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also dann .. mein Herr Meier ... erster Probelauf :-)


 

 
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Herr Meier
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 57
Beiträge: 84
Wohnort: Mönchengladbach


BeitragVerfasst am: 14.11.2019 22:34    Titel: also dann .. mein Herr Meier ... erster Probelauf :-) eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Neue Version »

Kurz zu meinem Herrn Meier.

Er wird, wenn sich sein Alltag mehr und mehr entwickelt und ausgestaltet hat, in eine klassische Heldenreise rutschen / können. Aber er ist ein unsteter, seinen Süchten und Impulsen unterworfener Mann. Er kennt Moral, aber kann nicht widerstehen. Das macht seine Aufgabe, sobald sie sich herauskristallisiert, nicht unbedingt einfacher.

Darum ist bisher auch für mich noch gar nicht sicher, ob er der Aufgabe tatsächlich gewachsen sein wird und er vielleicht einfach wieder in sich zurücksinkt. Nix mit Heldenreise? ... Es wird sich ergeben.

Was für ein Genre? Was für eine Art Roman? Wenn ich das wüsste Wink ... es wird sich am ehesten noch in eine Art Kriminalroman entwickeln können, plus ein Schuss Erotik, plus der tiefe Blick in eine gescheiterte Seele, die den Weg heraus sucht, aber keine Kraft dazu hat, plus vielleicht einer Portion "Lindenstraße", da sich eine kleine StammMannschaft an Figuren immer wieder gegenseitig die Ehre geben wird.

Seid mit meinen Formulierungen nicht zuu hart Confused , es ist eine erste bis zweite Version. Ich habe noch einen weiten Weg, bis ich wirklich mit mir zufrieden bin.

Ich suche noch den Flow, dass mir ein Mix aus perfektem Satz, perfektem Dialog und perfektem Spannungsbogen in die Tastatur rutscht Cool
Selbstverständlich werde ich das aber nie erreichen. Das wäre wie Pool-Billard spielen und jede Kugel trifft. Solche Tage gibt es, aber man kann sie nicht verlangen ... sie kommen einfach.

Wie war das noch? ... 10.000 Stunden bis zum Profi-Tum?
Also dann ... das waren heute schon mal die ersten 6 Stunden.
Rest ... 9994 Stunden Laughing

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Bananenfischin
Geschlecht:weiblichBestseller-Autor

Moderatorin

Beiträge: 4915
Wohnort: NRW
Goldene Feder Prosa Pokapro IV & Lezepo II
Silberne Harfe



BeitragVerfasst am: 14.11.2019 22:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Herr Meier,
bitte stell deinen Text im Textfeld ein. Downloads bedeuten Risiken, die viele User nicht eingehen wollen. Textarbeit wird so auch viel umständlicher und es wollen ja auch gern alle User daran teilhaben, darüber diskutieren, daraus lernen. Deine Chance, Rückmeldungen zu erhalten, wird deutlich steigen.
Liebe Grüße
Bananenfischin


_________________
»Ob ich mir eine Dramatisierung meiner Bücher vorstellen kann? Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen, in meinen letzten vier Büchern gibt es keine Handlung.« (Andreas Maier im Gespräch mit Raimund Fellinger, 2015)
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Herr Meier
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 57
Beiträge: 84
Wohnort: Mönchengladbach


BeitragVerfasst am: 14.11.2019 23:01    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich halte unseren Server hier ja für vertrauenswürdig Cool
aber Dein Wunsch ist mir selbstverständlich Befehl.

++++++

Erst mal einen Kaffee.

Mein Name ist Meier. Mit vollem Namen eigentlich Alfons Meier. Allerdings konnte und wollte ich mit diesem etwas altertümlichen Vornamen, so empfinde ich diesen Namen, nie ganz warm werden. Ich war schon immer „der Meier“ und ich wollte das auch nur sein. Kein Meier Zwo oder Meier Eins, einfach der Meier. Schon als Teenager. Später, als ich erwachsen wurde, war dann auch „Herr Meier“ erwachsen. Heute bin ich also der Herr Meier, mit dem von mir und meiner Umwelt fast vergessenen und ungeliebten Beinamen Alfons.

Ich schaue neben mir aus dem Fenster meines Stammcafés „Mama Rosa“. Eine Reihe von massiven Sitzbänken zieht sich die Fensterfront entlang. Vor diesen Sitzbänken steht jeweils ein gleich langer stabiler Tisch. Ich sitze, wie immer, in der letzten Reihe. Ich mag die Übersicht über das ganze Café. Von hier aus kann ich auch immer wieder mal einen kleinen Blick auf meine Gastgeberin, Mama Rosa, der Namensgeberin des Cafés, werfen.

Ich kann aber auch sehr gut beobachten, wer kommt und wer wieder geht. Natürlich sehe ich von hier aus genauso, wer die Straße entlang spaziert und habe einen weiten Blick in den Park gegenüber. Es ist der perfekter Platz für jemanden, der alles im Blick haben möchte. Nur für den Blick auf die Toilettentür muss ich mich umdrehen, aber ich sehe ja, wer an mir vorbeigeht. Nicht, dass ihr denkt, ich sei übermäßig neugierig. Ich möchte eben nur informiert sein.

Ich habe schon seit Jahren keine Arbeitsstelle und darum alle Zeit der Welt, hier zu sein. Wenn ich es genau bedenke, bin ich sogar jeden Tag da. Ich hätte ja gerne einen Job, aber gleichzeitig will ich nichts weniger als das. Ich hasse jede Variante einer Verpflichtung, Stechuhr oder gar Regeln, die ich nicht nachvollziehen kann. Ganz schlimm wird es, wenn mir „einer sagen will“, was ich zu tun habe. Einem Chef gehorchen? Geht gar nicht. So war ich schon, so lange ich mich zurückerinnern kann und ich denke, ich werde mich auch nicht mehr ändern.

Das Café selbst hat eine angenehm verstaubt wirkende, Retro anmutende, Ausstrahlung. Ich mag das einfach. Die rotbraunen Lederbänke und die lange, hölzerne, chromverzierte Theke, dahinter einem Riesenspiegel, der sich hinter Mama Rosa entlang zieht, erzeugen diesen an alte Zeiten erinnernden Eindruck. Die schwarz weiß gemusterten Fliesen verstärken den Effekt noch. Das ganze Café wirkt, als wäre es den Sechzigern entsprungen. Dazu trägt auch die Wirkung des langen Spiegels bei, bestimmt sechs Meter, der sich hinter der ganzen Theke entlangzieht.

Ich schaue beiläufig zu Mama Rosa, während ich an meinem langsam kalt und schal werdenden Milchkaffee nippe. Sie ist wirklich eine immer noch lecker aussehende Frau. Auf ihre Art. Ich mag ja Titten. Und die hat sie. Sie ist bestimmt schon über Fünfzig, aber das bin ich ja auch. Sie hat mehr auf den Rippen, als ich eigentlich bevorzuge. Ich mag ja eher was weniger, weiblicher, schlanker. Aber sie hat kräftige wohlgeformte Arme und keine Winkearme, einen kompakten Oberkörper aber kein wogendes Fett, starke Beine aber mit schöner Form, soweit ich das bei dem Kleid erahnen kann … und eben diese doch irgendwie scharfen Titten. Sagte ich es schon? Ich stehe auf Titten, auch wenn eine Frau etwas älter ist. Es müssen ja nicht immer diese jungen Hübschen sein.

Ehrlich gesagt würde ich mich einer vielleicht zu jungen, energiegeladenen, sich ihrer Schönheit bewussten Frau auch nicht mehr gewachsen fühlen. Zumindest, wenn wir es als Paar zu einem gemeinsamen Alltag bringen würden. Aber einmalige Dates mit einer folgenden heftigen erotischen Begegnung? Da waren die Damen bisher eigentlich nie unzufrieden. So war zumindest mein Eindruck, da wir nie im Streit oder einer spürbaren negativen Stimmung auseinandergehen. Allerdings sind es fast immer auch nur einmalige erotische Begegnungen. Diese Frauen wollen halt keine Beziehung, sie wollen einfach nur guten Sex.

Meine Dates und der dann oft relativ sicher folgende Sex haben meist etwas überfallartiges, gieriges, animalisches, unwiderstehliches. Darauf stehe ich. Das lässt mich für eine viel zu kurze Zeit so fühlen, wie ich damals wohl war. Ich erinnere mich immer wieder mit Wehmut an meine alten Energien. Vielleicht ist es auch das, was diese Frauen an mir mögen. Einen Mann mit Erfahrung und der Gier eines jungen Wilden, der gerne auch mal „kommen lässt“. Ha ha. Da muss ich doch glatt innerlich grinsen und schürze leicht anzüglich meine Lippen.

Ich lehne mich etwas zurück, so dass die Bank vernehmlich knarrt. Mama Rosa ist natürlich für mich unantastbar. Auch wenn sie auf ihre ganz eigene Art absolut attraktiv ist. Sie ist eben eine ganz besondere Frau. Aber sie und ihr Café sind für mich eine Insel der Ruhe und eine kleine Zuflucht, raus aus meinem ereignisarmen immer gleichen Leben. Genauso ist es wohl auch für die kleine Riege der immer gleichen weiteren Stammgäste, die das vielleicht sogar ähnlich sehen. Sonst wären sie wohl nicht hier. So wie ich halten sie sich ewig an ihrem Getränk fest, um nicht einfach so herumzusitzen.

Essen gibt es hier ja auch, stimmt ja, denke ich und blättere gedankenverloren durch die Speisekarte, die vor mir auf dem Tisch liegt. Aber um etwas zu Essen zu bestellen fehlt mir gerade das nötige Geld. Neulich hatte ich mir bei ihr einen Strammen Max bestellen können; der war absolut super. Wirklich einmalig lecker. Bei dem Gedanken läuft mir noch immer das Wasser im Mund zusammen. Ich schaue mit kurzem Blick auf die entsprechende Seite. 6 Euro 50. Sch… das passt nicht. Das ist zwar nicht wirklich teuer, aber heute würde das wohl nichts werden.

In diesem Moment rauscht meine Gastgeberin geschäftig an mir vorbei. Mit kräftigen Händen wischt sie auf ihrem Weg über die Tische und sammelt dabei Tassen oder Teller ein, um sie dann zu spülen. Um ihr nicht unnötig Arbeit zu bereiten, mache ich mir übrigens gerne die Mühe und wische schon den Innenrand meiner Tasse mit einem Papiertaschentuch ab, so lange der Rand noch feucht ist. Das muss ja nicht unbedingt antrocknen, denke ich. Das ist für sie dann einfach nur mehr Arbeit.

Ich meine sogar, dass sie das bemerkt. Manchmal ernte ich, wenn sie bei mir abräumt, ein kurzes Zwinkern ihrer braunen Augen, fast die Farbe ihrer Haare. Was sonst könnte das schon bedeuten, da ich mich bemühe, nie, wirklich nie, anzüglich zu schauen. Höchstens mal, wenn sie mir den Rücken oder zumindest die Seite zukehrt und ich einen Blick auf ihre Oberweite erhaschen kann. Sie ist immer hochgeschlossen, immer in einem dezenten, gerne aber auch farbenfrohen Kleid, was bei ihr äußerst reizvoll wirkt. Nicht erotisch etwa, einfach reizvoll. Bitte mich nicht falsch verstehen.

Man sagt ja, dass Frauen diese Blicke der Männer trotzdem bemerken. Ob das so stimmt, kann ich nicht beurteilen, aber ich weiß mich ja auch zu benehmen und schau nur dann herüber, wenn ihr Blick in eine ganz andere Richtung geht. Wenn sich weibliche Gäste im Café befinden, fällt es mir sowieso leichter, sie nicht zu oft anzuschauen. Dann kann ich ihr gegenüber einfach so wohlerzogen bleiben. Ich finde ja, das ist meine Meinung, alle Frauen haben etwas Reizvolles. Man, nein „Mann“, ich beginne wieder zu grinsen, muss es nur zu schätzen wissen.

Meine Rosa führt ihr Café mit souveräner Hand. Das muss ich ihr lassen. Ich bewundere das. Diese Souveränität zeigt sich besonders dann, wenn einer unserer Obdachlosen ins Café geschlurft kommt und in devoter Haltung seine Runde an den Gästen vorbei dreht. „Haben se was Kleingeld? Haben se was Kleingeld?“, ist einer der üblichen Standardsätze. Sie toleriert das und betrachtet diese meist ungepflegten Besucher nur still aus dem Augenwinkel. So lange es bei einer kurzen und nicht zu aufdringlichen Bettelrunde bleibt, poliert sie einfach ein paar Gläser und tut, als würde sie ihn nicht bemerken.

Bleibt allerdings einer dieser Besucher zu lange bei einem ihrer Gäste stehen, so dass dieser unruhig auf seinem Sitz herumzurutschen beginnt, greift sie ein. Dann nimmt sie sich eine der Brezeln, wenn da, dann eine von gestern, warum auch nicht?, wandert herüber und hakt sich bei dem Bettler ein. Mit einem Lächeln und ein paar netten Worten führt sie ihn zur Türe und keiner, wirklich keiner dieser Besucher zeigt Verärgerung oder fällt anders aus der Rolle. Die Jungs wissen eben, sie müssen ihre Sammelrunde nur flott und professionell durchführen, dann dürfen sie auch.

Das „Mama Rosa“ ist seit vielen Jahren eine Institution im Viertel. Und die Wirtin ist die gute Seele dieses Cafés. Ohne sie als Wirtin wäre ihre Lokalität einfach ein etwas angestaubtes altes Café mit veralteten Maschinen und verblichenem Mobiliar, das wohl langsam in Richtung Schließung siechen würde. Dazu ist alles einfach nicht modern genug. Aber mit ihr fühlen sich die Gäste auf eine Weise wohl, als wäre man bei ihr ganz privat zu Besuch.

Es ist selten brechend voll, aber doch immer so viel Betrieb, dass sie ihr Unternehmen gut unterhalten kann. Da bin ich mir recht sicher, weil das Café einen schicken, ziemlich neuen, Lieferwagen hat, mit dem sie zum Großhandel fährt oder andere Besorgungen erledigt. So ein Wagen kauft sich nicht von selbst. Der will bezahlt sein. Wir ewigen Stammgäste flitzen dann immer heraus, wenn sie mit frischem Gemüse und neuen Getränken zurückkehrt, um ihr zu helfen, den Nachschub in das Lokal, am besten direkt in ihr Lager, zu tragen. Natürlich erkaufen wir uns damit auch ein wenig Toleranz, da wir nun mal nicht immer auch zahlende Gäste sind, wenn wir da sind.

Es handelt sich um die immer gleiche Riege an eisernen Stammgästen, die, so wie ich, fast täglich ihr Getränk schlürfen. Allen diesen Stammgästen fehlt, so wie mir, das Geld, oder aber die Einstellung, mehr bestellen zu wollen. Das gibt es natürlich auch. Wir alle wissen das voneinander, denke ich, und finden es gegenseitig ok. Auch Mama Rosa findet das ok, denke ich. Wir sind für sie, das ist meine Vermutung, ein Art lebende Schaufensterpuppen. Ohne uns würden so einige spontane Passanten vielleicht vorbei wandern, wenn sie auf dem Weg in den Park direkt gegenüber oder um die Ecke in die kleine Einkaufstraße sind. Denn wo niemand sitzt, geht ein möglicher Gast nicht so gerne hinein. Niemand will der Erste und der Einzige sein.

„Herr Meier! Sie schauen ja so verloren drein!“

Ich schrecke aus meinen Gedanken auf. Gerade wollte ich mich doch tatsächlich wieder in eine Wehleidigkeit über mein ungerechtes Schicksal fallen lassen? Gut, dass sie mich dabei gestört hat. Das will doch keiner mitkriegen.

„Frau Mama Rosa, also Mama Rosa, also, alles ok. Ich habe nur ein wenig nachgedacht.“

Frau Mama Rosa! Was rede ich da für einen Quark! Ich spüre, wie ich zu erröten drohe. Das will ich aber nicht. Also rede ich schnell weiter um mich mit ein paar Worten von meiner Verlegenheit abzulenken, so dass meine äußere Gelassenheit wieder einkehren kann. Da mir nichts zu sagen einfällt, bestelle ich spontan aus der Karte, die vor mir liegt. Die richtige Seite ist ja noch offen. Das passt ja.

„Ob Sie mir einen Strammen Max machen würden? Ich habe genau darauf jetzt darauf Appetit.“

Ich lächele sie an und lehne mich betont lässig zurück. Dabei schaue ich in Gedanken in mein Portemonnaie und überlege, ob mein Geld wirklich reichen kann. Aber es sollte noch genug Kleingeld darin sein. Wenn ich alles zusammenkratze. Dann gibts morgen eben keinen Kaffee und mit einem kleinen Rest in meiner rechten Hosentasche, ich weiß, dass da noch eine Münze für den Einkaufswagen ist, bekomme ich den Betrag schon zusammen. Zur Not zahle ich den Rest halt in ein oder zwei Tagen. Einer der kleinen Privilegien eines Stammgastes.

„Aber gerne Herr Meier. In ein paar Minuten haben Sie ihren Strammen Max,“

Sie lächelt zurück und huscht in die im Nebenraum befindliche Küche. Ich sehe sie mit Freude entschwinden. Ich mag sie wirklich … und ich habe jetzt tatsächlich richtig Kohldampf. Mein Hunger drängt sich massiv in mein Bewusstsein. Ich will diese beiden Spiegeleier, mit den gerösteten Speckscheiben und dem leckeren krustigen Brot. Jetzt. Genau jetzt. Warm und dampfend will ich das vor mir stehen haben. Selbst, wenn ich gar kein Geld mehr hätte. Ich hätte jetzt keine Wahl mehr. Ich will das jetzt essen.

Das mit dieser unvernünftigen Gier muss ich auch mal in den Griff kriegen, denke ich wieder mal. Das hat mir schon so viele Probleme bereitet. Wenn ich auf etwas scharf bin, kann ich mich leider unmöglich bremsen. Egal was für Folgen das dann haben kann oder sogar ganz sicher haben wird. Nicht zahlen können zum Beispiel. Oder eine Frau angraben, von der ich vorher schon weiß, dass mir das nicht guttun würde. Aber das alles ist ein anderes Thema, für einen anderen Tag, vielleicht sogar in einem anderen Leben. Ich zweifele auch daran, ob ich das jemals ändern können würde.

Allerdings kann ich mich noch an andere, willensstärkere Zeiten erinnern. Also sehe ich ganz tief in mir immer noch unterschwellige diffuse Hoffnung, dass meine Schwäche, auf Konsum im Impuls zu verzichten, nicht ewig so bleiben muss. Irgendwie. Irgendwo. Irgendwann? Was wäre das alles auch überhaupt noch wert, wenn es keine Hoffnung mehr gäbe. Geht doch gar nicht.

Jetzt aber ist zuerst mal Strammer Max angesagt.

Ich fühle beißenden Hunger. Aus der Küche beginnt mich zusätzlich der köstliche Geruch von gebratenem Speck und Eiern zu erreichen, was mich noch unruhiger macht, so dass ich erwäge, kurz zur Theke zu schleichen, um mir ein paar Salzstangen zu holen. Wenn sie mich nicht dabei nicht sieht, ist das ja kein Problem, dann ist es „gar nicht passiert“. In Sachen Selbstbetrug bin ich eben ein absoluter Experte. Aber soll ich mir dieses wunderbare Hungergefühl jetzt mit ein paar trockenen Salzstangen verderben? Das kann doch nur noch maximal fünf Minuten dauern.

Ach komm, ein paar gehen schon, denke ich und stehe auf.
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Leseprobe
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BeitragVerfasst am: 15.11.2019 09:41    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Morgen Herr Maier,
puh. Das schafft einen ja ziemlich hier. Es schienen mir manch schöne Sätze, deshalb las ich weiter. Doch irgendwann überflog ich nur noch. Dreht sich da nicht zu viel im Kreis? Manch Beobachtung für sich ganz schön, aber doch hier viel zu gehäuft und banal?  Etwas Tiefgreifendes, Schürfendes, wo ist das? Wo ist das unbändige Verlangen, das Thema?
Der Text ist mir viel zu vage und ohne Emotion.
Oder auch zu lange Sätze wie
Zitat:
Dann nimmt sie sich eine der Brezeln, wenn da, dann eine von gestern, warum auch nicht?
da hätte es auch: ... eine der Brezeln von gestern..., getan.
Nur so mal als Anfang. Vielleicht ist es ja die Lethargie, die Du beschreiben möchtest.
Grüße


_________________
... diese gläserne Gegenwart ...
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Herr Meier
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

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BeitragVerfasst am: 15.11.2019 10:50    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

danke für Deinen Kommentar ...
es ist gut, zu lesen, wie es woanders ankommt.

Allerdings ... zu wenig Handlung ...
Der Herr Meier IST nun mal ein Mann, der lethargisch vor sich hin lebt.
Das hier ist eine mehr oder weniger Eins zu Eins Handlungszeit ...
plus der Gedanken, die ihm durch den Kopf wandern,
die die Zeit sogar noch ein wenig strecken.

Das, was ihn aus seiner Dümpelei bis sogar Lethargie aufschreckt
muss ja erst noch passieren.

Stell Dir einen Roman vor, der gerade erst anfängt ...
da kämpft man sich "nun mal" erst durch die ersten 20 Seiten ...
nicht, dass ich das genauso vorhabe Wink ,
aber das wird definitiv kein Thriller,
sondern eher ein "ich-bin-dabei"-Roman.


Die heutige Welt ist einfach zu ungeduldig geworden.
Dem muss ich wohl Rechnung tragen ...
und nach den ersten hundert Worten
die erste Bombe ins Café werfen Cool


Nochmals ... ich danke Dir ...
alles, was ich nicht will, ist ...
auch wenn erst mal "nichts" passiert,
einen Durchscroller zu bauen Wink

Ich bin ja selbst ein Meister-Scroller ...
dazu will ich nicht auch noch beitragen.

Ich bastele dieses Beispiel-Stück mal ein wenig um ...
und schau, ob mehr Geschwindigkeit möglich ist,
obwohl hier jemand ist, der auf Null gebremst ist.
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Rodge
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BeitragVerfasst am: 16.11.2019 06:41    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, bei Wandlungsromanen ist es immer so ein bisschen ein Problem, wenn der Held zunächst unsympathisch - oder noch schimmer - lethargisch ist. Niemand will das lesen und manche (ich zum Beispiel) fangen bei einer Geschichte vorne an, um zu prüfen, ob das was für sie ist.

Vorschlag: Warum fängst du nicht mit etwas an, was den Prota aufgrund seiner Lethargie in Schwierigkeiten bringt? Vermutlich gibt es sowas ohnehin in deiner Geschichte, da es ja einen Grund für seinen Wandel geben muss.
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Thomas74
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 45
Beiträge: 346
Wohnort: Annaburg


BeitragVerfasst am: 16.11.2019 08:24    Titel: Antworten mit Zitat

Rodge hat Folgendes geschrieben:
Niemand will das lesen


Wer ist dieser Niemand? Kennt den wer?
Ich wäre mit solchen Pauschalisierungen vorsichtig. Es gibt gute Bücher, wo man sich als Leser regelrecht über die Passivität des Protagonisten ärgert.


_________________
Optimismus ist, bei Gewitter in einer Kupferrüstung auf dem höchsten Berg zu stehen und "Scheiß Götter!!" zu rufen.
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MoL
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Beiträge: 1287
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Das bronzene Stundenglas


BeitragVerfasst am: 16.11.2019 09:37    Titel: Antworten mit Zitat

Gefällt mir richtig gut!

Du neigst etwas dazu, Dinge doppelt zu erklären, da könnte etwas gekürzt werden, das würde auch dem Texttempo gut tun.

In meinem Kopf geht es jetzt so weiter, dass vielleicht ein weiterer Stammgast eingeführt wird, ganz fix, und es dann zum alles verändernden Ereignis kommt.

Mir gefällt die Stimmung, das Drumherum, die Details. Weiter machen! Smile


_________________
"Hexenherz - Eisiger Zorn", acabus Verlag, Februar 2017.
"Die große acabus-Jubiläumsanthologie", acabus Verlag, Oktober 2018.
"Hexenherz - Glühender Hass", acabus Verlag, Januar 2019.
NEU - NEU - NEU:
"Die Tote in der Tränenburg", Alea Libris, 31. Oktober 2019.
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Herr Meier
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BeitragVerfasst am: 16.11.2019 10:36    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

moin moin, heute schau ich wieder rein.
Wir, also meine Partnerin, hatten Küchen-Landunter, sprichwörtlich.
Da wollte ich erst wieder Land sehen, sprichwörtlich Confused

Das mit dem doppelt umkreist ins Schwarze kenne ich an mir.
Auch beruflich höre ich das schon mal.
Ich werde mich jetzt genauer beobachten.

Ich habe den Anfang nun gedanklich anders aufgezäumt
und werde das nachher mal
zu Papier / d.h. Screen bringen Wink

Die Handlungsfreunde werden ihren kleinen Sprengsatz bekommen.
Bei hoffentlich der gleichen Grundatmosphäre.

Mich drängt es, euch jetzt schon zu antworten,
gemütlich Kaffee trinkend und Gedanken schiebend.

Dank für die Kritik.
Dank für die Hinweise.
Dank für das Lob love
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Herr Meier
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Alter: 57
Beiträge: 84
Wohnort: Mönchengladbach


BeitragVerfasst am: 17.11.2019 11:20    Titel: Erst mal einen Kaffee - V.2 pdf-Datei Antworten mit Zitat

Also dann ... verzeiht die Länge ... aber ich suche im Moment noch meinen Stil
und beim Redigieren und Aufnehmen eurer Anregungen ist es natürlich noch länger geworden.
Ein wenig mehr Action, ein wenig mehr Untiefen,
dort wo Wiederholungen sind, habe ich das beabsichtigt,
eine (reale) Person mehr ... noch schattenhaft
und eine (virtuelle) Person als Zugabe Wink
und Herr Meier ist noch ein ärmeres Würstchen als in der ersten Version Laughing
Aber er ist genau so, wie er sein soll ...

++++++

„Womit hab ich das nur verdient?!“

Ich umfasse meine Kaffeetasse härter. Heiliger Zorn steigt in mir auf. Das hatte mir jetzt noch gefehlt. Ich hatte doch mit meinem Fallsachbearbeiter besprochen, dass die mich erst mal in Ruhe lassen? Im Hintergrund klappert Rosalind, meine Wirtin, mit ihren Tassen und Tellern herum. Kann das nicht was leiser gehen? Aber Rosalind, für die meisten Gäste einfach Mama Rosa, kann ja nichts für mein Pech.

Dieses verdammte Jobcenter. Ich und einen Hiwi-Job?! Das geht gar nicht! Als Lagerist arbeiten? Für so einen Ausbeuter Versandhandel? Ich merke, wie mich schlagartig dieses verhasste und lähmende Ohnmachtsgefühl umwallt.
Hört das denn nie auf? Können die mich nicht einfach lassen, bis ich es wieder schaffe, mein Ding zu machen?! Jetzt ist mein ganzer Tag verdorben. Dabei fing der eigentlich so gut an. Unfähiges Volk. Sesselfurzer. Die wissen doch, dass ich mit meinen Füßen und meinem Rücken zu tun habe? Aber ok, der Amtsarzt war ja noch nicht, aber trotzdem wissen die doch Bescheid? Die sollten mal in meiner Situation sein. Arschlöcher!

Ich schaue böse auf den Brief, den ich jetzt erst, nach mehreren Tagen, geöffnet habe. Amtsgrau liegt er vor mir auf dem Tisch. Der aufgeschlitzte Umschlag daneben. Ich konnte ja nicht ewig um diesen Brief herumschleichen. Die ganze vergangene Woche lag er wie Blei in meinem Briefkasten. Ich konnte ihn im Vorbeigehen grau und drohend durch das Sichtfensterchen des Briefkastens erkennen. Ich hatte mir schon angewöhnt, nicht mehr in Richtung Briefkasten zu schauen, wenn ich daran vorbeiging. Ich wusste aber natürlich trotzdem, dass er da war. Hätte ich allerdings noch länger zugewartet, hätte ich vielleicht irgendeine Frist verpasst. Solche Briefe haben immer eine Frist.

Mit bedecktem Gemüt schaue ich die Fensterfront hinaus. Die von mir schon so oft spazierte Straße entlang und gegenüber in den herbstlich goldenen Stadtpark, der sich weitläufig ab der anderen Straßenseite erstreckt.
Das Café ist noch fast leer. Nur mein Kriminaler, so nenne ich ihn, ist schon da. Er hat seinen Platz hinten, ganz in meiner Nähe. Allerdings sitzt er lieber an der Theke. Der Platz, an dem er früher gerne von seinen Fällen erzählt und seine Zuhörer in den Bann geschlagen hatte. In der Vergangenheit war er wohl bei der hiesigen Kripo ein recht großes Tier. Inzwischen ist er nur noch ein Schatten seiner Selbst. Mit roter, grobporiger Nase, ganz mager vom Alkohol und glänzenden, leicht wässerig scheinenden Augen hockt er hier, die Füße auf die den Hocker umlaufende Stange gestellt und spricht fast nie ein Wort. Er hat immer seine Flasche Korn dabei, die in seinem Mantel steckt und pimpt sich regelmäßig seinen Tee. Bei Rosalind gibt es nun mal keinen Alkoholausschank. Bis jetzt toleriert sie aber seine Extrarationen, obwohl das auch mal eine Gefahr für ihr Café bedeuten kann. Er kommt immerhin schon seit mehr als zehn Jahren in ihr „Mama Rosa“ und ist inzwischen Teil des Inventars. Da darf man sich ein klein wenig Extra herausnehmen.

Direkt an der Theke sitzen ist für mich gar nichts. Da fühle ich mich wie auf einem Präsentierteller. Ich verstehe gar nicht, wie der das kann? Noch dazu mit der Pulle in seinem Mantel, die er ab und dann zückt um etwas von dem Korn in seine Tasse gluckern zu lassen. Fehlt nur noch der Schlapphut, denke ich, nur ein ganz klein wenig spöttisch.
Ich bevorzuge meine Sitzbank, ganz hinten in der Reihe der rotbraunen ledernen Bänke, die sich in mehreren Reihen die ganze Fensterfront des Cafés entlangziehen. Hier habe ich die Toilette im Rücken und vor mir das ganze Café. So mag ich das. Ich habe gerne die Übersicht, aber ich will auch nicht auffallen. Das gibt mir ein Gefühl von Sicherheit und Berechenbarkeit.
Ach. Mein Café. Ich lehne mich in meine Bank und die Holzbank knarrt vernehmlich an dem Punkt, wo ich es schon erwarte. Ich bin ja auch kein ganz so leichter Mann. Die Bank muss schon was aushalten. Aber fett bin ich auch nicht. Nur ein wenig Bauch, aber ansonsten ganz ok, finde ich. Bei meiner Größe verteilen sich die Kilos recht unauffällig, so dass ich ganz passabel wirke, wenn ich mal wieder eine Frau kennenlerne.

Das Café hat eine, zumindest für mich, angenehm verstaubt wirkende, ein wenig Retro anmutende, Anmutung. Ich mag die lange, polierte, chromverzierte, dunkelbraune Theke und den sich dahinter erstreckenden langen Spiegel. Die Reihe stählerner und Leder gepolsterter Barhocker und die schwarz weiß gemusterten Fliesen verstärken noch diesen Eindruck. Das ganze Café wirkt, als wäre es den Sechzigern entsprungen.
Ich schaue beiläufig zu Mama Rosa herüber, während ich an meinem Getränk nippe. Nicht, dass ich mit ihr etwas im Sinn hätte. Sie ist für mich unantastbar und eine ganz besondere Frau. Aber doch hat sie was. Ich mag ja Titten. Und die hat sie. Oh ja, die hat sie. Sie ist bestimmt schon über die Fünfzig hinaus, sinniere ich, aber das bin ich ja auch. Sie hat auch mehr auf den Rippen, als ich eigentlich bevorzuge. Ich mag ja eher was weniger, und eben weiblicher, schlanker. Sie dagegen hat kräftige, aber wohlgeformte Arme, einen eher kompakten Oberkörper mit einer nur angedeuteten Taille und bestimmt schöne Beine, so wie ich das bei ihrem Kleid erahnen kann ... und eben diese bestimmt scharfen Titten. Sagte ich es schon? Ich stehe auf Titten, auch wenn eine Frau ein bisschen reifer ist. Es müssen ja nicht immer die ganz jungen Hübschen sein.

Ich lümmele mich noch tiefer in meine Bank und beginne zu sinnieren. Ich habe schon seit Jahren keine Arbeit, aber tut mir das weh oder nervt mich das? Das ist lange vorbei. Ich bin mir auch sicher, dass ich gar nicht mehr zu Stechuhr und Zeitdruck tauge. Ich hasse einfach jede Variante einer Verpflichtung. Ganz schlimm wird es, wenn mir „einer sagen will“, was ich zu tun habe. Einem Chef gehorchen? Aber nie im Leben. Das konnte ich, wenn ich mich recht erinnere, noch nie so richtig. Ich bin eher dafür geboren, mein eigenes Ding zu machen, aber dazu müsste ich erst mal wieder den Arsch hochbekommen. Ja, müsste ich. Ich nippe wieder an meinem Milchkaffee. Inzwischen ist der kalt und schal. Aber ich muss mich an dem Getränk festhalten. Ein Gast hat ein Getränk vor sich und hat er das nicht, muss er zahlen und gehen, oder halt neu bestellen. So sehe ich das, auch wenn Mama Rosa nie darauf bestehen würde. So ist sie nicht.

Ein dreifaches Summen ertönt. Ich greife reflexhaft zu meinem Handy. Im Reflex greife ich zu meinem Handy. Wenn das jetzt nicht passt, grinse ich. Gerade noch an Titten gedacht und schon kommt mein nächstes Date. Das erkenne ich am Summen. Drei mal Vibration. Das ist mein Dateportal. Da hat mir gerade eine Schöne geschrieben. Ich setze meine Lesebrille auf und schau, was für eine Nachricht mich erreicht hat.

„Hallo Süsser. Lust auf ein Date?“

Ich bin sofort enttäuscht. Oh nee, denke ich. Eine Unechte. Ein Fake. Wer sonst sollte mich schon so anschreiben. Bei so einem Text ist es sehr unwahrscheinlich, dass es sich um eine echte Frau handelt. Trotzdem schaue ich kurz genauer, was das für eine Nachricht ist. Nur kurz abchecken, mehr nicht. Außerdem langweile ich mich. Aber das Profilbild, was sich in mehreren Schritten aufbaut, ist viel zu jung, viel zu hübsch und viel zu offenherzig. Eindeutig ein Fake. Ich wische nach links und weg ist die Nachricht. Und schon rückt die nächste Nachricht ins Display.

Ich lehne mich wieder vor. Wow. Wer ist denn das? Diese Nachricht habe ich noch gar nicht gesehen. Wahrscheinlich kamen die beiden Nachrichten mehr oder weniger gleichzeitig an. Das ist ja mal wieder ein nicht nach Fake riechender Betreff. Gut möglich, dass diese Nachricht von einer realen Person ist. Ich spüre sofort, wie das Blut in meinen Schwanz pulst und sich eine Erektion bilden will. Ich liebe dieses dann unmittelbar eintretende wohlige Gefühl der Lust und meines Jagdtriebs.
Allein die Aussicht, ein Date klarmachen zu können, lässt mich schon erregt werden. Ich hoffe nur, dass das nicht eine zu junge Frau ist. Nicht etwa, dass ich kein junges Blut im Bett ertragen könnte, ich grinse anzüglich, aber ich muss doch ein wenig Realist bleiben. Ich fühle mich einfach einer ihrer Schönheit bewussten jungen Frau nicht mehr gewachsen. Die sind so unersättlich, dass für mich die Lust nach der ersten Runde in den Hintergrund rückt und das Ganze in pure Arbeit ausartet. Oder in eine gigantische Blamage.

Allerdings bin ich ein perfekter Liebhaber, so lange es sich nur um einmalige heftige erotische Begegnungen handelt. Das ist es auch, denke ich, was eine Frau an mir mögen könnte, wenn sie an mich alten Sack gerät. Mal abgesehen von meinen distinguierten grauen Schläfen und meiner immer korrekten Kleidung. Ich habe eben die Erfahrung eines „alten Mannes“, aber noch immer die Gier eines jungen Kerls. Zumindest diese eine Runde lang. Da waren meine Damen, so mein bisheriger Eindruck, nie mit mir unzufrieden.
Meine Dates und der dann relativ oft folgende Sex haben meist etwas überfallartiges, gieriges, animalisches, unwiderstehliches. Darauf stehe ich. Das lässt mich für eine viel zu kurze Zeit so fühlen, wie ich damals wohl war. Ich erinnere mich immer wieder mit Wehmut an meine alten Energien. Vielleicht ist das auch das, was diese Frauen dann an mir mögen. Einen Mann mit Erfahrung und der Gier eines jungen Wilden, der gerne auch mal „kommen lässt“. Ha ha. Da muss ich doch glatt nochmal innerlich grinsen und hoffe, dass ich nicht zu offensichtlich sichtbar lüstern grinse. Ja, diese Frauen wollen halt keine Beziehung, sie wollen nur guten Sex.

Was schreibt denn meine Schöne, denke ich und schaue gebannt auf das Display.

„Ich habe Deinen Profiltext gelesen und du liest dich ja wirklich nett. Anscheinend wohnen wir auch gar nicht so weit auseinander? Magst du mir antworten?“

Ich spüre, wie es meine Lenden heiß durchzieht. Da ist es wieder. Dieses geile verlangende Gefühl einer möglichen Eroberung. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass es wieder diese immer gleiche, ernüchternde Erfahrung sein wird, wenn ich mich auf eine Frau einlasse. War eine Frau erst mal mit mir im Bett, flaut fast sofort dieses köstliche Gefühl der erotischen Spannung ab und ich will sie nur noch loswerden. Ich sollte tatsächlich mal endlich vernünftig werden und das mit den Dates lassen. Aber ich merke, ich bin jetzt geil. Scheiß drauf. Ich will diese Frau kennenlernen. Ich kann einfach nicht widerstehen.
Erst mal formuliere ich eine Antwort. Die muss natürlich optimal formuliert sein. Mal überlegen. Aber im Grunde ist das immer der mehr oder weniger gleiche Text, der sich bewährt hat.

„Hey, danke, das finde ich toll, dass Du mir schreibst. Ich logge mich ja nur selten hier ein, da ich nicht wirklich suche. Um so mehr freue ich mich, dass ich Dich jetzt lese. Deine Zeilen sind wirklich nett. Von wo genau bist Du denn?“

Perfektes unaufdringliches Understatement. So muss es sein. Ich bin zufrieden mit meinem Text. Hier geht es eben um die Jagd und nicht um eine Partnerschaft. Wenn ich so ganz mit mir ehrlich bin, rechne ich auch gar nicht mehr mit einer Partnerschaft. Das ist schon so lange her; das ist schon gar nicht mehr wahr.
Ich lese noch mal und noch ein weiteres mal schicke dann ab. Ich beuge mich noch weiter vor und lege meine beiden Ellenbogen auf die Theke, innerlich vor Erregung bebend, um dann auch ihre Nachricht wieder und wieder zu lesen. Ich will jedes Wort dieser kurzen Nachricht analysieren und auf mögliche Hinweise einschätzen. Hoffentlich antwortet sie schnell. Ich will wissen, wie sie heißt, wie alt sie ist, wie sie aussieht, einfach alles.

Etwas veranlasst mich aber, in diesem Moment aus meinem nebelhaften Traum aufzuschauen. Ich spüre einen Blick auf mir ruhen und scanne unauffällig das Café. Keiner der Gäste schaut, aber war da nicht ein kurzer Seitenblick von Mama Rosa? Aber sie hat das Lokal sowieso immer im Blick. Das ist ihr Job. Und schaut sie nicht gerade wieder? Wirkt ihr Blick nicht ein wenig nachdenklich? Oder sogar ... traurig? Klar, sie wird bestimmt bedauern, wenn ich mich wieder mal mit einem aussichtslosen Date beschäftige. Sie ist eben eine Gute. Ein Gefühl der Wärme durchfließt mich, aber auch ein wenig ein peinliches Gefühl, da ich mich von ihr erkannt und ein Stück entlarvt fühle.
Ich blättere in der vor mir ausgelegten Speisekarte herum, um mich abzulenken. Neulich hatte ich bei ihr einen strammen Max bestellt. Der war absolut köstlich. Wirklich einmalig lecker. Ein einfaches Gericht perfekt gemacht. Bei dem Gedanken läuft mir noch immer das Wasser im Mund zusammen. Ich schaue auf die entsprechende Seite. Sechs Fünfzig. Sch… Das ist zwar nicht wirklich teuer, aber heute für mich schon.

Unsere Gastgeberin rauscht geschäftig an mir vorbei. Mit kräftigen Händen wischt sie auf ihrem Weg durch das Café über die Tische und sammelt da und dort Tassen, Teller und etwas Besteck ein, um alles später zu spülen. Meine Tasse lässt sie natürlich stehen. Noch ist die nicht leer. Darauf habe ich geachtet.
Um ihr nicht unnötig Arbeit zu bereiten, wische ich gerne den Innenrand meiner Tasse mit einem Papiertaschentuch ab, so lange der Rand noch feucht ist. Das muss ja nicht unbedingt antrocknen, denke ich. Das ist für sie nur mehr Arbeit, da sie von Hand spült. Ich meine sogar, dass sie das bemerkt. Ich bekomme fast immer ein kurzes Zwinkern ihrer braunen Augen, fast die Farbe ihrer Haare, geschenkt, wenn sie meine Tasse einsammelt. Was sonst könnte das schon bedeuten, da ich mich bemühe, nie, wirklich nie, anzüglich zu schauen. Höchstens mal, wenn sie mir den Rücken oder zumindest die Seite zukehrt und ich einen Blick auf ihre Oberweite erhaschen kann. Sie ist immer hochgeschlossen, immer in einem dezenten, gerne aber auch farbenfrohen Kleid, was bei ihr äußerst reizvoll wirkt. Nicht erotisch etwa, einfach reizvoll. Bitte nicht falsch verstehen.

Man sagt ja, dass Frauen diese Blicke der Männer trotzdem bemerken. Ob das so stimmt, kann ich nicht beurteilen, aber ich weiß mich auch zu benehmen und schau nur dann, wenn ihr Blick in eine ganz andere Richtung geht. Wenn sich weibliche Gäste im Café befinden, fällt es mir sowieso leichter, sie nicht anzuschauen. Dann kann ich bei ihr einfach so wohlerzogen bleiben.
Sie führt ihr Café mit souveräner Hand. Das muss ich ihr lassen. Ich bewundere das. Ihre Souveränität zeigt sich besonders, wenn etwas aus der Reihe passiert. Wenn, beispielsweise, einer unserer Obdachlosen ins Café geschlurft kommt und in devoter Haltung seine Runde an den Gästen vorbei dreht. „Haben se was Kleingeld? Haben se was Kleingeld?“, ist einer der üblichen Standardsätze. Sie toleriert das und betrachtet diese meist ungepflegten Besucher nur still aus dem Augenwinkel. So lange es bei einer kurzen und nicht zu aufdringlichen Bettelrunde bleibt, poliert sie einfach ein paar Gläser und tut, als würde sie ihn nicht bemerken. Bleibt allerdings einer dieser Besucher zu lange bei einem ihrer Gäste stehen, so dass dieser unruhig auf seinem Sitz herumzurutschen beginnt, greift sie ein. Dann nimmt sie sich eine der Brezeln von der Theke, wandert ohne zu Eile zu ihm herüber und hakt sich ein. Mit einem Lächeln und ein paar netten Worten führt sie ihn zur Türe und keiner, wirklich keiner dieser Besucher zeigt Verärgerung oder fällt anders aus der Rolle. Die Jungs wissen eben, sie müssen ihre Sammelrunde nur flott und professionell durchführen, dann dürfen sie auch.

Ich erstarre. Es summt; wieder drei mal. Da ist eine neue Nachricht. Geil. Sofort spüre ich, wie mein Schwanz erneut wächst. Ich muss einfach sofort schauen, was sie mir geschrieben hat. Es muss diese Frau sein. Wer sonst darf es schon sein. Ich wische über das Display, fast schon hektisch, und will die Nachricht sofort sehen. Ja, sie ist es. Die nette Namenlose. Jetzt nur hoffen, dass ich die richtigen Worte gefunden habe, aber ich habe meine Nachricht nicht ohne Grund so allgemein und trotzdem sympathisch formuliert. Das kann nur ein guter Einstieg sein. Ich klicke auf die Nachrichtenzeile und zuallererst baut sich ihr Bild auf.
Schlagartig bekomme ich rote Ohren. Diese Frau ist viel zu jung für mich. Sie ist bestenfalls Zwanzig, na, maximal Fünfundzwanzig. Das geht ja gar nicht. Aber sie hat auch etwas Gedankenvolles im Blick. Sie wirkt reifer. Woran liegt das? Ich denke, analysiere ich, es ist ihre dezente Pagenfrisur und dieser einfache, ganz normale Pullover, der sie noch erwachsener wirken lässt. Sie wirkt nicht übertrieben jugendlich, sondern sie schaut eher ernst ins Objektiv.
 
„Herr Meier! Sie schauen ja so verloren drein!“

Ich schrecke aus meinem erregten Tunnelblick auf. Erneut steigt mir die Röte ins Gesicht. Diesmal aber so richtig. Ich merke, wie ich am liebsten im Boden verschwinden möchte. Dabei weiß Rosalind doch gar nicht, was ich für eine Nachricht erhalten habe. Ich habe gar keinen Grund, verlegen zu sein. Und doch stammele ich nur wirres Zeugs.
„Frau Mama Rosa, also Mama Rosa, also, alles ok. Ich habe nur ein wenig nachgedacht.“
Frau Mama Rosa! Was rede ich da nur für einen Quark! Wir waren doch schon längst bei Rosalind. Obwohl wie wir uns natürlich weiterhin siezen. Diesen professionellen Abstand hält Mama Rosa immer ein. Ich spüre, wie ich jetzt noch mehr erröte. Ich will das nicht. Das fühlt sich Scheiße an. Also rede ich schnell weiter um mich mit ein paar Worten von meiner eigenen Verlegenheit abzulenken, so dass meine äußerlich sichtbare Gelassenheit wieder einkehren kann. Da mir absolut nichts halbwegs Vernünftiges zu sagen einfällt, bestelle ich spontan aus der vor mir liegenden offenen Karte. Zu mehr Worten oder gar Denken bin ich nicht fähig.

„Ob Sie mir einen Strammen Max machen würden? Ich habe genau darauf jetzt Appetit.“

Ich lächele sie an und lehne mich betont lässig zurück und spüre, wie ich unter meinen Achseln mehr und mehr schwitze. Mein Hemd muss schon dunkle Schweißflecke haben. Auch mein Rücken fühlt sich inzwischen klamm und unangenehm kühl an. Ich schaue in Gedanken in mein Portemonnaie und überlege, ob ich überhaupt genügend Geld dabei habe. Aber es sollte noch genug Kleingeld darin sein. Dann gibts morgen eben keinen Kaffee. In meiner rechten Hosentasche ist darüber hinaus noch ein klein wenig Geld. Da ist noch die Münze für den Einkaufswagen drin. Ich werde das schon zusammenbekommen. Zur Not zahle ich eben in ein oder zwei Tagen. Einer der kleinen Privilegien eines Stammgastes.

„Aber gerne Herr Meier. In ein paar Minuten haben Sie ihren Strammen Max,“

Sie lächelt zurück und huscht eifrig in die im Nebenraum befindliche Küche. Ich mag sie wirklich … und jetzt habe ich so richtig Kohldampf. Mein Hunger drängt sich massiv in mein Bewusstsein. Der Pagenkopf kann später. Ich will diese beiden Spiegeleier, mit den gerösteten Speckscheiben und dem leckeren krustigen Brot. Jetzt. Genau jetzt. Warm und dampfend. Ich will das vor mir stehen haben. Selbst, wenn ich gar kein Geld bei mir hätte. Ich hätte jetzt keine Wahl mehr.
Das mit dieser unvernünftigen Gier muss ich doch mal in den Griff kriegen, denke ich. Das hat mir schon so viele Probleme bereitet. Wenn ich auf etwas scharf bin, kann ich mich leider ganz unmöglich bremsen. Egal was für Folgen das dann haben kann oder sogar ganz sicher haben wird. Nicht zahlen können zum Beispiel. Oder eine Frau angraben, von der ich vorher schon weiß, dass mir das nicht guttun würde. Hallo? Pagenkopf?

Aus der Küche erreicht mich der köstliche Geruch von gebratenem Speck und Eiern, was mich nur noch gieriger und unruhiger macht. Ich überlege, ob ich kurz zur Theke schleichen soll, um mir ein paar Salzstangen zu holen. Wenn sie mich nicht dabei nicht sieht, ist das ja kein Problem, dann ist es „gar nicht passiert“. In Sachen Selbstbetrug bin ich eben ein absoluter Experte. Soll ich mir dieses wunderbare Hungergefühl mit ein paar trockenen Salzstangen verderben? Das kann doch nur noch maximal fünf Minuten dauern.
Ach komm, ein paar gehen schon, denke ich und stehe auf, schaue aber, fast blind tapsend und rückwärts gehend, ununterbrochen auf das auf dem Tisch liegende Display. Aber bevor ich nicht geantwortet habe, hat sie natürlich keinen Grund, zu schreiben. Mann ... ich bin so geflasht von dem Bild, aber sie ist so jung. Eigentlich zu jung.
Erst esse ich was, dann schreibe ich Pagenkopf und dann schau ich weiter.
Der Tag ist erst mal gerettet. Jobcenter kann später. Während ich mir fünf Salzstangen zugleich in den Mund schiebe bemerke ich, wie mich Mama Rosa aus der Küche betrachtet. Als sie meinen Blick bemerkt, wendet sie sich sofort wieder der Pfanne zu. Die Spiegeleier sind inzwischen auch fertig. Ich kann es, noch kauend, von meinem Standort aus erkennen. Lassen wir es bei den paar Salzstangen. Das kriege ich schon hin.
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Rapunzel
Sonntagsschreiber


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BeitragVerfasst am: 17.11.2019 11:54    Titel: Antworten mit Zitat

Dein überarbeiteter Text gefällt mir gut, es passiert mehr und gerade der Beginn ist sehr unterhaltsam.

Unfähiges Volk. Sesselfurzer.     - sehr schön!

Weiterlesen würde ich - um ehrlich zu sein - dennoch nicht, aber das liegt nicht am Schreibstil. Mir ist der Protagonist nicht sympathisch, das liegt aber an mir, da ich persönlich eine Abneigung gegen Männer wie Herr Meier habe. Dass dein Text diese Abneigung gegenüber ihm auslöst, ist dann nur als Beweis dafür zu sehen, dass du deine Figur realistisch beschrieben hast.

Ich weiß nicht, ob ich oben schon erwähnen würde, dass Herr Meier keine jungen Frauen will..
Also diese Stelle hier:

Zitat:
Ich hoffe nur, dass das nicht eine zu junge Frau ist. Nicht etwa, dass ich kein junges Blut im Bett ertragen könnte, ich grinse anzüglich, aber ich muss doch ein wenig Realist bleiben. Ich fühle mich einfach einer ihrer Schönheit bewussten jungen Frau nicht mehr gewachsen. Die sind so unersättlich, dass für mich die Lust nach der ersten Runde in den Hintergrund rückt und das Ganze in pure Arbeit ausartet. Oder in eine gigantische Blamage.



Kannst du das nicht weglassen und stattdessen unten einbauen, wenn es dann tatsächlich eine junge Frau ist?

Du versetzt dich sehr gut in die Figur hinein und beschreibst alles aus ihrer Sicht. Daumen hoch Es wird also nach wesentlich wenigen Zeilen schon deutlich, welche Person Herr Meier ist.
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Herr Meier
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BeitragVerfasst am: 17.11.2019 12:39    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich danke Dir für Dein schon mal positives Echo Daumen hoch

Seine Erkenntnis, dass er keine jüngeren Frauen will,
ist allerdings mit Absicht so erwähnt,
da er just danach wieder rückfällig wird.

Immerhin wird ein Ansatz an Selbsterkenntnis sichtbar,
Er weiß ja eigentlich, dazu er sich das nicht mehr zutrauen kann und sollte.
Dass ihm das nicht gut tut.

Du beschreibst mein Problem.
Er ist ein Typ, den ein Leser verachten kann,
Mitleid wäre was viel,
aber er ein Gefangener seiner Selbst.

Ich will natürlich nicht unbedingt direkt mehr als die Hälfte der Leser/innen abschrecken Wink
Schwere Kiste.

Wenn ich ihn sympathischer und normaler mache,
ist er nur noch ein in den Tag lebender Hallodrie,
den man mag, aber am liebsten treten will.

Das wäre kompatibler für mehr Leser,
aber dann schauen wir nicht mehr in eine haltlose Seele,
sondern nur noch in einen liebenswerten Chaoten Confused
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Rapunzel
Sonntagsschreiber


Beiträge: 27



BeitragVerfasst am: 17.11.2019 14:24    Titel: Antworten mit Zitat

Herr Meier hat Folgendes geschrieben:
Ich danke Dir für Dein schon mal positives Echo Daumen hoch

Seine Erkenntnis, dass er keine jüngeren Frauen will,
ist allerdings mit Absicht so erwähnt,
da er just danach wieder rückfällig wird.

Immerhin wird ein Ansatz an Selbsterkenntnis sichtbar,
Er weiß ja eigentlich, dazu er sich das nicht mehr zutrauen kann und sollte.
Dass ihm das nicht gut tut.

Du beschreibst mein Problem.
Er ist ein Typ, den ein Leser verachten kann,
Mitleid wäre was viel,
aber er ein Gefangener seiner Selbst.

Ich will natürlich nicht unbedingt direkt mehr als die Hälfte der Leser/innen abschrecken Wink
Schwere Kiste.

Wenn ich ihn sympathischer und normaler mache,
ist er nur noch ein in den Tag lebender Hallodrie,
den man mag, aber am liebsten treten will.

Das wäre kompatibler für mehr Leser,
aber dann schauen wir nicht mehr in eine haltlose Seele,
sondern nur noch in einen liebenswerten Chaoten Confused


Ich weiß jetzt nicht, wie andere das sehen, und ich bin selbst eine "Anfängerin" auf dem Gebiet - aber wenn sich Herr Meier für dich richtig anfühlt, dann verändere ihn nicht.
Ich lese allgemein wenig, was in diesen Bereich geht. Das ganze Erotik-Genre ist nicht so meins und wahrscheinlich würde ich jede Person unsympathisch finden. Wenn du weißt, dass deine Figur an Tiefe verliert, wenn du ihn veränderst, dann mach das nicht. Noch dazu, weil er ja an sich eine Moral besitzt und es nur nicht schafft, diese dann auch anzuwenden.
Dass ich ihn nicht sympathisch finde hat mehr mit mir zu tun, als mit deinem Buch. Very Happy
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Herr Meier
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BeitragVerfasst am: 17.11.2019 19:21    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Beim erneuten Durchdenken, gerade auch der ersten Kommentare zu meinem Text, habe ich folgende Erkenntnis gewonnen.

Er ist schwach, ja, er hat moralische Probleme, ja, aber ich muss nicht direkt so in die Vollen hauen. Das war nun doch zu schnell, zu hektisch, fast wie eine Hinrichtung des Charakters. Er rutscht mir so anscheinend sofort in die Arsch-Schublade Cool

Es ist kein Erotikroman, obwohl eine gute Portion davon darin vorkommen wird. Das ist eben Teil seines Wesens und seiner Schwäche  ... also lasse ich diese Episode erst später aufdräuen.

Ich lasse ihn über etwas anderes, einem Leser sympathischeres, aber zumindest moralisch nicht verwerfliches ins Schwitzen kommen. Auch hier. Ich will eine falsche Schublade, in diesem Fall das Genre, vermeiden.

In zwei oder drei Tagen folgt ein weiterer Testlauf smile

Langsam bekomme ich ein klareres Bild. Das hätte ich ohne die Meinungen hier nicht so schnell und effektiv bekommen.

merci  Wink
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Herr Meier
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BeitragVerfasst am: 19.11.2019 13:32    Titel: neuer Lauf ... alles auf links ... pdf-Datei Antworten mit Zitat

ok, weiterer Versuch eines Herantastens.
Ich bin noch immer nicht zufrieden ...
ich suche nach "mehr Drive" Wink
Aber das hier mal als Zwischenschritt.

++++++++


„Was wollen die von mir?!“

Ich umfasse härter meine Tasse Milchkaffee. In mir steigt heiliger Zorn auf. Mir tut richtig gut, dass mir dabei meine Hand schmerzt. Das lenkt mich was ab. Das hatte mir jetzt noch gefehlt. Ich hatte doch vor Kurzem erst mit meinem Fallsachbearbeiter besprochen? Die wollten mich doch erst mal in Ruhe lassen?
Im Hintergrund klappert Rosalind, meine Wirtin, mit Tassen und Tellern und mir gerade viel zu laut schepperndem Besteck. Kann das denn nicht was leiser gehen? Aber Mama Rosa, so nennen die meisten ihrer Gäste sie, kann natürlich nichts für mein Pech.

Das verdammte Jobcenter. Ich und einen Hiwi-Job?! Das geht gar nicht! Als Lagerist arbeiten? Für so einen Ausbeuter Versandhandel? Während mir diese Worte durch den Kopf schießen, merke ich, wie mich schlagartig ein wohlbekanntes Ohnmachtsgefühl umwallt. Hört das denn nie auf? Können die mich nicht einfach lassen, bis ich es wieder schaffe, mein Ding zu machen?! Jetzt ist mein ganzer Tag verdorben. Na danke! Dabei fing der Tag eigentlich ganz gut an. Unfähiges Volk. Sesselfurzer. Die wissen doch, dass ich mit meinen Füßen und meinem Rücken zu tun habe? Ok, der Amtsarzt war noch nicht, aber trotzdem wissen die doch Bescheid?! Die sollten mal in meiner Situation sein. Arschlöcher!
Ich schaue immer noch böse auf den Brief, den ich jetzt erst, nach mehreren Tagen, geöffnet habe. Amtsgrau und mich ermüdend liegt er vor mir auf dem Tisch. Der aufgeschlitzte Umschlag daneben. Ich konnte ja nicht ewig um diesen Brief herumschleichen. Die ganze vergangene Woche lag der wie Blei in meinem Briefkasten. Im Vorbeigehen konnte ich ihn grau und drohend durch das Sichtfensterchen des Briefkastens erkennen.

Ich hatte mir sogar schon angewöhnt, nicht mehr in Richtung Briefkasten zu schauen, wenn ich an ihm vorbeiging. Auch ein Verhalten, was ich an mir hasse. Trotzdem wusste ich natürlich, dass er da war. Hätte ich allerdings noch länger zugewartet, hätte ich vielleicht irgendeine Frist verpasst. Solche Briefe haben immer eine Frist. Da muss man aufpassen. Sonst heißt es Kürzung der Bezüge, zum Beispiel. Oder Schlimmeres, was auch immer das dann sein mochte. Inzwischen erwarte ich von denen jede noch so hinterfotzige Hinterfotzigkeit. Ich greife zu dem Brief und will ihn einfach zusammenknüllen. Aber jetzt ist er in der Welt, jetzt muss ich mich wohl doch drum kümmern.
Im Briefkasten war noch ein Brief. Aber der muss harmlos sein. Nettes Angebots-Weiß, A4, zu dick um etwas Offizielles zu sein, keine Gefahr. Den gönne ich mir gleich als Belohnung nach diesem unsäglich nervenden Brief. Auch wenn das wohl nur Werbung sein wird. Alles ist besser, als etwas, was mich in Rage oder Stress bringt.

Mit immer noch umwölktem Gemüt schaue ich die Fensterfront hinaus. Seit einer Woche bin ich wieder mal Single. An sich jetzt nicht so wichtig, aber wenn sie noch da wäre, könnte ich mich bei ihr über den Brief beschweren. Wahrscheinlich war das aber auch ein Grund, dass sie sich von mir getrennt hat. Ich hätte ja zu viel rumgemeckert, war eine ihrer Begründungen. Und dass das mit mir so nicht weitergehe und sie sich das nicht mehr anschauen wolle.

Ich schaue die von mir schon so oft spazierte Straße entlang und dann rüber, in den inzwischen herbstlich goldenen Stadtpark, der sich weitläufig ab der anderen Straßenseite erstreckt. Gerade hat die Café-Uhr neun Uhr geschlagen. Ein monumentales Teil, richtig verziert, oberhalb und zentral der Theke. Das Café ist noch fast leer. Nur mein Kriminaler, so nenne ich ihn, ist schon da. Er hat seinen Platz hinten, ziemlich in meiner Nähe. Allerdings sitzt er bevorzugt direkt an der Theke. An dem Platz, an dem er früher gerne von seinen Fällen erzählt und seine Zuhörer in den Bann geschlagen hatte.

Früher war der wohl ein recht großes Tier bei der Kripo. Ich kenne noch verschiedene regionale Berichte aus dieser Zeit, wo er, manchmal auch mit Bild, aber immer mit einigen Zitaten, dynamisch und tatkräftig wirkend, über gerade laufende Fälle berichtet hatte.
Inzwischen ist er aber nur noch ein Schatten seiner Selbst. Ich schau zu ihm rüber. Mit roter, grobporiger Nase, inzwischen vom Alkohol abgehärmten Gesichtszügen und mit glänzenden, leicht wässerig scheinenden Augen hockt er hier, als wäre er angewachsen. Die Füße auf die den Hocker umlaufende Stange gestellt spricht der fast nie ein Wort. Immer seine obligatorische Flasche Korn dabei, die in seinem Mantel steckt und mit der er sich regelmäßig seinen Tee anreichert. Bei Rosalind gibt es nun mal keinen Alkoholausschank. Bis jetzt toleriert sie ja seine Extrarationen, obwohl das auch mal eine Gefahr für ihr Café bedeuten kann.

Aber immerhin kommt er schon seit mehr als zehn Jahren in das „Mama Rosa“. Inzwischen ist er, so wie ich wohl auch, denke ich, Teil des Inventars. Da darf man sich auch manchmal ein kleines Extra herausnehmen.
Direkt an der Theke sitzen ist überhaupt nichts für mich. Da fühle ich mich wie auf einem Präsentierteller. Ich verstehe gar nicht, wie der das kann? So, wie er inzwischen auf die anderen Gäste wirken muss. Noch dazu mit der Pulle in seinem Mantel, die sich manchmal ausbeulend abzeichnet, wenn man weiß, dass die da sitzt. Immer wieder zückt er sie dann, um etwas von dem Korn in seine Tasse gluckern zu lassen.
Fehlt nur noch der Schlapphut, denke ich, nur ein ganz klein wenig spöttisch.

Ich selbst bevorzuge ja meine Sitzbank, in der hinteren Reihe der rotbraunen ledernen Bänke, die sich in mehreren Reihen die Fensterfront des Cafés entlangziehen. Hier habe ich die Toilette im Rücken und vor mir das ganze Café. So mag ich das. Ich habe nun mal gerne die Übersicht, aber auffallen will ich auch nicht.
Dieser Platz hier gibt mir ein Gefühl von Sicherheit. Vielleicht verstecke ich mich aber auch ein bisschen, denke ich. Ich lehne mich tiefer in meine Bank und die Holzbank knarrt vernehmlich. Genau an dem Punkt, wo ich das Knarren erwarte. So ganz leicht bin ich ja nicht mehr. Die Bank muss schon noch was aushalten. Aber ich bin nicht fett, auch wenn ich ein wenig Bauch habe. Ich schaue an mir herab. Bei meiner Größe verteilen sich meine Kilos auch recht unauffällig. Ich wirke doch ganz passabel. Das ist natürlich besonders gut, wenn ich mal wieder eine Frau kennenlerne. Das wird bald Zeit. Ich fürchte, allein sein kriege ich nicht so gut hin. Eine Katze wäre auch eine nette Gesellschaft. Ich mag Katzen.

Gerade streckt sich die „Kaffekatz“, der große, rot weiße Kater des Cafés, und streckt sich genussvoll. Gerade schaut er mit seinem verbliebenen unergründlichen Auge in meine Richtung. Mit einem Blick, sowas von vollkommener Gleichgültigkeit, gepaart mit einem absolut fixierenden Blick. Das kriegt nur ein Kater hin. Sogar mit nur einem Auge bekommt der das perfekt hin.
Ich finde, bei ihm wirkt dieser Blick sogar noch unheimlicher, wenn er so schaut und statt dem zweiten Auge nur diese vernarbte, leere Augenhöhle. Ich bewundere Katzen für diese Gelassenheit. Nicht umsonst werden Katzen entweder gehasst, oder verehrt.
Wann der sein Auge verloren hat, weiß keiner mehr. Irgendwann war er einfach hier und hat seinen Platz eingenommen und da war das schon so. Ja, auch der Kater hat seinen Stammplatz, lächele ich. Wir sind halt alle Gewohnheitstiere.
Er muss in seinen wilden Jahren schon gewaltige Kämpfe ausgefochten haben. Jetzt verbringt er hier seine gemütliche Katzendämmerung. Manchmal sehe ich ihn auch mit eine Maus im Maul in Richtung Hof verschwinden. Allerdings sehe ich ihn nie jagen. Weiß der Himmel, wo der die immer erwischt.

Das Café hat, gemeinsam mit der großen Uhr, der gemütlich wirkenden Einrichtung, der langen, polierten, chromverzierten dunkelbraunen langen Theke, der Reihe von Sitzbänken und der kleinen Phalanx stählerner, Leder gepolsterter Sitzhocker und dem sich hinter der Theke erstreckenden langen Spiegel eine wunderbar Retro anmutende Ausstrahlung. Die schwarz weiß gemusterten Fliesen, die sich durch das ganze Café erstrecken, runden diesen Eindruck noch ab. Das ganze Café wirkt, als wäre es den Sechzigern entsprungen.

Mein Blick schweift beiläufig zu Mama Rosa, mit einem Blick, nur fast so cool wie dieser Kater, während ich an meinem Kaffee nippe. Nicht, dass ich mit Rosalind etwas im Sinn hätte. Sie ist für mich unantastbar und eine ganz besondere Frau. Aber doch hat sie was. Ich mag ja Titten. Und die hat sie. Oh ja, die hat sie. Sie ist bestimmt schon über die Fünfzig hinaus, schätze ich, aber das bin ich ja auch.
Sie hat auch mehr auf den Rippen, als ich eigentlich bevorzuge. Ich mag ja eher was weniger, und eben weiblicher, schlanker. Sie dagegen hat kräftige, aber wohlgeformte Arme, einen eher kompakten Oberkörper mit einer nur angedeuteten Taille und bestimmt schöne Beine, so wie ich das bei ihrem Kleid erahnen kann ... und eben diese bestimmt scharfen Titten. Sagte ich es schon? Ich stehe auf Titten, auch wenn eine Frau ein bisschen reifer ist. Es müssen ja nicht immer die ganz jungen Hübschen sein.

Ich lümmele mich tiefer in meine Bank und beginne zu sinnieren. Seit Jahren bin ich schon ohne Arbeit, aber tut mir das weh oder nervt mich das? Das ist schon lange vorbei. Ich bin mir auch sicher, dass ich gar nicht mehr zu Stechuhr und Zeitdruck tauge.
Ich hasse einfach jede Variante einer Verpflichtung. Ganz schlimm wird es, wenn mir „einer sagen will“, was ich zu tun habe. Einem Chef gehorchen? Aber nie im Leben. Das konnte ich, wenn ich mich recht erinnere, noch nie so richtig. Ich bin eher dafür geboren, mein eigenes Ding zu machen, aber dazu müsste ich erst mal wieder den Arsch hochbekommen. Ja, müsste ich. Ich nippe wieder an meinem Milchkaffee. Inzwischen ist der natürlich kalt und schal. Aber ich muss mich daran festhalten. Ein Gast hat ein Getränk vor sich und hat er das nicht, muss er zahlen und gehen, oder eben neu bestellen. So sehe ich das, auch wenn Mama Rosa nie darauf bestehen würde. So ist sie nicht.

Ich spüre, mein Ärger ist verraucht. Das ist gut. Ärger hält bei mir nie lange vor. Darauf spekuliere ich ganz bewusst, wenn mir etwas passiert, wie gerade eben. Ärger kommt – Ärger verraucht. Selbst wenn der Grund des Ärgers noch vorhanden ist, geht der einfach so wieder weg. Was bleibt ist nur noch ein Gefühl von etwas Unerledigtem. Das ist zwar auch nicht schön, aber schon viel besser, als sich zu ärgern.
Mir fällt der zweite Brief ein. Ich lege den Jobcenter-Brief auf die Seite, der ist für mich jetzt abgehakt. Die Bewerbung schreibe ich morgen oder übermorgen mal und dann ist das vom Tisch. Da wird schon nichts passieren, wenn ich ganz ehrlich bin, was meinen verworrenen und wechselhaften Lebenslauf angeht. Und die vom Jobcenter machen ja auch nur ihren Job, denke ich, jetzt wieder ganz versöhnlich.

Ich nehme diesen zweiten Brief in die Hand. Ein A4-Umschlag. Was steht denn drauf? Gabel und Partner, ein Maklerbüro. Schlagartig macht es bei mir Klick. Ich beginne unwillkürlich breit zu lächeln. Der Tag beginnt wieder schön zu werden. Ich hatte vor einigen Tagen in der Innenstadt ein griechisches Restaurant bemerkt, was wohl bald geschlossen werden würde und direkt am Marktplatz liegt. Direkt am anderen Ende der Einkaufsstraße. Das wäre eine Lage, mindestens so gut wie das „Mama Rosa“, direkt am Park aber eben am anderen Ende.

Ich hatte dem Griechen einen spontanen kurzen Brief geschickt und mein Interesse angemeldet. Reinzugehen und direkt zu fragen hatte ich an diesem Tag nicht gewagt. Ich habe ja noch überhaupt keine klaren Vorstellungen. Da wäre so ein Brieflein erst mal besser, hatte ich mich selbst beruhigt. Das Maklerbüro ist vermutlich beauftragt, sich darum zu kümmern. Sehr vernünftig, dass einfach einem Makler zu übergeben.

Ein eigenes Café. Davon träume ich ja schon lange. Aber bisher hatte ich nie eine Chance gesehen, diesem Wunsch näherzukommen. Ohne Geld sowieso nicht. Für so etwas braucht man außerdem eine gute Lage, ein gutes Konzept und Geld. Da ich aber kein Kapital habe, ist das schon geil, von einem schon existierenden Restaurant erst mal einfach die Einrichtung übernehmen zu können.

Ich blättere träumend durch das Exposé, das ich vor mir aufgefächert habe. Perfekt. Es scheint alles schon da zu sein. Es gibt sogar ein weiteren Raum für die Abfälle. Ich habe schon erfahren, dass ein solcher Raum Vorschrift ist. Einen Kühlraum gibt es auch und überhaupt. Es ist wirklich alles schon da, was ich benötigen würde. Ich könnte also, wie ein typischer Mann in eine neue Wohnung, einfach so einziehen und die vom Vormieter hinterlassene Einrichtung übernehmen. Natürlich müsste ich das Ganze noch von Grieche auf Meier drehen, grinse ich. Aber das würde ich schon schaffen. Dann wäre ich auch endlich das verdammte Jobcenter los. Dann könnte ich später sogar dort mal im Amt aufkreuzen und selbst nach Leuten fragen. Die werden sich umgucken.

Plötzlich schrecke ich auf und lege im Reflex meine Hände auf die ausgebreiteten Seiten des Exposés. Rosalind rauscht gerade durch das Café und sammelt auf ihrem Weg Teller, Tassen und Besteck ein und kommt dabei meinem Tisch gefährlich nahe. Meine Tasse ist natürlich noch nicht leer, nur der kalte Rest beginnt langsam anzutrocknen. Sie würde also bei mir nicht abräumen, aber es ist ja möglich, dass sie doch bis zu meinem Tisch kommt, um mit mir ein nettes Wort zu wechseln.

Hat sie das Exposé bemerkt? Aus dem Augenwinkel bemerke ich, wie sie beginnt, nachdenklich zu schauen und nicht bis zur letzten Bank durchgeht. Schnell raffe ich die Seiten wieder zu einem Stoß zusammen und schiebe sie zurück in den Umschlag.
Inzwischen ist sie schon wieder zurück an der Theke, um das eingesammelte Geschirr abzustellen.

Ich fühle mich schuldig und auch ertappt. Dabei habe ich doch nichts Schlimmes getan? Ich habe nur ein Stück weit einem Gedankenspiel nachgegeben und dabei hat dann dieses Exposé zu mir gefunden. Sonst nichts.
Ich wage keinen direkten Blick zur Theke mehr. Schaut sie noch? Ich kann ja mal zur Kaffeekatz rüberschauen, die sich genussvoll, in ihrem Korb neben der Theke, putzt. Dabei kann ich vielleicht aus meinem Augenwinkel erkennen, ob sie schaut, und dabei versuchen, ihre Stimmung zu erraten.
Aber meine Verlegenheit geht wieder vorbei, beruhige ich mich. Genauso wie Ärger. Bei mir hält eben keine Emotion lange an. Manchmal ist das auch ein Vorteil.

Ich nehme meine Tasse und trinke beherzt den letzten Schluck der Plörre und verziehe nur ein wenig den Mund. Grauslich, wenn ein Kaffee so alt und abgestanden ist. Aber ich bringe es auch nicht übers Herz, den Rest stehenzulassen. Dazu ist mein Geld zu knapp, um irgendwo irgendetwas einfach so zu verschwenden.
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Rübenach
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BeitragVerfasst am: 19.11.2019 14:23    Titel: Antworten mit Zitat

Ohne auf Einzelheiten eingehen zu wollen:

Ein hervorragendes Beispiel, wie aus einem sicherlich nicht fehlerfreien, aber eine Handschrift erkennen lassendem, etwas sperrigem Text ein weichgespültes 08/15-Elaborat zu werden droht.

Denk mal darüber nach.


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Herr Meier
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BeitragVerfasst am: 19.11.2019 17:49    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Du irrst,

ich experimentiere mit mir selbst
und suche im Moment nur den Weg,
flüssig und gut lesbar zu schreiben.

Das ist kein "Werk".
Das ist ein Textexperiment mit mir selbst,
wobei ich mir, gerne auch von Dir,
hilfreiche handwerkliche Hinweise erhoffe.

Vielleicht irre ich mich ja
und "darf" nicht probieren,
um mein Rüstzeug zu lernen?

Es ist etwas Anderes,
Business oder Forumtexte zu schreiben.
Oder eben die Art zu schreiben zu finden,
die das Richtige für einen Roman sind.

Lieber Rübenach, bevor Du versuchst,
jemanden mal gewollt zu entmutigen,
besser einfach denken, und lassen.

Denk mal drüber nach.

Zweifellos bist Du als Kind auf das Fahrrad gesprungen
und konntest sofort fahren Wink

Ich musste auch das erst mal üben,
obwohl ich schon Roller konnte.

Wie schrieb mal jemand, irgendwo?
Ich versuche "den eigenen Ton zu treffen".

... leicht ärgerlich ...
... das kann der Meier gut
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Herr Meier
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BeitragVerfasst am: 19.11.2019 18:17    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Allerdings... Ich korrigiere mich,
sollte ich in die falsche Richtung gehen,
ist das ein sehr guter Hinweis.
Danke Wink

Gut lesbare Natürlichkeit,
das ist es, was ich ver/suche.

Und das ist verdammt schwer,
muss ich kopfbrummend feststellen.
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Rübenach
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Beiträge: 2421



BeitragVerfasst am: 19.11.2019 18:23    Titel: Antworten mit Zitat

Entmutigen, dass ist das letzte, was ich will. Aber der Anfang deiner 3. Version klingt so nach Schreibratgeber, dass ich nach wenigen Zeilen die Lust zu lesen verloren hab.

Herr Meier hat Folgendes geschrieben:
Erst mal einen Kaffee.

Mein Name ist Meier. Mit vollem Namen eigentlich Alfons Meier. Allerdings konnte und wollte ich mit diesem etwas altertümlichen Vornamen, so empfinde ich diesen Namen, nie ganz warm werden. Ich war schon immer „der Meier“ und ich wollte das auch nur sein. Kein Meier Zwo oder Meier Eins, einfach der Meier. Schon als Teenager.


Herr Meier hat Folgendes geschrieben:


„Was wollen die von mir?!“

Ich umfasse härter meine Tasse Milchkaffee. In mir steigt heiliger Zorn auf. Mir tut richtig gut, dass mir dabei meine Hand schmerzt. Das lenkt mich was ab. Das hatte mir jetzt noch gefehlt. Ich hatte doch vor Kurzem erst mit meinem Fallsachbearbeiter besprochen? Die wollten mich doch erst mal in Ruhe lassen?


So mal im direkten Vergleich. Version I lese ich weiter. Version III nicht. Und das liegt nicht an einzelnen, vielleicht etwas unglücklichen Formulierungen, sondern an der Anlage des Textes.

Ist aber nur meine Privatmeinung, die hier im Forum nur von einer Minderheit geteilt wird. Letztlich musst du natürlich wissen, wohin du mit deinem Text willst.

Just my 0,02 €


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Herr Meier
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BeitragVerfasst am: 19.11.2019 20:42    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

... dabei habe ich bisher nur ein paar gute Schreibratgeber gehortet
und noch gar nicht begonnen, da reinzuschauen Laughing Cool

Ich baue weiter am fachlichen Gerüst Wink
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