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Erfahrungen mit der KSK?

 
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Dem Genitiv sein Tod
Abc-Schütze


Beiträge: 3



BeitragVerfasst am: 11.01.2020 16:28    Titel: Erfahrungen mit der KSK? eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Liebe Autoren,

Ich ärgere mich derzeit mit der Künstlersozialkasse herum und bin mit meinem Latein einigermaßen am Ende. Dementsprechend wäre ich für Erfahrungen dankbar (und wer weiß, vielleicht hat sogar jemand einen nützlichen Rat für mich).

Hintergrund: Ich schreibe schon seit längerem Kurzgeschichten, die ich auf meiner eigenen Webseite veröffentliche. Ich möchte nun ab diesem Jahr meine Schriftstellerkarriere konsequenter verfolgen, sprich, ich will die Tätigkeit hauptamtlich ausüben und meinen ersten Roman schreiben. Ich bin finanziell gut genug abgesichert sodass das Existenzrisiko überschaubar ist (und schließlich möchte ich nicht eines Tages auf dem Sterbebett liegen mit der Erkenntnis, dass ich meinen Lebenstraum nicht verfolgt habe - auch das ist ja ein Existenzrisiko).

Natürlich brauche ich auch eine Krankenversicherung. Meines Wissens nach ist für Autoren und Schriftsteller die KSK zuständig. Seit letztem Jahr gibt es ein Urteil des Sozialgerichts (findet man eh überall im Internet), dass Berufsanfänger der KSK in den ersten drei Jahren keine Einkommensnachweise mehr vorlegen müssen.

https://www.kunstrecht.de/blog/erleichterung-fuer-berufsanfaenger-kuenstlersozialkasse.html
u.a.

Passend dazu heißt es in der Antrags-Ausfüllanleitung der KSK:

"Sie sind Berufsanfänger und können noch keine Belege über Einnahmen vorlegen? Dann reichen Sie bitte Unterlagen ein, aus denen die Konzeption Ihrer Tätigkeit hervorgeht bzw. die Ihre Absicht zur Erzielung von Einnahmen belegen, z. B. Finanzierungs-/Businessplan, Werbemaßnahmen, berufliche Erfahrungen und Kontakte."

Die Widersprüchlichkeit dieser Anweisung ist mir nicht entgangen, denn einerseits muss ich ja Anfänger sein aber andererseits soll ich Erfahrungen nachweisen. Was u.a. die rein praktische Frage aufwirft, welche Unterlagen zweckdienlich sind und welche kontraproduktiv. Sage ich, dass ich vor 20 Jahren schon mal ein Buch veröffentlicht habe, und wenn ja, erwähne ich auch, dass ich davon nicht leben konnte? Gebe ich an, dass ich vor 10 Jahren als Wissenschaftsjournalist gearbeitet habe, und falls ja, sollte ich tunlichst darauf hinweisen, dass es nur einige Monate waren? Muss ich am Ende eher fürchten, mit dem Hinweis abgelehnt zu werden, dass ich gar kein Anfänger mehr bin, oder wird mir die KSK doch eher vorwerfen, dass ich noch gar keine Erfahrungen habe?

Zur Klärung des Sachverhalts habe ich dann bei der KSK angerufen. Und zwar gleich zweimal, denn nach dem ersten Telefonat wollte ich das Ergebnis erstmal noch nicht wahrhaben. Von den beiden Gesprächen, die nach meinem zwischenmenschlichen Kompass irgendwo zwischen Erniedrigung und Menschenverachtung angesiedelt waren (mit Sprüchen wie "Wollen Sie mir jetzt was erzählen, oder wollen Sie Antworten auf Ihre Fragen?!" oder "Unsere Aufgabe besteht darin, nur wirklich ernstgemeinte Telefonate zu beantworten!") habe ich die folgenden Gedächtnisprotokolle angefertigt. Bei der Fragestellung ging es jeweils darum, was ich für Unterlagen beibringen soll, wenn ich als Schriftsteller tätig bin und einen Roman schreiben will, jedoch noch keine Einnahmen erzielt habe.

AUSKUNFT 1:

Zitat:
Wenn Sie schon einen Auftrag haben, können Sie sich bei uns anmelden. Ab dem Meldedatum haben Sie Zeit genug, uns die Zahlungseingänge zu senden.

Bei der KSK geht es um eine Versicherungspflicht. Man hat nur dann die Versicherungspflicht, über die KSK versichert zu werden, wenn man freiberuflich, selbständig, erwerbsmäßig publizistisch tätig ist. Wenn man dauerhaft Geld damit verdient, nicht nur vorübergehend, wenn man noch mehrere Auftraggeber hat, der Geldfluss wäre sicher, und man hat Gewinne, wenn man kein Berufsanfänger ist, über EUR 3.900 im Jahr. Dann stellt man den Antrag, man meldet sich an und hat dann einen Monat Zeit, mit dem Antrag schon die ersten Zahlungseingänge mitzuschicken.

Als Berufsanfänger müssen Sie auch die Voraussetzungen haben. Aber man braucht noch nicht den Gewinn haben über EUR 3.900 im Jahr.

Es muss eine selbständige, künstlerische publizistische Tätigkeit als Beruf, also zum Zweck des Broterwebs ausgeübt werden. Das ist die Voraussetzung. Sobald man Geld verdienen wird, kann man den Antrag stellen. Man braucht mindestens einen Auftraggeber, womit man auch Geld verdienen wird.

Das prüfen wir einige Monate, und wenn alles positiv geprüft ist, wird man rückwirkend sozialversichert. Über den Staat.

Man muss Geld verdienen. Geldfluss muss nachgewiesen werden. Das ist ganz wichtig. Geldfluss muss sicher sein um aufgenommen zu werden.

Man muss die Tätigkeit ausüben als Beruf zum Zweck des Broterwerbs. Sonst braucht man keinen Antrag stellen.


AUSKUNFT 2:

Zitat:
Normalerweise braucht man vor [Erreichen der 3.900 Euro] noch gar nicht den Antrag stellen, weil ja keine Verpflichtung besteht.

Greifen tut das Gesetz, wenn man über 3.900 Euro hat. Nur wenn man den Antrag schon vorher stellen will, dann muss man uns natürlich in irgendeiner Form belegen, dass man seine Selbständigkeit schon ausübt. Da kann es höchstens sein, dass man einen Auftrag von einem Verlag hat, der das Buch verlegen wird. Das bedeutet, damit kann man ja belegen, dass man künstlerisch arbeitet. Oder dass man eben schon einen Geldeingang hat, das heißt man hat etwas verkauft, oder einen Auftrag erledigt, wo man schon das Geld mit erzielt hat.


Aber dann ist man ja kein Anfänger mehr, wenn man schon etwas verkauft hat. Das macht ja keinen Sinn?!

Zitat:
Jetzt mal eine Frage: Was meinen Sie denn, wovon die Beiträge bezahlt werden sollen. Wenn jetzt kein Künstler Geld verdient. Die müssen doch bezahlt werden!!!

Als Berufsanfänger gilt ein Künstler, der innerhalb der ersten drei Jahre nach erstmaliger Aufnahme einer selbstständig-künstlerischen Tätigkeit ...

Wie soll uns ein Künstler das sonst mitteilen? Es muss je irgendetwas geben, wodurch er mitteilen kann, hier, ich habe schon meine Selbstständigkeit aufgenommen.


Es gibt aber doch ein Urteil des Bundessozialgerichts...

Zitat:
Also das wäre mir jetzt neu. Aber wenn das ein Urteil ist, dann ist es ein Einzelfall, wo das so entschieden worden ist, keine Gesetzesänderung.

Wenn das wirklich so ist, dass es da eine Gesetzesänderung gibt, von der wir noch keine Kenntnis haben, denn das gehört mit zu unserem Tagesgeschäft, dass wir solche Informationen haben. ... Einzelfallentscheidungen gibt es natürlich immer. Aber eine Gesetzesänderung muss uns natürlich in der Information mitgeteilt werden, damit wir darüber wissen und auch informieren können.

Ich hatte mich natürlich gründlich im Internet eingelesen, und die Informationen, die ich jetzt von der KSK erhalten habe, stehen dazu, vorsichtig gesagt, in erheblichem Widerspruch.

Und selbst wenn ich Funktion und Pflichten einer Künstlersozialkasse und die Rechtssprechung zu Berufsanfängern völlig missverstanden haben sollte, erscheint mir das alles doch ziemlich realitätsfern. Ein Romanautor, der im Verlagsauftrag schreibt und gleichzeitig Berufsanfänger ist - in welchem Paralleluniversum gibt es denn sowas?
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nothingisreal
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BeitragVerfasst am: 11.01.2020 17:27    Titel: Re: Erfahrungen mit der KSK? Antworten mit Zitat

Dem Genitiv sein Tod hat Folgendes geschrieben:
Ein Romanautor, der im Verlagsauftrag schreibt und gleichzeitig Berufsanfänger ist - in welchem Paralleluniversum gibt es denn sowas?


In gar keinem. Sondern in der Realität. Mit einem Roman ist man definitiv noch Berufsanfänger. Ab dem zweiten können wir noch reden. Und da muss man auch die Frage klären, von welchem Verlag wir hier reden und wie viele Verkaufszahlen dein erstes und zweites Buch hat.

Ganz ehrlich verstehe ich dein Problem nicht. Mit Berufsanfängern sind halt Menschen gemeint, die gerade angefangen mit dieser Arbeit. Die nötige Erfahrung braucht es dennoch. Ein Künstler (also einer mit einem Pinsel) kann beispielsweise Kunst studiert haben. Das ist seine Erfahrung. Nun kann er sagen: Ich hab das studiert, ich will damit Geld verdienen, aber noch tue ich es nicht. Bitte nehmt mich auf.

Nimm es mir nicht böse, aber du bist kein Berufsanfänger.  Du bist ein Hobby-Autor. Warum soll die KSK dich aufnehmen? Weil du beschlossen hast, einen Roman zu schreiben? Weißt du wie viele Menschen in Deutschland das beschließen? Soll KSK sie alle aufnehmen? Schreib doch erst mal deinen Roman, schau das du einen Vertrag bekommst und melde dich doch dann wieder bei der KSK, dann wirst du auch bestimmt als Berufsanfänger eingestuft.


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Rübenach
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BeitragVerfasst am: 11.01.2020 17:28    Titel: Antworten mit Zitat

Eigentlich ist es ganz einfach. Die bloße Behauptung, ab jetzt (hauptberuflicher) Schriftsteller sein zu wollen, reicht nicht aus, eine Mitgliedschaft in der KSK zu begründen. Andererseits brauchst du aber noch keine Einnahmen nachzuweisen.

Wenn du also zum Beispiel einen Literaturagenten hast, der dich vertritt, ein abgeschlossenes Studium in Leipzig oder Hildesheim vorweisen kannst, eventuell Mitglied in einem Berufsverband (am besten vs in verdi, vielleicht reicht aber auch etwas niedrigschwelligeres wie der BVjA) bist, im Oprtimalfall die Zusage eines Verlags hast, der dein nächstes Bich in 2021 herausbringen will, dann stellst du einen Antrag auf Mitgliedschaft. Wenn diese dir verwehrt wird, weil du keine Einnahmen hast, dann legst du Widerspruch/Einspruch ein und wenn der negativ beschieden wird, dann kannst du gegen diese Entscheidung vor dem Sozialgericht klagen. Spätestens das Gericht wird die neue Rechtslage kennen und das Urteil entsprechend berücksichtigen.


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agu
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BeitragVerfasst am: 11.01.2020 17:31    Titel: Antworten mit Zitat

Hallihallo,

vorab - ich habe mit der KSK keine Erfahrungen als Versicherungsnehmer, sondern nur als Zahlender (für Freiberufler, die ich mit künstlerischen Jobs unterbeauftrage), deshalb nagle mich nicht auf die folgende Aussage fest.

Nach meinem Verständnis stehen Zahlungsfluss, oder zu erwartender Zahlungsfluss, keinesfalls im Widerspruch dazu, Berufsanfänger zu sein. 'Berufsanfänger' heißt in diesem Zusammenhang, dass Du über das notwendige Rüstzeug verfügst, mit Deinem Beruf auch Geld zu verdienen, aber Deine Geschäftstätigkeit noch nicht sonderlich lange besteht.
Würde jeder, der mit dem Verfassen eines Romans beginnt, sich bei der KSK als Berufsanfänger auf dem Gebiet der Schriftstellerei deklarieren können, dann wären die längst pleite, weil ihren Ausgaben dann nahezu keine Einnahmen mehr entgegen stünden.

Deshalb will die KSK einen Nachweis, dass in absehbarer Zeit (also eigentlich ab dem ersten Versicherungsjahr) auch Einnahmen erzielt werden.
Nachdem in der Schriftstellerei das Schreiben eines Romans noch lange nicht heißt, dass damit auch nur ein Cent Gewinn erzielt wird, ist das Verlangen nach Nachweisen deshalb nachvollziehbar.
Du würdest ihre Kriterien beispielsweise erfüllen, wenn Du ...
... kürzlich einen Vertrag mit einem Publikumsverlag für Deinen Roman abgeschlossen hättest, der mit 4.000 € Vorschusshonorar einhergeht.
... oder in den vergangenen ein bis zwei Jahren bereits bei Kleinverlagen Bücher veröffentlicht hättest, für die auch Tantiemen geflossen sind (selbst wenn es nur ein paar hundert Euro sind).
... oder Dein Studium der Literaturwissenschaft oder des Kreativen Schreibens abgeschlossen hättest und - wenn auch noch keinen Buchvertrag, so doch zumindest die Zusage für ein Stipendium als Stadtschreiber von Unterwunselbach an der Haller hättest, das Dir neben einem Wohnsitz für ein Jahr auch eine Vergütung in Höhe von ein paar hundert Euro pro Monat zusichert.
... oder bereits im Selfpublishing ein Buch veröffentlicht hättest, das auch Einkünfte generiert

Alternativ könntest Du auch das Äquivalent zu einem Businessplan vorlegen ... aber das ist bei Schriftstellerei eher nicht üblich, auch weil Erfolg dort weniger planbar ist als in anderen Kunstgewerben, die aber auch über die KSK versicherbar sind.

Die ablehnende Haltung der KSK lässt sich meines Erachtens nach damit erklären, dass Du denen möglicherweise vorkommst wie eine Person mittleren Alters, die sich als Berufsanfängerin "Filmschauspieler" versichern lassen möchte. Deren Erfahrungen sich aber auf 2 Jahre Schülertheater im Abitur beschränken (was 20 Jahre her ist). Und die zu diesem Zweck jetzt plant, nach L.A. zu ziehen, um dort besagte Schauspiel-Karriere zu starten.
Sie hat schon ihren Antrag auf ein Arbeitsvisum ausgefüllt und abgeschickt. Und ihren einjährigen Volkshochschulkurs 'Englisch für Touristen' mit Teilnahmezertifikat abgeschlossen.

Aus meiner Sicht sag ich mal, Versuch schadet nicht - also führe Deine Erfahrungen, auch wenn sie klein sind, ruhig an.
Ich würde mir aber dennoch nicht allzuviele Erfolgschancen ausrechnen, solange ein Zahlungsfluss nicht zumindest in Sichtweite ist. Die Chancen dürften weit besser stehen, wenn Du den Roman mal fertig geschrieben hast und er  - entweder über einen Verlagsvertrag oder über Selfpublishing - auch Geld einspielt.

Bleibt natürlich immer noch das leidige Problem mit der Krankenversicherung. Du könntest Dich gesetzlich freiwillig versichern, oder eine private KV abschließen...

LG Andrea


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Engelsbrut (2009 Sieben, 2011 LYX) | Engelsjagd (2010 Sieben) | Engelsdämmerung (2012 Sieben)
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Willebroer
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BeitragVerfasst am: 11.01.2020 19:43    Titel: Antworten mit Zitat

Die Hauptaufgabe der KSK ist es, den Anteil der Sozialversicherung zu übernehmen, den normalerweise der Arbeitgeber zahlt. Ähnliches gilt für Zahlungen an die Rentenkasse. Die Höhe richtet sich nach deinen Einnahmen. Wenn du nichts einnimmst, gibt es auch keine Zuschüsse.

Beispiel: Bei paritätischer Aufteilung und einem Beitragssatz von 15% würdest du bei einem Einkommen von 4.000 Euro im Jahr 600 Euro an die Krankenkasse zahlen. Davon übernimmt die KSK die Hälfte, also 300 Euro.

Wenn du keine Einnahmen hast, zahlst du nichts - und die KSK auch nicht. Insofern geht sie kein Risiko ein, abgesehen von einigen Zusatzleistungen (Rehabilitation) und natürlich Verwaltungsaufwand. Deshalb gibt es gewisse Mindestvoraussetzungen (die offenbar immer wieder mal geändert werden).

Mit ein paar Euro im Jahr kann man aber nicht seinen Lebensunterhalt bestreiten. Deshalb wird davon ausgegangen, daß du andere Einkünfte hast und daraus deine soziale Absicherung bestreiten kannst. Wenn es anders ist, mußt du das irgendwie glaubhaft machen. Das ist das eigentliche Problem. Und natürlich gibt dabei Ermessensspielräume.

Die KSK ist KEINE Krankenkasse, die muß man sich selber suchen (meistens hat man schon eine).
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Maunzilla
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BeitragVerfasst am: 12.01.2020 01:50    Titel: Antworten mit Zitat

Was hat man davon, bei der KSK angemeldet zu sein?
Bei dem durchschnittlichen Verdienst eines Schriftstellers bekommt man doch ohnehin nur eine Rente unter dem Sozialhilfe-Niveau. Da kann man sich das sparen und gleich Sozialhilfe beantragen, wenn man es braucht. Das lohnt sich doch erst dann, wenn man zu den kleineren Bestsellerautoren gehört, die ordentlich verdienen, aber noch keine Millionen scheffeln.


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agu
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BeitragVerfasst am: 12.01.2020 02:02    Titel: Antworten mit Zitat

Maunzilla hat Folgendes geschrieben:
Was hat man davon, bei der KSK angemeldet zu sein? Da kann man sich das sparen und gleich Sozialhilfe beantragen, wenn man es braucht.


Das schreibt Gründerküche.de dazu:

Zitat:
Vorteile der Künstlersozialkasse
Klar ist der offensichtliche geldwerte Vorteil: Die KSK übernimmt 50 Prozent der Beiträge für Krankenkasse, Pflege- und Rentenversicherung.
Ebenso positiv: Über die KSK ist man pflichtversichert. Die Beiträge richten sich also nach dem Einkommen. Wer wenig verdient, zahlt auch weniger. Trotzdem besteht ein Anspruch auf alle Leistungen der Krankenkasse.
Gleichzeitig muss man nicht in einer gesetzlichen Krankenkasse sein. Auch bei der KSK gilt die Wahlfreiheit zwischen gesetzlicher und privater Krankenkasse. Doch Vorsicht, als Selbständiger gilt: Einmal privat, immer privat!
Außerdem führt die Mitgliedschaft zu einer kontinuierliche Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung – etwas, das Freiberufler sehr häufig aus den Augen verlieren. Auch wenn diese zur Alterssicherung allein nicht mehr ausreicht, eine Basis ist geschaffen.

Nachteile der Künstlersozialkasse
Die Mitgliedschaft in der KSK ist Pflicht für freischaffende Künstler und Publizisten, die sich deswegen nicht von der gesetzlichen Rentenversicherung befreien können. Das ist vor allem bei höheren Einkommen ein Nachteil.
Auch schwierig: Das jährliches Mindesteinkommen von 3.900 Euro sperrt nun gerade die aus, die die Unterstützung besonders nötig haben. Andererseits besteht bei so niedrigem Einkommen unter Umständen Anspruch aus Arbeitslosengeld II.


Ich kenne den einen oder anderen Künstler, die Stein und Bein auf die KSK schwören, weil es sich ohne nicht ausgehen würde.
Ich persönlich finde den Ansatz, von vornherein auf Hartz IV als Versorgungsmodell zu spekulieren, darüber hinaus eher schwierig. Zumal das - soweit ich das aus der Ferne bisher verstanden habe - mit einer Menge reichlich unwürdiger Auflagen einhergeht, unter anderem der, dass man quasi nichts besitzen darf.


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Maunzilla
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BeitragVerfasst am: 12.01.2020 02:20    Titel: Antworten mit Zitat

Meine Altersvorsoge sind Übergewicht, schlechte Ernährung und wenig Bewegung. Und wenn das nicht reicht, nehme ich noch in alter Künstler-Tradition den Alkohol dazu. wink

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Kiara
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BeitragVerfasst am: 12.01.2020 07:26    Titel: Antworten mit Zitat

Maunzilla hat Folgendes geschrieben:
Meine Altersvorsoge sind Übergewicht, schlechte Ernährung und wenig Bewegung. Und wenn das nicht reicht, nehme ich noch in alter Künstler-Tradition den Alkohol dazu. wink

Das liest sich schon mal sympathisch wink


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Rübenach
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BeitragVerfasst am: 12.01.2020 07:30    Titel: Antworten mit Zitat

Maunzilla hat Folgendes geschrieben:
Meine Altersvorsoge sind Übergewicht, schlechte Ernährung und wenig Bewegung. Und wenn das nicht reicht, nehme ich noch in alter Künstler-Tradition den Alkohol dazu. wink


Feuer?


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Willebroer
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BeitragVerfasst am: 12.01.2020 12:25    Titel: Antworten mit Zitat

Rübenach hat Folgendes geschrieben:
Maunzilla hat Folgendes geschrieben:
Meine Altersvorsoge sind Übergewicht, schlechte Ernährung und wenig Bewegung. Und wenn das nicht reicht, nehme ich noch in alter Künstler-Tradition den Alkohol dazu. wink


Feuer?


Nicht zu vergessen den Regenschirm - falls das Dach undicht ist.
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wortaholic
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BeitragVerfasst am: 12.01.2020 16:42    Titel: Re: Erfahrungen mit der KSK? Antworten mit Zitat

Dem Genitiv sein Tod hat Folgendes geschrieben:

Ich ärgere mich derzeit mit der Künstlersozialkasse herum und bin mit meinem Latein einigermaßen am Ende. Dementsprechend wäre ich für Erfahrungen dankbar (und wer weiß, vielleicht hat sogar jemand einen nützlichen Rat für mich).

Hintergrund: Ich schreibe schon seit längerem Kurzgeschichten, die ich auf meiner eigenen Webseite veröffentliche. Ich möchte nun ab diesem Jahr meine Schriftstellerkarriere konsequenter verfolgen, sprich, ich will die Tätigkeit hauptamtlich ausüben und meinen ersten Roman schreiben.


Eine kurzfristig umsetzbare Möglichkeit wäre, E-Books aus den Kurzgeschichten zu erstellen, die bislang auf deiner Webseite stehen und diese über die entsprechenden Plattformen anzubieten.
Damit kannst du einen entsprechenden Aktivitätsnachweis erbringen, eventuell trudeln auch einige Zahlungen ein.

Allerdings solltest du in drei Jahren mit Prüfung rechnen, ob das nötige Einkommen erzielt wird (denn damit könnte deine Mitgliedschaft auch schon wieder enden).
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agu
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BeitragVerfasst am: 12.01.2020 17:54    Titel: Antworten mit Zitat

Ich bin gerade noch mal an anderer Stelle darüber gestoßen - es wird immer wieder erwähnt, dass man sich mit einem Einkommen kleiner als 3.900€ im Jahr NICHT über die KSK versichern kann, d.h. das muss mindestens erzielt werden.

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wortaholic
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BeitragVerfasst am: 12.01.2020 23:32    Titel: Antworten mit Zitat

agu hat Folgendes geschrieben:
Ich bin gerade noch mal an anderer Stelle darüber gestoßen - es wird immer wieder erwähnt, dass man sich mit einem Einkommen kleiner als 3.900€ im Jahr NICHT über die KSK versichern kann, d.h. das muss mindestens erzielt werden.


Aber nicht für Anfänger. Darum ging es beim Urteil vom 4.6. 2019, siehe
https://mmm.verdi.de/recht/urteil-erleichtert-zugang-zur-ksk-59489

"Das Bundessozialgericht (BSG) stellt mit seinem Urteil vom 4. Juni 2019 die bisherige Zulassungspraxis der Künstlersozialversicherung infrage. Berufsanfänger*innen müssen der Künstlersozialkasse (KSK) keine Einnahmen mehr nachweisen; als Beleg der Erwerbsmäßigkeit ihrer Tätigkeit reichen auch andere Nachweise. Die schriftliche Urteilsbegründung steht noch aus. Dann will die KSK ihre Verwaltungspraxis danach ausrichten."
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Willebroer
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BeitragVerfasst am: 13.01.2020 00:42    Titel: Antworten mit Zitat

wortaholic hat Folgendes geschrieben:
als Beleg der Erwerbsmäßigkeit ihrer Tätigkeit reichen auch andere Nachweise.

Das ist der springende Punkt. Welche Nachweise das sein könnten, wurde weiter oben bereits erwähnt. Aber bei der Formulierung dürften unterschiedliche Auslegungen nicht ausbleiben. Schon weil das schwieriger zu objektivieren ist als eine konkrete Summe.

Ob die Handhabung wirklich großzügiger wird, kann man auch noch nicht absehen. Per Saldo spricht zumindest einiges dafür.
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zwima
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BeitragVerfasst am: 13.01.2020 07:27    Titel: Antworten mit Zitat

Maunzilla hat Folgendes geschrieben:
Was hat man davon, bei der KSK angemeldet zu sein?
Bei dem durchschnittlichen Verdienst eines Schriftstellers bekommt man doch ohnehin nur eine Rente unter dem Sozialhilfe-Niveau. Da kann man sich das sparen und gleich Sozialhilfe beantragen, wenn man es braucht. Das lohnt sich doch erst dann, wenn man zu den kleineren Bestsellerautoren gehört, die ordentlich verdienen, aber noch keine Millionen scheffeln.


Das ist schlichtweg Blödsinn. Um über die KSK versichert zu werden, liegt das Mindesteinkommen bei 3.900 € / Jahr (in den ersten drei Jahren sogar noch niedriger, da weiß ich die Grenze nur nicht auswendig) - das entspricht in etwa einem halbwegs anständigem Verlagsvertrag  oder einem Top 100-Titel bei Amazon / Jahr und ist weit, weit, weit von einem "kleinerem Bestsellerautor" entfernt.  

Sich über die KSK zu versichern ist im übrigen Pflicht für alle, die hauptberuflich schreiben und GERADE für Autoren, die wenig verdienen, ein absoluter Segen. Die Alternative wäre eine private Krankenversicherung (bzw die Beiträge, wenn man freiwillig gesetzlich versichert bleibt) und da liegen die EInstigessätze für Freiberufler weit über dem, was man als Geringverdiener an die Krankenkasse zahlen muss, wenn die KSK als fiktiver Arbeitgeber fungiert. Es gibt kein einziges Modell, in dem man mehr zahlt, wenn man über die KSK versichert ist, denn die KSK übernimmt ja immer die 50% des Arbeitsgebers. Dass die Summe, die man ab einer gewissen EInkommensgrenze zahlt (das ist dieselbe EInkommensbemessungsgrenze, die bei jeder anderen Krankenkasse auch in der Progression festgelegt ist) recht saftig ist, ist eine andere Sache. OHNE die KSK wäre der Beitrag aber noch heftiger.

Für wen die KSK nicht gedacht ist, sind die Eitelkeitsschreiber, die jahrelang ohne Verdienst an ihrem Lebenswerk basteln. Das gilt als Liebhaberei und ist somit auch nicht staatlich gefördert.


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Abc-Schütze


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BeitragVerfasst am: 13.01.2020 15:17    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich denke, mein Problem liegt nicht zuletzt im Sprachlichen - mit allen den sich daraus ergebenden Konsequenzen:

Was ist ein Beruf?

Was ist ein Anfänger?

Was ist ein Künstler?

Wenn es nach der KSK geht, ist ein Herr Van Gogh ja auch kein Künstler. Die Bilder haben sich schließlich nicht verkauft. Soll sich doch sein Bruder Theo kümmern wenn er krank wird.

Ich finde das schon etwas arrogant, und was mich daran stört, ist dass diese Arroganz gar nicht nötig ist, damit die KSK ihre Aufgaben erfüllen kann. Sollen sie doch einfach ehrlich sein.

KSK hat Folgendes geschrieben:
Wie soll uns ein Künstler das sonst mitteilen? Es muss je irgendetwas geben, wodurch er mitteilen kann, hier, ich habe schon meine Selbstständigkeit aufgenommen.


Genau, liebe KSK. Das ominöse Ding das ihr da sucht heißt "Kunst". Darüber definiert sich der Künstler. Kunst und Künstler. Derselbe Wortstamm. Und nein, das ist kein Zufall - da besteht ein Zusammenhang.

Ich verstehe schon, dass die KSK aus Bürokraten besteht die weder von Kunst noch von Künstlern eine Ahnung haben. Daher ist man ja wohl auch nach langem Grübeln auf die folgende Erkenntnis gekommen:

KSK hat Folgendes geschrieben:
Man muss Geld verdienen! Geldfluss muss nachgewiesen werden! Das ist ganz wichtig! Geldfluss muss sicher sein um aufgenommen zu werden!


Die magische Zauberformel lautet also: "Große Kunst = viel Geld, keine Kunst = kein Geld". Toll. Und hey, vielleicht geht es tatsächlich nicht besser: Dass sich die KSK-Beamten jetzt als freie Kunstkritiker gerieren und entscheiden wollen, wer Künstler ist und wer nicht, das wäre wahrscheinlich noch schlimmer. Aber das liegt nicht am Künstler, nicht an seinen Qualitäten als Künstler und nicht an seiner Eigenschaft als Künstler. Es liegt an euch, liebe KSK. Gebt es doch wenigstens zu und tut nicht so, als ob euch all die Willkürlichkeiten, mit denen ihr da arbeitet, in Steintafeln gemeißelt auf einem heiligen Berg gereicht wurden.

Und vielleicht irre ich mich, aber soweit ich mich entsinne hat die KSK ja einen Auftrag: Es ging darum, all die verarmten Figuren, die dem Staat am Ende sowieso als Sozialhilfeempfänger auf der Tasche liegen, in eine Pflichtversicherung zu zwängen und aus ihnen zumindest auch ein paar Pensionsversicherungbeiträge herauszuquetschen. Da geht es auch tatsächlich um die Förderung von Kunst und Kultur - oder zumindest wurde es so verkauft. Da sehe ich einen gewissen Interessenskonflikt, und wenn schon der Konflikt selbst nicht bewältigt werden kann, erwarte ich mir zumindest einen sensibleren und offeneren Umgang damit. Auf der KSK-Webseite kann ich diesen Ansatz nicht finden, und die gruselige Grundstimmung der zitierten Telefonate (die ein Transkript höchstens ansatzweise wiedergeben kann) steckt mir noch immer in den Knochen.

nothingisreal hat Folgendes geschrieben:
Nimm es mir nicht böse, aber du bist kein Berufsanfänger. Du bist ein Hobby-Autor.

Du postest in einem Internetforum und erzählst einem völlig Fremden, über den du fast nichts weißt, was er ist und was er nicht ist. Warum sollte ich dir böse sein?

@Maunzilla: Gefällt mir.

Wenn die KSK einen aufnimmt, gilt das ja auch rückwirkend. Hat jemand eine Ahnung, wie weit das gehen kann? Also, wenn ich mich jetzt bewerbe und in 6, 12, 24 Monaten den monetären Nachweis erbringe, dass ich von Anfang an "ernsthaft" schriftstellerisch tätig war, kann das klappen?
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Abc-Schütze


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BeitragVerfasst am: 13.01.2020 15:27    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

PS - ein schöner Artikel zu dem Thema:

https://www.deutschlandfunkkultur.de/die-kunst-der-selbstausbeutung-wovon-kuenstler-leben-muessen.976.de.html?dram:article_id=430081
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Maunzilla
Hobbyautor


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BeitragVerfasst am: 13.01.2020 20:17    Titel: Antworten mit Zitat

Künstler jammern aber auch zu gerne. Wie viele Fußballer können vom Fußballspielen leben, oder wie viele Radfahrer vom Radfahren? Vermutlich weniger als 5%. Aber die hört man selten öffentlich sich beklagen.
Und wer 5 Jahre an einem Roman schreibt, der arbeitet garantiert nicht 40h die Woche, wie jeder Arbeiter oder Angestellte. Und wer 40h die Woche schreibt, kann mehr als ein Romänlein alle 5 Jahre herausbringen. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Neutral


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"Im Internet weiß keiner, daß du eine Katze bist." =^.^=
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fabian
Geschlecht:männlichSchreiberling


Beiträge: 202



BeitragVerfasst am: 13.01.2020 20:49    Titel: Antworten mit Zitat

Dem Genitiv sein Tod hat Folgendes geschrieben:
Ich denke, mein Problem liegt nicht zuletzt im Sprachlichen - mit allen den sich daraus ergebenden Konsequenzen:

Was ist ein Beruf?

Was ist ein Anfänger?

Was ist ein Künstler?


Es geht doch euphemistisch gesprochen ganz knallhart um Marktwirtschaft, in unserer Gesellschaft glücklicherweise um soziale Marktwirtschaft. Ohne Weichspüler gesagt: um Kapitalismus.

Ob das, was gemacht wird nach welchen Kriterien auch immer "Kunst" ist, ist doch gar nicht Gegenstand der KSK-Prüfung.
Die KSK prüft schlichtweg, ob Du aus eigener Kraft zumindest den Schritt über die Schwelle geschafft hast. Ob Du Marktteilnehmer geworden bist, weil Du ein gewisses Maß an Resonanz erreicht hast (sprich: Umsatz), weil es Dir gelungen ist, zumindest in rudimentären Grenzen im Tauschen zu reüssieren. Weil jemand das, was Du hast zu etwas machen will, was er dann hat. Und weil Dir jemand dafür Geld gibt.
Das ist eine von mehreren Dimensionen des Künstlerseins in unserer Gesellschaft.

Die KSK verteilt kein Gütesiegel "Das ist Kunst", indem sie jemanden versichert. Sie schafft mehr oder weniger gelungen eine soziale Abfederung der prekären Situation von freiberuflich am Markt Teilnehmenden.

Ist doch nett von dieser Gesellschaft, oder?

Ich könnte mir natürlich auch eine andere Gesellschaftsordnung vorstellen, bloß, die hätte dann wieder andere Probleme.
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wortaholic
Geschlecht:männlichSchreiberassi


Beiträge: 68



BeitragVerfasst am: 14.01.2020 09:12    Titel: Antworten mit Zitat

Dem Genitiv sein Tod hat Folgendes geschrieben:

Wenn die KSK einen aufnimmt, gilt das ja auch rückwirkend. Hat jemand eine Ahnung, wie weit das gehen kann? Also, wenn ich mich jetzt bewerbe und in 6, 12, 24 Monaten den monetären Nachweis erbringe, dass ich von Anfang an "ernsthaft" schriftstellerisch tätig war, kann das klappen?


Dazu steht im KSVG (Künstlersozialversicherungsgesetz)

§ 8
(1) Die Versicherungspflicht in der gesetzlichen Renten- und Krankenversicherung sowie in der sozialen
Pflegeversicherung beginnt mit dem Tage, an dem die Meldung des Versicherten nach § 11 Abs. 1 eingeht, beim
Fehlen einer Meldung mit dem Tage des Bescheides, durch den die Künstlersozialkasse die Versicherungspflicht
feststellt. Sie beginnt frühestens mit dem Tage, an dem die Voraussetzungen für die Versicherung erfüllt sind.

§ 11
(1) Wer nach diesem Gesetz in der gesetzlichen Renten- oder Krankenversicherung oder in der sozialen
Pflegeversicherung versichert wird, hat sich bei der Künstlersozialkasse zu melden. § 16 des Ersten Buches
Sozialgesetzbuch gilt entsprechend.

----
ALSO: Bist du erwerbsmäßig Künstler/Publizist tritt Versicherungspflicht ein.

Pflicht entfällt, wenn Einkommen unter 3900 Euro.
ABER: Berufsanfänger (innerhalb der ersten 3 Jahre) sind auch versicherungspflichtig unterhalb der 3900 Euro-Grenze, somit von der KSK aufzunehmen.

Du musst nur deine Autoreneigenschaft bzw. deren Erwerbsmäßigkeit nachweisen (wie schon in anderen Antworten aufgeführt: durch Webseite, schriftstellerische Aktivitäten, Verkäufe, Meldung beim Finanzamt, Preise, E-Book Vertrieb, Vorverträge etc.).

https://www.haufe.de/personal/haufe-personal-office-platin/kuenstler-sozialversicherung_idesk_PI42323_HI727077.html
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Nina C
Geschlecht:weiblichHobbyautor

Alter: 32
Beiträge: 378
Wohnort: Nordrhein-Westfalen


BeitragVerfasst am: 15.01.2020 05:46    Titel: Antworten mit Zitat

Ich schreibe dir einfach mal, wie das bei mir lief:

Als ich mit meinem Freiberuf (gilt als künstlerisch, ist aber nicht Belletristik, die darf ich aber dazurechnen, weil auch Bereich Wort) so viel verdient habe, dass sich das Finanzamt dafür interessiert hat, habe ich mich artig als Kleinunternehmer gemeldet. Die Grenze, die die nette Dame mir beim FA damals nannte, waren 400 € / Jahr mit der Motivation einer dauerhaften Tätigkeit, aber das mag unterschiedlich sein.
In dem Zuge habe ich auch meine Unterlagen zur KSK geschickt, und zwar alles was ich bis dahin hatte, was in Planung war etc. Also Verträge, Abrechnungen und was auch immer sonst Belegkraft hatte. Daraufhin wurde ich aufgenommen und musste eine jährliche Schätzung angeben. Knapp drei Jahre war ich ohne weitere Nachfragen bei der KSK versichert, ohne einen Einkommensnachweis erbringen zu müssen. Einzige Auflage: Bis Ende Nov. Einkommensschätzung für das nächste Jahr abgeben und melden, wenn sich daran etwas ändert. Außerdem der Vorbehalt meinen Steuerbescheid anfordern zu dürfen, wenn Zweifel bestünden. Nach Ablauf des dritten Jahres wurde ich aufgefordert alle Unterlagen der letzten mindestens 6-8 Monate, die Belege für meine Tätigkeit darstellen, abzugeben. Diese mussten darauf schließen lassen, dass halbwegs realistisch ist, dass ich im folgenden Jahr (also dem dann 4.) tatsächlich mindestens 3900 € einnehme. Das gelang, weiterhin besteht die Schätzungs- und Änderungsmitteilungspflicht, fertig. So viel dazu.

Zu der Anfängersache: Dass du vorher schon etwas gemacht hast, nimmt dir nicht den Anfängerstatus, denn das darf bei geringem Verdienst durchaus als Hobby betrachtet werden. Richtlinien sind, dass das Finanzamt es als Hobby betrachtet hat. Für die KSK ist fortan nur wichtig, dass du mehr als 20 Stunden in der Woche mit künstlerischer Tätigkeit verbringst, nach drei Jahren mehr als 3900 im Jahr künstlerisch verdienst und keine andere (egal ob freiberuflich oder angestellt) Tätigkeit hast, die über Geringfügigkeit hinausgeht (d. h. 450 €-Job ist ok). Wenn es mehr wird, wird es kompliziert.

Soweit alles unklar? Wenn du noch Fragen hast, frag ruhig. Smile

Liebe Grüße

Nina


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