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Sperrgebiet


 
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DLurie
Geschlecht:männlichSchreiberling


Beiträge: 164
Wohnort: Zwischen den Stühlen
DSFo-Sponsor Pokapro V & Lezepo III


BeitragVerfasst am: 10.01.2020 19:00    Titel: Sperrgebiet eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Sperrgebiet

Josef sitzt im Wohnzimmer seines Vaters auf einem der klobigen Ledersessel und wartet auf seinen Zwillingsbruder. Warum ist Karl überhaupt angereist?, fragt er sich. Von so weit her, aus Amerika, wohin er nach dem Studium ausgewandert war. Er lässt sich nur zu den Beerdigungen blicken, das letzte Mal vor fünfzehn Jahren, als Mutter starb. Bis auf regelmäßige, knappe Geburtstagsgrüße per Postkarte gab er all die Jahre kaum ein Lebenszeichen von sich. Vorgestern, auf der Beerdigung des Vaters, haben sie keine fünf Sätze miteinander gewechselt. Und warum hat er sich nicht bei ihm einquartiert, sondern im Hotel? Wegen des Erbes ist er wohl kaum gekommen. Geld hat Karl genug. Und er - Josef - könnte das Haus des Vaters auch alleine verkaufen und ihm dann seinen Anteil überweisen. Was der Bruder wohl will?
Josef steht auf, geht zu der wuchtigen Schrankwand aus Eichenholz und holt wahllos eines der Fotoalben aus dem Regal. Für jeden gemeinsamen Familienurlaub haben die Eltern solch ein Album angelegt. Er öffnet den Einband. Dänemark 1975, Insel Fur steht auf dem Deckblatt in der peniblen Handschrift seiner Mutter.
Es klingelt an der Haustüre, er legt das Album auf den Couchtisch und öffnet.
Karl nickt nur wortlos zum Gruß, Josef bittet ihn herein, sie gehen durch den dunklen Flur ins Wohnzimmer. Karl blickt sich um.
»Hier hat er also gelebt, der Alte. Mein Gott, was ist das düster.« Er reibt sich die Hände. »Und kalt.«
Er spricht mit einem kaum merklichen amerikanischen Akzent. Und er sieht gut aus, findet Josef. Der getrimmte Bart steht ihm. Ohne den Bart wären sie nicht leicht auseinander zu halten, zumindest äußerlich.
»Setz dich doch erst mal. Willst du einen Kaffee? Soll ich die Heizung anstellen?«
Karl schüttelt den Kopf, lässt sich auf die Couch fallen und weist mit dem Zeigefinger in den Raum.
»Ist was dabei, was zu mehr taugt als zu Brennholz? Wenn nicht, schlage ich vor, den ganzen Krempel an Selbstabholer zu verschenken. Und dann beauftragen wir einen Makler, der die Bude verkauft. Die Wohnlage ist ja nicht schlecht, soweit ich das beurteilen kann. Ich denke, wir werden das Haus schnell loswerden.«
»Deshalb bist du gekommen, Karl?«
»Weshalb sonst? Ich kann dich doch nicht alles alleine machen lassen.«
Bisher hast du dich doch auch um nichts gekümmert, denkt Josef. Die Organisation der Betreuung und Pflege, die Beerdigung: Du hast dich komplett raus gehalten. Aber dies ist nicht der Moment für Vorhaltungen, er ist froh, dass Karl überhaupt erschienen ist. Er setzt sich neben den Bruder, greift nach dem Fotoalbum und schlägt es auf.
»Sieh mal. Dänemark, Insel Fur. Da: Wir beide am Strand. Was war die Ostsee kalt! Und da: Vater kauft Aale auf dem Dorfmarkt. Da waren wir elf.«
Karl wirft einen kurzen Blick auf die Fotos und wendet sich direkt wieder ab.
»Ich war nie elf.«
»Wie meinst du das?«
»Ich war damals schon viel älter. Notgedrungen. Nicht an Jahren, mental. Aber lassen wir das.«
Josef legt das Album beiseite, sieht den Bruder an, doch der weicht seinem Blick aus, starrt auf seine Füße. Wie fremd wir uns geworden sind, denkt Josef. Dabei hat er sich alle Mühe gegeben, den Kontakt aufrecht zu erhalten. Hat Karl lange und sehr persönliche Briefe geschrieben. Doch das Echo war stets gleich null.
Karl zeigt auf das Album.
»An die Aale erinnere ich mich gut. Du kennst die Geschichte nicht, du warst über Mittag mit den Nachbarkindern zum Minigolf unterwegs. Ich hatte keine Lust mitzukommen, weil ich immer nur verloren habe. Der Alte hatte den Aal in Stücke geschnitten, paniert und in die Pfanne gelegt. Die Stücke haben im heißen Öl gezuckt und gezappelt. Ich war entsetzt. Die leben ja noch! Quatsch!, hat er gesagt und mich ausgelacht. Dann hat er mich gezwungen, die Viecher zu essen, obwohl ich mich fürchterlich ekelte. Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt! Ich würgte, musste mich übergeben, kotzte den halben Küchenboden voll, und dafür setzte es die übliche Strafe. Den Ledergürtel. Dann ließ er mich alles aufwischen. Ich weiß noch, wie ich mir dabei vorgestellt habe, dass er in der kalten Ostsee ersäuft.«
Das mit dem Album war keine gute Idee, denkt Josef.
»Wahrscheinlich…«, fährt Karl fort, »…würde mir zu jedem Familienurlaub eine ähnliche Episode einfallen. Du verstehst, dass mir nicht der Sinn danach steht, in Erinnerungen zu schwelgen.«
Josef nickt.
»Ja, er war ein harter Brocken, unser Vater.«
» Ein Prügler war er. Und ein Tyrann.«
Die alte Pendeluhr in der Ecke schlägt 11:00 Uhr, dann tritt wieder Stille ein, unterbrochen nur durch das heisere Bellen eines Hundes in der Ferne. Josef geht zum Fenster, schiebt die angegilbte Häkelgardine ein Stück beiseite und sieht nach draußen in den kleinen, durch eine hohe Ligusterhecke zur Straße hin begrenzten Vorgarten. Die Felder jenseits der Straße liegen im Novembernebel.
Er wendet er sich Karl zu.
»Vor etwa einem Monat hat er mir erzählt, was ihm als Junge widerfahren ist. Zum ersten Mal. Da lag er schon auf der Intensivstation.«
Karl blickt ihn fragend an.
»Die Flucht aus Ostpreußen«, erklärt Josef. »Der eisige Winter 44/45. Er ist zwölf Jahre alt. Auf ihrem Vormarsch gen Westen überholt die Rote Armee die Flüchtlingstrecks. Mit dem Viehwagen ziehen sie von Lager zu Lager. Er, sein jüngerer Bruder, seine Mutter.
Der jüngere Bruder schreit im Schlaf, zittert vor Angst, vor Hunger und Kälte. Vater legt sich zu ihm, schließt ihn in die Arme, um ihn zu wärmen. Morgens muss er mit anderen Überlebenden die Leichen der über Nacht Erfrorenen oder Verhungerten aus den Baracken holen und draußen aufschichten wie Brennholz. Seine Mutter wird vergewaltigt, er will sie beschützen, zwei Rotarmisten halten ihn fest, während ein dritter über sie herfällt. All das hat er mir berichtet, mit der Stimme eines unbeteiligten Chronisten.«
Josef hält inne, schluckt.
»Warum erzählst du mir das?«, fragt Karl. Er scheint unbeeindruckt.
»Er musste sich hart machen, um zu überleben«, antwortet Josef. »Wer weiß, was aus uns geworden wäre, wenn wir das erlebt hätten. Und dann, in den Nachkriegsjahren, nicht etwa Therapie, sondern Wiederaufbau.«
Karl schlägt mit der flachen Hand auf den Couchtisch.
»Es gibt keine Entschuldigung! Nicht alle Opfer werden zu Tätern. Das ist mir zu einfach.«
»Ich will nichts entschuldigen, Karl. Ich will verstehen, suche Erklärungen.«
Sein Bruder winkt ab.
»Lass mich zufrieden damit! Das ist schon der halbe Weg zur Entschuldigung.«
Josef ist ratlos. Als Kinder waren sie unzertrennlich. Bis in die späte Jugendzeit, als Karl begann, sich abzusondern.
»Ich wollte nur vergessen«, sagt sein Bruder leise.
»Du bist einfach weggelaufen, Karl. Soweit wie möglich. Hast alles verdrängt.«
«Stimmt, damals bin ich einfach weggelaufen. Ich konnte nicht anders, als alle Brücken einzureißen. Auch die zu dir.«
«Bist du denn glücklich?«
«Ich bin zufrieden, bin zur Ruhe gekommen. Das reicht mir. Und der Alte…irgendwann war er mir egal. Wie ein Fremder, verstehst du?«
«Der eigene Vater ist nie ein Fremder. Und dieser ganze Müll am Grund der Seele. Der muss doch irgendwie entsorgt werden. Sonst vergiftet er dich.«
«Ich hab ihn versiegelt, den Müll, und dann tief in mich versenkt. Ein Endlager; ich hoffe, es hält dicht, bis ich das Zeitliche segne. Ich weiß, du hast einen anderen Weg gewählt. Nach deinen Briefen zu urteilen, hast du dich ja ordentlich durchtherapieren lassen. Hast deine Narben sorgfältig gepflegt über die Jahre.«
«Mach dich nicht lustig über mich! Mir haben die Therapien sehr geholfen. Was ist denn mit deinen Narben?«
Karl zuckt mit den Schultern.
«Narben bleiben Narben. Ersatz, minderwertiges Gewebe, hässlich, taub und brüchig. Manchmal auch schmerzend.«
«Aber die Narben sind ein Teil von dir. Ignorier das nicht!«
«Ich ignoriere die Narben nicht. Ich weiß, dass sie da sind, will mich aber möglichst wenig mit ihnen beschäftigen. Und es liegt mir völlig fern, sie irgendwie zu verbrämen, meine Versehrtheit zur Stärke umzudichten. Für mich ist die Vergangenheit wie ein Minenfeld. Während du dich an die Entschärfung der Minen gewagt hast, habe ich einen hohen Zaun um das Feld gezogen. Aus Stacheldraht und mit riesigen Warnschildern. Habe die Gegend zum Sperrgebiet erklärt und dann verlassen. Jeder nach seiner Façon, nach seinen Möglichkeiten.«
Josef sieht erneut aus dem Fenster. Der Nebel hat sich gelichtet, einige fahle Sonnenstrahlen dringen ins Zimmer. Der Hund kläfft nicht mehr.
«Übrigens tat es ihm leid. Ganz am Ende.«
«Was tat ihm leid?«
«Ich war zu hart zu euch, zu dir und zu deinem Bruder und auch zu eurer Mutter, hat er gesagt. Einige Tage vor seinem Tod.«
«Verdammt späte Reue«, sagt Karl.
Josef nickt. Er fühlt sich erschöpft, geht langsam zum Couchtisch, nimmt das Fotoalbum und stellt es wieder ins Regal.
Karl erhebt sich und kommt auf ihn zu.
«Das Hotel…«, beginnt er.
«Ja? Was ist damit?«
«Es gefällt mir nicht besonders. Ich würde gerne auf dein Angebot zurückkommen, bei dir zu wohnen, bis wir alles hier erledigt haben. Wir könnten zusammen Schach spielen. Wie früher.«
«Gerne«, sagt Josef erfreut. «Ich habe sogar noch das Brett, auf dem wir als Kinder gespielt haben.«

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Ribanna
Geschlecht:weiblichHobbyautor

Alter: 56
Beiträge: 349
Wohnort: am schönen Rhein...


BeitragVerfasst am: 21.01.2020 14:42    Titel: Antworten mit Zitat

Der Text ist schön, erscheint mir persönlich aber auch nach mehrmaligem Lesen nicht ganz schlüssig.
Sollten die beiden Brüder wirklich vorher nicht gewusst haben, dass ihr Vater aus Ostpreußen stammt und geflohen ist? Ich habe das über meine Mutter gewusst, da war ich vielleicht sechs oder sieben.

Die zweite Frage ist, ob das tatsächlich ein Grund für Josefs Versöhnlichkeit sein kann, mir erscheint das unglaubwürdig.

Außerdem finde ich die Sprache der beiden zu analytisch. Sicher gibt es Menschen, die so reden, sicher auch in ähnlichen Situationen. Aber in meinen Augen passt es nicht.


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Wenn Du einen Garten hast und eine Bibliothek wird es Dir an nichts fehlen.
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schreiberlinga
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 81



BeitragVerfasst am: 21.01.2020 15:22    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe die Wettbewerbstexte in der Regel nur einmal durchgelesen. Mein Kommentar darunter ist also eine ziemlich spontane Reaktion. Ich hoffe, dass du trotzdem - oder gerade deswegen - von meinem ersten Eindruck profitierst.

Diese Geschichte gefällt mir sehr. Die Brüder reden offen darüber, wie sie die gemeinsame Vergangenheit verarbeiten oder eben "verarbeiten". Das kommt sicher in vielen Familien vor. Ich fand es jedenfalls berührend.
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Kiara
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 40
Beiträge: 1002
Wohnort: bayerisch-Schwaben


BeitragVerfasst am: 22.01.2020 18:30    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Der erste Eindruck des Textes meinerseits, rein subjektiv natürlich, bitte nicht überbewerten.

Eine weitere Geschichte mit ähnlicher Struktur - dass jemand anderes auf die selbe Idee, aber mit Schwestern kam, dafür kannst du nichts.
Ich hingegen versuche es mit frischem Elan.
Also. Reset, durchatmen, ganz unbedarft herangehen,  uuuund los.

Die unterschiedlichen Brüder kommen gut zur Geltung. Ich finde, dass der Text gut geschrieben ist, er lässt sich angenehm lesen.

Dass Karl so verbittert ist und sich abschottet, ist glaubhaft. Unglaubhaft finde ich sein Einlenken am Ende, wo er doch die gesamte Zeit nur von seinen Narben und dem "Sperrgebiet" redet. Da kommt die Einsicht, dass dies ja nichts mit dem Bruder zu tun hat, zu schnell für meinen Geschmack.

Im Allgemeinen finde ich den Abschnitt zu lange, während die Brüder sich im Kreis drehen. Mir fehlt da etwas einschneidendes, ein weiteres Erlebnis, woraufhin Karl einsieht, dass es nicht nur um seine Erfahrungen von damals geht, sondern dass er auch einen Bruder hat, der auf seiner Seite steht, mit dem es sich lohnt, Kontakt zu haben.

Mir hätte es hier kürzer besser gefallen, mehr Interpretationsraum bevorzugt, siehe das Zitat am Ende. So etwas hätte gereicht. Das mag ich, dass hätte auch den Anteil der geforderten E-Literatur begünstigt.

Hoffentlich nimmst du mir meine Offenheit nicht übel. Du hast ja Herzblut in deine Geschichte gesteckt, und ich belohne das nicht. Der Text ist gut, doch es reicht nicht für die wenigen zu vergebenden Punkte. Dafür sind andere einfach zu stark und bei den verbleibenden habe ich mich anders entschieden.

Lieblingsausschnitt: "Für mich ist die Vergangenheit wie ein Minenfeld. Während du dich an die Entschärfung der Minen gewagt hast, habe ich einen hohen Zaun um das Feld gezogen. Aus Stacheldraht und mit riesigen Warnschildern. Habe die Gegend zum Sperrgebiet erklärt und dann verlassen."

Liebe Grüße


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V.K.B.
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Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 22.01.2020 22:04    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,
vorweg ein paar spontane Lesegedanken:

Zitat:
»Du bist einfach weggelaufen, Karl. Soweit wie möglich. Hast alles verdrängt.«
Kann ich ihm gerade nicht sonderlich übel nehmen.

Zitat:
Und es liegt mir völlig fern, sie irgendwie zu verbrämen, meine Versehrtheit zur Stärke umzudichten. Für mich ist die Vergangenheit wie ein Minenfeld. Während du dich an die Entschärfung der Minen gewagt hast, habe ich einen hohen Zaun um das Feld gezogen.
Hu, das ist jetzt aber Themenumsetzung mit dem Vorschlaghammer …

Zu den Vorgaben, zuerst die Themenumsetzung: Thema Vergangenheit finde ich gelungen. Das Kintsugi-Konzept klingt auch durch. Insgesamt ein Text, der mir sehr gefallen hat. Kommen wir jetzt aber zum großen Aber: Das ist Unterhaltungsliteratur. Da ist nichts sperrig, mehrdeutig, interpretationsbedürftig. Kann man so runterlesen, mitfühlen, für gut befinden, aber das war's dann auch. Versteh mich nicht falsch, Unterhaltungsliteratur ist nichts minderwertiges und kann auch ernste Themen behandeln, aber gehört eben nicht in diesen Wettbewerb (musste ich auch schon einige Male selbst einstecken). Aufgrund der Anmerkungen im Faden über Bewertung habe ich mich dieses Jahr auch entschlossen, die E-Vorgabe wirklich extrem und quasi fundamentalistisch auszulegen. Und von daher muss ich deinen Text leider aus der Wertung nehmen, so schwer mir das fällt. Es sollte ja hauptsächlich darum gehen, sich literarisch auf neue Wege zu begeben, und ich kann in deinem Text nicht genügend Experimentelles finden, um auch nur einen Alibipunkt in der FUNDAMENTAL wichtigen Kategorie zu vergeben.

Trotzdem gerne gelesen,
Veith

Abschließend, nach ewigem einigem hin und her Überlegen, wüsteste Flüche über den Wettbewerb ausstoßen, Tischkanten zerbeißen und das gesamte Dictionnaire Infernal rauf und runterbeschwören, landet deine Geschichte im roten Bereich und erfüllt damit die Anforderungen an den Wettbewerb, wie ich sie momentan verstehe, nicht. Sie kommt zur Punktevergabe deshalb auch nicht in Frage. Tut mir leid, aber der Zehntausender ist nun mal ein Wettbewerb für besondere Literatur, die sich auf neue Pfade wagt, und nicht für Unterhaltungsliteratur. Da spielt es dann auch keine Rolle, wie gut mir persönlich eine Geschichte gefällt.


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Warning: Cthulhu may occasionally scare people …
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Literättin
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BeitragVerfasst am: 23.01.2020 07:25    Titel: Antworten mit Zitat

Vorneweg: wenn ich einen Text kritisiere, beschreibe ich in erster Linie, was vom Text bei mir ankommt und was es auslöst. Sollten dabei auch einmal harte Worte fallen, so sind es dennoch beschreibende, nicht verurteilende, hämische oder verachtende. Ich kritisiere nicht in satter Selbstzufriedenheit. Immerhin sind mir selbst schon Texte aus der Feder geflossen, die daneben gingen. Und das sind zunächst einmal die meisten meiner Texte oder Texte-im-Entstehen.

                                                                                *




Ja, schon, aber ... hier geht mir das alles zu glatt: des Tyrannenvaters Tod, der Bruderzwist, das Kriegstrauma hinterm Familien-Urlaubsidyll, die quasi belehrende Therapiesitzung der Brüder, heimliche, unausgesprochene Vorwürfe hin, offen ausgesprochene Anwürfe zurück und am Ende der Schritt zur Versöhnung mit alldem, einschließlich mit dem Toten Vater. Selbst die Narben Schrunden, die Risse, die Narben werden gekittet ... sollten sie ja auch, laut Aufgabe - hier ist mir das allerdings zu abgehakt, der Reihe nach. Und wirkt ein bisschen wie eine solide hingeschriebene Fleißarbeit in Sachen Vergangenheitsbewältigung: zu schnell, zu glatt, zu vorhersehbar.


_________________
when I cannot sing my heart
I can only speak my mind
- John Lennon -

Christ wird nicht derjenige, der meint, dass "es Gott gibt", sondern derjenige, der begonnen hat zu glauben, dass Gott die Liebe ist.
- Tomás Halík -

Im günstigsten Fall führt literarisches Schreiben und lesen zu Erkenntnis.
- Marlene Streeruwitz - (Danke Rübenach für diesen Tipp.)
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hobbes
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Beiträge: 3322

Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
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BeitragVerfasst am: 24.01.2020 12:19    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Warum ist Karl überhaupt angereist?, fragt er sich. Von so weit her, aus Amerika, wohin er nach dem Studium ausgewandert war. Er lässt sich nur zu den Beerdigungen blicken, das letzte Mal vor fünfzehn Jahren, als Mutter starb.

Too much information, denke ich spontan. Wobei es natürlich schon ein bisschen vermessen ist, hier von einem Infodump zu sprechen, aber tendenziell sind das zu viele Infos gleich am Anfang, die man sicher gar nicht unbedingt gleich haben müsste oder - wenn es unbedingt sein muss, wenigstens etwas dezenter verpackt?
Ich habe so jedenfalls gleich mal das Gefühl, die Welt den Text erklärt zu bekommen. Ich will aber lieber selbst herausfinden, was es mit dem Text auf sich hat.

Zitat:
Ist was dabei, was zu mehr taugt als zu Brennholz?

Echt sympathischer Kerl, dieser Bruder Rolling Eyes

Zitat:
Aber dies ist nicht der Moment für Vorhaltungen, er ist froh, dass Karl überhaupt erschienen ist.

Warum?

Zitat:
Dann hat er mich gezwungen, die Viecher zu essen, obwohl ich mich fürchterlich ekelte. Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt! Ich würgte, musste mich übergeben, kotzte den halben Küchenboden voll, und dafür setzte es die übliche Strafe. Den Ledergürtel. Dann ließ er mich alles aufwischen. Ich weiß noch, wie ich mir dabei vorgestellt habe, dass er in der kalten Ostsee ersäuft.

Das ist so eine Stelle, an der das mit too much information auch wieder eintrifft. Noch dazu so relativ klischeehaft formuliert. Klar, denke ich, das muss da jetzt rein, damit Leserin mitfühlt. Oder entsetzt ist. Oder irgendwas halt.
Funktioniert nur nicht. Unter anderem weil es so demonstrativ geschieht.

Oh, und die schlimme Vergangenheit des Vaters, die kommt natürlich auch dazu. Verfestigt den Eindruck von "diese Geschichte habe ich schon ein Mal zu oft gelesen."

Und dieser Bruder, also Josef, der geht mir dann leider auch auf die Nerven. Müll am Grund der Seele, ja ja. Auf deine Briefe hätte ich vermutlich auch nicht geantwortet, du wärst mir mit diesem betonten "ich bin der Gute, ich fühle mit, ich entschuldige, ich verstehe, ich weiß, was zu tun ist" ziemlich auf die Nerven gegangen.

Oh und dann, zack, alles wieder gut. Oder na ja, zumindest ein Anfang gemacht.

Nein, Geschichte. Das wird nichts mit uns beiden.
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silke-k-weiler
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Alter: 45
Beiträge: 237



BeitragVerfasst am: 24.01.2020 18:10    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Text,

ich habe Dich gerne gelesen und habe auch nicht wirklich etwas an Dir auszusetzen, doch im Endeffekt bist Du bei mir leer ausgegangen.
Es war eine schwierige Entscheidung, weil einige Texte in eine ähnliche Richtung wie Du gehen, sodass für mich letztendlich die emotionale Komponente ausschlaggebend war. Ich will damit nicht sagen, dass Du mich gar nicht gepackt hast, andere Texte taten es hingegen mehr. Dennoch sehe ich in Dir das Thema umgesetzt, und das gar nicht mal schlecht. Ich bin mir sicher, dass Du Deine Punkte bekommen wirst.

Herzlichst,
Silke
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MoL
Geschlecht:weiblichQuelle


Beiträge: 1425
Wohnort: NRW
Das bronzene Stundenglas


BeitragVerfasst am: 25.01.2020 00:35    Titel: Antworten mit Zitat

Oi!

Lieber Inko (Michel?),

eine wirklich tolle Idee!

Das mit dem Pickel... also ehrlich... braucht es immer auch was Ekliges?

Na ja, egal.

Also:
Gespräch: check!
Zeit/Ort: check!
E-Lit: Nun, was sollte es sonst sein?

Schauen wir mal; sofern ich überhaupt bepunkte, gibt es sicherlich welche! Smile

Wird er überleben?

Pluspunkt für das Wortspiel! Smile


_________________
"Hexenherz - Eisiger Zorn", acabus Verlag, Februar 2017.
"Die große acabus-Jubiläumsanthologie", acabus Verlag, Oktober 2018.
"Hexenherz - Glühender Hass", acabus Verlag, Januar 2019.
NEU - NEU - NEU:
"Die Tote in der Tränenburg", Alea Libris, 31. Oktober 2019.
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holg
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Beiträge: 1503
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Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 25.01.2020 12:01    Titel: Antworten mit Zitat

Nicht jeder Text über ein ernstes Thema ist E-Literatur.
Auch dieser hier nicht. Sicher, das Thema Generationentraumata ist ernst und wichtig. Die Frage nach Schuld und Verantwortung ist lange nicht ausdiskutiert, aber hier macht sich das der Text sehr einfach.
Nach zu langem Erzählteil am Anfang hämmert er sein Anliegen so offensichtlich und eindimensional auf den Tisch, dass das Lesen echt mühsam wird.
Ja, eine ungekannte Vergangenheit wird thematisiert, aber all die wahrscheinlichen Verstrickungen, Verletzungen, Verarbeitungen werden sehr plakativ und unterkomplex auf wenige, nicht gerade subtil vorgebrachte Aspekte verkürzt.
Kintsugi als Philosophie, die Traumata, die Scheitern als Bausteine einer besseren Persönlichkeit (und Welt) betrachtet, sie akzeptiert und auf gewisse Art wertschätzt kann ich nicht erkennen.

Schade. Denn das Thema hätte es in sich.


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Froh zu sein bedarf es wenig.
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traumLos
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Beiträge: 375



BeitragVerfasst am: 27.01.2020 18:21    Titel: Antworten mit Zitat

Noch eine Geschichte vom Ausräumen und Wiederfinden. Vom Versuch, die Vergangenheit zu begreifen. Wieder eine gute erzählte Geschichte. Vom Sperren und doch Zuhören. Vom Verkaufen und von Einkehr.

Der 10.000er bietet Raum für solche Geschichten und doch nicht genug. Für die Veränderung bleibt nicht genug Zeit, sie sich entwickeln zu lassen. Der Wandel bei Karl, im Satz vorher ist es noch verdammt späte Reue und direkt darauf fragt er um ein Zimmer.

Leider 0 Punkte.


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Meine Beiträge geben nur meine Meinung wieder. Jede Einbeziehung realer oder fiktiver Personen wäre nur ein Angebot. Zwinkersmiley
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Catalina
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BeitragVerfasst am: 27.01.2020 20:08    Titel: Antworten mit Zitat

Zwei Brüder, wohl eineiige Zwillinge, treffen sich nach dem Tod ihres tyrannischen Vaters in dessen Haus. Ihre Kindheit war wegen der Härte des Vaters nicht leicht, aber die Brüder haben sehr konträre Wege gesucht, damit umzugehen. Karl hat alle Brücken abgebrochen. Selbst bei seinem Zwillingsbruder hat er sich nicht mehr gemeldet. Er hat versucht, alles so gut es geht zu verdrängen. Sein Bruder Josef ist geblieben, hat seine Kindheit mit professioneller Hilfe verarbeitet und konnte am Ende sogar Verständnis für den Vater aufbringen.

Für Karl ist die Vergangenheit zum fremden Land geworden, das er nicht mehr betreten will. Dennoch gibt es eine vorsichtige Annäherung der Brüder.

Kintsugi fließt ein, wenn Karl von verbrämenden (was für ein Wort, das kenne ich gar nicht mehr) Narben redet - die auf Josef ja gewissermaßen zutreffen.

Sehr schön an Deinem Text finde ich, wie Du die beiden unterschiedlichen Arten des Umgangs mit der Vergangenheit wertfrei nebeneinander stehen lässt. Und so enthält die Geschichte für mich auch eine Botschaft: jedem nach seiner Fasson und was für den einen funktioniert, tut es nicht zwingend für den anderen.

Dein Schreibstil scheint sehr sicher und geübt.

Deine Erzählung von den Kriegserlebnissen des Vaters bricht irgendwie ein wenig aus dem Text, da so informativ und lange. Wie wäre der Text, wenn Du diese Stelle entweder subtiler hältst, oder aber ganz bewusst mit ihr und ihrem besonderen Part spielst?

---
Aufgrund Deiner deutlichen Umsetzung der Vorgaben hat es noch auf Platz acht gereicht.

Mi
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Boho
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BeitragVerfasst am: 28.01.2020 12:21    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe*r Verfasser*in,

irgendetwas fehlt mir in dem Text, gefesselt hat er mich nicht so richtig und das Ende fand ich auch ziemlich vorhersehbar. Aber die Vorgaben sind hier für mich erfüllt (bei vielen Texten fehlt mir das Kintsugi, welches ich hier erkennen kann), daher gibt's hier wohl doch Punkte. Liest sich auch flüssig...

LG Boho
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Michel
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Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 28.01.2020 13:54    Titel: Antworten mit Zitat

Zwei Brüder treffen sich, um den Haushalt des verstorbenen Vaters aufzulösen. Der eine hat sich gegen traumatische Erinnerungen komplett abgeschottet, der andere versucht, damit zu leben. Harte Auseinandersetzung von Seiten des Verdrängers, fast verzweifelter Versuch des anderen, über alte Zeiten ins Gespräch zu kommen, die alte Einigkeit wieder zu finden.
Der Goldlack am Schluss kommt mir zu plötzlich. Das fühlt sich, entschuldige den Ausdruck, ein wenig an, als ob man Ketchup über ein verbranntes Steak schmiert. Oder besser: Zuckersirup. Das passt nicht mit dem Rest zusammen, den ich eigentlich gelungen finde.
Formale Kriterien sind erfüllt: Kintsugi-Anmutung drin. Gespräch zwischen zwei Personen. Einheit des Raums und der Zeit.
Ist das nun E? Das Thema legt es nahe, hier wird kein Genre geschrieben. Aber u.a. durch den überraschend versöhnlichen Schluss wirkt der Text auf mich nicht gebrochen und vielschichtig.


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Ab November 2019 im Handel: "Shevon", erster Band der Flüchtlings-Chroniken
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Kojote
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BeitragVerfasst am: 28.01.2020 14:19    Titel: Antworten mit Zitat

Nicht übel. Allerdings hätte ich mir einige präzisere und ausführlichere Personenbeschreibungen gewünscht.

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Kojote – zu allem fähig, zu nichts zu gebrauchen!
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firstoffertio
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Das bronzene Stundenglas Der goldene Spiegel - Lyrik (1)
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BeitragVerfasst am: 28.01.2020 21:15    Titel: Antworten mit Zitat

Auch hier habe ich leider das Gefuehl, Derartiges schon oefters gelesen zu haben.
Sicher routiniert geschrieben, aber der Text regt mich nicht zum Nachdenken an.
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Jenni
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Beiträge: 3936

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 29.01.2020 23:47    Titel: Antworten mit Zitat

Zwillingsbrüder und Söhne eines kürzlich verstorbenen gewalttätigen Vaters. Einer sucht etwas über die Vergangenheit des Vaters zu erfahren, versucht zu verstehen und zu verzeihen, und betrachtet die eigene Vergangenheit als elementaren Teil seines Selbst. Der andere ist unversöhnlich, hat sich distanziert und die Vergangenheit zum „Sperrgebiet“ erklärt, das er nicht mehr anrühren möchte. Nur zu einer Annäherung an den Bruder ist er am Ende bereit. Und damit ist die Geschichte schön rund und zu Ende. Und an der Resonanz fehlt es mir dann leider, am Nachklang, am über die eigentliche Geschichte hinaus erzählen. Das Thema ist umgesetzt, Kintsugi auch, obwohl der Text sich selbst zu wenig traut, um mir das nicht auch deutlich erklären zu müssen. Erzählt ist das schon routiniert und nicht langweilig, aber mit einem Hang dazu, überzuerklären. Ein Punktekandidat ist es für mich in diesem Wettbewerb eher nicht.
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a.no-nym
Hobbyautor


Beiträge: 382



BeitragVerfasst am: 01.02.2020 00:47    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, lieber Inko,

Dein Text liest sich auf den ersten Blick beinahe wie eine Zwillingsgeschichte zu einem anderen Wettbewerbstext ("Haushaltsauflösung"). Und doch gehen beide Texte auf ihre ganz eigene Art mit dem Thema um.

Jeder Zwillingsbruder hat seinen Umgang mit den prägenden Kindheitserlebnissen gesucht und gefunden. Der eine hat versucht, Abstand zu schaffen und nach vorne zu schauen, der andere ist geblieben, hat sich gekümmert, sich der Vergangenheit und der Gegenwart gestellt. Durch die unterschiedlichen Reaktionen sind sie einander fremd geworden und wünschen sich offenbar doch, die Verbundenheit wiederzufinden.  Am Ende bleibt die Frage, ob ein Weg besser ist als der andere – und wohl auch die, was Geschwister füreinander sind und sein könnten. Nach meinem Verständnis könnten die Zwillingsbrüder auch für die innere Zerrissenheit ein und derselben Person stehen.

Kleinkram: Teile des Dialogs wirkten in meinen Augen etwas aufgesetzt; das zufällig immer gerade zur Handlung passende Wetter hat mich eher irritiert.

Die Vorgaben betrachte ich als erfüllt.

Mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen
a.
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Lalanie
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Beiträge: 58
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BeitragVerfasst am: 02.02.2020 00:34    Titel: Antworten mit Zitat

Da ich ein Neuling in diesem Forum bin, folge ich dem Ratschlag eines Mitglieds und schreibe nur einen Kommentar ohne Bewertung – ich hoffe, das wird mir nicht übelgenommen.
Dein Text gefällt mir sehr. Er fließt ruhig dahin, obgleich die Thematik keine leichte ist und den Leser emotional mitnimmt. Mir gefällt besonders, wie Du die verschiedenen Seiten der Charaktere darstellst, die verstehen lassen, wie es zu den negativen Auswüchsen im Verhalten kommen kann. Dein Stil ist äußerst angenehm zu lesen, man vergisst dabei beinahe, dass man liest, es erscheint einem, als wäre man in einer anderen Realität und man kann sich sehr gut mit Josef identifizieren. Der Titel ist sehr gut gewählt, die psychologischen Bilder zu den Traumata der Zwillingsbrüder gelungen. Die Vergangenheit als fremdes Land ist mit dem Bild der Urlaube, der räumlichen Distanz zwischen den beiden Brüdern und dem Vater als Fremdem gut aufgegriffen. Wie Du das Kintsugiprinzip zwischen den Brüdern thematisierst, ohne dass es zu plakativ wirkt, finde ich genial, und man freut sich als Leser, dass es am Ende doch noch gelingt und tatsächlich in die Tat umgesetzt wird, und zwar von Karl, von dem man es nicht erwartet hätte. Seltsamerweise hat mich die letzte Zeile etwas enttäuscht, da sie mir zu banal für den Rest der Geschichte erschien. Ich hätte die Geschichte nach Karls Aussage enden lassen. Aber das tut dem Ganzen trotzdem keinen Abbruch. Ich bin begeistert. Vielen Dank für diesen schönen Text!
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gold
Geschlecht:weiblichFlachmann-Preisträger

Alter: 67
Beiträge: 6254
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BeitragVerfasst am: 02.02.2020 16:12    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inco,


m.E. hast du alle Vorgaben erfüllt. Da ist zum einen die für den einen Bruder (Josef) fremde Vergangenheit, dann die Verletzungen. Die Betonung davon, indem sie thematisiert werden. Und schließlich die Heilung, zumindest bei dem einen Bruder. Und es lässt sich so an, dass der andere Bruder (Karl) auf dem Weg  ist, geheilt zu werden.

Eine sehr eindrucksvolle Geschichte.

Liebe Grüße
gold


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poetnick
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Beiträge: 572
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BeitragVerfasst am: 02.02.2020 17:32    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Unbekannt,

dieser Text ist nicht in meine Wertung eingegangen; unter der Vielzahl der Geschichten habe ich andere favorisiert.
Somit möchte ich an dieser Stelle keine Bewertung ausdrücken. Vielen Dank!

LG - Poetnick


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Wortlos ging er hinein,
schweigend lauschte er der Stille
und kam sprachlos heraus
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DLurie
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BeitragVerfasst am: 04.02.2020 11:45    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Liebe Kommentatoren/innen,

herzlichen Dank fürs Lesen und Kommentieren!
 
Leider komme ich aus privaten Gründen mit klarem E(rnst)-Charakter aber ohne jegliche Originalität Embarassed im Moment nicht dazu, auf die einzelnen Anmerkungen detaillierter einzugehen.

LG
DLurie
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