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Hasta siempre, Commandante


 
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DLurie
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BeitragVerfasst am: 05.12.2019 12:46    Titel: Hasta siempre, Commandante eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Eine kleine Impression von einem Kubaurlaub..

Sie sitzt unter einem Sonnensegel auf einer der Plastikbänke im Heck des Katamarans, der scheinbar schwerelos über die nahezu unbewegte Wasseroberfläche gleitet. Aus den Lautsprechern dröhnt Hasta siempre, Commandante, das Che Guevara Lied, dessen Melodie sie mit summt. In der Ferne erkennt man bereits die Umrisse des Ziels ihres Ausflugs, die kleine, vor der Südküste Kubas gelegenen Insel Cayo Blanco.
Auf dem Vorderdeck tanzen einige Gäste, manche halten dabei Pappbecher mit Bier oder Rum in den Händen. Ein schokoladenbrauner Hintern im String Bikini wackelt um einen fettleibigen Hünen in Badehose, dessen Haut bereits hochrot in der Sonne glänzt. Der Dicke wird sich ordentlich den Pelz verbrennen, geschieht ihm ganz recht, denkt sie. Die verstohlenen Blicke der kubanischen Crew auf den nackten Po entgehen ihr nicht: Die Kleine, weiß nicht, was sich gehört. Einer der Crew hat alle Hände voll zu tun, die Becher der ungefähr zwanzig Bootsgäste nachzufüllen.
Um die Mittagszeit erreichen sie die Insel und gehen an Land. In einer kleinen Bar mit Holztischen und –bänken hat man ein Mittagsbuffet für sie vorbereitet. Eine Kolonie Einsiedlerkrebse wuselt im Sand vor der Bar. Leguane und Baumratten kreisen um die Tische, fauchen sich gegenseitig an – es geht wohl um die besten Plätze am Fressnapf. Wie alle schießt sie ein paar Fotos von den Tieren, die dafür zu posieren scheinen. Man bedient sich am Buffet – eine Paella - und nimmt Platz.
Leider setzen sich die Halbnackte – immerhin hat sie sich zum Essen wenigstens ein rotes Seidentuch um die Hüfte gebunden - und der Fettwanst auf die Plätze ihr gegenüber. Sie ist wohl Italienerin, er vermutlich Holländer. Sie unterhalten sich auf Englisch. Sie schwärmt von Kuba, den lovely and fantastic places, den extremely friendly people, er nickt nur wobei er dümmlich lächelt, stopft Paella in sich hinein, die er mit Unmengen Bier hinunterspült. Von Zeit zu Zeit füttert er einen Leguan unter dem Tisch mit den Resten der Langusten von seinem Teller. Plötzlich springt das Tier an ihm hoch, er erschrickt, schnellt erstaunlich behände hoch, stößt dabei seinen Pappbecher um, so dass etwas Bier über ihren Teller schwappt. Die Krallen des Leguans haben einige Kratzer auf seinem Oberschenkel hinterlassen, was er gar nicht zu bemerken scheint, weil er wahrscheinlich schon zu betrunken ist. Er hält seinen Becher in die Höhe, Cerveza, man füllt nach, er prostet ihr zu: Where do you come from? Let me guess. Germany?
Sie nickt nur – der Prol könnte sich wenigstens entschuldigen.

Nach dem Essen begeben sie sich wieder an Bord und schippern halb um die Insel. Schnorcheln in einem Korallenriff steht auf dem Programm, die Mannschaft verteilt Flossen und Taucherbrillen.
Sie wickelt sich ein Badetuch um, zieht umständlich ihren Badeanzug an. Beim Schnorcheln kommt dauernd Wasser in ihre Maske, sie prustet und schnaubt, kriegt keine Luft und verlässt genervt das badewannenwarme Wasser vor den anderen wieder, ohne auch nur einen einzigen Fisch gesehen zu haben. Sie sieht den Dicken unweit des Boots neben dem italienischen Nacktarsch, beide scheinen die Technik zu beherrschen, liegen ganz entspannt auf der Wasseroberfläche. Fett schwimmt, denkt sie.
Auf der Rückfahrt fließt noch mehr Alkohol. Fast alle tanzen wie entfesselt, inzwischen zu einer Techno-Version von Bella Ciao. Der Holländer übergibt sich auf der Tanzfläche, die Italienerin rutscht beinahe in dem Erbrochenen aus, wird gerade noch von einem anderen Mann aufgefangen. Die Musik verstummt, die Tanzfläche leert sich, Rucksäcke werden in Sicherheit gebracht, ein Mann der kubanischen Crew packt den Holländer am Arm, führt ihn ins Heck, und platziert ihn zwei Sitze neben ihr. Der Mann ist inzwischen krebsrot, zwei blutunterlaufene Striemen ziehen sich quer über seinen Oberschenkel, er hat das Gesicht in den Händen vergraben.  Ein anderes Mitglied der Crew reinigt unterdessen die Füße der Italienerin und dann das Vordeck mit Meerwasser, das er mit Hilfe eines Eimers an einem Seil aus dem Meer schöpft. Als er damit fertig ist geht er wieder zur Musikanlage und legt erneut den Che Guevara Song auf. Dann lacht er sie an, wobei zwei wunderschöne weiße Zahnreihen in seinem Mulattengesicht aufblitzen und sie lächelt zurück.

LG
DLurie

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Calvin Hobbs
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BeitragVerfasst am: 05.12.2019 18:37    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo smile
Joa, netter Text. Allerdings plätschert er ohne Höhen und Tiefen recht belanglos vor sich hin und erzählt mir im Grunde nichts nachhaltiges. Gelesen und vergessen. Quasi, das Urlaubsfoto eines anderen.


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DLurie
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BeitragVerfasst am: 06.12.2019 22:11    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Calvin Hobbs hat Folgendes geschrieben:
Hallo smile
Joa, netter Text. Allerdings plätschert er ohne Höhen und Tiefen recht belanglos vor sich hin und erzählt mir im Grunde nichts nachhaltiges. Gelesen und vergessen. Quasi, das Urlaubsfoto eines anderen.


Hi Clavin,

nun für Urlaubsfotos eignen sich die geschilderten Motive m.E. nur bedingt.
Und wenn du den Text völlig belanglos findest, kann ich nicht viel machen...

LG
DLurie
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Calvin Hobbs
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BeitragVerfasst am: 07.12.2019 08:10    Titel: Antworten mit Zitat

DLurie hat Folgendes geschrieben:
Calvin Hobbs hat Folgendes geschrieben:
Hallo smile
Joa, netter Text. Allerdings plätschert er ohne Höhen und Tiefen recht belanglos vor sich hin und erzählt mir im Grunde nichts nachhaltiges. Gelesen und vergessen. Quasi, das Urlaubsfoto eines anderen.


Hi Clavin,

nun für Urlaubsfotos eignen sich die geschilderten Motive m.E. nur bedingt.
Und wenn du den Text völlig belanglos findest, kann ich nicht viel machen...

LG
DLurie


Das war eine Metapher. Ich vergleiche das mit einem Urlaubsbild, welches Dir Dein Partner/Kollege hinhält. Dir gefällt der Sonnenuntergang, kannst aber keinen persönlichen Bezug dazu herstellen, da Du die Stimmung der Situation in diesem Moment nicht selbst erlebt hast.


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DLurie
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BeitragVerfasst am: 07.12.2019 11:26    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Calvin Hobbs hat Folgendes geschrieben:


Das war eine Metapher. Ich vergleiche das mit einem Urlaubsbild, welches Dir Dein Partner/Kollege hinhält. Dir gefällt der Sonnenuntergang, kannst aber keinen persönlichen Bezug dazu herstellen, da Du die Stimmung der Situation in diesem Moment nicht selbst erlebt hast.


Hi Calvin,

ist mir schon klar, wie du das gemeint hast. Ich hatte halt die Vorstellung, dass in dem Textauszug doch noch etwas mehr anklingt als z.B. die Stimmung bei einem Sonnenuntergang.  Das ist offensichtlich bei dir nicht der Fall.  
(Die Szene ist geplant als Teil einer Kurzgeschichte, in der die Protagonistin, die in der ehemaligen DDR aufgewachsen ist, nach Kuba reist, auch in der Hoffnung/Erwartung, dort die Verwirklichung ihrer sozialistischen Ideale vorzufinden.)

LG
DLurie
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Calvin Hobbs
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BeitragVerfasst am: 07.12.2019 12:47    Titel: Antworten mit Zitat

Dafür ist mir die Perspektive für "sie" zu unpersönlich und distanziert.
Der Zusammenhang mit Deiner Geschichte ist für meinen Geschmack völlig falsch gewählt, denn offensichtlich möchtest Du, dass der Leser durch die Augen der Protagonistin Dekadenz sieht. Da "sie" aber keinerlei Hintergrund hat, verpufft das. Genauso gut könnte sie auch eine verlassene Ehefrau auf Männerjagd sein, die gelangweilt andere Touris beobachtet.
Kurioserweise gab es gestern im TV eine Sendung über die Terroristin Susanne Albrecht, die sich jahrelang in der DDR versteckte und dabei von ihren Vorstellungen des "gelebten Sozialismus" kuriert wurde.
Für mein Empfinden ein sehr komplexes Thema und ich wünsche mir, dass Du genügend DDR-Vergangenheit hast/kennst, um in dieser KG nicht irgendwas halbgares rauszuhauen.


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DLurie
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BeitragVerfasst am: 07.12.2019 13:13    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Calvin Hobbs hat Folgendes geschrieben:

Der Zusammenhang mit Deiner Geschichte ist für meinen Geschmack völlig falsch gewählt, denn offensichtlich möchtest Du, dass der Leser durch die Augen der Protagonistin Dekadenz sieht. Da "sie" aber keinerlei Hintergrund hat, verpufft das. Genauso gut könnte sie auch eine verlassene Ehefrau auf Männerjagd sein, die gelangweilt andere Touris beobachtet.


Hi Calvin,
ok. Der Auszug allein ist für dich im Zusammenhang mit der Thematik nicht tragfähig.  Die Geschichte wird in ihrer Gänze natürlich mehr Hintergrund der Protagonistin bringen.   

Calvin Hobbs hat Folgendes geschrieben:

Für mein Empfinden ein sehr komplexes Thema und ich wünsche mir, dass Du genügend DDR-Vergangenheit hast/kennst, um in dieser KG nicht irgendwas halbgares rauszuhauen.

Danke für deine Wünsche, werden sehen... Laughing

LG
DLurie
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Calvin Hobbs
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BeitragVerfasst am: 07.12.2019 13:34    Titel: Antworten mit Zitat

Vllt. hilft Dir das weiter: "Sie" hat keine Gefühlswelt in Deiner Impression. Deshalb erscheint sie mir austauschbar. Sie schmeckt nicht die See, sie fühlt nicht die Sonne (oder Freiheit), sie riecht nicht das Erbrochene, sie wird nicht von der Musik angefixt. Sie ist nur eine Nebenfigur und soll doch Hauptdarstellerin sein?!

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DLurie
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BeitragVerfasst am: 07.12.2019 13:52    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Calvin Hobbs hat Folgendes geschrieben:
Vllt. hilft Dir das weiter: "Sie" hat keine Gefühlswelt in Deiner Impression. Deshalb erscheint sie mir austauschbar. Sie schmeckt nicht die See, sie fühlt nicht die Sonne (oder Freiheit), sie riecht nicht das Erbrochene, sie wird nicht von der Musik angefixt. Sie ist nur eine Nebenfigur und soll doch Hauptdarstellerin sein?!


Hi Calvin

ich finde, sie hat sehr wohl Gefühle. Sie missbilligt doch deutlich das, was sie sieht.  Sie summt den Che Guevara Song mit. Ob sie jetzt die See schmeckt, oder das Erbrochene riecht, erscheint mir in meinem Kontext nebensächlich..
Aber danke trotzdem für deine Anmerkungen.

LG
DLurie
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Leseprobe
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BeitragVerfasst am: 10.12.2019 17:59    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo DLurie,
auch für mich kommt nicht wirklcih etwas rüber, schade. Ich denke, es sind zu viele Nichtigkieten, die aneinander gereiht werden und nicht miterlebbar sind. Du verlierst dich in unwichtigen Details, die nicht zusammenhängen. Da sollte wirklich mehr Gefühl rein - gerade bei Kuba Smile  Das Land gibt so viel her, alles, ein Sammelsurium an Kulturen, karibischer Sozialismus, Lebensfreude und Armut, Wut und Selbstbewusstsein ...
Vlt kannst du es kürzen, anderes mehr hervor heben ...
na ja, so weit mein Vorschlag ..
Grüße


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DLurie
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BeitragVerfasst am: 10.12.2019 18:18    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Leseprobe,

danke für deine Anmerkungen. Das ist ein kurzer Auszug aus einer längeren Geschichte, an der ich u.a.gerade bastle. Und der scheint offensichtlich so isoliert nicht zu tragen - im Gesamtkontext der Story ergibt er dann hoffentlich mehr Sinn. Insofern machte es wahrscheinlich wenig Sinn, ihn hier in die Werkstatt zu stellen.

LG
Dlurie
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Leseprobe
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BeitragVerfasst am: 12.12.2019 10:27    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo DLurie,
mir scheint das tatsächlich generell ein Problem zu sein, sowohl hier im Forum als auch ähnlich in einer realen Literaturwerkstatt.
Wie stellt man Textauszüge vor, wie bringt man sie ein? Wie viel der Vorgeschichte oder des Gesamtzusammenhangs sind notwendig, dass er rezipiert wird?
Ich habe mich bis jetzt immer in gewisser Weise verweigert, eine Einleitung zu geben. Frage mich inzwischen aber ernsthaft, ob das der Sache guttut. Wenn ich Buchbesprechungen mit Leseproben im Radio höre, ist mir inzwischen bewusst geworden, wird dort im Normalfall auch eine Einleitung gegeben.
Für mich ist das deshalb ein Problem, weil ich den vermeintlichen Anspruch habe, dass auch ein Auszug so gut sein muss, dass er für sich alleine stehen kann.
... das unterscheidet dann die Könner von den anderen ...


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DLurie
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BeitragVerfasst am: 12.12.2019 10:50    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Leseprobe hat Folgendes geschrieben:

Für mich ist das deshalb ein Problem, weil ich den vermeintlichen Anspruch habe, dass auch ein Auszug so gut sein muss, dass er für sich alleine stehen kann.
... das unterscheidet dann die Könner von den anderen ...


Hi Leseprobe,
ein wenig habe ich ja schon gesagt zum Hintergrund. Aber du hast natürlich recht: Der Auszug müsste auch für sich alleine stehen können. Da er das offensichtlich noch nicht tut, muss ich wohl noch daran feilen. Hab ja doch den Anspruch, auch irgendwann mal zu den Könnern zu zählen.  Smile

LG
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a.no-nym
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BeitragVerfasst am: 14.12.2019 02:21    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo DLurie,
ich schleiche schon eine Weile um den Text herum - nun traue ich mich doch, ein paar Gedanken dazulassen. Falls nichts Hilfreiches dabei ist - ab in die Tonne damit wink
Du hast ja bereits selbst geschrieben, dass der Ausschnitt wahrscheinlich zu kurz ist, um den Text so zu verstehen, wie er gedacht ist. Die Kostprobe lässt auch mich eher ratlos und relativ ungerührt zurück, vieles empfinde ich als eher (zusammenhang)lose Aneinanderreihung von Beobachtungen, die sich nicht so recht zu einem Ganzen fügen wollen.
Ich schreibe mal ein paar Anmerkungen in den Text:
DLurie hat Folgendes geschrieben:

Eine kleine Impression von einem Kubaurlaub..

Sie sitzt unter einem Sonnensegel auf einer der Plastikbänke im Heck des Katamarans, der scheinbar schwerelos über die nahezu unbewegte Wasseroberfläche gleitet. Aus den Lautsprechern dröhnt Hasta siempre, Commandante (kursiv oder Anführungszeichen für den Titel?), das Che Guevara Lied (Bindestriche?), dessen Melodie sie mit summt (mitsummt). In der Ferne erkennt man bereits die Umrisse des Ziels ihres (missverständlich, weil es suggeriert, dass "sie" gemeint ist und diesen Ausflug also allein unternimmt) Ausflugs, die kleine, vor der Südküste Kubas gelegenen Insel Cayo Blanco. (Hier erfahre ich lediglich, dass sie dasitzt und mitsummt. Vielleicht ist sie gelöster Stimmung, vielleicht summt sie aber auch mit, weil sie genervt ist - beides halte ich für denkbar. Mir ist also nicht klar, wie es ihr geht.)
Auf dem Vorderdeck tanzen einige Gäste, manche halten dabei Pappbecher mit Bier oder Rum in den Händen. Ein schokoladenbrauner Hintern im String Bikini wackelt um einen fettleibigen Hünen in Badehose, dessen Haut bereits hochrot in der Sonne glänzt (Hier hatte ich auch nach dreimaligem Lesen noch ein Missverständnis mit dem Text. Inzwischen konnte ich es auflösen, aber: Ich habe den Hintern, der um einen fettleibigen Hünen wackelt, eben jenem Hünen zugeordnet  Embarassed Nach meinem Verständnis ist ein Hintern, der um jemanden herumwackelt, dessen eigener, schwabbeliger Besitz. Dass hier mit "Hintern" ein ganzer Mensch gemeint ist und also von zwei Personen die Rede, das konnte ich (trotz des Hinweises mit dem String und der Bräune) erstmal nicht auflösen. Als nächstes, nachdem ich es endlich kapiert hatte, war ich etwas befremdet von den Gedanken der "sie", in die ich als Leser ja offenbar blicke. Menschen sind also erstmal nichts als ihr Hintern, bei dem Dicken kommt zur Beschränkung der Wahrnehmung auf dessen Gewicht noch Schadenfreude über den Sonnenbrand. Hm. Das alles schafft Abstand zur "sie", es macht sie mir unsympathisch (möglicherweise ist das autorenseitig beabsichtigt?).  Der Dicke wird sich ordentlich den Pelz verbrennen, geschieht ihm ganz recht, denkt sie. Die verstohlenen Blicke der kubanischen Crew auf den nackten Po (ein für mich als Leser nicht erkennbarer Gedankensprung vom "Dicken" zu der Frau) entgehen ihr nicht: Die Kleine, weiß nicht, was sich gehört. (Die "sie" meint also, anhand der Blicke wissen zu können, was die Crewmitglieder denken? Hm. Das mehrt meine Sympathie auch nicht gerade.) Einer der Crew ("einer der Crew" ist m.E. eine unglückliche Formulierung) hat alle Hände voll zu tun, die Becher der ungefähr zwanzig Bootsgäste nachzufüllen.
Um die Mittagszeit erreichen sie die Insel und gehen an Land. In einer kleinen Bar mit Holztischen und –bänken (Bindestrich statt Gedankenstrich) hat man ein Mittagsbuffet (für sie) vorbereitet. Eine Kolonie Einsiedlerkrebse wuselt im Sand vor der Bar. (Komma statt Punkt?) Leguane und Baumratten kreisen um die Tische, fauchen sich gegenseitig an – es geht wohl um die besten Plätze am Fressnapf. Wie alle schießt sie (ich verstehe, was gemeint ist, aber ließe sich das evtl. schöner formulieren?) ein paar Fotos von den Tieren, die dafür zu posieren scheinen. Man bedient sich am Buffet – eine Paella - und nimmt Platz. 
Leider setzen sich die Halbnackte – immerhin hat sie sich zum Essen wenigstens ein rotes Seidentuch um die Hüfte gebunden - und der Fettwanst auf die Plätze ihr gegenüber. Sie ist wohl Italienerin, er vermutlich Holländer. Sie unterhalten sich auf Englisch. Sie schwärmt von Kuba, den lovely and fantastic places, den extremely friendly people, er nickt nur (Komma!)wobei er dümmlich lächelt, stopft Paella in sich hinein, die er mit Unmengen Bier hinunterspült. Von Zeit zu Zeit füttert er einen Leguan unter dem Tisch mit den Resten der Langusten von seinem Teller. Plötzlich springt das Tier an ihm hoch, er erschrickt, schnellt erstaunlich behände hoch, stößt dabei seinen Pappbecher um, so dass etwas Bier über ihren (wessen?) Teller schwappt. Die Krallen des Leguans haben einige Kratzer auf seinem Oberschenkel hinterlassen, was er gar nicht zu bemerken scheint, weil er wahrscheinlich schon zu betrunken ist. Er hält seinen Becher in die Höhe, Cerveza, man füllt nach, er prostet ihr zu: Where do you come from? Let me guess. Germany?
Sie nickt nur – der Prol könnte sich wenigstens entschuldigen. (Im letzten Absatz muss ich mühsam aufdröseln, wann mit "sie" die Italienerin und wann die Protagonistin gemeint ist - das reißt mich aus dem Text. Der "Prol" ist noch einmal ein Hinweis darauf, dass "sie" offenbar viele Vorurteile hat und auf andere herabsieht.)

Nach dem Essen begeben sie sich wieder an Bord und schippern halb um die Insel. Schnorcheln in einem Korallenriff steht auf dem Programm, die Mannschaft verteilt Flossen und Taucherbrillen. 
Sie wickelt sich ein Badetuch um, zieht umständlich ihren Badeanzug an (Während das Ganze eher aus ihrem Blickwinkel zu lesen ist, beobachtet der Leser sie hier beim Umziehen - oder ist das "umständlich" ihre eigene Wahrnehmung?). Beim Schnorcheln kommt dauernd Wasser in ihre Maske, sie prustet und schnaubt, kriegt keine Luft und verlässt genervt das badewannenwarme Wasser vor den anderen wieder, ohne auch nur einen einzigen Fisch gesehen zu haben. Sie sieht den Dicken unweit des Boots neben dem italienischen Nacktarsch, beide scheinen die Technik zu beherrschen, liegen ganz entspannt auf der Wasseroberfläche. Fett schwimmt, denkt sie (nochmals wird deutlich, wie sehr ihr Denken von Klischees dominiert ist. Außerdem nehme ich zur Kenntnis, dass sie lieber  auf das Schnorchelerlebnis verzichtet und, obwohl sie genervt ist, nicht um eine andere Taucherbrille bittet. Die Gründe für ihre Zurückhaltung bleiben allerdings offen).
Auf der Rückfahrt fließt noch mehr Alkohol. Fast alle tanzen wie entfesselt, inzwischen zu einer Techno-Version von Bella Ciao. Der Holländer übergibt sich auf der Tanzfläche, die Italienerin rutscht beinahe in dem Erbrochenen aus, wird gerade noch von einem anderen Mann aufgefangen. Die Musik verstummt, die Tanzfläche leert sich, Rucksäcke werden in Sicherheit gebracht, ein Mann der kubanischen Crew (gibt es noch eine andere Crew?) packt den Holländer am Arm, führt ihn ins Heck, (Komma weg) und platziert ihn zwei Sitze neben ihr. Der Mann ist inzwischen krebsrot, zwei blutunterlaufene Striemen ziehen sich quer über seinen Oberschenkel, er hat das Gesicht in den Händen vergraben (bahnt sich da ein medizinischer Notfall ("Sepsis nach Leguanbegegnung") an - oder gibt es einen anderen Grund für diese detaillierte Beschreibung?).  Ein anderes Mitglied der Crew reinigt unterdessen erst die Füße der Italienerin, und dann das Vordeck mit Meerwasser, das er (da sich das auf "ein anderes Mitglied der Crew" bezieht, also auf das Mitglied, müsste es eigentlich "es" heißen) mit Hilfe eines Eimers an einem Seil aus dem Meer schöpft. Als er damit fertig ist (Komma!) geht er wieder zur Musikanlage und legt erneut den Che Guevara Song (Bindestriche?) auf. Dann lacht er sie an, wobei zwei wunderschöne weiße Zahnreihen in seinem Mulattengesicht aufblitzen (Komma!) und sie lächelt zurück. (Hier bin ich erst irritiert (das Wort "Mulatte" gilt als rassistisch), dann ratlos, weil ich so gar nicht deuten kann, ob und ggf. welche Bedeutung diesem Lächeln zukommt. Bahnt sich da was an - oder ist es nur sowas wie stilles Einvernehmen über das Benehmen der Mitreisenden? Das kann natürlich ruhig offen bleiben - ich wollte nur meine Gedanken rückmelden.) 

Das mehrfach verwendete "man" (hab´s mal gefettet) hat mich beim Lesen gestört, es schafft noch mehr Abstand zum Geschehen - dabei ist die Distanz durch fehlende Sympathie ohnehin schon recht ordentlich.
Die Erwähnung der Musiktitel hat mir keine weitere Ebene erschlossen, da ich das Lied/die Lieder (und ihren geschichtlichen Hintergrund) schlicht nicht kenne (und auch kein Spanisch kann).
Was Du in den Kommentaren zur Grundidee des Romas geschrieben hast, deutet auf alle Fälle auf eine interessante Geschichte - vielleicht ist der Ausschnitt wirklich einfach nur zu kurz, um hineinzufinden?
Herzliche Grüße und lauter gute Wünsche
a.
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DLurie
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BeitragVerfasst am: 14.12.2019 13:35    Titel: Hasta siempre, Commandante pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi a.
danke für deinen ausführlichen Kommentar! Sehr hilfreich. Der Auszug war ein Schnellschuss, den ich unmittelbar nach einem Kuba-Urlaub rausgehauen habe. Ich hätte die z.T. verwirrenden und durchaus widersprüchlichen Eindrücke von diesem Land besser noch etwas reifen lassen sollen, anstatt gleich loszulegen. In der Folge eine neue Version des Auszugs, der viele deiner Anregungen umsetzt und vielleicht etwas besser die beabsichtigte Gesamtthematik anreisst. Den Mulatten habe ich gestrichen. Die rassistische Konnotation im Deutschen war mir nicht bewusst. Unser kubanischer Reiseleiter bezeichnete sich selbst so.
LG
DLurie


Sie sitzt unter einem Sonnensegel auf einer der Plastikbänke im Heck des Katamarans, der scheinbar schwerelos über die nahezu unbewegte Wasseroberfläche gleitet. In der Ferne erkennt sie bereits die Umrisse des Ziels des Ausflugs, die kleine, vor der Südküste Kubas gelegenen Insel Cayo Blanco. Aus den Lausprechern dröhnt Hasta siempre, Commandante, das Lied zu Ehren Che Guevaras. Sie spricht kein spanisch, summt die Melodie mit und erinnert sich an einige Zeilen der deutschen Fassung des Liedes, das von ihrem Landsmann, dem Liedermacher Wolf Biermann, stammt:
Sie fürchten dich, und wir lieben
dich vorn im Kampf, wo der Tod lacht,
wo das Volk Schluss mit der Not macht.
Nun bist du weg - und doch geblieben.

Wie nannte Biermann Che? Ach ja: Den Jesus Christus mit der Knarre.
Sie blickt zum Vordeck, auf dem einige Gäste tanzen, manche halten dabei Pappbecher mit Bier oder Rum in den Händen. Der schokoladenbraune Hintern einer jungen Frau im String Bikini wackelt um einen fettleibigen Hünen in Badehose herum. Die Haut des Dicken glänzt bereits hochrot in der Sonne, er wird sich ordentlich den Pelz verbrennen. Geschieht ihm ganz recht, denkt sie. Auch die verstohlenen Blicke der kubanischen Crew auf den nackten Po entgehen ihr nicht. Die Kleine, weiß nicht, was sich gehört.
Ein Mitglied der Crew hat alle Hände voll zu tun, die Becher der ungefähr zwanzig Bootsgäste nachzufüllen. Armer Che, denkt sie, die Spaßgesellschaft macht auch vor dir nicht halt.

Um die Mittagszeit erreichen sie die Insel und gehen an Land. In einer kleinen Bar mit Holztischen und -bänken ist ein Mittagsbuffet für die Ausflugsgäste vorbereitet.
Eine Kolonie Einsiedlerkrebse wuselt im Sand vor der Bar. Der Anblick der der ziellos herumkriechenden Tiere fasziniert sie und ekelt sie zugleich ein wenig. Leguane und Baumratten kreisen um die Tische, fauchen sich gegenseitig an – es geht wohl um die besten Plätze am Fressnapf. Wie alle macht sie ein paar Handyfotos von den Tieren, die dafür zu posieren scheinen, aus sicherer Distanz, denn sie kann nicht einschätzen, ob die Viecher vielleicht zubeißen.
Die Gäste bedienen sich am Buffet – eine Paella – und nehmen Platz.
Leider setzen sich die Halbnackte – immerhin hat sie sich zum Essen wenigstens ein rotes Seidentuch um die Hüfte gebunden –  und der Fettwanst auf die Plätze ihr gegenüber. Sie ist wohl Italienerin, er vermutlich Holländer. Sie unterhalten sich auf Englisch. Sie schwärmt von Kuba, den lovely and fantastic places, den extremely friendly people. Er nickt nur, wobei er dümmlich lächelt, stopft Paella in sich hinein, die er mit Unmengen Bier hinunterspült. Von Zeit zu Zeit füttert er einen Leguan unter dem Tisch mit den Resten der Langusten von seinem Teller. Plötzlich springt das Tier an ihm hoch, er erschrickt, schnellt erstaunlich behände hoch, stößt dabei seinen Pappbecher um, so dass etwas Bier auf ihre Seite des Tischs und über ihre Papierserviette schwappt. Die Krallen des Leguans haben einige Kratzer auf seinem Oberschenkel hinterlassen, was er gar nicht zu bemerken scheint, weil er wahrscheinlich schon zu betrunken ist. Er hält seinen Becher in die Höhe, Cerveza, ein Bediensteter füllt nach, er prostet ihr zu:
Where do you come from? Let me guess. Germany?
Sie nickt nur – der Prol könnte sich wenigstens entschuldigen.

Nach dem Essen begeben sie sich wieder an Bord und schippern halb um die Insel. Schnorcheln in einem Korallenriff steht auf dem Programm, die Mannschaft verteilt Flossen und Taucherbrillen.
Sie wickelt sich ein Badetuch um, zieht ihren Badeanzug an, immer wieder um sich blickend und überprüfend, ob jemand sie bei ihrer Umkleideprozedur beobachtet. Das hättest du schon vorher im Hotel erledigen können, ärgert sie sich über sich selbst.
Beim Schnorcheln kommt dauernd Wasser in ihre Maske, sie prustet und schnaubt, kriegt keine Luft und verlässt genervt das badewannenwarme Wasser vor den anderen wieder, ohne auch nur einen einzigen Fisch gesehen zu haben. Sie sieht den Dicken unweit des Boots neben dem italienischen Nacktarsch, beide scheinen die Technik zu beherrschen, liegen ganz entspannt auf der Wasseroberfläche. Fett schwimmt, denkt sie.
Auf der Rückfahrt fließt noch mehr Alkohol. Fast alle tanzen wie entfesselt zu einer Techno-Version von Bella Ciao. Noch so eine Hymne des Kampfs gegen Unterdrückung, die inzwischen zum Partysong verkommen ist, fährt ihr durch den Kopf.
Der Holländer übergibt sich auf der Tanzfläche, die Italienerin rutscht beinahe in dem Erbrochenen aus, wird gerade noch von einem anderen Mann aufgefangen. Die Musik verstummt, die Tanzfläche leert sich, Rucksäcke werden in Sicherheit gebracht, ein Mann der Crew packt den Holländer am Arm, führt ihn ins Heck und platziert ihn zwei Sitze neben ihr. Der Holländer ist inzwischen krebsrot, zwei blutunterlaufene Striemen ziehen sich quer über seinen Oberschenkel, er hat das Gesicht in den Händen vergraben. Irgendwie tut er ihr auf einmal Leid. Ein anderes Mitglied der Crew reinigt unterdessen die Füße der Italienerin, dann das Vordeck mit Meerwasser, das er mit Hilfe eines Eimers an einem Seil aus dem Meer schöpft. Als er damit fertig ist, geht er zur Musikanlage und legt erneut den Che Guevara-Song auf. Dann lacht er sie an, wobei zwei wunderschöne weiße Zahnreihen in seinem schwarzen Gesicht aufblitzen. Sie zögert, fragt sich, was es zu lachen gibt, lächelt aber schließlich zurück.
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BeitragVerfasst am: 14.12.2019 18:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo smile
Ich finde, Du hast den Text grundsätzlich verbessert, er verströmt mehr Leben und Atmosphäre.
Anmerkung: "Sie" könnte zwischendurch einen Namen erhalten, da es auch andere weibliche Mitreisende gibt. Dadurch würden auch "ihre" Gedanken personalisiert werden, die Figur ein Gesicht bekommen.
Es könnte tatsächlich interessant werden, die Erlebnisse einer ca. 60-jährigen Frau auf ihrer Reise zu verfolgen, ich wäre vorerst neugierig.


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BeitragVerfasst am: 14.12.2019 21:22    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Calvin Hobbs hat Folgendes geschrieben:
Hallo smile
Ich finde, Du hast den Text grundsätzlich verbessert, er verströmt mehr Leben und Atmosphäre.


Freut mich Calvin. Und ja, sie kriegt natürlich einen Namen. Mit der Gesamtstory komme ich im Moment nicht so recht voran. Die Thematik ist widerspenstiger und komplexer als vermutet. Das wird wohl eine der zähen Geschichten, die über längere Zeit reifen müssen.

LG
DLurie
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Selanna
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BeitragVerfasst am: 16.12.2019 19:04    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo DLurie,

hier auch ein paar Anmerkungen von mir:

Zitat:
Sie sitzt unter einem Sonnensegel auf einer der Plastikbänke

Diese Art von Satzbau mag ich nicht so sehr: Präp – unbest. Art – Subst – Präp – unbest. Art – Subst. Meinst Du, Du kannst das Sonnensegel oder die Plastikbank streichen?
Zitat:
des Ziels des Ausflugs,

Des Ausflugziels? Imho
Zitat:
gelegenen

Ein n zu viel
Zitat:
Sie spricht kein spanisch,

Spanisch groß
Zitat:
des Liedes, das von ihrem Landsmann, dem Liedermacher Wolf Biermann, stammt:

Liedes, Liedermacher und dann noch Landsmann, bei dem beide Teile des Kompositums auch noch mit L und M beginnen, das gefällt mir nicht so. Meinst Du, Du könntest das „dem Liedermacher“ herauskürzen?
Zitat:
Die Haut des Dicken

Dessen Haut?
Zitat:
Die Kleine, weiß nicht

Kein Komma
 
Zitat:
Armer Che, denkt sie, die Spaßgesellschaft macht auch vor dir nicht halt.

Die Quintessenz des Abschnitts ist für mich nicht, dass mir Che leidtun könnte, sondern dass hier eine missmutig am Rande sitzende Frau auf die neidisch ist, die Spaß haben. Eine Matrone unter dem Sonnensegel. Ist das so gewollt?

Zitat:
Um die Mittagszeit erreichen sie die Insel und gehen an Land.

Perspektivwechsel?
Zitat:
Der Anblick der der

Doppelt
Zitat:
ziellos herumkriechenden Tiere fasziniert sie

Perspektivwechsel zurück auf die Frau?
Zitat:
– der Prol könnte

Doppel-L

Zitat:
verlässt genervt das badewannenwarme Wasser vor den anderen wieder,

Das „wieder“ könntest Du hier kürzen. Es hängt irgendwie einsam am Schluss des Satzteils und ist nicht unbedingt nötig

Insgesamt eine gelungene Geschichte, Du hast die Frau gut eingefangen. Auf Anstand und Abstand bedacht, in praktisch-sportlichen Dingen nicht sehr geübt, aus der Ferne herablassend, aber nicht herzlos und eigentlich schüchtern.
Schön!
Liebe Grüße
Selanna


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DLurie
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BeitragVerfasst am: 16.12.2019 23:27    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Selanna,

danke für deine Anmerkungen. Vieles habe ich übernommen. Auf die Erbsen (Kommafehler, Typo und Rechtschreibefehler) gehe ich nicht mehr gesondert  ein. Sie sind jetzt (hoffentlich alle Embarassed korrigiert.

Hier mein Senf zu deinen Anmerkungen:   

Selanna hat Folgendes geschrieben:


Zitat:
Sie sitzt unter einem Sonnensegel auf einer der Plastikbänke

Diese Art von Satzbau mag ich nicht so sehr: Präp – unbest. Art – Subst – Präp – unbest. Art – Subst. Meinst Du, Du kannst das Sonnensegel oder die Plastikbank streichen?
Plastikbänke fliegt raus.

Zitat:
des Ziels des Ausflugs,

Des Ausflugziels? Imho
Ja, Ausflugziels ist besser als der doppelte Genitiv.
 
Zitat:
des Liedes, das von ihrem Landsmann, dem Liedermacher Wolf Biermann, stammt:

Liedes, Liedermacher und dann noch Landsmann, bei dem beide Teile des Kompositums auch noch mit L und M beginnen, das gefällt mir nicht so. Meinst Du, Du könntest das „dem Liedermacher“ herauskürzen?
Ersetzt durch ... erinnert sich an einige Zeilen der deutschen Fassung, die von ihrem Landsmann,.. Es ist klar, dass es sich um ein Lied handelt.

Zitat:
Die Haut des Dicken

Dessen Haut?
Versteh ich nicht ...
 
Zitat:
Armer Che, denkt sie, die Spaßgesellschaft macht auch vor dir nicht halt.

Die Quintessenz des Abschnitts ist für mich nicht, dass mir Che leidtun könnte, sondern dass hier eine missmutig am Rande sitzende Frau auf die neidisch ist, die Spaß haben. Eine Matrone unter dem Sonnensegel. Ist das so gewollt?
Sie konstatiert lediglich, dass Che von der Spaßgesellschaft vereinnahmt wurde und bedauert das. Genau so ist es gewollt.


Zitat:
Um die Mittagszeit erreichen sie die Insel und gehen an Land.

Perspektivwechsel?
Nein. Das kann m.E. so bleiben.
 
Zitat:
ziellos herumkriechenden Tiere fasziniert sie

Perspektivwechsel zurück auf die Frau?
Ich weiß nicht, wo du hier einen Perspektivwechsel siehst..

Zitat:
verlässt genervt das badewannenwarme Wasser vor den anderen wieder,

Das „wieder“ könntest Du hier kürzen. Es hängt irgendwie einsam am Schluss des Satzteils und ist nicht unbedingt nötig.
Stimmt. Gestrichen.

Insgesamt eine gelungene Geschichte, Du hast die Frau gut eingefangen. Auf Anstand und Abstand bedacht, in praktisch-sportlichen Dingen nicht sehr geübt, aus der Ferne herablassend, aber nicht herzlos und eigentlich schüchtern.
Schön!
Danke für das Kompliment. Aber es ist (leider) noch keine Geschichte, sondern nur ein Auszug, der - dem dsfo sei Dank -  immer runder wird.    Laughing


LG
DLurie
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Selanna
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BeitragVerfasst am: 17.12.2019 16:48    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo DLurie,

Zitat:
danke für deine Anmerkungen. Vieles habe ich übernommen.

Gern geschehen! Es freut mich, dass Hilfreiches dabei war.


Zitat:
Zitat:
Dessen Haut?
Versteh ich nicht ...

  …einen fettleibigen Hünen in Badehose herum. Die Haut des Dicken…“
Ich finde „Die Haut des Dicken“ nicht so elegant. Deshalb ein Vorschlag:
…einen fettleibigen Hünen in Badehose herum. Dessen Haut… also quasi „dessen“ in Bezug auf den Hünen statt der „Haut“ zur näheren Bestimmung „des Dicken“ nachzustellen. Ist es jetzt noch unverständlicher erklärt? Embarassed Laughing

Zitat:
Sie konstatiert lediglich, dass Che von der Spaßgesellschaft vereinnahmt wurde und bedauert das. Genau so ist es gewollt.

Das wurde mir im Laufe des Textes auch klar. Was ich schrieb, war nur der Gedanke, der mir beim Lesen durch den Kopf ging. Es ist aber keine Aufforderung, etwas zu ändern.

Zitat:
Nein. Das kann m.E. so bleiben.

Mit Perspektivangelegenheiten kenne ich mich selbst nicht gut aus und ich bin auch kein guter und überzeugter Wächter für rigorose Perspektiveneinhaltung, also kann das sicher so bleiben. Das Problem ist wahrscheinlich, dass „sie“ keinen Namen hat. Wenn jetzt sie an Land gehen (Plural), war ich mir unsicher, ob Du von der personalen zur auktorialen Sicht wechselst oder ob „sie“ sie an Land gehen sieht oder „sie“ sich bei „sie“ (Plural) mit inbegriffen sieht.
Wenn Du dann wieder von den ziellos herumkriechenden Tieren schreibst, die „sie“ fasziniert, ist ja wieder eindeutig die „sie“ gemeint, das wäre wieder eindeutig personal. Darum meine Anmerkungen, die aber nicht mehr sind, als etwas, das ich angemerkt habe. Sprich: vergiss es, wenn es für Dich so passt.
   
Zitat:

das badewannenwarme Wasser

Der Ausdruck gefällt mir übrigens sehr gut. Hat eine schöne Melodie


Zitat:
Aber es ist (leider) noch keine Geschichte, sondern nur ein Auszug, der - dem dsfo sei Dank -  immer runder wird.      

Ich widerspreche Dir, ich sehe hierin durchaus eine kleine Kurzgeschichte, warum denn auch nicht? Der Entwicklungsbogen einer Frau ohne Kontakt zur Gruppe, die herablassend auf Distanz bleibt, hin zu der Frau, die Mitgefühl für ein Gruppenmitglied empfindet und sich durch ein vorsichtiges Lächeln für den Kontakt zu anderen öffnet. Ist doch eine nette kleine Geschichte!
Aber das steht einer großen Geschichte um diesen Abschnitt herum ja nicht im Wege. Ich wünsche Dir gutes Gelingen und viel Freude beim Schreiben!

Liebe Grüße
Selanna


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DLurie
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BeitragVerfasst am: 17.12.2019 18:25    Titel: Hasta siempre, Commandante pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Selanna,

danke für deine Anmerkungen.

zu dessen Haut: Mein Gott, was bin ich manchmal schwer von Begriff !

Ich glaube richtige Perspektivfehler sind nicht mehr drin. Aber alle Unklarheiten sind ohnehin restlos beseitigt, wenn sie  mal einen Namen bekommt.

Selanna hat Folgendes geschrieben:

Ich widerspreche Dir, ich sehe hierin durchaus eine kleine Kurzgeschichte, warum denn auch nicht? Der Entwicklungsbogen einer Frau ohne Kontakt zur Gruppe, die herablassend auf Distanz bleibt, hin zu der Frau, die Mitgefühl für ein Gruppenmitglied empfindet und sich durch ein vorsichtiges Lächeln für den Kontakt zu anderen öffnet. Ist doch eine nette kleine Geschichte!

In der Tat: Bislang eine nette kleine Geschichte. Andererseits: Nett ist der kleine Bruder von blöd (oder zumindest belanglos). Es sollen in der Gesamtgeschichte eine ganze Reihe solcher Episoden zusammenwirken, in denen sich die privaten Erlebnisse der Frau mit gesellschaftlichen Fragen kreuzen. Daran scheitere ich im Moment noch grandios...
Aber noch habe ich nicht aufgegeben.
 
LG   
DLurie
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Selanna
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BeitragVerfasst am: 18.12.2019 14:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo DLurie,

Zitat:
Andererseits: Nett ist der kleine Bruder von blöd (oder zumindest belanglos).

Nett ist mW die kleine Schwester von Scheiße Laughing , aber das ist wohl eine englische Weisheit, wenn ich mich nicht täusche. Und Du weißt, dass es so ganz bestimmt nicht gemeint war! Embarassed Ich meinte das deutsche "nett". Nett im Sinne von gut, aber gut im kleinen Sinne, kein großes Meisterepos, auch noch nicht der große Wurf, aber in sich stimmig, mit dezenter Aussage, rund und lesenswert.  

Zitat:
Es sollen in der Gesamtgeschichte eine ganze Reihe solcher Episoden zusammenwirken, in denen sich die privaten Erlebnisse der Frau mit gesellschaftlichen Fragen kreuzen. Daran scheitere ich im Moment noch grandios...
Aber noch habe ich nicht aufgegeben.

Gut so. Das wird sicher noch, vielleicht nicht ausgerechnet zwischen Weihnachten und Neujahr, aber 2020 wird das sicher was Daumen hoch²

Viel Erfolg und liebe Grüße
Selanna


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