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Das Interview im Deutschlandfunk


 

 
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RAc
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 98



BeitragVerfasst am: 12.11.2019 18:11    Titel: Das Interview im Deutschlandfunk eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

hier eine hoffentlich nicht ganz so unansehnliche Tapete wie letztes Mal. Warnung vorweg: Hier gibt es keine Toten (jedenfalls nur ganz am Rande), keine Zwerge oder Elfen, auch keine Agenten o.ä. Ich freue mich über alle Kommentare! Der zweite Teil folgt, sobald der erste einigermaßen verdaut ist...

1.

Jede unausweichliche Erfahrung im Leben – Aufwachsen, Lieben, Verlieren, Älter werden – muss jeder Mensch für sich selber neu machen, unbeachtet der Tatsache, dass jeder Andere, der je gelebt hat und noch lebt, sie auch gemacht hat und danach davon zu erzählen weiß. Die Tragik dabei ist, dass dieses Wissen – auch wenn es das Wichtigste berührt, worum es im Leben überhaupt geht – immer und für alle Zeit ungenutzt brachliegen muss, denn es hilft den nächsten Generationen nichts. Die müssen es ja wieder für sich neu erfahren.

Ich selber habe mein gesamtes aktives Leben damit zugebracht, Menschen beim Altern zu begleiten. Vermutlich Tausenden. Ich kenne alle Phasen – die ersten Einschläge, das Abgleiten oder das Hineingeworfen werden -, ich kenne alle Reaktionen – das Verleugnen, das Ignorieren, das Bekämpfen, das Fügen, das Verzweifeln -, ich kenne fast alle Biographien.

Das Alles hat mir aber nur sehr wenig dabei geholfen, meinen eigenen Übergang auf die „andere Seite“ besser zu verkraften. Warum sollte es das auch? Was sollte es einem jungen Menschen für sich selber bringen, einen Prozess zu verstehen, der unausweichlich ist, aber der noch weit am Horizont steht? Ich habe in meinem Beruf einen gewissen Grad an Respekt vor dem Alter erworben, aber hätte ich mir in meiner Jugend und in „besten Alter“ ständig vor Augen geführt, was mich erwartet, hätte es mich nur gebremst und davon abgehalten, mein Leben auszuleben.

Ja, das mit dem Vertrag, das habe ich früh verstanden, gleich in meinen ersten Monaten als Zivildienstleistender im Altersheim: Otto Bönecke hat es in einem Nebensatz gesagt. Otto Bönecke war ein Meister der Nebensätze. Wenn man ihm zugehört hat, musste man sehr genau auf die Nebensätze hören, da steckte viel Weisheit und zum Teil sehr praktischer Erfahrungsschatz drin. Gleich in der ersten Woche sagte er zur Beispiel „Mit Schwester Renate kannst Du sehr gut auskommen, so lange Du ihr in die Augen schaust, wenn Du mit ihr sprichst.“ Schwester Renate war als Hexe verschrien, was nicht nur daran lag, dass sie ihre Nase von der sprichwörtlichen Hexenwarze verunstaltet war, die den Blick magisch anzog. Jeder Zivi vor und nach mir hat wie fast jeder Heimbewohner und jede Heimbewohnerin einen ihrer Wutausbrüche erfahren und durchleben müssen.

Alle außer Otto Bönecke und mir. Schwester Renate war uns stets professionell und distanziert begegnet, aber nie respektlos, und Otto hatte irgendwann einmal durch Beobachtung herausgefunden, wie es geht. Und es mir im Nebensatz vermittelt. Schwester Renate war keine Schönheit, aber sie hatte interessante Augen, irgendwie tief. In sie zu blicken machte es für mich einfach, nicht auf ihre Nase zu gucken und damit die Kettenreaktion in ihr zu vermeiden, die ansonsten unweigerlich zu einer sehr unangenehmen Schicht geführt hätte.  Ich habe versucht, meinen Nachfolgezivis diese einfache Weisheit zu vermitteln, aber irgendwie konnten oder wollten sie es nicht. Und sind immer rund gemacht worden.

Jedenfalls waren es Ottos Nebensätze, die mir sehr viel vermittelt haben. Ich denke, er wusste, dass es keinen Sinn macht, die wichtigen Dinge bedeutungsschwanger und vor Weisheit triefend weiter zu geben. Seine Einstellung war „wer das Ohr dafür hat, wird die Botschaften auch zwischen den Zeilen lesen. Die Anderen interessiert es eh nicht.“

Der Nebensatz, auf den ich aber in diesem Zusammenhang eingehen wollte, ist der mit dem Vertrag. Otto war ein körperlich sehr gebrechlicher aber geistig top fitter alter Mann. Natürlich mussten wir über seine gesundheitlichen Probleme und die daraus folgenden Therapien reden (das war Teil meiner Aufgabe), und diese Gespräche waren manchmal recht lang, weil seine Mischung aus Gebrechlichkeiten recht komplizierte Therapien erforderte. In einem dieser Gespräche sagte Otto wie nebenbei: „Wenn wir geboren werden, haben wir einen ungeschriebenen Vertrag mit unserem Körper. Er trägt uns durch die Jugend, ohne zu Murren, und Alles, was wir ihm dabei abverlangen, müssen wir ihm im Alter zurück zahlen.“

Das war es. Er sagte nichts dazu, wie er es mit seinem persönlichen Vertrag hielt, zum Beispiel ob er sich Vorwürfe machte, seinen körperlichen Verfall nicht durch pünktliche Rückzahlung aufgehalten zu haben. Er sagte das auch nicht als Mahnung an mich und erwartete auch keinerlei Reaktion. Er sagte es so wie andere Menschen sagen „wer bei Rot über die Ampel geht, wird statistisch gesehen öfter überfahren.“

Mir ist das mit dem Vertrag im Kopf geblieben, und ich habe das in meinen vielen Jahren in der Altenarbeit immer wieder als wahr bestätigt bekommen, wenngleich auch nur statistisch: In den meisten Fällen waren diejenigen, die ihren Körper weder in der Jugend noch im Alter ausgezahlt haben, die verfalleneren Klienten. Allerdings gab es auch genügend Ausnahmen: Ria Schmitz zum Beispiel, die, bis sie zu uns im Alter von 73 Jahren kam, das gesamte Register von körperlichen Sünden durchgemacht hatte, vom Kettenrauchen bis hin zur Liebe zum Wein und zur Völlerei durchexerziert hatte. Sie kam aber nur durch einen Unfall und verließ uns dann zwei Monate später durch einen plötzlichen Herztod. Die Zeit dazwischen erinnere ich das Heim als seltene Heimat des Lachens und der ausgelassenen Freude.

Auf der Anderen Seite des Spektrums könnte ich dann Fritz Hedecke nennen, der bis zum 65. Lebensjahr ein begeisterter lebenslanger Leistungssportler gewesen war, nie geraucht oder getrunken und sein Leben der Erfüllung seines Vertrages gewidmet hat. Herr Hedecke erlitt während seiner täglichen Stunde Kardiotraining auf dem XC_Stepper einen schweren Herzinfarkt und lebte danach noch zehn Jahre in einem Zustand, der für Jemanden wie ihn die Hölle gewesen sein muss, obwohl ihm dank seiner sehr guten körperlichen Verfassung zum Zeitpunkt der Krankheit ein „normales“ Schicksal (das hiess bei uns eine weitgehend an den Rollstuhl gebundene Existenz) erspart geblieben war. Um seine relative Fitness hätten ihn die meisten seiner Altersgenossen beneidet, aber für Herrn Herdecke war ein Leben ohne körperliche Herausforderung sinnlos. Er starb vereinsamt und verbittert. Vorher war er das, was bei uns ein „Klassenclown“ genannt wurde. Ich mochte den Begriff nie, denn er war genau so wie das was er beschrieb: Zynisch. Herr Herdecke kommentierte Alles was im Heim geschah mit spitzer und bösartiger Zunge. Jeder Fehler, jede Blöße blieb in seinem Kopf hängen und wurde bei der für das Opfer den größtmöglichen Schaden anrichtenden Gelegenheit hervorgeholt und ausgebreitet.

Wenn man dieses Spektrum sieht und erlebt, wird der Vertrag als junger Mensch eher unwichtig. Warum nicht rauchen, wenn man ohne wie Fritz Herdecke enden muss? Warum nicht trinken, wenn man mit wie Ria Schmitz enden darf? Also haben wir die Dinge gemacht, die Spaß machen, als ob unser Job nichts damit zu tun gehabt hätte, ständig an den Vertrag erinnert zu werden.

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Justadreamer
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 22
Beiträge: 62
Wohnort: Bayern


BeitragVerfasst am: 12.11.2019 20:10    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo RAc,

Ich habe deinen Text gelesen und möchte dir gerne ein paar Eindrücke dalassen.

Zur Form:
Besonders gut gefällt mir dein eher untypischer Einleitungsgedanke. Von einem allgemeinen Sinnspruch wird in das Geschehen eingeführt; das finde ich hier gelungen.

Einige Satzzeichen, die ich anders gesetzt und Sätze, die ich anders formuliert besser fände, wären zum Beispiel:

Zitat:
...Respekt vor dem Alter erworben, aber hätte ich mir in meiner Jugend und im   „besten Alter“ ständig vor...



Zitat:
...sehr genau auf die Nebensätze hören - da steckte viel...



Zitat:
che sagte er zum Beispiel: „Mit Schwester Renate kannst Du sehr gut auskommen - so lange Du ihr in die Augen schaust, wenn Du mit ihr sprichst.“


Zitat:
Otto war ein körperlich sehr gebrechlicher aber geistig top fitter alter Mann.   - Finde ich etwas umständlich formuliert. Vorschlag, das ganze in zwei Sätzen zu beschreiben: "Otto war, selbst für sein hohes Alter, sehr gebrechlich. Diese körperlichen Einschränkungen hatten der Schärfe seines Verstandes jedoch keinen Abbruch getan (oder: nicht geschadet)."





Zitat:
In einem dieser Gespräche sagte Otto wie nebenbei: „Wenn wir geboren werden, haben wir einen ungeschriebenen Vertrag mit unserem Körper. Er trägt uns durch die Jugend, ohne zu Murren, und Alles, was wir ihm dabei abverlangen, müssen wir ihm im Alter zurück zahlen.“

Hier werden die Worte"wie nebenbei" verwendet. Wenn man hier etwas genauer hinsieht, fällt auf, dass die Weisheiten Ottos nicht unbedingt in den Nebensätzen (HS im ersten Satz blau markiert) eingebaut sind, sondern weder versteckt noch unterschwellig vermittelt werden. Das ist jetzt natürlich Erbsenzählerei Laughing Aber dennoch wichtig, glaube ich, da die Unterschwelligkeit Ottos Weisheiten ja eine Eigenschaft zu sein scheinen, die du ihm zusprechen willst.
- Ich persönlich fand das beim ersten Lesen nicht weiter schlimm. Um Otto aber als noch authentischer erscheinen zu lassen, könntest du an diesen Stellen arbeiten. Vielleicht einmal längere Gespräche zwischen den beiden einbauen, in denen es um Belanglosigkeiten geht, Otto aber eine Weisheit "versteckt".


Zum Inhalt:

Zitat:
Ich kenne alle Phasen – die ersten Einschläge, das Abgleiten oder das Hineingeworfen werden -, ich kenne alle Reaktionen – das Verleugnen, das Ignorieren, das Bekämpfen, das Fügen, das Verzweifeln -, ich kenne fast alle Biographien.

https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/tod_und_trauer/sterben/pwiediefuenfsterbephasen100.html

Ich habe dir hier einen Artikel zu den "5 Phasen des Sterbens" eingefügt, die vielleicht in diesem Absatz eine gute Ergänzung sein könnten. (Falls nicht sowieso schon bekannt; rein vom Lesefluss her auch kein Muss, diese Phasen zusätzlich einzubauen)




Zitat:
Wenn wir geboren werden, haben wir einen ungeschriebenen Vertrag mit unserem Körper. Er trägt uns durch die Jugend, ohne zu Murren, und Alles, was wir ihm dabei abverlangen, müssen wir ihm im Alter zurück zahlen.“

Dieser inhaltliche Kern ist (für mich) etwas schwer zu verdauen. Ein altes Sprichwort, das sehr bekannt ist, wird als "Geheimnis" aufbereitet. Dass der Protagonist das Sprichwort in den nächsten Absätzen noch relativiert, wirkt nicht unterstützend. Da man das Ganze jedoch schlecht aus deiner Geschichte streichen kann, hätte ich folgende Ideen, die ich interessant fände:
 - Der Protagonist könnte den Spruch als "falsch" empfinden und gegen ihn argumentieren, anstatt ihn zu relativieren.
 - Der Spruch könnte in seiner Wichtigkeit heruntergestuft werden, indem der Satz "Der Nebensatz, auf den ich aber in diesem Zusammenhang eingehen wollte, ist der mit dem Vertrag. "  getilgt wird und stattdessen ein Gespräch folgt, in dem es um eben diesen Vertrag geht. (Z.B.: " Heute stand wieder ein Gespräch über das Sterben an. Otto musterte mich mit zusammengekniffenen Augen. Ich begann,....... usw"  So kannst du den Vertrag thematisieren, zusätzlich aber ein Gespräch, die lustige Art und die interessante Persönlichkeit Ottos in den Mittelpunkt stellen.




Natürlich sind diese Ideen nur Ideen - ich hoffe jedoch, dir etwas weitergeholfen haben zu können. Für den zweiten Teil hoffe ich, dass er nicht in ein Nachtrauern der Vergangenheit verfällt und viel von dem scharfzüngigen Witz behält, der den Text lesenswert macht. Habe ich gern gelesen! Wink

LG, Tobi
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RAc
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 98



BeitragVerfasst am: 12.11.2019 20:23    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Tobi,

das sind sehr wertvolle und bedachte Anmerkungen, für die ich mich sehr herzlich bedanke und die ich in jedem Fall in meine Revisionen einfliessen lassen werde - vielen Dank an Dich! Laughing

Nein, der erste Teil setzt nur den Rahmen und die Stimmung, da ist ja noch gar keine Handlung im eigentlichen Sinne drin. Etwas "passieren" tut erst danach, wenn der Rahmen erstmal abgesteckt ist.

Einen Schönen Abend noch!

- Rüdiger
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Pickman
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 52
Beiträge: 547
Wohnort: Diaspora


BeitragVerfasst am: 14.11.2019 01:51    Titel: Antworten mit Zitat

Hi RAc,

aus meiner Sicht behauptet der Text viel und zeigt wenig. Außerdem kann ich weder Handlung noch Spannung finden. Da ist für mich einfach zu wenig Inhalt. Und zu viele Sätze fangen mit "und" an. Und was hat der Titel "Das Interview im Deutschlandfunk" mit dem Text zu tun?

Cheers,

Pickman


_________________
"Damit sich alles erfüllt, damit ich mich weniger allein fühle, brauche ich nur noch eines zu wünschen: am Tag meiner Hinrichtung viele Zuschauer, die mich mit Schreien des Hasses empfangen." (Albert Camus: Der Fremde)
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RAc
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 98



BeitragVerfasst am: 14.11.2019 08:33    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Pickman,

erstmal schönen Dank fürs Lesen und Teilen deiner Gedanken!

Ich gebe Dir in Allen Punkten recht. Die Idee der Erzählweise ist, dass sie die Perspektive des Alters reflektiert - abgeklärt, entschleunigt, introspektiv, vielleicht auch etwas weise. Wäre dieses eine Geschichte über jugendliche Superhelden, würde ich eine andere Erzählweise wählen... Wink

Die Handlung (und die Erklärung des Titels) kommt im 2. Abschnitt (den ich euch bislang vorenthalten habe). Der 1. setzt den Rahmen und die Stimmung.

Und - schönen Dank für den Hinweis mit dem "und." Es beginnt zwar nur genau ein Satz mit dem Wort, aber beim Durchzählen fällt in der Tat auf, dass ich es inflationär im Text verteilt benutze. Embarassed
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Leseprobe
Geschlecht:männlichSchreiberassi


Beiträge: 57
Wohnort: Ba-Wü


BeitragVerfasst am: 14.11.2019 09:12    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo RAc,
es ist ja ein Text, der sich über die Sinnhaftigkeit einer "vorausschauenden" Lebensweise auslässt und die Bandbreite der ungewissen Möglichkeiten veranschaulicht. (Ich hatte dann gleich Beispiel mit Helmut Schmidt im Kopf). Der Text bleibt dabei - bisher - indifferent, was mich stört. Aber gut.
Ich habe ihn gern gelesen.
Auch wenn es im Grunde keine Handlung gibt. Muss es (noch) nicht. Die Beschreibung der Schwester Renate mit den Augen gefiel mir sehr.
Der Hedecke ist mir zu lange geraten.
Und mit dem letzten Absatz habe ich Probleme:
Zitat:
... rauchen, wenn man ohne wie Fritz Herdecke enden muss? ...   trinken, wenn man mit wie Ria Schmitz ... ,
Job nichts damit zu tun gehabt hätte, ständig an den Vertrag erinnert zu werden   - klingt doch sehr kompliziert  .

vielleicht stehe ich auf dem Schlauch ...


_________________
... diese gläserne Gegenwart ...
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RAc
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 98



BeitragVerfasst am: 14.11.2019 09:42    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Leseprobe hat Folgendes geschrieben:
Hallo RAc,
es ist ja ein Text, der sich über die Sinnhaftigkeit einer "vorausschauenden" Lebensweise auslässt und die Bandbreite der ungewissen Möglichkeiten veranschaulicht. (Ich hatte dann gleich Beispiel mit Helmut Schmidt im Kopf). Der Text bleibt dabei - bisher - indifferent, was mich stört. Aber gut.
Ich habe ihn gern gelesen.
Auch wenn es im Grunde keine Handlung gibt. Muss es (noch) nicht. Die Beschreibung der Schwester Renate mit den Augen gefiel mir sehr.
Der Hedecke ist mir zu lange geraten.
Und mit dem letzten Absatz habe ich Probleme:
Zitat:
... rauchen, wenn man ohne wie Fritz Herdecke enden muss? ...   trinken, wenn man mit wie Ria Schmitz ... ,
Job nichts damit zu tun gehabt hätte, ständig an den Vertrag erinnert zu werden   - klingt doch sehr kompliziert  .

vielleicht stehe ich auf dem Schlauch ...


Hallo Leseprobe,

auch an Dich vielen Dank, dass Du Dir die zeit zum Lesen und Kommentieren genommen hast! Danke für die Anregungen, die ich gerne aufnehmen und umsetzen werde.

Zur "internationalen Woche des Schlauches Wink ": Die "ausgeschriebene" Version wäre

Warum nicht rauchen, wenn man ohne [es <das Rauchen> getan zu haben] wie Fritz Herdecke enden muss? Warum nicht trinken, wenn man mit wie Ria Schmitz enden darf, [wenn man es <das Trinken> tut]?

Ist natürlich grammatikalisch genau so von Hinten durch die Brust ins Auge wie die erste Version; ich muss mir da eine bessere Kontruktion ausdenken. Danke für den Hinweis!

P.S: Mir fällt gerade auf, dass ich den Namen des Herrn Hedecke zwei Mal falsch geschrieben habe, das geht natürlich überhaupt nicht... Embarassed
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Hippo1612
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber

Alter: 25
Beiträge: 24
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 20.11.2019 19:33    Titel: Antworten mit Zitat

Ich finde die Thematik durchaus interessant, habe ich doch zurzeit tatsächlich so etwas in Planung: Ein sehr alter (93!) Nachbar von mir geht dem Ende zu, und solange er noch in der Lage ist, würde ich gern seine Erfahrungen und Weisheiten noch zu Papier bringen - vielleicht bin ich deshalb an diesem Text hängen geblieben.

Jedenfalls macht es ja gerade dieses Langsame, Bedachte aus - im Alter, in dem einem nicht mehr viel Zeit bleibt, kehrt dann paradoxerweise die Gemütlichkeit ein. Das kommt in der Beschreibung des "Nebensatz-Seniors" gut durch.

Vielleicht ist es interessant, die Gegensätze zwischen dem Leben der Bewohner im Inneren und dem Leben des Protagonisten außerhalb des Heimes zu verdeutlichen - vielleicht hat der P. ja ein unstetes und hektisches Privatleben?

Das hängt aber natürlich ganz davon ab, was du als Autor mit deinem Werk vermitteln möchtest - geht es um den Zivi oder sind nicht doch die Bewohner eher die "wahren" Protagonisten?
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RAc
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 98



BeitragVerfasst am: 20.11.2019 21:07    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hippo1612 hat Folgendes geschrieben:
Ich finde die Thematik durchaus interessant, habe ich doch zurzeit tatsächlich so etwas in Planung: Ein sehr alter (93!) Nachbar von mir geht dem Ende zu, und solange er noch in der Lage ist, würde ich gern seine Erfahrungen und Weisheiten noch zu Papier bringen - vielleicht bin ich deshalb an diesem Text hängen geblieben.

Jedenfalls macht es ja gerade dieses Langsame, Bedachte aus - im Alter, in dem einem nicht mehr viel Zeit bleibt, kehrt dann paradoxerweise die Gemütlichkeit ein. Das kommt in der Beschreibung des "Nebensatz-Seniors" gut durch.

Vielleicht ist es interessant, die Gegensätze zwischen dem Leben der Bewohner im Inneren und dem Leben des Protagonisten außerhalb des Heimes zu verdeutlichen - vielleicht hat der P. ja ein unstetes und hektisches Privatleben?

Das hängt aber natürlich ganz davon ab, was du als Autor mit deinem Werk vermitteln möchtest - geht es um den Zivi oder sind nicht doch die Bewohner eher die "wahren" Protagonisten?


Hallo Hippo1612,

herzlichen Dank für dein Lesen - ja, ich weiss, ich schulde den +-183 Lesern die Fortsetzung und damit einen Plan, wo es hingeht (und wie sich der Titel auflöst). Ist auch schon zu 80% in der Schublade; es ist Dank Dir und den Anderen, dass ich mich dazu durchringen muss, die letzten 20% noch gerade zu ziehen. Deswegen hier keine weitere Ankündigung, sondern ein Zurückziehen ins stille Kämmerlein, um die Schulden zu begleichen.

Danke!

- Rüdiger
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Selanna
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 564
Wohnort: Süddeutschland


BeitragVerfasst am: 22.11.2019 13:16    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Rac,

das Problem „und“ hat mich neugierig gemacht und ich wollte mir Deinen Text daraufhin mal ansehen.

Zitat:
jeder Andere, der je gelebt hat und noch lebt

Hier kann man mE den Satzteil „und noch lebt“ ersatzlos streichen, es ist eine Überpräzisierung. Der Satz verliert nicht an Aussage, wenn der Teil fehlt

Zitat:
, sie auch gemacht hat und danach davon zu erzählen weiß.

Hier finde ich das „und“ okay, aber man könnte es auch durch „um“ ersetzen, allerdings erhält man dadurch eine etwas andere Bedeutung

Zitat:
immer und für alle Zeit

Genau wie oben: Das ist ein unnötiger Zusatz, den Du mit „und“ nachstellst. Immer ist gleichbedeutend mit für alle Zeit. Du kannst entweder das „immer“ oder das „für alle Zeit“ streichen, die Aussage bleibt identisch

Zitat:
aber hätte ich mir in meiner Jugend und in „besten Alter“

Hier ginge auch „von meiner Jugend bis in mein bestes Alter“, aber das „und“ stört hier nicht.

Zitat:
gebremst und davon abgehalten

Das „gebremst“ könntest Du streichen, es bringt nur eine minimale Mehraussage. Aber mich stört das „und“ nicht.

Zitat:
da steckte viel Weisheit und zum Teil

Hier ginge: „Da steckte neben viel Weisheit auch zum Teil“. Aber Du kannst auch das „und“ stehen lassen, wobei mir mein Vorschlag hier (sorry) sogar gewandter vorkommt Embarassed

Zitat:
jeder Zivi vor und nach

Hier ginge: „Seit/Von jeher hat jeder Zivi“, aber auch hier ist das „und“ kein Problem

Zitat:
jeder Heimbewohner und jede Heimbewohnerin

Oh je. Das ist doch ein literarischer Text, kein amtlicher, journalistischer oder wissenschaftlicher. Auch auf die Gefahr hin, mich hier in die Nesseln zu setzen: Bei literarischen Texten kann man Gendergerechtigkeit doch weglassen, oder?
Zitat:
erfahren und durchleben

Einfach eins von beiden streichen. Wer etwas am eigenen Leib erfährt, der durchlebt es auch.

Zu den Unds am Anfang, die mE tatsächlich kein guter Stil sind:
Zitat:
Und es mir im Nebensatz vermittelt.

Das hat er mir im Nebensatz vermittelt. Oder: In einem Nebensatz hat er mir das/es vermittelt.
Zitat:
Und sind immer rund gemacht worden

Dementsprechend/Deswegen/deshalb sind sie immer rund gemacht worden.

Mit deinen „unds“ habe ich weniger Probleme, eher, wofür Du sie verwendest, denn Du fügst mit „und“ meistens inhaltliche Wiederholungen/Doppelungen etc. an, bläst den Text auf. Ich habe nur das erste Drittel gelesen und das nur wegen Deiner Frage nach den „und“ in einem anderen Thread, denn, wie Pickman schon schrieb, der Text hat zwar viele Worte, aber nicht entsprechend viel Inhalt. Anders ausgedrückt: Du brauchst sehr viel Text für eine kleine Aussage. Ich würde Dir raten, Dich kürzer und prägnanter auszudrücken, inhaltliche Doppelungen zu vermeiden und alles zu streichen, was nur wiederholt, unnötig oder nur Beiwerk ist. Viele "und" verschwinden dann ganz von allein Smile

Liebe Grüße
Selanna


_________________
Nur ein mittelmäßiger Mensch ist immer in Hochform. - William Somerset Maugham
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RAc
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 98



BeitragVerfasst am: 22.11.2019 13:50    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Selanna,

auch an Dich ein ganz dickes und herzliches Dankeschön für deine Mühe!

Deine Beobachtungen decken sich sehr stark mit denen von sleeplives_lives und (!) gehen m.M. nach direkt an die Wurzel. In der Tat neige ich (wie ich selbst nochmal nach diesem Input gemerkt habe) dazu, einen Sachverhalt durch mehrere gleichberechtigt nebeneinandergestellte Worte redundant zu beschreiben (wovon das auffällige 'und' nur ein Symptom ist). Da läßt sich viel dran drehen!

Diese Art von Bereitschaft, sich auf die Texte Anderer einzulassen und(!) diesen Anderen damit zu helfen, macht m.M. nach dieses Forum so einzigartig. Ich hoffe, im Gegenzug anderen Forenmitgliedern durch meine Anmerkungen genau so hilfreich zur Seite zu stehen. Jedenfalls sind solche Antworten ein Ansporn dafür! Very Happy
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