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Kann für Sachlichkeit überhaupt garantiert werden?

 

 
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Mad Bull
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber

Alter: 48
Beiträge: 20



BeitragVerfasst am: 16.01.2020 19:16    Titel: Kann für Sachlichkeit überhaupt garantiert werden? eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Deutsches Schriftstellerforum,

mal eine einfache Frage:
Wir haben es in manchen Geschichten mit richtig abgründigen Dingen zu tun. Dinge, wo man hofft, dass sie in Wirklichkeit nie passieren werden. Emotionen von bleischwerer Trauer, abgrundtiefen Hass, epischen Triumphen.

Wie soll da ein Kritiker das noch sachlich wiedergeben?
Ich kann mir das einfach nicht vorstellen.
Was meint ihr?

Gruß Mad Bull


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Nicht alle Barbaren sind Analphabeten
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agu
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 45
Beiträge: 1853
Wohnort: deep down in the Brandenburger woods


BeitragVerfasst am: 16.01.2020 20:39    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Mad Bull,

meinst Du 'Kritiker' im Sinne einer Buchbesprechung?

LG Andrea


_________________
Meine Bücher:
Engelsbrut (2009 Sieben, 2011 LYX) | Engelsjagd (2010 Sieben) | Engelsdämmerung (2012 Sieben)
Die dunklen Farben des Lichts (2012, SP)
Purpurdämmern (2013, Ueberreuter)
Sonnenfänger (2013, Weltbild)
Kill Order (2013 Sieben)
Choice / als Chris Portman (2014, Rowohlt)
Wie man ein Löwenmäulchen zähmt / als Eva Lindbergh (2016, Droemer Knaur)
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Pickman
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 52
Beiträge: 604
Wohnort: Diaspora


BeitragVerfasst am: 17.01.2020 04:58    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Mad Bull,

was meinst Du mit "sachlich wiedergeben"? Zitieren? Paraphrasieren? Oder doch eher bewerten?

Cheers

Pickman


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"Damit sich alles erfüllt, damit ich mich weniger allein fühle, brauche ich nur noch eines zu wünschen: am Tag meiner Hinrichtung viele Zuschauer, die mich mit Schreien des Hasses empfangen." (Albert Camus: Der Fremde)
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Mad Bull
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber

Alter: 48
Beiträge: 20



BeitragVerfasst am: 17.01.2020 17:06    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Pickman, hallo agu,

ja, es geht um tiefe emotionale Empfindungen.
Wo die Kritiker und Testleser auch beschreiben was sie wirklich fühlen.
Ist das vielleicht nun klarer?

Grüsse


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Nicht alle Barbaren sind Analphabeten
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Pickman
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 52
Beiträge: 604
Wohnort: Diaspora


BeitragVerfasst am: 17.01.2020 18:23    Titel: Antworten mit Zitat

Nein, ich weiß immer noch nicht, was Du wissen möchtest.

Würde es Dir etwas ausmachen, eine vollständig ausformulierte Frage zu stellen?


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Willebroer
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 3007
Wohnort: OWL


BeitragVerfasst am: 17.01.2020 19:02    Titel: Antworten mit Zitat

Man könnte die Frage ganz einfach beantworten: Nein, kann es nicht.
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Babella
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 57
Beiträge: 697

Das goldene Aufbruchstück Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 17.01.2020 19:43    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn du jetzt vor mir säßest, würde ich das sagen, was ich solchen Fällen immer sage: "Was ist der Hintergrund deiner Frage?"

Aber eigentlich sitzt du ja hier gemütlich mit uns zusammen, also:

Was ist der Hintergrund deiner Frage?

Die kann man nämlich sehr kurz beantworten, wie schon geschehen, oder sehr lang. Da fällt mir der Titel von Carolin Emcke "Weil es sagbar ist" ein, und der von Susan Sontag "Das Leiden anderer betrachten", beide beschäftigen sich damit, wie man tiefes Leid zum Ausdruck bringt und was das mit einem macht, das zu lesen oder zu sehen. Mich haben diese Bücher sehr bewegt, ist das jetzt eine sachliche Aussage?

Und da erinnere ich mich an enthusiastische Rezensionen und ich schlage das Buch auf, das ich gerade im Anbruch habe: "Kritiken schreiben" von Stephan Porombka, und dann habe ich noch mehr Fragen an dich: Warum sollten Kritiken "sachlich" sein? Sind sie das?

Kritiken sollen einordnen, das große Ganze sehen. Das können sie gut machen oder schlecht, aber "sachlich"?

Vielleicht meinst du auch das, was Konstantin Wecker früher auf seinen Konzerten zu und über sein Publikum sagte: "... ein Opel-Kadett-Fahrer mit Hut und Prostatabeschwerden, ein paar Intellektuelle Marke 'aha! sehr interessant'": Meinst du, manche Bücher eignen sich nicht fürs Drüberstehen, und das sachliche Beschreiben täte genau das-?
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Pickman
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 52
Beiträge: 604
Wohnort: Diaspora


BeitragVerfasst am: 18.01.2020 08:11    Titel: Antworten mit Zitat

Babella hat Folgendes geschrieben:
Und da erinnere ich mich an enthusiastische Rezensionen und ich schlage das Buch auf, das ich gerade im Anbruch habe: "Kritiken schreiben" von Stephan Porombka, und dann habe ich noch mehr Fragen an dich: Warum sollten Kritiken "sachlich" sein? Sind sie das?

Kritiken sollen einordnen, das große Ganze sehen. Das können sie gut machen oder schlecht, aber "sachlich"?


Nun gut, gehen wir mal davon aus, dass die Frage lautet: "Kann eine Kritik sachlich sein?"

Die Antwort lautet nein. Kritik an einem literarischen Text - ich meine Kritik, die über eine Rechtschreibkorrektur hinausgeht - kann niemals sachlich sein. Wir können nicht einmal sicher sein, dass wir den Text überhaupt - vollständig und richtig - verstehen.

Der Autor schreibt ja mit einen Hintergrund, den wir niemals vollständig kennen können, und wenn er "Kaminfeuer", "hasten" oder "flaschengrün" in die Tastatur hackt, hat er möglicherweise etwas ganz Anderes im Sinn als wir mit unserem Hintergrund, wenn wir diese Wörter lesen. Welche Kaminfeuer, welche hastigen Bewegungen, welche grünen Flaschen hat er in seinem Leben gesehen? Welche wir? Wenn dann auch noch das Bewerten hinzukommt, wird es ganz haarig. Alles, was wir tun können ist, das Beste daraus zu machen, was immer das sein mag.


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Ribanna
Geschlecht:weiblichHobbyautor

Alter: 57
Beiträge: 373
Wohnort: am schönen Rhein...


BeitragVerfasst am: 18.01.2020 11:40    Titel: Antworten mit Zitat

Die Frage ist, ob ein Kritiker zur Sachlichkeit in deinem Sinne verpflichtet ist?

 Er bewertet/bespricht/rezensiert/kritisiert ja nicht die Gefühle, sondern die Darstellung davon, den schriftlichen Ausdruck.

Hat der Autor es geschafft, uns in die Abgründe mitzunehmen? Ist er in der Lage gewesen, uns die tiefe Verzweiflung nahe zu bringen? Kann man den abgrundtiefen Hass mit empfinden, vielleicht sogar verstehen?

Auch diese Aufgabe kann der Kritiker nur, Pickman hat es ja geschrieben, auf dem Hintergrund seiner eigenen Erfahrungen und Kenntnisse.


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Taranisa
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 50
Beiträge: 1057
Wohnort: Frankenberg/Eder


BeitragVerfasst am: 18.01.2020 11:45    Titel: Antworten mit Zitat

Ribanna hat Folgendes geschrieben:
Auch diese Aufgabe kann der Kritiker nur, Pickman hat es ja geschrieben, auf dem Hintergrund seiner eigenen Erfahrungen und Kenntnisse.

Richtig, denn auch, wenn jemand vorhat, unvoreingenommen und neutral einen Text zu rezensieren, fließt immer seine Persönlichkeit, sein über Jahre gebildeter Charakter ein. Und wenn es nur ist, dass die Hauptfigur den gleichen Namen trägt, wie jemand, den der Kritiker sehr mag oder ablehnt.


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"Henkersweib", Burgenwelt Verlag, ET 12/18
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Merlinor
Geschlecht:männlichArt & Brain

Alter: 68
Beiträge: 8017
Wohnort: Bayern
DSFo-Sponsor


BeitragVerfasst am: 18.01.2020 13:46    Titel: Antworten mit Zitat

Hm ...

Natürlich kann eine Kritik sachlich sein. Zumindest sehe ich das so: Ein Kritiker kann meiner Meinung nach sehr sachlich die Gefühle beschreiben, die ein Text in ihm auslöst. Er kann sehr sachlich seinen persönlichen Standpunkt wiedergeben, solange aus seinen Worten eindeutig klar wird, dass es sich um eine individuellen Standpunkt handelt. Wenn er einen persönlichen Standort hingegen zur allgemein gültigen "Wahrheit" erklärt, verlässt er diese Sachlichkeit. Wie in so vielen Bereichen macht im übrigen auch hier der Ton die Musik. Ein polemisch gehaltener Text wird keine Sachlichkeit für sich reklamieren können. Aber das will er auch nicht.

LG Merlinor


_________________
„Ich bin fromm geworden, weil ich zu Ende gedacht habe und nicht mehr weiter denken konnte.
Als Physiker sage ich Ihnen nach meinen Erforschungen des Atoms:
Es gibt keine Materie an sich, Geist ist der Urgrund der Materie.“

MAX PLANCK (1858-1947), Mailand, 1942
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Pickman
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 52
Beiträge: 604
Wohnort: Diaspora


BeitragVerfasst am: 18.01.2020 18:57    Titel: Antworten mit Zitat

Merlinor hat Folgendes geschrieben:
Natürlich kann eine Kritik sachlich sein. Zumindest sehe ich das so: Ein Kritiker kann meiner Meinung nach sehr sachlich die Gefühle beschreiben, die ein Text in ihm auslöst. Er kann sehr sachlich seinen persönlichen Standpunkt wiedergeben, solange aus seinen Worten eindeutig klar wird, dass es sich um eine individuellen Standpunkt handelt.


Wenn ich eine Sache, z. B. ein Buch, aus meiner Perspektive beschreibe und bewerte, mag meine Beschreibung/Bewertung im Bezug auf meine Perspektive sachlich (d. h. objektiv) sein (denn ich Beschreibe meine Perspektive auf etwas), im Bezug auf das Buch ist sie jedoch subjektiv (denn ein anderer könnte zu einem anderen Ergebnis kommen).


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Phenolphthalein
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1196

DSFo-Sponsor


BeitragVerfasst am: 18.01.2020 19:31    Titel: Re: Kann für Sachlichkeit überhaupt garantiert werden? Antworten mit Zitat

Mad Bull hat Folgendes geschrieben:

Wie soll da ein Kritiker das noch sachlich wiedergeben?
Ich kann mir das einfach nicht vorstellen.
Was meint ihr?


Hallo Mad Bull,

da muss ich nichts meinen.
Du schreibst von einem Kritiker und ein Kritiker kritisiert.

Schau dir die Definition einer Kritik (oder einer Rezension) an und du wirst lesen, dass es um eine Beurteilung und Bewertung geht.

Damit sollte die Frage beantwortet sein.

Zitat:
ja, es geht um tiefe emotionale Empfindungen.
Wo die Kritiker und Testleser auch beschreiben was sie wirklich fühlen.
Ist das vielleicht nun klarer?


Und auch hier liefert die Definition von Gefühl die Antwort.



VG,

Pheno

PS: Wenn du nur die Sachlage darstellst, schreibt du wohl eine Inhaltsangabe.


_________________
Willst du die Bescheidenheit des Bescheidenen prüfen, so forsche nicht, ob er Beifall verschmäht, sondern ob er den Tadel erträgt.

Franz Grillparzer
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