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Ich war noch niemals in New York


 
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Amarenakirsche
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 26
Beiträge: 226
Wohnort: tief im Westen


BeitragVerfasst am: 15.09.2019 18:00    Titel: Ich war noch niemals in New York eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Silvia wirft ihre Reisetasche in die Ecke, zückt ihr Handy und öffnet reflexartig die Konto-App. Missmutig starrt sie auf die Zahlen, als würden sie sich durch ihre Willenskraft vermehren. Es sieht nicht so aus, als könnte sie Emma den Traum einer USA-Reise dieses Jahr erfüllen. Dabei liegt ihr ihre Tochter schon so lange damit in den Ohren. Du arbeitest immer nur, Mama. Aber wie soll sie ohne den Job so einen teuren Urlaub finanzieren?
Seufzend deponiert Silvia das Handy im Spind, schält sich aus den warmen Winterklamotten und zieht Sporthose und Shirt an. Sie wird Herrn Feher um Extraschichten bitten müssen.
Das Handtuch um die Schultern geschlungen eilt sie über den Kiesweg zur Bergsauna. Flapp, Flapp, Flapp begleitet sie das Geräusch ihrer Schlappen wie eine altbekannte Melodie, der Whirlpool plätschert im Hintergrund, kann aber die nagenden Gedanken nicht übertönen: Hättest du deine Ausbildung durchgezogen, könntest du deiner Tochter mehr bieten.

Schon von Weitem erkennt sie die fünf Herrschaften in weißen Bademänteln, die vor der Sauna warten. Ihre Lieblingsrentner. Pünktlich wie jeden Mittwoch stehen sie bereit. Sie haben noch nie einen Aufguss ausgelassen.
Sie zwingt sich zu einem Lächeln. „Guten Tag alle miteinander!“
„Silvia!“, Brigitte strahlt, als sie sie erkennt. „Wie schön, dass du heute hier bist. Wie geht es dir?“
„Alles bestens.“ Sie holt den Holzeimer mit dem Aufgusswasser aus der Kammer und wartet, bis Erwin als Letzter in die Sauna getreten ist.
Silvia dreht das Schild am Eingang um, das „bitte nicht stören“ verkündet, und schließt die Tür hinter sich. „Herzlich Willkommen zum Aufguss in der Bergsauna“, flötet sie ihren fünf Gästen zu und schiebt die Geldsorgen beiseite. „Ist jemand zum ersten Mal hier?“
Brigitte lacht. „Ach Schätzchen, das weißt du doch.“
Auch Ursels Speckfalten wackeln.
„Heute habe ich Ihnen einen wohltuenden Eukalyptus-Duft mitgebracht. Der pustet unsere Bronchien mal so richtig durch.“
Die Tür geht auf. Ein Mann kommt herein.
„Entschuldigen Sie, wir sind mitten im…“ Silvia stockt. Der Neuankömmling sieht aus, als hätte er seit Tagen keine Dusche gesehen. Seine Haare kleben ihm in der Stirn, aber es riecht nicht wie der normale Sauna-Schweiß. Der Unbekannte setzt sich auf die unterste Bank ganz hinten in der Ecke und schließt die Augen.
Silvia schluckt. „Wo war ich? Also Sie kennen den Ablauf. Ich werde einmal aufgießen, verwedeln, noch einmal aufgießen und dann können Sie kurz die Sauna verlassen und wenn Sie möchten mit etwas Salz…“
Brigitte und Ursel tuscheln. Der Mann sitzt reglos wie eine Statue an seinem Platz.
Verwirrt beendet Silvia ihren kleinen Vortrag und gießt eine Kelle Eukalyptuswasser über die zischenden Steine des Ofens.
Niemand sagt ein Wort, während sie den Wasserdampf im Raum verteilt. Auch die sonst so gesprächige Ursel nicht. Immer wieder huschen Blicke zu dem Unbekannten. Sie mustern seine dreckigen Fingernägel, seine unreine Haut. Er scheint nichts davon mitzubekommen.
Silvia gießt ein zweites Mal auf. Ihre Hände zittern. Was, wenn der Mann unter Drogeneinfluss steht? Wenn er in der Sauna einschläft? Sie kommt beim Wedeln an ihm vorbei und schickt ihm heiße Luft ins Gesicht. Er regt sich nicht.

Schneller als sonst legt Silvia das Handtuch beiseite, öffnet die Tür und schickt ihre Gäste nach draußen. Der Mann öffnet die Augen und erhebt sich. Ein Glück. Ruhigen Schrittes tritt er auf den Flur, die anderen Besucher folgen mit einigem Abstand.
„Was will er denn hier?“, flüstert Ursel Erwin zu.
„Wie bitte? Ich hab meine Hörgeräte im Spind!“
Silvia verteilt kleine Gläschen mit Salz und die Senioren beginnen sich einzureiben. „Entschuldigen Sie“, wendet sie sich dem Nachzügler zu.
„Vielen Dank.“ Der Mann lächelt unter seinen verschwitzten Haarfransen. „Sie haben das eben sehr schön gemacht.“
Silvia schluckt und sucht nach den passenden Worten. Ich möchte Sie bitten, die Saunaanlage zu verlassen.
„Darf ich?“ Er nimmt sich ein Salzschälchen vom Tablett und verteilt die Kristalle bedächtig auf dem Oberarm.
Ursel und Brigitte greifen demonstrativ nach ihren Bademänteln und verlassen die Bergsauna Richtung Schwimmbad.
„Wie meinen Sie das?“
„Meine Frau hat mich rausgeworfen“, erklärt der Mann mit einem vorsichtigen Lächeln. „Ich habe keine Freunde in der Stadt und habe fest damit gerechnet, dass man mich auch hier abweisen würde, aber das haben sie nicht getan.“
Silvia kaut auf ihrer Unterlippe herum.
„Ich möchte Ihre Gäste nicht vergraulen.“ Er nickt in Richtung Erwin und der anderen beiden weißen Bademäntel. „Darum werde ich jetzt gehen.“
„Warten Sie!“, entfährt es Silvia. „Wo wohnen Sie jetzt? Kann ich Ihnen irgendwie helfen?“
„Oh ich habe einen leeren Bauwagen gefunden“, lächelt der Mann. „Es ist kein Sternehotel, aber ein Dach über dem Kopf. Und das ist alles, was ich brauche. Mit Ausnahme eines Badezimmers.“
Er reicht ihr die leere Schale, tippt sich an einen imaginären Hut und schlendert zur nächsten Dusche.
Perplex schaut Silivia ihm nach. Er schlendert zur nächsten Dusche.
Jemand tippt ihr auf das schweißnasse T-Schirt. Sie fährt herum, aber es ist nur Erwin.
„Gibt es noch einen dritten Aufguss?“, fragt er – so laut, als würde sie zehn Meter entfernt stehen.
Geistesabwesend nickt Silvia und öffnet die Tür der Sauna. Sie wartet, bis die drei Verbliebenen sich mit knarzenden Gelenken gesetzt haben und gießt erneut auf.
Wasserdampf erfüllt den Raum und verschleiert ihre Sicht. Dieser Mann wohnt in einem leeren Bauwagen und sagt, mehr brauche er nicht? Was, wenn es gar nicht New York sein muss? Was, wenn es Emma einfach darum geht, ein paar Tage mit ihrer Mutter zu verbringen?
Lächelnd wedelt sie Erwin den Dampf um die roten Ohren. Von wegen Extraschichten. Die nächste Sauna, in der sie schwitzt, wird an der Nordsee sein und sie wird sich zusammen mit ihrer Tochter bewedeln lassen, nicht andersherum.

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hobbes
Geschlecht:weiblichTretbootliteratin


Beiträge: 3214

Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
Ei 4 Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 16.09.2019 19:43    Titel: Antworten mit Zitat

Äh. Das macht keinen Sinn. Wenn er Wert darauf legt, sauber zu sein, und das tut er ja augenscheinlich, warum geht er dann nicht einfach vorher duschen? Weil es dann diese Geschichte nicht geben würde, fällt als Antwort übrigens aus.

Davon abgesehen ist es mir latent zu tränendrüsig, der arme rausgeworfene Mann, die arme Silvia, die den Ansprüchen der Tochter nicht genügt (vermeintlich).

Aber nun denn, das ist wenigstens eine Geschichte und die Figuren, also die Renter, die machen schon was her und bei
Zitat:
„Ist jemand zum ersten Mal hier?“

musste ich sogar schmunzeln. Das ist schon ziemlich viel, so im Vergleich.
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jaeani
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 116



BeitragVerfasst am: 16.09.2019 19:56    Titel: Antworten mit Zitat

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Kojote
Geschlecht:männlichSchreiberling

Alter: 29
Beiträge: 197
Wohnort: Wurde erfragt


BeitragVerfasst am: 17.09.2019 08:13    Titel: Antworten mit Zitat

Was mir gefallen hat:
+ Interessante spannende Geschichte mit richtigem Konflikt
+ Gute bildliche Sprache

Was mir weniger gefallen hat:
- Einige Dialoge sind mehr oder minder inhaltslos, betreffen also alltäglichen Smalltalk ohne wirkliche Bedeutung für die Handlung.


_________________
Kojote – zu allem fähig, zu nichts zu gebrauchen!
Sent from the ACME Headquarters
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Selanna
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 542
Wohnort: Süddeutschland


BeitragVerfasst am: 18.09.2019 01:11    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo 😊,

mir hat die Geschichte recht gut gefallen, sie ist nicht schlecht geschrieben, aber ein bisschen hat mir der letzte Schliff und allgemein Pfiff gefehlt. an einigen Stellen waren mir die Sätze zu kurz und ich konnte vom Gefühl her nicht so schön „durchlesen“ wie an anderen Stellen. In einem Absatz hast du zweimal das zur Dusche schlendern und zweimal „tippt“.
Trotzdem gerne gelesen!
Liebe Grüße

Selanna


_________________
Nur ein mittelmäßiger Mensch ist immer in Hochform. - William Somerset Maugham
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Michel
Geschlecht:männlichNebelpreisträger

Alter: 47
Beiträge: 2070
Wohnort: Südwest
Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 18.09.2019 09:42    Titel: Antworten mit Zitat

Vorgabenprüfung: Es beginnt in einem Spa – Check. Jemand versucht Kontakt aufzunehmen – Fragezeichen. Jemand empfindet Ekel – Check.
Eine mit leichter Feder getupfte Geschichte. Silvia geht es nicht gut, weil sie ihrer Tochter nichts bieten kann. Die Begegnung mit einem, dem es noch schlechter geht und der trotzdem ganz zufrieden wirkt, lässt sie ihre Einstellung hinterfragen. Die Rentner sorgen für ein komödiantisches Element. Liest sich glatt weg, aber gefühlt auch nicht mehr.
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Amarenakirsche
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 26
Beiträge: 226
Wohnort: tief im Westen


BeitragVerfasst am: 18.09.2019 10:40    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Und hier ist mein eigener Text. Besonders originell ist er nicht. Langsam frage ich mich, was ich damit bezwecken wollte. lol2
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Catalina
Geschlecht:weiblichHobbyautor

Alter: 46
Beiträge: 339
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 18.09.2019 20:12    Titel: Antworten mit Zitat

Spa
eine Person, die glücklicher ist, als sie scheint
Ekel

Ein Obdachloser besucht eine Sauna und bringt die Saunameisterin dazu, die Prioritäten in ihrem Leben neu zu überdenken.

Für mich persönlich bleibt der Text etwas zu sehr an der Oberfläche, ist zu rund, ohne Ecken zum Stoßen. Die Aussage ist mir  zu allgemein, nichts, um nochmal drüber nachzudenken.

Dabei liest sich Dein Text schön leicht und Dein Stil ist sehr angenehm und unterhaltsam. Der Inhalt ist nachvollziehbar.

Überholt wurde er von den Texten, die mich persönlich mehr erreicht haben.
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Soraja
Geschlecht:weiblichSchreiberling


Beiträge: 232

DSFx


BeitragVerfasst am: 19.09.2019 13:20    Titel: Ich war noch niemlas in New York Antworten mit Zitat

Hier hat mir sehr Vieles sehr gut gefallen. Ich mochte die Beschreibung der Saunaszene und mir mir ist es sehr leicht gefallen in der Geschichte zu bleiben. Nur die Begründung für den Zustand des Mannes erschien mir persönlich nicht schlüssig, aber das kann auch wirklich mein Problem sein.

_________________
Soraja wünscht Dir einen wundervollen Tag!
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V.K.B.
Geschlecht:männlichNebelpreisträger

Alter: 46
Beiträge: 2052
Wohnort: Diaspora
Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 20.09.2019 05:11    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

Zitat:
eilt sie über den Kiesweg zur Bergsauna
Oh, die ominöse Spa-Geschichte? Jetzt bin ich gespannt.

Zitat:
„Wie meinen Sie das?“
Hier stocke ich, wie meint wer was? Das mit dem Verlassen hat sie doch nicht laut ausgesprochen, oder?

Zitat:
Er reicht ihr die leere Schale, tippt sich an einen imaginären Hut und schlendert zur nächsten Dusche.
Da werde ich nicht ganz schlau draus. Wenn er so redet und solche Gesten macht, kann er noch nicht ganz so runtergekommen sein. Warum zum Teufel geht er dann nicht zuerst alleine duschen, bevor er in die Sauna geht? Oder darf man nur danach duschen? Ich war noch niemals in einem Spa, keine Ahnung.

Ansonsten: gerne gelesen, hat mir gefallen. Nur die Erkenntnis am Ende wirkte irgendwie ein bisschen drangepappt. Aber das ist sicher der knappen Zeit geschuldet, gar nicht so einfach, da eine Geschichte richtig rund zu kriegen.

Ob's am Ende für Punkte reicht, kann ich noch nicht sagen, dafür muss ich erst alles gelesen haben.

Beste Grüße,
Veith


_________________
Warning: Cthulhu may occasionally scare people …
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Constantine
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2764

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 23.09.2019 19:11    Titel: Antworten mit Zitat

Bonjour



Ich vermute als Vorgaben: 1B / 2B / 3C

Sehr überzeugende, gute Geschichte. Die Charaktere kommen natürlich rüber, die Vorgaben sind in der Kürze der Zeit toll umgesetzt worden. Insgesamt eine sehr runde Sache. Mein Favorit, den ich sehr gerne gelesen habe.
Was soll ich da groß schreiben, für mich der beste Text und somit, eindeutig: douce points.

Merci beaucoup
Constantine
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poetnick
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 57
Beiträge: 515
Wohnort: Möglichkeiten


BeitragVerfasst am: 25.09.2019 20:10    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inco,

Dein Text ist nicht in meine Punktewertung geraten. Das soll nichts über dessen Qualität aussagen, sondern obliegt meiner neigungsbedingten Entscheidung unter den vielen Einsendungen. Vielen Dank!

LG - Poetnick


_________________
Wortlos ging er hinein,
schweigend lauschte er der Stille
und kam sprachlos heraus
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traumLos
Schreiberling


Beiträge: 295



BeitragVerfasst am: 26.09.2019 13:00    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inco

Eine Klischee-Geschichte. Ein Traum. Kaum zu realisieren. Ein Aha-Erlebnis öffnet den Blick auf das Wesentliche. Insgesamt eine nette, gut zu lesende Geschichte. Kleine Unsauberkeiten oder Formulierungen, die nach meinem Geschmack nicht optimal gelungen sind.


_________________
Meine Beiträge geben nur meine Meinung wieder. Jede Einbeziehung realer oder fiktiver Personen wäre nur ein Angebot. Zwinkersmiley
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nebenfluss
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 3816
Wohnort: mittendrin, ganz weit draußen
Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 26.09.2019 20:06    Titel: Antworten mit Zitat

Silvia arbeitet in einem Spa und ist Mutter einer Tochter, die sich sehnlichst eine gemeinsame Reise in die USA wünscht. Leider erlauben die finanziellen Umstände einen solchen Urlaub nicht. Da taucht in ihrer fröhlichen Sauna-Seniorengruppe ein ungepflegter Typ auf, der Unruhe erzeugt und vor dem sich die Anwesenden sicherlich ekeln (Vorgabe 'Gefühl') - auch wenn es so krass nicht dargestellt wird. Als Silvia ihn zum Gehen auffordern möchte, kommt er ihr zuvor und erzählt von seiner Situation: Seine Frau hat ihm rausgeworfen und er lebt nun in einem Bauwagen. Dass er mit der Situation ganz zufrieden ist (= glücklicher ist als er scheint), bringt Silvia zum Nachdenken, ob es denn unbedingt New York sein muss, oder es nicht eigentlich um die gemeinsame Zeit von Mutter und Tochter geht und der Urlaub an die Nordsee verlegt werden könnte.

Liebe Autorin, lieber Autor,
so kurz die Inhaltsangabe, so einfach und bekannt auch das Strickmuster des Textes. Die Saunaszene wirkt authentisch, im Übrigen hast du (glaube ich) bei allen drei Vorgabe diejenige gewählt, die am seltensten im Wettbewerb vorkommt. Und doch ist mir dieser Beitrag etwas zu harmlos, es gibt keinen Eklat oder ähnliches. Auf mich wirkt auch diese Moral, wenn Erlebnisse im Alltag mal rasch die Sicht von Menschen verändern, immer, wie soll ich sagen, wenig nachhaltig. Wer weiß, ob nicht beim nächsten Saunagang einer reinkommt, der in den höchsten Tönen von New York schwärmt, was tut das dann wiederum in Silvias Kopf … und ob sich die Tochter so einfach herunterhandeln lässt, erscheint auch fraglich – Fotos von der Nordsee machen sich auf Instagramm nicht so gut wie die von der Manhattan Skyline Wink
Derzeit kämpft der Text noch mit "reingewaschen" um Platz 10 und den "Gnadenpunkt".


_________________
fehlende Quellenangabe: mein Kopf.
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Eliane
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 692



BeitragVerfasst am: 26.09.2019 21:24    Titel: Antworten mit Zitat

Vorgaben:
1) Flussufer/Spa/Tankstelle -> das Spa smile - das einzige Spa lol
2) kontaktfreudige/glückliche/Ruhm kassierende Person -> der "Neue", und er ist glücklicher, als er aussieht. Auch das ist glaube ich ziemlich einzigartig unter den Geschichten, die ich bisher gelesen habe.
3) Verliebtheit/Enttäuschung/Ekel -> Ekel, ganz klar. Check.

Bewertung:
Diese Geschichte sticht heraus. Nicht nur, weil sie genau die Vorgaben erfüllt, die die anderen nicht verwenden, sondern auch, weil sie eine der wenigen vollkommen geschlossen wirkenden Geschichten ist. Klarer Aufbau, die Moral ist zwar ein bisschen plakativ, aber das verzeihe ich ihr. Ebenso die wenigen Schnitzer, wie den Schluss von "Sie haben das eben sehr schön gemacht." auf „Wie meinen Sie das?“ - „Meine Frau hat mich rausgeworfen“, der sich mir eben nicht erschließt oder den gedoppelten Satz bei "schlendert zur nächsten Dusche." Ansonsten schöne schlichte Sprache, gut verständlich ohne abgedroschen zu sein. Gefällt mir sehr gut.

Punkte: ganz bestimmt. Und zwar sieben.
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firstoffertio
Geschlecht:weiblichFlachmann-Preisträger


Beiträge: 6043
Wohnort: Irland
Das bronzene Stundenglas Der goldene Spiegel - Lyrik (1)
Podcast-Sonderpreis Silberner Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 26.09.2019 21:30    Titel: Antworten mit Zitat

Der einzige Spa Text, nicht?

Ein bisschen lang, aber gut gemeint.
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Terhoven
Geschlecht:weiblichHobbyautor


Beiträge: 381



BeitragVerfasst am: 26.09.2019 23:14    Titel: Antworten mit Zitat

Sehr gut, endlich ein Spa-Szenario!
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fabian
Geschlecht:männlichSchreiberling


Beiträge: 186



BeitragVerfasst am: 27.09.2019 18:26    Titel: Re: Ich war noch niemals in New York Antworten mit Zitat

Hei Gei Acht

Der Text führte mich eigenartigerweise zunächst zu der Frage, ob heutzutage noch nackt sauniert wird.

Ist aber eigentlich nicht wichtig, denn da sind ja Silvia und Emma und die Rentner, lauter Rädchen, und dann kommt dieser Fremde, der passt aber nicht ganz ins Getriebe, will sich bloß mal eben neuen Schwung holen sozusagen, dann rollt er wieder weiter, hinterlässt ein paar Sandkörner, vielleicht wirds knirschen demnächst, vielleicht springt ein Rädchen von der Achse – das jetzt an Hand eines Saunaganges abzuhandeln, das könnte funktionieren.

Aber bitte bitte lass die moralinsauere Quintessenz am Schluss weg. Die muss dem Leser nicht explizit vorgetragen werden, die sollte er sich aus dem Erzählten selbst erschließen können.

Hätte Punkt(e) geben können, ging aber leider nicht auf (pure Willkür), es drängelten sich zu viele im unteren Viertel.
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Amarenakirsche
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 26
Beiträge: 226
Wohnort: tief im Westen


BeitragVerfasst am: 29.09.2019 15:32    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo hobbes,
 
hobbes hat Folgendes geschrieben:
Äh. Das macht keinen Sinn. Wenn er Wert darauf legt, sauber zu sein, und das tut er ja augenscheinlich, warum geht er dann nicht einfach vorher duschen?

Ja so im Nachhinein hast du Recht! lol2 Und das mit der Tränendrüse stimmt auch. Das passiert mir irgendwie häufig, dass ich unter Zeitdruck in Klischees abdrifte.

Vielen Dank für deine Rückmeldung!

die Kirsche
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Amarenakirsche
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 26
Beiträge: 226
Wohnort: tief im Westen


BeitragVerfasst am: 29.09.2019 15:33    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Kojote,

vielen Dank für das Lob! Das freut mich sehr.

Kojote hat Folgendes geschrieben:
Einige Dialoge sind mehr oder minder inhaltslos, betreffen also alltäglichen Smalltalk ohne wirkliche Bedeutung für die Handlung.


Danke für die Rückmeldung. Das behalte im Hinterkopf.

Liebe Grüße
die Kirsche
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Amarenakirsche
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 26
Beiträge: 226
Wohnort: tief im Westen


BeitragVerfasst am: 29.09.2019 15:35    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Selanna,

danke auch dir für die Rückmeldung.
Ja, das mit der Dusche und der anderen Wiederholung ist mir beim zehnten Durchlesen dann auch endlich mal aufgefallen, aber da war die Zeit schon um. Naja. smile

Danke trotzdem!
die Kirsche
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Amarenakirsche
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 26
Beiträge: 226
Wohnort: tief im Westen


BeitragVerfasst am: 29.09.2019 15:37    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Michel,

Michel hat Folgendes geschrieben:
Jemand versucht Kontakt aufzunehmen – Fragezeichen.

Ich wollte tatsächlich auf den jemanden hinaus, der glücklicher ist, als er scheint.

Zitat:
Die Rentner sorgen für ein komödiantisches Element. Liest sich glatt weg, aber gefühlt auch nicht mehr.


Danke schön! Das mit den Rentnern freut mich und den Rest kann ich auch nachvollziehen.

Liebe Grüße
Maren
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