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Jedem Kapitel sein Geheimnis

 
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Malaga
Geschlecht:weiblichKlammeraffe


Beiträge: 897



BeitragVerfasst am: 06.01.2020 11:00    Titel: Jedem Kapitel sein Geheimnis eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo miteinander,
das alte Problem im neuen Jahr, für mich jedenfalls: Wie komme ich dahin, dass die einzelnen Kapitel eines Romans nicht nur den Plot transportieren, sondern in sich selbst interessant werden.
Merkwürdigerweise, immer wenn ich Fragen stelle, kommt schon eine Antwort: vielleicht jedes Kapitel wie eine Kurzgeschichte behandeln?
Trotzdem: ich bin offen für und interessiert an allen Tipps und Tricks, Anregungen, Techniken, Hilfen.
LG Malaga
(Mist, falsche Rubrik!)
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RAc
Eselsohr


Beiträge: 297



BeitragVerfasst am: 06.01.2020 12:23    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Malaga,

mir ist die Frage nicht ganz klar. Möchtest Du, dass jedes Kapitel für sich allen stehend gelesen werden kann, oder neben dem "Hauptplot" noch mehrere parallel laufende Unterfäden hat (wie so eine TV-Serie)?

Im zweiten Fall kann ich nur auf meine Passiverfahrungen (als Leser) zurückgreifen. Natürlich kannst Du Subplots ohne Ende konstruieren, in denen sich die verschiedenen Charaktäre unabhängig voneinander treffen (sowas wie eine Kleinstadtsaga, wo es unvermeidlich ist, dass sich Alle irgendwie kennen und damit jede Menge Parallelgeschichten automatisch entstehen). Dabei scheint mir die grösste Gefaht darin zu liegen, sich nicht in Sackgassen zu schreiben, also die Subplots nicht so widersprüchlich zu konstruieren, dass sie am Ende nicht mehr zusammengefügt werden können.

Wenn Du allerdings eine Unabhängigkeit der Kapitel anstrebst, kann ich mir einen "Hauptplot" nicht wirklich vorstellen. Ich kann mir das allerhöchstens so wie Winesburg, Ohio oder Neil Young's Greendale denken, in dem unter dem Mantel einer Kleinstadt die Geschichte jedes Einwohners der Reihe nach erzählt wird, und da dann zwangsläufig die Einzelpersonen in wechselnden Rollen wieder auftauchen, ergibt sich dann so etwas wie eine umfassend Geschichte. Der dem in Deutsch am nächsten kommende Roman ist für Mich "Unter Leuten." Wenn diesem Ort dann ein alles Überlagerndes dunkles Geheimnis innewohnt, das dann über die verschiedenen Perspektiven und Geschichten so langsam herausgearbeitet wird, entsteht dann natürlich so etwas wie ein Hauptplot, aber das finde ich mittlerweile ziemlich abgegriffen...

Hoffe das hilft!
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Taranisa
Geschlecht:weiblichReißwolf

Alter: 51
Beiträge: 1269
Wohnort: Frankenberg/Eder


BeitragVerfasst am: 06.01.2020 14:20    Titel: Antworten mit Zitat

Neben dem Haupthandlungsstrang mit dem Hauptspannungsbogen stehen dir noch Nebenhandlungsstränge zur Verfügung, die sich auch steigern, bis sie früher oder später aufgelöst werden (z.B. wird einer Figur etwas für den Hauptplot Wichtiges gestohlen, er findet den Dieb und ggf. einen unerwarteten Verbündeten). Du kannst auch kleine Spannungsmomente (z.B. ein Zweikampf) einbauen oder am Ende des Kapitels Fragen offenlassen, die erst später beantwortet werden.
Ohne mehr über dein Romanprojekt zu wissen, kann ich nur allgemeine Tipps geben. Schaue "einfach", dass das Geschehen nicht (zu) vorhersehbar wird und baue überraschende Wendungen ein.


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"Henkersweib", Burgenwelt Verlag, ET 12/18
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Malaga
Geschlecht:weiblichKlammeraffe


Beiträge: 897



BeitragVerfasst am: 06.01.2020 14:31    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke fürs Mitdenken.
Ja ich muss das präzisieren, RAc. Ja, es gibt Subplots, Nebenstränge, in kleinerem Maße. Vermutlich in jedem Roman, oder es würde dann eine Novelle.
Mein Roman geht nicht in Richtung "Unter Leuten", die Handlung ist schon stärker am Hauptplot orientiert.

Mein Problem ist, dass mir die einzelnen Kapitel zu langweilig erscheinen, gut, ich bin mir auch selbst der ungeeignete Leser, da ich schon alles kenne und weiß, aber irgendwas fehlt mir, was jedem einzelnen Kapitel einen besonderen Pfiff gibt.
Überraschende Wendungen, Cliffhänger, ja, aber warum ist das in Kurzgeschichten so viel einfacher?! Sad
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Nicki
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Alter: 64
Beiträge: 4770
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Ei 10


BeitragVerfasst am: 06.01.2020 14:35    Titel: Antworten mit Zitat

Ich glaube, ich weiß, was du meinst. Ich habe einmal in einem schlauen Schreibratgeber gelesen, man sollte in jedem Kapitel, eigentlich sogar in jeder Szene, einen Anfang, einen Mittelteil und einen Schluss haben. Soweit die Theorie.
In der Praxis einfacher umsetzbar ist es, wenn man aus verschiedenen Perspektiven schreibt, diese kapitelweise wechselt und jeweils am Ende einen Cliffhanger einbauen kann. Bei einseitiger Sicht auf das Geschehen wird es ein bisschen schwieriger, aber durchaus machbar. Schau dir mal bei (gut lektorierten) vorhandenen Büchern deines Genres die jeweils letzten Sätze eines Kapitels an.


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MfG
Nicki

"Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist." Henry Ford
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Maunzilla
Klammeraffe


Beiträge: 667



BeitragVerfasst am: 06.01.2020 14:42    Titel: Antworten mit Zitat

Vielleicht helfen dir die Ratgeber von Stephan Waldscheidt weiter. Er hat u.a. ein ganzes Buch darüber verfaßt, wie man Spannung erzeugt.

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Malaga
Geschlecht:weiblichKlammeraffe


Beiträge: 897



BeitragVerfasst am: 06.01.2020 14:47    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ja, das geht in Richtung dessen, was ich meine. Wenn jedes Kapitel Anfang, Mitte, Schluss hat, dann ist es ja im Prinzip eine kleine Kurzgeschichte.
Also den Cliffhänger obligatorisch machen, die grauen Zellen solange quetschen, bis sie die Idee ausspucken.
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Malaga
Geschlecht:weiblichKlammeraffe


Beiträge: 897



BeitragVerfasst am: 06.01.2020 14:49    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke Maunzilla, ich werde mal reinschauen, ob er mir weiterhilft. Hat ja durchweg gute Rezensionen.
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RAc
Eselsohr


Beiträge: 297



BeitragVerfasst am: 06.01.2020 14:55    Titel: Antworten mit Zitat

Malaga hat Folgendes geschrieben:

Also den Cliffhänger obligatorisch machen, die grauen Zellen solange quetschen, bis sie die Idee ausspucken.


Damit würde ich etwas vorsichtig sein. Cliffhanger erzeugen immer eine sehr große Spannung, und Du willst nicht ein Buch unter Dauerspannung halten. Das ist aber nicht nur extrem schwierig, sondern auch ermüdend. Es gibt gewisse Autoren, die versuchen, in jedem Kapitel einen drohenden Weltuntergang unterzubringen. Ich selber lese solche Bücher nicht gerne, das ist wie Aufputschmittel im Minutentakt zu schlucken und läßt eigentlich keinen Platz für eine länger dauernde Handlung.
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Maunzilla
Klammeraffe


Beiträge: 667



BeitragVerfasst am: 06.01.2020 14:56    Titel: Antworten mit Zitat

Man darf es nur nicht übertreiben. Ein Cliff-hanger ab und zu, ist gut. Macht man davon zu oft Gebrauch, wirkt der Text reißerisch und groschenromanesk.

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Malaga
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Beiträge: 897



BeitragVerfasst am: 06.01.2020 15:17    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Keine Sorge, das war nicht so ganz ernst gemeint, das Gehirn zu quetschen.
Ich mag Romane auch nicht,  bei denen der Leser immer spürt, dass er manipuliert wird.
Also ich werde meine grauen Zellen streicheln, mich von der Muse küssen lassen, spazieren gehen in der Januarsonne, das Problem fokussieren Und dann die Eingebungen willig empfangen. Smile
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Willebroer
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BeitragVerfasst am: 06.01.2020 17:59    Titel: Antworten mit Zitat

Eigentlich ist das eine wichtige Frage. Es gibt ja nicht nur den großen Spannungsbogen, sondern man braucht auch viele kleine, um den Leser über die Runden zu bringen. Das geht bis in einzelne Sätze, die man auf mehr oder weniger Spannung trimmen kann.

Weil es so viele Möglichkeiten gibt, Spannung (oder auch nur Neugier/Interesse) zu erzeugen, kann es zumindest eine gute Übung sein, wenn man all diese Möglichkeiten an einem kurzem Text anwendet. Spannung erzeugt man ja nicht einfach nur durch Bedrohungen, durch mehr oder weniger konstruierte Gefahren (und ebenso konstruierte Rettung), sondern vor allem durch das geschickte Spiel mit Informationen. Die sollten gut dosiert sein, und man sollte nicht vergessen, Andeutungen auch wieder aufzugreifen (ohne unbedingt alles auflösen zu müssen). Das kann man auch im Kleinen praktizieren, wo es noch nicht so unübersichtlich wird.

Oder man nimmt sich andere Aufgaben vor: ein Kapitel ohne Action, nur mit Atmosphäre, sozusagen zum Verschnaufen.

All das geht auch ohne Ortswechsel oder wechselnde Personen, allein durch die Erzähldynamik.

Schließlich spielt es für das Worldbuildung eine wichtige Rolle, ob man den Eindruck eines größeren Zusammenhangs, einer größeren Rahmenwelt wecken kann, vor allem mit Andeutungen, die nicht unbedingt für den Handlungsverlauf entscheidend sind. Auch das kann man in kleinerer Dimension ausprobieren.
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nebenfluss
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BeitragVerfasst am: 06.01.2020 22:53    Titel: Re: Jedem Kapitel sein Geheimnis Antworten mit Zitat

Malaga hat Folgendes geschrieben:

Merkwürdigerweise, immer wenn ich Fragen stelle, kommt schon eine Antwort: vielleicht jedes Kapitel wie eine Kurzgeschichte behandeln?

Tja, vielleicht, versuchen kann man alles. Aber ich frage mich, ob Leuten, die das so lapidar vorschlagen, die Funktionsweise einer Kurzgeschichte wirklich geläufig ist ...
Sicher, ein paar Analogien gibt es, zunächst formal, von der üblichen Länge her. Sowohl KG als auch Kapitel sollten (typischerweise) einen überschaubaren zeitlichen Rahmen abdecken. Ich versuche auch, jedem Kapitel so etwas wie ein eigenes (Sub)Thema und nach Möglichkeit eine spezifische Atmosphäre zu verleihen. Wie die Kurzgeschichte sollte man auch einzelne Kapitel nicht mit Figuren überfrachten. Und, ganz wichtig: Es sollte sich im Laufe des Kapitels etwas entwickeln, im Regelfall eine Änderung in der Situation des Protas. Ist er z. B. am Anfang des Kapitels mutlos, könnte er gegen Ende neue Hoffnung schöpfen - oder umgekehrt.

Gerade, was das Ende angeht, verhalten sich Kurzgeschichte und Kapitel aber doch ziemlich konträr zueinander: Während die Pointe der Kurzgeschichte den ganzen Plot auflösen soll, bietet sich für das Kapitel ein Cliffhanger an, also ein Spannungserhöher, eine Anti-Auflösung.
Malaga hat Folgendes geschrieben:

Überraschende Wendungen, Cliffhänger, ja, aber warum ist das in Kurzgeschichten so viel einfacher?! Sad

Eben darum - falls die Frage ernst gemeint ist. Ein Roman funktioniert nicht als eine Aneinanderreihung von Kurzgeschichten mit jeweiliger Pointe, sondern braucht eine übergeordnete Struktur mit Spannungsbogen. Die Komplexität und nötige Tiefe der Charaktere steigt mit dem Umfang exponentiell - so kommt es mir jedenfalls vor -, weil der Leser über die ganze Strecke bei Laune gehalten werden muss und einem dazu nicht nur neue Wendungen, sondern auch eine Zuspitzung gelingen muss.


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Willebroer
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BeitragVerfasst am: 07.01.2020 03:28    Titel: Re: Jedem Kapitel sein Geheimnis Antworten mit Zitat

nebenfluss hat Folgendes geschrieben:

Gerade, was das Ende angeht, verhalten sich Kurzgeschichte und Kapitel aber doch ziemlich konträr zueinander: Während die Pointe der Kurzgeschichte den ganzen Plot auflösen soll, bietet sich für das Kapitel ein Cliffhanger an, also ein Spannungserhöher, eine Anti-Auflösung.


Kann auch umgekehrt sein. Wenn man einen Witz erzählt (oder eine Anekdote), dann ist die Pointe der Deckel, der alles abschließt. Eine Pointe kann aber auch im Gegenteil eine Tür öffnen in eine neue Handlungsdimension. Wenn Darth Vader sagt: "Ich bin dein Vater", dann stehen die Leute nicht auf und verlassen das Kino, sondern sind erst recht gespannt, wie es weitergeht. Es ist sozusagen eine Auflösung, die trotzdem die Wirkung eines Cliffhangers hat.

Die erste (klassische) Kurzgeschichte, die wir in der Schule kennenlernten, war von Hemingway, sie fing mittendrin an und hörte mittendrin auf, völlig ohne Pointe. Sie war tatsächlich komponiert wie ein Ausschnitt aus einem längeren Ganzen. Dieser Stil wurde ja auch sehr schnell in die Unterhaltungsliteratur übernommen. Nur eben wieder in der breit ausgewalzten Form.

nebenfluss hat Folgendes geschrieben:
Ein Roman funktioniert nicht als eine Aneinanderreihung von Kurzgeschichten mit jeweiliger Pointe,


Das nennt man Episodenroman - gibt's auch ganz ohne Pointe.
Überhaupt wird man für all diese formellen Kriterien auch jede Menge Gegenbeispiele finden. Jedes Schema reizt zum Widerstand.

Die kurze Form ist das beste Mittel gegen Geschwätzigkeit. Deshalb sollte sie jeder mal ausprobiert haben.
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nebenfluss
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BeitragVerfasst am: 07.01.2020 12:27    Titel: Re: Jedem Kapitel sein Geheimnis Antworten mit Zitat

Hallo Willebroer,

mein Beitrag bezog sich nur auf die Idee, Kapitel wie Kurzgeschichten zu schreiben. Dazu müsste man ja zunächst ein Patentrezept für das schreiben einer Kurzgeschichte haben, und das gibt es so natürlich nicht.

Willebroer hat Folgendes geschrieben:
Wenn Darth Vader sagt: "Ich bin dein Vater", dann stehen die Leute nicht auf und verlassen das Kino, sondern sind erst recht gespannt, wie es weitergeht. Es ist sozusagen eine Auflösung, die trotzdem die Wirkung eines Cliffhangers hat.

Ich verstehe was du meinst, aber "Ich bin dein Vater" ist nicht die Art von Auflösung (des storytragenden Konflikts), die ich im Sinn hatte. Ich würde das  eher "Enthüllung" nennen. Es verschärft Skywalkers Konflikt ja eher, wenn ich mich richtig erinnere. Außerdem gilt es als unhöflich, mitten im Film zu gehen Laughing

Zitat:

nebenfluss hat Folgendes geschrieben:
Ein Roman funktioniert nicht als eine Aneinanderreihung von Kurzgeschichten mit jeweiliger Pointe,


Das nennt man Episodenroman - gibt's auch ganz ohne Pointe.

Ich weiß schon, was ein Episodenroman ist. Nur würde ich die Episoden in einem Episodenroman wiederum nicht als Kapitel bezeichnen.
Zitat:

Jedes Schema reizt zum Widerstand.

Wie man sieht ... und das ist auch gut so.


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Malaga
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BeitragVerfasst am: 07.01.2020 13:03    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo nebenfluss, eine Kurzgeschichte im ursprünglichen Sinn nach dem Beispiel Hemingways, wie Willebroer schon sagte, ist nicht nur eine kurze Geschichte. Der Begriff wird inzwischen inflationär für jede Art von Kurzprosa benützt. Eine Kurzgeschichte ist eine Momentaufnahme aus einem Alltagsgeschehen, ohne Anfang und Ende und Pointe. Dennoch mit Bedeutungsschwere. Und genau darum geht es mir.
Jedes Kapitel soll eine Eigenwertigkeit bekommen, eine Bedeutung für sich selbst, über seine Funktion für die ganze Geschichte hinaus.
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nebenfluss
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BeitragVerfasst am: 07.01.2020 13:37    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Malaga,
Malaga hat Folgendes geschrieben:
Eine Kurzgeschichte ist eine Momentaufnahme aus einem Alltagsgeschehen, ohne Anfang und Ende und Pointe.

Woher hast du diese Definiton?
Mir scheint sie als solche wenig plausibel, denn eine Kurzgeschichte ist ein abgeschlossenes Werk. Was heißt da "ohne Anfang und Ende"?
EDIT: Und wie würdest du ein Stück Kurzprosa mit Pointe bezeichnen, wenn es keine Kurzgeschichte sein kann?


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Taranisa
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BeitragVerfasst am: 07.01.2020 15:55    Titel: Antworten mit Zitat

Für mich hat eine Kurzgeschichte in jedem Fall Anfang, Höhepunkt und Ende, sie spielt "nur" in einem kürzeren Zeitraum. Dass die (Lebens-)Geschichte der Hauptfigur früher anfängt und nach dem in der KG erzählten Zeitraum normalerweise irgendwie weitergeht, stellt für mich keinen Widerspruch dar. Die KG zeigt ein bestimmtes Geschehen, einen bestimmten Entwicklungsschritt der Hauptfigur. Insofern ist der Vergleich Kapitel - Kurzgeschichte naheliegend, jedoch läuft im Bezug zum Kapitel der Haupthandlungsstrang und die eine oder andere Nebenhandlung weiter, bzw. könnt eine Nebenhandlung im Kapitel abgeschlossen werden und eine neue beginnen.

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Malaga
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BeitragVerfasst am: 08.01.2020 17:00    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo, nebenfluss,
Zitat:
Woher hast du diese Definiton?

Zunächst aus dem Hinterkopf. Überprüft noch einmal an einigen Definitionen.
 
Zitat:
Was heißt da "ohne Anfang und Ende"?

Allgemein ist davon die Rede, dass Kurzgeschichten unvermittelt anfangen, ohne richtige Einleitung, Und ein offenes Ende haben.
Es stimmt, dass bei einigen Definitionen von einer möglichen Pointe die Rede ist, so auch bei Wikipedia. Nicht so in diversen Deutschbüchern.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kurzgeschichte
Und wie würdest du ein Stück Kurzprosa mit Pointe bezeichnen, wenn es keine Kurzgeschichte sein kann?
Warum nicht einfach Geschichte?
Im Rahmen von Kurzprosa gibt es viele mögliche Kategorisierungen, Kürzestgeschichte, kurze Erzählung, Parabel, Märchen, und diese können auch Elemente von anderen Formen enthalten.
Es ist richtig, dass der Begriff Kurzgeschichte im allgemeinen für alle möglichen Formen von Kurzprosa gebraucht wird, ich selbst spreche auch bei einer Anthologie von eine Ansammlung von Kurzgeschichten, selbst wenn diese Definition gar nicht durchgängig zutrifft.
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Malaga
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BeitragVerfasst am: 08.01.2020 17:07    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,Taranisa,
Zitat:
Für mich hat eine Kurzgeschichte in jedem Fall Anfang, Höhepunkt und Ende, sie spielt "nur" in einem kürzeren Zeitraum.

Für mich können/müssen Kapitel nicht Anfang und Ende haben, bzw. oft nur einen unvermittelten Anfang und ein offenes Ende. Höhepunkt? Da bin ich wieder an meinem Problem. Auf jeden Fall brauchen sie etwas, dass sie unabhängig vom Gesamtplot, von der Gesamthandlung reizvoll und lesenswert macht.
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Willebroer
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BeitragVerfasst am: 08.01.2020 19:22    Titel: Antworten mit Zitat

Ich finde die Frage nach wie vor sehr nützlich. Vor allem, wenn man sich nicht in Definitionsfragen verbeißt.

Wenn man zu einfach übersetzt: Modern Short Story = Short Story = Kurzgeschichte = kurze Geschichte, kommt man schnell auf ein falsches Gleis.
Die "Novel" ist ja auch keine Novelle.


Wahrscheinlich kommt die Form von Edgar Allan Poe den meisten hier eher entgegen als die von Hemingway. Dann wäre man weniger bei formalen Kriterien, sondern bei dem, was man selber erwartet: Spannung, Höhepunkt, Auflösung.

Oder man sieht es nicht als Verpflichtung, sondern als Herausforderung: Denk mal drüber nach, ob du jedem Kapitel ein kleines Geheimnis geben kannst. Unabhängig von der Länge. Vielleicht regt das die Kreativität an, vielleicht kommt man so auf die Prise Salz, die evt. noch fehlte, oder das achtel Lorbeerblatt.

Ein bekannter Autor (weiß nicht mehr, welcher) hat mal sinngemäß gesagt: Eine gute Kurzgeschichte sollte am Anfang eine Frage aufwerfen, die im Laufe des Geschehens beantwortet wird.  

Oder man formuliert es etwas um: Jedem Kapitel ein eigenes kleines Herz, das es am Leben hält.

Vielleicht macht das die Qualität eines guten Romans aus: Wenn jedes Kapitel oder gar jeder Ausschnitt für sich überlebensfähig wäre. Das holografische Prinzip. Auf solchen Säulen könnte man dann die große Geschichte aufbauen, die noch ein wenig mehr ist als die Summe der Einzelteile.
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Malaga
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BeitragVerfasst am: 09.01.2020 17:54    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Stimmt, ich habe auch festgestellt, dass das Definitionsgeplänkel zwar Zeit kostet, aber – mich jedenfalls – nicht weiter bringt.

Die genannte Frage ist für mich nicht nur nützlich, sondern elementar, denn im Moment hält sie mich davon ab, den Roman, der eigentlich steht, herunter zu schreiben.
Wie immer man es nennt, jedes Kapitel braucht ein gewisses Etwas, ein Herz, ein Geheimnis, einen Pfiff. Etwas, was den Leser, jedenfalls den, den ich im Sinne hab, andocken lässt.
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