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Das Mädchen mit dem runden Gesicht


 

 
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Patrick Schuler
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 25
Beiträge: 498



BeitragVerfasst am: 13.01.2020 21:17    Titel: Das Mädchen mit dem runden Gesicht eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Neue Version »

Ich bin noch ein wenig lebendig. Wenn ich durch die Straßen ziehe, fühle ich das. Ein bischen glaube ich auch an die Liebe, wenn ich so alleine durch die Straße ziehe. Wenn ich zuhause hocke, und ich hocke oft zuhause, glaube ich nicht an die Liebe. Ich bin ja viel zu beschäftigt um an die Liebe zu glauben. Zumindest glaube ich, dass ich viel zu beschäftigt bin, um an die Liebe zu glauben. Ich weiß auch gar nicht, wie man das macht. An etwas zu glauben. Es stellt sich ein, sage ich dann immer, aber es stellt sich nicht ein, wenn ich zuhause sitze. Nur manchmal, da öffne ich meinen Schrank und in dem Schrank ist ein Gewehr versteckt, da glaube ich an das Gewehr. Ich sage dann ganz laut: "ich glaube an das Gewehr" und meine Mutter, bei der ich wohne, sagt dann immer: "an das Gewehr kann man doch nicht glauben, Kind. Du brauchst eine Frau, Kind, an die Liebe kann man ja glauben, aber an ein Gewehr?"

Ich weiß auch gar nicht, was das bedeutet. Wie glaubt man denn an ein Gewehr? Und warum ich gerade an dieses Gewehr glaube, weiß ich auch nicht. Vielleicht weil ich es sehe, vielleicht glaube ich gerade an dieses Gewehr, weil ich es sehen kann und weil ich weiß, wo es ist. Aber manchmal gehe ich raus. Ich gehe dann die Straße entlang, die von den Häusern wegführt. Und dann glaube ich auch an die Liebe. Ein bischen glaube ich an die Liebe, wenn die Häuser immer kleiner werden und die Menschen weniger. Warum ich dann an die Liebe glaube, weiß ich auch nicht. Vielleicht, weil die Häuser immer ferner rücken und die Nacht schön ist, wenn sie so fernab der Häuser geschieht. Einmal habe ich sogar ein Mädchen getroffen, weit weg von der Stadt. Und ich habe sie angesprochen, weil ich es wollte, obwohl ich selten mit Menschen rede. Nur mit meiner Mutter rede ich oft, aber da höre ich kaum zu. Ob sie an die Liebe glaubt, habe ich sie gefragt. Sie hatte einen ganz runden Mund und ein rundes Gesicht, das weiß ich noch. Ich glaube sie hat ein bischen an die Liebe geglaubt, auch wenn sie es verneint hat. Mädchen glauben alle an die Liebe, glaube ich. Ich habe ihr dann gesagt, dass ich oft sitze und deswegen lange Spaziergänge machen muss um in Bewegung zu bleiben und ob sie nicht ein bischen mitkommen möchte. Da hat sie gelacht und gesagt, dass ich ein Dummkopf bin und sie schon einen hat, bei dem sie schläft. Dann ist sie gegangen und hat nur ihren Geruch dagelassen, der ein bischen an die Liebe erinnerte. Ich glaube zumindest, dass es so war.

Als ich zuhause war, an dem Abend, wollte ich das Gewehr entsorgen. Warum weiß ich nicht mehr. Aber es steht noch immer da. Im Schrank. Ich glaube ja an das Gewehr, auch wenn ich es jetzt seltener betrachte. Mutter hat mir erst vor kurzem wieder gesagt, ich solle das Teil doch endlich fortwerfen. Vielleicht tue ich das auch, ich weiß es noch nicht.



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"Issa"
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Pickman
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 52
Beiträge: 607
Wohnort: Diaspora


BeitragVerfasst am: 13.01.2020 21:51    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Patrick Schuler,

mir scheint, der Text bleibt hinter Deinen sprachanalytischen Fähigkeiten (und meine Erwartungen an Deine Texte) zurück. Nach der Lektüre der ersten Zeilen habe ich in etwa das Folgende erwartet:

1. Du stellst verschiedene "ich glaube an X" mit X als Substantiv vor.
2. Du zeigst, dass "ich glaube an X" mit X als Substantiv unsinnig ist.
3. Du zeigst, dass "ich glaube, dass Y" mit Y als Aussagesatz sinnvoll (wahrheitsfähig) ist.

Vielleicht hast Du auch etwas ganz anderes beabsichtigt und ich habe es einfach nicht verstanden.

Liebe Grüße

Pickman


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"Damit sich alles erfüllt, damit ich mich weniger allein fühle, brauche ich nur noch eines zu wünschen: am Tag meiner Hinrichtung viele Zuschauer, die mich mit Schreien des Hasses empfangen." (Albert Camus: Der Fremde)
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Bananenbrot
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber

Alter: 30
Beiträge: 28
Wohnort: Daheim


BeitragVerfasst am: 13.01.2020 21:58    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Patrick,

ich bin gerade über deinen Text gestolpert und weiß gar nicht so recht, was ich dazu sagen soll. Auseinanderpflücken mag ich ihn nicht. Da gibt es meiner Meinung nach auch nichts Wirkliches zu bemängeln.
Deine kleine Geschichte hat etwas. Die Erzählstimme ist wunderbar naiv, ein wenig einfältig und irgendwie weise zugleich, und zudem vermittelst du eine schöne Nachricht. Mir gefällt es ausgesprochen gut.

LG
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Nina
Geschlecht:weiblichBestseller-Autor


Beiträge: 4462



BeitragVerfasst am: 13.01.2020 23:12    Titel: Antworten mit Zitat

lieber patrick,

wow, dein text ist gut! wirklich! ich bin sehr begeistert. ganz toll. ich mag es total, wie der protagonist hin und her redet und überlegt und der vergleich mit dem gewehr, der gefällt mir auch. überhaupt diese atmosphäre, ganz wunderbar! ich weiß nicht mehr zu sagen, tatsächlich fehlen mir die worte, aber vor begeisterung und nein, ich verscheißer dich nicht, ich meine das wirklich. am liebsten sähe ich das verfilmt.

weiter so!

liebe grüße
nina


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Patrick Schuler
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 25
Beiträge: 498



BeitragVerfasst am: 14.01.2020 14:32    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Pickman

Besonders viele Gedanken, habe ich mir beim schreiben des Textes nicht gemacht. Ich wollte einfach eine Interpretationsoffene Geschichte erzählen, dass ich dabei hinter deinen Erwartungen zurückgeblieben bin, ist schade. Aber ich mag den Text selber ganz gerne smile

L.G
Patrick


Hallo Bananenbrot

Freut mich, dass es dir gefällt. Mir ist aufgefallen, dass ich "bisschen" falsch geschrieben habe. Vielleicht findet noch jm. einen Rechtschreibfehler, hauptsächlich deshalb habe ich den Text in die Werkstatt gepostet. Vielen Dank für deine netten Worte. smile


Hi Nina

Uiuiui, das freut mich besonders, dass dir der Text so gefällt. Ich glaube verfilmen könnte man das eher weniger, schließlich passiert ja kaum etwas. lol2

Danke für den tollen Kommentar und auch dir
L.G
Patrick


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"Issa"
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Patrick Schuler
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 25
Beiträge: 498



BeitragVerfasst am: 14.01.2020 14:47    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich bin noch ein wenig lebendig. Wenn ich durch die Straßen ziehe, fühle ich das. Ein bisschen glaube ich auch an die Liebe, wenn ich so alleine durch die Straße ziehe. Wenn ich zuhause hocke, und ich hocke oft zuhause, glaube ich nicht an die Liebe. Ich bin ja viel zu beschäftigt um an die Liebe zu glauben. Zumindest glaube ich, dass ich viel zu beschäftigt bin, um an die Liebe zu glauben. Ich weiß auch gar nicht, wie man das macht. An etwas zu glauben. Es stellt sich ein, sage ich dann immer, aber es stellt sich nicht ein, wenn ich zuhause sitze. Nur manchmal, da öffne ich meinen Schrank und in dem Schrank ist ein Gewehr versteckt, da glaube ich an das Gewehr. Ich sage dann ganz laut: "ich glaube an das Gewehr" und meine Mutter, bei der ich wohne, sagt dann immer: "an das Gewehr kann man doch nicht glauben, Kind. Du brauchst eine Frau, Kind, an die Liebe kann man ja glauben, aber an ein Gewehr?"

Ich weiß auch gar nicht, was das bedeutet. Wie glaubt man denn an ein Gewehr? Und warum ich gerade an dieses Gewehr glaube, weiß ich auch nicht. Vielleicht weil ich es sehe, vielleicht glaube ich gerade an dieses Gewehr, weil ich es sehen kann und weil ich weiß, wo es ist. Aber manchmal gehe ich raus. Ich gehe dann die Straße entlang, die von den Häusern wegführt. Und dann glaube ich auch an die Liebe. Ein bisschen glaube ich an die Liebe, wenn die Häuser immer kleiner werden und die Menschen weniger. Warum ich dann an die Liebe glaube, weiß ich auch nicht. Vielleicht, weil die Häuser immer ferner rücken und die Nacht schön ist, wenn sie so fernab der Häuser geschieht. Einmal habe ich sogar ein Mädchen getroffen, weit weg von der Stadt. Und ich habe sie angesprochen, weil ich es wollte, obwohl ich selten mit Menschen rede. Nur mit meiner Mutter rede ich oft, aber da höre ich kaum zu. Ob sie an die Liebe glaubt, habe ich sie gefragt. Sie hatte einen ganz runden Mund und ein rundes Gesicht, das weiß ich noch. Ich glaube sie hat ein bisschen an die Liebe geglaubt, auch wenn sie es verneint hat. Mädchen glauben alle an die Liebe, glaube ich. Ich habe ihr dann gesagt, dass ich oft sitze und deswegen lange Spaziergänge machen muss um in Bewegung zu bleiben und ob sie nicht ein wenig mitkommen möchte. Da hat sie gelacht und gesagt, dass ich ein Dummkopf bin und sie schon einen hat, bei dem sie schläft. Dann ist sie gegangen und hat nur ihren Geruch dagelassen, der ein bisschen an die Liebe erinnerte. Ich glaube zumindest, dass es so war.

Als ich zuhause war, an dem Abend, wollte ich das Gewehr entsorgen. Warum weiß ich nicht mehr. Aber es steht noch immer da. Im Schrank. Ich glaube ja an das Gewehr, auch wenn ich es jetzt seltener betrachte. Mutter hat mir erst vor kurzem wieder gesagt, ich solle das Teil doch endlich fortwerfen. Vielleicht tue ich das auch, ich weiß es noch nicht.


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Pickman
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 52
Beiträge: 607
Wohnort: Diaspora


BeitragVerfasst am: 14.01.2020 15:45    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Patrick Schuler,

entweder die zweite Version ist besser als die erste oder ich bin besser drauf als gestern. Auf jeden Fall gefällt mir Dein Text jetzt weitaus besser, und ich glaube, ich verstehe jetzt, was ich gestern nicht verstand. Dein Prota glaubt an die Existenz von Liebe/Gewehr/etc.

Liebe Grüße

Pickman


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Patrick Schuler
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 25
Beiträge: 498



BeitragVerfasst am: 14.01.2020 16:17    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Pickman

An der neuen Version kann es nicht liegen, ich habe nur Rechtschreibfehler ausgebessert. Ja, der Prota glaubt an die Existenz von der Liebe und dem Gewehr. Was das allerdings zu bedeuten hat, soll dann der Leser entscheiden. Ich wollte ja, dass die Glaubensaussage schwammig daherkommt, um Raum für Interpretation zu öffnen.

L.G
Patrick


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LilaGruen87
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

Alter: 32
Beiträge: 17
Wohnort: Ruhrgebiet


BeitragVerfasst am: 16.01.2020 14:44    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Patrick,

ich schließe  mich Nina an - ich mag deinen Text sehr.
Es passiert so wenig, erzählt aber ganz viel und lässt - wie ja auch beabsichtigt - viel Platz für Interpretationen.

Das hier ist mein Lieblingsabsatz:
"Aber manchmal gehe ich raus. Ich gehe dann die Straße entlang, die von den Häusern wegführt. Und dann glaube ich auch an die Liebe. Ein bisschen glaube ich an die Liebe, wenn die Häuser immer kleiner werden und die Menschen weniger."

Klingt für mich gleichzeitig tragisch als auch hoffnungsvoll und irgendwie kann ich's nachvollziehen.
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Patrick Schuler
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 25
Beiträge: 498



BeitragVerfasst am: 16.01.2020 18:18    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Dankeschön lilagruen87

Freut mich sehr, dass dir der Text zusagt. smile

L.G
Patrick


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Heribert
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 47
Beiträge: 96
Wohnort: Landshut


BeitragVerfasst am: 18.01.2020 09:04    Titel: Antworten mit Zitat

Servus Patrick,

dein Text läuft gut hier. Habe ihn schon mehrmals gelesen, wollte aber nicht vorschnell urteilen.



 
Zitat:
da öffne ich meinen Schrank und in dem Schrank ist ein Gewehr versteckt


Im ersten Teil sind viele Wiederholungen drin. Das ist natürlich gewollt. Die Sätze sind kurz, so wie es heute modern ist, und dadurch ist die Geschwindigkeit des Textes ziemlich festgelegt. Wenn ich ihn laut lese, stellt sich meine Stimme automatisch auf einen Zwischenton ein; das klingt monoton und psychotisch.

Das muss übrigens ein riesen Schrank sein, in dem man ein Gewehr verstecken kann.



Zitat:
meine Mutter, bei der ich wohne, sagt dann immer: "an das Gewehr kann man doch nicht glauben, Kind. Du brauchst eine Frau, Kind, an die Liebe kann man ja glauben, aber an ein Gewehr?"



Anfangs dachte ich, es müsse sich um eine Protagonistin handeln; das Thema Liebe und all das Gedusel um dieses Thema, passt eher in die Frauenliteratur. Aber siehe da, es handelt sich um eine männliche Person, die da spricht und scheinbar einsam ist. Und man vermisst den Vater im Text, Die Mutter ist da. Sie erscheint in der Küchentür, mit einem Geschirrtuch in der Hand, mit strähnigen Haaren und Sorgenfalten; wegen ihres leicht gestörten Sohnes, der scheinbar unbedingt einen Vater braucht.
Aber gute Väter sind in der Literatur aus der Mode gekommen. Heute dienen sie eher als Schläger, Vergewaltiger und Alt-Nazis. Was solls...

Wo ist der eigentlich? Nie da? Oder doch nur gerade in der Garage, um dieser - sehr gut beschriebenen - Stimmung zu entkommen?

 Vatersöhne denken nicht ständig über die Liebe nach. Väter wissen, dass es keine Liebe zwischen Partnern oder Eheleuten gibt, sondern nur eine vergängliche Ver-liebtheit, die naturgemäß keinen Bestand haben kann. Väter wissen, dass es wahre Liebe nur zwischen Eltern und Kindern geben kann, und dass sich diese Liebe anders anfühlt. Bedingungsloser.
Väter erklären ihren Söhnen, dass man das erste Mal im Leben die wahre Liebe erfahren wird, wenn man das eigene Kind in den Armen hält und niemals davor. Und Großväter werden ihren Söhnen immer einbläuen, der Partnerin nie zu zeigen, dass man das eigene Kind mehr liebt als sie, da das die Ehe gefährden würde.
Väter würden ihrem Sohn vermutlich auch erklären, dass man nicht an Gewehre glaubt, sondern dass man sie benützt; im Wald, oder im Schützenverein.




Das mit den "Straßen, die von den Häusern wegführen" erzeugt gute Bilder im Kopf. Man bekommt auch einen gewissen Geschmack im Mund. Die Siedlung, die wahrscheinlich dunkle Wohnung, besorgte Mutter...


Zitat:
Ich habe ihr dann gesagt, dass ich oft sitze und deswegen lange Spaziergänge machen muss um in Bewegung zu bleiben und ob sie nicht ein bischen mitkommen möchte.


Die Szene ist zweierlei: auf der einen Seite unfreiwillig komisch, auf der anderen Seite psychopathisch. Hoffe, dass er das Mädchen unter Menschen angesprochen hat. In der Situation liegt etwas gefähliches.

In der ganzen Geschichte liegt etwas gefährliches. Das ist wie ein Vorab-Bild eines Gestörten, der in naher Zukunft Amok läuft. Mit einem Gewehr. Gestörtes Verhältnis zu Frauen und so weiter. Gestörtes Verhältnis zum eigenen Ich und so weiter. Danach findet man den Text im Netz und jedem wird klar, was für eine arme Sau der Amokläufer war.

Diese Bilder hat der Text bei mir erzeugt. Das heißt, es ist ein guter Text. Man kommt gut rein und er ließt sich gut.

Bitte glaube nicht, dass ich einer von denen bin, die ihn nur kommentieren, weil er kurz ist. Man bekommt hier stark den Eindruck, als ob sich die Kommentatoren nur über kurze Texte hermachen. Ihre Anmerkungen sind dem entsprechend noch kürzer und auch maßlos oberflächlich:



Zitat:
wow, dein text ist gut! wirklich! ich bin sehr begeistert. ganz toll. ich mag es total, wie der protagonist hin und her redet und überlegt und der vergleich mit dem gewehr, der gefällt mir auch. überhaupt diese atmosphäre, ganz wunderbar! ich weiß nicht mehr zu sagen, tatsächlich fehlen mir die worte, aber vor begeisterung und nein, ich verscheißer dich nicht, ich meine das wirklich. am liebsten sähe ich das verfilmt.

weiter so!


Erbärmlich. Man möchte teilweise glauben, man sei auf Facebook oder so, wo die "Likes"  zählen und nicht die Mühe des Autors.

Guter Text.

Danke!

PS:. Ehrlich gesagt weiß ich aber nicht, warum sich die Überschrift so stark auf das Mädchen mit dem runden Gesicht bezieht?
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Patrick Schuler
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 25
Beiträge: 498



BeitragVerfasst am: 22.01.2020 01:21    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Heribert

Wow. Danke, dass du dir so eine Mühe gemacht hast. smile


Zitat:
Das muss übrigens ein riesen Schrank sein, in dem man ein Gewehr verstecken kann.


Na ja, ein beliebiger Kleiderschrank, denke ich. lol2

Zitat:
...
Aber gute Väter sind in der Literatur aus der Mode gekommen. Heute dienen sie eher als Schläger, Vergewaltiger und Alt-Nazis. Was solls...

Wo ist der eigentlich? Nie da? Oder doch nur gerade in der Garage, um dieser - sehr gut beschriebenen - Stimmung zu entkommen?


]



Über den Verbleib des Vaters habe ich mir weniger Gedanken gemacht. Irgendwie habe ich eine Abneigung gegen Väter in Texten. Das mag vielleicht tatsächlich daran liegen, dass die oft nicht besonders gut wegkommen. Andrerseits habe ich andersweitig auch schon die Interpreation zu hören bekommen, das Gewehr symbolisiere den Vater. So etwas in die Richtung wollte ich jedenfalls nicht sagen.


Zitat:
Die Szene ist zweierlei: auf der einen Seite unfreiwillig komisch, auf der anderen Seite psychopathisch. Hoffe, dass er das Mädchen unter Menschen angesprochen hat. In der Situation liegt etwas gefähliches.


Du bist der erste Leser, von dem ich nicht die Rückmeldung bekomme, mein Protagonist sei suizidal. lol2

Im Grunde ist das aber auch egal, ob man es in die eine, oder die andere Richtung interpretiert, das Gewehr soll nur ein "dunkles Schicksal" symbolisieren, dass über den Protagonisten verhängt ist.



Vielen Dank für den tollen Kommentar, der hat mich besonders gefreut. smile


L.G
Patrick


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timcbaoth
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 110



BeitragVerfasst am: 23.01.2020 21:15    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Patrick

Dein Text lässt sich wunderbar lesen. Viele Wortspiele, die viele Assoziationen zulassen.

Was ist Glaube und woran kann man Glauben, woran muss man Glauben?

Der Sprachrhythmus und die Wortwahl lassen auf ein simples Gemüt des Protagonisten schliessen, und auf ein ausgezeichnetes Sprachtalent beim Verfasser. Trotzdem wirft der Protagonist höchst philosophische Fragen auf. Ein bisschen wie Forrest Gump.

Die Gegend, in der man sein Gewehr im Schrank aufbewahrt, in der man von den Gebäuden entfliehen kann und in der die Mutter die einzige Bezugsperson ist, gibt mir eine sehr gute Vorstellung vom Setting.

Die Mutter und das Fehlen eines Vaters wecken bei mir Assoziationen an Norman Bates. Das Gewehr und der leicht creepy Anmachversuch deuten natürlich auch darauf hin, dass die Sache nicht gut ausgehen wird. Suizid oder Amoklauf - beides für mich vorstellbar.

Ein wirklich guter Text, irgendwo zwischen böser Vorahnung, Horror und Philosophie.

@Heribert

Zitat:
Erbärmlich. Man möchte teilweise glauben, man sei auf Facebook oder so, wo die "Likes" zählen und nicht die Mühe des Autors.


Diesen Ton finde ich recht unangebracht. Selbst wenn ein Kommentar nicht so wortreich ist wie deiner, hat er eine Berechtigung. Immerhin war der zitierte Beitrag anständig und gab Feedback zum Text. Möglicherweise fühlt sich der/die Kommentator/in auch nicht fähig, eine detailliertere Kritik abzugeben, oder stand einfach unter Zeitdruck. Es ist durchaus legitim, dem Verfasser den eigenen Eindruck über sein Werk kundzutun. Diese Mühe muss man sich auch erst einmal machen, und es hilft mehr als den Text zu ignorieren.


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Liebe Grüsse
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Heribert
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 47
Beiträge: 96
Wohnort: Landshut


BeitragVerfasst am: 27.01.2020 19:17    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Diesen Ton finde ich recht unangebracht. Selbst wenn ein Kommentar nicht so wortreich ist wie deiner, hat er eine Berechtigung. Immerhin war der zitierte Beitrag anständig und gab Feedback zum Text. Möglicherweise fühlt sich der/die Kommentator/in auch nicht fähig, eine detailliertere Kritik abzugeben, oder stand einfach unter Zeitdruck. Es ist durchaus legitim, dem Verfasser den eigenen Eindruck über sein Werk kundzutun. Diese Mühe muss man sich auch erst einmal machen, und es hilft mehr als den Text zu ignorieren.


'Tschuldigung! Embarassed

Aber dieser Kommentar klingt wirklich nicht gut. Ich würde es jedenfalls  schon weglassen. Aber es ist nicht jeder gleich. Wenn die Zeit für einen Kommentar nicht reicht, dann warte ich, bis die Zeit gekommen ist. Ich tus nie wieder.
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Patrick Schuler
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 25
Beiträge: 498



BeitragVerfasst am: 04.02.2020 23:55    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo timcbaoth

Danke dir. smile Das du den Protagonisten mit Forest Gump vergleichst gefällt mir, den hab ich immer gemocht.

Ja, Heribert, der Ton war ein bischen schrill, ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn einfach ein Lob, oder eine Kritik ausgesprochen wird, ohne das sie sich tiefgreifend mit dem Text befasst. Letztlich erfahre ich auch dardurch, ob ein Text funktioniert.

L.G euch beiden
Patrick


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"Issa"
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