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Sterbeszene, realistisch oder Klischee-Alarm?


 
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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 29.12.2019 19:04    Titel: Sterbeszene, realistisch oder Klischee-Alarm? eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Ein Schnipsel aus meinem neuesten Projekt, eine weitere Geschichte aus dem Universum, in dem auch schon mein "Drecksratte" spielt.
Zur Vorgeschichte: In einer brachliegenden Großstadt kämpfen u.a. auch Jugendbanden ums Überleben. Die wenigen Märkte sind gut bewacht. Eine Gruppe Jugendlicher, 13-15, ist zum Lebensmittel "organisieren". Lisa, die Zwillingsschwester von Gina, wird dabei von einem Händler erwischt und muss fliehen.

Ist die Szene nachvollziehbar oder bediene ich damit jedes abgegriffene Klischee?
Habe ich den körperlichen Zustand richtig dargestellt? Kann man in dem Zustand noch reden und ist das Verhalten glaubwürdig?
Ich habe ehrlich gesagt noch nie einen Prota sterben lassen... Embarassed
Die Örtlichkeiten sind übrigens real, da möchte ich wenig dran ändern.


Mühsam unterdrückte Gina den Reflex, ihrer Schwester hinterher zu stürzen, sondern überquerte betont langsam die Straße. Noch sah sie weder Lisa noch ihren Verfolger.
Eine Quergasse weiter lag ein aufgeplatzter Rucksack mit zerdrücktem Gemüse mitten auf der Fahrbahn. Lisas Rucksack.
Fahrig zerrte sie den Beutel am Träger hoch und rannte in die Gasse. Aus den Augenwinkeln sah sie noch, dass gerade Mareike aus der Markthalle gelassen wurde.
Gina wand sich um einige Autowracks. Als nächstes stolperte sie über einen Schuh, auch einer von Lisas. Geradeaus war die Gasse von Trümmerschutt versperrt, aber links führte ein Durchgang in einen Hinterhof. Sie stoppte und lauschte in die Öffnung. Unterschwellig glaubte sie, zwischen ihrem eigenen hektischen Atem ein leises Stöhnen zu vernehmen.  
 
Mit bis zum Hals klopfendem Herzen keuchte Gina dem Geräusch hinterher, ohne auf die anderen zu warten.
Das Erste, was sie im Hof sah, war der Körper des Händlers. Er lag auf dem Rücken in einer Blutlache, seine Augen starrten tot in den dunstigen Himmel. Lisas Dolch steckte bis zum Heft in seiner Brust. Einige Meter vor ihm lag ein anderer Dolch, wohl sein eigener. Auch dieser glänzte blutfleckig.
Dann entdeckte sie Lisa. „ Oh nein!“ japste sie und taumelte zu ihrer Schwester.
Lisa saß kreideweiß mit dem Rücken an der Hauswand. Mit geradezu erstauntem Gesicht blickte sie auf ihre Hand, die sie auf ihre Brust presste. Zwischen ihren Fingern quoll eine unglaubliche Menge hellrotes Blut hervor. Ihr Atem ging rasselnd. Als sie ihre Schwester bemerkte, rang sie sich ein schmerzverzerrtes Lächeln ab.
„...zu spät...habs versaut!“ röchelte sie.
„Lisa!“ Gina fiel vor ihr auf die Knie und wollte hektisch ihre Hand von der Wunde ziehen.
„Wir müssen ... die Blutung stoppen... Kompresse, schnell!“ Ihre Stimme wurde zu einem Fiepen.
„Nein!“,keuchte Lisa und wehrte sie schwach ab. „...zuviel...Lunge...Blut...geht nicht...“
Ein Hustenanfall schüttelte sie. Roter Schaum quoll aus Mund und Nase.
Sie tastete nach Ginas Hand und packte sie erstaunlich kräftig.
„Tut...mir...leid....hab Mama versprochen....dich...aufzupassen...versagt.“
Aus ihrer Stimme war ein kaum zu verstehendes Gurgeln geworden. Ein weiterer Hustenanfall ließ einen Schwall Blut aus ihrem Mund fließen.
„ Gini...liebe dich...leb wohl...“
Ihre Augen glitten in eine unbestimmte Ferne, das rasselnde Röcheln verstummte.
„Nein!“, heulte Gina. „Lis, bleib bei mir! Wir bringen dich nach Hause und alles wird gut! Hörst du mich?“ Sie schüttelte Lisa, die immer tiefer rutschte.
„Gina“, Mareike war hinter sie getreten und berührte sanft ihre Schulter. „Sie kann dich nicht mehr hören.“
„Oh doch!“ wimmerte Gina.“ Sie hört mich. Ich muss nur lauter reden. Lis! Lis!!“
Erst jetzt schien sie wirklich zu begreifen und brach schluchzend auf der Brust ihrer Schwester zusammen.
„Wir können sie nicht hier liegenlassen“, meinte Calvin tonlos. Bis eben hatten er und Phil nur hilflos und überfordert ein paar Schritte daneben gestanden. Die Aufgabe ließ sie aus ihrer Starre erwachen.
Mareike wandte sich diskret ab und zerrte derweilen das Messer aus dem Körper des Händlers. Diskret ließ sie es in ihrer Tasche verschwinden, bevor sie die völlig aufgelöste Gina von der Leiche ihrer Schwester wegzog.
Die Jungen knüpften aus ihren Jacken eine Art Behelfstrage, auf die sie Lisa packten. Mareike drückte ihr sacht die Augen zu und bedeckte Lisas Gesicht mit einem Tuch. Schweigend, nur von Ginas Schluchzen untermalt, setzte sich ihr glückloser Expeditionszug in Bewegung.



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Calvin Hobbs
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BeitragVerfasst am: 29.12.2019 19:54    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo smile
Liest sich gut.
Einziger Stolperstein -> Schweigend, nur von Ginas Schluchzen untermalt, setzte sich ihr der glückloser Expeditionszug in Bewegung.


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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 29.12.2019 19:56    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Käme "begleitet" besser? Oder "unterbrochen"?
Das hatte ich zuerst stehen.


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schreibmalwieder
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BeitragVerfasst am: 29.12.2019 20:01    Titel: Antworten mit Zitat

Also vorweg: Dein Schreibstil und der Ausschnitt aus der Erzählung gefällt mir so gut, dass ich Drecksratte sehr gerne lesen möchte (und auch mehr von dem neuen Projekt).

Zu Deiner Frage: Ich habe keine persönliche Erfahrung mit dem Töten von Menschen durch Messer, daher behelfe ich mir auch mit Recherchen. Da in meinen Projekten auch in der Regel Menschen versterben habe ich ein bisschen was dazu gelesen.

Zitat:
Mit geradezu erstauntem Gesicht blickte sie auf ihre Hand, die sie auf ihre Brust presste. Zwischen ihren Fingern quoll eine unglaubliche Menge hellrotes Blut hervor. Ihr Atem ging rasselnd. Als sie ihre Schwester bemerkte, rang sie sich ein schmerzverzerrtes Lächeln ab.


Die Frage ist: Wo traf der Angreifer sein Opfer wie? Brust kann bedeuten: Ins Herz. Dann ist entweder ziemlich schnell Schluß - zum Beispiel durch Herzstillstand, es kann aber auch zu einer Herzbeuteltamponade kommen, bei der das Herz am Schlagen gehindert wird, durch Einblutung. Das wäre aber im Wesentlichen eine Innere Verletzung. In diesem Fall würde der Atem eher keuchend gehen - Atemnot wäre das beherrschende Symptom, ebenso wie hoher Puls und abnehmender Blutdruck. Auch hier ist die Restlaufzeit aber sehr übersichtlich, wenn es sich um einen guten Treffer handelt.

Das Ableben kann auch durch einen Pneumothorax, also eine Öffnung von Lunge und Brustraum und dem dann folgenden Kollaps eines Lungenflügels geschehen. Das wäre bei einem einzelnen Betroffenen Lungenflügel ohne weitere Verletzungen aber wahrscheinlich nicht so schnell tödlich, wie in Deinem Text. Flüssigkeitsansammlungen im Lungen/Brustraum könnten das rasselnde tiefe Blubbern erzeugen, dass Deine Prota (selig) von sich gibt. Auch roter Schaum ist wohl typisch für Blut in der Lunge. Es gäbe aber möglicherweise eine Aussicht auf Rettung.

Last not least: Das hervorquellende hellrote Blut. Das spricht wiederum für einen Arterientreffer und ein funktionierendes Herz, das weiter Blut pumpt. Das ist meines Wissens direkt an der Brust schwierig, weil entweder das Brustbein die Arterien schützt oder einer der anderen Treffer (s.o.) deutlich wahrscheinlicher wäre. Das herausgepumpte Blut ist eher bei einem Treffer der Hauptarterien am Hals, Bein, Bauch oder Arm zu sehen.

Hier haben die Verblutenden bis zum Eintreten von Lebensgefahr je nach Größe des Gefäßes und Pumpleistung eher noch Minuten bei Bewusstsein (können sich bewegen, reden, Mimik, Gestik zeigen).

Nicht zu vergessen bei jeder Art lebensbedrohender Verletzung: Schock. Dieser konkurriert mit dem einströmenden Adrenalin, das zum Teil dazu führen kann, dass die Verletzung zunächst gar nicht wahrgenommen wird. Das wäre aber bei Deiner Schilderung wahrscheinlich schon vorbei. Durch den Schock werden Menschen jedenfalls häufig und schnell bewusstlos.

Ich glaube, vielleicht entscheidest Du Dich für eine der möglichen Todesarten, statt alle zu kombinieren. Ich glaube, so ist es tatsächlich nicht realistisch. Aber wie gesagt, ich bin selbst weder Serienkiller, noch Arzt.

Bin aber gespannt, wie es weitergeht.
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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 29.12.2019 20:07    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke auch für deine Anregungen! Vielleicht meldet sich ja noch ein Mediziner (oder Serienkiller... Wink ).
Hatte das auch nur irgendwo gelesen, dass bei Lungenverletzungen hellrotes, arterielles Blut typisch wäre.


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Calvin Hobbs
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BeitragVerfasst am: 29.12.2019 20:54    Titel: Antworten mit Zitat

Thomas74 hat Folgendes geschrieben:
Käme "begleitet" besser? Oder "unterbrochen"?
Das hatte ich zuerst stehen.


Auf die Schnelle hätte ich "unterbrochen" genommen.

Kurz noch etwas zum "großen" Thema: Ich finde, dass die Beschreibung des Todeskampfes völlig ausreicht. Denn, die Zahl derer, die das in der einen oder anderen Art verifizieren können, dürfte sich in Grenzen halten. Ich bin ehrlich, ich halte das Geschriebene für realistisch und nachvollziehbar und werde dazu weder meinen Hausarzt noch das Internet befragen. Wenn jetzt natürlich jemand Dir grobe Mängel bescheinigen würde, okay. Aber die Szene ist mit dem letzten Satz vorbei und die Geschichte geht weiter.


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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 29.12.2019 21:04    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank, das hilft mir sehr weiter.
Bei der weiterführenden Szene wird es noch schwieriger.
Wirkt das (makabere) Thema nachvollziehbar, ohne unfreiwillig komisch zu wirken?
Kann so etwas überhaupt auf real existierenden Ebenen geschildert werden?
Es geht um den Umgang mit Toten unter anderen Moralvorstellungen und Lebensumständen.
(zur Erläuterung: das Quartier der Gang ist ein leerstehendes Krematorium, daher stammen auch die beschriebenen Zubehör-Gegenstände, die ja eher unüblich für eine postapokalyptische Truppe sind)


Als sie durch den Haupteingang die Halle betraten, warteten die Zurückgebliebenen schon auf sie. Ihre Späher hatten längst die trübsinnige Prozession entdeckt und Alarm geschlagen.
Gina stolperte hölzern mit starrem Blick an Candice vorbei in Richtung Schlafräume. Auf den schnellen Wink ihrer Anführerin eilte Dauphiné hinterher. Mareike, die Gina bis hierher geführt hatte, war selber dem Abklappen nahe.
Keuchend legten die beiden Jungen ihre traurige Fracht vor Candice ab. Sie hockte sich daneben und hob das Tuch von Lisas Gesicht. „Schlaf gut, Lisa“, flüsterte sie und strich ihrer toten Freundin zärtlich über die Wange. Schwerfällig richtete sie sich wieder auf und wollte etwas sagen, doch sie brachte nur ein dumpfes Schlucken zustande. Es dauerte einige Sekunden, bis sie die Fassung zurückgewann und die vertraute Härte in ihre Stimme zurückkehrte.
  „Lisa hat es verdient, den würdigsten Abschied zu bekommen, den wir ihr bieten können. Mit allen Ehren.“
Sie blickte die Umstehenden an, die betreten zu Boden schauten. Einige Kleinere weinten.
„Britta, du suchst dir ein paar Helfer und ihr bereitet für morgen das Letzte Mahl vor. Kriegst du das hin?“
Die Angesprochene schluckte bitter und nickte.  
„Calvin, Phil, schafft ihr sie bitte noch ins Untergeschoss? Danach nehmt euch frei.“
Erst als Lisa weggeschafft war und alle den Saal verlassen hatten, merkte Candice, wie ihre Knie zitterten. Sie musste sich an eine Säule lehnen.
Wirst alt und weich, dachte sie bitter.

Der Speiseraum strahlte andächtige Würde aus. Der Krimskrams,der Tisch und Ecken bedeckt hatte, war verschwunden. Auf der Tischplatte stand eine geschlossene Edelstahlschale mit einem verblichenen Seidenblumenbouquet auf einem unwirklich weißen Leinentuch. Votivkerzen tauchten den abgedunkelten Raum in festliches Licht.
Die Kinder traten stumm vor ihre Plätze und warteten auf den Wink, sich setzen zu dürfen.
Zur Feier des Tages waren ihre Füße blitzsauber und die struppigen Haare mühsam gekämmt.
Dann fassten sich alle für einen Schweigemoment an den Händen. „Ist sie da drin?“ wisperte Phil und blickte auf die Schale. Ein strafender Seitenblick Dauphinés ließ ihn verstummen.
Allee Blicke richteten sich auf Gina, die steif und verloren an der Stirnseite der Tafel saß. Verängstigt schaute sie Candice an. „Ich kann das nicht!“ flehte sie wispernd. „Sag du das Tischgebet! Bitte!“
Diese schüttelte sacht den Kopf.
„Nein, Gina, das musst du tun. Du bist die nächste Angehörige. Es war deine Schwester; also ist es deine Pflicht. So will es der Brauch. Schaffst du das? Für Lisa?“
Hölzern erhob sich Gina und klammerte sich haltsuchend an die Tischkante .
„Es geht schon“, flüsterte sie tonlos und wehrte hilfreiche Hände ab.

Ihr Blick richtete sich auf einen Punkt weit hinter ihnen.
„Lisa...“, begann sie stockend. Ihre Stimme brach. Sie atmete rasselnd tief durch. Dann räusperte sie sich und begann mit erstickter Stimme zu sprechen.
„Lisa...du bist gegangen, aber dennoch hier. Deine Kraft werde ein Teil unserer Kraft, deine Seele...ein Teil, ein Teil...“ Gina schniefte laut und begann zu zittern. Eine Träne löste sich und rollte über ihre Wange. Sie holte tief Luft und packte die Tischkante fester, dass ihre Knöchel  weiß anliefen. „Deine Seele werde ein Teil unserer Seelen“, fuhr sie sicherer fort.
„Und deine Leib – werde ein Teil von unseren!“ Sie atmete schwer, schloss die Augen und hob den Deckel von der großen Edelstahlschale.
„Danke, Lisa, für deine Gabe!“
Zitternd tastete sie hinein und führte stockend ein Stück gebratenes Fleisch zum Mund, biss ein kleines Stück ab und kaute mechanisch.
Tränen liefen aus ihren geschlossenen Augen, als sie auf ihren Stuhl sank.
Jetzt griffen auch die Anderen in die Schale.
„Danke, Lisa, für deine Gabe!“ intonierten sie im Chor.
Andächtig schweigend aßen die Kinder. Selbst den Jüngsten war die Würde des Augenblicks bewusst. Anstand und Pietät geboten, das Stück Fleisch komplett zu essen, ohne etwas übrig zu lassen oder gar aus dem Mund zu nehmen.
Aber niemand beschwerte sich. Die große Schale leerte sich schnell. Die schmale Kost der letzten Zeit tat ein Übriges. Gebratenes gab es schließlich nicht alle Tage.
Britta hatte sich wirklich Mühe gegeben, das Mahl würdig anzurichten und neutrale Formen aus dem Fleisch zu schneiden. Nur primitive Barbaren packten beim Letzten Mahl erkennbare Körperteile auf den Tisch.
Die kleine Kira leckte sich die Finger ab und schaffte es nicht ganz, ein sattes Bäuerchen zu unterdrücken, was ihr ein empörtes Zischeln einbrachte.
Als die Schale leer war, blieben alle schweigend sitzen und hingen düsteren Gedanken nach. Candice starrte mit unbeweglichem Gesicht vor sich hin. Es war nicht das erste Mal, dass sie in ihrer Zeit als Anführerin ein Kind der Gruppe verloren. Aber keines von ihnen hatte ihr so nahe gestanden wie Lisa. Fast, als ob sie ebenfalls eine Schwester verloren hatte. Sie glaubte zu wissen, wie Gina sich fühlte.
Nach dem Essen traten die Kinder einzeln an Gina vorbei, drückten ihr stumm die Hand oder umarmten sie mit unterdrücktem Schluchzen. Das Mädchen ließ die Kondolenzbekundungen mit  versteinerten Gesicht über sich ergehen. Erst als alle den Speisesaal verlassen hatten, brach sie schluchzend mit dem Kopf auf der Tischplatte zusammen.


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schreibmalwieder
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BeitragVerfasst am: 29.12.2019 23:07    Titel: Antworten mit Zitat

Schwere Kost. Aber ich finde es insgesamt gut aufgelöst. Auch wenn ich gar nicht weiß, ob ein Krematorium oder eine aufgegebene Großküche für diese spezielle Form des Abschieds besser vorbereitet ist. Ich denke da aber gerade an die Serie Rain, wo es eine ganz ähnliche Szene gibt.

Mich persönlich stört es nicht (was im Übrigen auch schon für die flüssig geschriebene Szene von Lisas Ableben gilt. In der Tat ist das rote Blut auf jeden Fall typisch - ich glaube den Schwall aus dem Mund würde ich dann weglassen)

Ich finde auch nicht, dass es ins unfreiwillig Komische abgleitet.

Bin gespannt, wie es weitergeht!


Thomas74 hat Folgendes geschrieben:

Als sie durch den Haupteingang die Halle betraten, warteten die Zurückgebliebenen schon auf sie. Ihre Späher hatten längst die trübsinnige Prozession entdeckt und Alarm geschlagen.
Gina stolperte hölzern mit starrem Blick an Candice vorbei in Richtung Schlafräume. Auf den schnellen Wink ihrer Anführerin eilte Dauphiné hinterher. Mareike, die Gina bis hierher geführt hatte, war selber dem Abklappen nahe.
Keuchend legten die beiden Jungen ihre traurige Fracht vor Candice ab. Sie hockte sich daneben und hob das Tuch von Lisas Gesicht. „Schlaf gut, Lisa“, flüsterte sie und strich ihrer toten Freundin zärtlich über die Wange. Schwerfällig richtete sie sich wieder auf und wollte etwas sagen, doch sie brachte nur ein dumpfes Schlucken zustande. Es dauerte einige Sekunden, bis sie die Fassung zurückgewann und die vertraute Härte in ihre Stimme zurückkehrte.
  „Lisa hat es verdient, den würdigsten Abschied zu bekommen, den wir ihr bieten können. Mit allen Ehren.“
Sie blickte die Umstehenden an, die betreten zu Boden schauten. Einige Kleinere weinten.
„Britta, du suchst dir ein paar Helfer und ihr bereitet für morgen das Letzte Mahl vor. Kriegst du das hin?“
Die Angesprochene schluckte bitter und nickte.  
„Calvin, Phil, schafft ihr sie bitte noch ins Untergeschoss? Danach nehmt euch frei.“
Erst als Lisa weggeschafft war und alle den Saal verlassen hatten, merkte Candice, wie ihre Knie zitterten. Sie musste sich an eine Säule lehnen.
Wirst alt und weich, dachte sie bitter.

-> Namen in diesem kurzen Abschnitt: Gina, Candice, Dauphiné (ich glaube, Du meinst Dauphine, wenn es ein Mädchenname sein soll), Mareike, Lisa, Britta, Phil, Calvin - einige mehrmals. Das fand ich schwierig zu verfolgen.

Der Speiseraum strahlte andächtige Würde aus. Der Krimskrams,der Tisch und Ecken bedeckt hatte, war verschwunden. Auf der Tischplatte stand eine geschlossene Edelstahlschale mit einem verblichenen Seidenblumenbouquet auf einem unwirklich weißen Leinentuch. Votivkerzen tauchten den abgedunkelten Raum in festliches Licht.
Die Kinder traten stumm vor ihre Plätze und warteten auf den Wink, sich setzen zu dürfen.
Zur Feier des Tages waren ihre Füße blitzsauber und die struppigen Haare mühsam gekämmt.
Dann fassten sich alle für einen Schweigemoment an den Händen. „Ist sie da drin?“ wisperte Phil und blickte auf die Schale. Ein strafender Seitenblick Dauphinés ließ ihn verstummen.
Allee Blicke richteten sich auf Gina, die steif und verloren an der Stirnseite der Tafel saß. Verängstigt schaute sie Candice an. „Ich kann das nicht!“ flehte sie wispernd. „Sag du das Tischgebet! Bitte!“
Diese schüttelte sacht den Kopf.
„Nein, Gina, das musst du tun. Du bist die nächste Angehörige. Es war deine Schwester; also ist es deine Pflicht. So will es der Brauch. Schaffst du das? Für Lisa?“
Hölzern erhob sich Gina und klammerte sich haltsuchend an die Tischkante .
„Es geht schon“, flüsterte sie tonlos und wehrte hilfreiche Hände ab.

Ihr Blick richtete sich auf einen Punkt weit hinter ihnen.
„Lisa...“, begann sie stockend. Ihre Stimme brach. Sie atmete rasselnd (-> Wenn die letzten Atemzüge von Lisa rasseln, dann sollte eine Lebende anders atmen.) tief durch. Dann räusperte sie sich und begann mit erstickter Stimme zu sprechen.
„Lisa...du bist gegangen, aber dennoch hier. Deine Kraft werde ein Teil unserer Kraft, deine Seele...ein Teil, ein Teil...“ Gina schniefte laut und begann zu zittern. Eine Träne löste sich und rollte über ihre Wange. Sie holte tief Luft und packte die Tischkante fester, dass ihre Knöchel  weiß anliefen. „Deine Seele werde ein Teil unserer Seelen“, fuhr sie sicherer fort.
„Und deine Leib – werde ein Teil von unseren!“ Sie atmete schwer, schloss die Augen und hob den Deckel von der großen Edelstahlschale.
„Danke, Lisa, für deine Gabe!“
Zitternd tastete sie hinein und führte stockend ein Stück gebratenes Fleisch zum Mund, biss ein kleines Stück ab und kaute mechanisch (Hier kann ich mir stärkere Ausdrücke vorstellen - vielleicht apathisch, vielleicht sogar widerwillig, denn Kauen ist immer ein mechanischer Vorgang).
Tränen liefen aus ihren geschlossenen Augen, als sie auf ihren Stuhl sank.
Jetzt griffen auch die Anderen in die Schale.
„Danke, Lisa, für deine Gabe!“ intonierten sie im Chor.
Andächtig schweigend aßen die Kinder. Selbst den Jüngsten war die Würde des Augenblicks bewusst. Anstand und Pietät geboten, das Stück Fleisch komplett zu essen, ohne etwas übrig zu lassen oder gar aus dem Mund zu nehmen.
Aber niemand beschwerte sich. Die große Schale leerte sich schnell. Die schmale Kost der letzten Zeit tat ein Übriges. Gebratenes gab es schließlich nicht alle Tage.
Britta hatte sich wirklich Mühe gegeben, das Mahl würdig anzurichten und neutrale Formen aus dem Fleisch zu schneiden. Nur primitive Barbaren packten beim Letzten Mahl erkennbare Körperteile auf den Tisch.
Die kleine Kira leckte sich die Finger ab und schaffte es nicht ganz, ein sattes Bäuerchen zu unterdrücken, was ihr ein empörtes Zischeln einbrachte.
Als die Schale leer war, blieben alle schweigend sitzen und hingen düsteren Gedanken nach. Candice starrte mit unbeweglichem Gesicht vor sich hin. Es war nicht das erste Mal, dass sie in ihrer Zeit als Anführerin ein Kind der Gruppe verloren. Aber keines von ihnen hatte ihr so nahe gestanden wie Lisa. Fast, als ob sie ebenfalls eine Schwester verloren hatte. Sie glaubte zu wissen, wie Gina sich fühlte.
Nach dem Essen traten die Kinder einzeln an Gina vorbei, drückten ihr stumm die Hand oder umarmten sie mit unterdrücktem Schluchzen. Das Mädchen ließ die Kondolenzbekundungen (Nach dieser Zeremonie irritierten mich diese Form der förmlichen Kondolenzbekundungen - und auch das Wort selbst. Aus meiner Sicht kann der ganze Satz weg) mit  versteinerten Gesicht über sich ergehen. Erst als alle den Speisesaal verlassen hatten, brach sie schluchzend mit dem Kopf auf der Tischplatte zusammen.
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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 29.12.2019 23:16    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Smile Danke für deine Mühe mit meinem Text!
Ich werde die Vorschläge entsprechend umsetzen.

Nein , Dauphine ohne ´ ist eine französische Landschaft, mit "é" ein Mädchenname, insbesondere in ehemaligen französischen Kolonien verbreitet.(...hat auch einen speziellen Grund, der Name...)
Und keine Sorge, die Personen werden vorher schon eingeführt, die Szene ist ja aus dem Zusammenhang gerissen.

Das war übrigens meine größte Sorge, dass die Szene nicht albern rüberkommt. Kann ich also beruhigt weitermachen. Wink


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BeitragVerfasst am: 29.12.2019 23:50    Titel: Antworten mit Zitat

Thomas74 hat Folgendes geschrieben:
Nein , Dauphine ohne ´ ist eine französische Landschaft, mit "é" ein Mädchenname


Nur kurz und nur, weil ich grade in Frankreich bin: Genau andersrum.


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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 30.12.2019 09:52    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Haha, danke! Dann kriegt jetzt jemand was zu hören, der meinte, es besser zu wissen.
Gut, dass es das Forum gibt.


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BeitragVerfasst am: 17.01.2020 06:09    Titel: Antworten mit Zitat

schreibmalwieder hat Folgendes geschrieben:
Ins Herz. Dann ist entweder ziemlich schnell Schluß

Das ist aber bei jeder Stichverletzung des Torax der Fall, wenn ein lebenswichtiges Organ oder eine Arterie verletzt wird.
In keinem der Fälle wird sich die Patientin noch (lange) unterhalten.

Hier sieht es tatsächlich nach einer arteriellen Verletzung aus. So bleiben der Patientin nur wenige Sekunden.

Durchschnittliche Menge Blut im Körper 6 Liter
Tot tritt nach etwa 40 % Blutverlust ein. = Verlust von 2 bis 2,5 Liter Blut.
Herz pumpt in der Minute etwa 5 Liter.
Demnach ist die Patientin in etwa einer halben Minute verblutet.
Der Verlust des Bewusstseins wird früher eintreten.

VG,

Pheno


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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 18.01.2020 09:54    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Oh, erst jetzt gesehen, dass noch eine Antwort kam. Danke auch dir. Ein Rettungssanitäter hatte mir bestätigt, dass meine Schilderung möglich ist, ich solle den Stich aber recht weit oben ansetzen, dass die Lunge über die nur beschädigte Arterie vollaufen kann.

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BeitragVerfasst am: 18.01.2020 11:20    Titel: Antworten mit Zitat

Thomas74 hat Folgendes geschrieben:
Oh, erst jetzt gesehen, dass noch eine Antwort kam. Danke auch dir. Ein Rettungssanitäter hatte mir bestätigt, dass meine Schilderung möglich ist, ich solle den Stich aber recht weit oben ansetzen, dass die Lunge über die nur beschädigte Arterie vollaufen kann.


Okay, aber du wechselst hier vom allgemeinen in den Sonderfall. In dem Fall ist vieles realistisch, unabhängig von der Wahrscheinlichkeit dazu.
In den amerikanischen Lagerräumungsauktionen im Fernsehen bekommt der Käufer garantierte 500$ für die Zeichnung seiner Nichte, wenn er den richtigen Käufer findet, der ein echter Liebhaber ist und unter der Voraussetzung, dass die Sonne im richtigen Winkel zur Erde steht, sodass sie ihn blendet, damit er die Tesafilmklebestellen quer ducrhs Blatt nicht sehen kann.

Verstehe mich nicht falsch. Natürlich kannst du das so schreiben, warum auch nicht.
Es geht dir aber ums Klischee und es ist ein Klischee (i.w.S.).
Schlimm finde ich das nicht, denn beinahe jede Szene in diesem Bereich (Buch,Film,Hörspiel) bedient sich dieser, ohne dass es auffällt.

VG,

Pheno


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Bea H2O
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BeitragVerfasst am: 20.01.2020 21:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Thomas,

ich weiß gar nicht, ob du noch an weiteren und etwas kritischeren Antworten interessiert bist, du hast ja schon einige positive Rückmeldungen bekommen. Falls aber doch, lasse ich dir auch mal mein Feedback dazu da wink

Tatsächlich ist dein Text mir persönlich viel zu Klischee-belastet. Ich war aufgrund deiner Einleitung echt gespannt auf diese Szene (es stirbt ja nicht oft ein Protagonist wink ), wurde aber durch die Umsetzung doch sehr enttäuscht. Dabei stört mich weniger, dass die Sterbende kreidebleich ist und einen rasselnden Atem hat, sondern eher, dass für mich trotzdem kaum Emotionen bei dieser Szene herüberkommen. Dass Gina lauter reden will, damit Lisa sie noch hört - und das auch noch so sagt - finde ich unglaubwürdig. In Panik lauter zu werden und an Lisa zu rütteln würde mich da schon mehr mitreißen. Generell würde es mich eher beeindrucken, wenn sie doch noch iwas tut, um zu versuchen, Lisa zu retten und sich nicht einfach damit zufrieden gibt, dass diese schon aufgegeben hat.
Auch dass Lisa noch so viel redet, finde ich (unabhängig davon wie realistisch das ist) nicht gelungen. Man versteht ja doch noch sehr gut, was sie sagen wollte. Ich fänd's besser, wenn sie eben nicht mehr dazu kommt, alles wichtige auszusprechen und Gina sich darum bemüht, noch iwie zu verstehen, was die Haupt-Message ist, oder sich im Nachhinein eben noch einmal Gedanken darüber macht. Generell kommen bei mir Ginas Gefühle in dieser Szene einfach zu wenig an.

Aber das ist wie gesagt jetzt mal nur meine Meinung wink

Noch eine kleine Frage: Aus welcher Perspektive ist der Teil eigentlich geschrieben? Das "Erst jetzt schien sie zu begreifen" hat mich iwie rausgeworfen. Ich dachte, du schreibst aus der Perspektive von Gina, aber die wird ja wissen, ob sie es begriffen hat ;D

Viele Grüße und viel Erfolg
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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 04.02.2020 23:10    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Sorry, Bea, irgendwie ging dein Kommentar an mir vorbei. Die Benachrichtigungsfunktion scheint irgendwie zu klemmen. Danke für deine konstruktiven Hinweise. Ich werde sehen, inwieweit ich bei der Änderung darauf zurückgreife.

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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 04.02.2020 23:17    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Nächstes Thema...
Angeregt durch ein anderes Thema hier im Forum habe ich mich noch einmal mit dem Anfang der Geschichte auseinandergesetzt.
Ursprünglich begann alles so:

Schwarz wallte der Rauch des brennenden Blocks in den trüben Himmel, der zum Greifen niedrig und sommerlich gelbbraun über den Ruinen der Stadt hing.
„Sieht aus, als ob es die Jungs geschafft hätten“, meinte der Korporal am gegenüberliegenden Torpfosten beiläufig.
Marek nickte nur und versuchte zum hundertsten Mal, den Riemen des Gewehrs in eine bequemere Position zu ruckeln. Trotz aller Versuche drückte es unangenehm auf dem durchgeschwitzten Rücken.
Wie beneidete er die Offiziere um ihre leichten Maschinenpistolen. Aber als Anwärter durfte er sich mit diesem schweren Vorkriegsprügel abschinden.
„Da kommen sie!“, riss ihn der Korporal aus seinen Gedanken. „Setz die Mütze wieder auf!“.
Marek gehorchte und stülpte brav sein schwarzes Barrett auf die schweißfeuchten Haare.
Mit triumphierenden Gesten marschierte die siegreiche Truppe durch das Lagertor. Fast alle waren heil von der schwierigen Mission zurückgekehrt, wie Marek aufatmend feststellte. Und sie schleppten reiche Beute mit sich. Große Bündel und Kisten, ja, ganze Wagen voll Proviant, Luxusgütern und Waffen rollten in die dachlose Halle, ihr improvisiertes Hauptquartier. Ein Soldat zerrte sogar eine ganze Ziegenherde am Strick hinter sich her.
Doch das bekam Marek nur am Rande mit, weil ihn etwas anderes mit offenem Mund starren lies. Drei Söldner aus dem Ersten Zug schubsten und zerrten ein Mädchen mit sich.
„Was soll das, Marvin?“, brummte der Korporal ärgerlich. „Es hieß doch eindeutig, keine Gefangenen! Außerdem bringt eine Fotze nur Ärger im Lager!“
„Ruhig, Frank“, lachte einer der Söldner. „Das ist ein Geburtstagsgeschenk für den Alten. Der wird doch heute Vierzig!“
„Richtig, da war was...“
„Ist noch unausgepackt und ungeöffnet“, grinste der breitschultrige Soldat, der das Mädchen mit seiner Pranke wie mit einem Schraubstock am Handgelenk hielt.
„Ein richtiges Biest, hat versucht, mir die Augen auszukratzen, als ich nur mal schauen wollte. Genau richtig für unseren Chef.“
Marek musterte das Mädchen verstohlen. Die Kleine war fast noch ein Kind, fünfzehn vielleicht, höchstens sechzehn, siebzehn, wie er selber. Schwer zu sagen unter dem seltsamen Fummel, den sie trug. Sie hatte eine Art Betttuch um Körper und Kopf geschlungen, aus dem nur noch ihr wirklich ausnehmend hübsches, jetzt aber angstverzerrtes Gesicht herausschaute.




Nun hatte ich aber die Idee, eine harmlos beginnende Vorgeschichte davor zu packen, um quasi einen Bruch idyllische Alltagsszene/Endzeit zu schaffen.
Das wäre jetzt der neue Beginn:


„Ich geh bald ein“, keuchte Gina und wedelte sich mit der flachen Hand etwas Luft zu. Obwohl auf dem Dach des Hochhauses ein leichter Luftzug wehte, klebte die Hitze flimmernd unter der gelbbraunen Dunstglocke, die hier oben zum Greifen nah schien.
Wären nicht die beiden Jungen dabei gewesen, hätte sie sich schon längst ihre durchgeschwitzten Kleider vom Leib gerissen. Neidisch blickte sie auf ihre Schwester. Lisa schien die Hitze überhaupt nichts auszumachen. Mit geschlossenen Augen und verträumten Gesicht lehnte sie an einem Lüftungsrohr und summte laut die Musik in ihren Kopfhörern mit. Ab und zu ging das Summen in einen schrägen Gesang über.
„Äs ei was gohhing ohweer...hmmm mmm mmm mmm...tug all off his monnehh...“
„Lisa ? LISA?“ ,Calvin musste brüllen, um auf sich aufmerksam zu machen.
„Häh?“ Sie drückte die Stopptaste, nahm einen Ohrstecker heraus und sah ihn fragend an.     
„Du könntest echt selbst auf MP3 singen.“
„Ja?“ Sie schaute ihn errötend an und drehte eine blonde Strähne um den Zeigefinger.
„Ja, dann könnte man es wenigstens abschalten!“
„Püh!“ Ihr Fuß verfehlte haarscharf sein Schienbein.
„Du machst dir doch nur deinen Nagellack an meinem Marmorkörper kaputt“, grinste er.
„Laß den Banausen“, meinte Gina, nahm ihr den Ohrstecker aus der Hand und setzte ihn sich selber ins Ohr.
„ Sche zwohr dat sche lohwd mi...“
Calvin presste bei dem misstönenden Duett die Hände an die Ohren und zog ein Gesicht, als litte er entsetzliche Zahnschmerzen.
Die Zwillinge verstummten und runzelten synchron ihre Stirn. Gina fasste sich ans Ohr und Lisa tippte mit finsterem Blick auf dem winzigen Display herum. Dann kontrollierten sie das provisorisch angelötete Kabel, welches zu der primitiven Batterie in einem Einweckglas führte. Auch ein Schütteln und Klopfen brachte keinen Erfolg.
„Scheißding! Schon wieder alle!“, fauchte Lisa.
Calvin fiel auf die Knie und breitete theatralisch die Hände zum Himmel. „Danke!“
Sogar Aaron, der bis jetzt teilnahmslos daneben gesessen hatte, musste grinsen.
„Hoffentlich passiert bald mal was“, maulte Gina. „Ich wollte eigentlich noch vor dem Abendessen zurück sein.“
„Hoffe ich auch. Vielleicht schaffen wirs ja noch, baden zu gehen“, überlegte Calvin. „Kommt ihr mit?“   
„Oh, Baden! Wo denn?“, blickte Lisa interessiert von ihrer unbrauchbaren Technik auf.
„Na, im Kanal“, grinste er überlegen.
„Nackig?“, fragte Gina mit Unschuldsmiene.
Calvin grinste noch breiter. „Wenn ihr mitmacht, natürlich.“
Gina beugte sich zu ihrer Schwester und begann, ihr etwas ins Ohr zu flüstern. Dabei deutete sie einen ziemlich kleinen Abstand zwischen Daumen und Zeigefinger an. Der Rest ging in Prusten und Kichern unter.
„Ich geh mal schauen“, murmelte Aaron. Er angelte nach seinen Turnschuhen und schlüpfte verkehrt herum hinein, den linken Schuh an den rechten Fuß und umgekehrt. So drückten sie zwar, aber die Zehen schauten nicht aus den Löchern und verbrannten sich an den heißen Blechschindeln. Er humpelte zur niedrigen Brüstung und schob vorsichtig den Kopf darüber.
„Geht gleich los“, rief er halblaut über seine Schulter. „Sie treiben sie schon im Hof zusammen.“
„Wird ja auch Zeit“, grummelte Gina. „Ich krieg Brandblasen am Arsch, wenn ich noch länger hier sitzen muß!“
„Soll ich pusten?“, bot Calvin zwinkernd an.
Gina streckte ihm die Zunge heraus und lehnte sich wieder an den Lüftungsschacht.
„Ah! Jetzt!“, meldete Aaron. „Achtung!“
Unten ertönte das unregelmäßige Geknatter von Handfeuerwaffen, untermalt von erstickten Schreien, die leise bis zu ihnen heraufwehten.
Calvin legte konzentriert den Kopf schief. „G36 und AK47“, schwadronierte er altklug.
Abrupt endete das Schießen.
„Wartet...“, Lisa hob bedeutungsvoll den Zeigefinger. Gina und Calvin hielten lauschend die Luft an.
Sekunden später ertönte ein einzelner Schuss.
„Wusste ichs doch!“ Lisa grinste triumphierend. „Einer braucht immer eine Extraportion!“  
„Jetzt aber los!“ Aaron scheuchte sie wie eine Schar Hühner zum Treppenabgang. „Die warten nicht auf uns!“
„Das nun wirklich nicht“, murmelte Lisa und zog ohne erkennbare Eile ihre Flipflops an.
Gina war schon an der Tür, auf dem Rücken einen Tragekorb, der fast so groß war, wie sie selber.
Calvin griff seinen Rucksack und warf noch einen Blick über die Brüstung. Drüben schleppten die Söldner gerade die letzten Beutestücke aus dem gestürmten Block. Schon kräuselten sich dünne, schwarze Rauchfahnen aus einigen Fenstern. Sie mussten sich wirklich beeilen, wollten sie noch ein paar Stücken vom Kuchen abhaben. Im Innenhof erkannte er einen Haufen bunter Bündel, die sich wie achtlos hingeworfen in einer Ecke häuften. Die Leichen der ehemaligen Bewohner.
„Wo bleibst du denn!“, winkte Aaron aus der Tür. „Die Mädels sind schon fast unten!“


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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 22.02.2020 13:16    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich hab die Sterbeszene nochmal etwas überarbeitet. Wäre schön, wenn mal jemand drüberschauen würde... Embarassed


Dann entdeckte sie Lisa. „Oh nein!“, keuchte sie und taumelte zu ihrer Schwester.
Lisa saß kreideweiß mit dem Rücken an der Hauswand. Mit ungläubig erstauntem Gesicht starrte sie auf ihre Hand, die sie vor die Brust presste. Zwischen den Fingern quoll stoßweise eine unglaubliche Menge hellrotes Blut hervor. Ihr Atem ging rasselnd. Als sie ihre Schwester bemerkte, rang sie sich ein schmerzverzerrtes Lächeln ab.
„...zu spät...habs versaut!“, röchelte sie.
„Lisa!“ Gina fiel vor ihr auf die Knie und wollte hektisch ihre Hand von der Wunde ziehen.
„Wir müssen die Blutung stoppen... Kompresse, schnell!“, überschlug sich ihre Stimme.
„Nein!“, keuchte Lisa und wehrte sie schwach ab. „...zu viel...Blut...Lunge...geht nicht mehr...“
Ein Hustenanfall schüttelte sie. Roter Schaum quoll aus Mund und Nase.
Sie tastete nach Ginas Hand und packte sie erstaunlich kräftig.
„Tut...mir...leid......“
Aus ihrer Stimme war ein kaum zu verstehendes Gurgeln geworden. Ein weiterer Hustenanfall ließ einen Schwall Blut aus ihrem Mund fließen.
Es schien, als ob sie noch unbedingt etwas sagen wollte, aber dann erschlaffte ihr Körper.
Lisas Augen glitten in eine unbestimmte Ferne, das rasselnde Röcheln verstummte.
„Nein!“, heulte Gina. „Lis, bleib bei mir! Wir bringen dich nach Hause und alles wird gut! Hörst du mich?“ Sie schüttelte Lisa, die immer tiefer rutschte.
„Gina“, Mareike berührte sanft ihre Schulter. „Sie kann dich nicht mehr hören.“
„Oh doch!“, wimmerte Gina. „Sie ist nur ohnmächtig. Wir müssen sie verbinden! Lis, Lis, wach doch endlich auf!“
Dann brach sie schluchzend auf der Brust ihrer Schwester zusammen.
„Wir können sie nicht hier liegenlassen“, meinte Calvin tonlos. Bis eben hatten er und Phil nur hilflos und überfordert daneben gestanden. Die Aufgabe ließ sie aus ihrer Starre erwachen.
Jeden Moment konnten die Wachen hier sein.
Mareike fischte diskret das Messer aus dem Körper des Händlers und ließ es in ihre Tasche gleiten. Dann zog sie sachte die völlig aufgelöste Gina von der Leiche ihrer Schwester weg.
Die Jungen knüpften aus ihren Jacken eine Art Behelfstrage, auf die sie Lisa packten. Mareike drückte ihr sanft die Augen zu und bedeckte Lisas Gesicht mit einem Tuch. Schweigend, nur von Ginas Schluchzen untermalt, setzte sich ihr glückloser Expeditionszug in Bewegung.


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Bea H2O
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BeitragVerfasst am: 22.02.2020 15:10    Titel: Antworten mit Zitat

Wow, schon bemerkenswert, wie kleine Änderungen die Wirkung des Textes auf mich beeinflussen können wink Ich finde es jetzt schon viel besser und kann die Verzweiflung Ginas viel besser nachvollziehen. Auch das einfache "Tut mir leid" in Form von drei simplen Wörtern, empfinde ich als viel eingehender als das Gestammel zuvor. Also von meiner Seite: Liest sich jetzt sehr gut. Ich habe nur noch kleine Anmerkungen/Änderungsvorschläge, direkt im Text:

Thomas74 hat Folgendes geschrieben:

Lisa saß kreideweiß mit dem Rücken an der Hauswand. Mit ungläubig erstauntem Gesicht starrte sie auf ihre Hand, die sie vor die Brust presste. Zwischen den Fingern quoll stoßweise eine unglaubliche Menge hellrotes Blut hervor. Ihr Atem ging rasselnd. Als sie ihre Schwester bemerkte, rang sie sich ein schmerzverzerrtes Lächeln ab.
„...zu spät...habs versaut!“, röchelte sie.
„Lisa!“ Gina fiel vor ihr auf die Knie und wollte hektisch ihre Hand von der Wunde ziehen. Den Zeilenumbruch würde ich löschen. Der hat mich schon beim ersten Lesen verwirrt und dieses Mal wieder. Es bleibt doch Gina, die spricht, oder? (Ich war mir erst nicht so sicher, da sie die Hand wegzieht und doch gleichzeitig auch die Blutung stillen will, was mir per se schon widersprüchlich erscheint, wenn dann auch noch ein Zeileb´numbruch ier steht, denke ich erstrecht, dass es sich um eine andere Person handelt die redet. Aber wer sollte das sein? Lisa meldet sich ja erst im nächsten Satz wieder zu Wort.   
„Wir müssen die Blutung stoppen... Kompresse, schnell!“, überschlug sich ihre Stimme.
„Nein!“, keuchte Lisa und wehrte sie schwach ab. „...zu viel...Blut...Lunge...geht nicht mehr...“
Ein Hustenanfall schüttelte sie. Roter Schaum quoll aus Mund und Nase.
Sie tastete nach Ginas Hand und packte sie erstaunlich kräftig.
„Tut...mir...leid......“
Aus ihrer Stimme war ein kaum zu verstehendes Gurgeln geworden. Ein weiterer Hustenanfall ließ einen Schwall Blut aus ihrem Mund fließen.
Es schien, als ob sie noch unbedingt etwas sagen wollte, aber dann erschlaffte ihr Körper.
Lisas Augen glitten in eine unbestimmte Ferne, das rasselnde Röcheln verstummte.
„Nein!“, heulte Gina. „Lis, bleib bei mir! Wir bringen dich nach Hause und alles wird gut! Hörst du mich?“ Sie schüttelte Lisa, die immer tiefer rutschte.
„Gina“, Mareike berührte sanft ihre Schulter. „Sie kann dich nicht mehr hören.“
„Oh doch!“, wimmerte Gina. „Sie ist nur ohnmächtig. Wir müssen sie verbinden! Lis, Lis, wach doch endlich auf!“
Dann brach sie schluchzend auf der Brust ihrer Schwester zusammen.
„Wir können sie nicht hier liegenlassen“, meinte Calvin tonlos. Bis eben hatten er und Phil nur hilflos und überfordert daneben gestanden. Die Aufgabe ließ sie aus ihrer Starre erwachen.
Jeden Moment konnten die Wachen hier sein.
Mareike fischte diskret das Messer aus dem Körper des Händlers und ließ es in ihre Tasche gleiten. Dann zog sie Gina sachte die völlig aufgelöste Gina von der Leiche ihrer Schwester weg.
Die Jungen knüpften aus ihren Jacken eine Art Behelfstrage, auf die sie Lisa packten. Mareike drückte ihr sanft die Augen zu und bedeckte Lisas Gesicht mit einem Tuch. Schweigend, nur von Ginas Schluchzen untermalt, setzte sich ihr glückloser Expeditionszug in Bewegung.
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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 22.02.2020 15:23    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke!
Der Zeilenumbruch entsteht, wenn ich den Text hier reinkopiere...
Im originalen Text ist es so, wie du vermutest.
Keine Ahnung, warum.

Und zu deiner Frage weiter oben : multiperspektivischer Erzähler.


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Bea H2O
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BeitragVerfasst am: 14.03.2020 10:43    Titel: Antworten mit Zitat

Hi,
Ich finde die Idee mit dem neuen Anfang gar nicht schlecht, würde hier aber vllt den Anfang etwas kürzen, da es so etwas langatmig und z.b.  mir dem Gesang etwas aufgesetzt gut gelaunt auf mich wirkt.
Vg
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BeitragVerfasst am: 26.03.2020 18:05    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo auch von mir, wenn auch etwas spät. Hoffe es ist noch nicht zu spät.
Vieles wurde bereits gesagt, das ich auch so sehen würde.
Grundsätzlich transportiert alles was du schreibst auf jeden Fall sehr viel Stimmung, mir ist richtig unwohl zumute nach der Lektüre, was ja irgendwo beabsichtigt ist. Wirklich schwere Kost, wie ein Vorredner schon sagte. Da gruselt es einen.

Persönlich hat mir der erste Anfang besser gefallen, hat mich mehr mitgerissen.  Ich habe sofort mit dem armen Mädchen mitgefiebert und wollte wissen wie es weitergeht mit ihr. (Dass mich persönlich die Grausamkeit beider Anfänge abschreckt, liegt nicht an deinem Text sondern an mir wink )
Bei der Sterbeszene hatte ich Gänsehaut und die zweite Version ist noch treffender, die erste las sich nicht ganz flüssig.

Ich bin allerdings über eine Sache in der Folgeszene gestolpert:
Zitat:
Nein, Gina, das musst du tun. Du bist die nächste Angehörige. Es war deine Schwester; also ist es deine Pflicht. So will es der Brauch. Schaffst du das? Für Lisa?"


Den Teil des Dialogs finde ich ein wenig hölzern und mit Dialogen steht und fällt für mich ein Buch.

"Das musst du tun."

Wie wäre es mit "Das ist deine Aufgabe." oder kürzer "Nein, Gina, das/es ist deine Pflicht. So will es der Brauch." "Nein, Gina, es ist deine Pflicht als ihre Schwester. So will es der Brauch."

Anstatt "Es war deine Schwester", klingt für mich besser "Sie" oder "Lisa" zu schreiben.


Zu deiner Frage, unfreiwillig komisch ist es nicht. Mir ist eher mein Essen im Hals stecken geblieben. Wink
In so kurzen Szenen so viel der Atmosphäre zu transportieren finde ich bemerkenswert.
Ich glaube zwar nicht, dass ich dein Buch lesen werde, es ist mir zu heftig da schlafe ich nachts nicht mehr, (was null über die Qualität aussagt, ist nur rein persönlich, ich bin eine Mimose was das angeht, besonders bei Kindern) aber ich bin trotzdem davon beeindruckt. Very Happy


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