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Haushaltsauflösung


 
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Babella
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 57
Beiträge: 695

Das goldene Aufbruchstück Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 10.01.2020 19:00    Titel: Haushaltsauflösung eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Wäscheknöpfe. Dass es die noch gibt. So viele alte Wäscheknöpfe, sorgfältig abgetrennt von Bettbezügen, Kopfkissen und – ja, woran sind denn Wäscheknöpfe sonst? Wenn ich all diese wohlsortierten Knöpfe, die Nadeln und das Garn mit nach Hause nehme, habe ich davon für mein Leben genug.
Aus dem Wohnzimmer dringt Musik. Was spielt sie da? Mendelssohn, soso. Warum muss sie jetzt spielen? Spekuliert sie etwa auf das Klavier und will mir zeigen, dass sie es bedienen kann? Das Klavier wirkt verstimmt und wie heiser, aus der Übung gekommen. Sie macht Fehler, verhaspelt sich, die Übung fehlt auch ihr, aber unverkennbar eins der Lieder ohne Worte von Mendelssohn. Es ist eins der Stücke, die zusammen mit dem schmalen Lichtstreif unter der geschlossenen Tür hindurch in mein Schlafzimmer drangen, wenn meine Mutter abends musizierte und ich schon schlafen sollte. Die Töne umfingen mich wie eine zärtliche Umarmung und jetzt, wo ich alle Stacheln aufgestellt habe, tragen sie mich, stolpernd und gegen meinen Willen, aus der Zeit.
Steffi hatte schon mit fünf Klavierstunden. Da, wieder ein Misston. Steffi, scheint meine Mutter aus der Küche zu rufen, Fis! Fis!
Wir haben uns vor der Haustür nicht angesehen. Wir sind auseinandergegangen, als hätten wir es so verabredet, sie in die Küche, ich nach oben, die schmale, gewundene Treppe hinauf, die ich früher hochgestürmt und dann am Geländer heruntergerutscht bin und die mir jetzt eng und unwegsam vorkommt.
Ich spüre Steffis Anwesenheit im Rücken, obwohl sie in der Etage unter mir ist. Es ist dieses Gefühl, das ich habe, wenn jemand auf der Straße hinter mir geht: Die Schritte laufen mir über das Rückgrat wie Ameisen, nein, eher wie Mäuse, Mäuse können auch senkrecht nach oben gehen. Sie wollen nirgendwo hin, sie laufen wie auf einem Laufband, sie reizen mich, es ist unangenehm, ich wechsle die Straßenseite.
Aber das geht jetzt nicht. Wir werden miteinander reden müssen. Ich habe mich in letzter Zeit manchmal gefragt, ob ich es versuche. Vielleicht habe ich es sogar gewollt. Aber ich habe es nicht gekonnt. Alles war zerbrochen, sehr endgültig. Man muss loslassen können, oder? Kann man ein Kind mit Mendelssohn in den Schlaf wiegen und ihm später sagen, dass man es nicht mehr sehen will? Ja, das kann man. Es waren keine Wiegenlieder für mich. Die Worte haben immer gefehlt, die Botschaften kamen auf anderen Wegen und zogen sich zusammen zu einem einzigen Du störst.
Der Korb mit den Reißverschlüssen, Zierstreifen, Aufnähflicken, Gardinenbändern, Schnüren. Die alte Nähmaschine, noch aufgebaut, sogar der Stecker ist in der Dose. Ein kleiner Stapel Wäsche, sehr akkurat gefaltet. Obenauf ein Kissenbezug, so hingelegt, dass man die gelöste Naht gleich sieht. Keine Knöpfe. Ich ziehe ihn auf links.
Jetzt hat sie aufgehört zu spielen. Schritte. Dann hört man das helle Klappern von Geschirr, das aneinander stößt. Ich sehe sie vor mir, wie sie mit ihren spitzen Fingern die Tellerstapel anhebt. Wahrscheinlich schaut sie, ob sie Sprünge haben, vielleicht klopft sie mit den Finger auf die Unterseite, um zu hören, ob der Ton stumpf ist, was auf verborgene Risse hinweist. Das wäre typisch Steffi.
Sie ist kleiner geworden und krumm, es hat mich erschreckt, das zu sehen. Der Nacken scheint sich nach oben gezogen und der Kopf zwischen die Schultern gesunken zu sein; der Rücken macht eine ungesunde Biegung. Ich überrage sie. Sie, meine große Schwester.
Sie hat mich einmal im Kinderwagen vor die Tür geschoben in der Hoffnung, jemand würde mich stehlen. Manchmal sperrte sie mich auf dem kleinen Balkon aus, auf den ich jetzt schaue, ich kann nicht auf Balkonen stehen, ohne einen Fuß zwischen der Tür zu haben, ich kann Balkone eigentlich überhaupt nicht leiden.
Ich spanne den Kissenbezug ein. Die Maschine schnurrt wie frisch geölt. Ich fahre an der Naht entlang. Die Garnfarbe passt nicht, und der Stoff dehnt sich, es wird Dellen geben. Wieder Mäuse im Rücken, und Stimmen, die in meinem Innern verwachsen sind wie ein Geschwür. Das wird zammelig. Konzentrier dich doch mal, Usch.
Ich stehe auf, verlasse das Zimmer, das mal meins war. Ich öffne die Tür zu dem Raum, der das Elternschlafzimmer gewesen ist, als die Eltern noch ein Paar waren, und erwarte Trostlosigkeit. Aber es ist ganz anders. Es umfängt mich um meine aufgestellten Stacheln herum ein Wohlbefinden, es überwältigt mich geradezu. Regale bis zur Decke, offensichtlich eine Maßanfertigung, edle Regale voller Bücher und Figuren, Bilder und allerlei Dingen, die man Staubfänger oder Stehrümchen nennen könnte, wenn sie nicht so kunstvoll arrangiert worden wären, als sei eine Innenarchitektin am Werk gewesen. Nur die Staubschicht erinnert daran, dass der Raum nicht mehr lebt. In der Mitte ein einzelner Sessel mit Tisch und Leselampe: Eine Insel.
Ein Sehnsuchtsort wie in meinen Träumen. Ich möchte hierbleiben. Ich möchte an den Regalen entlangstreichen, den Kopf schief zum Lesen der Buchrücken, möchte in diesem Sessel sitzen, eine dampfende Tasse Tee auf den Tisch neben mir, ich möchte die Welt aussperren, die Zeit vergessen. Ein Staubtuch nehmen und liebevoll die kleinen Porzellanfiguren abstauben und zurechtstellen. Ohne Ungeduld, ohne Blick auf die Uhr.
Schritte auf der Treppe. Zwei Stufen, drei, die Schritte klingen mühsam, irgendwie enttäuscht, oder bilde ich mir das ein? Stille.
Sie ist wohl umgekehrt. Ich höre wieder den alten Dielenboden knarren, dann eine quietschende Tür, sie will wohl in den Keller.
Vielleicht will sie nicht so gern allein nach unten. Steffi, die immer voraus ging, für die ich immer das Küken war, das sie, je nach Stimmung, herumkommandierte, beschützte oder verspottete, vielleicht möchte sie nicht so gern da unten allein sein. Der Keller war immer so groß. Der Vorratsraum mit dem Weinregal und der Kartoffelschütte, die Waschküche und der Raum, den wir nicht betreten durften.
Der Raum gehörte unserem Vater. Er war dort, wenn sich die Gelegenheit bot, und wenn sich sein Gesicht in eine Maske aus Zornes- oder Kummerfalten verzog, so genau wussten wir das nicht, aber wir kannten diesen Ausdruck sehr gut, nur der Ausgang war ungewiss, wenn wir Glück hatten machte er sich auf den Weg nach unten zu seiner Modelleisenbahn. Ausgerechnet in den Keller. Ganz selten einmal gab es die Erlaubnis, die Züge, Bahnhöfe und Landschaften zu bewundern, die er dort mit unendlicher Geduld und Liebe zum Detail aufgebaut hatte.
Die Pflanzen auf der Fensterbank sind vertrocknet. Die Gießkanne, die zwischen den Töpfen steht, ist noch gefüllt. Ich gieße, vermutlich ist das vergebliche Liebesmüh, aber das ist eben typisch für mich, ich zupfe ein paar Blätter ab und werfe einen Blick in den Garten. Er wirkt verwildert, aber es ist noch alles da: Der kleine Teich, die Terrasse mit der Sitzgruppe, der Apfelbaum. Wie groß er geworden ist. Er blüht.
Man hat es uns halt nie gesagt. Man hat uns nie gesagt, warum er stets ein Glas Wasser vor sich stehen, eine Flasche Wasser mit sich führen musste. Man hat uns nie gesagt, warum er geschlossene Türen nicht haben konnte, warum er nicht Aufzug fuhr, warum er auf den Vorschlag, eine Höhle zu besichtigen, panisch reagierte. Man hat uns nicht gesagt, warum er an manchen Tagen ein Fremder war, der sich nur zufällig zu uns verirrt hatte. Ein Fremder, der seine eigenen Kinder in den Abstellraum sperrte und anschrie, sie würden nie wieder etwas zu essen bekommen. Ein Fremder, der seine Kinder, wenn sie weinten, aus dem Zimmer schickte statt sie zu trösten, ein Fremder an der Seite einer Fremden, die aus der Fassung geriet, wenn ein Saucenfleck auf dem Tischtuch war.
Man reimt sich etwas zusammen, und irgendwann ist es zu spät zu fragen. Man geht, weil man es nicht erträgt, und muss sich später dafür schämen. Und man kann noch nicht einmal mit der einzigen Schwester reden, die man hat.
Ich streiche an den Regalen entlang, jetzt, als würde ich mir meine Träume erfüllen: Wann, wenn nicht jetzt. Die Bücher scheinen mich erstaunt anzuschauen und wirken wie ertappt. Wir sind hier! Wir, die Worte! Hörst du uns zu? In uns sind die Schmerzen dieser Welt auf Hochglanz poliert verfügbar. Es gäbe uns nicht ohne diese Schmerzen. Es gäbe uns nicht ohne Scherben, ohne Tränen, ohne Streit. Und schau her, wir überdauern all das. Wir sind da. Uns störst du nicht.
Von unten kommt ein Poltern und lässt die Bücher verstummen. Ich gehe in das Zimmer hinüber, das früher Steffis war. Aha, hier hatte sie ihr Schlafzimmer. Das Bett ist zerwühlt, der Nachttisch voller Medikamente, schmutziger Gläser, Brillenetuis. Zerknüllte Taschentücher überall. Ein paar Kleidungsstücke liegen herum, der Kleiderschrank steht offen, alles schreit nach einer frischen Wäsche mit tüchtig Weichspüler darin, Frühlingsduft aus der Flasche, Apfelbaumblüte. Als hätte sie auch ihre Hilflosigkeit arrangiert, als ein letztes Statement.
Ich richte das Bett. Die Kleiderstücke sammle ich ein und stopfe sie in den Wäschekorb, als wollte ich gleich in den Keller und eine Maschine anwerfen.
Von unten höre ich jetzt einen echten Lärm. Zerspringendes Glas. Noch einmal. Noch einmal.
Polterabend, sagt es in mir, lauter Abschied und zärtlicher Neubeginn, nichts ist exakt gefaltet und fehlerfrei vom Blatt gespielt, Worte sind nicht nötig. Bei jeder Stufe, die ich abwärts gehe, wird die Frage in mir leiser, ob ich das jetzt will und wie lang der Wunsch, die Mauer einzureißen, vorhalten wird. Etwas in mir zerspringt mit diesem Klirren, etwas in mir findet seinen Weg.
Es stinkt hier unten. Faul, nach Essig, modrig, schimmelig mit einer sonderbaren, unappetitlichen Süße. Steffi hält eine dunkelgrüne Flasche in die Höhe, bewegungslos starrt sie mich an. Eine silbrige Haarsträhne liegt über ihrem Gesicht wie ein Riss. Ich bahne mir einen Weg durch Scherben und Pfützen, nehme ihr die Flasche ab und  umarme meine kleine, große, krumme Schwester.

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silke-k-weiler
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 45
Beiträge: 239



BeitragVerfasst am: 21.01.2020 13:00    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Text,

bereits beim ersten Lesen wusste ich: Du bist es! In so vielen liebevollen, schmerzhaften und doch auch unaufgeregten und gütigen Details wird eine Familiengeschichte umrissen, aufgearbeitet und das Thema für mich umgesetzt. Das hat mich sehr berührt und ich lasse Dir, mich verneigend, zwölf wohlverdiente Punkte zurück.

Herzlichst,
Silke
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Kiara
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 40
Beiträge: 1008
Wohnort: bayerisch-Schwaben


BeitragVerfasst am: 21.01.2020 21:12    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Der erste Eindruck des Textes meinerseits, rein subjektiv natürlich, bitte nicht überbewerten.

Ein schöner Text. Mir fällt nicht viel dazu ein, ich finde ihn etwas träge, was aber wohl sogar gewollt ist.

Diese Geschichte, in der sich die Kinder im Elternhaus wiedersehen, gibt es, wie du sicherlich ebenfalls bemerkt hast, in ähnlicher Form, aber mit zwei Söhnen. Das macht eine Bewertung nicht einfacher. Zudem gehen auch andere Geschichten in diese Richtung, gut, es bot sich auch an.

Als E-Literatur einordnen kann man den Text, wenn man die Handlungen und Erfahrungen der Frauen versucht, zu vervollständigen. Man kann darüber nachdenken, doch irgendwie will es mir persönlich nicht gelingen. Mir hat die Geschichte einfach zu wenig gegeben, auch wenn mir einige Formulierungen und Gedanken gut gefallen.

Für Punkte in diesem umkämpften Wettbewerb reicht dein Text leider nicht aus, jedenfalls nicht für meinen Geschmack.

Lieblingsauszug: "Man reimt sich etwas zusammen, und irgendwann ist es zu spät zu fragen."

Liebe Grüße


_________________
- Das Mahnmal (2019)
- Band 2 (2020)
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Ribanna
Geschlecht:weiblichHobbyautor

Alter: 56
Beiträge: 352
Wohnort: am schönen Rhein...


BeitragVerfasst am: 22.01.2020 07:58    Titel: Antworten mit Zitat

Sehr intensiv. Sehr schön geschrieben.

_________________
Wenn Du einen Garten hast und eine Bibliothek wird es Dir an nichts fehlen.
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Anoa
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 62
Beiträge: 152
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 22.01.2020 09:18    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber G I,

was ist denn das für eine gute Geschichte? Die hat mir den Tagesanfang verschönert.

Hast Du schon mal was veröffentlicht? Du schreibst sehr gut.

Danke und liebe Grüße!


_________________
Mona Ullrich, Berlin
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Boho
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling

Alter: 30
Beiträge: 124
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 22.01.2020 12:12    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe*r Verfasser*in,

ein sehr, sehr schöner Text ist das! Er berührt mich, ich fühle mit, sehe mich auch plötzlich in diesem Haus stehen. Würde gerne noch mehr über die Prota und ihre kleine, große, krumme Schwester erfahren.

Außerdem hast du das Kintsugi meiner Meinung nach sehr schön und feinfühlig umgesetzt. Das (wieder) Annähern der beiden Schwestern wird sehr vorsichtig beschrieben, der Goldlack ist hier nicht so offensichtlich draufgeklatscht wie in manchen der anderen Wettbewerbsbeiträgen. Das mag ich.

Sprachlich auch sehr, sehr schön!

Also: ich habe nichts zu Beanstanden, bin begeistert, kann aber trotzdem "nur" acht Punkte vergeben, weil mich zwei andere Texte noch ein kleines bisschen mehr überzeugt haben.

LG Boho
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hobbes
Geschlecht:weiblichTretbootliteratin


Beiträge: 3322

Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
Ei 4 Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 22.01.2020 21:44    Titel: Antworten mit Zitat

Oh fein. Eine Lieblingsgeschichte.

Und wie schade, dass mir nicht mehr dazu einfällt. Also eigentlich ist das gut, denn wenn mir etwas einfällt, sind das meist Dinge, die mir nicht gefallen.
Hier fände sich zur Not wohl auch etwas von diesen Dingen (gerade am Anfang meinte ich, ein paar Holperer und Stolperer zu lesen), aber mei. Ist mir gerade egal.

Und eventuell fällt mir beim nächsten Lesen ja doch noch etwas ein.

...

Ja, das tut es. Beim nächsten Lesen bin ich ein wenig ungeduldig mit der Geschichte. Vielleicht, weil mir zu viel drumherum ist, zu viel Wäsche, Teller, Musik, Mäuse, es scheint mir, als wolle Prota sich ablenken. Als gäbe es eigentlich etwas anderes, dringenderes zu tun, aber das mag sie nicht angehen, sie lenkt sich lieber mit der Wäsche ab.
Na ja, so ist es ja auch.
Irgendwie scheint mir der Text einfach nicht zur Sache zu kommen. Und das ist ja vielleicht gerade der Witz bzw. das, was du beschreiben willst, aber hm.
Vielleicht ist mein Problem, dass die Prota nicht wirklich fassbar ist. Entwindet sich, verschwindet, jetzt, denkt man und dann flutscht sie doch wieder weg.

So ganz schlüssig ist es mir auch nicht. Mit was wirft die Schwester da im Keller eigentlich um sich? Warum gerade im Keller? Wegen der Eisenbahn? Was passiert denn jetzt? Reicht das schon, eine Umarmung, dass sie zu ihr geht? Ist das genug, dafür, dass sich was tut?
Vielleicht tut sich auch nichts, muss ja nicht sein.

Aber irgendwie ist es mir am Ende dann doch zu wenig.
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schreiberlinga
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Beiträge: 81



BeitragVerfasst am: 23.01.2020 02:54    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe die Wettbewerbstexte in der Regel nur einmal durchgelesen. Mein Kommentar darunter ist also eine ziemlich spontane Reaktion. Ich hoffe, dass du trotzdem - oder gerade deswegen - von meinem ersten Eindruck profitierst.

Der Text ist inhaltlich und visuell dicht geschrieben. Ich empfand ihn etwas bedrückend aber auch berührend. Der Schluss war überraschend aber enthält doch ein Happy End.
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Literättin
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BeitragVerfasst am: 23.01.2020 07:32    Titel: Antworten mit Zitat

Ein leiser Text, ein Thema, das in diesem Wettbewerb häufiger vertreten ist, sodass ich einige Texte erst einmal für mich im Kopf auseinander dividieren muss nach dem ersten Lesedurchgang, um sie wieder identifizieren zu können.

Hier sind es also die Schwestern. Das Gespräch findet ohne Worte statt. Die Blicke der Schwester kriechen der Protagonistin den Rücken hinauf. Und beide rödeln und kramen so vor sich hin, bis die kleine, krumme, große Schwester randaliert. Und ich kann dem Text was abgewinnen: es wird tatsächlich eine ganze Familienkonstellation mit all den kleinen und großen Schwierigkeiten und Verletzungen in Szene gesetzt und das auf eine feine leise Art auch wenn zum Schluss die Trümmer nur so herumfliegen. Die Vergangenheit, sie bleibt dabei kein fremdes Land, ich muss noch zusehen, ob ich das Kintsugi-Moment finde. Und auch hier: die Versöhnung berührt, auch wenn sie fast vorhersehbar und auch fast ein wenig zu betulich wirkt. Ich glaube fast, es ist total schwierig, versöhnliche Texte zu schreiben - in diesem Wettbewerb stehe ich ja vor einigen solchen, aber ich mag es, wie sie es doch schaffen, etwas zum klingen zu bringen, das heute im echten Leben eher kaum noch anzutreffen ist. Auch hier: wo dieser Text landet, das steht noch nicht fest. Das wird sich zeigen.


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when I cannot sing my heart
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- John Lennon -

Christ wird nicht derjenige, der meint, dass "es Gott gibt", sondern derjenige, der begonnen hat zu glauben, dass Gott die Liebe ist.
- Tomás Halík -

Im günstigsten Fall führt literarisches Schreiben und lesen zu Erkenntnis.
- Marlene Streeruwitz - (Danke Rübenach für diesen Tipp.)
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V.K.B.
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Alter: 47
Beiträge: 2269
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Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 23.01.2020 20:50    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,
vorweg ein paar spontane Lesegedanken:

Zitat:
und jetzt, wo ich alle Stacheln aufgestellt habe, tragen sie mich, stolpernd und gegen meinen Willen, aus der Zeit.
Schöne Formulierung, gefällt mir.

Zitat:
Es waren keine Wiegenlieder für mich. Die Worte haben immer gefehlt, die Botschaften kamen auf anderen Wegen und zogen sich zusammen zu einem einzigen Du störst.
It's a pass, denke ich hier. Also in Bezug auf E und das Kriterium der Ungewöhnlichkeit.

Zitat:
Nur die Staubschicht erinnert daran, dass der Raum nicht mehr lebt. In der Mitte ein einzelner Sessel mit Tisch und Leselampe: Eine Insel.
Ein Sehnsuchtsort wie in meinen Träumen. Ich möchte hierbleiben. Ich möchte an den Regalen entlangstreichen, den Kopf schief zum Lesen der Buchrücken, möchte in diesem Sessel sitzen, eine dampfende Tasse Tee auf den Tisch neben mir, ich möchte die Welt aussperren, die Zeit vergessen.
Wow, tolle Passage, ich fühle mich gerade genauso, das kommt wirklich gut rüber.

Zitat:
Die Bücher scheinen mich erstaunt anzuschauen und wirken wie ertappt. Wir sind hier! Wir, die Worte! Hörst du uns zu? In uns sind die Schmerzen dieser Welt auf Hochglanz poliert verfügbar. Es gäbe uns nicht ohne diese Schmerzen. Es gäbe uns nicht ohne Scherben, ohne Tränen, ohne Streit. Und schau her, wir überdauern all das. Wir sind da. Uns störst du nicht.
Ehrfurchtsvolle Sprachlosigkeit. Etwas zu pathetisch, dachte ich erst, aber der letzte Satz reißt es raus, und wie! (In meinem Kopfaudiosystem höre ich hier gerade Cirice von Ghost anklingen. Gänsehaut pur.)doch beim zweiten Lesen erscheint mir die Stelle gerade doch etwas zu aufgesetzt. Vielleicht auch tagesformabhängig.

Insgesamt: Wow, für mich eine der stärksten Geschichten des Wettbewerbs. Ungewöhnlich genug ist es geschrieben, um auch dieses KO-Kriterium zu erfüllen. Zum Thema "Vergangenheit ist ein fremdes Land" brauche ich wohl nichts zu sagen. Da wird nicht groß drüber rumgeschwafelt, das ist einfach da. Show not tell wie es sein sollte, fernab des üblichen "»Blablabla«. Er leckte seinen Ellenbogen"-Unfugs. Großes emotionales Kino, aber Arthouse statt Cinemax. Gefällt mir sehr. Bleibt auch genug offen zur eigenen Interpretation, z.B. über die Familie und besonders den Vater. Bücher als auf Hochglanz polierter Schmerz. Die ganze Geschichte ein Monument von Trostlosigkeit, und doch am Ende der Versuch einer Versöhnung, inmitten von Scherben. Ob diese gelingt, bleibt offen. Was allerdings ein bisschen fehlt, ist der Goldlack, das Hervorheben der Makel als etwas Gutes. Aber die Geschichte bietet ansonsten durchaus genug, das wieder wettzumachen. Auch wenn ich erst die Hälfte der Texte gelesen habe, ganz klar einer meiner Favoriten, allerdings nur im gelben Bereich, weil sich ein paar andere Texte getraut haben, sich weiter von der konventionellen Schreibweise zu entfernen als du.  Schade, dass der Titel relativ einfallslos und generisch geblieben ist, der würde nämlich auch noch über mindestens zwei andere Geschichten hier passen. Andererseits, für mich bisher die Haushaltsauflösungsgeschichte des Wettbewerbs.

Du bist bestimmt wahrscheinlich bei meinen Punkten dabei, aber die verteile ich erst, wenn ich alles gelesen habe. es tut mir sehr leid, dass nur noch so wenige übrig sind. Das liegt hauptsächlich daran, dass die grünen Texte, die die fundamentale Vorgabe des Wettbewerbs besser umsetzen, Vorrang haben. Selbst mir mir persönlich die gelben oft besser gefallen haben als die grünen. Aber es geht ja um das Beschreiten neuer literarischer Wege und nicht um meinen persönlichen Geschmack.

Vielen Dank für diesen tollen Beitrag,
Veith

Abschließend, nach ewigem einigem hin und her Überlegen, wüsteste Flüche über den Wettbewerb ausstoßen, Tischkanten zerbeißen und das gesamte Dictionnaire Infernal rauf und runterbeschwören, landet deine Geschichte im gelben Bereich und erfüllt damit die Anforderungen an den Wettbewerb, wie ich sie momentan verstehe, teilweise. Sie landet auf Platz 8 meiner Top Ten und erhält damit 3 Punkte.


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traumLos
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BeitragVerfasst am: 24.01.2020 17:14    Titel: Antworten mit Zitat

Dein Text gefällt mir sehr. Aber ich kann leider nicht erkennen, wo hier eine Kommunikation stattfindet. Das beidseitige Aussenden und Empfangen von wie auch immer gearteten Signalen. Selbst die Umarmung am Schluss bleibt ein einseitiger Akt.

Leider 0 Punkte


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Kojote
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BeitragVerfasst am: 25.01.2020 13:31    Titel: Antworten mit Zitat

In diesem Text, finde ich, geht der Inhalt ein wenig zulasten der Spannung. Es wird so viel erzählt, so viele Nomen werden aufgezählt, dass ich keinen klaren Eindruck über die Handlung erhalte und rasch nicht weiterlesen möchte.

Ein paar Punkte hast du dir verdient. Nichts Großes, aber immerhin. Danke fürs Schreiben.


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Catalina
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BeitragVerfasst am: 26.01.2020 13:36    Titel: Antworten mit Zitat

Zwei Schwestern begehen nach dem Tod ihrer Mutter das Haus ihrer Kindheit. Es werden immer mehr Verletzungen, Enttäuschungen, Traumatisierungen von früher deutlich. Subtil zeigt sich aber auch Verständnis, die Schuldfrage wird nicht gestellt. Zum Schluss nähern sich die beiden Schwestern, die lange keinen Kontakt mehr hatten - sicherlich auch aufgrund der schwierigen Familiensituation - an.

"Die Vergangenheit ist ein fremdes Land". Für wen trifft das hier zu? Für die Protagonistin? Fern ja, aber warum fremd?

Zwei Menschen an einem Ort, die nicht miteinander reden. Hier habe ich etwas gezögert, weil das "zusammen an einem Ort" irgendwie nicht wirklich passt. Aber dann dachte ich, dass es eine eigentlich eine sehr interessante Umsetzung ist, die einzige dieser Art in diesem Wettbewerb.

Kintsugi, ich bin mir nicht sicher. Viele Risse sind da (schön: das Klopfen gegen die Teller), aber wo ist das goldene Klebemittel? Ok, da sind - im Text versteckt - irgendwo noch die Bücher, eine Parabel zum Leben, die nicht halb so viel wert wären, wären sie nicht voll mit Leid und Tränen. Aber allein dieser eingeschobene Gedanke ist mir zu wenig. Wenn er in der Geschichte wieder aufgegriffen wird, habe ich nicht verstanden bzw. bemerkt.

Dein Stil ist... ach, was soll's: wunderschön, trifft es für mich am besten. An anderer Stelle hatte ich hier dem Verfasser vorgeschlagen, doch mal neue Wege zu gehen. Hier will ich das nicht, weil alles -  wenn auch nicht frisch, experimentell oder besonders-  so schön stimmig ist. Und berührend.

Dieser Text hat mich ganz unglaublich berührt. Der Kummer, die Traumatisierungen, das versöhnliche Ende. Das "Schwäche zeigen" der Schwester, das eine Mauer zum Einstürzen bringt.

Du wertest nicht, es gibt nicht nur schwarz und weiß. Du bist sehr subtil in Deinen Anspielungen und gerade deswegen schlagen sie bei mir großflächig ein. Kompliment.

Ich lese eine auch eine ganz leise Botschaft und bin mir gar nicht sicher, ob sie beabsichtigt ist: Wir sind alle - zumindest zum großen Teil - die Summe unserer Erfahrungen.

Ohne Vorgaben wäre Deine Geschichte unter meinen drei Favoriten. So bin ich mir nicht sicher, ob es noch für Punkte reicht.

Li
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a.no-nym
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BeitragVerfasst am: 26.01.2020 22:53    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, lieber Inko,

dies ist einer meiner Lieblingstexte in diesem Wettbewerb – einer von der Sorte, die für sich stehen und sicher noch öfter Besuch von mir bekommen ... Da ist kein Wort zu viel – und keins zu wenig. (Einzige kleine Ausnahme ist in meinen Augen die Stelle, an der die Bücher in dem Lesezimmer anfangen, lebendig zu werden. Das wirkt für mich ein wenig aufgesetzt, so als hätte der Autor sich noch einmal vergewissern wollen, die Vorgabe bezüglich des Kintsugi auch wirklich zu erfüllen - dabei wäre das m.E. gar nicht nötig gewesen, die Vorgaben sind allesamt erfüllt und für mich ist dies einer der Texte, denen auch dann nichts fehlt, wenn man sich die Vorgaben wegdenkt!)

Mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen
a.
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gold
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BeitragVerfasst am: 26.01.2020 23:11    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Inco, dein Text gefällt mir bereits beim zweiten Lesedurchgang und ich muss überlegen, ob er noch Platz bei meinen Favoriten hat.

Die Vorgaben: Die Vergangenheit ist fremd. (Man wusste nicht, was der Vater für ein Trauma hatte.)


Die Schwester betont ihren Makel, den die Protagonistin am Ende repariert. Es bleibt ungewiss, wodurch die Schwester die Verletzung erhalten hatte.

Lieber Inco,

folgende Stelle hat für mich etwas Rührendes:
Zitat:
Ich bahne mir einen Weg durch Scherben und Pfützen, nehme ihr die Flasche ab und umarme meine kleine, große, krumme Schwester.
Exclamation


Liebe Grüße
gold


_________________
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BeitragVerfasst am: 27.01.2020 22:12    Titel: Antworten mit Zitat

Positiv finde ich, dass das Version 2 ist. Davon gibt es nicht so viele im Wettbewerb.

Dennoch ist mir der Text zu gesprächig. Und wirkt konstruiert auf mich, im Hinblick auf die Vorgaben. Mir fehlt wieder etwas, das darüber hinaus geht, durchaus auch offen bleibt.

Schwestern, die sich auseinander gelebt haben, finden bei der Haushaltsauflösung des Elternhauses wieder zueinander. Vielleicht ist mir das zu wenig, interessiert mich nicht so sehr, oder ich glaube mal wieder den Text nicht.
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Michel
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BeitragVerfasst am: 28.01.2020 13:52    Titel: Antworten mit Zitat

Die mag ich. Das ist so menschlich und berührend und lebensnah und realistisch, auch wenn ich beim ersten Mal nicht durchkam. Bin wohl nichts Gutes mehr gewöhnt.
Fremdes Land: Das Haus, von allen vier Familienmitgliedern bewohnt. Kintsugi: Gebrochen ist hier eine ganze Menge, nicht nur die Flaschen im Keller: Die Ehe, die Beziehung zu den Eltern, die Verbindung zur Schwester. Und Goldkitt gibt es auch mindestens zweimal. E? Für mich ja, im Fokus auf die Figuren, in der Realitätsnähe (definitiv keine Genre-Lit), in der Sprachführung. Und der versöhnliche Blick auf Schwester und Eltern, das Ahnen einer Geschichte dahinter, das fügt sich zu einer soliden Goldschicht über al den Rissen.


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holg
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Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 28.01.2020 18:39    Titel: Antworten mit Zitat

Missgünstige Schwester durchstöbert auf von ihrer älteren Schwester getrennten Wegen die Wohnung der verstorbenen Mutter. Erinnerungen an die Vergangenheit werden wach (Schwesternbeziehnungen, grübelnder, jähzorniger Vater, stocksteife, kalte Mutter). Übersprungshandlungen führen zu einer Umarmung. Alte Rollenverteilungen werden aufgebrochen. Die Möglichkeit einer Annäherung scheint gegeben.

Die Vorgaben sehe ich sehr gut umgesetzt.
Die Story ist schlicht und alltäglich. Womöglich macht gerade das ihren Reiz aus, denn die Erzählweise passt dazu. Ruhig, besonnen, in authentisch wirkenden Bildern.

Auf jeden Fall vorne mit dabei.


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Froh zu sein bedarf es wenig.
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DLurie
Geschlecht:männlichSchreiberling


Beiträge: 164
Wohnort: Zwischen den Stühlen
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BeitragVerfasst am: 29.01.2020 10:10    Titel: Antworten mit Zitat

Klarer Bezug zum Thema. Gute Umsetzung.
Die Vergangenheit, die in Teilen geheimnisvoll und fremd bleibt und bleiben wird, die sich der nachträglichen Erklärung immer wieder entzieht. Berührend das Verhältnis der Geschwister, der Wunsch, die Sprachlosigkeit zu überwinden
und aus dem Hamsterrad der Vorwürfe auszubrechen. Auch das Ende überzeugt.

Oberes Drittel: 8 Punkte.

LG
DLurie
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Jenni
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3936

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 29.01.2020 23:43    Titel: Antworten mit Zitat

Und nochmal zwei Geschwister, die das Haus der verstorbenen Eltern ausräumen und sich darüber einander annähern. Dieser hier gefällt mir besser. Weil er nicht auf plakative Gewalttraumata setzt, sondern auf eine individuelle und differenzierte Vergangenheitsgeschichte. Und weil die Figuren, und zwar beide, die Erzählerin und die Schwester im anderen Raum, mir dreidimensional werden. Das finde ich sogar besonders gelungen: Dass du aus Sicht der einen Schwester schreibst, und man dennoch ihre Perspektive nicht als die einzige erlebt, man sie vielmehr geneigt ist in Frage zu stellen. Mir jedenfalls tat die Schwester leid, die vielleicht gerne klavierspielt oder sich über die Musik erinnert und damit einen unversöhnlichen Gedanken heraufbeschwört, sie wolle Anspruch auf das Klavier erheben. Ja, die beiden werden für mich lebendig, das gefällt mir. Thema „Vergangenheit ist ein fremdes Land“, das kann ich unter jeden zweiten Text schreiben, sehe ich mit einer Vergangenheit, die vergangen ist, und an die sich nur ungenau erinnert wird, nicht hundertprozentig erfüllt. Kintsugi, ja da sind schon einige Risse, tatsächliche und metaphorische, und die werden letztlich durch Versöhnlichkeit geflickt.
3 Punkte dafür.
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Lalanie
Geschlecht:weiblichSchreiberassi


Beiträge: 58
Wohnort: Bayern


BeitragVerfasst am: 01.02.2020 23:17    Titel: Antworten mit Zitat

Da ich ein Neuling in diesem Forum bin, folge ich dem Ratschlag eines Mitglieds und schreibe nur einen Kommentar ohne Bewertung – ich hoffe, das wird mir nicht übelgenommen.
Du hast einen wunderbaren Text geschaffen, der einen seltenen und berührenden Tiefgang hat. Es geschieht eigentlich nicht viel und doch gleichzeitig immens viel, wie es eben bei einer Haushaltsauflösung der Fall ist. Die Figuren sind wunderbar gezeichnet, interessant und vielschichtig. Die Eltern erscheinen grausam, Steffi auch, die Hauptfigur scheint die einzig Normale zu sein, ihr ist es gelungen, ihre Vergangenheit zu kitten, und daher vermag sie es nun auch, die Versöhnung mit ihrer Schwester in die Tat umzusetzen. Das Kintsugiprinzip sehe ich damit ganz deutlich; wunderbar umgesetzt hast Du es im Stil auch noch mit der Haarsträhne als Riss. die Wortlosigkeit hast Du auch sehr oft wunderbar dargestellt, die Bücher als Kontrast dazu aufgeführt. Die Vergangenheit als fremdes Land habe ich nicht ganz erkannt, aber das ist für mich, glaube ich, in der ganzen Wunderbarkeit irgendwie untergegangen. Erhebend! Vielen Dank dafür!
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poetnick
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 58
Beiträge: 572
Wohnort: Möglichkeiten


BeitragVerfasst am: 02.02.2020 16:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Unbekannt,

dieser Text ist nicht in meine Wertung eingegangen; unter der Vielzahl der Geschichten habe ich andere favorisiert.
Somit möchte ich an dieser Stelle keine Bewertung ausdrücken. Vielen Dank!

LG - Poetnick


_________________
Wortlos ging er hinein,
schweigend lauschte er der Stille
und kam sprachlos heraus
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