. So gar kein klitzekleines bisschen. Sie hatte schon ihre Kuscheltiere sortiert und der Größe nach am Fußende aufgereiht. Sie hatte die Leuchtsterne an der Zimmerdecke gezählt. Sie hatte das letzte Kapitel ihres Lieblingsbuchs gelesen, sich eine Höhle aus ihrer Bettdecke gebaut und sich heimlich in die Küche geschlichen, um noch einen von den Weihnachtsplätzchen zu naschen, die sie heute mit Mama gebacken hatte. Sternenkekse mit Zuckerguss und bunten Streuseln, lecker! 
"Heute fängt die Vorweihnachtszeit an!" hatte Mama beim Frühstück gesagt und die erste Kerze am Adventskranz angezündet. Gespannt hatte Leonie Ausschau nach den Adventskalendern gehalten, aber die waren erst morgen dran, hatte Papa erklärt. Am ersten Dezember. 
Den ganzen Tag über hatten Mama, Papa, Leonie und Tilli mit Weihnachtsvorbereitungen verbracht. Papa hatte die große Weihnachtskiste aus dem Keller geholt und gemeinsam dekorierten sie die ganze Wohnung mit Tannenzweigen, Sternen und Lichterketten. Auch die kleine Krippe durfte Tilli schon aufstellen - nur das Jesuskind musste noch in seinem Karton warten. "Das legen wir erst Heilig Abend dazu!" erklärte Mama.
Beim Plätzchenbacken hatte Leonie heimlich so viel von dem leckeren Teig genascht, dass sie beim Abendessen nur appetitlos in ihrem Kartoffelpüree herumstocherte und Tilli musste in die Badewanne, weil sie den Zuckerguss und die Streusel nicht nur auf den Keksen, sondern auch aus Versehen in ihren Haaren verteilt hatte. 
Am Abend durften sie den Film "Die Weihnachtselfen" schauen und dabei warmen Kakao trinken. Den Film schaute sich Leonie immer am ersten Advent an, seitdem sie drei Jahre alt war. Obwohl sie die Handlung bereits in und auswendig kannte, fieberte sie jedes Mal gespannt mit, wenn die Weihnachtselfen Hubi, Schubi und Rudi gegen den bösen Troll Drago kämpften, der Weihnachten zerstören wollte. Mit viel Geschick, Klugheit und Zusammenhalt schafften sie es natürlich immer, Drago zu besiegen und das Weihnachtsfest zu retten. 
Leonie musste leise kichern, als sie daran dachte, wie Schubi dem bösen Troll einen Topf voll Marmelade über den Kopf gekippt hatte, um zu verhindern, dass dieser in das Haus des Weihnachtsmannes einbrechen konnte. 
In diesem Moment hörte sie ein Scheppern aus der Küche und bald darauf leises Schimpfen. "Mist! Au! Verflixt!“
Leonie setzte sich in ihrem Bett auf und lauschte. Waren Mama und Papa schon wieder zurück? "Mama?" rief sie leise. Da hörte sie wieder ein Geräusch. Es klang, als sei ein Glas umgefallen. "Huch! Mannoman, was für ein Chaos!" vernahm sie eine helle Stimme. Nein, die Stimme kannte sie nicht. Das war nicht Mama. Papa auch nicht. Das klang gar nicht nach einem Erwachsenen, fand Leonie. Eher nach einem kleinem Kind! Schnell lugte sie noch einmal über den Rand ihres Bettes, aber Tilli schlief immer noch seelenruhig und nuckelte an ihrem Daumen. Leonies Herz schlug schneller und sie merkte, dass ihre Hände schwitzig wurden und anfingen zu zittern. Sie verkroch sich unter ihrer Decke und überlegte kurz, nach ihren Eltern zu rufen. Die würden sie über das Babyfon hören und sofort zu ihr nach oben kommen. 
Gerade, als sie den Mund öffnete um nach Mama zu schreien meinte sie, ein leises Weinen zu hören. Sie hielt inne und lauschte angestrengt in die Dunkelheit hinein. Ja wirklich, da schluchzte jemand ganz herzzerreißend! Schlagartig verschwand Leonies Angst. Sie schlug die Bettdecke zurück und kletterte vorsichtig die Leiter ihres Hochbettes hinunter. Auf Zehenspitzen schlich sie durchs Zimmer, öffnete leise die angelehnte Tür und horchte. Sie schlich ein paar Schritte den Flur entlang Richtung Küche. Das Weinen wurde lauter. Als sie die Küchentür erreichte, klopfte ihr Herz wieder wie wild, doch sie nahm all ihren Mut zusammen, stieß die Tür mit einem Ruck auf und schaltete fast gleichzeitig das Licht an. 
Es dauerte einen Augenblick, bis ihre Augen sich an die Helligkeit gewöhnt hatten, aber dann sah sie, woher das Schluchzen kam: Auf der Spüle, neben einem umgekippten Glas saß in einer Wasserlache ein kleines Wesen und weinte. Es war ungefähr so groß wie ihre Puppe Annemie, hatte ein rundes, freundliches Gesicht mit roten Wangen und giftgrüne, zerzauste Haare. Es trug einen dicken, roten Wollpullover, weite Hosen und schwarze Stiefel. Jetzt sah das Wesen Leonie mit großen Augen an, hörte vor Schreck augenblicklich auf zu weinen und holte tief Luft, bevor es in die Spüle sprang, sich das Geschirrhandtuch über den Kopf zog und sich darunter versteckte.
"Oh nein, oh nein, das darf nicht sein, oh nein, oh nein!" hörte Leonie ein Murmeln. 
Vorsichtig kam Leonie einen Schritt näher. "Hallo?" fragte sie zaghaft. "Wer bist du?" Das Geschirrhandtuch wurde ein Stück angehoben und Leonie konnte ein Auge erkennen, das darunter hervorlugte. Als das Wesen sie erblickte, zog es sich blitzschnell wieder das Tuch über den Kopf. "Nein, nein, nein. Das kann nicht sein. Das darf nicht sein! Du darfst mich nicht sehen!" 
Leonie kam noch einen Schritt näher und stand nun direkt neben der Spüle. "Wieso darf ich dich nicht sehen?" Sie versuchte, das Tuch etwas anzuheben. "Ich tu dir doch nichts!"
Zögerlich krabbelte das Wesen etwas unter dem Handtuch hervor und sah sie misstrauisch an. "Bist du ein Menschenmädchenkind?"
Leonie nickte. "Ja, schon. Und wer bist du?" Das Wesen antwortete nicht, wirkte aber jetzt etwas mutiger als es aus der Spüle kletterte und sich auf die Küchenarbeitsplatte setzte. "Ich dachte, ihr wärt größer", stellte es ein wenig abschätzig fest. "Seid ihr alle so klein?"
Leonie war sich nicht sicher, was sie davon halten sollte. "Ich bin gar nicht so klein!" antwortete sie. "Meine Schwester Tilli ist viel kleiner als ich. Mama und Papa sind größer. Und Jonas aus meiner Klasse auch, aber der hat die zweite Klasse ja schon mal gemacht und ist deswegen älter".
Das Wesen überlegte kurz, sprang dann auf ein Regal und seufzte. "Ich kenne mich noch nicht so gut aus in der Menschenwelt" gab es zu. "Eigentlich dürfte ich noch gar nicht hier sein, ich bin ja erst Zweihundertsiebzehn Jahre alt und nur die Älteren dürfen hierher kommen. Ich heiße übrigens Nisse."

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Ira_99
Geschlecht:weiblichSchreiberassi

Alter: 32
Beiträge: 41
Wohnort: NRW


BeitragVerfasst am: 20.01.2020 22:06    Titel: Antworten mit Zitat

Schade, dass hier noch keiner kommentiert hat!

Da ich selber Neuling bin und noch nicht die Erfahrung habe wie andere hier, würde ich die "Feinarbeit" lieber anderen überlassen.
Aber ich lasse dir gerne ein kurzes Feedback aus Lesersicht hier, falls dir das auch weiterhilft.

Ich finde deinen Text schön und auch kindgerecht geschrieben. (Meine Tochter ist allerdings noch zu klein, sonst könnte ich einen Praxistest machen Wink )
Das einzige, was mich vielleicht ein bisschen gestört hat beim Lesen, ist der ziemlich lange Tagesrückblick gleich am Anfang. Bevor es richtig los geht, kommen Infos über Eltern/Nachbarn/Oma, Weihnachtsvorbereitungen, Deko, Plätzchen backen, Film schauen,...

Es ist vielleicht auch Geschmackssache, aber meiner Meinung nach könnte man da etwas kürzen und/oder die Infos nach und nach stückweise einbauen - z.B. beim Schleichen in die Küche, dass da noch die Bleche mit den Keksen oder sonstiges Backzubehör rumliegen, weil ja heute gebacken wurde usw.

Insgesamt gefällt mir der Text aber gut und ich finde es total schön, dass deine Tochter eine eigene Geschichte von dir bekommen hat!
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LilaGruen87
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

Alter: 32
Beiträge: 17
Wohnort: Ruhrgebiet


BeitragVerfasst am: 20.01.2020 22:57    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Liebe Ira,
vielen Dank für Dein Feedback! Und klar, natürlich hilft das auch weiter! Schön zu wissen, dass der Text prinzipiell erst mal ganz gut ankommt. Du hast recht, der Teil über den Tagesverlauf ist wahrscheinlich so wie er da steht wirklich etwas zu lang.
Ich kann mich erinnern, dass ich früher als Kind solche Details mochte. Alles, was irgendwie Weihnachtsstimmung ausgelöst hat, diese ganzen Kleinigkeiten. Deswegen steht das da so. Aber wahrscheinlich kommt es besser, wenn ich das nicht so geballt hintereinander weg erzähle, sondern die einzelnen Punkte über das Kapitel hinweg immer mal wieder mit einbaue.
Danke für den Hinweis!

Tatsächlich wird die Geschichte zum Ende hin "schneller" (was auch daran liegt, dass ich irgendwann Zeitdruck hätte, fertig zu werden, so kurz vor Weihnachten) und ich habe gemerkt, dass meine Tochter da dann wesentlich mehr mitgefiebert hat.
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Minusmensch
Geschlecht:männlichAbc-Schütze

Alter: 23
Beiträge: 6
Wohnort: NRW


BeitragVerfasst am: 21.01.2020 01:20    Titel: Antworten mit Zitat

Ich wollte den Beitrag auch nicht so Kommentarlos da lassen. Nur habe ich als Kind so gut wie gar nicht gelesen. Bei mir waren es sofort Videospiele und Serien, die ... nicht ganz altersgerecht waren. Die Art Geschichten habe ich in meinem Leben quasi direkt übersprungen und mich an meine älteren Geschwister geheftet. Ich bin also sehr weit vom Zielpublikum entfernt. Außerdem bin ich auch noch sehr neu hier und ein Anfänger.

Jetzt habe ich aber doch angefangen zu lesen und bin weniger gelangweilt als erwartet. Die Beschreibung am Anfang fand ich für die Länge sogar ganz gut. Ich hab in dem Alter selbst in einem Hochbett von Kuscheltieren umzingelt geschlafen. Das hat mich wirklich nochmal in meine Kindheit versetzt. Die Details würde ich auch den Profis überlassen aber ich finde das liest sich wirklich gut. So viel muss man da vielleicht nicht kürzen.

Was mit Leonie und Nisse passiert interessiert mich dann doch nicht, aber ich bin 23 Jahre alt und emotional abgestumpft.

Leider weiß ich nicht, ob meine Perspektive hier hilfreich ist aber ich würde schon mal sagen, Beschreibungen sind dein Ding.
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LilaGruen87
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

Alter: 32
Beiträge: 17
Wohnort: Ruhrgebiet


BeitragVerfasst am: 21.01.2020 09:29    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Minusmensch,

vielen Dank für dein Feedback! Ich freue mich sowohl über detaillierte Kleinarbeit als auch über den Gesamteindruck, den der Text hinterlassen hat.
Ich glaube, Geschichten für Kinder sind sowieso schwer zu beurteilen, wenn man nicht selbst ein Kind ist oder sich gut mit dieser Sparte auskennt. Oder aber auch jeden Tag unzählige Seiten davon vorliest.  

"weniger gelangweilt als erwartet" klingt schon mal ganz gut aus dem Mund eines emotional abgestumpften 23-jährigen Razz
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Boho
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling

Alter: 30
Beiträge: 124
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 21.01.2020 22:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo LilaGruen87,

als Kind hätte ich diese Geschichte mit Sicherheit gerne vorgelesen bekommen! smile Schön und kindgerecht geschrieben ist das - und die Rückblende hat mich auch nicht gestört...

Ach und wie schön, dass deine Tochter ihre eigene Geschichte von dir bekommen hat!!

LG Boho
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LilaGruen87
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

Alter: 32
Beiträge: 17
Wohnort: Ruhrgebiet


BeitragVerfasst am: 22.01.2020 09:23    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Boho,

danke für die nette Rückmeldung! Freut mich, wenn es dem Boho-Kind gefallen hätte wink
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