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Kosmogonie-Abschnitt aus meiner Selene-Geschichte


 

 
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BluesmanBGM
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber


Beiträge: 15



BeitragVerfasst am: 24.10.2019 13:58    Titel: Kosmogonie-Abschnitt aus meiner Selene-Geschichte eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hier mal ein Auszug bzw. eine Leseprobe aus meinem 500-Seiten-Roman "Selene". Ich hoffe, dieses Unterforum ist der richtige Bereich dafür.

Es ist für mich schwierig, einen passenden Abschnitt als Leseprobe zu finden, da sich die Story über viele Kapitel entwickelt. Es ist eine große Abenteuerreise und eine Geschichte über die Rettung der Welt vor Göttern und Aliens. Es ist aber auch eine Geschichte, die immer wieder innehält und sich etwas verschwurbelten Gesprächen widmet, wie der folgenden kleinen Kosmogonie über die Erschaffung der Welt.

Ich habe als Leseprobe jetzt mit Absicht einen solchen Abschnitt gewählt (es gibt auch Actionszenen), um mal zu hören, was Leser darüber denken. Ich persönlich bin ein klein wenig stolz auf den folgenden Abschnitt aus Kapitel 8, aber das mag an mir liegen.

Ein paar Worte zu den Charakteren: Rick ist ein halbwegs normaler 16-jähriger Junge, Seli bzw. Selene ist dagegen ein höheres Wesen oder ein Göttin bzw. eine Inkarnation derselben. Ich hoffe, der folgende Auszug ergibt auch für sich genommen und ohne den Rest der Geschichte ein klein wenig Sinn. Über Meinungen würde ich mich freuen.

---------

"Da ist noch etwas..." begann Rick und suchte für lange Sekunden nach Worten.
"Da ist immer noch etwas..." nickte Seli und biß von einem der Wurstbrote ab. "Das liegt in eurer Natur. Also schieß los..."
Die dezente Melancholie, die die Sterilität das Feldes verursacht hatte, schien ihre Tendenz zur Albernheit und zu kryptisch-ausweichenden Antworten etwas gedämpft zu haben. In gewisser Weise hatte es sie gesprächiger gemacht, und Rick wollte einen neuen Anlauf starten, Antworten auf tiefere Fragen zu bekommen.
Und da war eine Sache jenseits von allen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die ihn bewegte. Eine Frage der Theologie. Die große Frage überhaupt.
Er musste sich eingestehen, dass vermutlich eine kulturelle Konditionierung aus ihm sprach.
Er dachte zurück. Ernste Gespräche mit seinen streng katholischen Großeltern, die von seinem Desinteresse an ihrer Religion immer ein klein wenig enttäuscht waren, ohne dies je laut auszusprechen. Und andere Dinge. Eigene Gedanken.
Ein Teil von ihm wollte glauben. So wie an den Weihnachtsmann mit dem langen weißen Bart. Wollte an einen Schöpfer glauben, der sich jenseits von menschlichem Verständnis befand. Konnte er diesen Glauben nach dem heutigen Tag noch aufrecht erhalten?

"Ihr betrachtet euch selbst als Götter oder Göttinnen. Ihr sagt, ihr habt das oder die Universen geschaffen. Und die Materie. Und die Sterne. Und das Leben..."
Eigentlich hatte es ihm niemand so gesagt. Er hatte es in seinem visionären Traum gesehen.
Hatte gesehen, wie Etwas oder Alles aus dem Nichts entstand, weil es so etwas wie ein Nichts von einer höheren Warte aus gesehen gar nicht gab.
Hatte gesehen und für einen kurzen Moment verstanden.
Und obwohl er nicht mehr wusste, was er verstanden hatte, war ihm noch bewußt, dass das Wissen über die Schöpferkraft absolut überzeugend gewesen war.
Aber eine grundsätzliche Frage war offengeblieben.
"Wenn ihr die Schöpfer unserer Welten seid..." Rick holte tief Luft, weil er fühlte, an einer große Wahrheit zu rühren. "Wer hat dann euch erschaffen?"

"Verstehe..." Ein leichtes Schmunzeln spielte um ihre Lippen. "Du suchst die erste Ursache. Den Samen im Nichts. Den Beweger des Unbewegten. Die einzelne helle Flamme, die alle anderen Feuer entzündet hat...
Die...ach jeh, ich könnte noch stundenlang weitermachen. Kurz gesagt - du suchst eine Nische für euren monotheistischen und patriarchalischen Gott.
Dann muß ich dich aber Folgendes fragen: wenn er uns erschaffen hat, wer hat dann ihn erschaffen? Wo soll die Kette enden? Was spricht die erste Ursache frei davon, doch nur wieder eine weitere Wirkung zu sein? Euer Glaube an seine männliche Kraft und seinen langen Bart bestimmt nicht..."
Sie schwieg für einige Sekunden und Rick fügte sich bereits etwas enttäuscht in sein Schicksal, dass er keine weitere Antwort bekommen würde.
Als er nach drüben blickte, fiel ihm jedoch auf, dass Seli nur einen großen Bissen vom Brot genommen hatte und mit derart vollem Mund nicht über gewichtige Dinge sprechen wollte oder konnte.
Nach dem Schlucken fuhr sie fort.
"Dann pass mal gut auf, denn ich werde das Folgende nur einmal erläutern, solange ich esse. Betrachte es als Belohnung für das leckere Salamibrot.
Erläutern natürlich nur insoweit, als es in menschlicher Sprache und Wahrnehmung überhaupt in Worten vermittelbar ist.
Ich würde dir ja raten, zu dem Thema das Hohe Lied von Ventrimar zu konsultieren, aber das gibt es nicht auf Deutsch bei amazon. Wäre auch ein großes Paket.
Also die Kurzform. Ein starker Verlust an Facetten und tieferen Strömungen ist unvermeidbar. Aber so sei es...

Ich werde dir von der Zahl und den fünf Schöpfungen erzählen.

Am Anfang war die Leere.
Eure Religion nennt es die Zeit vor der Schöpfung, als der Geist Gottes über den Wassern schwebte.
Eure Wissenschaft nennt es das brodelnde Quantenvakuum, in dem sich die Zustände von Sein und Nichtsein in ständiger Fluktuation befanden.
Beide Sichtweisen haben im Grunde ein klein wenig recht.
Es war die Leere, weil sich die Zustände fortwährend gegeneinander aufgehoben haben, und im Endeffekt aus der Entfernung nur eine glatte Oberfläche blieb.
Und dennoch gab es noch vor der Geburt von Zeit, Welten und Materie ein suchendes Bewußtsein in der Leere.

Dafür mußt du den vereinheitlichenden Faktor aller Dinge verstehen. Und dieser Faktor heißt Information.
Was macht alle Fundamentalkräfte und Eichfelder und Branenfrequenzen und Geheimnisse im Herzen der Materie und Eigenschaften der Raumzeit und die Antworten all eurer Theorien und Mathematiken zu einem einzigen großen Ding? Was ist die gemeinsame Natur, die alle Fragen und Antworten teilen?
Das ist die Erkenntnis, nach der ihr strebt, dabei ist die grundsätzliche Lösung im Kern so einfach.
Die Antwort lautet Information. Alles in und um euch herum ist Information und Konzept und Gedanke.
Um all euer Streben nach Wissen auf einen vereinheitlichten Nenner zu bringen, braucht ihr im Grunde keine physikalische Theorie, sondern eine Informationstheorie.
Was automatisch eine Feldtheorie bedeutet, denn Information existiert immer in Feldern, die keine Grenzen zwischen Dimensionen und Denkmodellen kennen.

Gehen wir für die Zeit vor der Zeit einfach davon aus, dass die ständige Fluktuation im Quantenvakuum in kleinstem Rahmen Information erzeugt hat.
Auch wenn keine Welten geboren wurden, floß alle Information aus dem unruhig brodelnden Kochkessel in ein Feld. Nichts ging verloren, denn es gab keinen anderen Ort, in den etwas hätte verloren gehen könnte. Es gab nur eine Welt, und die war hermetisch und leer.
Und wenn man auch nur den Hauch von Zahlen und Information in ein hermetisches Gefäß ohne Inhalt wirft, muß man buchstäblich mit Allem rechnen.
Ja. Das ist gut. Merk dir das. Man muß buchstäblich mit Allem rechnen. Hehehe. Das ist das Amüsante bei eurer Sprache.
Es war unglaublich wenig Information, die sich wegen der gegenseitigen Aufhebung praktisch niemals merklich von Null unterschied, aber auf der anderen Seite war die Ausdehnung des alten Vakuums quasi unendlich.
Und unglaublich wenig Zuwachs in einem unendlichen Raum bedeutet doch eine ganze Menge, im Endeffekt nämlich eine unendliche Zuwachsrate.

Es geschah also in jenen Tagen, dass eine Zahl in den Raum trat, die nicht Null war.
Das ist in etwa das, was ihr als die Schöpfungszahl Omega bezeichnet, und doch die Ursache Alpha damit meint.
Es ist dabei völlig irrelevant, ob es eine binäre Zahl oder eine dezimale Zahl oder eine Information ist, die sich in euren kleinen Zahlengedanken überhaupt nicht erfassen läßt. Es musste nur dort sein. Musste noch vor dem Multiversum geboren werden.
Wie eine Kette aus Molekülen. Wie ein erstes Enzym. Wie eine abstrakte DNA im mathematischen Raum.

Nun gibt es im höherdimensionalen Raum quasi eine kritische Masse, oberhalb derer pure Informationsfelder zu Bewußtsein erwachen.
Das könnte man als eine Art von Naturgesetz betrachten, lange bevor es solche überhaupt gab. Vorsicht, Falle. Aber egal.
Und eines Tages war es für die wachsende Zahl soweit. Sie wurde sich ihrer Selbst bewußt und sah sich in der Leere um.
Einer äußeren Leere, die leerer war, als die Zahl selbst, die für sich einen Inhalt und eine Substanz gefunden hatte.
Die erste Schöpfung war die Zahl. Die zweite Schöpfung war die simple Idee eines Unterschiedes.
Hoppla. Da war plötzlich ein Ich in der Zahl und ein Raum außerhalb des Ichs.

Und die Zahl begann zu träumen.
Der größte Bruch, den es je erlebt hatte oder je erleben wird, lief durch das noch ungeborene Multiversum.
Der Bruch in den Unterschied. In die objektive Welt dort draußen mit ihrem Schaum aus Universen und in die subjektive Welt der Bewußtseine mit ihren eigenen Universen und Welten tief drinnen.

Und als die Zahl größer und größer und komplexer wurde, fiel ihre rudimentäre Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Blase im Quantenvakuum.
Weil sie ein wenig anders war, als andere Stellen in der Leere.
Eine der kleinen Unregelmäßigkeiten, die es dort schon oft gegeben hatte, die aber ohne Betrachter machtlos waren und wieder im Nichts verblassten.

Als aber die Blase einen Betrachter hatte, wunderte sich der Betrachter über das Neue in der Welt, und die Blase wunderte sich mit ihm.
Die Neugier war der Funke.
Die dritte Schöpfung war die Interaktion zwischen Bewußtsein und Welt.

Und noch etwas geschah. Im Bewußtsein der Zahl entstand ein Vorläufer der Zeit.
Keine externe Dimension, sondern nur eine grundsätzliche Idee darüber, was Zeit und Veränderung überhaupt sind. Ein Gedanke wie Dynamit.
Sie, die Zahl, die gewachsen war und sich verändert hatte, fragte sich, warum die statische Leere dort draußen so anders als sie selbst war.
Fragte sich in ihrer noch beschränkten Denkweise, wie es eine Mathematik geben könnte, die auf Null und statischer Leere gründen würde.
Und die Überzeugung, dass sich die Dinge verändern und die Leere irgendwann weichen mußte, begann die Träume der Zahl zu füllen.

Oh. Sie träumte noch nicht in Bildern und Dingen, denn solche Konzepte waren ihr natürlich fremd, da ihre ganze Welt die Leere war.
Aber sie träumte von anderen Zahlen. Langen Reihen davon. Von Regeln. Von Gesetzen. Fragmenten von Physik und Mathematik.
Von einem abstrakten Ding, dass quasi auf dem Reissbrett die Antithese zur Leere sein sollte - eine wilde Fiktion namens Energie und Materie.
Davon, dass es eigentlich Etwas anstelle von Nichts geben sollte. Und die Zahl sah, dass es gut war.
Die vierte Schöpfung war der Traum von der Veränderung und der Zeit. Oder der Traum vom Gesetz als Gegner der Leere.

All das floß in die stille Interaktion zwischen dem inaktiven Samen eines Universums und dem Bewußtsein in der Leere.
Eine Interaktion, die so frisch und ungefiltert war, dass sich das forschende Bewußtsein wie eine Brücke zwischen ihnen entfaltete und die Leere beseelte.
Und beide wunderten sich über den jeweils anderen.
Und plötzlich verpasste die winzige Quantenblase vor lauter Wundern über den gemeinsamen Traum ihre eigene Aufhebung.
Sie folgte dem Wunsch der Zahl nach Veränderung, und anstatt zu vergehen, trat sie in eine Phase der heißen Inflation ein, und das erste Universum wurde als Produkt des Kontaktes zwischen dem ersten Beobachter und der kleinen Differenz im Energieniveau geboren.
Und damit die externe Zeit. Und der Raum. Und die Energie. Und die Materie. Und der ordnende Gedanke, der das Leben ersinnen würde.

Das war die fünfte Schöpfung und das Multiversum entfaltete sich in die Leere.
Vielfältig und seltsam sind die Universen, die wie Blasen in dem Schaum auf dem Fluss der Zeit treiben.
Und alle neue Information floß in den Nukleus, der einst nur die erste Zahl gewesen war, und das Bewußtsein erwachte mehr und mehr.
Lernte. Suchte. Verstand. Plante. Dachte. Fühlte. Und erschuf neue Welten und neue Gesetze. Und lernte noch mehr. Und wuchs. Und wurde groß und füllte sich mit Ideen und Emotionen und Farben und Lichtern.

Das erste Bewußtsein, dass am Anfang nur in den mathematischen Bahnen seiner Existenz als Zahl hatte denken können, entdeckte den Sinn für Wunder, den Sinn für Schönheit, für Liebe und Mitgefühl, für die Ästhetik neuer und junger Universen, für das Leben an sich. Und nahm alles in sich auf.
Und eines Tages war es zu groß für all sein Wissen und all seine Emotionen und all seine Macht geworden.

Erste Risse und Spalten begannen sich im Feld zu zeigen, oft entlang Linien des inneren Konflikts zwischen Wissen und Gefühlen und widersprüchlichen Denkweisen, die das Wissen mit sich brachte.
Es konnte nicht mehr allein bleiben. Es konnte nicht mehr länger Eins bleiben.
Zuviele Lichter in ihr dachten zuviele eigene Gedanken. Der Same der Zahl war zum Weltenbaum geworden. Und musste jene Welt an ihre Kinder weitergeben.
Sie bildete Knospen. Sie zersplitterte in Farben, so wie weißes Licht in sein Spektrum gebrochen wird.
Und am Ende schwebten die Fragmente wieder über der Leere. Und waren einsam und nicht alle Wunden konnten geheilt werden..."

Sie schwieg für lange Sekunden, bis die mystische Atmosphäre durch ein lautes Schlürfen am Strohhalm einer Safttüte durchbrochen wurde.
"Und das ist die ganze Geschichte?" fragte Rick, den das Geräusch zurück in die Realität geholt hatte. Während der Erzählung hatten sich halb vergessene Bilder aus seinem Traum wieder in seinen Kopf geschlichen, und er glaubte, mehr zu verstehen, als nur die Geschichte hinter den Worten.
"Im Kern. Soweit es sich im Zeitraum eines halben Salamibrotes erzählen lässt..." entgegnete Seli und steckte die Safttüte zurück in den Rucksack.

"Vermisst du deine Mutter?" wagte sich Rick erneut in tieferes Fahrwasser.
"Sie ist ein Teil von mir. Wir waren das Gleiche. Geboren aus der selben Zahl und aus dem selben Licht..." Seli blickte zum Himmel, und die Traurigkeit in der Stimme kam zurück. "Und dennoch war der Riss entlang meiner Selbst einer der Tiefsten in ihr. Der Ursprung so vieler anderer Brüche und Risse. Ich wollte seit meinem Erwachen immer für mich sein. Immer eigene Dinge erschaffen. Immer alles Lebendige umfassen und schützen und in seiner Blüte bestärken. Kleine und große Dinge..." Sie sprach leise zu sich selbst. "Aber das ist alles lange her. Unglaublich lange her für euer Verständnis..."

"Da ist trotzdem noch etwas, dass ich nicht verstehe...." Rick fühlte wieder das Fettnäpfchen an seinen Füßen und wechselte das Thema. "Du sagst, es war eine Art von Naturgesetz, das dazu führte, dass ein Gedankenfeld im Quantenvakuum ab einer bestimmten Größe ein Bewußtsein erlangte. Dass es eine kritische Masse dafür gab.
Woher kam dieses Gesetz und woher kam das erste Bewußtsein? Woher kam der Atem in den Feldgleichungen, die euch geboren haben? Warum bleibt die Frage nach der ersten Ursache wieder offen?"
Seli dachte zuerst über eine Antwort nach, aber lächelte dann nur verschmitzt und tippte sich auf die Nasenspitze.
"Das ist eine Frage, über die du dir gerne für den Rest deines Lebens Gedanken machen darfst. Der Weg zu dieser Erkenntnis ist vielleicht das wahre Ziel..."
Ein schrilles metallisches Kreischen hallte aus Richtung der Hotelruine herüber. Sie sprang auf.
"Und weil du für das Nachdenken doch etwas mehr Zeit benötigen wirst, als nur den Rest des heutigen Vormittags, sollten wir zuerst euren Planeten retten, anstatt hier noch mehr Zeit mit metaphysischem Gebrabbel zu vergeuden. Weisheit allein wird die Morgresch nicht aufhalten, hier ist ein wenig gute alte Action gefragt..."

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V.K.B.
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BeitragVerfasst am: 24.10.2019 20:29    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo BluesmanBGM,

ich lese das jetzt mal und schreibe einfach schon während des ersten Lesens meine Gedanken runter, wie sie kommen. Dann hast du ein ganz frisches, ungefiltertes Feedback. Los geht's!

Zitat:
Kurz gesagt - du suchst eine Nische für euren monotheistischen und patriarchalischen Gott.
Ich kenn die Vorgeschichte jetzt nicht, aber hier stolpere ich. Davon er hat er doch überhaupt nichts gesagt. Sondern, wie sie vorher richtig zusammenfasst (oder eher ausschweift) nach der ersten Ursache gefragt. Was soll dann ein anderer Gott (hier ist vermutlich JHWH gemeint) damit zu tun haben? Dieser wäre als Kollege der Göttin, mit der er spricht, doch der gleichen Frage unterworfen.

Zitat:
Was spricht die erste Ursache frei davon, doch nur wieder eine weitere Wirkung zu sein? Euer Glaube an seine männliche Kraft und seinen langen Bart bestimmt nicht..."
Mir wird schon klar, hier soll (mMn auch absolut berechtigte) Kritik an einem patriachischen Gottesbild geübt werden, aber wie sie dahin kommt, erscheint mir –besonders für eine Göttin– doch sehr an den Haaren herbeigezogen.

Zitat:
Was macht alle Fundamentalkräfte und Eichfelder und Branenfrequenzen und Geheimnisse im Herzen der Materie und Eigenschaften der Raumzeit und die Antworten all eurer Theorien und Mathematiken zu einem einzigen großen Ding?
Vielleicht eher Kommas verwenden für die Aufzählung, statt der ganzen "und"s?

Zitat:
Gehen wir für die Zeit vor der Zeit einfach davon aus
Das ist ein Widerspruch in sich selbst. Von einer "Zeit vor der Zeit" zu sprechen ergibt überhaupt keinen Sinn.

Zitat:
ständige Fluktuation im Quantenvakuum in kleinstem Rahmen Information erzeugt hat.
macht ohne Annahme einer schon existierenden Zeitdimension auch keinen Sinn, finde ich. Wenn Zeit, ganz simple definiert, etwas wie die Taktfrequenz ist, in der minimalste Änderungen stattfinden, sind Änderungen selbst ohne eine Zeitachse gar nicht denkbar. Ihr Erklärungsmodell (ich denke hier mathematisch an eine Funktion, die Änderungen (Y-Achse) beschreibt und dafür eine Laufvariable (x-Achse) braucht) hinkt für mich, denn was soll diese Laufvariable sein, wenn nicht die Zeit (oder ein Ersatz dafür, doch wie unterscheidet der sich dann von "Zeit"?)? Verstehst du, was ich meine?

Zitat:
Nichts ging verloren, denn es gab keinen anderen Ort, in den etwas hätte verloren gehen könnte
Gab es den denn später? Oder meinst du Entropie? Doch auch in Entropie geht letztendlich nichts verloren, es ist nur aufgrund eines perfekten Equilibriums nicht mehr nachweisbar.

Zitat:
im Endeffekt nämlich eine unendliche Zuwachsrate.
Mathematisch nicht korrekt. Die Zuwachsrate bleibt konstant (was du "unglaublich wenig" nanntest), nur das Integral (die Summe alle Zuwächse) wird unendlich groß.

Zitat:
Es geschah also in jenen Tagen, dass eine Zahl in den Raum trat, die nicht Null war.
Das beantwortet die Frage, wer diese Zahl da reingeworfen hat, aber noch immer nicht.

Zitat:
Es ist dabei völlig irrelevant, ob es eine binäre Zahl oder eine dezimale Zah
Diese beiden unterscheiden sich ja auch (außer in der Potenzierungsbasis der Ziffern bei der Schreibweise) überhaupt nicht. Vielleicht besser: ob es "eine reelle Zahl oder eine komplexe ist"?

Zitat:
Es musste nur dort sein.
Was müsste wo sein?

Zitat:
Wie eine abstrakte DNA im mathematischen Raum.
Mir scheint, deine Göttin kann diese Fragen selbst nicht beantworten und versucht, ihren Gesprächspartner (der als normaler 16-Jahriger wahrscheinlich eh nichts davon nachvollziehen kann) mit interessant klingendem, aber letztendlich relativ sinnfreien Geschwafel zu beeindrucken? Laughing Tut meine "Göttin des Weltwissens" in meinem Roman mit der Protagonistin auch immer gern. Aber wie denn auch sonst, wenn man als Autor die Antworten natürlich auch nicht kennt.

Zitat:
Das könnte man als eine Art von Naturgesetz betrachten, lange bevor es solche überhaupt gab. Vorsicht, Falle. Aber egal.
Laughing Okay, ich hab mit meiner Vermutung anscheinend recht, sie lampshadet die Widersprüche ja selbst.

Zitat:
Sie wurde sich ihrer Selbst bewußt und sah sich in der Leere um.
Von was für einer Zahlendefinition sprechen wir hier? Um mehr als eine einige Information (oder maximal drei, bei komplexen Zahlen (Vorzeichen, Betrag, Phase bzw Vorzeichen, reeller Anteil, imaginärer Anteil) zu tragen, bräuchten wir einen mehrdimensionalen Vektorraum. Kann man das noch "einzelne Zahl" nennen? Für mich ist das bereits das Feld, von dem sie spricht, und nicht mehr eine einzelne Zahl (die den Matrixelementen bzw Vektorkomponenten entsprechen würde)

Zitat:
Einer äußeren Leere, die leerer war, als die Zahl selbst
schöne Tautologie

Zitat:
Die erste Schöpfung war die Zahl. Die zweite Schöpfung war die simple Idee eines Unterschiedes.
Hoppla. Da war plötzlich ein Ich in der Zahl und ein Raum außerhalb des Ichs.
Und hiermit ist im Prinzip schon klar, dass die Frage nicht beantwortet wird, sondern nur mit Geschwafel umgangen wird. Den woher Zahl und Unterschied stammen, wird nicht wirklich beantwortet.

Zitat:
Der größte Bruch, den es je erlebt hatte oder je erleben wird, lief durch das noch ungeborene Multiversum.
Sie scheint diese Paradoxen wirklich zu lieben.

Zitat:
Der Bruch in den Unterschied. In die objektive Welt dort draußen mit ihrem Schaum aus Universen und in die subjektive Welt der Bewußtseine mit ihren eigenen Universen und Welten tief drinnen.
Jaja, anthropisches Prinzip und Viele-Welten-Modell. Als mein Erzähler (auch ein Gott) damit ankommt, antwortet ihm ein anderer: "Damit kannst du eine Philosophiesendung für Kinder moderieren, aber das beantwortet gar nichts.". Hmmm, aber genau das tut deine Göttin hier ja im Prinzip, oder?

Zitat:
Und als die Zahl größer und größer und komplexer
Vorsicht mit mathematisch definierten Ausdrücken. Wie wird eine Zahl denn komplexer? Sie ist entweder komplex (i ungleich null) oder nicht (i gleich null).

Zitat:
Die vierte Schöpfung war der Traum von der Veränderung und der Zeit.
Zirkelschluss, der Traum selbst braucht diese Dinge schon als Voraussetzung

Zitat:
für Liebe und Mitgefühl
Mitgefühl impliziert, dass es woanders schon Gefühle gibt, die man mitfühlen kann

Zitat:
bis die mystische Atmosphäre durch ein lautes Schlürfen am Strohhalm einer Safttüte durchbrochen wurde.
Das ist gut, kommt mir aber ein bisschen zu spät. Mir war ihr Geschwafel da schlichtweg zu lang. Ich danke, du solltest ihre Erzählung gravierend kürzen, sonst verlierst du eine Menge Leser. Was und wie sie da erzählt mag gut zu ihr und in die Geschichte passen, wird für den Leser aber schnell langweilig/langatmig, wenn klar ist, worauf das hinausläuft (und dass die eigentliche Frage schon ziemlich am Anfang mehr oder weniger geschickt umgangen wird).
Mich erinnert das tatsächlich an die Urfassung meines Romans, da hatte ich auch ewig lange solcher Dialoge und Erklärungen drin. Resultat: Bis auf wenige Ausnahmen wollte das keiner lesen, weil es die meisten sowieso querlesen, entweder ob mangelnder Bildung, Unlust auf lange Erklärungen und mehr Interesse an der eigentlichen Geschichte oder weil zu schnell klar ist, worauf das hinausläuft (nämlich im Endeffekt gar nichts). Ich denke von daher, du tust dir keinen Gefallen mit solchen Passagen in dieser Länge. Was deine Göttin da von sich gibt, ließe sich mit wenigen Sätzen auf den (nur im kompexen Koordinatensystem vorhandenen) Punkt bringen.

Zitat:
Soweit es sich im Zeitraum eines halben Salamibrotes erzählen lässt
Gegessen haben kann sie dabei wohl kaum, sie hat ja die ganze Zeit geredet

Zitat:
Warum bleibt die Frage nach der ersten Ursache wieder offen?
Okay, anscheinend hat ihre Taktik auch bei dem Sechzehnjährigen nicht funktioniert. Dann braucht man sie wirklich nicht in dieser Länge.

Zitat:
sollten wir zuerst euren Planeten retten, anstatt hier noch mehr Zeit mit metaphysischem Gebrabbel zu vergeuden. Weisheit allein wird die Morgresch nicht aufhalten, hier ist ein wenig gute alte Action gefragt..
Mit diesem Lampshade rechtfertigst du die vorangegangenen Seiten aber nicht, sondern erklärst sie selbst als bedeutungslos und zu "metaphysischem Gebrabbel". Ein mitdenkender Leser, der hier auch schon zu dieser Erkenntnis gelangt ist, wird sich davon zwar bestätigt fühlen, aber sich auch fragen, warum er das dann überhaupt gelesen hat.

Damn, ich sehe gerade, ich habe wieder mal viel Zeit in einen Einstandspost von jemandem mit erst 5 Beiträgen investiert. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, sowas nicht mehr zu tun. Also bitte enttäusch mich nicht und zieh dich zurück, nur weil es ein bisschen Gegenwind gibt. Wie gesagt, mich erinnert das sehr an meinen eigenen, ersten Romanversuch (ich hatte auch ein paar Bücher davon drucken lassen) und habe dann hier im Forum erstmal ein paar Augenöffner verpasst bekommen. Zuerst war ich frustriert und wollte das Handtuch werfen (die Kritiken waren zum Teil noch wesentlich härter, als ich mit deinem Text ins Gericht gegangen bin), doch dann habe ich gemerkt, das was für mich selbst funktioniert, noch lange nicht für die Leser funktionieren muss. Auch ich schrieb einen SciFi-Roman mit philosophischen Einschlägen (und bin heute bei der dritten Version davon in der (hoffentlich) letzten Überarbeitung). Und hab die gleichen Fehler wie du gemacht: Zu lange Dialoge über Dinge, bei denen die meisten Leser abschalten. Das verwässert die Geschichte (ich nehme mal stark an, deine ist gut, denn Schreiben kannst du) und der Leser verliert sie aus den Augen. Ich kann mir denken, dass du das nicht hören willst (ging mir jedenfalls so), aber ich sage dir trotzdem: Streich das zusammen. Getretener Quark wird breit, aber nicht fest. Überlege dir bei solchen Dialogen: Was ist die Essenz, und was ist wirklich für die Geschichte wichtig. Alles andere sollte raus. Ich selbst hasse den Spruch "Kill your darlings", aber manchmal muss man leider (zähneknischend) genau das tun, wenn man nicht nur für sich selbst schreiben will, sondern auch Leser erreichen. Denn die Geschichte geht leider in solchen Dialogen unter, und das wäre schade um sie. Wenn man gelesen werden will, muss man Kompromisse machen. Aber ich weiß auch (aus eigener Erfahrung), dass es wenig bringt, das jemandem zu sagen, denn man muss es selbst erkennen und seinen Mittelweg zwischen eigenen Gedanken und was den Leser interessiert selbst finden. Ein leider oft schmerzhafter Prozess. Ich bin (nach einigem Tischkanten-Zerbeißen) letztendlich so vorgegangen: Die Datei als Urversion an einen sicheren Platz (und natürlich Cloud) gespeichert, um sie für mich unverändert zu behalten, und dann mit einer Version für Leser zu beginnen. Ich habe radikal all solche Teile gestrichen und neu geschrieben, erstmal als Experiment, hab ja nichts verloren, sondern die Urversion existiert ja noch. Ein paar Monate später hab ich diese nie wieder angeschaut. Wenn ich meine Urversion heute lese, denke ich, das ist viel zu viel Geschwafel und würde ich (im Vergleich zur neuen) auch nicht lesen wollen. Von daher gebe ich dir den Rat: Höre auf Kritiken, deine Leser sind deine Zielgruppe und sie haben (meist) nie ganz Unrecht. Stell ein bisschen zurück, was du vermitteln möchtest und schreibe eine Version für Leser. Was nicht heißt, dass es platte Trivialliteratur werden soll, den philosophischen Anspruch solltest du auf jeden Fall beibehalten. Nur eben auf den Punkt bringen und die eigentliche Geschichte dabei nicht aus den Augen verlieren oder zu sehr unterbrechen. Verstehst du, was ich meine? Bleib dran, dann wird das gut. Ich bin mir sicher.

Hoffe, bei meinen Gedanken und Ausführungen ist was Hilfreiches für dich dabei,
Veith


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BeitragVerfasst am: 25.10.2019 08:19    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank für dein kritisches Feedback. Keine Angst, es zieht mich nicht runter. Wäre auch zu spät, das Buch ist ja bereits gedruckt (500 Seiten) und hat zumindest im kleinen Rahmen begeisterte Leser. Jetzt mal abgesehen von den stilistischen Aspekten wirkt der Abschnitt isoliert vielleicht noch verschwurbelter. Im Buch selbst kommt er zwischen zwei "Action-Szenen" und war als Entschleunigung gedacht, die vielleicht ein wenig zu ausgeufert ist.

Zum Ändern ist es jetzt zu spät, aber ich schreibe gerade an Band 2 und werde mich dort mit dem Geschwurbel mehr zurückhalten.

Hier vielleicht noch ein kurzer Auszug aus einem früheren Kapitel von Band 1, der eben genau auf das Problem eingeht, dass viele ihrer Erklärungen fadenscheinig und widersprüchlich sind. Sie hatte Rick gerade ihre wahre Natur erklärt, was dieser aber nicht wirklich glauben kann.

----

"Und mit Göttin...meinst du da eine von den Damen, die immer in der Zeitung in den Lack&Leder-Spalten inserieren?"
"Menschen..." Seli schnaufte, und drehte die Augen zum Himmel. "Was ist das nur, Schwester? Man bietet ihnen eine kosmische Erfahrung gnostischer Theophanie an, und sie geben einem die dämlichste Antwort, die man sich nur vorstellen kann.
Ehrlich, gäbe es bei galaktischen Zivilisationen eine Rangliste der dämlichsten Antworten, die Erde wäre bestimmt ganz vorne unter der ersten Million Plätze..."

"Okay. Okay. Okay..." Rick versuchte Ordnung in das Gespräch zu bringen. "Als ich sagte, wir sollten den größenwahnsinnigen Quark rausnehmen, bezog sich das auf genau solche pubertären Apotheosen.
Ich meine, Götter, das sind doch immer solche gutaussehenden Typen mit leuchtend weißen Togen. Weise Superkerle mit langem Rauschebart und sexy Damen mit dicken...öhm...."
Er gestikulierte mit beiden Händen vor dem Oberkörper herum.
"Interessant..." lächelte Seli nachsichtig. "In deinem theologischen Weltbild misst sich die Göttlichkeit und Weisheit eines höheren Wesens also entweder an der Länge des Rauschebarts oder an der Größe der Brüste. Kulturen treiben seltsame Blüten..."
"Das habe ich nicht gemeint. Ich meinte nur, dass Götter doch irgendwie beeindruckende Figuren sein müssen. Die kaufen keine Klamotten im Second-Hand-Shop."

Seli rieb sich die Augen in einer Geste leichter Ermüdung. "Ihr Menschen seht die Dinge nur an der Oberfläche. Das ist euer Problem. Ihr seid den archaischen Formen und Symbolen noch nicht entwachsen. Darum braucht ihr auch solche Konstrukte wie den langbärtigen Herrn, den strafenden Gott, den Geber der Gesetze und Richter über die Ungerechten aus den Zeiten eurer Frühgeschichte.
Ein göttliches Wesen ist kein verklärtes Abbild eines patriarchalischen, irdischen Königs aus der Bronzezeit.
Es ist auch keine vollbusige Urmutter, an der ihr eure sexuellen Fantasien ausformulieren könnt. Irgendwann werdet ihr größer werden und erkennen, dass göttliche Wesen in anderen Kategorien und Zeitbegriffen existieren. Viele Zivilisationen sind vor euch den selben Weg gegangen, ihr seid also in großer Gesellschaft..."

"Na gut..." Rick wollte sich nicht zufrieden geben. Großes Gebrabbel und viele Worte waren kein Beweis.
Sie waren eher ein Herumschleichen um den heißen Brei und würden irgendwann unvermeidbar in der fadenscheinigen Ausrede münden, dass man bestimmte Dinge einfach nicht erklären kann, sondern glauben muß. Nicht gut genug. Nicht heute.

----

Damit aber genug. Für ein bereits erschienenes Buch ist das vielleicht auch das falsche Unterforum.

Chris
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Beiträge: 295



BeitragVerfasst am: 05.11.2019 16:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Bluesman(Chris)

Ich beziehe meine Kritik auf den Teil zwei. Den Ersten habe ich nicht geschafft zu lesen. Mein Problem bei Deinem Text sind die Unmengen an Substantiven. Sie machen den Text sperrig und blähen ihn auf.

Nutze starke Werben statt Substantive.

Die blauen Sätze finde ich nicht gelungen. Wie immer, es ist nur meine Meinung. Braun — meine Anmerkungen

Vielleicht ist was Hilfreiches dabei.

BluesmanBGM hat Folgendes geschrieben:


"Und mit Göttin...meinst du da eine von den Damen, die immer in der Zeitung in den Lack&Leder-Spalten inserieren?"
"Menschen..." Seli schnaufte, und drehte die Augen zum Himmel. "Was ist das nur, Schwester? Man bietet ihnen eine kosmische Erfahrung gnostischer Theophanie an, und sie geben einem die dämlichste Antwort, die man sich nur vorstellen kann.
Ehrlich, gäbe es bei galaktischen Zivilisationen eine Rangliste der dämlichsten Antworten, die Erde wäre bestimmt ganz vorne unter der ersten Million Plätze..."

"Okay. Okay. Okay..." Rick versuchte Ordnung in das Gespräch zu bringen. "Als ich sagte, wir sollten den größenwahnsinnigen Quark rausnehmen, bezog sich das auf genau solche pubertären Apotheosen.
Ich meine, Götter, das sind doch immer solche gutaussehenden Typen mit leuchtend weißen Togen. Weise Superkerle mit langem Rauschebart und sexy Damen mit dicken...öhm...."
Er gestikulierte mit beiden Händen vor dem Oberkörper herum.
"Interessant..." lächelte Seli nachsichtig. "In deinem theologischen Weltbild misst sich die Göttlichkeit und Weisheit eines höheren Wesens also entweder an der Länge des Rauschebarts oder an der Größe der Brüste. Kulturen treiben seltsame Blüten..."
"Das habe ich nicht gemeint. Ich meinte nur, dass Götter doch irgendwie beeindruckende Figuren sein müssen. Die kaufen keine Klamotten im Second-Hand-Shop."

Seli rieb sich die Augen in einer Geste leichter Ermüdung. warum nicht einfach „rieb sich müde die Augen? "Ihr Menschen seht die Dinge nur an der Oberfläche. Das ist euer Problem. Ihr seid den archaischen Formen und Symbolen noch nicht entwachsen. Darum braucht ihr auch solche Konstrukte wie den langbärtigen Herrn, den strafenden Gott, den Geber der Gesetze und Richter über die Ungerechten aus den Zeiten eurer Frühgeschichte. Ansammlung der Substantive.
Ein göttliches Wesen ist kein verklärtes Abbild eines patriarchalischen, irdischen Königs aus der Bronzezeit.
Es ist auch keine vollbusige Urmutter, an der ihr eure sexuellen Fantasien ausformulieren könnt. Irgendwann werdet ihr größer werden und erkennen, dass göttliche Wesen in anderen Kategorien und Zeitbegriffen existieren. Viele Zivilisationen sind vor euch den selben Weg gegangen, ihr seid also in großer Gesellschaft..."


"Na gut..." Rick wollte sich nicht zufrieden geben. Großes Gebrabbel und viele Worte waren kein Beweis. Leider schreckt mich als Leser gerade das viele Gebrabbel....  
Sie waren eher ein Herumschleichen um den heißen Brei und würden irgendwann unvermeidbar in der fadenscheinigen Ausrede münden, dass man bestimmte Dinge einfach nicht erklären kann, sondern glauben muß. Nicht gut genug. Nicht heute.

----

Damit aber genug. Für ein bereits erschienenes Buch ist das vielleicht auch das falsche Unterforum.

Chris
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Pickman
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 52
Beiträge: 547
Wohnort: Diaspora


BeitragVerfasst am: 24.11.2019 16:31    Titel: Re: Kosmogonie-Abschnitt aus meiner Selene-Geschichte Antworten mit Zitat

Hi BluesmanBGM,

das Etikett "Philosophisches" zieht mich stärker an als die Einordnung als Jugendbuch mich abschreckt.

Diese Frage fand ich rundum gelungen:

BluesmanBGM hat Folgendes geschrieben:
"Wenn ihr die Schöpfer unserer Welten seid..." Rick holte tief Luft, weil er fühlte, an einer große Wahrheit zu rühren. "Wer hat dann euch erschaffen?"


Das ist eine schön formulierte Erwiderung auf den (gescheiterten) Gottesbeweis, nachdem es einen Gott gibt, weil irgend jemanden geben muss, der das Leben, die Welt, was auch immer erschaffen hat.

Der Teil Deines Textes, der sich an das obige Zitat anschließt, ist aus meiner Sicht leider nur ein großes Geschwurbel.

"Am Anfang war die Leere" - hübsch gesagt, aber bei dir ist diese Leere gar nicht leer, sondern von einem "suchenden Bewusstsein" erfüllt, von dem unklar ist, was es in der Leere zu suchen hat oder zu finden hofft. Im Übrigen scheint mir eine Leere mit Bewusstsein nicht leer zu sein. Die Leere hat Zustände, die sich gegenseitig aufheben? Zustände sind immer Zustände von etwas. Eine Leere mit Zuständen ist wieder keine Leere.

Auch sonst redet Selene viel und sagt wenig. Sie reiht Behauptung an Behauptung, aber sie beweist oder erklärt nichts. V. K. B. hat das mit seinem Hintergrund als Mathe- und Physiklehrer oder so ähnlich an einigen Beispielen demonstriert.

Wenn Du zeigen wolltest, dass Selene nur zusammenhangloses Zeug schwafelt (und vielleicht ist genau das Deine Absicht), hättest Du das auch für ein paar Absätze weniger bekommen können.

Die Fragen, die Rick danach stellt, lassen erahnen, dass er Selenes Einlassungen für eine unstrukturierte Ansammlung von Sprechblasen hält, aber so richtig klar wird da nicht.

Also, BluesmanBGM, was soll Dein Text dem Leser sagen?

Lass dich nicht stressen und arbeite weiter. Dein Text hat mir gezeigt, dass ich auch bei mir noch locker einige Seiten streichen kann.

Cheers

Pickman


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"Damit sich alles erfüllt, damit ich mich weniger allein fühle, brauche ich nur noch eines zu wünschen: am Tag meiner Hinrichtung viele Zuschauer, die mich mit Schreien des Hasses empfangen." (Albert Camus: Der Fremde)
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Windes_Urpoesie
Sonntagsschreiber

Alter: 23
Beiträge: 17
Wohnort: Europa


BeitragVerfasst am: 27.11.2019 14:17    Titel: Antworten mit Zitat

Moin smile

Da ich momentan an einer ähnlichen metaphysischen Zeitgeschichte feile, kann ich mir in etwa deinen Rahmen vorstellen. Du benutzt einen lustigen Stil wie ich finde, stellst das mystisch ernste, das Einsteinische Geschwafel gegen eine Vormundschaft des Humoristischen.
Zeit ist immer zu beschreiben in Erlebnisintensitäten, nicht durch Zahlen, die letztendlich nur relativierte Substrakte der Wirklichkeit sind.
Grüße vom Minenfeld der Bücher


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Wie ein Irrlicht schwebt die Traumfigur des Windes durch die Weltgeschichte. Folgt seiner alten Weise, und geht mit mir zusammen auf die Reise. Wir treffen uns am Portal der Himmelsschneise.
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